17. April 1970

Geburtstage

Am 17. April feiert der Maschinenschlosser im Ruhestand Emil Bräuning, Seenbrücke, seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar galt als sehr gewissenhafter und routinierter Handwerker. Seinen Lebensabend bereichert er mit aktiver Tätigkeit im Männergesangverein Lardenbach/Klein-Eichen.

Am selben Tag begeht Frau Emilie Momberger, geb. Zimmer, Seenbrücke, ihren 73. Geburtstag. Die aus Klein-Eichen stammende und noch sehr tatkräftige Jubilarin steht immer noch voller Tatkraft ihrem Einzelhandelsgeschäft vor.

(zr/hz)

 
16. April 1970

Zusammenschluß Seenbachtal

Über einen eventuellen Gemeindezusammenschluß berieten am Donnerstag (16. April 1970) die Gemeindevertreter aus Klein-Eichen, Lardenbach, Stockhausen und Weikartshain in Stockhausen in Anwesenheit von Landrat Türk. Als Gäste nahmen auch die Gemeindevertreter aus Freienseen daran teil. Neu an der Entwicklung ist, dass Landrat Türk nicht mehr eine vom Innenministerium ausgearbeitete Empfehlung über einen Zusammenschluß im Grünberger Raum als allein selig machend ansieht. Sondern eher kleinere Zusammenschlüsse benachbarter Gemeinden vorzieht, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhalten. In dieser Richtung habe sich auch inzwischen das Innenministerium korrigiert.

Feste Prognosen kann man jetzt noch nicht stellen, da die Bürgermeister in ihren Gemeinden das Thema erst einmal ausgiebig diskutieren wollen. Zur Zeit ist noch alles im Fluß. So haben auch Unterredungen in dieser Angelegenheit Anfang April zwischen Stockhausen, Merlau und Flensungen stattgefunden.

In seinem einleitenden Referat führte Landrat Türk am Donnerstag unter anderem aus: Der aktuellen Kommunalpolitik im Hinblick auf Schaffen von größeren Gemeindeeinheiten in mehreren Bundesländern kann auch das Land Hessen nicht abseits stehen. Der seit einiger Zeit bestehende Modellplan über Zusammenlegungsmöglichkeiten sei dafür geschaffen, dass er den Interessierten Hinweise geben sollte, welche kleinere Gemeinden zu einer größeren zusammenpassen würden. Eine Reform dürfe aber unter keinen Umständen mit dem Zirkel auf der Landkarte und auch nicht nach Einwohnerzahl erfolgen. Vielmehr müsste die geographische Lage, die strukturellen und kulturellen Gegebenheiten sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse obenan stehen.

Die Eingemeindung von kleineren Ortschaften in einer in der Nähe liegenden Stadt sei in dieser Gegend keine anzustrebende Lösung. Dadurch würden neue Probleme entstehen, weil die sozialen Einrichtungen, wie Kindergarten, oder die kulturellen Vorteile, wie Bürgerhaus, von den weit abseits wohnenden Bürgern doch nicht so genutzt werden könnten, wie das an für sich sein sollte. Deshalb könne er, da er lediglich beratend und richtungsweisend fungiere, eine Eingemeindung zu Grünberg nicht empfehlen. Eine Abgabe von Verwaltungsarbeiten nach dort sei allerdings vorteilhaft.

Die wirtschaftlichen Gegebenheiten der vier Gemeinden, - das Haushaltsvolumen von Lardenbach sowie Weickartshain beträgt je rund 150 000 DM, von Stockhausen 80 000 DM und von Klein-Eichen 50 000 DM -, die jährlichen Schlüsselzuweisungen im Hinblick auf die Einwohnerzahl, die Steuerhebesätze und andere Gebühren seien etwa gleich. Der Vollzug des Zusammenschlusses zu der Großgemeinde Seenbachtal hätte noch den finanziellen Vorteil, dass laut § 9 des Hessischen Finanzausgleichgesetzes 10 Jahre lang eine jährliche Zuwendung des Landes Hessen von etwa 45 000 DM garantiert würden. Die von den Gemeinden abzuführende Kreisumlage würde jedoch nicht erhöht werden.

Weitere Vorteile der Bürger lägen klar auf der Hand. Der Betreuung der alten und kranken Einwohner könnte sich besser gwidmet werden. Die Erschließung von Baugebieten würde halbsoviel Schwierigkeiten bereiten. Die Wasserversorgung, der Straßen-, Feld- und Gehwegausbau, das Abwasserproblem, Gräbenreinigung, Grundschule verbunden mit einem Kindergarten, Bau einer Sporthalle, Verbesserung des Brandschutzes, all dies könnte dann besser gelöst werden, bzw. würden die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Ein in einer Schublade liegendes Gesetz, dass in absehbarer Zeit Großraumzusammenschlüsse stattfinden würden, gebe es nicht. Allerdings würden über kurz oder lang Gemeinden unter 200 Einwohner aufgelöst werden.

In der Aussprache meldete sich zunächst ein Gemeindevertreter von Lardenbach und fragte an, ob zu der Seenbachtalgemeinde auch Freienseen beitreten könne. Dadurch wäre durch die höhere Einwohnerzahl (von etwa 2200) eine bessere Lebensfähigkeit gegeben. Landrat Türk äußerte, dass es den Freienseenern voll und ganz freigestellt sei, wo sie beitreten wollten. Auch das zukünftige Seenbachtal ohne Freienseen sei mit 1400 Einwohnern unbedingt existent.

Die Bedenken eines anderen Lardenbachers, dass die Bildung von Seenbachtal eine Vorstufe für die Eingemeindung nach Grünberg sein könne, zumal es dann wesentlich einfacher wäre, statt 4 kleinen Gemeinden nur eine Großgemeinde zu übernehmen, zerstreute Landrat Türk sinngemäß: Der Hessische Landtag und auch ich sind der Auffassung, dass die Gruppierungen von größeren Gemeindeeinheiten nur für die Rationalisierung von Verwaltungsarbeiten sinnvoll ist. Es gibt keine in einer Schublade versteckten Gesetze über zwangsweise Zusammenlegungen, so wie es der Modellplan vermuten lassen könnte. Die Gründe einer Zusammenlegung müssen struktureller, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Natur bleiben.

