29. Dezember 1970

Stadtverordnetensitzung in Grünberg

Zu einer kurzen Sitzung trafen sich am Dienstag (29. Dezember 1970) die Stadtverordneten im Rathaus. Der Termin war notwendig geworden, da Harbach und Lardenbach sich noch entschlossen hatten, im Zuge der Verwaltungszusammenlegung Grenzänderungsverträge mit Grünberg abzuschließen. Die Stadtverordneten billigten einstimmig die Aufnahme der beiden Gemeinden.

Bürgermeister Anschütz berichtete, dass Reinhardshain ebenfalls um einen Zusammenschluß bemüht sei, der wohl aber erst später zustandekomme. Außerdem soll noch eine Bürgerversammlung abgehalten werden. Desweiteren wurde darauf hingewiesen, dass die einzelnen Stadtteile verkehrsmäßig an die Kerngemeinde angebunden werden müßte, wenn der Zusammenschluß echt praktiziert werden solle.

Grünberg haben sich bis heute elf Gemeinden angeschlossen. Es zählt damit nun um 10 000 Einwohner. Nach der Genehmigung in Wiesbaden hat die Kerngemeinde noch folgende Stadtteile: Beltershain, Stangenrod, Lumda, Weitershain, Lardenbach, Klein-Eichen, Weikartshain, Stockhausen, Queckborn, Göbelnrod und Harbach. Der Bürgermeister vertrat die Ansicht, dass sich in nächster Zeit noch weitere Gemeinden dem Verband anschließen wollen.

Stadtverordnetenvorsteher Hanisch regte an, dass man zu den folgenden Sitzungen jetzt schon die Bürgermeister und ersten Beigeordneten der Stadtteile einladen solle. Da der Sitzungssaal im Rathaus diese Versammlung nicht aufnehmen kann, regte CDU-Fraktionssprecher Damaschke an, die Termine draußen in den Stadtteilen anzusetzen, um auch so schon die Zusammengehörigkeit zu dokumentieren.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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24. Dezember 1970

Weihnachtswünsche der Bürgermeister

Grünbergs Bürgermeister Karl Anschütz richtete im Namen des Magistrates Wünsche zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel an die neue Großgemeinde. Die Wünsche sollen extra auch den Bürgern in den umliegenden Gemeinden, die künftig als Stadtteile zu "uns" gehören wollen, gelten. "Wir rufen alle auf,sich zu uns gehörig zu fühlen, damit wir zu einem Block verschmelzen, in dem zwar jeder sein Leben selbst gestalten kann, aber als Einheit den Anforderungen der Zeit gewachsen ist." So der Bürgermeister Anschütz.

Weiter soll eine gemeinsame Interessenvertretung gefunden werden, zu denen Menschen aus allen Gruppen und Parteien gehören. Diese sollen bereit sein, an den Aufgaben des Gemeinwohls mitzuarbeiten. Das gelte insbesondere für die Bürgerinnen und Bürger draußen in den Gemeinden. Nur so können Lösungen erarbeitet werden, die auch den Belangen in den künftigen Stadtteilen gerecht werden.

Es folgen die Wünsche zum Fest und dem neuen Jahr vieler bis dahin selbständiger Gemeinden rund um Grünberg.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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18. Dezember 1970

Kabinett genehmlgt Zusammenschlüsse

SGemeindezusammenschlüsse waren am Freitag (18. Dezember 1970) eines der Hauptthemen, die die neue hessische Landesregierung in ihrer ersten Kabinettssitzung genehmigt hat. Dazu gehören aus dem Landkreis Gießen der Zusammenschluß der Gemeinden Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg zur Gemeinde "Pohlheim".

Weiter werden die Gemeinden Beltershain, Göbelnrod, Klein-Eichen, Lumda, Queckborn, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain in die Stadt Grünberg eingegliedert. Die Gemeinden Gonterskirchen, Lauter, Münster, Röthges, Ruppertsburg und Wetterfeld werden mit der Stadt Laubach vereinigt; die Gemeinden Langd, Rabertshausen, Steinheim, Trais/Horloff und Utphe sollen in die Stadt Hungen eingegliedert werden.

Die Gemeinden Hattenrod, Saasen und Winnerod kommen zur Gemeinde Reiskirchen und die Gemeinden Birklar, Muschenheim, Nieder-Bessingen und Ober-Bessingen schließen sich mit Lich zusammen. Die Eingliederungen erfolgen gemäß § 17, Absatz 2, in Verbindung mit § 16, Absatz 1, der Hessischen Gemeindeordnung in der Fassung vom 1. Juli 1960 mit Wirkung von 31. Dezember 1970.

(wk/Gießener Allgemeine Zeitung)

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11. Dezember 1970

Weitere Dörfer zu Grünberg

Zu den sechs Gemeinden, die sich bereits Grünberg schon angeschlossen haben, sind am Freitag im Rahmen einer weiteren feierlichen Unterzeichnung von Grenzänderungsverträgen noch drei Gemeinden hinzugekommen. Es handelt sich um Stangenrod, Weitershain und Lumda. Damit zählt die Großgemeinde Grünberg etwa 9000 Einwohner, wie Bürgermeister Anschütz gestern auf dem Rathaus bekanntgab. Die Verträge wurden wiederum von den Bürgermeistern und ersten Beigeordneten der betreffenden Gemeinden unterzeichnet und von einem Stadtrat Grünbergs sowie Bürgermeister Karl Anschütz gegengezeichnet.

Mit Hilfe von Stiftern aus allen Bevölkerungskreisen kann ein vom vorigen Sonntag auf Anregung des Vorsitzenden Heinrich Robert sen. einstimmig gefasster Beschluß des Verkehrsvereinsvorstandes ausgeführt werden: Jeder neue Ortsteil, der bis Ende 1970 seine Eingliederung in die Großgemeinde Grünberg rechtsgültig vollzieht, erhält für ihn kostenlos eine wartungsfreie Ruhebank modernster Bauart im Wert von 220,- DM.

Der Verkehrsverein bekundet mit diesem Willkommensgruß die Absicht, seine Betreuungsarbeit auch auf die neuen Ortsteile auszudehnen. Sollte die Stiftungsfreudigkeit in der Bevölkerung anhalten, ist daran gedacht, auch noch die nach dem 1. Januar 1971 zur Großgemeinde Grünberg stoßenden Gemeinden den gleichen Willkommensgruß zu entbieten.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
10. Dezember 1970

Bürgermeister in Lardenbach feiert Jubiläum

Auf 25 Jahre öffentlichen Dienst kann Lardenbachs Bürgermeister Mölcher zurückblicken. In einer kleinen Feierstunde anläßlich einer Gemeindevertretersitzung wurde der Jubilar vom 1. Beigeordneten Zimmer geehrt und ihm außer der Jubiläumsgabe und der Glückwunschurkunde ein wertvolles Geschenk von der Gemeinde Lardenbach überreicht.

In seiner Ansprache hielt Beigeordneter Zimmer Rückschau auf die Militärdienstzeit und Kriegsgefangenschaft des Jubilars, ging besonders auf die fast 16 Jahre lange Dienstzeit als Bürgermeister ein und betonte wörtlich: "Für das Amt des Bürgermeisters hätten wir wahrscheinlich keinen besseren finden können." Nach sieben Jahren Tätigkeit als Gemeindevertreter wurde er im März 1955 zum Bürgermeister ernannt.

(zr/Grünberger Heimatzeitung)

 
09. Dezember 1970

Zusammenschlüsse in der StaVo und dem Kreistag

Einstimmig verabschiedeten die Grünberger Stadtverordneten am Montag (7. Dezember 1970) den Nachtragshaushalt 1970. Bürgermeister Karl Anschütz hatte zuvor einen Überblick über die Veränderungen gegeben. Als Nachtrag zum Ermächtigungsbeschluß vom 17. November dieses Jahres gaben die Stadtverordneten auch ihre Zustimmung zur Eingliederung der Gemeinden Beltershain, Göbelnrod, Klein-Eichen, Queckborn, Stockhausen und Weickartshain, mit denen die Grenzänderungsverträge am 5. Dezember unterzeichnet wurden sowie den Gemeinden Stangenrod und Weitershain, deren Gemeindeparlamente diesen Schritt inzwischen auch beschlossen haben. Auch andere Gemeinden, bei denen eine endgültige Entscheidung noch aussteht, will man gegebenenfalls noch in die Großgemeinde aufnehmen.

Stadtverordnetenvorsteher Ulrich Hanisch würdigte die Bemühungen von Bürgermeister Anschütz, die Bedenken in den einzelnen Gemeinden ausgeräumt zu haben. Er sagte weiter, dass Grünberg eine faire, wirkliche Partnerschaft angeboten habe, und sprach den Wunsch aus, die angeschlossenen Gemeinden künftig als Stadtteile zu bezeichnen.

Einstimmig angenommen wurde der CDU-Antrag, die Bürgermeisterwahl aufzuschieben bis das neue Parlament gewählt sei. Der CDU-Fraktionssprecher S. Damaschke führte dazu aus, dass es nur fair sei, auch die rund 3000 neuen Einwohner an der Wahl zu beteiligen. Mit der kommunalen Aufsicht soll nun geklärt werden, ob die Amtszeit von Bürgermeister Anschütz, der im Februar die Altersgrenze erreicht, bis zu diesem Zeitpunkt verlängert werden kann.

Eine Tagesordnung von 14 Punkten hatte der Kreistag am Mittwoch (9. Dezember 1970) in seiner letzten Sitzung des Jahres 1970 zu bewältigen. Die Sitzung dauerte ohne Pause fünfeinhalb Stunden. Unter den Punkten waren auch die Zusammenschlüsse von Gemeinden. Einmütig zugestimmt hat das Parlament folgenden Gemeindezusammenschlüssen, die alle noch am 15. Dezember 1970 wirksam werden sollen: Pohlheim, Reiskirchen, Grünberg, Hungen, Lich und Laubach.

(Gießener Allgemeine Zeitung)

 
05. Dezember 1970

Großgemeinde Grünberg

Im festlich geschmückten Saal des Rathauses fanden sich am Samstag, 5. Dezember 1970, die Vertreter von Queckborn, Stockhausen, Beltershain, Göbelnrod, Weickartshain und Klein-Eichen zusammen, um die Grenzänderungsverträge zu unterzeichnen. Bürgermeister Theiß von Weickartshain formulierte die Stimmung des Tages so: "Ich bin heute mit gemischten Gefühlen nach Grünberg gefahren. Nicht der Vertrag kann die Grundlage unserer Zusammenarbeit sein, sondern das gegenseitige Vertrauen."

Bürgermeister Erich Funk von Klein-Eichen hegte keine Bedenken, dass es gut geht, wenn der gute Geist, der im früheren Schulverband geherrscht habe, nun auch in der gemeinsamen Verwaltung Einzug halte. Stadtverordnetenvorsteher Hanisch meinte, nun liege es an den Bürgern, die richtigen Männer für das neue Parlament zu wählen. Zuvor müßten allerdings die Parteien und Wählergemeinschaften qualifizierte Kräfte aufstellen.

Die Verträge wurden jeweils von dem betreffenden Bürgermeister und dem ersten Beigeordneten unterschrieben und von dem Grünberger Stadtoberhaupt und jeweils einem Stadtrat gegengezeichnet. So schrieben neben Bürgermeister Anschütz ihre Namen für Queckborn Bürgermeister Heßler, erster Beigeordneter Ebenhöh und in der Gegenzeichnung Stadtrat Jost (Grünberg), Für Stockhausen waren es Bürgermeister Bräuning, Beigeordneter Bingmann und Stadtrat Wenzel.

Für Beltershain unterzeichneten Bürgermeister Wagner, Beigeordneter Ufer und Stadtrat Erb, für Göbelnrod Bürgermeister Schmidt, Beigeordneter Weber und Stadtrat Schäfer, für Weickartshain Bürgermeister Theiß, Beigeordneter Zimmer und Stadtrat Erb, für Klein-Eichen Bürgermeister Erich Funk und Beigeordneter Helmut Zimmer sowie Stadtrat Zabel. Zeugen der Unterzeichnung waren die Sprecher der Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung.

Bürgermeister Anschütz sagte in seiner Rede: Die Unterzeichnung der Grenzänderungsverträge zwischen der Stadt Grünberg und den Gemeinden ist, ohne in Superlative zu reden, zumindest ein denkwürdiger Akt. Es erfolgt eine Eingliederung in die Stadt Grünberg, und zwar in der Form, dass diese Gemeinden mit Grünberg zukünftig eine Großgemeinde bilden. Grünberg also nicht ein verschlingender Wolf sein kann, sondern ein gleichwertiger Partner, der mit seinen zukünftigen gleichwertigen Partnern in den einzelnen neuen Stadtteilen gemeinsam das Schicksal der großen Gemeinde gestalten will.

Dabei nehme ich an, dass die zukünftigen Vertreter der einzelnen Stadtteile in der großen Stadtverordnetenversammlung und auch im Magistrat sowie in den Ausschüssen gute Ideen und Anregungen mitbringen, die der Stärkung und guten Weiterentwicklung der Gesamtgemeinde dienen, so dass die Bürger der neuen Stadtteile immer mehr zu der Überzeugung kommen, dass ihr mutiger Schritt nicht falsch war.

Ohne Zweifel ist dieser Schritt für keine Gemeinde leicht gefallen. Letztlich hat aber doch die Überlegung gesiegt, dass man das Beste aus einer Sache macht, die unabänderlich auf einen zukommt, denn heute kann kein Zweifel mehr bestehen, dass der Zusammenschluß kommt und Nachteile für die Zuspät-Gekommenen entstehen können.

Einfach, unaufwendig und sparsam möge auch in Zukunft die Hauptverwaltung sein. Sie muß alles daran setzen, dass in den einzelnen Stadtteilen soviel als irgendmöglich selbst erledigt werden kann und die Bürger dort fast gar nicht merken, dass für sie Änderungen eingetreten sind. Bürgernah soll die Verwaltung auch in Zukunft für die einzelnen Stadtteile bleiben und und noch bürgernäher werden durch die Übertragung von Aufgaben von anderen Behörden auf die größere Gesamtgemeinde.

Auch in feierlichem Rahmen fand schon am Freitagabend die Unterzeichnung der Verträge für die Gemeindezusammenschlüsse in Laubach statt. Die Großgemeinde Laubach besteht nun mit der Kerngemeinde aus den Stadtteilen Wetterfeld, Röthges, Lauter, Ruppertsburg und Münster sowie Gonterskirchen.

(Heimat Zeitung)

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25. November 1970

Gemeindezusammenschlüsse

Das Problem der Gemeindezusammenschlüsse, Anschlüsse oder Eingliederungen im Rahmen der Verwaltungsreformen ist zur Zeit (November 1970) ganz aktuell. Es scheint an der Zeit, auch die Bürgerschaft einmal davon zu unterrichten, was sich die Initiatoren dieser Entwicklung darunter vorstellen. So beginnt in der Heimat Zeitung die Werbung für die Großgemeinde Grünberg. Der Magistrat und das Stadtparlament zeigen die Reform aus ihrer Sicht.

