21. November 1949

Laubacher Weihnachtsmarkt

Der Laubacher Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte am Freitagabend (18. November 1949) die Laubacher Geschäftsleute und die Bevölkerung zu einer Besprechung des bevorstehenden Laubacher Weihnachtsmarktes eingeladen.

Staatssekretär Brunner gab dazu einen Überblick über die Verkehrsmöglichkeiten zum Weihnachtsmarkt. Die Bundesbahn will für alle drei Tage Sonntags-Rückfahrkarten ausgeben. Außerdem werden die beiden Züge, 15.19 Uhr ab Laubach in Richtung Mücke und 17.14 Uhr ab Laubach, in Richtung Hungen am 11. Dezember ausnahmsweise auch sonntags verkehren.

Ferner sind sechs Omnibusrouten zu äußerst günstigen Preisen vorgesehen. Darunter als sechste Route Lardenbach - Klein-Eichen - Sellnrod - Altenhain - Freienseen - Laubach.

(dm/fp)

 
05. Oktober 1949

Zwei Omnibuslinien nach Grünberg

Die Grünberger Werbegemeinschaft hat zur besseren Verbindung der Nachbarorte, die ohne Bahnverbindung sind, zwei Omnibuslinien eingerichtet. Die eine Linie, die am Montag, Mittwoch und Freitag befahren wird, führt von Rüddingshausen über weitere Dörfer nach Grünberg. Die zweite Linie, die am Dienstag, Donnerstag und Samstag befahren wird, geht von Lardenbach über Sellnrod, Wohnfeld, Altenhain, Freienseen, Seenbrücke, Weickartshain nach Grünberg. Jede Linie wird täglich zweimal befahren. Die Fahrten werden mit dem Omnibus "Eegriewe" eines Grünberger Kraftfahrunternehmens durchgeführt. An den beiden Gallusmarkttagen ist auf beiden Linien ein Pendelverkehr mit demselben Omnibus vorgesehen.

(w/fp)

 
26. November 1949

Feldbereinigung

Der Prozess der Feldbereinigung Klein-Eichen ist in Gange. Im Herbst 1949 wird im Rahmen der Umlegung in der Gemarkung das Masseland neu zugeteilt. Auf Grund der Bekanntmachung vom 17. November 1949 und der durch Kommissionsbeschluß festgelegten und durch Aushang bekanntgemachten Bedingungen werden vom Kulturamt Lauterbach Massegrundstücke neu zugeteilt. Die Zuteilung kann nur im gesamten angenommen oder abgelehnt werden. Einsprüche sind am Mittwoch den 7. Dezember 1949 auf der Bürgermeisterei Klein-Eichen 10 Uhr schriftlich vorzubringen.

 
14. August 1949

Bundestagswahl 1949

Die Bundestagswahl 1949 fand am 14. August 1949 statt. Sie war die erste Bundestagswahl überhaupt und – nach den Wahlen zu den Landtagen und den Kommunalwahlen in den Jahren seit 1946 – die erste komplett freie Wahl auf deutschem Boden seit der Reichstagswahl vom 6. November 1932.

Die Wahl fand nur in der neu gegründeten Bundesrepublik statt, deren Grundgesetz im Auftrag der drei westlichen Besatzungsmächte vom Parlamentarischen Rat in Bonn erarbeitet, von ihnen genehmigt, mit Ausnahme des bayerischen von allen Landtagen in den drei Westzonen angenommen und sodann am 23. Mai 1949 verkündet worden war.

Mit 41 498 Stimmen siegte im Wahlkreis VIII (Gießen-Alsfeld) die Freie Demokratische Partei (FDP) vor der mit 26 905 Stimmen als zweitstärkste Partei in diesem Wahlkreis aus den Wahlen hervorgegangenen Sozialdemokratischen Partei. Die Freie Wählervereinigung erhielt 21 529 Stimmen, während auf die CDU 10 445, auf die KPD insgesamt 4 794 Stimmen entfielen.

Der Wahlausgang ist auf Bundesebene für viele überraschend: CDU und Christlich Soziale Union (CSU) gewinnen mit 31 Prozent knapp vor der SPD mit 29,2 Prozent. Drittstärkste Kraft werden die Liberalen mit 11,9 Prozent der Stimmen. Radikalen Parteien von links und rechts erteilen die Wähler eine klare Absage.

In Klein-Eichen waren 152 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt. Abgegeben wurden 110 Stimmen. Davon gültig waren 108 Stimmen. In Lardenbach gab es 343 Wahlberechtigte. Bei 281 abgegebenen Stimmen waren 278 Stimmen gültig. Wahlberechtigt war, wer das 21. Lebensjahr erreicht hatte.

Klein-Eichen
Wahlberechtigte
Gültige Stimmen
Lardenbach
Wahlberechtigte
Gültige Stimmen
152
108
343
278
SPD
6
SPD
33
CDU
1
CDU
26
FDP
68
FDP
147
KPD
-
KPD
1
FW
33
FW
71
 
17. Juli 1949

Bischof in Laubach, 1949

Auf seiner Reise durch Oberhessen besuchte im Juli 1949 seine Exzellenz Bischof Dr. Albert Stohr die katholische Gemeinde in Laubach. Zu diesem Besuch hatten sich auch die dem Seelsorgebezirk angeschlossenen katholischen Gemeindemitglieder aus Wetterfeld, Münster, Ruppertsburg, Röthges, Gonterskirchen, Freienseen, Weickartshain, Lardenbach und Klein-Eichen eingefunden.

In der Laubacher Stadtkirche fand ein Festgottesdienst statt, in dessen Mittelpunkt eine Ansprache des Bischofs stand. Die Rede Dr. Stohrs richtete sich in der Hauptsache an die Heimatvertriebenen, die sich in der Diaspora im Bewußtsein der Zusammengehörigkeit im Glauben an die Allgegenwart Gottes zusammenfinden.

Anschließend an den feierlichen Gottesdienst erteilte Bischof Dr. Stohr das Sakrament der Firmung, an dem etwa 1000 Firmlinge teilnahmen. Nach der heiligen Messe fand eine Religionsprüfung durch den Geistlichen und die Lehrkräfte statt, an der sich die Kinder rege beteiligten. Auch Bischof Dr. Stohr richtete einige Fragen an die Prüflinge und äußerte sich sehr befriedigt über das Ergebnis.

(d/Freie Presse)

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26. Januar 1949

Bekanntmachung

über die Offenlegung der Ergebnisse der Bodenschätzung.

Die Ergebnisse der Bodenschätzung für die Gemeinden Albach, Hattenrod, Klein-Eichen, Oppenrod, Steinbach werden in der Zeit vom 1. bis 28. Februar 1949 am Finanzamt Gießen offengelegt. Einzelheiten über die Offenlegung werden durch die zuständige Bürgermeisterei ortsüblich bekanntgegeben. Den Grundstückseigentümern und Nutzungsberechtigten wird empfohlen, die Offenlegung zu beachten.

Der Vorsteher des Finanzamts Gießen

 
20. Juni 1948

Währungsreform 1948

Die Währungsreform von 1948 trat am 20. Juni 1948 in der Trizone, den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands, in Kraft. Ab 21. Juni 1948 war dort die Deutsche Mark („DM“, auch „D-Mark“) alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Die beiden bisher gültigen Zahlungsmittel Reichsmark und die Rentenmark („RM“) wurden zwangsumgetauscht und dabei mehr oder weniger im Nennwert herabgesetzt. Die Währungsreform von 1948 gehört zu den bedeutendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Erst am 18. Juni, einem Freitag, wird über Rundfunk und Aushänge die Bevölkerung der Trizone über die anstehende Währungsreform und den Ablauf informiert. So natürlich auch in Klein-Eichen. Geredet wurde über die Währungsreform natürlich schon lange.

Gerade in der Woche vor dem 20. Juni befand sich der Gymnasiast Karl Volp auf Wandertour am Edersee. Am Samstag kamen er und sein Klassenkamerad, Ludwig Hofmann aus Gonterskirchen, mit dem Zug in Gießen auf dem Bahnhof an. Hier überlegten sich die 17-jährigen was sie denn mit ihren Resten an Reichsmark machen sollten.

Wie die Zeiten damals so waren, das Geld hatte nicht mehr viel Wert, blühte der Schwarzhandel. Und so ein Bahnhof, wie in Gießen, war ein Zentrum des Schwarzhandels. Also ergriffen die Beiden die Gelegenheit und jeder kaufte sich bei einem Schwarzhändler für jeweils 5 RM eine einzige Zigarette.

Die Ausgabe des „Kopfgeldes“ erfolgte im ersten Schritt ab dem frühen Sonntagmorgen, 20. Juni 1948, in Klein-Eichen beim Bürgermeister Eckhardt. An Einzelstehende bzw. „Haushaltsvorstände“ verteilte der 40 DM je Kopf, in der Regel als 1 Zwanzigmarkschein, 2 Fünfmarkscheine, 3 Zweimarkscheine, 2 Einmarkscheine und 4 Einhalbmarkscheine.

Am 21. Juni 1948, dem Stichtag der Währungsreform, erlosch die Gültigkeit aller alten Zahlungsmittel außer dem Kleingeld bis 1 RM, das zu einem Zehntel seines Nennwertes vorerst noch gültig blieb; gleiches galt für Briefmarken.

Waren am Samstag, dem 19. Juni 1948, noch viele Geschäfte wegen "Umbau", "Ausverkauft" oder "Krankheit" geschlossen, so änderte sich das am Montag sehr schnell. Es füllten sich die Schaufenster (manchmal mit erläuternden Schildern wie: „keine gehorteten Waren“) mit Lebensmitteln, Toilettenartikeln, Schnaps, Schokolade und Zigaretten.

Das war selbst in Klein-Eichen so ähnlich. Hier gab es damals zwei Lebensmittelgeschäfte und einen Haushaltsladen. Lebensmittel gab es bei "Rechnersch" (Oppers/Zabel) und Hoffmanns (Loob). Von Teller, Tassen und Einmachgläser bis zu Kuhketten, Bürsten und Nägel konnte man vieles bei Volpe Marie bekommen.

