31. Januar 1970

1970

Am.

(xxx)

Fotos

 
03. Februar 1970

Zuständigkrit der staatlichen Schutzpolizei

Der hessische Minister des Inneren hat im Staatsanzeiger für das Land Hessen eine Übersicht über die Organisation und örtliche Zuständigkeit der staatlichen Schutzpolizei veröffentlicht. Danach gehören zum Polizeikommissariat des Landkreises Gießen das Kreisgebiet einschließlich der durch den Kreis Wetzlar führenden Strecke der Bundesstraße 3a.

Zur Polizeistation Grünberg gehören u. a. die Gemeindegebiete Beltershain, Ettingshausen, Gonterskirchen, Grünberg, Harbach, Hungen, Kesselbach, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Münster, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain und Wetterfeld.

(ws/gaz)

 
23. Januar 1970

Neue Satzung für den Sportverein

Im Gasthaus "Zur Linde" fand am 23. Januar 1970 die Generalversammlung des Spiel- und Sportvereins Lardenbach/Klein-Eichen statt. Der Verein, der zur Zeit 203 Mitglieder zählt, pflegt vier Sportarten: Fußball, Tischtennis, Luftgewehrschießen und Damengymnastik. Dem Jahresbericht des 1. Vorsitzenden Heinz Leßmann war zu entnehmen, dass die geplante Verlegung von Wasser und Strom zum Sportplatz in einer Länge von rund 250 Meter ausgeführt wurde. Der Wasserzweckverband Lardenbach/Klein-Eichen übernahm die Kosten für die Wasserleitungsrohre. Die Arbeiten wurden in Eigenleistung erbracht.

Auf dem Fußballplatz wurden zwei Masten mit lichtstarken Quarzlampen errichtet, so dass auch bei Dunkelheit trainiert werden kann. Das Ehrenmitglied Wilhelm Bär stiftete einen Pokal, der erstmals im Juni zwischen den Fußballmannschaften von Altenhain, Freienseen und Sellnrod und dem Gastgeber ausgespielt wurde. Der Pokal blieb in Lardenbach. Im August wurde Kirmes gehalten. Die Bewirtschaftung wurde in eigener Regie veranstaltet. Für 1970 ist neben einem Preisschießen auch ein großes Pokalturnier mit acht Mannschaften geplant.

Der Kassenbericht des Rechners Ernst Keller schloß mit einem Überschuß von 3010 DM ab. Die Kassenprüfer bescheinigten ihm eine sehr ordentliche Arbeitsweise. Ihm wurde Entlastung erteilt. Der 2. Vorsitzende, Rainer Roth, verlas eine neu ausgearbeitete Satzung, weil der Verein in das Vereinsregister eingetragen werden soll. Die Satzung wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Jedem Mitglied wurde ein Exemplar ausgehändigt.

Dann kamen die einzelnen Spartenleiter zu Wort. Über die Abteilung Fußball berichtete der Spielausschußvorsitzende, Reinhard Mölcher jr. Die Fußballspieler wurden im vergangenen Jahr von H. Lischka (Grünberg) trainiert. Ein Vertrag für 1970 ist wiederum abgeschlossen. Die 1. Mannschaft nahm an zwei auswärtigen Turnieren in Bobenhausen und Wetterfeld teil. In Gemeinschaft mit dem FC Weickartshain wird mit einer gemischten Jugend und mit einer C-Jugend gespielt. Weiterhin appelierte Mölcher an die Spieler. die Trainingsstunden regelmäßig zu besuchen und mehr Kontakt zu pflegen. Dies zähle auch zu den Voraussetzungen für bessere Leistungen.

Die Tischtennisabteilung, so berichtete Bernd Kratz, war sehr erfolgreich. Im vergangenen Jahr wurde sie A-Klasse-Meister. Bei der Kreismeisterschaft in Homberg wurde Gunter Berg Vize Kreismeister. Der "Vogelsberger Wanderpokal" konnte zum drittenmal gewonnen werden und ist somit in ihren Besitz übergegangen.

Der Schießsport-Abteilungsleiter, Klaus Müller, führte unter anderem aus: Die Übungsschießen - wegen Platzmangels leider nur einmal wöchentlich - werden durchschnittlich von fünf Schützen besucht. Bei den Landesrundenwettkämpfen 1968/69 wurde in der Grundklasse III ein mittlerer Platz erreicht. Als bester Schütze konnte Hans Zimmer mit einem Durchschnittsergebnis von 131 Ringen hervorgehen. Bei der Vereinsmeisterschaft wurde Helmut Volp mit 134 Ringen Meister der Schützenklasse, Dieter Kraft mit 121 Ringen Juniorenmeister und Gunter Berg mit 116 Ringen Jugendmeister.

Helmut Volp und Karlheinz Erdmann wurden mit der bronzenen, Karl Stöhr und Gerhard Ruppel mit der silbernen und Hans Zimmer mit der goldenen Leistungsnadel des Hessischen Schützenbundes ausgezeichnet. Die Übungsleiterin der Damengymnastikgruppe, Frau Frank (Grünberg), freute sich über die im letzten Jahr zugenommene Teilnehmerzahl.