In der Erkentnis, dass die ständige Zunahme der öffentlichen Aufgaben, vor allem die kleineren Gemeinden, mehr und mehr überfordert, strebt die Landesregierung eine Verstärkung der Verwaltungskraft auf Gemeindeebene an. Die dadurch entstehende Großgemeinde sollte sich um eine Kerngemeinde als Mittelpunkt bilden.

Als wichtigste Voraussetzung sollten diese Gemeinden in der geografischen und landschaftlichen Struktur bereits schon eine erkennbare Einheit bilden. Die Kerngemeinde sollte die Voraussetzungen für bessere, wirtschaftliche, kulturelle Funktionen erfüllen und aus dem Bereich der Arbeitsplätze, der Markt- und Dienstleistungen als zentraler Ort Bedeutung haben.

Durch finanzielle Hilfen sollen diese freiwilligen gemeindlichen Zusammenschlüsse nachhaltig gefördert werden. Das Land Hessen sieht erhöhte Schlüsselzuweisungen für die ersten 10 Jahre nsch dem Zusammenschluß vor.

Während der Freiwilligkeit, die der Gesetzgeber zur Zeit voraussetzt, soll jede Anschlußgemeinde in eigener Entscheidung gründlich und gewissenhaft prüfen, welcher Kerngemeinde man sich aus den vielfältigsten Gründen anschließen will.

Grenzänderungsverträge, kommunale Aufgaben der Einzelgemeinden, Steuer- und Abgabenfragen, Kosten- und Gebührensätze, Jagdreviere, eventuell bestehende Zweckverbände werden in einzelnen Verträgen aufgeführt, angepasst und als Bestandteil der Gesamtaufgabe von der Kerngemeinde gesehen und zur Durchführung übernommen.

Hierbei ist es selbstverständlich, dass der jeweilige Anteil der erhöhten Schlüsselzuweisung den einzelnen Stadt- oder Ortsteilen zugute kommt. (!)

Obwohl in jüngster Zeit viele Gemeindeverbände ihre Bereitwilligkeit angemeldet haben bzw. Zusammenschlüsse durchgeführt haben, ist zu erwarten, dass für die übrigen Gemeinden in Bälde die Höhe der Schlüsselzuweisung und die Dauer der erhöhten Zuweisungen Neuregelungen, wenn nicht gar gesetzlich angeordnete Zusammenschlüsse zustande kommen. Hierbei entfällt die freie Wahl der Partnergemeinden und die finanzielle Unterstützung im derzeitigen Maß.

Die Stadt Grünberg ist in den Kreis- und Landesentwicklungsplänen als Mittelpunktgemeinde ausgewiesen und bietet sich auch ohne diese Feststellung aus vielerlei Gründen als Kerngemeinde an. Seit Generationen fühlen sich die Bürger der angrenzenden- umliegenden Gemeinden nach Grünberg orientiert.

Die Befürchtung, dass Anschlußgemeinden Grünberger Schulden bezahlen müssen, ist absolut gegenstandslos. Allen anschlußwilligen Gemeinden versprechen wir, ein gleichwertiger Partner zu sein und gemeinsam zum Wohle der Bürger Kommunalpolitik zu betreiben. Niemand kann und soll das Gefühl haben, dass in der Großgemeinde Grünberg ein einseitiger Auf- oder Ausbau erfolgt.

Die Stadt Grünberg verhandelt mit vielen Gemeinden auf guter, ehrlicher und aufrichtiger Basis. Es freut uns besonders, schon heute feststellen zu können, dass einige Orte ihre Bereitschaft zur Eingliederung bestätigen. Wir hoffen, dass auch jetzt noch unschlüssige Gemeinden sich der künftigen Großgemeinde Grünberg anschließen.

Die neun Gemeindevertreter von Göbelnrod beschlossen in einer Sitzung am Mittwoch einstimmig den Anschluß an Grünberg. Auch die Weickartshainer Gemeindevertretung hat sich einstimmig für einen Anschluß an Grünberg ausgesprochen. In einer Bürgerversammlung in Stockhausen entschied man sich mit überwiegender Mehrheit für einen Anschluß an Grünberg. Auch Beltershain und Queckborn sprachen sich mehrheitlich für Grünberg aus.

Die Klein-Eichener Gemeindevertreter entschieden sich gestern Abend (25. November 1970) einstimmig für einen Anschluß an Grünberg. An erhöhten Schlüsselzuweisungen kann die Gemeinde etwa 20 000 DM jährlich erwarten. Auf ihrem Wunschzettel steht der Bau einer Friedhofshalle, der Feldwegebau, die Renovierung der Kirche und ein gemeinsamer Kindergarten mit Stockhausen und Weickartshain. In einer Bürgerversammlung am Dienstag (17. November 1970) voriger Woche hatten sich etwa zwei Drittel der Anwesenden für den Anschluß an Grünberg ausgesprochen. Ein Auseinandersetzungsvertrag ist in groben Umrissen skizziert, muss aber seine endgültige Form noch erhalten.

(Heimat Zeitung)

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25. November 1970

Unfall

Ein Kleimbus, der am Mittwoch gegen 7 Uhr die Straße von Sellnrod in Richtung Klein-Eichen befuhr, stieß in einer Linkskurve mit einem entgegenkommenden Radfahrer zusammen, der schwer verletzt in die Chirurgische Klinik in Gießen eingeliefert werden mußte.

Gießener Allgemeine Zeitung

 
21. November 1970

Lardenbach: Nicht nach Grünberg

Sehr zahlreich waren die Lardenbacher zu einer Bürgerversammlung am Wochenende (21. November 1970) im Saale Felsing erschienen, in der die Frage des Zusammenschlusses mit Grünberg eingehend besprochen wurde. In einer Begrüßungsansprache hielt Bürgermeister Mölcher einen kurzen Rückblick auf die Zusammenschlußfrage allgemein, die erstmals im Frühjahr dieses Jahres unter der Regie von Landrat Türk im Dorfgemeinschaftshaus Stockhausen in Anesenheit der Gemeindevorstände und -vertreter der Ortschaften Weickartshain, Stockhausen, Klein-Eichen und Lardenbach stattfand.

Ein Zusammenschluß dieser genannten Gemeinden sei damals an der Absage der Weikartshainer gescheitert. Seit Herbst dieses Jahres seien nun Bestrebungen im Gange, mehr als ein Dutzend Gemeinden zu einer Großraumgemeinde mit dem Mittelpunkt Grünberg zusammenzufassen. Auch Lardenbach sei dafür vorgesehen. Da nun Gemeindevertreter und -vorstand dies für nicht sinnvoll hielten und auch entsprechende Stellungnahmen abgegeben hätten, wolle man jetzt genau erfahren, inwieweit die Bürger hinter dieser Auffassung ständen.

Aus nachfolgenden Wortmeldungen war zu entnehmen, dass auch nicht eine Stimme den Zusammenschluß mit Grünberg guthieß. Erhöhung der Kanalgebühren, Einführung der Müllabfuhr, Verteuerung der Kfz-Haftpflichtversicherung wegen erhöhter Einwohnerzahl, die nicht zumutbare Entfernung zu der Bürgermeisterei und andere Gründe mehr wurden als Argumente gebracht.

Wenn die Grünberger schon nicht in der Lage seien, ihre eigenen Probleme, wie Abeasserklärung, Kindergärten, zeitgemäßes Schwimmbad und Bürgerhaus, zu bewältigen, wie solle dann später ein abgelegener Ortsteil beachtet und eingerichtet werden? Wer garantiert, dass die versprochenen erhöhten Schlüsselzuweisungen in dem betreffenden Ortsteil auch angelegt werden, wenn in dem späteren Gemeindeparlament vermutlich nur eine oder auch gar keine Lardenbacher Stimme vertreten sei?

Sei es überhaupt mit dem Grundgesetz zu vereinbaren, die Gemeinden mit dem Druckmittel "Ihr bekommt mehr Geld" bzw. "Man wird euch den Hahn der finanziellen Zuwendungen zudrehen" zu solchen Zusammenschlüssen zu bewegen? Wäre es nicht zweckmäßiger, und es würden viel mehr Gemeinden daran interessiert sein, kleinere Zusammenschlüsse gutzuheißen und zu fördern? Alle diese Fragen wurden von den Bürgern aufgeworfen.

Auf Drängen des Gemeindevorstandes wurde über die Angelegenheit geheim abgestimmt. Es wurden 63 Stimmzettel abgegeben und 63 Stimmen waren gegen einen Zusammenschluß mit Grünberg. Weiterhin faßte die Versammlung den Beschluß, nach wie vor einen Zusammenschluß mit benachbarten Gemeinden anzustreben und dabei bestehende Kreisgrenzen nicht als Hindernis anzusehen. Zum Schluß bedankten sich Gemeindevertreter Pleik im Namen aller Gemeindevertreter und Bürgermeister Mölcher im Namen des Gemeindevorstandes für das Abstimmungsergebnis. Zeige es doch, dass sie in dieser Sache genau die Meinung der Bürger vertreten hätten.

(zr/Heimat Zeitung)

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08. November 1970

Landtagswahl 1970

Die Landtagswahl des 8. November unterschied sich in vieler Hinsicht von allen vorangegangenen Wahlen zum hessischen Landesparlament. Erstmals waren 110 Abgeordnete zu wählen. Zum ersten Male durften auch 18- bis 21jährige an die Wahlurne gehen und konnten 21- bis 25jährige sich als Kandidaten aufstellen lassen. Weiteres Novum bei einer hessischen Landtagswahl: Die Stimmangabe per Briefwahl.

Die SPD verlor die absolute Mehrheit, blieb aber stärkste Partei. Die CDU gewann 13,3 Prozentpunkte und erreichte mit 39,7 % ihr bis dahin bestes Landtagswahlergebnis. Die FDP schnitt überraschend stark ab und konnte ihr Ergebnis von 1966 fast halten. Die NPD schied mit 3 % aus dem Landtag aus.

Klein-Eichen und Lardenbach gehörten zu den Gemeinden des Kreises Gießen, die zum Wahlkreis Alsfeld zählten.

Die Ergebnisse aus Klein-Eichen:
Wahlberechtigt 138 Wähler, Abgegebene Stimmen 111, Ungültige Stimmen 2, Gültige Stimmen 109

1970
1966
1962
SPD
24
30
38
CDU
60
11
20
FDP
15
29
29
GPD/BHE
-
2
2
NPD
8
15
-
DKP
2
-
-

Die Ergebnisse von Lardenbach:
Wahlberechtigt 306 Wähler, Abgegebene Stimmen 244, Ungültige Stimmen 1, Gültige Stimmen 243

1970
1966
1962
SPD
107
108
109
CDU
107
30
24
FDP
11
35
53
GPD/BHE
-
8
16
NPD
13
33
-
DKP
5
-
1

 
23. Oktober 1970

Kein Zusammenschluß mit Grünberg

Während in Klein-Eichen die Diskussionen wohlwollender verlaufen, entschieden sich die Lardenbacher Gemeindevertreter in einer Gemeinderatssitzung (im Oktober 1970) mit 6 Stimmen bei einer Stimmenthaltung gegen einen Zusammenschluß mit Grünberg. Selbst die unverbindliche Entsendung von 2 Gemeindevertretern zwecks ersten Zusammenschlußverhandlungen wird für nicht sinnvoll gehalten.

Unter reger Anteilnahme der Bürger wurde weit über eine Stunde dieses Thema behandelt. Keiner der Anwesenden sah Vorteile für die Gemeinde und erst recht nicht für die Bürger. Das oft benutzte Schlagwort "bürgernahe Verwaltung" sei vollkommen absurd. Den Bürgermeister im Ort, das wäre Bürgernahe Verwaltung. Die Überwindung von 8 Kilometer bis zur Gemeindebehörde bei den zur Zeit herrschenden und auch zukünftig nicht zu ändernden Verkehrsmöglichkeiten seien für die Bürger unzumutbar.

Weiterhin sei Lardenbach als ein in dieser Entfernung vom Gemeindezentrum abgelegener Ort von allen zukünftigen sozialen Einrichtungen ausgeschlossen. Was würden Kindergarten, Bürgerhaus, Sportanlagen usw., die nur in Grünberg erstellt würden, einer abgelegenen Gemeinde nutzen? Diese und viele Argumente halfen die Meinung der Gemeindevertreter zu bilden.

Der Zusammenschluß aller umliegenden Ortschaften zu einer Seenbachtalgemeinde wurde jedoch von allen Anwesenden gut geheißen. Die kleinen Nachteile, die in einer etwas größeren Entfernung zum eventuellen Mittelpunkt Seenbrücke entstehen würden und eine geringfügige Verteuerung der Verwaltungskosten, würde man gern gegen die dann tatsächlich gegebenen Vorteile eintauschen.

Es wurde allgemein bedauert, dass einige für die Seenbachtalgemeinde in Frage kommenden Gemeinden dieser Sache ablehnend gegenüber stehen. Darüberhinaus waren Stimmen zu hören, denen die Haltung dieser Gemeindevertreter unverständlich sei, weil in persönlichen Gesprächen mit Bürgern dieser Ortschaften ein eindeutiger Zug zu einer Seenbachtalgemeinde festzustellen sei. Weiterhin wurden die Gemeindevertreter in ihrer Auffassung, dass für Lardenbach nur ein Zusammenschluß zu einer Seenbachtal in Frage kommt, bestärkt, weil die Gemeinden Sellnrod und Altenhain großes Interesse für eine solche Großgemeinde zeigten.

(zr/Heimat Zeitung)

 
02. Oktober 1970

Referenten für Zusammenschluß

In einer sehr gelockerten Atmosphäre fand gestern (2. Oktober 1970) ein weiteres Zusammenschlußgespräch mit den Vertretern der beteiligten Gemeinden statt. Bürgermeister Karl Abschütz hatte nicht nur die Spitzen der Gemeinden eingeladen, sondern auch das gesamte jeweilige Parlament. Des öfteren wurde gescherzt. Aber an der Art konnte man erkennen, wie ernst es den jeweiligen Sprechern um die Sache war. Denn es wurden Auswirkungen des Zusammenschlusses dabei angesprochen, die wohl ernst zu nehmen waren, aber leicht verpackt sich besser servieren ließen. Schom bei der Begrüßung der Versammlung, die wiederum im Gemeinderaum der Stadtkirche stattfand, ließ Anschütz erkennen, dass er froher Laune war, indem er den einzelnen Abordnungen der Gemeinden zuwinkte. Weit über 120 Interessierte waren gekommen.