Insgesamt war die Währungsreform das im positiven Sinne markanteste kollektive Erlebnis in der westdeutschen Nachkriegszeit nach 1945, vor allem weil Ludwig Erhard (Direktor der Verwaltung für Wirtschaft, später Wirtschaftsminister) sie mit der fast völligen Aufhebung der „Bewirtschaftung“ (Rationierung) der Güter des Alltagsbedarfes verband: „Auf einmal gab es alles!“

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28. April 1946

Erste Kreiswahl

Auch die Klein-Eichener konnten erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg frei den Kreistag wählen. Fünf Listen hatten an der Kreiswahl im "Jahr der wiedergewonnen politischen Freiheit", so Landrat Karl Benner damals, teilgenommen: Die SPD, das Christliche Landvolk, die CDU, die KPD und die LPD. Wegen der mit 15 Prozent hoch angesetzten Sperrklausel schafften nur SPD (50,9 Prozent) und Christliches Landvolk (26,8 Prozent) den Einzug in den neuen Kreistag; dem 31 Abgeordnete angehörten.

 
18. April 1946

Bürgermeisterwahl 1946

Nachdem im Januar 1946 in Hessen die ersten freien Wahlen zu den Gemeinderäten stattgefunden hatten, sollte sich auch der Gemeinderat in Klein-Eichen konstituieren. Am 9. Februar 1946 fand die erste Sitzung statt. Diese wurde kommissarisch geleitet von Lardenbachs Bürgermeister Felsing. Wo man sich traf ist nicht bekannt. In dieser ersten Sitzung sind die "Ortsgemeindemänner" bestimmt/gewählt worden. Als Gemeinderäte fungierten Heinrich Maurer, Karl Biedenkopf, Heinrich Zimmer, Karl Faust und Wilhelm Eckardt.

Am 18. März 1946 dann tagte die Gemeindeversammlung "nachmittags um 8 Uhr" wieder mit Bürgermeister Felsing. Heute wurde eine Satzung verabschiedet in der die Stelle des Bürgermeisters als ehrenamtlich genannt wird. Und der Bürgermeister erhält eine Aufwandsentschädigung von maximal 500 RM. Der Gemeinderechner erhält ebenfalls eine Aufwandsentschädigung. Die beträgt 75 Prozent des Betrages den der Bürgermeister erhält. Weiter steht in der Satzung, dass dem Bürgermeister ein Beigeordneter zur Seite steht. Und die Gemeindevertretung setzt sich aus 5 Mitgliedern zusammen. Diese Hauptsatzung soll dann am Tage ihrer ortsüblichen Bekanntmachung in Kraft treten.

Die Mitglieder der Gemeindevertretung haben sich eine Woche später, am 25. März 1946, wieder zusammen gesetzt. Diesmal waren die "Verhandlungsgegenstände" die Bürgermeister- und Beigeordnetenwahl. Allerdings kam die Bürgermeisterwahl nicht zustande. Diese wurde vorläufig zurückgestellt. Als Beigeordneter vorgeschlagen und einstimmig gewählt wurde Wilhelm Hoffmann.

In der nächsten Sitzung, am 11. April 1946, waren zwar alle Gemeinderäte erschienen, aber diesmal ging es nur um die Einstellung eines Feldschützen. Hierzu vorgeschlagen und gewählt wurde Otto Peppler. Für seine Tätigkeit ist ihm ein Gehalt von 80 RM bewilligt worden.

Wieder eine Woche später, am 18. April 1946, kam die Wahl eines Bürgermeisters endlich zu Stande. Der 36 Jahre alte Wilhelm Eckhardt ist an diesem Abend einstimmig zum Bürgermeister von Klein-Eichen gewählt worden. Anwesend waren dazu Beigeordneter Wilhelm Hoffmann sowie die Mitglieder Heinrich Maurer, Karl Biedenkopf, Karl Faust und Heinrich Zimmer.

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17. April 1946

Flüchtlinge und Heimatvertriebene kommen nach Klein-Eichen

Was seit Mitte 1945 als Gerücht die Runde machte, nämlich die Vertreibung von Millionen von Menschen aus den Ostgebieten, wurde im Frühjahr 1946 zur Gewissheit. Mit einem Sonderzug aus Furth im Wald an der deutsch-tschechischen Grenze erreichten rund 1200 Menschen aus dem Sudetenland ihr zukünftiges Zuhause: Mittelhessen. Das schwer kriegszerstörte Gießen war dabei zunächst nur Durchgangsstation. In diesem Jahr 1946 hat alleine Hessen über 397.000 vertriebene Menschen aufgenommen.

Täglich wurden rund 1400 Menschen in die Lager gebracht, gesundheitlich betreut und ihnen innerhalb einer Woche Privatquartiere zugewiesen. Mit dem ersten Flüchtlingstransport am 17. April 1946 kamen 25 Personen nach Klein-Eichen. Und am 10. Mai 1946 kam die zweite Gruppe mit 30 Personen ins Dorf. Mit ihrer wenigen Habe und auf Lastwagen kamen Männer und Frauen, Kinder und Alte. Ihnen wurden Quartiere in den Bauerhäusern zugewiesen. Fast in jedem Haus musste man nun zusammenrücken. Auf engstem Raum waren nun Menschen aufeinander angewiesen mit einer anderen Geschichte, fremden Dialekt und teils auch einer anderen Konfession. Nicht immer blieb es dabei so harmonisch.

Die Aufnahme der neuen Mitbürger stellte die Gemeinde vor große Probleme. Klein-Eichen hatte ca. 150 Einwohner. Innerhalb kürzester Zeit waren es plötzlich um ein Drittel mehr Menschen im Dorf. Sowohl Wohnraum als auch Nahrungsmittel mussten organisiert werden. Brennmaterial wurde benötigt und Arbeitsplätze. Nicht alle Heimatvertriebene blieben am Ort. So mancher zog wieder fort. Sei es nur bis nach Lardenbach oder auch weiter weg. Doch einige Familiennamen sind bis heute längst fester Bestandteil des Gemeinwesens. Und gerade die Jüngeren wissen nicht um die Herkunft und Wurzeln ihrer Mitbewohner.

 
20. Januar 1946

Kommunalwahl

Am 20. und 27. Januar 1946 wählten die hessischen Gemeinden mit höchstens 20000 Einwohnern ihre Ortsparlamente. Mit einer Beteiligung von 84,9 Prozent waren die ersten freien Wahlen nach der Nazi-Zeit ein voller Erfolg. Die SPD erreichte 44,5 Prozent und lag damit deutlich vor der CDU, die auf 31 Prozent kam. Die kommunistische KPD holte 5,7 Prozent, die später als FDP umbenannte LDP 2,7 Prozent.

Oberst Newman, Leiter des Amtes der Militärregierung für Großhessen überzeugte sich persönlich von der Stimmung in der Bevölkerung, die durch 12 Jahre Naziherrschaft schon lange keinen Gebrauch mehr von ihrem Wahlrecht hatte machen können.

Die Beteiligung der Frauen an den Wahlen war fast überall sehr groß. Etwa 60% aller abgegebenen Stimmen wurden von Frauen abgegeben. Dieser Umstand ist umso bemerkenswerter, weil die Frauen gerade in ländlichen Gemeinden bisher keinen allzu großen Anteil am politischen Leben genommen haben.

Das Ergebnis der Wahl in den Gemeinden wurde nach Verteilung der Sitze im Kreis Gießen aufgelistet. Demnach haben die Klein-Eichener 5 Sitze zu vergeben. Davon fielen auf das Christliche Landvolk alle 5 Sitze (bei insgesamt 130 Sitzen). In Lardenbach bekamen die 5 Sitze der "W.aufbau" (Wiederaufbau).

(FP)

 
19. September 1945

Hessen

Der Oberste Befehlshaber der Amerikanischen Streitkräfte in Europa, Dwight D. Eisenhower, erläßt die "Proklamation Nr. 2", in der er die Bildung von Bayern, Würtemberg-Baden und Groß-Hessen bekannt gibt. Dieses Groß-Hessen, das bald nur noch Hessen heißt, setzt sich aus der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau und dem früheren Volksstaat Hessen zusammen. Kurz nach der Proklamation setzen die Amerikaner eine hessische Landesregierung ein.

 
29. März 1945

Die Amis kommen!

Am späten Abend des 24. März 1945 stürmen die Amerikaner aus ihrem Rhein-Brückenkopf bei Remagen und starten eine Großoffensive in Richtung Westerwald, Taunus und das mittlere Hessen. Am Abend des 28. März ist die Stadt Gießen nach zahlreichen kleineren Gefechten in der Hand der Amerikaner.

In einem Bericht der US-Armee heißt es: "Das Tagesziel der 4. Panzerdivision waren am 28. März 1945 die Höhenlagen östlich von Gießen nahe Grünberg. Die Vormarschtruppen setzten sich um 5 Uhr in Marsch, um den Angriff durch den Brückenkopf Hanau nach Norden vor zu tragen. Über Münzenberg und Lich erreichte man um 16 Uhr eine Stellung nordöstlich von Grünberg. Die Angriffstruppen hielten Grünberg als Vorposten für die Nacht.

Für den 29. März hieß der Auftrag den Angriff nach Osten mit Lauterbach als Tagesziel voranzutragen. Ein Teil der Truppen fuhr über Lumda, Atzenhain, Merlau, Kirschgarten, Ruppertenrod Richtung Alsfeld. Ein anderer Vorstoß erfolgte von Grünberg über Weickartshain. Ortsausgang Mücke, beim Sportplatz, war die Brücke am Abend zuvor von der "SS" gesprengt worden.

Der 29. März war Gründonnerstag vor Ostern. Es war ein etwas dunstiger Morgen. Die Bevölkerung war völlig verunsichert. Niemand wußte was auf sie zukommen würde. Schon tagelang verbreiteten sich die Gerüchte und Meldungen aus den Volksempfängern, dass die Amis im Anmarsch seien. Am Vorabend zum Gründonnerstag hörte man im Dorf entfernt aus Richtung Grünberg Schüsse und Explosionen.

