09. Juni 1960

Keine Tanzveranstaltungen am 17. Juni

Am 17. Juni, dem Tag der Deutschen Einheit, sind alle Tanzveranstaltungen verboten. Das Verbot gilt auch für Tanzveranstaltungen von geschlossenen Gesellschaften, wenn sie in Gaststätten oder in deren Nebenräumen stattfinden. Schließlich müssen an diesem Tag alle kabarettitischen Vorführungen und alle öffentlichen Umzüge, die dem Vergnügen oder der Unterhaltung dienen, unterbleiben. Sportveranstaltungen sind ab 14 Uhr zugelassen.

(hz)

 
02. Juni 1960

Ende der Strecke Mücke-Laubach-Hungen

Über die schon länger als zwei Jahre stilliegende Bahnstrecke Mücke-Hungen wurden in den letzten Tagen wieder einige Neuigkeiten bekannt. Vor kurzem baute ein Spezialtrupp der Bundesbahn die letzten Telefoneinrichtungen entlang dem Bahnkörper ab.

Nun soll das bahneigene Gelände mit sämtlichen Neben- und Schutzstreifen veräußert werden. Verschiedene Anlieger, die bisher durch die Bahnanlagen etwas eingeengt waren, interessieren sich dafür.

(ch/hz)

 
04. April 1960

Tragischer Unfall im Dorf

Ein zweijähriger Junge (Heiko Klös) fiel gestern (4. April 1960) nachmittag in einem unbewachten Augenblick in den vor der elterlichen Wohnung befindlichen Löschwasserteich und ertrank. Der Unfall ist um so tragischer, als die Mutter des Kleinen zur Erholung und der Vater in Hungen an seiner Arbeitsstelle bei der Bahnmeisterei weilte.

Mit den leidgeprüften Eltern Eltern trifft besonders die Großmutter dieses Unglück hart. Denn sie war beim Wäscheaufhängen, als der Junge trotz ihrer Warnung an den Teich lief. Als die Großmutter merkte, dass das Kind verschwunden war, suchte sie es zunächst auf der Straße. Erst später fand man den Kleinen im Teich. Nachbarn zogen ihn heraus, aber der herbeigeholte Arzt konnte leider nur noch den Tod feststellen. Die Mutter wurde umgehend nach Hause geholt.

(hz)

Fotos

 
23. März 1960

Mittelpunktschulen im Kreis Gießen

Seit im Herbst vergangenen Jahres die erste neue Gemeinschaftsschule des Kreises in Rödgen ihrer Bestimmung übergeben wurde, reißt die Diskussion über die Mittelpunktschulen nicht ab. Am weitesten fortgeschritten sind die Pläne für eine solche Schule in Reiskirchen. Aber noch in weiteren wichtigen Orten des Kreises und in umliegenden Gemeinden diskutieren Gemeindevertreter, Lehrer und Eltern zum Teil recht leidenschaftlich über eine Mittelpunktschule. Das Interesse ist jedenfalls stark gestiegen.

Der Gießener Kreisschulrat Dr. Grund weist darauf hin, dass sogenannte Gemeinschaftsschulen nicht erst eine Erfindung der letzten Jahre seien. Schulverbände gebe es schon seit vielen Jahren auch im Kreis Gießen. So würden die Kinder von Klein-Eichen in Lardenbach unterrichtet, die Kinder von Winnerod in Bersrod. Die Kinder des achten Schuljahres von Ruttershausen gehen jeden Tag nach Staufenberg und gleichfalls die Kinder des achten Schuljahres von Queckborn nach Grünberg.

Es ist also durchaus nicht so, dass jedes Dorf seine eigene Schule hat. Dr. Grund erinnerte an die Kirchspielschulen, die vor hundert, zweihundert Jahren bestanden und sicherlich eine Art Zentralschule waren. Jedoch sind Gemeinschaftsschulen nicht immer Mittelpunktschulen. Eine Gemeinschaftsschule ist schon, wenn sich zwei Dörfer zusammenschließen und aus ihren beiden einklassigen Schulen eine größere zweiklassige machen.

"Wenn sich zwei oder drei kleinere Schulen zusammenschließen, dann ist das noch keine Mittelpunktschule", so Dr. Grund. Die Mittelpunktschule habe ihr besonderes System, dessen Kern zukünftig die sogenannte Förderstufe sein werde. Nach den Schulreformplänen soll ja zukünftig das 5. und 6. Schuljahr die Auslese für die weiterführenden Schulen übernehmen. Und ohne diese Mittelpunktschulen wäre weithin auf dem Lande eine Förderstufe illusorisch.

In den Diskussionen auf den Dörfern kommt immer wieder zum Ausdruck, dass die heutige Landschule nicht mehr die Anforderungen erfüllen kann, die im Zeitalter der Technik von einer guten Schulbildung verlangt werden. Was habe die Landschule heute noch zu bieten. Die meisten haben z. B. keinen Werkraum und keine Küche. Es fehlen Schwimmbäder und ausreichende Turngelegenheiten. Auch die Ausstattung mit naturwissenschaftlichen Geräten und Hilfsmittel lasse zu wünschen übrig.