Auf die Frage eines Weickartshainer Gemeindevertreters, ob und inwieweit die auf 4 Jahre gewählten und dann zwischendurch entlassenen Bürgermeister finanziell entschädigt würden, antwortete Amtmann Gerbig, dass unter allen Umständen eine Besitzstandswahrung der Betroffenen erfolge. Auch der Kreisausschuß wolle sich bemühen, dass keine finanziellen Schäden eintreten.

Bürgermeister Funk (Klein-Eichen) interessierte sich für das Schicksal seiner Gemeinde, wenn laut Gesetz die kleineren Gemeinden aufgelöst würden. Nach den Worten von Landrat Türk würde Klein-Eichen dann mit Lardenbach vereinigt.

Bürgermeister Bräuning (Stockhausen) befürchtete, dass die Erbauung eines Verwaltungszentrums unter Umständen in Seenbrücke, eine Unmenge Geld verschlingen würde. Landrat Türk riet dringend davon ab. Auf einer jetzt bestehenden Bürgermeisterei sollte die neue Verwaltung stationiert werden. In den Ortsteilen könnten Sprechstunden eingerichtet werden. Ein Verwaltungszentrum sollte zunächst höchstens aus angemieteten Räumen entstehen.

Bürgermeister Funk (Klein-Eichen) hegte anscheinend Bedenken über die Lebensfähigkeit der neuen Gemeinde, indem er aus dem Modellplan des Innenministeriums verschiedene Zeilen interpretierte. Laut dessen müssen Gemeinden größeren Umfangs geschaffen werden, die um eine zukünftige Daseinsfürsorge sicherzustellen, mindestens 5000 Einwohner haben sollten. Landrat Türk antwortete, dass der Modellplan lediglich ein Plan sei, der eine Entscheidungshilfe herbeiführen solle. Die Realität sei anders. Im übrigen wäre es ziemlich unwahrscheinlich, dass beispielsweise Grünberg die 4 Ortschaften echt sozial betreuen könne.

Abschließend erklärte Türk nochmals, dass er bei der geplanten Zusammenschließung lediglich beratende Funktion wahrnehmen und auch unterstützen würde. Die Gemeindevertreter sollten sich bei ihren Überlegungen unter keinen Umständen von uralten Fehden oder Feindschaften leiden lassen, denn das Zeitalter der historischen Entscheidungen sei endgültig vorbei. Er schlug vor, dass alle Gemeinden bis spätestens Mitte Juni ihre Stellungnahme zu dieser Sache abgeben sollten, damit gegebenenfalls sofort die entsprechenden Schritte eingeleitet werden könnten. Denn das Sprichwort "Zeit ist Geld" würde hier im wahrsten Sinne des Wortes zutreffen.

(zr/hz)

Fotos

 
16. April 1970

Zusammenschluß Seenbachtal, 1970

Innerhalb eines Zeitraumes von weniger als eine Woche hat im Kreis Gießen schon das zweite Gespräch zwischen Landrat Ernst Türk und Kommunalpolitikern mehrerer Gemeinden stattgefunden, bei dem es wieder um die Frage des Zusammengehens dieser Gemeinden zu einer größeren Einheit ging. Am Donnerstagabend (16. April 1970) trafen sich im Dorfgemeinschaftshaus Stockhausen die rund fünfzig Verantwortlichen der vier Gemeinden Stockhausen, Weickartshain, Lardenbach und Klein-Eichen, um die Möglichkeit einer Verschmelzung ihrer Ortschaften zu beraten. Landrat Türk beschränkte sich nicht allein darauf, Zahlenbeispiele vorzulegen, um auf diese Weise das Ziel des Gespräches schmackhaft zu machen. Vielmehr versuchte er auch, die Struktur der vier Dörfer zu analysieren, so dass daraus die Gemeinsamkeiten unschwer zu erkennen waren.

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen machte Türk darauf aufmerksam, dass die angeschnittene Frage nicht kraft Gesetzes befriedigend zu lösen sei. Schon gar nicht dürfe man bei Gemeindezusammenschlüssen von reinen "Zahlengrößen" ausgehen, sondern müsse sich statt dessen an Struktur-Elementen orientieren, damit "die neue Gemeinschaft auch in sich zueinander passt". Fünf Überlegungen seien daher anzustellen, um herauszufinden, ob eine Verschmelzung überhaupt sinnvoll sei.

Als erstes nannte der Landrat die Frage nach der "räumlichen Zusammengehörigkeit". Sie sei im Falle des Seenbachtales sehr einfach zu beantworten. Schlössen sich die vier angesprochenen Gemeinden zusammen, wäre das letzte und das erste Haus nicht mehr als vier Kilometer voneinander entfernt. Als nächstes gelte es, die Bevölkerungsstruktur zu beachten. Sie sei hier noch überwiegend landwirtschaftlich ausgerichtet, wenngleich unter den Bürgern der vier Dörfer ein etwa gleich großer Anteil an Pendlern gezählt werde. Untereinander könnte es also in dieser Frage kaum zu irgendwelchen Reibereien komme, wie man es gelegentlich bei der Eingliederung döflicher Gemeinschaften in Städte beobachte.

Auch in der wirtschaftlichen Hinsicht könne er, meinte Türk, gewisse Ähnlichkeiten erkennen, wenngleich Lardenbach und Weickartshain mit 150 000 DM Etatvolumen den beiden Nachbargemeinden Stockhausen mit 80 000 DM und Klein-Eichen mit 42 000 DM etwas überlegen seien. Kaum nennenswerte Unterschiede bestünden in den Schlüsselzuweisungen und der Einkommenssteuer. Schließlich berührte Türk noch die Frage der Verkehrsverbindungen innerhalb der vier Gemeinden. Hier biete sich als Lösung der Ausbau von Verbindungswegen an. Türk nannte auch die "geschichtliche Verbundenheit" als ein Argument für den Zusammenschluß.