Früh am Morgen drangen dann immer lauter werdende Motorengeräusche und das Rasseln der Ketten heran. Auf der Höhe zwischen Lardenbach und Seenbrücke stand die Spitze der vorstoßenden Amerikaner. Längst waren Kriegsgefangene, Franzosen und Belgier, mit weißem Tuch vornweg den amerikanischen Truppen entgegen gelaufen. Diese berichteten, dass keine deutschen Soldaten in den beiden Dörfern seien. Und so fuhren die Amis einfach weiter. Eine nicht endend wollende Kolonne mit militärischen Fahrzeugen, Panzer, Jeeps, Lastkraftwagen, alle schwer bewaffnet, und voll besetzt mit Soldaten, zogen durch die Dörfer weiter Richtung Sellnrod. Längst stand die Dorfbevölkerung an den Straßen und blickte ungläubig auf das Geschehen. Nichts war passiert. Kein einziger Schuß war gefallen. Vielleicht war nun das Aufregendste, dass die Meisten zum ersten Mal einen Farbigen sahen.

Für die Einwohner war der Krieg schneller als erwartet zu Ende gegangen, aber an anderen Orten wurde noch verbissen weitergekämpft, und es sollte noch einige Wochen dauern, bis am 8. Mai endlich die Waffen schwiegen.

 
28. April 1942

Kind stürzt in Dorfteich

Das vier Jahre alte Töchterchen (Hildegard) des im vorigen Jahr im Osten gefallenen Wilhelm Zimmer fiel beim Spielen am Dienstag (28. April 1942) unbemerkt in den Klein-Eichener Dorfteich. Erst als das Kind, mit dem Leben kämpfend, in dem Teich trieb, wurde der zufällig in der Nähe arbeitende Landwirt Ernst Maurer aufmerksam. Es gelang ihm im letzten Augenblick, das bereits versinkende Kind an einem Bein zu fassen und aus dem Wasser herauszuziehen. Erst nach langer Mühe konnte das Kind wieder zum Leben zurückgerufen werden.
(Das Schicksal wollte es, dass 18 Jahre später der Sohn von Hildegard eben in demselben Teich ertrank.)

(Grünberger Heimat Zeitung)

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21. März 1942

Lebensmittelrationen

Auf Grund des im Reichsanzeiger vom 19. März veröffentlichten Erlasses über die Durchführung des Kartensystems für Lebensmittel für die 35. Zuteilungsperiode vom 6. April bis 3. Mai 1942 treten in der Höhe der Rationen für Brot und Mehl, Fleisch, Fette sowie Kaffee-Ersatz und Zusatzmittel Veränderungen ein. Das Umtauschverhältnis Marmelade : Zucker wird auf 700 zu 350 Gramm (bisher 450 Gramm) geändert.

Die Käseration wird von 125 Gramm auf 187,5 Gramm erhöht; außerdem werden wie bisher 125 Gramm Quark ausgegeben. Jeder Versorgungsberechtigte mit Ausnahme der Selbstversorger erhält in der 35. Zuteilungsperiode eine Sonderzuteilung von einer Normaldose Kondensmilch.

Im übrigen bleiben die laufend gewährten Rationen an Schweineschlachtfetten, Quark, Getreidenährmitteln, Teigwaren, Kartoffelstärkeezeugnissen, Vollmilch, Zucker, Marmelade, Kunsthonig und Kakaopulver gegenüber der 34. Zuteilungsperiode unverändert.

Im einzelnen bleiben die Brotration der Kinder und Jugendlichen von 6 bis 20 Jahren sowie die Brotzulagen der Schwer-, Schwerst-, Lang- und Nachtarbeiter unverändert. Gesenkt werden dagegen die Brotration der Normalverbraucher über 20 Jahre um wöchentlich 250 Gramm auf 2000 Gramm und die Brotration der Kinder bis zu drei Jahren um 200 Gramm wöchentlich auf 900 Gramm. Die Kinder bis zu drei Jahren erhalten jedoch unverändert wöchentlich 125 Gramm Kinderstärkemehle. Die Brotration der Kinder von drei bis sechs Jahren wird um wöchentlich 100 Gramm erhöht unter Herabsetzung der Ration an Kinderstärkemehle auf die Hälfte.

Bei Fleisch oder Fleischwaren werden die Rationen der Normalverbraucher über 18 Jahre und der Kinder bis zu sechs Jahren um wöchentlich 100 Gramm, die Rationen der Kinder und Jugendlichen von 6 bis 18 Jahren um wöchentlich 60 Gramm gekürzt. Die Zulagen werden für Schwerarbeiter um wöchentlich 100 Gramm, für Schwerstarbeiter sowie Lang- und Nachtarbeiter um wöchentlich 50 Gramm gesenkt.

Die Ration an Kaffee-Ersatz und -Zusatzmitteln wird für Verbraucher über drei Jahre auf 312,5 Gramm je Zuteilungsperiode festgesetzt. Kinder bis zu drei Jahren erhalten keine Kaffee-Ersatz und -Zusatzmittel.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
10. März 1942

Erfassungsappell

Auf Grund der Ausführungsbestimmungen des vom Führer 1936 erlassenen Gesetzes zur Erfassung aller Jugendlichen zur Hitler-Jugend fand in Laubach (im März 1942) für die Orte Stockhausen, Freienseen, Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain, Wetterfeld, Ruppertsburg, Gonterskirchen und Laubach ein Erfassungsappell statt, den die Bannerführerin Inge Haack für die weibliche Jugend in der Laubacher Oberschule und der Hauptstammführer Wolf für die männliche Jugend in der Volksschule durchführten.

An Hand der von den Bürgermeistern zusammengestellten Listen wurden die Jahrgänge 1924-1929 erfasst. Einleitend machten die mit dem Appell Beauftragten die Jugend auf die gesetzlichen Bestimmungen über die Jugenddienstpflicht aufmerksam. Sodann fand eine genaue Kontrolle der Personalien, der Ausweise, Lichtbilder und Uniformen statt.

(Grünberger Heimat Zeitung)

(Die gesetzlich vorgeschriebene „Jugenddienstpflicht“ verpflichtete alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren, in die für sie vorgesehene Unterorganisation der HJ einzutreten, wo an zwei Tagen pro Woche „Dienst“ zu leisten war. Im Mittelpunkt der nach dem „Führerprinzip“ geordneten Organisationen stand die körperliche und ideologische Schulung; sie umfasste rassistische und sozialdarwinistische Indoktrination und gemeinsame Wanderungen bzw. Märsche und körperliche Übungen im Freien. Diese sollten schon die zehnjährigen männlichen Jugendlichen abhärten und langfristig auf den Kriegsdienst vorbereiten. Um auch alle Jugendlichen zum Dienst zu erfassen, fanden die Erfassungsappelle statt.)

 
22. Januar 1942

"Achtet auf die bäuerlichen Urkunden und Archivalien"

In der Grünberger Heimat Zeitung vom 22. Januar 1942 erschien unter der Rubrik "Hof und Schoille" in der für die Kriegsjahre üblichen belehrenden Art der folgende Artikel: "Der § 8 des Reichserbhofgesetzes besagt, dass zum Hofzubehör auch die auf den Hof bezüglichen Urkunden, aus früheren Geschlechterfolgen stammende Familienbriefe, ferner Bilder mit Erinnerungswert, Geweihe und ähnliche auf den Hof und die darauf seßhafte Bauernfamilie bezügliche Erinnerungsstücke gehören.

Diese Urkunden und Archivalien sind für die Aufstellung der Familien- und Hofgeschichten und für den Nachweis der Alteingesessenheit unerläßlich. Sie stärken den Sippengedanken. Die Urkunden und Archivalien dürfen daher auch nicht in irgendeiner beliebigen Ecke der Wohnung aufbewahrt werden, sondern gehören in eine ehrwürdige Truhe oder in einen Ahnenschrein an einem Ehrenplatz in der Wohnung, wo sie vor Verlust zu schützen sind.

Wenn Urkunden aus ihrer unmittelbaren Verbundenheit mit dem Hof und der Sippe herausgelöst werden, dann sollten wenigstens Abschriften oder Fotokopien auf dem Hof bleiben. Die Übernahme der bäuerlichen Urkunden und Archivalien in die Staatsarchive ist nur dann anzustreben, wenn es sich um schriftliche Quellen handelt, die einen geschichtlichen Wert für die Allgemeinheit darstellen, oder die am Orte ihrer bisherigen Aufbewahrung gefährdet erscheinen. Die Staatsarchive haben Interesse nur, wenn sich etwa auf einem alten Hof reichhaltiges Material findet, dem wichtige Zeugnisse für die Geschichte des Besitztums und der ländlichen oder sozialen Verhältnisse entnommen werden könnten.

Im allgemeinen sollen die bäuerlichen Urkunden und Archivalien auf den Höfen bleiben. Besonders ist bei einem Besitzwechsel oder auch bei Entrümpelungsmaßnahmen auf die vorhandenen Urkunden und Archivalien zu achten. Sie können dabei leicht abhanden kommen oder vernichtet werden. Bei den Bestrebungen, die Urkunden und Archivalien sicherzustellen, helfen und beraten die Kreisbauernschaften."

(Grünberger Heimat Zeitung)

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13. Januar 1942

Im Kriegsjahr 1942

In der Grünberger Heimatzeitung wurde im Januar 1942 folgender Aufruf veröffentlicht:

"Volksgenossen! Um die Schlagkraft unserer Truppen an der Ostfront zu erhöhen, findet nunmehr auch eine Erfassung der Rodelschlitten in der Länge von 80 bis 200 cm statt. Die Sammelstelle für die Ortsgruppe Grünberg ist im Keller der Turnhalle eingerichtet. Liefert sofort alle brauchbaren Schlitten ab ...!

Die wenigen säumigen Skiläufer und Skiläuferinnen oder ihre Angehörigen, die die Ski-Ausrüstungen in Verwahrung haben, werden hiermit zum letzten Male aufgefordert, den kämpfenden Truppen ihre Hilfe nicht zu versagen und die Ski-Ausrüstungen unverzüglich zur Sammelstelle zu bringen.

Fast alle Haushaltungen haben in reichen, zum Teil in überreichem Maße Wintersachen gespendet. Den Spendern und Spenderinnen, sowie allen Frauen und Mädchen, die sich an den Nähstunden der NS.Frauenschaft beteiligt haben, Dank und Anerkennung!

Volksgenossen! Prüft noch einmal Eure Bestände, denkt an den Heldenkampf unserer Soldaten und tut Eure Pflicht!