Die Neuwahl der Spartenleiter und Ausschußmitglieder brachten folgendes Ergebnis: Fußball: Spielausschußvorsitzender Reinhard Mölcher jr., Beisitzer Kurt Scholze, Rainer Schmitt und Karl Stöhr, Jugenwart Heinz Leßmann, Schülerwart Eduard Schmidt. Tischtennisabteilung: Bernd Kratz. Schießsportabteilung: Klaus Müller, Schießwart Helmut Volp. Damengymnastikabteilung Ida Psiorz.

(az/zr)

 
03. Januar 1970

Dekanat Grünberg im Wandel der Zeit

Aufgezeichnet und zum Teil miterlebt von Dekan Grünewald.
Veröffentlicht in der Grünberger Heimat-Zeitung am 3. Januar 1970.

Nach dem siebenbändigen kirchengeschichtlichen Werk "Hassia sacra" des im Kriege umgekommenen Prälaten D. Dr. Diehl (Band II, 1925) geht der Ursprung des Dekanates Grünberg in das Jahr 1634 zurück. Damals sollten in der Superintendentur Gießen vier Pastoralkonvente entstehen. So entstand der Grünberger Pastoralkonvent aus den Ämtern Grünberg, Ulrichstein und Burg-Gemünden. Dieser Konvent umfasste die Pfarreien Grünberg, Queckborn, Wirberg, Merlau, Nieder-Ohmen, Ulrichstein, Bobenhausen mit Sellnrod, Groß-Felda, Meiches, Stumpertenrod, Burg-Gemünden und Nieder-Gemünden.

Die gleichen Pfarreien bilden gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Inspektorat Grünberg. Der Inspektor war der geistliche Dekan. 1667 wurde der Konvent Grünberg wieder verändert, indem einige Pfarreien abgetrennt wurden und der Konvent Schotten entstand. Zu Grünberg zählen ab 1667 Grünberg, Queckborn, Wirberg, Merlau, Nieder-Ohmen, Burg-Gemünden und Nieder-Gemünden.

Wir sehen, wie auch in früheren Jahren die Bezirke der Dekanate immer wieder verändert wurden. Viele Pfarreien waren den Fürstentümern und Grafschaften unterstellt und hatten mit der Einteilung in der alten Landgrafschaft Hessen nichts zu tun.

1832 entstand durch Verordnung das Dekanat Grünberg mit 23 Pfarreien, das bis zum Jahre 1948 bestanden hat. In diesem Jahre bildete man neu das Dekanat Homberg (Ohm). Grünberg gab an Homberg die Pfarreien Burg-Gemünden, Deckenbach, Ehringshausen, Ermenrod, Homberg, Nieder-Gemünden, Nieder-Ohmen und Ober-Ofleiden. An das neu errichtete Dekanat Kirchberg gab Grünberg Winnerod.

Vom Dekanat Schotten kamen zu Grünberg: Laubach, Ruppertsburg und Sellnrod. So besteht Grünberg heute aus 17 Pfarreien: Ettingshausen, Freienseen, Groß-Eichen (Klein-Eichen), Grünberg I (Lutherbezirk), Grünberg II (Paulusbezirk), Lardenbach, Laubach I, (Laubach II heute unbesetzt), Londorf, Merlau, Münster, Ober-Ohmen, Odenhausen (Lda.), Queckborn, Ruppertsburg, Sellnrod, Wetterfeld und Wirberg.

Die älteste Kirche des Dekanates steht in Queckborn. Sie entstand aus der alten Burgkapelle und dem ehemaligen Festsaal der Burg. Nach dem Fischgrätenmauerwerk zu urteilen stammt dieser Bau aus dem 11. Jahrhundert. An dem kleinen Fenster rechts neben dem Haupteingang der Kirche, von dem nur die Sandsteinfassung erhalten ist, kann man Schwertschleifspuren sehen. Sie stammen von Rittern, die an Kreuzzügen teilnahmen und hofften, wieder in die Heimat zurückzukehren, wenn sie ihre Schwerter an diesem Kirchenfenster schleifen würden. Ähnliche Spuren weist auch die Tür des Domes zu Braunschweig auf.

Die jüngste Kirche des Dekanats ist die im Bau befindliche Kirche in Lehnheim, die wahrscheinlich in den nächsten Monaten (1970) fertig wird. Die Lehnheimer müssen zur Zeit nach Stangenrod in den Gottesdienst gehen.

Im Bereich des Dekanats sind zwei Gymnasien, die kirchliche Paul-Gerhard-Schule in Laubach und die Theo-Koch-Schule in Grünberg. Weiterhin besteht in Laubach das Laubachkolleg der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, das den für einen Beruf ausgebildeten jungen Menschen die Möglichkeit zur Erwerbung des Abiturs gibt. Die meisten Absolventen wenden sich dem Studium der Theologie zu.