Sollten sich die vier Gemeinden zusammentun, hätten sie insgesamt 1400 Einwohner. Schließlich machte der Landrat noch auf einen Umstand aufmerksam, den er "nicht als Köder, sondern als einmalige Gelegenheit" bezeichnete. Auf Grund des Finanzausgleichsgesetzes würden die vier Gemeinden im Falle eines Zusammenschlusses rund 75 Prozent mehr an Schlüsselzuweisungen erhalten als dies jetzt einzeln der Fall ist. Dies bedeute, so betonte Türk, dass die neue Gemeinde in den kommenden zehn Jahren rund 500 000 DM mehr an Schlüsselzuweisungen erhalten würde. Und das mit der Aussicht auf eine nicht wachsende Kreisumlage.

Während des Gespräches schnitt Türk auch ein Thema an, das in letzter Zeit auch ein wenig die Gemüter bewegt hat: die mögliche Eingliederung der vier Gemeinden in die Stadt Grünberg. Türk hierzu wörtlich: "Bedenken Sie, dass diese Gemeinden zwar wirtschaftlich nach Grünberg hin orientiert sind, aber wo bleibt die ähnliche Verbindung?" Auch vermisse er eine historische Verbundenheit mit Grünberg. Einderartiges Projekt könne zu einem Mangel an unmittelbarem Kontakt zwischen der kleineren Gemeinde und der Stadt führen, befürchtete der Landrat. Dies schließe jedoch nicht aus, dass bestimmte Dienstleistungen von der Stadt für die neue Gemeinde verrichtet werden könnten.

An die Ausführungen Türks schloß sich eine lebhafte Diskussion an, die auch von Kommunalpolitikern aus Freienseen interessiert verfolgt wurde. Da Lardenbach bereits offiziell zugestimmt hat, müssen jetzt noch die übrigen drei Gemeinden getrennt entscheiden.

(tk/gaz)

 
07. April 1970

Für Großgemeinde "Seenbachtal"

Einstimmig wurde bei der Gemeindevertretersitzung in Lardenbach am Dienstag (7. April 1970) der Beschluß gefasst, dem vorgesehenen Gemeindezusammenschluss der vier Orte Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain und Stockhausen zu einer Großgemeinde "Seenbachtal" zuzustimmen. Die Gemeindevertreter erkennen die Notwendigkeit einer Verwaltungszentralisierung. Diese nach ihrer Ansicht unumgängliche Maßnahme möchte sie baldigst durchführen, weil sie unter anderem auch einen spürbaren finanziellen Vorteil für die zukünftige Großgemeinde erblickt, vorausgesetzt, dass der Zusammenschluss noch in diesem Jahr erfolgt.

Ein Hinausschieben des Zusammenschlusses bis zu dem Zeitpunkt "Ihr müsst" bringe einmal den Verlust der vertraglich auf viele Jahre festzulegenden jährlichen finanziellen Sonderzuwendungen von Kreis und Land und zum anderen die Gefahr mit sich, dass die Gemeinden dann zu einem nicht mehr weit entfernten Zeitpunkt irgendeiner angenehmen Stadt zugesprochen werden.

Der finanzielle Verlust wäre nicht das Schlimmste, viel schlimmer würde sich dies auf die Bürger der betroffenen Ortschaften auswirken. Es sei ein Unterschied, ob man mit einem Spaziergang von ein bis zwei Kilometer die Gemeindeverwaltung aufsuchen kann - regelmäßige Sprechstunden des Bürgermeisters bis 22 Uhr gehören sowieso der Vergangenheit an - oder mindestens einen halben Tag unterwegs ist und dazu noch 1 bis 2 DM Fahrtkosten für Beförderungsmittel ausgeben muss.

Als zentraler Ort für das Gemeindezentrum würde sich Seenbrücke anbieten. Zukunftsprojekte wie Kläranlage, Trinkwasserversorgung, Baugelände und anderes mehr, könnten einfacher und kostensparender durchgeführt werden. Eine auch höheren Ansprüchen gerecht werdende Sportanlage mit Schwimmbad könnte geschaffen werden. Selbst die kirchlichen Einrichtungen könne man auf diese neue Raumordnung abstellen.

Ein großer Vorteil für die zukünftige Großgemeinde "Seenbachtal" wäre der Einbezug von Freienseen. Die kulturellen, strukturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten sowie die Pro-Kopf-Verschuldung dieser fünf Gemeinden sind in etwa gleich. Auch den Freienseenern bliebe für die ferne Zukunft keine andere Wahl, als einer Großgemeinde beizutreten. Durch diesen Beitritt wäre und bliebe das zukünftige "Seenbachtal" absolut lebens- und aktionsfähig.

Es wurden auch einige Stimmen laut, die - vorausgesetzt, "Seenbachtal" kommt nicht zustande - eine Eingemeindung zu Grünberg unter allen Umständen ablehnten, sondern dann lieber nach Mücke wollten. Mit diesen Vorstellungen und Begründungen will die Gemeindevertretung am 16. April im Dorfgemeinschaftshaus Stockhausen anläßlich einer Sitzung der Gemeindevertreter dieser Ortschaften (außer Freienseen) mit Landrat Türk ihre Ansicht kundtun.

(zr/hz)

 
01. April 1970

Gemeindezusammenschlüsse wieder in der Diskussion

Landrat Ernst Türk begann in der vergangenen Woche in Begleitung des Abteilungsleiters der Kommunalaufsicht, Regierungsamtmann Johannes Gerbig, aus eigener Initiative eine Serie von Informationsbesuchen in den Gemeinden des Landkreises Gießen, um sich über den Stand möglicher und beabsichtigter Gemeindezusammenschlüsse zu informieren. Nunmehr könnten auch im Kreis Gießen allmählich greifbare Ergebnisse auf diesem Gebiet erzielt werden, betonte Türk am Mittwoch (1. April 1970).

Heute könne sich kein Bürger mehr der Notwendigkeit des Denkens und Handelns in größeren Einheiten und Räumen verschließen. Einzelne Gemeinden könnten folgende Probleme nicht mehr allein lösen: Größerer Nutzeffekt in der Verwaltung, Planung für die weitere Entwicklung, Anheben des Wohnwertes, des Wirtschaftswertes und des Freizeitwertes der Gemeinde und ihrer Einrichtungen, wobei man die gesamte Landschaftsgestaltung mit im Auge haben müsse.