Nach einer Bekanntmachung des Eierwirtschaftsverbandes Hessen-Nassau ist jeder Hühner- und Entenhalter verpflichtet, in der Zeit vom 1. Oktober 1941 bis 30. September 1942 wiederum mindestens 60 Eier je gehaltene Henne oder Ente zur Ablieferung zu bringen. Es wird im laufenden Jahre besonders darauf geachtet werden, dass auch die Enten zur Veranlagung kommen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 

Der weitgehend auf Europa beschränkte Krieg weitete sich um die Jahreswende 1941/42 zu einem Weltkrieg aus.

Die Anspannung aller Kräfte für die Kriegswirtschaft führt im Deutschen Reich seit Anfang des Jahres zur rücksichtslosen Forcierung des Einsatzes von Zwangsarbeitern aus den besetzten Gebieten, Kriegsgefangenen und Häftlingen aus Konzentrationslagern.

In Nordafrika mussten die Deutschen einen weiträumigen Rückzug einleiten. In der Sowjetunion konnte die Wehrmacht bis zum Frühjahr 1942 nur unter enormen Verlusten den Zusammenbruch der Front verhindern. Immer häufiger schlug der Krieg im Verlauf des Jahres 1942 auf Deutschland zurück.

(chronik.net)

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27. Dezember 1941

Einziehung der Glocken

Zur Erweiterung der Reserven unserer Rohstoffwirtschaft werden gegenwärtig überzählige Kirchen- und Rathausglocken abgenommen. Es handelt sich dabei um eine vorsorgliche Maßnahme, wie sie allgemein bereits vor 130 Jahren während der Befreiungskriege erstmalig und danach sowohl im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wie in den ersten Weltkriegsjahren zur Durchführung kam. Es ist Vorsorge getroffen, dass jeder Gemeinde mindestens eine Glocke erhalten bleibt. Alle künstlerisch oder historisch wertvollen Glocken werden ebenfalls dem Kulturgut des deutschen Volkes bewahrt.

(Grünberger Heimat Zeitung, 27. Dezember 1941)

Von dieser Aktion war die Klein-Eichener Kirche nicht betroffen, wohl aber die in Lardenbach.

Von November 1941 bis April 1942 nahm das Regime 54.000 Glocken ab, von denen 37.000 unmittelbar zu den Hütten transportiert wurden; 15.000 Glocken kamen zunächst in Sammellager, und nur 2.000 Glocken blieben vorübergehend liegen. Insgesamt wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs rund 102.500 Glocken abgehängt, von denen der Großteil auch eingeschmolzen wurde.

Die wenigen Glocken, die nicht eingeschmolzen wurden, lagerten am Ende des Krieges meist auf "Glockenfriedhöfen". Der größte Lagerplatz dieser Art befand sich auf einem Gelände in der Nähe des Hamburger Hafens, wo nach der Kapitulation des Deutschen Reichs noch mehr als 10.000 Glocken auf den Schmelzofen warteten. Immerhin: Viele dieser Glocken konnten in den Jahren nach dem Krieg an die Kirchengemeinden in Deutschland und den ehemals besetzten Gebieten zurückgegeben werden. geschmolzen wurde.

(S. Zimmermann)

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17. November 1941

Unterricht der Landwirtschaftsschule

Im Bezirk der Landwirtschaftsschule Grünberg fand die diesjährige Herbstprüfung der Landarbeitslehrlinge in Lauter im Betrieb von Ludwig Schudt statt. Die Prüfung zeigte, dass die meisten Aufgaben, welche die praktischen Prüfer in Stall, Scheune, Speicher, Hof, Geräte- und Maschinenschuppen sowie auf dem Feld stellten, schnell und zufriedenstellend gelöst wurden. Die Auswertung der schriftlichen Aufgaben brachte ebenfalls ein befriedigendes Ergebnis.

In ähnlicher Weise waren 9 ländliche Hausarbeitslehrlinge in Odenhausen im Betrieb der Bezirksabteilungsleiterin zur Prüfung angetreten. Die Prüfung wurde von den Lehrerinnen der Landwirtschaftsschule abgehalten, die Prüferinnen waren Frau Müller (Klein-Eichen) und Frau Keller (Freienseen). Die Prüfung erstreckte sich hauptsächlich auf praktische Aufgaben in Kochen, Hausarbeit und Wäschebehandlung, Garten- und Stallarbeit.

Zu Beginn des Novembers wurde der diesjährige Lehrgang in der Oberklasse der Landwirtschaftsschule Grünberg mit 18 Schülern eröffnet. Durch Einberufungen zur Wehrmacht steht von den 3 früheren Lehrkräften nur noch der Direktor der Schule zur Verfügung. Infolgedessen mußte eine Sonderregelung Platz greifen, nach der in diesem Winter die beiden Klassen nicht nebeneinander, sondern in Kurzlehrgängen von 9 bzw. 8 Wochen nacheinander unterrichtet werden.

Der Kurzlehrgang in der Oberklasse wird am 15. Januar 1942 beendet, während der Lehrgang für die Unterklasse, zu der 30 Schüler angemeldet sind, am 17. Januar beginnen und rechtzeitig zur Frühjahrsbestellung, etwa am 20. März, geschlossen werden wird. Als Aushilfskräfte sind 2 Fachlehrer aus benachbarten Landwirtschaftsschulen an je 2 Wochentagen tätig.

Infolge der Kürze der für jeden Lehrgang zur Verfügung stehenden Zeit mußten einige Nebenfächer zugunsten der Hauptfächer, deren Stundenzahl entsprechend erhöht wurde, stärker beschnitten werden. Wenn auch diese Regelung für Lehrer und Schüler manche Unannehmlichkeiten mit sich bringt, so darf auf der anderen Seite nicht außer Acht gelassen werden, dass es nur auf diese Weise möglich ist, die so dringend erforderliche Fachausbildung der "Kriegsjahrgänge" der Jungbauern sicher zu stellen.

Die heranwachsende Bauernjugend wird nach der Beendigung des Krieges wichtige Aufgaben zu lösen haben, zu deren Bewältigung eine gediegene Fachausbildung notwendiger denn je ist.

Die Mädchenklasse wurde am 10. November im Beisein der Mütter mit 24 Schülerinnen eröffnet. Eine Reihe weiterer Anmeldungen mußte auf den nächsten Herbst zurückgestellt werden. Da die seither bewährten 2 weiblichen Lehrkräfte zur Verfügung stehen, kann dieser Lehrgang ohne Einschränkungen durchgeführt werden. Die Gesamtzahl der Schüler und Schülerinnen beträgt im laufenden Winterhalbjahr 72 gegenüber 59 im Vorjahr.

(Grünberger Heimat Zeitung, 17. November 1941)

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16. Oktober 1941

Der dritte Kriegsgallusmarkt

Am Anfang des 461. Grünberger Gallusmarktes, des dritten Kriegsgallusmarktes, stand das Totengedenken, mit dem Bürgermeister König am Dienstagabend im Rathaussaal die schlichte Feier zur Markteröffnung und Begrüßung der Urlauber (von der Front) eröffnete. Aus Frankreich, Holland, Litauen, aus deutschen Standorten und Lazaretten, aus Helgoland, Dänemark und aus Nordafrika war, zum Teil nach langer Abwesenheit von der Heimat, eine stattliche Anzahl junger Grünberger erschienen.

.Der Bürgermeister dankte ihnen für ihren Einsatz im Kampf um Deutschlands Größe und Freiheit und wies darauf hin, dass sich im Rahmen dieses Kampfes im Osten zurzeit Dinge von unvorstellbarer Größe ereignen, ... Dem Führer ... sei es zu danken,, dass Grünberg mit seiner Umgebung das alte Heimatfest, den Gallusmarkt zum 461. Male begehen könne. Der Bürgermeister streifte die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des Gallusmarktes ... Mit Grüßen an die zahlreichen Väter und Söhne aus Grünberg, die draußen ihre vaterländische Pflicht erfüllen, und Worten herzlichen Dankes an den Vorsitzenden des Gallusmarktausschusses ... erklärte der Bürgermeister den Gallusmarkt 1941 für eröffnet.

Wie die Feier der Markteröffnung stand das anschließende kameradschaftliche Beisammensein im "Hessischen Hof" und "Hirsch", bei dem die Urlauber Gäste des Gallusmarktausschusses waren, im Zeichen unverbrüchlicher Zusammengehörigkeit von Front und Heimat.

Der Auftrieb zum Viehmarkt auf der Lehmkaute am Mittwochmorgen betrug 382 Ferkel, eine Kuh und ein Rind. Der Handel auf dem Ferkelmarkt, der seit vielen Jahren dem ganzen Viehmarkt sein Gepräge gibt, setzte zunächst schleppend ein, wurde aber gegen Schluß ziemlich lebhaft. Fast sämtliche Tiere wechselten den Besitzer. Die Preise waren normal. Es kosteten 6 Wochen alte 10 bis 14, 6 bis 8 Wochen alte 15 bis 18, 8 bis 13 Wochen alte Ferkel 19 bis 25 RM.

Da auch die Wandergewerbetreibenden und ihr Personal zum großen Teil eingezogen sind und die Herstellung der meisten marktgängigen Waren kriegsbedingten Einschränkungen unterliegt, war der Krämermarkt auf der Käswiese nur mit 40 - 50 Ständen beschickt. Im wesentlichen wurden feilgehalten: Knöpfe, Schuhriemen, Kämme, Hosenträger, Kragen, Besen, Bürsten und Holzlöffel, Geldbeutel, Handtaschen und Rasierapparate aus neuen Werkstoffen, Bilder und Schmuckwaren, Bleistifte, Spielsachen, in geringer Menge auch Stahl- und Textilwaren, ja sogar Konditoreiwaren, Süßigkeiten und Knoblauch.

Der Vergnügungspark ist beschickt mit einem Karussell, einem Kettenkarussell, einer Schiffschaukel, einem Hundezirkus, vier Schießbuden und einem Verlosungsstand. Der Marktwirt Philipp Müller (Grünberg) begnügte sich diesmal mit einem kleinen Wirtszelt, hielt aber die Tradition trotz allen kriegsbedingten Schwierigkeiten in dankenswerter Weise aufrecht.