Anschütz wies noch einmal daraufhin, dass die Gemeinden nach Möglichkeit bis zum 15. Oktober (Gallusmarktfrühschoppen!) je zwei Vertreter benennen sollen, für einen Arbeitsausschuss, der dann die weiteren Zusammenschlußfragen besprechen wird. Die gestrige Besprechung sollte alle Gemeindevertreter unterrichten, damit eine breite Informationsbasis besteht.

Bisher führten bei ähnlichen Anlässen rundum Regierungsvertreter die Gespräche, die vor allen Dingen also ein Interesse daran haben mußten, dass "es vorwärts ging". Anschütz hatte für gestern abend neben Regierungsdirektor Hinkel vom Innenministerium, Referent Zahn vom Wirtschaftsministerium und Regierungsamtmann Gerbig vom Landratsamt auch Direktor Winterstein vom Städtebund und vom Geographischen Institut Dr. Moewes und Dr. Seifert eingeladen.

Bekanntlich erstellt das Geographische Institut Strukturgutachten für ganze Kreise und insbesondere im Auftrag des Laubacher und Grünberger Parlamentes auch im einzelnen für die hiesige Gegend.

Wer nun meinte, dass die einzelnen Referenten gegensätzliche Auffassungen vertreten würden, sah sich gestäuscht. Dr. Seifert von dem neutralen Gießener Institut meinte sogar, man könnte anhand der Ausführungen meinen, als hätten die einzelnen Sprecher sich vorher verabreded. Gleichmäßig eindringlich sprach man von der Notwendigkeit möglichst großer Zusammenschlüsse. Dr. Seifert von Gießen meinte sogar, dass jeder Zusammenschluß außerhalb Grünbergs sogar schädlich für die angestrebte Reform sei.

Kreisbeigeordneter und Gemeindevertreter Münch aus Göbelnrod meinte, man hätte es in der Zusammenschlußfrage leichter, wenn Grünberg etwas attraktiver gestaltet und mit Versorgungseinrichtungen, wie Schwimmbad und Stadthalle, besser ausgestattet wäre. Die Schuld hierfür sei aber weder bei dem Bürgermeister Anschütz noch bei dem Parlament zu suchen, sondern vielmehr beim Kreis und dem Land, das immer wieder die Zuschüsse versagte. Es sei ein Unfug, dass der Kreis direkt bei Gießen zuerst ein Hallenschwimmbad in außerordentlicher Größe errichtet, obwohl dort bereits der Bau von weiteren sieben Hallenbädern beschlossen wurde.

Weiterhin erinnerte Münsch an das Gerangel um den Bau und die immer wieder erneute Planung der Grünberger Sport- und Kulturhalle. Für beide Punkte ist der Kreis entscheidend zuständig, weil er auch über die Vergabe der Mittel des Landes entscheidet.

Anschütz antwortete hierauf, dass für 1972 wohl mit dem Zuschuß für die Stadthalle zu rechnen sei, wie ein derzeitiger Bescheid besagt. Nach dem Finanzierungsplan sieht es so aus, dass die Stadt Grünberg ohne die Hilfe der umliegenden Gemeinden Herr über dieses Projekt würde. Zum Hallenbadbau sagte Anschütz, dass zur Zeit ein Projekt mit internationalen Maßen im Gespräch sei, das mit der Hilfe des Kreises, des Bundes und des Hessischen Fußballverbandes finanziert werden solle.

Als wesentliche Belastung werde sich wohl der Bau einer Kläranlage nach einem Zusammenschluß erweisen. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge soll nur Queckborn seine Abwässer zuleiten. Die Kläranlage müsse aber von einem gräßeren Zweckverband getragen werden, da sich sicher später noch mehr Gemeinden anschließen müssen aufgrund des steigenden Abwasseranfalls.

Dr. Seifert vom Geographischen Institut sagte, dass Münchs Argumente nicht gegen einen Zusammenschluß, sondern eher dafür sprechen würden. Wenn nämlich die Größe, wie sie vom Geographischen Institut vorgeschlagen wird, zustandekäme, dann entstünde ein Gebilde mit einer Durchschlagskraft, wie sie im Kreis Gießen wohl kaum größer zu finden sei. "Schaffen Sie die Chance! Dann kann man an Ihnen nicht mehr vorbei und muß investieren!".

Bekanntlich plant das Geographische Institut über Kreisgrenzen hinweg und rechnet den Raum Grünberg noch bis Unter- und Ober-Seibertenrod. Weiterhin wies Seifert darauf hin, dass größere Gemeinschaftsprojekte nur von Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von mindestens 12 000 Einwohnern rentierlich genutzt werden könnten.

Regierungsamtmann Gerbig meinte, man sollte doch nicht so kleinlich sein und darauf achten, wo nun das erste Bad entstünde, schließlich sei auch für Grünberg ein Hallenbad geplant, was alleine schon durch die beabsichtigte Einrichtung der Gesamtschule herausgefordert werde. Man solle allmählich ins einzelne gehende Dinge diskuttieren und die Angelegenheit wieder versachlichen.

Dr. Moewes vom Geographischen Institut wies darauf hin, dass nur beim Zusammenschluß von größeren Räumen die Projekte weitreichender Art richtig geplant werden könnten. Ein beredtes Beispiel sei manche Mittelpunktschule, die aus lokalpatriotischen Gründen vollkommen verkehrt stünde. Auch hapere es oft an der richtigen Größe. Wenn man sich in Grünberg nicht anschließe, dann zwinge man die Stadtverordneten praktisch dazu, alle größeren Projekte in der Gemarkung Grünberg zu errichten. Im anderen Fall hätten die umliegenden Gemeinden noch eine Mitbestimmungsmöglichkeit im Parlament.

Als Bürgermeister Anschütz darauf angesprochen wurde, ob er nicht fürchte, dass bei einem Zusammenschluß die Grünberger Stadtverordneten im Parlament wegen ihrer geringeren Vertretungsstärke ständig überstimmt würden, antwortete er mit einem klaren Nein. Im früheren Mittelpunktschulverband habe Grünberg auch nur acht Sitze von 42 insgesamt innegehabt. Alle Probleme seien jedoch zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst worden. Man habe sogar später noch zugestimmt, dass die Zahl der Grünberger Vertreter von 8 auf 12 erhöht wird.

Eine andere Frage war, on man sich tatsächlich eine Verbilligung der zentralen Verwaltung verspreche. Hier hakte Direktor Winterstein vom Städtebund ein: Möglicherweise werde sie sogar etwas teurer. Genaues könne man darüber noch nicht sagen. Entscheidend sei doch, dass die Bürger von spezialisierten Kräften betreut werden könnten.

Regierungsdirektor Hinkel vom Innenministerium ergänzte, dass es bei der Reform der Gemeindezusammenschlüsse nicht bleiben werde. Auch die Landkreise müssten zu größeren Einheiten verschmolzen werden. Schon jetzt sei man daher in Wiesbaden dabei, einen Katalog aufzustellen, welche Aufgaben, die bisher von den Kreisen wahrgenommen werden, auf die Gemeinden zu übertragen sind, um den Bürgern den Weg zur Kreisverwaltung zu ersparen. Bei den derzeitigen Gemeindegrößen in Hessen sei aber eine Verlagerung der Befugnisse nach unten nicht möglich, da die Fachkräfte in den Verwaltungen fehlen. Das sei auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass von 2 600 Gemeinden nur etwa 400 eine Größe von über 2000 Einwohner haben.

Es wurden auch Bedenken laut, dass die umliegende Bevölkerung zu weite Wege zu den Gemeinschaftseinrichtungen zurückzulegen hätte, da wohl alles in Grünberg errichtet würde. Hierzu sagte Anschütz, dass das durchaus nicht gesagt sei. Bei einem Zusammenschluß könne man durchaus zu der Ansicht gelangen, dass zum Beispiel ein Altenheim irgendwo draußen in reizvoller Gegend sinnvoller zu errichten sei. Außerdem sei dies auch eine Frage der Umgestaltung der Verkehrsverbindung.

In der Diskussion wurde auch vorgebracht, dass mancher kleinere Ort in der Stadtverordnetenversammlung dann nicht mehr vertreten sein werde. Hierzu sagte Direktor Hinkel, dass dieser Gefahr die noch zu bildenden Ortsbeiräte entgegenwirken werden. Es sei nun eine Frage der sich Zusammenschließenden, inwieweit die Ortsbeiräte mit Befugnissen ausgestattet werden.

Besonders interessant war die Mitteilung, dass nach einem neuen Landesgesetz schon nach zwölfjähriger Dienstzeit der Bürgermeister Ehrensold gezahlt wird, in Höhe von einem Drittel der seitherigen Aufwandsentschädigung. Im Falle eines Gemeindezusammenschlusses wird schon nach achtjähriger Dientzeit ein Viertel gezahlt. Bei einem Zusammenschluß ist der Ehrensold nicht von der jeweiligen Gemeinde, sondern vom Land zu übernehmen.

(Heimat Zeitung)

 
19. September 1970

Sängertag der Chorgruppe Nikolai

Etwa 150 Sänger der Chorgemeinschaft Ernst Nikolai, zusammengesetzt aus den Männergesangvereinen Eintracht Hausen, Heiterkeit Sängerkranz Großen-Buseck, Sängerkranz Grünberg, Sängerlust Oppenrod und Eintracht Lardenbach/Klein-Eichen gaben sich am Samstagabend im Saale Felsing ein Stelldichein. Das Schüler-Akkordeonorchester des Dirigenten, rund 20 Jungen und Mädchen, wirkte ebenfalls mit.

Galt es doch, den seit zig Jahren üblichen Sängertag, der jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindet, durchzuführen. Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung rollte ein etwa zweistündiges Programm ab, das selbst für verwöhnte und fachmännische Ohren ein Genuß war.

Von den etwa 20 Darbietungen musikalischer und gesanglicher Art hatte rund ein Drittel Curt Mahr komponiert. Es wäre vermessen, die Leistung des einen oder des anderen Chores in den Vordergrund zu stellen; außer der letzten Darbietung. Alle Sänger der Chorgruppe sangen mit Orchesterbegleitung die Stücke "Am sonnigen Rhein" von Curt Mahr und "Three Western Melodies", ein amerikanisches Volkslied, gesetzt von H. Willnecker. Erst spät in der Nacht trennten sich die Sangsbrüder.

(zr/Heimat Zeitung)

 
17. September 1970

Vortrag zum Zusammenschluß

Bis gegen Mitternacht zog sich eine Versammlung von Kommunalpolitikern aus dem Raume Grünberg hin, die sich am Donnerstagabend (17. September 1970) im Gemeindesaal der evangelischen Kirche in Grünberg eingefunden hatten, um sich über einen Zusammenschluß ihrer Gemeinden auszusprechen. Man kam nach langer Diskussion überein, sich in den jeweiligen Gemeindeparlamenten bis zum 15. Oktober zu entschließen, ob man zu weiteren Verhandlungen über dieses Thema bereit sei. Gegebenenfalls sollen von jeder Gemeinde zwei Vertreter in einen Arbeitsausschuß entsandt werden, in dem die bestehenden Probleme diskutiert und ein Fragenkatalog aufgestellt werden soll.

Zu der Veranstaltung, die auf Initiative des Magistrates der Stadt Grünberg stattfand, waren die Vertreter folgender Gemeinden eingeladen: Lauter, Queckborn, Münster, Ettingshausen, Saasen, Göbelnrod, Reinhardshain, Lumda, Beltershain, Weitershain, Atzenhain, Lehnheim, Weickartshain, Stockhausen, Lardenbach, Klein-Eichen und Grünberg. Regierungsdirektor Karl Reinhard Hinkel vom hessischen Innenministerium und Regierungsamtmann Johannes Gerbig vom Landratsamt Gießen waren ebenfalls der Einladung gefolgt.

Bürgermeister Karl Anschütz gab zunächst einen Überblick über eine erste Besprechung zu diesem Thema, die am 31. Juli stattgefunden hatte. Damals sei vor allem die Sorge laut geworden, dass nach einem Zusammenschluß kein enger Kontakt zu den Bürgern mehr bestehe. Man sei jedoch der Meinung gewesen, dass der Zusammenschluß unausbleiblich sei.

Regierungsdirektor Hinkel berichtete in einem Referat über Zusammenschlüsse, dass in Hessen 600 von 2600 Gemeinden im Augenblick ernsthaft im Gespräch über Zusammenschlüsse seien. Das beweise, dass die notwendige Einsicht bei den Kommunalpolitikern vorhanden sei. Der Trend zu größeren kommunalen Einheiten bestehe auch in anderen Bundesländern. Das Konzept der hessischen Landesregierung sehe vor, dass bei den Zusammenschlüssen die örtlichen Verhältnisse und die Interessen der Gemeinden berücksichtigt werden. Es bestehe, zumindest vorläufig, kein Zwang zum Zusammenschluß, die Gemeinden sollten vielmehr frei darüber entscheiden.

Hinkel wies darauf hin, dass die Gemeindereform in Hessen bis zum Ende der nächsten Legilaturperiode verwirklicht sein soll. Als Gründe für die Notwendigkeit von Zusammenschlüssen gab Hinkel an, dass alle Regionalplanungen eindeutig Schwerpunkte setzten, gleichgültig ob es dabei um Fremdenverkehr, Wirtschaftsstruktur oder Industrieplanung gehe. Diese Schwerpunkte fielen naturgemäß immer in größere Städte und Gemeinden. Wenn nun alle Mittel in diese Schwerpunkte flössen, würde rundherum "Brachland" entstehen. Deshalb sei die Integrierung der kleineren Gemeinden in größere unumgänglich. "Denn", so zitierte Hinkel, "das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile."

Es sei auch notwendig, die Finanzkraft der Gemeinden zu stärken. Viele Gemeinden seien sehr auf die finanzielle Hilfe des Landes angewiesen und dadurch stark in ihrer Selbstverwaltung beeinträchtigt, meinte der Redner. Man dürfe nicht mehr örtlich, sondern müsse räumlich denken. Für größere Gemeinden spreche auch, dass die Verwaltung ortsnäher gestaltet werden könne.

Aufgaben des Kreises sollen künftig auf die Gemeinden übertragen werden. Den örtlichen Belangen der kleinen Gemeinden würde durch Ortsbeiräte Rechnung getragen. Aber auch die Wirtschaftlichkeit der Verwaltung größerer Gemeinden werde entschieden verbessert. Die Verwaltungsleistungen könnten verbessert werden. Das Land, sagte Hinkel weiter, honoriere die Zusammenschlüsse durch erhöhte Schlüsselzuweisungen auf zehn Jahre. Da aber in den nächsten Jahren dadurch einige Belastungen für den hessischen Finanzhaushalt entstehen, sei es besser, rechtzeitig dabei zu sein.

Die Bevölkerung stehe den geplanten Zusammenschlüssen durchaus aufgeschlossen gegenüber. Hinkel verwies auf die Repräsentativerhebung eines Meinugsforschungsinstituts, nach der sich 71 Prozent der Bevölkerung positiv und nur 15 Prozent gegen die Zusammenlegung ausgesprochen haben.