Bei diesen Problemen seien die einzelnen Gemeinden entweder finanziell überfordert oder sie investieren ohne rechtes Verhältnis von Aufwand und Nutzen. Unter Berücksichtigung der anzustrebenden Gestaltung überschaubarer Räume seien heute vordringlich überörtlich folgende Einzelaufgaben zu bewältigen: Flächennutzungs-, Bebauungs-, Industrieansiedlungs- und Verkehrsplanung, Wasserversorgung, Beseitigung von Müll und Abwasser, Schaffung notwendiger kultureller und sozialer Einrichtungen.

Landrat Türk und Amtmann Gerbig hatten auch eine gemeinsame Unterredung mit den Bürgermeistern Bräuning (Stockhausen), Mölcher (Lardenbach), Funk (Klein-Eichen) und Theiß (Weickartshain) in Stockhausen. In diesem Vorgespräch handelte es sich um eine Bestandsaufnahme der Probleme für die Seenbachtalgemeinden. Es kam auch wieder zur Sprache, dass bei einem Zusammenschluss erhöhte Zuschüsse des Landes zu erwarten seien, und zwar für die Dauer von 10 Jahren, die man für gemeinsame Investitionen verwenden könne, um den Wohn- und Freizeitwert der bestreffenden Gemeinden zu erhöhen.

Den Gesprächen des Landrats zufolge, könnte es noch in diesem Jahr den Zusammenschluß Klein-Eichen, Lardenbach, Stockhausen und Weickartshain zum Seenbachtal geben. Zum Abschluß des Gespräches kam man überein, demnächst die Gemeindevertreter der beteiligten Gemeinden zu einer gemeinsamen Sitzung nach Stockhausen einzuladen, um das Thema weiter zu erörtern.

(tk/gaz/hz)

 
21. März 1970

Generalversammlung des MGV

Am Samstagabend (21. März 1970) hielt der Männergesangverein im Saale Felsing seine Generalversammlung ab. Der Verein wurde 1885 gegründet und zählt ca. 30 Sänger. Laut dem von dem 1. Vorsitzenden Günter Zimmer vorgetragenen Geschäftsbericht traten die Sänger im Jahre 1969 zu 11 besonderen Anlässen in Erscheinung. Es wurden 32 Singstunden abgehalten. Der Singstundenbesuch dürfte etwas besser sein.

Drei Sänger haben an allen Singstunden teilgenommen. Sieben Sänger haben nur einmal und vier Sänger nur zweimal gefehlt. Den besten Singstundenbesuch verbuchten die Sänger vom 2. Maß für sich. Ferner dankte der Vorsitzende allen Sängern, die sich zum Gelingen der letztjährigen Weihnachtsfeier besonders hervorgetan hatten. Seinen besonderen Dank richtete Zimmer an die Familie Psiorz. Frau Priorz hatte in selbstlosem Einsatz mit den Schulkindern ein kleines Theaterstück und etliche Weihnachtslieder und -gedichte einstudiert.

Sein weiterer Dank galt dem Chorleiter Ernst Nicolai (Großen-Buseck), der keinen Weg und keine Mühe scheute, die gesanglichen Qualitäten des Vereins zu verbessern. Besonders hervor hob der Vorsitzende die Tätigkeiten des Notenwartes Ernst Kratz. Mit Unterstützung von einem der jüngsten Sänger, Bernhard Sauer, ist alles vorhandene Notenmaterial sortiert und katalogisiert worden. Am 30. März nahm der Verein am Wertungssingen in Londorf teil. Die vorgetragenen Chöre "An das Lied" und "Ein freies Herz" erhielten die Bewertung "hervorragend"

Aus dem Bericht des Kassenverwalters Albert Hofmann ging hervor, dass der Verein dank der vor zwei Jahren abgehaltenen Kirmes noch einen Barbestand von 440 DM aufzuweisen hat. Die Kassenprüfer bescheinigten dem Kassenverwalter eine sehr ordentliche Arbeitsweise. Ihm wurde einstimmig Entlastung erteilt.

An die Stelle des aus beruflichen Gründen zurückgetretenen Vorstandsmitglieds Emil Mölcher II. trat Albert Roth. Auf Vorschlag von Sangesbruder Ernst Kratz wurde rückwirkend ab 1.1.1970 der Monatsbeitrag von 1,- DM auf 1,50 DM erhöht. Am 5. April wird der Verein am Wertungssingen in Merlau teilnehmen. Die am 22. und 23. August stattfindende Kirmes soll unter Mitwirkung des Spiel- und Sportvereins durchgeführt werden.

Chorleiter Ernst Nicolai war im Großen und Ganzen mit den Leistungen des Vereins zufrieden. Er betonte, dass nicht die kommerzielle Seite, sondern in erster Linie seine Verbundenheit mit den Sängern ihn immer gern nach Lardenbach kommen lasse und, dass er auch in Zukunft den Verein weiter betreuen will.

(zr/hz)

 
09. März 1970

Wasserzweckverband

In der Vorstandssitzung des Wasserzweckverbandes Lardenbach/Klein-Eichen in der Gastwirtschaft Bingel (März 1970) wurde der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1970 einstimmig genehmigt. Das Volumen des Haushaltsplans beträgt 14 000 DM, wobei etwa die Hälfte der Ausgaben für den Schuldendienst vorgesehen sind. Die Aufnahme der Darlehen in Höhe von 100 000 DM wurde erforderlich, als in den Jahren 1960/61 ein Brunnen gebohrt werden mußte. Der Kubikmeterpreis von 60 Pfennig einschließlich einer DM Zählermiete pro Monat bleiben bestehen.

Die Aufwandsentschädigungen sind für den Verbandsvorsteher auf 450 DM, für den Verbandsrechner auf 500 DM jährlich erhöht worden. Verbandsvorsteher Bürgermeister Mölcher machte darauf aufmerksam, dass die Instandsetzungskosten der durch das anhaltende Winterwetter in den letzten Monaten aufgetretenen Wasserleitungsschäden wahrscheinlich die vorgesehene Ausgabenhöhe überschritten würden.

