24. Januar 1961

Schulverband Laubach geplant

Nachdem die Planungen des Erweiterungsbaues der Laubacher Mittelpunktschule soweit fertig sind, rückt auch die Frage der Errichtung einer Mittelpunktschule immer näher. Aus diesem Grunde hatte Bürgermeister Desch die Schulleiter sowie Bürgermeister und Beigeordneten aus den betreggenden Gemeinden zu einer informatorischen Besprechung gebeten.

Als Problem wurde aufgeführt, dass die kleinen Gemeinden künftig außerstande seien, dem Landschulkind das zu bieten, was der heutige Lehrplan erfordere. Es mangele an den erforderlichen Räumen, die auch selbst neu errichtete Dorfschulen nicht hätten. Die Benachteiligung des Landkindes gegenüber dem Stadtkind werde jedem verantwortungsbewußten Erzieher klar und sei mit der Errichtung einer Mittelpunktschule künftig gelöst.

Die Einführung der Mittelpunktschule für Laubach sieht vor, dass die Kinder im Heimatort die ersten vier Grundschuljahre absolvieren, während das 5. bis 8. bzw. 9. Volksschuljahr die Mittelpunktschule besuchen. Zur Beförderung sind Schulbusse vorgesehen, die den Schulweg erleichtern und den Eltern keine finanziellen Lasten bringen.

In den nächsten Wochen werden die Orte Wetterfeld, Ruppertsburg, Röthges, Münster, Gonterskirchen, Freienseen, Lardenbach und Klein-Eichen und Laubach sich mit der Frage der Errichtung der Mittelpunktschule in Laubach beschäftigen. Die Versammlungsteilnehmer werden in der zweiten Märzhälfte in Laubach erneut zusammenkommen und gegebenenfalls den Schulverband gründen.

(bi/Gießener Freie Presse)

 
12. Januar 1961

Diebstähle

Im Zuge von anderen polizeilichen Ermittlungen konnten in den letzten Tagen mehrere Diebstähle festgestellt werden, die ein Jugendlicher und Heranwachsender aus der näheren Umgebung in einer Lardenbacher Gastwirtschaft seit einiger Zeit begangen hatten. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
06. Januar 1961

100 000-Volt-Leitung

Die Gefahr, dass das Landschaftsschutzgebiet am Kaiser und Tannenkopf, das Schwimmbad- und Campinggebiet durch die geplante 100 000-Volt-Leitung der "Preußen-Elektra" (Preußischen Elektrizitäts-AG) entwertet werden, ist abgewandt. Die Leitung wird vom Umspannwerk des Überlandwerks an der Lauterer Straße aus ein Stück ostwärts nach Lauter zu geführt und dann durch die Waldungen zwischen Grünberg und Lauter in Richtung Weickartshain-Storndorf-Lauterbach weiterlaufen. Der genaue Verlauf in der hiesigen Gegend soll am 16. Januar endgültig festgelegt werden.

Das ist das erfreuliche Ergebnis der Interessentenbesprechung, die sich am Freitag (6. Januar 1961) im Sitzungssaal des Rathauses mit der nicht ganz einfachen Materie befasste. "Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust, die Seele des Leiters der Kreisverwaltung, die um die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit elektrischem Strom besorgt sein muss, und die Seele des Landschaftsschützers, dem die Erhaltung der Heimatnatur am Herzen liegt." Mit diesen Worten etwa hatte der Leiter der Besprechung, Landrat von Schwrin, die Vertreter von Technik und Landschaftsschutz gebeten, sich um eine Einigung ehrlich zu bemühen. Diese Einigung wurde verhältnismäßig rasch erzielt.

Der Sprecher der Stadt Grünberg und der Grünberger Vereine, an der Spitze Bürgermeister Anschütz, betonten, von Landrat von Schwerin unterstützt, die 100 000-Volt-Leitung dürfe die örtlichen Landschaftsschutz- und Erholungsgebiete nicht berühren. 25 bis 30 Meter hohe Eisengittermasten, im Abstand von 300 Meter gesetzt und mit vielen, 7 bis 10 Meter über dem Erdboden durchhängenden Drahtseilen bewehrt, seien als allzustarker Eingriff in die Landschaft hier nicht am Platze.

Die Freiluftstation und die Zweifamilienwohnung für die Betriebsangehörigen, werden wie von der "Preußen-Elektra" vorgesehen, über dem Übungsplatz des Ländlichen Reit- und Fahrvereins am Tannenkopf-Südhang errichtet. Von hier aus nimmt die 100 000-Volt-Leitung den oben skizzierten Verlauf. Forstmeister Vetter billigte diese Linienführung vom forsttechnischen und forstwirtschaftlichen Standpunkt aus: Zwar werden im Randgebiet des Stadtwaldes durchAbtrieb für eine 60 Meter breite Schneise bestehende Bestände aufgerissen, doch sind größere Schäden durch Sonnenbrand oder Windbruch auf den Randstreifen kaum zu befürchten.

Von dem auf 4 ha geschätzten Abtrieb werden locker stehende hochwertige alte Buchen und einige Jungbestände betroffen. Für den Ausfall des Waldwertes hätte die "Preußen-Elektra" an die Stadt eine jährliche Pacht zu zahlen.

Bekanntlich führt der Trassenverlauf dieser 110-kV-Leitung quer durch die Gemarkung Klein-Eichen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
 
10. Dezember 1960

Genug Regen?

Sind die Folgen des Trockenjahres 1959 überwunden? Fragt der Grünberger Anzeiger zu Beginn des Dezembers 1960. Unsinn, wo doch schon seit dem Sommer (1960) die Himmelsschleusen fast ununterbrochen geöffnet sind. Wer denkt nicht an den verregneten Sommer, den übernassen Herbst und den Vorwinter mit seinen tagelang anhaltenden, oft wolkenbruchartigen Regenfällen! Alle Berufe, deren Werkstätten sich unter freiem Himmel befinden, hatten mehr oder weniger unter der nassen Witterung zu leiden, insbesondere die Landwirtschaft.

Seit August glaubte man allgemein, die Fehlbeträge an Niederschlägen aus dem Jahre 1959 seien im ganzen Bundesgebiet längst ausgeglichen. Doch wie verhält sich das in Wirklichkeit? Nach der Niederschlagsstatistik dieser zwölf Monate (1.11.59-31.10.60) ist dies nur in kleinen Gebieten der Fall. Gegenüber dem langjährogen Durchschnitt hatten Kassel, Gießen und Darmstadt zuviel Regen.

Im nördlichen Bundesgebiet gibt es noch sehr große Fehlmengen, während nur in einzelnen Teilen Süddeutschlands der Grundwasserstand ausgeglichen ist. Auffalend ist, dass im Raume Gießen und Kassel, im zweijährigen Mittel, auch ein hoher Regenüberschuß zu beobachten ist. Also, unser Gebiet hatte zuviel Regen im letzten Halbjahr. In der Landwirtschaft hat das teilweise einen katastrophenähnlichen Charakter angenommen.

An dem Dauerregen-Sonntag, dem 4. Dezember 1960, hatte Gießen zwischen 40 und 50 mm und Grünberg 67 mm Niederschlag. Der Grundwasserstand in einer Wiese bei Groß-Eichen, gemessen von der Landwirtschaftschule Grünberg, befand sich am 4. November noch 17 cm unter der Erdoberfläche, war jedoch am 6. Dezember erdbodengleich. Hoffen wir, dass es im nächsten Jahre vor allem Extreme wie 1959 und 1960 ausbleiben werden.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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