/gs/Allgemeine Zeitung)

 
28. August 1970

Gesamtschule Grünberg

Im Rahmen einer erweiterten Lehrerkonferenz, an der außer dem Kollegium der Theo-Koch-Schule und der Mittelpunktschule Oberschulrat Haarbaum (Wiesbaden), Schulrat Dörr vom Schulbezirk Gießen-Nord, Hans Koch als Vertreter des Elternbeirates der MPS teilnahmen, wurde im Versammlungsraum der Mittelpunktschule die Gesamtschule Grünberg offiziell aus der Taufe gehoben.

Schulrat Haarbaum vom Regierungspräsidium in Wiesbaden sprach in seinen Begrüßungsworten von einer als Verwaltungsmaßnahme konzipierten Veränderung, die in die formal-juristische Präsens übergeleitet wurde. Nach dem Bestätigungsschreiben des Hessischen Kultusministers ist die Gesamtschule Grünberg mit dem 31. Juli 1970 rechtskräftig.

Nach diesen Vorbemerkungen übertrug der Oberschulrat offiziell die Leitung der Gesamtschule Oberstudiendirektor Ottheinrich Hoffmann, seither Leiter der Theo-Koch-Schule Grünberg.

(HZ)

 
31. Juli 1970

Zusammenschlussfragen

Grünbergs Bürgermeister Anschütz hatte am Freitag (31. Juli 1970) zu einer Besprechung über Gemeindezusammenschlüsse innerhalb des Einzugsgebietes Grünberg eingeladen. Erschienen waren 52 Vertreter aus 17 Gemeinden. Mit einer Ausnahme hatten alle Gemeinden, die dem ehemaligen Mittelpunktschulverband angehörten, auch die des Kreises Alsfeld, Vertreter entsandt.

Landrat Türk war von der Zusammenkunft informiert. Bürgermeister Anschütz führte nach einer krzen Begrüßung die Gründe an, die unter Berücksichtigung örtlicher und überörtlicher Gesichtspunkte einen Zusammenschluß rechtfertigen würden. Hierbei wurden die wesentlich höheren Schlüsselzuweisungen für die Gemeinden im Falle des freiwilligen Zusammenschlusses besonders herausgestellt und auch auf die möglichen Folgen für die Bürgermeister und Gemeindevertreter im Falle des Versäumnisses der sich bietenden Gelegenheit hingewiesen.

Es wurde auch nicht vergessen, zu erwähnen, dass die vielen Zusammenschlüsse von Gemeinden, wie sie zur Zeit laufend erfolgen, nicht von ungefähr kämen, sondern die betreffenden Gemeinden sehr wohl ihren großen Vorteil erkannt hätten, den sie so schnell wie möglich wahrnehmen wollten, ehe es zu spät sei.

Schließlich stünden auch die Entwicklungspläne, Regionalpläne, Strukturverbesserungspläne usw. mit den Gemeindezusammenschlüssen in einem Kausalzusammenhang, so dass auch von dieser Seite gesehen der Zusammenschluß eine große Bedeutung habe.

Es dürfe andererseits auch kein Zweifel darüber bestehen, dass die Zusammenschlüsse kämen, gleich wie - ob auf freiwilliger Basis oder durch gesetzliche Regelung. Im letzten Falle würden die Gemeinden keine höhere Schlüsselzuweisungen erhalten, was für die meisten Gemeinden ein hoher Verlust wäre, für den letztlich niemand verantwortlich zeichnen wolle.

Die auswärtigen Vertreter verfolgten aufmerksam die Ausführungen, an die sich eine offenherzige Aussprache anschloß. Die Versammelten waren waren alle der Auffassung, dass der Zusammenschluß nicht mehr aufzuhalten sei. Jedoch kam immer wieder der Einwand, dass die ortsnahe und persönliche Betreuung der Bürger zu kurz käme. In der Gegendarstellung war man der Meinung, dass sich die Jugend sehr schnell an die Umstellung gewöhnen würde, während die älteren Leute etwas längere Zeit brauchten.

Nach kurzer Zeit aber würden sich alle daran gewöhnen. Insbesondere dann, wenn eine gute Betreuung durch die Mittelpunktgemeinden gewährleistet würde, was ohne weiters leicht möglich sei.

Bezüglich der Verwendung der Bürgermeister und Rechner gäbe es ohne Zweifel viele Möglichkeiten. Aus den ganzen Fragen und Vorstellungen war klar zu erkennen, dass die neue Situation erst einmal innerhalb der Gemeinde und der Bevölkerung durchdacht und besprochen werden muß.

Mehr war bei diesem Gespräch von vornherein nicht zu erwarten. Demnächst werden neue Besprechungen stattfinden, an denen auch die Aufsichtsbehörde teilnehmen wird. Alle wissen, dass auch hier Zusammenschlüsse kommen werden. Und keiner will, dass die eigene Gemeinde Schaden und Verluste erleiden soll.

(HZ)

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31. Juli 1970

Gemeindezusammenschlüsse

Der Landkreis Gießen galt in den zurückliegenden Jahren auf verschiedenen Gebieten als Musterkreis im Lande Hessen. Er hätte diesen Ruhm mehren können, wären auch hier bereits freiwillige Gemeindezusammenschlüsse vollzogen worden, wie sie in vielen anderen Landkreisen verwirklicht oder zumindest beantragt worden sind. Schon Anfang Juli 1969 hatte das hessische Innenministerium für den Landkreis Gießen als erstem in Hessen einen dicken Katalog mit ausführlichem Zahlenmaterial unter dem Titel "Vorschläge für eine gebietliche Neugliederung auf der Gemeindeebene im Landkreis Gießen" vorgelegt.

Etwa neun Monate lang war darauf kaum ein Echo zu höhren, bis in Leihgestern das Thema aufgegriffen wurde. Jetzt, nach Jahresfrist, sind in drei Gemeindegruppen die Zusammenschlüsse spruchreif, in einigen anderen Fällen wird schon über das Thema diskutiert. Aller Voraussicht nach werden noch in diesem Jahr aus mehreren alten drei neue Gemeinden entstehen, wenngleich sie vielleicht nur eine erste Stufe im Zuge einer längeren Entwicklung sein werden. Inzwischen hat sich weitgehend die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit wachsender Gemeindegröße erst die eigentliche Selbstverwaltungsfähigkeit erreicht wird, denn starke Gemeinden sichern mehr Unabhängigkeit.

Weshalb sich die Kommunalpolitiker in den Gemeinden des Kreises Gießen nicht früher für den Gedanken starker Gemeinden erwärmt haben, ist nie ganz klar zu Tage getreten, obwohl bereits im Dezember 1965 dieser Gedanke im Kreis Gießen in die Öffentlichkeit getragen wurde. Schon damals wurden auf Grund des Hessischen Finanzausgleichgesetzes im Falle von Zusammenschlüssen erhöhte Schlüsselzuweisungen auf die Dauer von zehn Jahren in Aussicht gestellt. Sehr wahrscheinlich laufen diese Anreize für alle diejenigen Gemeinden aus, die sich bis zum 31. Dezember 1970 noch nicht freiwillig zusammengeschlossen haben.

Gegen einen Zusammenschluß wurde - vor allem in kleineren Gemeinden - die Sorge angeführt, vom Nachbarn "geschluckt" zu werden. Es kamen auch Gesichtspunkte von lieber, alter Gewohnheit ins Gespräch, denn in den kleinen Gemeinden läuft man heute noch nahezu zu jeder Tages- und Nachtzeit zu seinem Bürgermeister, um sich beraten oder helfen zu lassen. Es scheint heute bisweilen, als wolle man auf dem Lande zwar alle Vorteile einer größeren Stadt erwerben, aber von den Privilegien des dörflichen Lebens nichts aufgeben.

In einigen Gemeinden ging und geht es im wesentlichen um die Versorgung des Bürgermeisters, sofern er nicht ohnehin aus Altersgründen in den Ruhestand tritt oder es sich nicht um einen "gelernten" Verwaltungsbeamten handelt, der jederzeit in die Behörde zurückkehren kann, aus der er hervorgegangen ist. Dieses Problem ist jedoch nicht unlösbar, denn es lag von Anfang an auf der Hand, dass man auf den Erfahrungsschatz und die Sachkenntnis dieser ehemaligen ehren- oder auch hauptamtlichen Bürgermeister kleiner Gemeinden in einer neuen Großgemeinde unter keinen Umständen verzichten kann. Sie können dort als Angestellte mit einem etwa vergleichbaren Gehalt zweifellos einen angemessenen Arbeitsplatz finden.

Für den Landkreis Gießen mit 85 Gemeinden waren vor Jahresfrist zwölf Gemeindegruppen vorgeschlagen worden. Neun oder zehn starke Gemeinden würden vielleicht auch ausreichen. Sie könnten eine Fülle von Aufgaben übernehmen, die heute noch bei der Kreisverwaltung liegen. Dies wäre für die Bürger ein wesentlicher Gewinn, denn Wege zur Gemeindeverwaltung von zwei bis fünf Kilometern sind zeitsparender als solche von zehn, 20 oder noch mehr Kilometern.

Wie sieht es heute (31. Juli 1970) praktisch im Kreis Gießen mit den Zusammenschlüssen aus? Da sind zunächst die Gemeinden Londorf und Kesselbach, deren Gemeindevertreter sich vor einigen Tagen für einen Grenzänderungsvertrag aussprachen. Die zweite Gemeindegruppe, die in diesem Jahr noch mit einem Zusammenschluß aufwarten wird, ist die Gruppe "Schiffenberg". Und die dritte Gruppe wäre die Stadt Großen-Linden mit der Gemeinde Leihgestern. Rege ist auch die Stadt Laubach, die sich mit den Gemeinden Freienseen, Gonterskirchen, Röthges, Ruppertsburg, Wetterfeld zusammenschließen könnte.

Angeregt durch die Aktivität im Laubacher Gebiet bemüht sich jetzt auch die Stadt Grünberg, Initiative in ihren Nachbargemeinden zu entwickeln. Würde es hier zu einem Zusammenschluß kommen, woran vor allem Weickartshain interessiert ist, entfiele automatisch das Projekt Seenbachtal mit den Gemeinden Lardenbach, Klein-Eichen, Stockhausen und Freienseen, da diese Gruppe ohne Weickartshain nicht lebensfähig wäre. Für einen Zusammenschluß mit Grünberg kämen folgende Gemeinden in Betracht: Weitershain, Lumda, Reinhardshain, Beltershain, Stangenrod, Göbelnrod, Weickartshain, Lardenbach, Klein-Eichen und Stockhausen, Lauter, eventuell Queckborn.

(gd/Allgemeine Zeitung)

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18. Juli 1970

Ortslandwirte

Wie das Landwirtschaftsamt Gießen mitteilte, wurden aus der Umgebung zum Ortslandwirt gewählt in Klein-Eichen Ernst Lein und in Lardenbach Richard Fitzthum. In Stockhausen wurde Otto Biedenkapp und in Weickartshain Karl Heinz Rühl gewählt.

(HZ)

 
08. Juli 1970

Integrierte Gesamtschulen

Bei der Kreistagssitzung am Mittwoch, in der Inheidener Mehrzweckhalle, war ein 15-Punkte-Programm durchzuarbeiten, das noch durch fünf Zusatzanträge eine Ausweitung erfuhr. Die Kernstücke der Tagesordnung beinhalteten Raumordnungs- und Gesamtschulprobleme.

In einem Referat von Schulrat Dörr über den Stand der Schulreform im Landkreis, aus dem sich als Novum herausschälte, dass zum Schuljahresbeginn 1970 integrierte Gesamtschulen in Grünberg und Hungen als Versuch anlaufen sollen, weil dort die räumlichen und personellen Voraussetzungen gegeben sind.

Landrat Türk berichtete von dem positiven Echo, das die Fortführung des Förderstufenunterrichts beim Elternbeirat der MPS Grünberg fand. Praktisch bedeutet das, dass ab dem 7. Schuljahr alle Kinder von Mittelpunktschule und Gymnasium nach dem Kurssystem unterrichtet werden, d. h. nach der Art ihrer Begabung gefördert werden und nicht automatisch in die nächste Klasse aufsteigen.

Der SPD-Antrag zum Thema "Gesamtschulen" wurden von der Mehrheit des Parlaments genehmigt, der CDU-Antrag, eine schulformbezogene Gesamtschule einzurichten, abgelehnt.

(HZ)

 
01. Juli 1970

"Unser Dorf soll schöner werden"

In diesem Jahr nahmen an dem Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" nur acht Gemeinden im Kreisgebiet teil, von denen sich Grüningen mit 1198 Einwohnern und Gonterskirchen mit 630 Einwohnern zum ersten Male an dem Wettbewerb beteiligten. Beide Gemeinden waren in ihrer Gruppe fast punktgleich. In der Gruppe B wurde (am 1. Juli 1970) Ober-Hörgern Kreissieger. Es folgten die Gemeinden Wetterfeld, Klein-Eichen, Rodheim/Horloff, Steinheim und Rüdingshausen. Der Gebietsentscheid findet Ende Juli statt, an dem die Sieger aus den Bezirken der Landwirtschaftsämter Gießen, Friedberg, Wiesbaden und Limburg teilnehmen.

Die Gemeinden, die offiziell an dem Wettbewerb teilnehmen, erhalten einen Zuschuß zwischen 150 DM und 350 DM. Der Kreis stellt damit über 7000 DM für die Dorfverschönerung 1970 zur Verfügung. Dieser Zuschuß soll und kann nicht mehr als Anerkennung und Anreiz sein. Entscheidend ist die Einstellung und Mitarbeit des einzelnen Bürgers und der gesamten Dorfgemeinschaft.

Neben Grünanlagen, Blumenarrangements, Ruhebänken, sind auch Vorgärten, Wohnhäuser und schmucke Fachwerkgebäude in neuem Glanz erstanden und bedeuten für Durchreisende und Fremdengäste attraktive Anziehungspunkte.

In den Gemeinden gibt es noch so manchen unbeachteten Winkel zu entrümpeln und ihm ein anmutiges Äußeres zu verleihen. Auch die Bach- und Flußläufe, wie auch Feld- und Wiesenraine und der Wald wollen sauber gehalten sein. Die Haus-, Dorf- und Landschaftsverschönerung sollte Anliegen eines jeden einzelnen Bürgers sein.

(hz/gaz)

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28. Juni 1970

Fußball-Turnier

Petrus meinte es nicht sehr gut mit dem Ausrichter eines Fußball-Freundschaftsturniers des SSV Lardenbach/Klein-Eichen. So mußten zwei Vorrunden-Begegnungen wegen der starken Regenfälle ausfallen und wurden, um einen Gruppensieger zu ermitteln, durch Elfmeter-Schießen entschieden. Das Endspiel bestritten der SV Wallernhausen und die Mannschaft des SV Sellnrod. Durch einen 2:0-Erfolg erkämpfte der SV Wallernhausen den Turniersieg.