Eine freudige Überraschung war der außerordentlich starke Besuch des dritten Kriegsgallusmarktes. Er übertraf den schon verhältnismäßig starken Besuch des voigen Jahres und wurde somit zu einer Kundgebung stolzer Siegeszuversicht der Grünberger Gegend. Die Bahnlinien aus allen Richtungen brachten, fast wie in Friedenszeiten, Tausende von marktgästen heran. Stark war auch der Zustrom auf den nach Grünberg führenden Landstraßen. Die Schausteller auf dem markt machten unter diesen Umständen glänzende Geschäfte.

Wie in den Geschäften, setzte in den Wirtschaften der Betrieb vormittags ein, um den ganzen Tag über anzuhalten. Viele Gäste, hauptsächlich Selbstversorger vom Lande, hatten sich diesmal ihr Gallusmarktfrühstück vorsorglicherweise selber mitgebracht und gut daran getan, denn im Zeichen der kriegswirtschaftlichen Fleich- und Fettzuteilung ist es natürlich nicht möglich, Tausende von Sondergästen auf Anhieb restlos zufriedenzustellen. Gutes Bier dagegen war in ausreichendem Maße vorhanden. Die Stimmungskapellen fehlten. Nur zwei Blinde, ein Ziehharmonikaspieler und ein Trompeter, ließen auf den Straßen und in den Lokalen Soldatenlieder erschallen.

(Grünberger Anzeiger, 16. Oktober 1941)

 

 
13. September 1941

Deutsche Normalschrift

Durch eine Verfügung des Reichserziehungsministers wird mit Beginn des neuen Schuljahres eine wichtige, umwälzende Neuerung im Schulunterricht eingeführt: die Deutsche Normalschrift. Acht verschiedene Alphabete musste bisher der Schüler in Deutschland erlernen: die großen und kleinen Buchstaben der "deutschen" Druckschrift, die großen und kleinen Buchstaben der "deutschen" Schreibschrift, die großen und kleinen Buchstaben der "lateinischen" Druckschrift und schließlich der "lateinischen" Schreibschrift. Künftig scheiden die sogenannten deutschen Alphabete aus. Es wird nur noch die Deutsche Normalschrift erlernt, deren Schriftzeichen der bisherigen lateinischen Schrift am meisten ähnlich sind. Die Normalschrift ist alleinige Schreibschrift.

Im Übergang wird jedoch bis auf weiteres im zweiten und dritten Schuljahr das Lesen der sogenannten deutschen Druckschrift (Fraktur) gelehrt, damit die Frakturschriften in den bisherigen Büchern usw. auch weiterhin gelesen werden können. Die Schüler werden im Lesen der Frakturschrift so weit gefördert, dass sie den gedruckten Text fließend lesen können. Dagegen wird auf das Lesen von Schreibschriften in deutscher Schrift verzichtet. Wo die Fibeln bereits in Normalschrift vorliegen, fällt die deutsche Schreibschrift sofort weg.

Das Schriftalphabet der Normalschrift ist in dem Erlass in schräger Schriftlage veröffentlicht worden, während das bisherige Ausgangsalphabet nach Sütterlin in Steillage geschrieben war. In dem Schreiberlass wird besonders betont, dass die Stellung der Schrift, ob senkrecht oder in einem Winkel von 75 bis 80 Grad, von untergeordneter Bedeutung ist. Die natürliche Anlage des Schülers soll ausschlaggebend sein. Für das Normalalphabet ist die Rechtsneigung gewählt worden, weil sie am gefälligsten wirkt und am meisten verbreitet sein wird. Zur Erleichterung des Überganges vom Lesen zum Schreiben und umgekehrt sind die Schreibformen den Druckformen möglichst angepasst worden.

Im Einzelnen wird noch darauf hingewiesen, dass das Schreiben im Unterricht wieder stärker in den Vordergrund treten soll, auch auf der Oberstufe. Schönschreiben soll Schreiben nach der Anlage des Schülers sein. Für die Höheren Schulen wird angeordnet, dass die sogenannte deutsche Schrift bei der Anfertigung von schriftlichen Arbeiten vom Beginn des Schuljahres ab nicht mehr verlangt werden darf. In dem Maße, wie die Schüler und Schülerinnen bereits in der Volksschule die neue Normalschrift gelernt haben, ist diese auch in der Höheren Schule als einzige Schrift zu verwenden.

(Grünberger Anzeiger)

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09. August 1941

Musterung für den Arbeitsdienst

In diesen Tagen werden in Grünberg, Laubach, Lich und Gießen die im Landkreis Gießen ansässigen, rund 700 arbeitsdienstpflichtigen Mädel des Jahrganges 1923 für den weiblichen Arbeitsdienst gemustert. In Grünberg erschienen gestern (8. August 1941) vormittag, von ihren Bürgermeistern geführt, etwa 80 Anwärterinnen auf den Maidendienst aus den Orten Reiskirchen, Saasen, Ettingshausen, Harbach, Klein-Eichen, Lardenbach, Weickartshain, Weitershain, Göbelnrod, Lauter, Lindenstruth, Reinhardshain, Queckborn, Stockhausen, Stangenrod, Bersrod und Climbach. Heute früh (9. August 1941) traten, etwa in gleicher Anzahl, die Mädel von Allertshausen, Geilshausen, Kesselbach, Londorf, Odenhausen, Rüddingshausen, Allendorf (Lda.), Treis (Lda.), Lumda und Beltershain an.

Die Mädel stellten sich zuerst im Sitzungssaal des Rathauses einem von Arbeitsführer von Sglinicki vom Arbeitsdienst-Meldeamt Gießen geleiteten Ausschuß, in dem der weibliche Arbeitsdienst durch die Maidenoberführerin Frau Flörke (Gießen), das Landratsamt Gießen durch Reg.-Inspektor Sommer und das Arbeitsamt Gießen durch Frl. Jöckel von der Nebenstelle Grünberg vertreten war vor.

Geübte Hilfskräfte der einzelnen Dienststellen halfen eine rasche Abwicklung des Musterungsgeschäftes sichern. Im Sitzungssaal wurden die persönlichen und Familienverhältnisse der Mädel geprüft. Dabei herrschte ein frölicher, ungezwungener Ton, und wie voriges Jahr war festzustellen, dass die meisten unserer Mädel gerne zum Arbeitsdienst einrücken würden. Mit Rücksicht auf den Mangel an ländlichen Arbeitskräften kann jedoch vorläufig nur den wenigsten dieser Wunsch erfüllt werden.

Für die ärztliche Untersuchung hatte sich Dr. med. Fuldat (Grünberg) zur Verfügung gestellt. Sie fand unter Beistand von zwei Maiden in den Räumen der NSB. im zweiten Stock des Rathauses statt und hatte ein befriedigendes Ergebnis.

Gestern Nachmittag durchzogen die gemusterten Mädel, wie die Rekruten mit bunten Bändern, Sträußen und Mützen geschmückt, das Stadtchen, und heute wird es wohl nicht anders sein. Auch von fröhlichem Beisammensein in Gaststätten hört man erzählen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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20. Juni 1941

Treffen Ortsbauernführer

Im Hotel zum Hirsch in Grünberg tagten am 20. Juni 1941 die Ortsbauernführer des Bezirks Gronberg zur Besprechung von Tagesfragen der Kriegsernährungswirtschaft. Zur Aussprache standen u. a. die Erhebungen über den Anfall von Schlachtvieh in den Monaten Juli bis Oktober und die Getreideablieferungen aus der Ernte 1941. Die Höhe des Ablieferungs-Solls steht noch nicht fest. Ortsbauernführer in Klein-Eichen war zu dieser Zeit Wilhelm Dörr (Ilsdorfer Straße, heute: Sellnröder Straße). In Lardenbach übte Adolf Keller (Freienseener Weg, heute: Am Helgenstock) das Amt aus.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
12. Juni 1941

Lockerung des Tanzverbots

Der Chef der Ordnungspolizei teilte am 12. Juni 1941 mit, dass mit sofortiger Wirkung das bestehende Tanzverbot insofern gelockert wird, als bis auf weiteres an drei Tagen in der Woche von 16 Uhr an wieder getanzt werden darf. Diese Tage sowie der Beginn der Tanzunterhaltung werden nach Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse durch die Kreispolizeibehörde bestimmt. Dabei ist selbstverständliche Voraussetzung, dass die örtlich festzusetzende Polizeistunde bei Tanzveranstaltungen genau eingehalten wird.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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01. Juni 1941

Verdunkelung

Wann verdunkeln wir im Monat Juni? Die Uhrzeiten wann in den Kriegsjahren verdunkelt werden musste, wurde genau angegeben und veröffentlicht. Im Raum Grünberg war am 1. Juni 1941 von 21.34 bis 5.05 Uhr zu verdunkeln. Im Laufe des Monats verschoben sich die Zeiten. Am 15. Juni musste es zwischen 21.46 bis 4.58 Uhr dunkel sein. Und am Ende des Monats von 21.49 bis 5,02 Uhr.
( Die Verdunkelung ist eine Maßnahme des Luftschutzes bei Nacht. Sie soll bei Luftangriffen feindlicher Flieger die Orientierung und das Auffinden der Ziele erschweren. Per Verordnung vom 23. Mai 1939 und 22. Oktober 1940 wurde die Verdunkelung im Deutschen Reich geregelt. Lichtquellen und „Lichtaustrittsöffnungen“ sollten bei Fliegeralarm dabei gedämpft werden, es sollte dabei auf 500 m keine Lichtquelle mehr wahrnehmbar sein. Die Verdunkelungsverordnungen galten auch für Kraftfahrzeug- und Fahrradscheinwerfer, die mit Schlitzblenden ausgerüstet sein mussten. Fensterscheiben von Räumen in Wohnungen wurden mitunter mit dunklem Papier abgeklebt. Wiki)

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
27. April 1941

Ein Fußballsonntag

Am Sonntag (27. April 1941) wurden auf dem Sportplatz in Weickartshain nicht weniger als drei Fußballspiele ausgetragen. In Erledigung eines Rückspieles standen sich die ersten Mannschaften von Villingen und Weickartshain gegenüber. Das Spiel führte leider zu keinem einzigen Tor. In der 15. Minute der ersten Halbzeit kamen die Weickartshainer bis in die Nähe des gegnerischen Tores durch, der wuchtige Schuß ihres Ballschützen ging jedoch über die Latte. Kurz vor Schluß hätten die Villinger das Führungstor erziehlt, wenn der Torwart der Einheimischen nicht auf dem Posten gewesen und den Ball ins Spielfeld zurückgefaust hätte.