Mittelpunktschulen mit Förderstufen und Realschulen bestehen in Grünberg, im Ohmtal zwischen Ruppertenrod und Ober-Ohmen, in Laubach und in Nieder-Ohmen, das man nennen muß, weil es mehrere Dörfer aus dem Dekanat Grünberg in seinem Einzugsbereich hat. Einzelne Dorfschulen hören durch die Zusammenfassung ganz auf zu existieren. Viele Gemeinden haben überhaupt keine Schule mehr. Die Kinder werden schon vom 1. Schuljahr an in das neue Gesellschaftssystem eingegliedert. Sie werden Pendler zwischen Wohn- und Schulort. Die meisten von ihnen bleiben das nach den jetzigen Voraussetzungen für ihr ganzes Leben.

Im Zuge der wachsenden Konzentration verschwanden aus Grünberg Finanzamt und Amtsgericht und aus Laubach das Amtsgericht. Ganz plötzlich kam die Grünberger Landwirtschaftsschule nach Gießen. An ihre Stelle trat später die Bildungsstätte des Deutschen Gartenbaus.

Der strukturelle Wandel, der durch die neuen Erwerbsmöglichkeiten nach dem zweiten Weltkrieg verursacht wurden, hat unsere Dörfer und Kleinstädte vollkommen umgewandelt. Die größeren Bauern zogen aus den Dörfern aus und bauten Aussiedlerhöfe, um die herum ihr Besitz angeordnet wurde. Der kleine Bauer kann seine Bauernstelle nur im Nebenerwerb betreiben. Er muss einen anderen Beruf annehmen, um leben zu können.

Den Frauen fällt die Hauptarbeit der Landwirtschaft zu. Wohl richtet sich der Mann so ein, dass er in der Erntezeit seinen Urlaub nimmt, aber immer klappt das auch nicht. Zwangsweise wird wohl durch die neueWirtschaftsstruktur der Kleinbauer verschwinden. Wo noch Alte in der Familie sind, wird der Kleinbetrieb aufrechterhalten, bis die Alten nicht mehr können. Dann wird sich auch hier eine ganz andere Lage ergeben. Wahrscheinlich werden die kleinen Betriebe sich notwendigerweise zusammenschließen müssen. Manche neuen Maßnahmen werden versucht. Man stellt die Landwirtschaft auf eine Erzeugung um. Der eine hat nur noch Kühe und Rinder. Der andere hält nur Schweine.

Manche Landwirte haben die Kühe ganz abgeschafft und müssen ihre Milch beim Nachbarn holen. Die Hühner findet man allmählich nur noch in den Hühnerfarmen. Der ausgelastete Landwirt hat für Hühnerzucht keine Zeit.

Ganz neu sind die Zusammenschlüsse von Verbänden und Genossenschaften, z. B. die Scheinemästerei in Queckborn. Sie ist in diesem Jahr gebaut worden und macht nun ihre ersten Schritte.

Der größte Teil unserer Dorfbewohner ist nicht mehr Landwirt, sondern übt einen anderen Beruf aus. Sie werden am Morgen abgeholt nach Frankfurt, Gießen, Offenbach, Grünberg, Friedberg und Laubach. In Grünberg sind einige neue Betriebe ansässig geworden. Der Aufschwung Grünbergs mag dadurch begründet sein, dass außer der Bahnlinie Gießen-Fulda drei Autobahnanschlüsse schnell zu erreichen sind: Atzenhain, Reinhardshain und Reiskirchen.

Kirche und Gemeindehaus unter einem Dach bieten für die Gemeinde und das Dekanat Grünberg viele Möglichkeiten. Für unsere Alten haben wir in Laubach das Altenheim und für Krankentransporte die DRK-Station mit Krankenwagen in Laubach.

Das Anwachsen der Einwohnerzahl im ganzen Dekanatsgebiet äußert sich auch dadurch, dass die beiden alten Apotheken in Laubach und Grünberg nicht mehr ausreichten und in Grünberg, Laubach und Mücke weitere entstanden. Ein Ferien- und Erholungslager der Arbeiterwohlfahrt bietet vielen Jugendlichen und Schulkindern Erholungsmöglichkeit. Die Sportschule bei Grünberg zieht ob ihrer herrlichen Lage viele Gäste an.

In mehreren Gemeinden sind Dorgemeinschaftshäuser entstanden. Sehr bekannt sind in Reinhardshain, Queckborn und Münster, das seit einigen Jahren zu den schönsten Dörfern im Bundesgebiet gehört.

Evangelische Gemeindehäuser finden wir in Ober-Ohmen, Grünberg, Queckborn, Ober-Bessingen und Göbelnrod. Am 14. Dezember wurde das neue Gemeindehaus in Londorf eingeweiht. Das allerneueste in Merlau ist noch im Bau. Verwaist ist die Pfarrei Groß-Eichen, die mitversehen werden muss.

Neben den Pfarrern sind sieben Lektoren für den Predigtdienst eingesetzt. Die neue Zeit wird manche Änderungen in den Bezirken der Pfarreien notwendig machen. Der Pfarrermangel wird einfach dazu drängen, Mittelpunktpfarreien einzurichten um von dort aus den einzelnen Kirchengemeinden zu dienen.

 

 

 

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