Das Spiel um den dritten und vierten Platz fiel ebenfalls den schlechten Wetterbedungungen zum Opfer und mußten durch ein Elfmeter-Schießen entschieden werden. Hierbei hatte der SV Harbach die Nase leicht vor dem SV Wetterfeld. Weiterhin mit dabei waren die Mannschaften aus Altenhain, Weickartshain, Freienseen und Ruppertenrod.

(ki/gaz)

 
07. Juni 1970

Bannerweihe der Feuerwehr Lardenbach

Am Wochenende (6. und 7. Juni 1970) fand in Verbindung mit dem 35jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Lardenbach eine Bannerweihe statt. Die Vorderseite des Banners ziert das vor kurzem erst genehmigte Lardenbacher Wappen, das gleichzeitig erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Am Samstag und Sonntag war das Festzelt bei bestem Wetter allemal "gerappelt" voll.

Bürgermeister Mölcher führte in seiner Begrüßungsansprache am Samstagabend im Festzelt aus, dass die Freiwillige Feuerwehr in vorbildlicher Weise weit mehr als ihre Pflicht erfülle und Opfermut und Hilfsbereitschaft in ihren Reihen wohne. Wenn nach 35jährigem Bestehen der Feuerwehr endlich ein Banner angeschafft werde und gleichzeitig auf diesem Banner das neue Lardenbacher Wappen im Vordergrund stünde, dann müsse dies als ein großer Tag in der Geschichte des Dorfes angesehen werden.

Kreisbeigeordneter Gerhard Lemp übermittelte im Auftrag des Landrates die Grüße und Glückwünsche des Kreistages und des Kreisausschusses. Otto Graf zu Solms-Laubach wies auf die uneigennützige Einsatz- und Opferbereitschaft der Wehr hin. Zur Bannerweihe wünschte er der Wehr alles Gute und überreichte eine Fahnenschleife als erstes Schmuckstück für das neue Banner.

Lobend erwähnte Kreis-Feuerwehrinspektor Otto Schaaf die Schlagkraft der Wehr und unterstrich ihren vorzüglichen Ausbildungsstand. In Anbetracht der Verdienste, die sich Ortsbrandmeister Helmut Felsing im Feuerlöschwesen errungen hat, zeichnete Schaaf ihn im Auftrag des Deutschen Feuerwehrverbandes mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz II. Klasse aus.

Dann trat die Ortsfeuerwehr geschlossen auf der Bühne an und unter den zündenden Klängen des Spielmannzuges Allendorf (Lda.) brachten drei Wehrmänner die noch verhüllte neue Fahne auf die Bühne und Ortsbrandmeister Helmut Felsing sprach bei der Enthüllung die Worte: "Möge sich darunter Kameradschaft bilden und erhalten!" Er dankte den Lardenbachern, die durch ihre Spenden die Anschaffung ermöglichten.

Aus den Händen ihres Ortsbrandmeisters nahmen für 30jährige Mitgliedschaft Erich Berg und Karl Krämer Ehrenurkunden entgegen, Artur Kratz wurde wegen seiner Verdienste um das Feuerwehrlöschwesen und seines Einsatzes bei den Wettkämpfen zum Brandmeister befördert.

Namens der Wettkampfgruppe überraschte ihr Vertreter Reiner Roth Helmut Felsing mit einem Geschenk, da es dem Ehrgeiz und der Initiative Felsings zu verdanken sei, dass die Wehr so nachhaltige Siege errang.

Das Unterhaltungsprogramm bestritt unter anderem der Männergesangverein Lardenbach/Klein-Eichen mit zwei Chören. Viel Beifall erhielten auch die munteren Teenager Hahn und Gerth aus Lindenstruth. An Zirkusakrobatik grenzten die Vorführungen der Kinstradgruppe aus Laubach. Durch das Programm führte als Ansager der "Hannes von der Kolbenmühle". Die Kapelle Stühler (Merlau) spielte zum Tanz auf.

Der Sonntag begann in Lardenbach mit einem Festgottesdienst sowie einem Platzkonzert vor dem Feuerwehrgerätehaus. Sehr eindrucksvoll war der Festzug, der mittags durch die Straßen zog. Durch die von unzähligen Zuschauern gesäumten Straßen, an den festlich geschmückten Häusern vorbei, bewegte er sich bei strahlendem Sonnenschein vom Heiligenstock ausgehend, auch durch Klein-Eichen nach dem Festzelt.

In bunter Reihenfolge wechselten sich Feuerwehrmannschaften und Musikzüge ab. Etwa 30 Wehren hatten sich eingefunden, um den Lardenbacher ihre Verbundenheit zu zeigen. Die örtlichen Vereine, der Männergesangverein und der Spiel- und Sportverein, hatten sich ebenfalls eingereiht. Der Zug wurde angeführt durch 3 stattliche Reiter auf Schimmeln. Es folgte eine zweispännige Kutsche, ebenfalls mit Schimmeln, in denen Graf Otto zu Solms und Bürgermeister Mölcher Platz genommen hatten.

Die Ehrenmitglieder des Vereins waren in einem PKW untergebracht. Dicht darauf folgte der zweispännige Bierwagen der Brauerei Ihring Melchior. Die Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Lehenrotte (Nieder-Österreich) stach in ihren braunen Uniformen von den dunkelblauen der anderen Wehren ab. Eindruck hinterließ die Ponykutsche eines Lardenbachers (Psiorz). Ganz auf "Feuerwehr früher" waren eine Kutsche und ihre Insassen hergerichtet. Den Abschluss bildete eine mittelalterliche, gußeiserne Kanone, gezogen von einem Fahrzeug einer bekannten Firma.

Der Schirmherr der Veranstaltung, Otto Graf zu Solms, Bürgermeister Mölcher, Kreisbrandinspektor Schaaf, Unterkreisführer Kopp und Wehrführer Felsing nahmen auf dem Heiligenstock stehend, den Vorbeimarsch der Wehren ab. Gegenüber hatte der Spielmannszug Allendorf Aufstellung genommen. Im Takte der Marschmusik gaben die Wehrführer ihre Ehrenbezeugung ab. Im Festzelt angekommen traten dann die Festdamen in Aktion. Die sehr nett und festlich gekleideten Mädchen gaben mit ihrem Auftreten die Überleitung zum anschließenden Tanz.

(zr/hz/gaz)

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24. Mai 1970

Tag des Waldes in Lardenbach

Am vergangenen Sonntag (24. Mai 1970) wurde in Lardenbach ein öffentlicher Waldrundgang durchgeführt. Um 11 Uhr traf man sich am Eingang zum Pfortwald. Der Leiter der Veranstaltung, Revierförster Keitzer, Freienseen, wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, dass die Bedeutung des Waldes als Lebensspender in der Natur in Form eines Wasserspeichers, Luftreinigers und anderes mehr von den meisten Menschen nicht voll erkannt würde. Vielen Menschen gäbe er Brot, angefangen vom Waldarbeiter und Holzfäller bis hin zum Tischler und den holzverarbeitenden Industrien.

Auch die moderne Zeit brauche trotz Metalle und Kunststoffe weiterhin den Rohstoff Holz, sei es für Möbel oder im Bauwesen. Trotz der in den letzten Jahren gefallenen Holzverkaufspreise sei der Lardenbacher Wald mit seiner Größe von 60 ha immer noch rentabel, einer der ertragsreichsten im Kreis Gießen. In den letzten 20 Jahren wurden durchschnittlich jährlich 18 500 DM herausgewirtschaftet.

Während des Rundganges wies Revierförster Keitzer unter anderem auf den annähernd 3 ha großen etwa 220jährigen Eichenbestand hin, der in den nächsten Jahren Zug um Zug abgeholzt werden soll. Die qualitätsmäßig hervorragenden Stämme würden vorwiegend von im Spessart ansäßiger Holzindustrie erworben und zu Fournieren verarbeitet. Weiterhin machte Keitzer auf einen längst hiebreifen, aber noch sehr gesunden etwa 200jährigen Fichtenbestand aufmerksam, dessen Abhlozung aus forstwirtschaftlichen Gründen erst in einigen Jahren vorgenommen werden kann.

Keitzer führte weiter aus, dass seit 1965 ein 1,5 km langer Rundweg ausgebaut worden sei. Dafür seien insgesamt 18 000 DM aufgewendet worden. Mit einem Durchschnittspreis von 12 DM pro laufendem Meter sei dies ein verhältnismäßig geringer Kostenaufwand gewesen.

Im Hinblick auf die Verdienste, die sich Revierförster Keitzer bei dem Bau des Rundweges erworben hat, ernannte Bürgermeister Mölcher diesen mustergültigen Weg zum Förster-Keitzer-Weg und enthüllte das entsprechende Schild.

Bei der im Schatten der Bäume aufgefahrenen Bundeswehr-Feldküche wurde anschließend Erbseneintopf mit Würstchen gefaßt. Für Getränke war auch gesorgt. Weit über 100 Spaziergänger fanden sich noch ein und blieben in froher Runde bis zum späten Nachmittag.

(zr/hz)

 
10. Mai 1970

Bullen unter dem Hammer

Die 93. Absatzveranstaltung (10. Mai 1970) von Zuchtbullen des schwarz- und rotbunten Rindes in der Hessenhalle in Gießen war nicht so gut besucht wie die früheren Versteigerungen, was auf den überraschenden Beginn der wärmeren Jahreszeit zurückzuführen ist. Aufgetrieben waren Vatertiere in der gleichen Anzahl wie bisher. Von 36 vorgestellten schwarzbunten Bullen wurden durch die Körkommission 31, von 32 rotbunten Vatertieren 27 angekört. Die schwarzbunten Tiere waren ausgeglichener und zum Teil auch etwas ausgeprägter in Form und Leistung.

Die Körungskommission stellte einen dieser Bullen in die I., neun in die II., zwölf in die IIb- und 10 in die III. Zuchtklasse. In der II. Zuchtklasse standen vorwiegend Tiere aus Oberhessen. Bei den rotbunten Bullen gab es neun Tiere in der II., 15 in der IIb- und nur drei in der III. Klasse. An der Spitze stand wieder einmal ein Bulle von W. Müller aus Staufenberg. An zweiter Stelle folgte ein Bulle von H. Becker aus Alsfeld. Der nächste Bulle war von G. Gries (Oberseener Hof). Danach stand der Bulle von Werner Biedenkopf aus Klein-Eichen und von G. Bischoff (Rainrod).

Je sechs der ersten Bullen wurden vom Verband außerdem mit einem I., je zwei mit einem II. Preis ausgezeichnet. Die Versteigerung nahm Auktionator K. Wehrun vor. Mit dem Absatz der rotbunten Bullen hatte er weniger Mühe als mit dem der schwarzbunten Vererber. Aber auch diesmal sind alle verkauft worden.

Der Bulle aus Klein-Eichen brachte es auf 3600 DM, die ein Käufer aus Marienborn im Rheingau bezahlte. Die Käufer kamen aus allen Teilen Südhessens. Für die Bullen der II. Klasse wurden 2500 bis 3600 DM, für die übrigen 2200 bis 3100 DM bezahlt. Der schwarzbunte Spitzenbulle ging für 3700 DM an die Gemeinde Bobenhausen, die Gemeinde Ulfa erstand für 3800 DM einen Bullen. Für die Tiere wurde insgesamt ein Durchschnittspreis von 2587 DM erzielt.

(k/gaz)

 
17. April 1970

Geburtstage

Am 17. April feiert der Maschinenschlosser im Ruhestand Emil Bräuning, Seenbrücke, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar galt als sehr gewissenhafter und routinierter Handwerker. Seinen Lebensabend bereichert er mit aktiver Tätigkeit im Männergesangverein Lardenbach/Klein-Eichen.

Am selben Tag begeht Frau Emilie Momberger, geb. Zimmer, Seenbrücke, ihren 73. Geburtstag. Die aus Klein-Eichen stammende und noch sehr tatkräftige Jubilarin steht immer noch voller Tatkraft ihrem Einzelhandelsgeschäft vor.

(zr/hz)

 
16. April 1970

Zusammenschluß Seenbachtal

Über einen eventuellen Gemeindezusammenschluß berieten am Donnerstag (16. April 1970) die Gemeindevertreter aus Klein-Eichen, Lardenbach, Stockhausen und Weikartshain in Stockhausen in Anwesenheit von Landrat Türk. Als Gäste nahmen auch die Gemeindevertreter aus Freienseen daran teil. Neu an der Entwicklung ist, dass Landrat Türk nicht mehr eine vom Innenministerium ausgearbeitete Empfehlung über einen Zusammenschluß im Grünberger Raum als allein selig machend ansieht. Sondern eher kleinere Zusammenschlüsse benachbarter Gemeinden vorzieht, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhalten. In dieser Richtung habe sich auch inzwischen das Innenministerium korrigiert.

Feste Prognosen kann man jetzt noch nicht stellen, da die Bürgermeister in ihren Gemeinden das Thema erst einmal ausgiebig diskutieren wollen. Zur Zeit ist noch alles im Fluß. So haben auch Unterredungen in dieser Angelegenheit Anfang April zwischen Stockhausen, Merlau und Flensungen stattgefunden.

In seinem einleitenden Referat führte Landrat Türk am Donnerstag unter anderem aus: Der aktuellen Kommunalpolitik im Hinblick auf Schaffen von größeren Gemeindeeinheiten in mehreren Bundesländern kann auch das Land Hessen nicht abseits stehen. Der seit einiger Zeit bestehende Modellplan über Zusammenlegungsmöglichkeiten sei dafür geschaffen, dass er den Interessierten Hinweise geben sollte, welche kleinere Gemeinden zu einer größeren zusammenpassen würden. Eine Reform dürfe aber unter keinen Umständen mit dem Zirkel auf der Landkarte und auch nicht nach Einwohnerzahl erfolgen. Vielmehr müsste die geographische Lage, die strukturellen und kulturellen Gegebenheiten sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse obenan stehen.

Die Eingemeindung von kleineren Ortschaften in einer in der Nähe liegenden Stadt sei in dieser Gegend keine anzustrebende Lösung. Dadurch würden neue Probleme entstehen, weil die sozialen Einrichtungen, wie Kindergarten, oder die kulturellen Vorteile, wie Bürgerhaus, von den weit abseits wohnenden Bürgern doch nicht so genutzt werden könnten, wie das an für sich sein sollte. Deshalb könne er, da er lediglich beratend und richtungsweisend fungiere, eine Eingemeindung zu Grünberg nicht empfehlen. Eine Abgabe von Verwaltungsarbeiten nach dort sei allerdings vorteilhaft.