Die zweite Hälfte begann ziemlich flott, brachte aber für beide Seiten nur ergebnislose Anstrengungen. 10 Minuten vor Schluß verschoß der Linksaußen von Weickartshain abermals rin Tor. So ging dann der Kampf, den die Zuschauer mit großer Anteilnahme verfolgten, mit 0:0 Toren zu Ende. Die 2. Jugendmannschaften von Weickartshain und Lehnheim lieferten sich ein schönes Spiel, brachten es aber ebenfalls zu keinem einzigen Tor.

Die Schülermannschaften von Weickartshain und Lardenbach trennten sich mit dem Ergebnis 1:0 und hatten somit das einzige Tor des Tages zu verzeichnen. Die erste Halbzeit verlief ergebnislos. In der zweiten fiel in der 40. Minute ein Abseitstor für Lardenbach, es konnte aber, da es den Spielregeln nicht entsprach, nicht anerkannt werden. Die Schüler von Weickartshain nützten von einigen Torgelegenheiten, die sich ihnen in der zweiten Halbzeit boten, nur die letzte aus. Kurz vor Schluß schuß ihr Halbrechter das verdiente Tor des Tages. Da die Lardenbacher über keinen Sportplatz verfügen, findet sehr wahrscheinlich auch das Rückspiel in Weickartshain statt.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
04. April 1941

Land- und Hausarbeitsprüfung

Die diesjährige Frühjahrs-Landarbeitsprüfung für den Bezirk der Landwirtschaftsschule Grünberg fand am Freitag, den 4. April (1941), in Göbelnrod statt. Sämtliche 19 Prüflinge, die sich auf Grund einer mindestens zweijährigen Lehrzeit im elterlichen Betrieb oder in einem Fremdbetrieb der Landarbeitsprüfung zu unterziehen hatten, traten an. Direktor Dr. Dienst (Grünberg), der die theoretische Prüfung geleitet hatte, konnte als Ergebnis mitteilen, dass sämtliche Lehrlinge die Prüfung bestanden hatten.

Am gleichen Tag hatte sich der Betrieb Reinheimer in Odenhausen zur Durchführung der ländlichen Hausarbeitsprüfung bereit erklärt. Es hatten sich 13 Mädel gemeldet. Als praktische Prüferinnen waren Frau Müller (Klein-Eichen), Frau Erb (Beltershain) und Frau Konrad (Odenhausen) tätig. Auch hier hatten sämtliche Lehrlinge am Schluß die Prüfung bestanden.

Wie schon des öfteren, fand auch in diesem Frühjahr - am letzten Dienstag (8. April 1941) - im Betrieb des Klein-Eichener Bürgermeister Müller eine Prüfung der ländlichen Hausarbeitslehrlinge statt. Als praktische Prüferinnen waren Frau Müller (Klein-Eichen), Frau Keller (Freienseen) und Frau Dörr (Klein-Eichen) tätig.

Nach der Prüfung im Kochen, in Haus- und Handarbeit und in einigen theoretischen und weltanschaulichen Fragen konnte die Leiterin der Prüfung, Frl. Harzig von der Landwirtschaftsschule Grünberg den 5 Prüflingen mitteilen, dass sie alle die Prüfung bestanden hätten. Es waren Emmi Fabel (Lumda), Elfriede Philippi (Ruppertenrod), Ottilie Theiß (Lumda), Margot Velten (Göbelnrod) und Irene Zimmer (Lauter).

Bei der Prüferin "Frau Müller" handelt es sich vermutlich um Berta Müller, Ehefrau von Bürgermeister Karl Müller. Prüferin "Frau Dörr" könnte Marie Dörr sein, Ehefrau von Gemeinderechner Wilhelm Dörr.

(Grünberger heimat Zeitung)

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20. Februar 1941

Schulpflicht

Nach den früheren Bestimmungen wurden zu Ostern jades Jahres alle Kinder schulpflichtig, die bis zum 30. Juni des betreffenden Jahres das sechste Lebensjahr vollendeten. Darüber hinaus konnten in besonderen Fällen auch Kinder vorzeitig aufgenommen werden, die bis zum 30. September das sechste Lebensjahr vollendeten.

Die Verlegung des Schuljahrbeginns von Ostern auf den Herbst hat auch eine Verschiebung des Stichtages für den Beginn der Schulpflicht erforderlich gemacht. Die Schulüflicht beginnt künftig mit dem Anfang des Schuljahres für alle Kinder, die im Laufe des betreffenden Kalenderjahres das sechste Lebensjahr vollenden.

Im Schuljahr 1941 werden alle Kinder schulpflichtig, die bis zum 31. August 1941 das sechste Lebensjahr vollenden und im Schuljahr 1942 alle Kinder, die bis zum 31. Oktober 1942 das sechste Lebensjahr vollenden.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
29. Januar 1941

NS Frauenschaft

Nachdem es dieser Tage gelungen ist, auch in Lardenbach eine NS. Frauenschaft ins Leben zu rufen - 18 Mitglieder haben sich bis jetzt gemeldet -, weilte am Mittwoch (29. Januar 1941) die Kreisfrauenschaftsleiterin, Frau Wrede, hier, um die neue Frauenschaft zum Stützpunkt zu erheben. Ortsgruppenleiter Dietrich (Seenbrücke) sprach kurz über die Aufgaben und Ziele der NS. Frauenschaft, Frau Wrede über deren Arbeitspraxis. Der Ortsgruppenleiter forderte die Frauen auf, sich mit ganzer Kraft für die Sache der Frauenschaft einzusetzen.

(Die NS-Frauenschaft war die Frauenorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Sie entstand im Oktober 1931. Die Aufgaben der Frauenorganisation waren auf wirtschaftliche und krankenpflegerische Tätigkeiten sowie die Mitwirkung an den politischen Schulungen der weiblichen NSDAP-Mitglieder begrenzt. Die Mitglieder mußten mindestens einmal im Monat an den wöchentlich stattfindenden Frauenschaftsabenden teilnehmen. Der Schwerpunkt dieser Bildungsarbeit lag in der Vorbereitung von Frauen auf ihre Aufgaben als Hausfrau und Mutter.)

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
23. Januar 1941

Gestellungsaufruf

In der Grünberger Heimatzeitung erscheint am 9. Januar 1941 ein Gestellungsaufruf zur Erfassung des Jahrganges 1923 zum Dienst in der Hitler-Jugend. Auf Grund des Gesetzes über die Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936 hat der Jugendführer des Deutschen Reiches mit Erlass vom 20. April 1940 die Erfassung der Jugendlichen des Jahrganges 1923 männlichen und weiblichen Geschlechtes, gleichgültig, ob sie bereits der HJ. angehören oder nicht, angeordnet.

Die Erfassung findet in der Zeit vom 13. Januar bis zum 24. Januar 1941 statt. Die Jugendlichen werden hiermit aufgefordert, in dem aus dem nachfolgenden Plan ersichtlichen Ort und Gebäude zu erscheinen. Die gesetzlichen Vertreter der Jugendlichen sind für das Erscheinen verantwortlich.

Zum Erfassungstag sind die notwendigen Personalpapiere, wie Geburtsurkunde, Lichtbildausweis, die etwa bereits vorhandenen Mitgliedsausweise der Hitler-Jugend bzw. Unterlagen für eine frühere Zugehörigkeit zur Hitler-Jugend mitzubringen.

Es wird darauf hingewiesen, dass ein Anspruch auf Reisekosten oder Entschädigung für Lohnausfälle für die Jugenddienstpflichtigen nicht besteht.

Juden und solche jüdische Mischlinge, die der ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz als Juden anzusehen sind, haben zu diesen Apellen nicht zu erscheinen.

Zuwiderhandlungen gegen die Jugenddienstpflicht werden nach den bestehenden Gesetzen bestraft.

Erfassungsappelle im Landkreis Gießen. In Londorf, in Hungen, in Großen-Buseck, in Grünberg, in Lollar, in Leihgestern, in Lich, in Heuchelheim und am 23.1.1941 in Laubach in der Oberschule. Dort um 9 Uhr die Jungen und um 14 Uhr die Mädl aus den Orten: Laubach, Wetterfeld, Gonterskirchen, Freienseen, Lardenbach, Klein-Eichen, Stockhausen, Weickartshain, Ruppertsburg, Hattenrod, Ettingshausen, Harbach, Lauter, Münster, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Röthges und Queckborn.

 

Die Hitlerjugend oder Hitler-Jugend (abgekürzt HJ) war die Jugend- und Nachwuchsorganisation der Nationalal--sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Sie wurde ab 1926 nach Adolf Hitler benannt und unter der Diktatur des Nationalsozialismus in Deutschland ab 1933 zum einzigen staatlich anerkannten Jugendverband mit bis zu 8,7 Millionen Mitgliedern (98 Prozent aller deutschen Jugendlichen) ausgebaut.

Die seit März 1939 gesetzlich vorgeschriebene „Jugenddienstpflicht“ verpflichtete alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren, in die für sie vorgesehene Unterorganisation der HJ einzutreten, wo an zwei Tagen pro Woche „Dienst“ zu leisten war. Im Mittelpunkt der nach dem „Führerprinzip“ geordneten Organisationen stand die körperliche und ideologische Schulung; sie umfasste rassistische und sozialdarwinistische Indoktrination und gemeinsame Wanderungen bzw. Märsche und körperliche Übungen im Freien. Diese sollten schon die zehnjährigen männlichen Jugendlichen abhärten und langfristig auf den Kriegsdienst vorbereiten.