(zr/gaz)

 
09. März 1970

Geburtstag

Am 9. März feiert der ehemalige Landwirt, Kaufmann, Gastwirt und Posthalter Karl Völsing in Lardenbach seinen 84. Geburtstag. Der noch rüstige Jubilar wurde vom Schicksal schwer geschlagen. Sein einziger Sohn blieb im zweiten Weltkrieg, seine Ehefrau verstarb schon vor Jahren.

(zr/hz)

 
08. März 1970

Volksabstimmung Wahlalter

Bei matsch und Schneetreiben gingen die Bewohner des Landkreises Gießen am Sonntag (8. März 1970) zur Wahlurne, um mit darüber zu befinden, ob künftig bei Kommunal- und Landtagswahlen Jugendliche ab 18 Jahren mit von der Partie sein dürfen oder ob es, wie bisher, beim Mindestalter von 21 Jahren bleiben soll. Es waren nicht allzu viele, die diesmal von ihrem Wahlrecht Gebrauch machten. Die Parteien - bis auf die NPD - hatten sich seit Wochen und Monaten geschlossen für die Herabsetzung des Wahlalters ausgesprochen und das Landesparlament in Wiesbaden hatte bereits einen entsprechenden Beschluß gefasst.

Pünktlich um 8 Uhr vormittags hatten die Wahllokale in den 85 Gemeinden des Kreisgebietes ihre Pforten geöffnet. Den ersten "Betrieb" gab es nach dem Kirchgang. Um die Mittagszeit wurde vielerorts 8 bis 10 Prozent Wahlbeteiligung verzeichnet. Andere registrierten bereits 12 bis 15 Prozent. Die Mehrzahl der Wähler verband ihre Stimmabgabe mit einem kleinen Spaziergang.

Im Kreis wartete Arnsburg zuerst mit seinem Ergebnis auf, es folgten Queckborn, Nonnenroth, Lardenbach, Klein-Eichen, Inheiden und Beltershain. Als letzte Durchsage kam Hungen um 19.20 Uhr. Zehn Minuten später stand das Ergebnis des Landkreises fest.

Erwartungsgemäß hat die Volksabstimmung ein Votum für die Herabsetzung des Wahlalters von 21 Jahre auf 18 Jahre ergeben. Gleichzeitig wurde auch die Wählbarkeit von 25 Jahre auf 21 Jahre gebilligt. In Hessen haben etwa 40 Prozent der Wähler an der Abstimmung teilgenommen. Davon haben sich 62 Prozent der Stimmen für den Vorschlag des Landtages und 38 Prozent dagegen entschieden.

In Grünberg und Laubach hat man sich gegen eine Herabsetzung in der Mehrheit ausgesprochen. In Klein-Eichen waren 124 Wahlberechtigt, in Lardenbach 289 Bürgerinnen und Bürger. Von den 46 abgegebenen Stimmen waren in Klein-Eichen alle gültig. In Lardenbach waren ebenso alle 55 abgegebenen Stimmen gültig. Nur 10 Stimmen sprachen sich in Klein-Eichen für die moderne Wahlrechtsänderung aus, 36 waren dagegen. In Lardenbach lehnte ebenso eine Mehrheit von 22 Ja- zu 32 Nein-Stimmen eine Verfassungsänderung ab.

Berücksichtigt man die soziologische Struktur von Stadt und kreis, so zeigt sich, dass der Kreis mit fast zwei Dritteln Ja-Stimmen eine wesentlich fortschrittlichere Bevölkerung im landläufigen Sinne hat.

(gd/gaz/hz)

 
22. Februar 1970

Zuchttier Auktion

Die erste diesjährige Vereteigerung des Verbandes der Rinderzüchter in Hessen-Nassau von Zuchttieren des schwarz- und rotbunten Rindes in der "Hessenhalle" in Gießen war aus allen Teilen Südhessens sehr gut besucht. Von den annähernd 60 Bullen wurden 36 gekört. Die schwarzbunten Bullen waren diesmal nicht so ausgeglichen wie die rotbunten.

In der II. Klasse standen auch Bullen aus Oberhessen von Werner Biedenkopf aus Klein-Eichen und von Wilhelm Appel aus Eschenrod. Die weiblichen Tiere, ein schwarzbuntes Rind und einige Rotbunte stellte Gustav Gries vom Oberseener Hof.

Die beiden Bullen der II. Klasse aus Oberhessen brachten 4200 bzw. 4000 DM; in dieser Klasse wurde ein Durchschnittspreis von 3740 DM erzielt. Die restlichen Bullen gingen zu Preisen von 3700 bis 3200, einer für nur 2900 DM ab.

(k/gaz)

 
21. Februar 1970

Reit- und Fahrverein Grünberg

Mit über 60 Mitgliedern war die Jahresversammlung des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Grünberg und Umgebung e. V. am Wochenende im Gasthof Schmitz gut besucht. Vorsitzender Zabel dankte noch einmal allen, die bei der Durchführung der Veranstaltungen des vergangenen Jahres mitgewirkt haben. Infolge von Arbeitsüberlastung legte er dann seinen Vorsitz nieder.

Bei den Vorstandswahlen ergab die geheime Wahl die meisten Stimmen für Karl Weiss als neuen Vorsitzenden. Unter andern wurde bei dieser Wahl der Klein-Eichener Werner Biedenkopf und der Groß-Eichener Otto Bellof zu Beisitzern im Reitverein gewählt.

(hz)

 
10. Februar 1970

Dorfverschönerung

Dem Aufruf des hessischen Landeswirtschaftsministeriums zur Teilnahme am 12. Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" haben im Kreis Gießen (10. Februar 1970) acht Gemeinden Folge geleistet. Jeder Gemeinde - sei es zum ersten oder wiederholten Male - winkt eine Starthilfe von rund 300 DM, gleichgültig, ob sie aus dem Wettbewerb als Sieger hervorgeht oder nicht.

Die Idee der Dorfverschönerung weiterhin lebendug zu erhalten, trägt nach den Worten des Landwirtschaftsministers Dr. Tassilo Tröscher dazu bei, die notwendige gesellschaftspolitische und strukturelle Neuorientierung des ländlichen Raumes zu unterstützen.