Die wirtschaftlichen Gegebenheiten der vier Gemeinden, - das Haushaltsvolumen von Lardenbach sowie Weickartshain beträgt je rund 150 000 DM, von Stockhausen 80 000 DM und von Klein-Eichen 50 000 DM -, die jährlichen Schlüsselzuweisungen im Hinblick auf die Einwohnerzahl, die Steuerhebesätze und andere Gebühren seien etwa gleich. Der Vollzug des Zusammenschlusses zu der Großgemeinde Seenbachtal hätte noch den finanziellen Vorteil, dass laut § 9 des Hessischen Finanzausgleichgesetzes 10 Jahre lang eine jährliche Zuwendung des Landes Hessen von etwa 45 000 DM garantiert würden. Die von den Gemeinden abzuführende Kreisumlage würde jedoch nicht erhöht werden.

Weitere Vorteile der Bürger lägen klar auf der Hand. Der Betreuung der alten und kranken Einwohner könnte sich besser gwidmet werden. Die Erschließung von Baugebieten würde halbsoviel Schwierigkeiten bereiten. Die Wasserversorgung, der Straßen-, Feld- und Gehwegausbau, das Abwasserproblem, Gräbenreinigung, Grundschule verbunden mit einem Kindergarten, Bau einer Sporthalle, Verbesserung des Brandschutzes, all dies könnte dann besser gelöst werden, bzw. würden die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Ein in einer Schublade liegendes Gesetz, dass in absehbarer Zeit Großraumzusammenschlüsse stattfinden würden, gebe es nicht. Allerdings würden über kurz oder lang Gemeinden unter 200 Einwohner aufgelöst werden.

In der Aussprache meldete sich zunächst ein Gemeindevertreter von Lardenbach und fragte an, ob zu der Seenbachtalgemeinde auch Freienseen beitreten könne. Dadurch wäre durch die höhere Einwohnerzahl (von etwa 2200) eine bessere Lebensfähigkeit gegeben. Landrat Türk äußerte, dass es den Freienseenern voll und ganz freigestellt sei, wo sie beitreten wollten. Auch das zukünftige Seenbachtal ohne Freienseen sei mit 1400 Einwohnern unbedingt existent.

Die Bedenken eines anderen Lardenbachers, dass die Bildung von Seenbachtal eine Vorstufe für die Eingemeindung nach Grünberg sein könne, zumal es dann wesentlich einfacher wäre, statt 4 kleinen Gemeinden nur eine Großgemeinde zu übernehmen, zerstreute Landrat Türk sinngemäß: Der Hessische Landtag und auch ich sind der Auffassung, dass die Gruppierungen von größeren Gemeindeeinheiten nur für die Rationalisierung von Verwaltungsarbeiten sinnvoll ist. Es gibt keine in einer Schublade versteckten Gesetze über zwangsweise Zusammenlegungen, so wie es der Modellplan vermuten lassen könnte. Die Gründe einer Zusammenlegung müssen struktureller, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Natur bleiben.

Auf die Frage eines Weickartshainer Gemeindevertreters, ob und inwieweit die auf 4 Jahre gewählten und dann zwischendurch entlassenen Bürgermeister finanziell entschädigt würden, antwortete Amtmann Gerbig, dass unter allen Umständen eine Besitzstandswahrung der Betroffenen erfolge. Auch der Kreisausschuß wolle sich bemühen, dass keine finanziellen Schäden eintreten.

Bürgermeister Funk (Klein-Eichen) interessierte sich für das Schicksal seiner Gemeinde, wenn laut Gesetz die kleineren Gemeinden aufgelöst würden. Nach den Worten von Landrat Türk würde Klein-Eichen dann mit Lardenbach vereinigt.

Bürgermeister Bräuning (Stockhausen) befürchtete, dass die Erbauung eines Verwaltungszentrums unter Umständen in Seenbrücke, eine Unmenge Geld verschlingen würde. Landrat Türk riet dringend davon ab. Auf einer jetzt bestehenden Bürgermeisterei sollte die neue Verwaltung stationiert werden. In den Ortsteilen könnten Sprechstunden eingerichtet werden. Ein Verwaltungszentrum sollte zunächst höchstens aus angemieteten Räumen entstehen.

Bürgermeister Funk (Klein-Eichen) hegte anscheinend Bedenken über die Lebensfähigkeit der neuen Gemeinde, indem er aus dem Modellplan des Innenministeriums verschiedene Zeilen interpretierte. Laut dessen müssen Gemeinden größeren Umfangs geschaffen werden, die um eine zukünftige Daseinsfürsorge sicherzustellen, mindestens 5000 Einwohner haben sollten. Landrat Türk antwortete, dass der Modellplan lediglich ein Plan sei, der eine Entscheidungshilfe herbeiführen solle. Die Realität sei anders. Im übrigen wäre es ziemlich unwahrscheinlich, dass beispielsweise Grünberg die 4 Ortschaften echt sozial betreuen könne.

Abschließend erklärte Türk nochmals, dass er bei der geplanten Zusammenschließung lediglich beratende Funktion wahrnehmen und auch unterstützen würde. Die Gemeindevertreter sollten sich bei ihren Überlegungen unter keinen Umständen von uralten Fehden oder Feindschaften leiden lassen, denn das Zeitalter der historischen Entscheidungen sei endgültig vorbei. Er schlug vor, dass alle Gemeinden bis spätestens Mitte Juni ihre Stellungnahme zu dieser Sache abgeben sollten, damit gegebenenfalls sofort die entsprechenden Schritte eingeleitet werden könnten. Denn das Sprichwort "Zeit ist Geld" würde hier im wahrsten Sinne des Wortes zutreffen.

(zr/hz)

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16. April 1970

Zusammenschluß Seenbachtal, 1970

Innerhalb eines Zeitraumes von weniger als eine Woche hat im Kreis Gießen schon das zweite Gespräch zwischen Landrat Ernst Türk und Kommunalpolitikern mehrerer Gemeinden stattgefunden, bei dem es wieder um die Frage des Zusammengehens dieser Gemeinden zu einer größeren Einheit ging. Am Donnerstagabend (16. April 1970) trafen sich im Dorfgemeinschaftshaus Stockhausen die rund fünfzig Verantwortlichen der vier Gemeinden Stockhausen, Weickartshain, Lardenbach und Klein-Eichen, um die Möglichkeit einer Verschmelzung ihrer Ortschaften zu beraten. Landrat Türk beschränkte sich nicht allein darauf, Zahlenbeispiele vorzulegen, um auf diese Weise das Ziel des Gespräches schmackhaft zu machen. Vielmehr versuchte er auch, die Struktur der vier Dörfer zu analysieren, so dass daraus die Gemeinsamkeiten unschwer zu erkennen waren.

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen machte Türk darauf aufmerksam, dass die angeschnittene Frage nicht kraft Gesetzes befriedigend zu lösen sei. Schon gar nicht dürfe man bei Gemeindezusammenschlüssen von reinen "Zahlengrößen" ausgehen, sondern müsse sich statt dessen an Struktur-Elementen orientieren, damit "die neue Gemeinschaft auch in sich zueinander passt". Fünf Überlegungen seien daher anzustellen, um herauszufinden, ob eine Verschmelzung überhaupt sinnvoll sei.

Als erstes nannte der Landrat die Frage nach der "räumlichen Zusammengehörigkeit". Sie sei im Falle des Seenbachtales sehr einfach zu beantworten. Schlössen sich die vier angesprochenen Gemeinden zusammen, wäre das letzte und das erste Haus nicht mehr als vier Kilometer voneinander entfernt. Als nächstes gelte es, die Bevölkerungsstruktur zu beachten. Sie sei hier noch überwiegend landwirtschaftlich ausgerichtet, wenngleich unter den Bürgern der vier Dörfer ein etwa gleich großer Anteil an Pendlern gezählt werde. Untereinander könnte es also in dieser Frage kaum zu irgendwelchen Reibereien komme, wie man es gelegentlich bei der Eingliederung döflicher Gemeinschaften in Städte beobachte.

Auch in der wirtschaftlichen Hinsicht könne er, meinte Türk, gewisse Ähnlichkeiten erkennen, wenngleich Lardenbach und Weickartshain mit 150 000 DM Etatvolumen den beiden Nachbargemeinden Stockhausen mit 80 000 DM und Klein-Eichen mit 42 000 DM etwas überlegen seien. Kaum nennenswerte Unterschiede bestünden in den Schlüsselzuweisungen und der Einkommenssteuer. Schließlich berührte Türk noch die Frage der Verkehrsverbindungen innerhalb der vier Gemeinden. Hier biete sich als Lösung der Ausbau von Verbindungswegen an. Türk nannte auch die "geschichtliche Verbundenheit" als ein Argument für den Zusammenschluß.

Sollten sich die vier Gemeinden zusammentun, hätten sie insgesamt 1400 Einwohner. Schließlich machte der Landrat noch auf einen Umstand aufmerksam, den er "nicht als Köder, sondern als einmalige Gelegenheit" bezeichnete. Auf Grund des Finanzausgleichsgesetzes würden die vier Gemeinden im Falle eines Zusammenschlusses rund 75 Prozent mehr an Schlüsselzuweisungen erhalten als dies jetzt einzeln der Fall ist. Dies bedeute, so betonte Türk, dass die neue Gemeinde in den kommenden zehn Jahren rund 500 000 DM mehr an Schlüsselzuweisungen erhalten würde. Und das mit der Aussicht auf eine nicht wachsende Kreisumlage.

Während des Gespräches schnitt Türk auch ein Thema an, das in letzter Zeit auch ein wenig die Gemüter bewegt hat: die mögliche Eingliederung der vier Gemeinden in die Stadt Grünberg. Türk hierzu wörtlich: "Bedenken Sie, dass diese Gemeinden zwar wirtschaftlich nach Grünberg hin orientiert sind, aber wo bleibt die ähnliche Verbindung?" Auch vermisse er eine historische Verbundenheit mit Grünberg. Einderartiges Projekt könne zu einem Mangel an unmittelbarem Kontakt zwischen der kleineren Gemeinde und der Stadt führen, befürchtete der Landrat. Dies schließe jedoch nicht aus, dass bestimmte Dienstleistungen von der Stadt für die neue Gemeinde verrichtet werden könnten.

An die Ausführungen Türks schloß sich eine lebhafte Diskussion an, die auch von Kommunalpolitikern aus Freienseen interessiert verfolgt wurde. Da Lardenbach bereits offiziell zugestimmt hat, müssen jetzt noch die übrigen drei Gemeinden getrennt entscheiden.

(tk/gaz)

 
07. April 1970

Für Großgemeinde "Seenbachtal"

Einstimmig wurde bei der Gemeindevertretersitzung in Lardenbach am Dienstag (7. April 1970) der Beschluß gefasst, dem vorgesehenen Gemeindezusammenschluss der vier Orte Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain und Stockhausen zu einer Großgemeinde "Seenbachtal" zuzustimmen. Die Gemeindevertreter erkennen die Notwendigkeit einer Verwaltungszentralisierung. Diese nach ihrer Ansicht unumgängliche Maßnahme möchte sie baldigst durchführen, weil sie unter anderem auch einen spürbaren finanziellen Vorteil für die zukünftige Großgemeinde erblickt, vorausgesetzt, dass der Zusammenschluss noch in diesem Jahr erfolgt.

Ein Hinausschieben des Zusammenschlusses bis zu dem Zeitpunkt "Ihr müsst" bringe einmal den Verlust der vertraglich auf viele Jahre festzulegenden jährlichen finanziellen Sonderzuwendungen von Kreis und Land und zum anderen die Gefahr mit sich, dass die Gemeinden dann zu einem nicht mehr weit entfernten Zeitpunkt irgendeiner angenehmen Stadt zugesprochen werden.

Der finanzielle Verlust wäre nicht das Schlimmste, viel schlimmer würde sich dies auf die Bürger der betroffenen Ortschaften auswirken. Es sei ein Unterschied, ob man mit einem Spaziergang von ein bis zwei Kilometer die Gemeindeverwaltung aufsuchen kann - regelmäßige Sprechstunden des Bürgermeisters bis 22 Uhr gehören sowieso der Vergangenheit an - oder mindestens einen halben Tag unterwegs ist und dazu noch 1 bis 2 DM Fahrtkosten für Beförderungsmittel ausgeben muss.

Als zentraler Ort für das Gemeindezentrum würde sich Seenbrücke anbieten. Zukunftsprojekte wie Kläranlage, Trinkwasserversorgung, Baugelände und anderes mehr, könnten einfacher und kostensparender durchgeführt werden. Eine auch höheren Ansprüchen gerecht werdende Sportanlage mit Schwimmbad könnte geschaffen werden. Selbst die kirchlichen Einrichtungen könne man auf diese neue Raumordnung abstellen.

Ein großer Vorteil für die zukünftige Großgemeinde "Seenbachtal" wäre der Einbezug von Freienseen. Die kulturellen, strukturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten sowie die Pro-Kopf-Verschuldung dieser fünf Gemeinden sind in etwa gleich. Auch den Freienseenern bliebe für die ferne Zukunft keine andere Wahl, als einer Großgemeinde beizutreten. Durch diesen Beitritt wäre und bliebe das zukünftige "Seenbachtal" absolut lebens- und aktionsfähig.

Es wurden auch einige Stimmen laut, die - vorausgesetzt, "Seenbachtal" kommt nicht zustande - eine Eingemeindung zu Grünberg unter allen Umständen ablehnten, sondern dann lieber nach Mücke wollten. Mit diesen Vorstellungen und Begründungen will die Gemeindevertretung am 16. April im Dorfgemeinschaftshaus Stockhausen anläßlich einer Sitzung der Gemeindevertreter dieser Ortschaften (außer Freienseen) mit Landrat Türk ihre Ansicht kundtun.

(zr/hz)

 
01. April 1970

Gemeindezusammenschlüsse wieder in der Diskussion

Landrat Ernst Türk begann in der vergangenen Woche in Begleitung des Abteilungsleiters der Kommunalaufsicht, Regierungsamtmann Johannes Gerbig, aus eigener Initiative eine Serie von Informationsbesuchen in den Gemeinden des Landkreises Gießen, um sich über den Stand möglicher und beabsichtigter Gemeindezusammenschlüsse zu informieren. Nunmehr könnten auch im Kreis Gießen allmählich greifbare Ergebnisse auf diesem Gebiet erzielt werden, betonte Türk am Mittwoch (1. April 1970).

Heute könne sich kein Bürger mehr der Notwendigkeit des Denkens und Handelns in größeren Einheiten und Räumen verschließen. Einzelne Gemeinden könnten folgende Probleme nicht mehr allein lösen: Größerer Nutzeffekt in der Verwaltung, Planung für die weitere Entwicklung, Anheben des Wohnwertes, des Wirtschaftswertes und des Freizeitwertes der Gemeinde und ihrer Einrichtungen, wobei man die gesamte Landschaftsgestaltung mit im Auge haben müsse.

Bei diesen Problemen seien die einzelnen Gemeinden entweder finanziell überfordert oder sie investieren ohne rechtes Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Unter Berücksichtigung der anzustrebenden Gestaltung überschaubarer Räume seien heute vordringlich überörtlich folgende Einzelaufgaben zu bewältigen: Flächennutzungs-, Bebauungs-, Industrieansiedlungs- und Verkehrsplanung, Wasserversorgung, Beseitigung von Müll und Abwasser, Schaffung notwendiger kultureller und sozialer Einrichtungen.