(wiki)

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04. Januar 1941

Aufrüstung des Deutschen Dorfes

Aufgrund der vom Reichsminister Darrè in seiner Rundfunkrede zur zweiten Kriegserzeugungsschlacht am 14. Dezember 1940 gemachten Mitteilung, dass für die Zeit nach dem Kriege eine Aufrüstung des Deutschen Dorfes geplant sei, gehen beim Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und beim Reichsnährstand außerordentlich zahlreiche Zuschriften ein, in welchen Vorschläge für die Aufrüstung des Deutschen Dorfes gemacht werden.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
04. Januar 1941

Schneemassen

Das neue Jahr begann bei riesiger Kälte mit einem Schneesturm, der seinesgleichen suchte. Tage- und nächtelang erfüllte ein unheimliches Heulen und Brausen die Luft, klapperten die Ziegel und Läden der menschlichen Behausungen, ward kristallischer Pulverschnee von Feld und Flur in Bodensenken und -einschnitten zu metertiefen Wehen zusammengefegt.

Im Nu waren Hohlwege und Schienenstränge auf weite Strecken hin durch langwellige Dünen versperrt, ganze Dörfer jedem Verkehr für Tage abgeschlossen. Was beispielsweise unterm 4. Januar aus Weickartshain berichtet wird, galt für den halben Vogelsberg und weite Grenzgebiete:

Die Hauptverkehrsstraße nach Grünberg und Lardenbach ist so stark verweht, dass sie von Fahrzeugen nicht mehr passiert werden kann. Infolgedessen kommen Post, Bäcker, Metzger und Müller schon tagelang nicht mehr ins Dorf herein. Der Milchkutscher konnte an zwei Tagen die Milch nicht fortschaffen, da die Straße wegen der unregelmäßigen Verwehungen auch mit dem Schlitten nicht benutzbar war. Zurzeit fährt er querfeldein, denn die Fahrbahn ist immer noch nicht frei, trotzdem alle verfügbaren Kräfte Tag für Tag mit dem Beiseiteschaufeln der Schneemassen beschäftigt sind.

Am 2., 3. und 4. Januar war ein Besuch der Orte Altenhain, Wohnfeld und Sellnrod mit dem Kraftwagen unmöglich. Telefonischer Anweisung folgend, ließen die Posthalter der drei Dörfer die für sie bestimmten Sendungen zu Fuß oder mit dem Pferdeschlitten in Lardenbach abholen. Unpassierbar war auch die letzte planmäßige Teilstrecke dieser tief in den Vogelsberg hineinführenden Landstraßenpostlinie (Seenbrücke-Weickartshain-Grünberg).

Abgesehen davon, dass sich der Kraftfahrer auf der Seenbrücke wiederholt herausschaufeln musste, war er infolge Verwehung der Straße nach Weickartshain gezwungen, von der Seenbrücke nach Grünberg den Umweg über Mücke zu nehmen. Da am Sonntag infolge Nachlassens des Sturmes die Arbeiten zur Freilegung der Straßen überall gute Fortschritte machten, konnte am Montag der regelmäßige Verkehr der Vogelsberglinie wieder aufgenommen werden.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
01. Dezember 1940

Feuerwehrarbeit im Landkreis Gießen

Im "Burghof" fand am Sonntag (1. Dezember 1940) im Auftrage des Dezernenten für das Fuerlöschwesen im Landkreis Gießen, Regierungsrat Dr. Fuhr, eine Dienstbesprechung der Führer der Freiwilligen Feuerwehren statt. Zu dieser Dienstversammlung waren auch die Bürgermeister der Landgemeinden eingeladen. (Ob die Bürgermeister von Klein-Eichen, Karl Müller und von Lardenbach, Otto Keil auch dabei waren, ist nicht belegt.)

Kreisfeuerwehrführer Bouffier begrüßte die Wehrführer, die Führer der Pflichtfeuerwehren, die Kassenverwalter und den Verleger und Schriftleiter der "Hessischen Feuerwehr-Zeitung", Albin Klein, und erstattete dem Sachbearbeiter beim Herrn Landrat, Regierungsrat Dr. Fuhr, Meldung. Wie der Kreisfeuerwehrführer weiterhin ausführte, ist die Neuordnung im Feuerlöschwesen noch nicht abgeschlossen, und das Verhältnis der Freiwilligen Pflicht- und Werkfeuerwehren noch nicht eingehend geklärt. Das Kriegsjahr 1940 hat auch die Wehren im Landkreis Gießen vor neue große Aufgaben gestellt.

Regierungsrat Dr. Fuhr richtete dann an die Wehrführer eine Ansprache, in der er die erfreuliche Mitteilung machen konnte, dass die Wehren im Landkreis sich trotz aller Umstände als schlagkräftig und einsatzbereit erwiesen haben... Weiterhin machte Regierungsrat Fuhr auf die Notwendigkeit der Durchführung der angeordneten Nachtwachen in den Landgemeinden aufmerksam. Die Kreispolizeibehörde geht jedem Weigerungsfalle nach.

Besondere Beachtung ist der Betriebsfähigkeit der Bezirksmotorfeuerwehrspritzen zuzuwenden. Für diesen Zweck muß u. a. ein entsprechender Brennstoffvorrat vorhanden sein. Die Entschädigung für den Verdienstausfall bei der Brandbekämpfung haben die Gemeinden zu bezahlen, so der Regierungsrat.

Kreisfeuerwehrführer Bouffier erstattete den Bericht über die letzte Dienstbesprechung ... Weiterhin wurde gefordert, dass jede Gemeinde eine Motorspritze anschaffen soll. Für den Landkreis Gießen hat sich die Aufteilung in 7 bzw. 8 Bezirke als vorteilhaft erwiesen. Die Bezirke konnten mit Motorspritzen und Mannschaftswagen, sowie den dazu gehörenden Schlauchmaterial ausgerüstet werden, deren Anschaffung heute schwieriger wäre.

Wie der Kreisfeuerwehrführer weiter ausführte, sollen nach dem Kriege die Pflichtfeuerwehren in Freiwillige Feuerwehren umgewandelt werden. Zur Teilnahme an den Lehrgängen der Landesfeuerwehrschule ... haben auch die Pflichtfeuerwehren Männer zu melden. Zum Schluß wurden weitere Fragen angesprochen, wie z. B. die Überwinterung der Hydranten und Löschgeräte, die Ausbildung in der Gruppe, das Koppeln der Motorspritzen.

(Heimat Zeitung)

Fotos

 
06. Oktober 1940

Ende der Sommerzeit

Die mit der Verordnung vom 23. Januar 1940 eingeführte Sommerzeit, für die die öffentlichen Uhren um eine Stunde vorgestellt worden waren, endet mit dem in der Verordnung angegebenen Termin, dem Sonntag, dem 6. Oktober 1940, vormittags 3 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt werden daher die öffentlichen Uhren um eine Stunde, d. h. von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt.

Die Sommerzeit hat sich als sehr vorteilhaft in mehrfacher Hinsicht erwiesen. Vor allem ermöglicht sie die Verlängerung der Freizeit bei Tageslicht um eine Stunde, was für die Schaffenden auch in gesundheitlicher Beziehung von besonderem Wert ist. Dazu kommen noch erhebliche Kohleneinsparungen für den Wenigerverbrauch an Licht.

Nachtrag: Durch eine am 3. Oktober im Reichsgesetzblatt erschiene Verordnung des Ministerrats für die Reichsverteidigung wird die Sommerzeit bis auf weiteres verlängert.

(Heimat Zeitung

 
08. September 1940

Reichs-Luftschutzbund und Gruppenführer

Gemeindegruppenführer Friedrich Döll (Laubach) hatte auf Sonntagnachmittag die Untergruppenführer von Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen (Wilhelm Dörr), Lardenbach (Adolf Keller), Laubach, Münster, Ruppertsburg, Stockhausen, Weickartshain und Wetterfeld zu einer Besprechung nach Laubach berufen, um ihnen einige von der Ortsgruppe Gießen getroffene Anordnungen bekanntzugeben.

Die Anschrifft des RLB.-Gaues lautet: Gau Hessen-Rheinland-Süd, die frühere Ortskreisgruppe Gießen heißt jetzt Ortsgruppe Gießen. Die Gemeindegruppen und Untergruppen werden beziffert. Bei Eingaben ist stets der Dienstweg einzuhalten.

Da sich der Reichsschutzbund mit seinen Einrichtungen für die Wehrerhaltung des Deutschen Volkes als unerlässlich erwiesen hat, wird er auch nach dem Kriege bestehen bleiben. Eine dringliche Gegenwartsaufgabe und gesetzliche Pflicht ist die Beschaffung der etwa noch fehlenden Geräte (Einstellhandspritzen zu 16 RM, Tierluftschutzkästen zu 19 RM). Alle Amtswalter sind angehalten, Bestellungen entgegenzunehmen.

Die Ausbildung der Selbstschutzkräfte wird unablässig weiter gefördert. Bei etwaigen feindlichen Fliegerangriffen haben die Untergruppen die Gemeindegruppe sofort telefonisch zu benachrichtigen und einen schriftlichen Bericht folgen zu lassen.

(Heimat Zeitung)

Der nationalsozialistische Ortsgruppenleiter stand einer Ortsgruppe der NSDAP vor. Er gehörte dem „Korps der Politischen Leiter“ an und war nebenberuflicher „Amtswalter“ der Partei. Der Ortsgruppenleiter (gelegentlich auch als Ortsgruppenführer bezeichnet) stand in der pyramidenförmigen Leitungsstruktur der NSDAP auf der dritten Ebene von unten über dem Zellenleiter und dem darunter stehenden Blockwart (Blockleiter). Oberhalb des Ortsgruppenleiters folgten die Kreisleiter, die 32 Gauleiter, die 18 Reichsleiter sowie der Führer und dessen Stellvertreter.

Dem Ortsgruppenleiter unterstanden nicht nur die NSDAP-Parteimitglieder (mindestens 50 und höchstens 500), sondern alle Haushalte in der Ortsgruppe. Die parteirechtliche Funktion des Ortsgruppenleiters ermöglichte sogar die Kontrolle des Bürgermeisters und durfte sich ihm gegenüber unter Missachtung von Recht und Gesetz Weisungsbefugnisse anmaßen.

Es war Aufgabe des Ortsgruppenleiters, „durch geeignete Veranstaltungen die Bevölkerung nationalsozialistisch auszurichten“ und „sich durch die der Gemeindevertretung angehörenden Politischen Leiter seines Stabes über kommunale Vorhaben und Beschlüsse Bericht erstatten zu lassen und nötigenfalls Meldungen an den Beauftragten der Partei zu machen“

Der Ortsgruppenleiter war beauftragt, Fragebögen nicht nur über Mitglieder der NSDAP, sondern auch über alle Einwohner eines Ortes anzufertigen: In 45 Fragen wurde die politische Zuverlässigkeit im Sinne des Nationalsozialismus überprüft.