Die dörfliche Geborgenheit und Abgeschlossenheit im alten Sinn gibt es nicht mehr. Es wäre auch falsch, der sogenannten guten alten Zeit nachzutrauern. Wir können die Wandlung der ländlichen Welt nicht mehr aufhalten, wir könnten sie aber gemeinsam in eine harmonische und fruchtbare Zukunft steuern. Das Dorf muß jedem befriedigende Lebensmöglichkeiten bieten. Man muß sich auf dem Lande wohl fühlen können und darf nicht das Gefühl der Rückständigkeit haben.

Das bedeutet nicht, dass die Änderung des Dorfes zu einer Verstädterung führen darf. Das Dorf muss sich - auch wenn es kein ausgesprochenes Bauerndorf mehr ist - seinen ländlichen Charakter bewahren. Es sollte ein Bestandteil der natürlichen Landschaft mit den Wäldern und Feldern, Wiesen und Gewässern bleiben oder wieder werden.

Zur Dorferneuerung gehören weiterhin eine Verbesserung und Festigung der wirtschaftlichen Grundlage der Landbewohner sowie die Verbesserung kommunaler Einrichtungen, wie Wasserversorgung, Straßen, Wege und nicht zuletzt Spiel- und Sportplätze, Schulen, Jugendheime, Gemeinschaftsräume und Erholungsanlagen. Eine solche Dorferneuerung, die vielerorts gleichzeitig eine Dorfverschönerung sein muß, tut überall not, doch wird sie mit unterschiedlichem Ausmaß und Tempo vorgenommen.

Selbstverständlich hängt die Dorfverschönerung vom Umfang des Gemeindesäckels ab, noch mehr aber vom Willen der Menschen, und zwar aller Bewohner, angefangen beim Bürgermeister und endend beim Schulkind, das seine mit dem Lehrer gepflanzten Bäume und Sträucher hegt und pflegt. Dazwischen stehen die Landjugend und die Landfrauen. Alle können und sollen mit Rat und Tat an der Verschönerung des Dorfes mitarbeiten. Sie dienen damit dem Menschen auf dem Lande, der hier einen schönen, gesicherten Lebens- und Wirtschaftsraum haben soll, und dem Stadtmenschen, der hier Ausgleich und Erholung sucht.

Bislang beteiligten sich in Hessen an der Dorfverschönerung 1303 Gemeinden bis zu 3000 Einwohnern. Im Landkreis Gießen nehmen an dem 12. Wettbewerb zum erstenmal (Gruppe A) Gonterskirchen und Grüningen teil, zum wiederholten Male (Gruppe B) Klein-Eichen (zum drittenmal), Ober-Hörgern (zum fünftenmal), Rodheim/Horloff (zum zweitenmal), Rüdingshausen (zum fünftenmal), Steinheim (zum drittenmal) und Wetterfeld (zum drittenmal) teil.

Eine Änderung gegenüber den vergangenen Jahren ist von 1970 an insofern eingetreten, dass erstens der Wettbewerb in beiden Gruppen in Gemeinden bis zu 1000 und über 1000 bis zu 3000 Einwohnern unterteilt ist, zweitens alle Gemeinden, die bereits dreimal oder öfter am Wettbewerb teilgenommen haben, zunächst ausscheiden müssen. Sie können sich nach einer Pause von fünf Jahren erneut zum Wettbewerb anmelden.

(pp/az)

Fotos

 
03. Februar 1970

Zuständigkrit der staatlichen Schutzpolizei

Der hessische Minister des Inneren hat im Staatsanzeiger für das Land Hessen eine Übersicht über die Organisation und örtliche Zuständigkeit der staatlichen Schutzpolizei veröffentlicht. Danach gehören zum Polizeikommissariat des Landkreises Gießen das Kreisgebiet einschließlich der durch den Kreis Wetzlar führenden Strecke der Bundesstraße 3a.

Zur Polizeistation Grünberg gehören u. a. die Gemeindegebiete Beltershain, Ettingshausen, Gonterskirchen, Grünberg, Harbach, Hungen, Kesselbach, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Lauter, Lindenstruth, Londorf, Lumda, Münster, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain und Wetterfeld.

(ws/gaz)

 
23. Januar 1970

Neue Satzung für den Sportverein

Im Gasthaus "Zur Linde" fand am 23. Januar 1970 die Generalversammlung des Spiel- und Sportvereins Lardenbach/Klein-Eichen statt. Der Verein, der zur Zeit 203 Mitglieder zählt, pflegt vier Sportarten: Fußball, Tischtennis, Luftgewehrschießen und Damengymnastik. Dem Jahresbericht des 1. Vorsitzenden Heinz Leßmann war zu entnehmen, dass die geplante Verlegung von Wasser und Strom zum Sportplatz in einer Länge von rund 250 Meter ausgeführt wurde. Der Wasserzweckverband Lardenbach/Klein-Eichen übernahm die Kosten für die Wasserleitungsrohre. Die Arbeiten wurden in Eigenleistung erbracht.

Auf dem Fußballplatz wurden zwei Masten mit lichtstarken Quarzlampen errichtet, so dass auch bei Dunkelheit trainiert werden kann. Das Ehrenmitglied Wilhelm Bär stiftete einen Pokal, der erstmals im Juni zwischen den Fußballmannschaften von Altenhain, Freienseen und Sellnrod und dem Gastgeber ausgespielt wurde. Der Pokal blieb in Lardenbach. Im August wurde Kirmes gehalten. Die Bewirtschaftung wurde in eigener Regie veranstaltet. Für 1970 ist neben einem Preisschießen auch ein großes Pokalturnier mit acht Mannschaften geplant.

Der Kassenbericht des Rechners Ernst Keller schloß mit einem Überschuß von 3010 DM ab. Die Kassenprüfer bescheinigten ihm eine sehr ordentliche Arbeitsweise. Ihm wurde Entlastung erteilt. Der 2. Vorsitzende, Rainer Roth, verlas eine neu ausgearbeitete Satzung, weil der Verein in das Vereinsregister eingetragen werden soll. Die Satzung wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Jedem Mitglied wurde ein Exemplar ausgehändigt.