Landrat Türk und Amtmann Gerbig hatten auch eine gemeinsame Unterredung mit den Bürgermeistern Bräuning (Stockhausen), Mölcher (Lardenbach), Funk (Klein-Eichen) und Theiß (Weickartshain) in Stockhausen. In diesem Vorgespräch handelte es sich um eine Bestandsaufnahme der Probleme für die Seenbachtalgemeinden. Es kam auch wieder zur Sprache, dass bei einem Zusammenschluss erhöhte Zuschüsse des Landes zu erwarten seien, und zwar für die Dauer von 10 Jahren, die man für gemeinsame Investitionen verwenden könne, um den Wohn- und Freizeitwert der bestreffenden Gemeinden zu erhöhen.

Den Gesprächen des Landrats zufolge, könnte es noch in diesem Jahr den Zusammenschluß Klein-Eichen, Lardenbach, Stockhausen und Weickartshain zum Seenbachtal geben. Zum Abschluß des Gespräches kam man überein, demnächst die Gemeindevertreter der beteiligten Gemeinden zu einer gemeinsamen Sitzung nach Stockhausen einzuladen, um das Thema weiter zu erörtern.

(tk/gaz/hz)

 
21. März 1970

Generalversammlung des MGV

Am Samstagabend (21. März 1970) hielt der Männergesangverein im Saale Felsing seine Generalversammlung ab. Der Verein wurde 1885 gegründet und zählt ca. 30 Sänger. Laut dem von dem 1. Vorsitzenden Günter Zimmer vorgetragenen Geschäftsbericht traten die Sänger im Jahre 1969 zu 11 besonderen Anlässen in Erscheinung. Es wurden 32 Singstunden abgehalten. Der Singstundenbesuch dürfte etwas besser sein.

Drei Sänger haben an allen Singstunden teilgenommen. Sieben Sänger haben nur einmal und vier Sänger nur zweimal gefehlt. Den besten Singstundenbesuch verbuchten die Sänger vom 2. Maß für sich. Ferner dankte der Vorsitzende allen Sängern, die sich zum Gelingen der letztjährigen Weihnachtsfeier besonders hervorgetan hatten. Seinen besonderen Dank richtete Zimmer an die Familie Psiorz. Frau Priorz hatte in selbstlosem Einsatz mit den Schulkindern ein kleines Theaterstück und etliche Weihnachtslieder und -gedichte einstudiert.

Sein weiterer Dank galt dem Chorleiter Ernst Nicolai (Großen-Buseck), der keinen Weg und keine Mühe scheute, die gesanglichen Qualitäten des Vereins zu verbessern. Besonders hervor hob der Vorsitzende die Tätigkeiten des Notenwartes Ernst Kratz. Mit Unterstützung von einem der jüngsten Sänger, Bernhard Sauer, ist alles vorhandene Notenmaterial sortiert und katalogisiert worden. Am 30. März nahm der Verein am Wertungssingen in Londorf teil. Die vorgetragenen Chöre "An das Lied" und "Ein freies Herz" erhielten die Bewertung "hervorragend"

Aus dem Bericht des Kassenverwalters Albert Hofmann ging hervor, dass der Verein dank der vor zwei Jahren abgehaltenen Kirmes noch einen Barbestand von 440 DM aufzuweisen hat. Die Kassenprüfer bescheinigten dem Kassenverwalter eine sehr ordentliche Arbeitsweise. Ihm wurde einstimmig Entlastung erteilt.

An die Stelle des aus beruflichen Gründen zurückgetretenen Vorstandsmitglieds Emil Mölcher II. trat Albert Roth. Auf Vorschlag von Sangesbruder Ernst Kratz wurde rückwirkend ab 1.1.1970 der Monatsbeitrag von 1,- DM auf 1,50 DM erhöht. Am 5. April wird der Verein am Wertungssingen in Merlau teilnehmen. Die am 22. und 23. August stattfindende Kirmes soll unter Mitwirkung des Spiel- und Sportvereins durchgeführt werden.

Chorleiter Ernst Nicolai war im Großen und Ganzen mit den Leistungen des Vereins zufrieden. Er betonte, dass nicht die kommerzielle Seite, sondern in erster Linie seine Verbundenheit mit den Sängern ihn immer gern nach Lardenbach kommen lasse und, dass er auch in Zukunft den Verein weiter betreuen will.

(zr/hz)

 
09. März 1970

Wasserzweckverband

In der Vorstandssitzung des Wasserzweckverbandes Lardenbach/Klein-Eichen in der Gastwirtschaft Bingel (März 1970) wurde der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1970 einstimmig genehmigt. Das Volumen des Haushaltsplans beträgt 14 000 DM, wobei etwa die Hälfte der Ausgaben für den Schuldendienst vorgesehen sind. Die Aufnahme der Darlehen in Höhe von 100 000 DM wurde erforderlich, als in den Jahren 1960/61 ein Brunnen gebohrt werden mußte. Der Kubikmeterpreis von 60 Pfennig einschließlich einer DM Zählermiete pro Monat bleiben bestehen.

Die Aufwandsentschädigungen sind für den Verbandsvorsteher auf 450 DM, für den Verbandsrechner auf 500 DM jährlich erhöht worden. Verbandsvorsteher Bürgermeister Mölcher machte darauf aufmerksam, dass die Instandsetzungskosten der durch das anhaltende Winterwetter in den letzten Monaten aufgetretenen Wasserleitungsschäden wahrscheinlich die vorgesehene Ausgabenhöhe überschritten würden.

(zr/gaz)

 
09. März 1970

Geburtstag

Am 9. März feiert der ehemalige Landwirt, Kaufmann, Gastwirt und Posthalter Karl Völsing in Lardenbach seinen 84. Geburtstag. Der noch rüstige Jubilar wurde vom Schicksal schwer geschlagen. Sein einziger Sohn blieb im zweiten Weltkrieg, seine Ehefrau verstarb schon vor Jahren.

(zr/hz)

 
08. März 1970

Volksabstimmung Wahlalter

Bei matsch und Schneetreiben gingen die Bewohner des Landkreises Gießen am Sonntag (8. März 1970) zur Wahlurne, um mit darüber zu befinden, ob künftig bei Kommunal- und Landtagswahlen Jugendliche ab 18 Jahren mit von der Partie sein dürfen oder ob es, wie bisher, beim Mindestalter von 21 Jahren bleiben soll. Es waren nicht allzu viele, die diesmal von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Die Parteien - bis auf die NPD - hatten sich seit Wochen und Monaten geschlossen für die Herabsetzung des Wahlalters ausgesprochen und das Landesparlament in Wiesbaden hatte bereits einen entsprechenden Beschluß gefasst.

Pünktlich um 8 Uhr vormittags hatten die Wahllokale in den 85 Gemeinden des Kreisgebietes ihre Pforten geöffnet. Den ersten "Betrieb" gab es nach dem Kirchgang. Um die Mittagszeit wurde vielerorts 8 bis 10 Prozent Wahlbeteiligung verzeichnet. Andere registrierten bereits 12 bis 15 Prozent. Die Mehrzahl der Wähler verband ihre Stimmabgabe mit einem kleinen Spaziergang.

Im Kreis wartete Arnsburg zuerst mit seinem Ergebnis auf, es folgten Queckborn, Nonnenroth, Lardenbach, Klein-Eichen, Inheiden und Beltershain. Als letzte Durchsage kam Hungen um 19.20 Uhr. Zehn Minuten später stand das Ergebnis des Landkreises fest.

Erwartungsgemäß hat die Volksabstimmung ein Votum für die Herabsetzung des Wahlalters von 21 Jahre auf 18 Jahre ergeben. Gleichzeitig wurde auch die Wählbarkeit von 25 Jahre auf 21 Jahre gebilligt. In Hessen haben etwa 40 Prozent der Wähler an der Abstimmung teilgenommen. Davon haben sich 62 Prozent der Stimmen für den Vorschlag des Landtages und 38 Prozent dagegen entschieden.

In Grünberg und Laubach hat man sich gegen eine Herabsetzung in der Mehrheit ausgesprochen. In Klein-Eichen waren 124 Wahlberechtigt, in Lardenbach 289 Bürgerinnen und Bürger. Von den 46 abgegebenen Stimmen waren in Klein-Eichen alle gültig. In Lardenbach waren ebenso alle 55 abgegebenen Stimmen gültig. Nur 10 Stimmen sprachen sich in Klein-Eichen für die moderne Wahlrechtsänderung aus, 36 waren dagegen. In Lardenbach lehnte ebenso eine Mehrheit von 22 Ja- zu 32 Nein-Stimmen eine Verfassungsänderung ab.

Berücksichtigt man die soziologische Struktur von Stadt und kreis, so zeigt sich, dass der Kreis mit fast zwei Dritteln Ja-Stimmen eine wesentlich fortschrittlichere Bevölkerung im landläufigen Sinne hat.

(gd/gaz/hz)

 
22. Februar 1970

Zuchttier Auktion

Die erste diesjährige Vereteigerung des Verbandes der Rinderzüchter in Hessen-Nassau von Zuchttieren des schwarz- und rotbunten Rindes in der "Hessenhalle" in Gießen war aus allen Teilen Südhessens sehr gut besucht. Von den annähernd 60 Bullen wurden 36 gekört. Die schwarzbunten Bullen waren diesmal nicht so ausgeglichen wie die rotbunten.

In der II. Klasse standen auch Bullen aus Oberhessen von Werner Biedenkopf aus Klein-Eichen und von Wilhelm Appel aus Eschenrod. Die weiblichen Tiere, ein schwarzbuntes Rind und einige Rotbunte stellte Gustav Gries vom Oberseener Hof.

Die beiden Bullen der II. Klasse aus Oberhessen brachten 4200 bzw. 4000 DM; in dieser Klasse wurde ein Durchschnittspreis von 3740 DM erzielt. Die restlichen Bullen gingen zu Preisen von 3700 bis 3200, einer für nur 2900 DM ab.

(k/gaz)

 
21. Februar 1970

Reit- und Fahrverein Grünberg

Mit über 60 Mitgliedern war die Jahresversammlung des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Grünberg und Umgebung e. V. am Wochenende im Gasthof Schmitz gut besucht. Vorsitzender Zabel dankte noch einmal allen, die bei der Durchführung der Veranstaltungen des vergangenen Jahres mitgewirkt haben. Infolge von Arbeitsüberlastung legte er dann seinen Vorsitz nieder.

Bei den Vorstandswahlen ergab die geheime Wahl die meisten Stimmen für Karl Weiss als neuen Vorsitzenden. Unter andern wurde bei dieser Wahl der Klein-Eichener Werner Biedenkopf und der Groß-Eichener Otto Bellof zu Beisitzern im Reitverein gewählt.

(hz)

 
10. Februar 1970

Dorfverschönerung

Dem Aufruf des hessischen Landeswirtschaftsministeriums zur Teilnahme am 12. Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" haben im Kreis Gießen (10. Februar 1970) acht Gemeinden Folge geleistet. Jeder Gemeinde - sei es zum ersten oder wiederholten Male - winkt eine Starthilfe von rund 300 DM, gleichgültig, ob sie aus dem Wettbewerb als Sieger hervorgeht oder nicht.

Die Idee der Dorfverschönerung weiterhin lebendug zu erhalten, trägt nach den Worten des Landwirtschaftsministers Dr. Tassilo Tröscher dazu bei, die notwendige gesellschaftspolitische und strukturelle Neuorientierung des ländlichen Raumes zu unterstützen.

Die dörfliche Geborgenheit und Abgeschlossenheit im alten Sinn gibt es nicht mehr. Es wäre auch falsch, der sogenannten guten alten Zeit nachzutrauern. Wir können die Wandlung der ländlichen Welt nicht mehr aufhalten, wir könnten sie aber gemeinsam in eine harmonische und fruchtbare Zukunft steuern. Das Dorf muß jedem befriedigende Lebensmöglichkeiten bieten. Man muß sich auf dem Lande wohl fühlen können und darf nicht das Gefühl der Rückständigkeit haben.

Das bedeutet nicht, dass die Änderung des Dorfes zu einer Verstädterung führen darf. Das Dorf muss sich - auch wenn es kein ausgesprochenes Bauerndorf mehr ist - seinen ländlichen Charakter bewahren. Es sollte ein Bestandteil der natürlichen Landschaft mit den Wäldern und Feldern, Wiesen und Gewässern bleiben oder wieder werden.

Zur Dorferneuerung gehören weiterhin eine Verbesserung und Festigung der wirtschaftlichen Grundlage der Landbewohner sowie die Verbesserung kommunaler Einrichtungen, wie Wasserversorgung, Straßen, Wege und nicht zuletzt Spiel- und Sportplätze, Schulen, Jugendheime, Gemeinschaftsräume und Erholungsanlagen. Eine solche Dorferneuerung, die vielerorts gleichzeitig eine Dorfverschönerung sein muß, tut überall not, doch wird sie mit unterschiedlichem Ausmaß und Tempo vorgenommen.

Selbstverständlich hängt die Dorfverschönerung vom Umfang des Gemeindesäckels ab, noch mehr aber vom Willen der Menschen, und zwar aller Bewohner, angefangen beim Bürgermeister und endend beim Schulkind, das seine mit dem Lehrer gepflanzten Bäume und Sträucher hegt und pflegt. Dazwischen stehen die Landjugend und die Landfrauen. Alle können und sollen mit Rat und Tat an der Verschönerung des Dorfes mitarbeiten. Sie dienen damit dem Menschen auf dem Lande, der hier einen schönen, gesicherten Lebens- und Wirtschaftsraum haben soll, und dem Stadtmenschen, der hier Ausgleich und Erholung sucht.

Bislang beteiligten sich in Hessen an der Dorfverschönerung 1303 Gemeinden bis zu 3000 Einwohnern. Im Landkreis Gießen nehmen an dem 12. Wettbewerb zum erstenmal (Gruppe A) Gonterskirchen und Grüningen teil, zum wiederholten Male (Gruppe B) Klein-Eichen (zum drittenmal), Ober-Hörgern (zum fünftenmal), Rodheim/Horloff (zum zweitenmal), Rüdingshausen (zum fünftenmal), Steinheim (zum drittenmal) und Wetterfeld (zum drittenmal) teil.

Eine Änderung gegenüber den vergangenen Jahren ist von 1970 an insofern eingetreten, dass erstens der Wettbewerb in beiden Gruppen in Gemeinden bis zu 1000 und über 1000 bis zu 3000 Einwohnern unterteilt ist, zweitens alle Gemeinden, die bereits dreimal oder öfter am Wettbewerb teilgenommen haben, zunächst ausscheiden müssen. Sie können sich nach einer Pause von fünf Jahren erneut zum Wettbewerb anmelden.