(wiki)

 
10. August 1940

Polnische Arbeiter

Während des Zweiten Weltkrieges wurden nahezu drei Millionen Menschen aus Polen nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt. Als Heinrich Himmlers Reichssicherheitshauptamt am 8. März 1940 die sogenannten Polen-Erlasse erließ, befanden sich in Deutschland bereits eine knappe Million polnische Zwangsarbeiter. Der Zweck der Verordnungen waren die wirtschaftliche Ausbeutung und die rassistische Ausgrenzung der Polen aus der deutschen „Volksgemeinschaft“.

Die Polen-Erlasse waren bindend für Arbeitgeber und lokale Behörden. Die NSDAP und ihre Parteigenossen propagierten die rassistische Einstellung in der deutschen Bevölkerung. Entsprechend wurden die Polen behandelt: als minderwertige Menschen, die zur bloßen Arbeitskraft reduziert wurden. Zu ihrer täglichen Erfahrung gehörten Erniedrigung, Angst und Hunger.

Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", Berlin

Die Grünberger Heimat Zeitung berichtete:

"Am Samstagabend (10. August 1940) trafen auf dem Grünberger Bahnhof 20 Mädchen und 24 junge Männer aus Polen ein. "Einsatz für die Landwirtschaft!" hieß auch für diesen zweiten, für den Bezirk der Arbeitsnebenstelle Grünberg bestimmten Transport die Parole. Der Leiter der Nebenstelle, Inspektor Wiegelmann, und die Angestellten der Nebenstelle nahmen die 54 Ankömmlinge in Empfang und übergaben sie den Arbeitgebern, die zum Teil aus weit entfernten Orten mit Fuhrwerk herbeigeeilt waren, um die sehnlichst erwarteten Hilfskräfte in Empfang zu nehmen.

Es kamen nach Appenrod 7 Arbeiter oder Arbeiterinnen, nach Atzenhain 3, Bollnbach 1, Büßfeld 2, Deckenbach 2, Elpenrod 2, Freienseen 2, Gontershausen 2, Groß-Eichen 1, Grünberg 3, Hainbach 2, Harbach 1, Hattenrod 2, Höingen 2, Homberg 2, Klein-Eichen 1, Laubach 1, Lehnheim 1, Londorf 1, Maulbach 3, Münster 1, Ober-Ohmen 2, Odenhausen 1, Reinhardshain 1, Rüddingshausen 2, Sellnrod 3, Stockhausen 1, Weitershain 2.

Unter den Fremdlingen befanden sich auch einige Volksdeutsche, die als Dolmetscher wirkten und der allgemeinen Freude Ausdruck verliehen, dass die bereits am Mittwoch in Polen begonnene Reise nunmehr ihr Ende gefunden habe. Einige Fahrtgenossen, die auch gerne zum deutschen Volke zählen möchten, den ihre Zugehörigkeit zu unserem Volkstum bestätigenden Ausweis jedoch noch nicht besitzen, äußerten sich etwa mit den Worten: "Wir sind alle Deutsche, es gibt keine Polen mehr, Polska kaput!"

Ein nicht gerade sehr würdiges Bekenntnis zu den Fahnen des Siegers! Beruhigender Weise wird die Zuerkennung des Volksdeutschen Ausweises von dem Ergebnis einer scharfen Prüfung abhängig gemacht."

(Heimat Zeitung)

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16. Juli 1940

Pfarrer Ernst Damerau

Pfarrer Damerau wurde im Mai 1935 von Treisa nach Oberhessen versetzt. Hier war er Pfarrer zu Groß- und Klein-Eichen im Dekanat Grünberg. Ernst Damerau starb 1940 in Frankreich. Er wurde 34 Jahre alt.

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01. April 1940

Sommerzeit

Ab 1. April tritt in Deutschland die Sommerzeit in Kraft, von diesem Tag ab wird die übliche Stundenzählung um eine Stunde mehr in den helleren Tag hineinverlegt. Am 1. April um 2 Uhr vormittags werden nach einer Verordnung des Ministerrates für die Reichsverteidugung die öffentlichen Uhren im Gebiet des Großdeutschen Reiches um eine Stunde, d. h. von 2 auf 3 Uhr, vorgestellt. Die Sommerzeit dauert bis zum 6. Oktober, 3 Uhr vormittags, zu welchem Zeitpunkt die öffentlichen Uhren wieder um eine Stunde, also von 3 auf 2 Uhr, zurückgestellt werden.

(HZ/GA)

 
10. Februar 1940

Kältester Winter seit über 100 Jahren

Der Winter 1939-40 war ein sehr strenger Herr. Man muß in der Geschichte der Meteorologie mehr als 100 Jahre zurückblättern, bis man im Jahre 1829-30 auf einen Winter stößt. der dem diesjährigen gleichkommt bzw. ihn noch übertrifft. In diesem Jahre erlebten wir in Frankfurt a. M. nicht weniger als 52 aufeinanderfolgende Frosttage (d. h. Tage, an denen die Temperatur bis auf null Grad sank); davon waren 44 Eistage (d. h. Tage, an denen die Temperatur während des ganzen Tages unter null Grad blieb). Der Januar hatte allein 30 Eistage und stellte damit einen neuen Rekord auf.

Über die Ursache der Kälte und den Schaden, der evtl. an Pflanzen und Tieren angerichtet wurde, hielt Prof. Dr. F. Linke einen Vortrag, wobei er der Meinung ist, dass sich die kalte sibirische Luft in diesem Jahre besonders reichlich nach Europa verlagerte und es in seiner ganzen Ausdehnung mit Schnee und Kälte umgab. Warum und weshalb sich die kalte Luft aus dem Osten in diesem Jahre nun so heftig im Westen einstellte, bleibt aber vorläufig noch ein Geheimnis.

(HZ/GA)

 
06. Februar 1940

Winter in Hessen

Der Reichsstatthalter in Hessen - Landesregierung - hat folgende Anordnung getroffen: Die Verkehrslage erfordert umgehende Beseitigung der Schneemassen innerhalb der Ortslagen. Wo die Mittel der Gemeinden zur Beseitigung der Schneemassen nicht ausreichen, werden hiermit die Gemeindeverwaltungen ermächtigt, die Gemeindeangehörigen, und zwar Männer und Frauen über 16 Jahre, die tatsächlich für die Arbeiten geeignet sind, zu Hand- und Spanndiensten heranzuziehen. Die engere Begrenzung des Personenkreises bleibt den Gemeindevorständen überlassen.

Ich erwarte, dass von der Ermächtigung soweit Gebrauch gemacht wird, dass die Schneemassen baldmöglichst beseitigt sind. Es ist in erster Linie dafür zu sorgen, dass die reibungslose Durchfahrt für die Fahrzeuge auf den Hauptverkehrsstraßen gesichert wird. Das Interesse des Fußgängers muss demgegenüber notfalls zurücktreten.

(HZ/GA)

 
23. Januar 1940

Winter in Europa

Die starke Kältewelle, die augenblicklich über ganz Europa lagert, hat überall einen bisher ungekannten Tiefstand der Temperaturen hervorgerufen. Bei dem nun schon seit Wochen andauernden Kälteeinbruch muss es sich wohl um eine elementare Naturerscheinung handeln. Es ist wahrhaftig ein sibirischer Winter über Europa hereingebrochen. Bis weit in den Süden unseres Erdteils erstreckt sich das Einflussgebiet der Kältewelle, und überall sind mit dem strengen Frost schwere Verkehrsbehinderungen, Schneeverwehungen, Stockungen der Lebensmittelzufuhr und alle anderen Dinge, die eine derartige Wetterkatastrophe mit sich bringt, zu verzeichnen.

Aber wie so viele andere Aufgaben wird das deutsche Volk auch den Kampf gegen den harten Winter erfolgreich meistern. Freilich wird das Einzelinteresse hinter dem Wohl der Allgemeinheit manchmal zurückstehen müssen. Die Notwendigkeiten der Kriegswirtschaft und der Heeresversorgung stehen an erster Stelle. Deshalb werden wir gern Geduld und Einsicht üben, wenn einmal vom einzelnen ein kleines Opfer verlangt wird.

(HZ/GA)

   
19. Januar 1940

Kalter Winter

In Gießen wird an diesem Tag mit -26,9°C die kälteste Temperatur in diesem Winter gemessen.

 

 
04. Januar 1940

Ordnung der Viehwirtschaft

Im Verkündungsblatt des Reichsnährstandes ist soeben die Sammelanordnung der Hauptvereinigung der Deutschen Viehwirtschaft für das Jahr 1940 erschienen. Sie lehnt sich eng in ihren Grundsätzen an die für das Jahr 1939 geltende Sammelanordnung an, jedoch sind selbstverständlich sämtliche kriegswirtschaftlichen Maßnahmen eingebaut worden.

Was die Preise angeht, so bleiben bei Schweinen die augenblicklich geltenden Grundpreise in Kraft. Ebenso bleibt es entsprechend dem Vorjahr bei dem saisonmäßigen Preisabschlag von 0,50 RM je 50 Kilogramm Lebendgewicht vom 1. Januar bis zum 24. Mai 1940 und bei dem saisonmäßigen Preiszuschlag von 3 bzw. 2 RM je 50 Kilogramm Lebendgewicht in der Zeit vom 15. Juli bis 5. Oktober 1940.

Die Rinderpreise bleiben grundsätzlich aufrechterhalten. Hinzu treten auch hier wie im Vorjahr Zu- und Abschläge auf einzelnen Märkten, die aus saisonmäßigen Gründen festgelegt sind. Neu jedoch ist die Gewährung eines Rüchterungszuschlages für Rinder, wie er für Schweine schon seit geraumer Zeit Geltung hat. Voraussetzung für die Gewährung des Rüchterungszuschlages bei Rindern jedoch ist, dass die Tiere nach bestimmter Transportdauer girekt aus dem Wagen verwogen werden. An den Kälberpreisen ändert sich gleichfalls nichts.

(HZ/GA)

 

 

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