Dann kamen die einzelnen Spartenleiter zu Wort. Über die Abteilung Fußball berichtete der Spielausschußvorsitzende, Reinhard Mölcher jr. Die Fußballspieler wurden im vergangenen Jahr von H. Lischka (Grünberg) trainiert. Ein Vertrag für 1970 ist wiederum abgeschlossen. Die 1. Mannschaft nahm an zwei auswärtigen Turnieren in Bobenhausen und Wetterfeld teil. In Gemeinschaft mit dem FC Weickartshain wird mit einer gemischten Jugend und mit einer C-Jugend gespielt. Weiterhin appelierte Mölcher an die Spieler. die Trainingsstunden regelmäßig zu besuchen und mehr Kontakt zu pflegen. Dies zähle auch zu den Voraussetzungen für bessere Leistungen.

Die Tischtennisabteilung, so berichtete Bernd Kratz, war sehr erfolgreich. Im vergangenen Jahr wurde sie A-Klasse-Meister. Bei der Kreismeisterschaft in Homberg wurde Gunter Berg Vize Kreismeister. Der "Vogelsberger Wanderpokal" konnte zum drittenmal gewonnen werden und ist somit in ihren Besitz übergegangen.

Der Schießsport-Abteilungsleiter, Klaus Müller, führte unter anderem aus: Die Übungsschießen - wegen Platzmangels leider nur einmal wöchentlich - werden durchschnittlich von fünf Schützen besucht. Bei den Landesrundenwettkämpfen 1968/69 wurde in der Grundklasse III ein mittlerer Platz erreicht. Als bester Schütze konnte Hans Zimmer mit einem Durchschnittsergebnis von 131 Ringen hervorgehen. Bei der Vereinsmeisterschaft wurde Helmut Volp mit 134 Ringen Meister der Schützenklasse, Dieter Kraft mit 121 Ringen Juniorenmeister und Gunter Berg mit 116 Ringen Jugendmeister.

Helmut Volp und Karlheinz Erdmann wurden mit der bronzenen, Karl Stöhr und Gerhard Ruppel mit der silbernen und Hans Zimmer mit der goldenen Leistungsnadel des Hessischen Schützenbundes ausgezeichnet. Die Übungsleiterin der Damengymnastikgruppe, Frau Frank (Grünberg), freute sich über die im letzten Jahr zugenommene Teilnehmerzahl.

Die Neuwahl der Spartenleiter und Ausschußmitglieder brachten folgendes Ergebnis: Fußball: Spielausschußvorsitzender Reinhard Mölcher jr., Beisitzer Kurt Scholze, Rainer Schmitt und Karl Stöhr, Jugenwart Heinz Leßmann, Schülerwart Eduard Schmidt. Tischtennisabteilung: Bernd Kratz. Schießsportabteilung: Klaus Müller, Schießwart Helmut Volp. Damengymnastikabteilung Ida Psiorz.

(az/zr)

 
03. Januar 1970

Dekanat Grünberg im Wandel der Zeit

Aufgezeichnet und zum Teil miterlebt von Dekan Grünewald.
Veröffentlicht in der Grünberger Heimat-Zeitung am 3. Januar 1970.

Nach dem siebenbändigen kirchengeschichtlichen Werk "Hassia sacra" des im Kriege umgekommenen Prälaten D. Dr. Diehl (Band II, 1925) geht der Ursprung des Dekanates Grünberg in das Jahr 1634 zurück. Damals sollten in der Superintendentur Gießen vier Pastoralkonvente entstehen. So entstand der Grünberger Pastoralkonvent aus den Ämtern Grünberg, Ulrichstein und Burg-Gemünden. Dieser Konvent umfasste die Pfarreien Grünberg, Queckborn, Wirberg, Merlau, Nieder-Ohmen, Ulrichstein, Bobenhausen mit Sellnrod, Groß-Felda, Meiches, Stumpertenrod, Burg-Gemünden und Nieder-Gemünden.

Die gleichen Pfarreien bilden gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Inspektorat Grünberg. Der Inspektor war der geistliche Dekan. 1667 wurde der Konvent Grünberg wieder verändert, indem einige Pfarreien abgetrennt wurden und der Konvent Schotten entstand. Zu Grünberg zählen ab 1667 Grünberg, Queckborn, Wirberg, Merlau, Nieder-Ohmen, Burg-Gemünden und Nieder-Gemünden.

Wir sehen, wie auch in früheren Jahren die Bezirke der Dekanate immer wieder verändert wurden. Viele Pfarreien waren den Fürstentümern und Grafschaften unterstellt und hatten mit der Einteilung in der alten Landgrafschaft Hessen nichts zu tun.

1832 entstand durch Verordnung das Dekanat Grünberg mit 23 Pfarreien, das bis zum Jahre 1948 bestanden hat. In diesem Jahre bildete man neu das Dekanat Homberg (Ohm). Grünberg gab an Homberg die Pfarreien Burg-Gemünden, Deckenbach, Ehringshausen, Ermenrod, Homberg, Nieder-Gemünden, Nieder-Ohmen und Ober-Ofleiden. An das neu errichtete Dekanat Kirchberg gab Grünberg Winnerod.

Vom Dekanat Schotten kamen zu Grünberg: Laubach, Ruppertsburg und Sellnrod. So besteht Grünberg heute aus 17 Pfarreien: Ettingshausen, Freienseen, Groß-Eichen (Klein-Eichen), Grünberg I (Lutherbezirk), Grünberg II (Paulusbezirk), Lardenbach, Laubach I, (Laubach II heute unbesetzt), Londorf, Merlau, Münster, Ober-Ohmen, Odenhausen (Lda.), Queckborn, Ruppertsburg, Sellnrod, Wetterfeld und Wirberg.

Die älteste Kirche des Dekanates steht in Queckborn. Sie entstand aus der alten Burgkapelle und dem ehemaligen Festsaal der Burg. Nach dem Fischgrätenmauerwerk zu urteilen stammt dieser Bau aus dem 11. Jahrhundert. An dem kleinen Fenster rechts neben dem Haupteingang der Kirche, von dem nur die Sandsteinfassung erhalten ist, kann man Schwertschleifspuren sehen. Sie stammen von Rittern, die an Kreuzzügen teilnahmen und hofften, wieder in die Heimat zurückzukehren, wenn sie ihre Schwerter an diesem Kirchenfenster schleifen würden. Ähnliche Spuren weist auch die Tür des Domes zu Braunschweig auf.