(pp/az)

Fotos

 
03. Februar 1970

Zuständigkrit der staatlichen Schutzpolizei

Der hessische Minister des Inneren hat im Staatsanzeiger für das Land Hessen eine Übersicht über die Organisation und örtliche Zuständigkeit der staatlichen Schutzpolizei veröffentlicht. Danach gehören zum Polizeikommissariat des Landkreises Gießen das Kreisgebiet einschließlich der durch den Kreis Wetzlar führenden Strecke der Bundesstraße 3a.

Zur Polizeistation Grünberg gehören u. a. die Gemeindegebiete Beltershain, Ettingshausen, Gonterskirchen, Grünberg, Harbach, Hungen, Kesselbach, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Münster, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain und Wetterfeld.

(ws/gaz)

 
23. Januar 1970

Neue Satzung für den Sportverein

Im Gasthaus "Zur Linde" fand am 23. Januar 1970 die Generalversammlung des Spiel- und Sportvereins Lardenbach/Klein-Eichen statt. Der Verein, der zur Zeit 203 Mitglieder zählt, pflegt vier Sportarten: Fußball, Tischtennis, Luftgewehrschießen und Damengymnastik. Dem Jahresbericht des 1. Vorsitzenden Heinz Leßmann war zu entnehmen, dass die geplante Verlegung von Wasser und Strom zum Sportplatz in einer Länge von rund 250 Meter ausgeführt wurde. Der Wasserzweckverband Lardenbach/Klein-Eichen übernahm die Kosten für die Wasserleitungsrohre. Die Arbeiten wurden in Eigenleistung erbracht.

Auf dem Fußballplatz wurden zwei Masten mit lichtstarken Quarzlampen errichtet, so dass auch bei Dunkelheit trainiert werden kann. Das Ehrenmitglied Wilhelm Bär stiftete einen Pokal, der erstmals im Juni zwischen den Fußballmannschaften von Altenhain, Freienseen und Sellnrod und dem Gastgeber ausgespielt wurde. Der Pokal blieb in Lardenbach. Im August wurde Kirmes gehalten. Die Bewirtschaftung wurde in eigener Regie veranstaltet. Für 1970 ist neben einem Preisschießen auch ein großes Pokalturnier mit acht Mannschaften geplant.

Der Kassenbericht des Rechners Ernst Keller schloß mit einem Überschuß von 3010 DM ab. Die Kassenprüfer bescheinigten ihm eine sehr ordentliche Arbeitsweise. Ihm wurde Entlastung erteilt. Der 2. Vorsitzende, Rainer Roth, verlas eine neu ausgearbeitete Satzung, weil der Verein in das Vereinsregister eingetragen werden soll. Die Satzung wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Jedem Mitglied wurde ein Exemplar ausgehändigt.

Dann kamen die einzelnen Spartenleiter zu Wort. Über die Abteilung Fußball berichtete der Spielausschußvorsitzende, Reinhard Mölcher jr. Die Fußballspieler wurden im vergangenen Jahr von H. Lischka (Grünberg) trainiert. Ein Vertrag für 1970 ist wiederum abgeschlossen. Die 1. Mannschaft nahm an zwei auswärtigen Turnieren in Bobenhausen und Wetterfeld teil. In Gemeinschaft mit dem FC Weickartshain wird mit einer gemischten Jugend und mit einer C-Jugend gespielt. Weiterhin appelierte Mölcher an die Spieler. die Trainingsstunden regelmäßig zu besuchen und mehr Kontakt zu pflegen. Dies zähle auch zu den Voraussetzungen für bessere Leistungen.

Die Tischtennisabteilung, so berichtete Bernd Kratz, war sehr erfolgreich. Im vergangenen Jahr wurde sie A-Klasse-Meister. Bei der Kreismeisterschaft in Homberg wurde Gunter Berg Vize Kreismeister. Der "Vogelsberger Wanderpokal" konnte zum drittenmal gewonnen werden und ist somit in ihren Besitz übergegangen.

Der Schießsport-Abteilungsleiter, Klaus Müller, führte unter anderem aus: Die Übungsschießen - wegen Platzmangels leider nur einmal wöchentlich - werden durchschnittlich von fünf Schützen besucht. Bei den Landesrundenwettkämpfen 1968/69 wurde in der Grundklasse III ein mittlerer Platz erreicht. Als bester Schütze konnte Hans Zimmer mit einem Durchschnittsergebnis von 131 Ringen hervorgehen. Bei der Vereinsmeisterschaft wurde Helmut Volp mit 134 Ringen Meister der Schützenklasse, Dieter Kraft mit 121 Ringen Juniorenmeister und Gunter Berg mit 116 Ringen Jugendmeister.

Helmut Volp und Karlheinz Erdmann wurden mit der bronzenen, Karl Stöhr und Gerhard Ruppel mit der silbernen und Hans Zimmer mit der goldenen Leistungsnadel des Hessischen Schützenbundes ausgezeichnet. Die Übungsleiterin der Damengymnastikgruppe, Frau Frank (Grünberg), freute sich über die im letzten Jahr zugenommene Teilnehmerzahl.

Die Neuwahl der Spartenleiter und Ausschußmitglieder brachten folgendes Ergebnis: Fußball: Spielausschußvorsitzender Reinhard Mölcher jr., Beisitzer Kurt Scholze, Rainer Schmitt und Karl Stöhr, Jugenwart Heinz Leßmann, Schülerwart Eduard Schmidt. Tischtennisabteilung: Bernd Kratz. Schießsportabteilung: Klaus Müller, Schießwart Helmut Volp. Damengymnastikabteilung Ida Psiorz.

(az/zr)

 
03. Januar 1970

Dekanat Grünberg im Wandel der Zeit

Aufgezeichnet und zum Teil miterlebt von Dekan Grünewald.
Veröffentlicht in der Grünberger Heimat-Zeitung am 3. Januar 1970.

Nach dem siebenbändigen kirchengeschichtlichen Werk "Hassia sacra" des im Kriege umgekommenen Prälaten D. Dr. Diehl (Band II, 1925) geht der Ursprung des Dekanates Grünberg in das Jahr 1634 zurück. Damals sollten in der Superintendentur Gießen vier Pastoralkonvente entstehen. So entstand der Grünberger Pastoralkonvent aus den Ämtern Grünberg, Ulrichstein und Burg-Gemünden. Dieser Konvent umfasste die Pfarreien Grünberg, Queckborn, Wirberg, Merlau, Nieder-Ohmen, Ulrichstein, Bobenhausen mit Sellnrod, Groß-Felda, Meiches, Stumpertenrod, Burg-Gemünden und Nieder-Gemünden.

Die gleichen Pfarreien bilden gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Inspektorat Grünberg. Der Inspektor war der geistliche Dekan. 1667 wurde der Konvent Grünberg wieder verändert, indem einige Pfarreien abgetrennt wurden und der Konvent Schotten entstand. Zu Grünberg zählen ab 1667 Grünberg, Queckborn, Wirberg, Merlau, Nieder-Ohmen, Burg-Gemünden und Nieder-Gemünden.

Wir sehen, wie auch in früheren Jahren die Bezirke der Dekanate immer wieder verändert wurden. Viele Pfarreien waren den Fürstentümern und Grafschaften unterstellt und hatten mit der Einteilung in der alten Landgrafschaft Hessen nichts zu tun.

1832 entstand durch Verordnung das Dekanat Grünberg mit 23 Pfarreien, das bis zum Jahre 1948 bestanden hat. In diesem Jahre bildete man neu das Dekanat Homberg (Ohm). Grünberg gab an Homberg die Pfarreien Burg-Gemünden, Deckenbach, Ehringshausen, Ermenrod, Homberg, Nieder-Gemünden, Nieder-Ohmen und Ober-Ofleiden. An das neu errichtete Dekanat Kirchberg gab Grünberg Winnerod.

Vom Dekanat Schotten kamen zu Grünberg: Laubach, Ruppertsburg und Sellnrod. So besteht Grünberg heute aus 17 Pfarreien: Ettingshausen, Freienseen, Groß-Eichen (Klein-Eichen), Grünberg I (Lutherbezirk), Grünberg II (Paulusbezirk), Lardenbach, Laubach I, (Laubach II heute unbesetzt), Londorf, Merlau, Münster, Ober-Ohmen, Odenhausen (Lda.), Queckborn, Ruppertsburg, Sellnrod, Wetterfeld und Wirberg.

Die älteste Kirche des Dekanates steht in Queckborn. Sie entstand aus der alten Burgkapelle und dem ehemaligen Festsaal der Burg. Nach dem Fischgrätenmauerwerk zu urteilen stammt dieser Bau aus dem 11. Jahrhundert. An dem kleinen Fenster rechts neben dem Haupteingang der Kirche, von dem nur die Sandsteinfassung erhalten ist, kann man Schwertschleifspuren sehen. Sie stammen von Rittern, die an Kreuzzügen teilnahmen und hofften, wieder in die Heimat zurückzukehren, wenn sie ihre Schwerter an diesem Kirchenfenster schleifen würden. Ähnliche Spuren weist auch die Tür des Domes zu Braunschweig auf.

Die jüngste Kirche des Dekanats ist die im Bau befindliche Kirche in Lehnheim, die wahrscheinlich in den nächsten Monaten (1970) fertig wird. Die Lehnheimer müssen zur Zeit nach Stangenrod in den Gottesdienst gehen.

Im Bereich des Dekanats sind zwei Gymnasien, die kirchliche Paul-Gerhard-Schule in Laubach und die Theo-Koch-Schule in Grünberg. Weiterhin besteht in Laubach das Laubachkolleg der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, das den für einen Beruf ausgebildeten jungen Menschen die Möglichkeit zur Erwerbung des Abiturs gibt. Die meisten Absolventen wenden sich dem Studium der Theologie zu.

Mittelpunktschulen mit Förderstufen und Realschulen bestehen in Grünberg, im Ohmtal zwischen Ruppertenrod und Ober-Ohmen, in Laubach und in Nieder-Ohmen, das man nennen muß, weil es mehrere Dörfer aus dem Dekanat Grünberg in seinem Einzugsbereich hat. Einzelne Dorfschulen hören durch die Zusammenfassung ganz auf zu existieren. Viele Gemeinden haben überhaupt keine Schule mehr. Die Kinder werden schon vom 1. Schuljahr an in das neue Gesellschaftssystem eingegliedert. Sie werden Pendler zwischen Wohn- und Schulort. Die meisten von ihnen bleiben das nach den jetzigen Voraussetzungen für ihr ganzes Leben.

Im Zuge der wachsenden Konzentration verschwanden aus Grünberg Finanzamt und Amtsgericht und aus Laubach das Amtsgericht. Ganz plötzlich kam die Grünberger Landwirtschaftsschule nach Gießen. An ihre Stelle trat später die Bildungsstätte des Deutschen Gartenbaus.

Der strukturelle Wandel, der durch die neuen Erwerbsmöglichkeiten nach dem zweiten Weltkrieg verursacht wurden, hat unsere Dörfer und Kleinstädte vollkommen umgewandelt. Die größeren Bauern zogen aus den Dörfern aus und bauten Aussiedlerhöfe, um die herum ihr Besitz angeordnet wurde. Der kleine Bauer kann seine Bauernstelle nur im Nebenerwerb betreiben. Er muss einen anderen Beruf annehmen, um leben zu können.

Den Frauen fällt die Hauptarbeit der Landwirtschaft zu. Wohl richtet sich der Mann so ein, dass er in der Erntezeit seinen Urlaub nimmt, aber immer klappt das auch nicht. Zwangsweise wird wohl durch die neueWirtschaftsstruktur der Kleinbauer verschwinden. Wo noch Alte in der Familie sind, wird der Kleinbetrieb aufrechterhalten, bis die Alten nicht mehr können. Dann wird sich auch hier eine ganz andere Lage ergeben. Wahrscheinlich werden die kleinen Betriebe sich notwendigerweise zusammenschließen müssen. Manche neuen Maßnahmen werden versucht. Man stellt die Landwirtschaft auf eine Erzeugung um. Der eine hat nur noch Kühe und Rinder. Der andere hält nur Schweine.

Manche Landwirte haben die Kühe ganz abgeschafft und müssen ihre Milch beim Nachbarn holen. Die Hühner findet man allmählich nur noch in den Hühnerfarmen. Der ausgelastete Landwirt hat für Hühnerzucht keine Zeit.

Ganz neu sind die Zusammenschlüsse von Verbänden und Genossenschaften, z. B. die Scheinemästerei in Queckborn. Sie ist in diesem Jahr gebaut worden und macht nun ihre ersten Schritte.

Der größte Teil unserer Dorfbewohner ist nicht mehr Landwirt, sondern übt einen anderen Beruf aus. Sie werden am Morgen abgeholt nach Frankfurt, Gießen, Offenbach, Grünberg, Friedberg und Laubach. In Grünberg sind einige neue Betriebe ansässig geworden. Der Aufschwung Grünbergs mag dadurch begründet sein, dass außer der Bahnlinie Gießen-Fulda drei Autobahnanschlüsse schnell zu erreichen sind: Atzenhain, Reinhardshain und Reiskirchen.

Kirche und Gemeindehaus unter einem Dach bieten für die Gemeinde und das Dekanat Grünberg viele Möglichkeiten. Für unsere Alten haben wir in Laubach das Altenheim und für Krankentransporte die DRK-Station mit Krankenwagen in Laubach.

Das Anwachsen der Einwohnerzahl im ganzen Dekanatsgebiet äußert sich auch dadurch, dass die beiden alten Apotheken in Laubach und Grünberg nicht mehr ausreichten und in Grünberg, Laubach und Mücke weitere entstanden. Ein Ferien- und Erholungslager der Arbeiterwohlfahrt bietet vielen Jugendlichen und Schulkindern Erholungsmöglichkeit. Die Sportschule bei Grünberg zieht ob ihrer herrlichen Lage viele Gäste an.

In mehreren Gemeinden sind Dorgemeinschaftshäuser entstanden. Sehr bekannt sind in Reinhardshain, Queckborn und Münster, das seit einigen Jahren zu den schönsten Dörfern im Bundesgebiet gehört.

Evangelische Gemeindehäuser finden wir in Ober-Ohmen, Grünberg, Queckborn, Ober-Bessingen und Göbelnrod. Am 14. Dezember wurde das neue Gemeindehaus in Londorf eingeweiht. Das allerneueste in Merlau ist noch im Bau. Verwaist ist die Pfarrei Groß-Eichen, die mitversehen werden muss.

Neben den Pfarrern sind sieben Lektoren für den Predigtdienst eingesetzt. Die neue Zeit wird manche Änderungen in den Bezirken der Pfarreien notwendig machen. Der Pfarrermangel wird einfach dazu drängen, Mittelpunktpfarreien einzurichten um von dort aus den einzelnen Kirchengemeinden zu dienen.

 

 

 

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