Die jüngste Kirche des Dekanats ist die im Bau befindliche Kirche in Lehnheim, die wahrscheinlich in den nächsten Monaten (1970) fertig wird. Die Lehnheimer müssen zur Zeit nach Stangenrod in den Gottesdienst gehen.

Im Bereich des Dekanats sind zwei Gymnasien, die kirchliche Paul-Gerhard-Schule in Laubach und die Theo-Koch-Schule in Grünberg. Weiterhin besteht in Laubach das Laubachkolleg der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, das den für einen Beruf ausgebildeten jungen Menschen die Möglichkeit zur Erwerbung des Abiturs gibt. Die meisten Absolventen wenden sich dem Studium der Theologie zu.

Mittelpunktschulen mit Förderstufen und Realschulen bestehen in Grünberg, im Ohmtal zwischen Ruppertenrod und Ober-Ohmen, in Laubach und in Nieder-Ohmen, das man nennen muß, weil es mehrere Dörfer aus dem Dekanat Grünberg in seinem Einzugsbereich hat. Einzelne Dorfschulen hören durch die Zusammenfassung ganz auf zu existieren. Viele Gemeinden haben überhaupt keine Schule mehr. Die Kinder werden schon vom 1. Schuljahr an in das neue Gesellschaftssystem eingegliedert. Sie werden Pendler zwischen Wohn- und Schulort. Die meisten von ihnen bleiben das nach den jetzigen Voraussetzungen für ihr ganzes Leben.

Im Zuge der wachsenden Konzentration verschwanden aus Grünberg Finanzamt und Amtsgericht und aus Laubach das Amtsgericht. Ganz plötzlich kam die Grünberger Landwirtschaftsschule nach Gießen. An ihre Stelle trat später die Bildungsstätte des Deutschen Gartenbaus.

Der strukturelle Wandel, der durch die neuen Erwerbsmöglichkeiten nach dem zweiten Weltkrieg verursacht wurden, hat unsere Dörfer und Kleinstädte vollkommen umgewandelt. Die größeren Bauern zogen aus den Dörfern aus und bauten Aussiedlerhöfe, um die herum ihr Besitz angeordnet wurde. Der kleine Bauer kann seine Bauernstelle nur im Nebenerwerb betreiben. Er muss einen anderen Beruf annehmen, um leben zu können.

Den Frauen fällt die Hauptarbeit der Landwirtschaft zu. Wohl richtet sich der Mann so ein, dass er in der Erntezeit seinen Urlaub nimmt, aber immer klappt das auch nicht. Zwangsweise wird wohl durch die neueWirtschaftsstruktur der Kleinbauer verschwinden. Wo noch Alte in der Familie sind, wird der Kleinbetrieb aufrechterhalten, bis die Alten nicht mehr können. Dann wird sich auch hier eine ganz andere Lage ergeben. Wahrscheinlich werden die kleinen Betriebe sich notwendigerweise zusammenschließen müssen. Manche neuen Maßnahmen werden versucht. Man stellt die Landwirtschaft auf eine Erzeugung um. Der eine hat nur noch Kühe und Rinder. Der andere hält nur Schweine.

Manche Landwirte haben die Kühe ganz abgeschafft und müssen ihre Milch beim Nachbarn holen. Die Hühner findet man allmählich nur noch in den Hühnerfarmen. Der ausgelastete Landwirt hat für Hühnerzucht keine Zeit.

Ganz neu sind die Zusammenschlüsse von Verbänden und Genossenschaften, z. B. die Scheinemästerei in Queckborn. Sie ist in diesem Jahr gebaut worden und macht nun ihre ersten Schritte.

Der größte Teil unserer Dorfbewohner ist nicht mehr Landwirt, sondern übt einen anderen Beruf aus. Sie werden am Morgen abgeholt nach Frankfurt, Gießen, Offenbach, Grünberg, Friedberg und Laubach. In Grünberg sind einige neue Betriebe ansässig geworden. Der Aufschwung Grünbergs mag dadurch begründet sein, dass außer der Bahnlinie Gießen-Fulda drei Autobahnanschlüsse schnell zu erreichen sind: Atzenhain, Reinhardshain und Reiskirchen.

Kirche und Gemeindehaus unter einem Dach bieten für die Gemeinde und das Dekanat Grünberg viele Möglichkeiten. Für unsere Alten haben wir in Laubach das Altenheim und für Krankentransporte die DRK-Station mit Krankenwagen in Laubach.

Das Anwachsen der Einwohnerzahl im ganzen Dekanatsgebiet äußert sich auch dadurch, dass die beiden alten Apotheken in Laubach und Grünberg nicht mehr ausreichten und in Grünberg, Laubach und Mücke weitere entstanden. Ein Ferien- und Erholungslager der Arbeiterwohlfahrt bietet vielen Jugendlichen und Schulkindern Erholungsmöglichkeit. Die Sportschule bei Grünberg zieht ob ihrer herrlichen Lage viele Gäste an.

In mehreren Gemeinden sind Dorgemeinschaftshäuser entstanden. Sehr bekannt sind in Reinhardshain, Queckborn und Münster, das seit einigen Jahren zu den schönsten Dörfern im Bundesgebiet gehört.

Evangelische Gemeindehäuser finden wir in Ober-Ohmen, Grünberg, Queckborn, Ober-Bessingen und Göbelnrod. Am 14. Dezember wurde das neue Gemeindehaus in Londorf eingeweiht. Das allerneueste in Merlau ist noch im Bau. Verwaist ist die Pfarrei Groß-Eichen, die mitversehen werden muss.

Neben den Pfarrern sind sieben Lektoren für den Predigtdienst eingesetzt. Die neue Zeit wird manche Änderungen in den Bezirken der Pfarreien notwendig machen. Der Pfarrermangel wird einfach dazu drängen, Mittelpunktpfarreien einzurichten um von dort aus den einzelnen Kirchengemeinden zu dienen.

 

 

 

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