So fordere man doch immer wieder, dass auch das Landkind die gleichen Bildungschancen haben müsse wie das Kind in größeren gutgegliederten Schulen. Auch der Lehrer müsse sich spezialisieren. Ein Kind, das in eine gegliederte Schule gehe, begegne im Laufe seiner Schulzeit mehreren Lehrern - was ein Vorteil im Erzieherischen sei. Mittelpunktschulen seien ferner nötig, wenn man an die Einführung des neunten Schuljahres denke, sagt Dr. Grund weiter.

Viele Gemeinden stünden vor der Aufgabe, ein neues Schulhaus zu bauen. Schulen würden zwar vom Staat gefördert, doch richte sich der Zuschuß nach der Steuerkraft der Gemeinde und liege im Durchschnitt bei 25 Prozent der Baukosten. Für Mittelpunktschulen gebe das Land Zuschüsse in Höhe von rund 60 Prozent der Gesamtkosten.

Der Kreisschulrat ist überzeugt, dass die Entwicklung in der geschilderten Richtung weitergehen wird. Mittelpunktschulen szehen in den Gebieten um Grünberg, Laubach, Hungen, Lollar, Allendorf-Londorf und Watzenborn-Steinberg in der Diskussion.

(Ba/GAZ)

Fotos

 
16. Februar 1960

Pfarrer auf Lebenszeit

Pfarrvikar Eduard Klesy (*1929) in Groß-Eichen (und Klein-Eichen) ist von der Kirchenleitung unter Berufung zum Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau auf Lebenszeit mit Wirkung vom 16. Februar zum Inhaber der Pfarrstelle Groß-Eichen ernannt worden.

(epd/hz)

 
26. Januar 1960

Geburtstag 1950 und 1960

Am 26. Januar 1950, so berichtete die Grünberger Heimatzeitung, feierte Frau Wilhelmine Felsing, die älteste Bewohnerin des Dorfes, ihren 85. Geburtstag. Die Jubilarin erfreut sich noch der besten Gesundheit und bedient noch tagaus, tagein das Spinnrad. Auch beschäftigt sie sich noch eifrig im Haushalt.

Zehn Jahre später kann die Heimat Zeitung wieder über den Geburttag von Wilhelmine Felsing, geb. Triebert, berichten. Diesmal ist es der 95. Geburtstag. Die Jubilarin ist immer noch sehr rüstig und versieht in dem Haushalt ihres Sohnes Heinrich täglich leichte Arbeiten. Schon lange ist sie Witwe. Ihr Mann, der Wagner Heinrich Felsing, starb schon 1913. Wilhelmines ältere Tochter Emilie heiratete 1920 auf den Stockhäuser Hof.

Der Sohn Heinrich heiratete 1919 in Klein-Eichen Elise Maß aus Gleimenhain. Von denen hatte Wilhelmine 2 Enkel, Lina und Hermann. Der Enkel verlor aber schon 1944 im Krieg sein Leben. Wilhelmine Felsing, die gebürtig aus Kirschgarten stammt, nimmt noch regen Anteil am täglichen Geschehen.

(hz)

Fotos

 
23. Januar 1960

Abwasserverband und Kläranlage geplant

Im Dorfgemeinschaftshaus Stockhausen tagten (Januar 1960) die Gemeindevertreter von Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain und Stockhausen, um auf Veranlassung des Landrats die Möglichkeit der Erbauung einer gemeinsamen Kläranlage durch einen zu gründenden Abwasserverband zu erörtern. Die Aufsichtsbehörde war bei dieser Besprechung durch Reg.-Oberinspektor Stühler, das Wasserwirtschaftsamt Friedberg durch Reg.-Bauassessor Holländer und Reg.-Oberinspektor Puth vertreten.

Nach eingehender Aussprache stimmten die Gemeindevertretungen der Gründung eines Abwasserverbandes und der anteilmäßigen Kostenübernahme für die Planung der Zubringerkanäle und Kläranlage zu. Die Gemeindevertreter von Lardenbach, Weickartshain und Stockhausen fassten den Beschluß einstimmig, die Gemeindevertretung von Klein-Eichen bei einer Stimmenthaltung. Bürgermeister Jochim (Stockhausen) wurde durch einstimmigen Beschluß beauftragt, die weiteren Verhandlungen mit den Behörden zu führen. Das Wasserwirtschaftsamt wird Angebote von mehreren Tiefbau-Ingenieurbüros einholen.

Reg.-Oberinspektor Puth erläuterte Möglichkeiten des Verlaufs der Zubringerkanäle und der Klärbecken-Placierung. Hiernach wird der Zubringer von Weickartshain über die Seenbrücke in das Seenbachtal und talabwärts bis vor Stockhausen geführt. Die Abwässer von Lardenbach und Klein-Eichen könnten über den Berg gepumpt werden und sich an der Seenbrücke mit denen von Weickartshain vereinigen oder aber dem Lauf des Lardenbachs folgen und erst kurz vor Stockhausen in den von Seenbrücke kommenden Kanal münden. Welche Lösung gewählt wird, müssen später die genaueren Untersuchungen und Berechnungen ergeben. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf rund 300 000 DM geschätzt.

Von den Gemeinden die sich am Abwasserverband beteiligen wollen, ist bis jetzt nur Lardenbach voll kanalisiert. Weickartshain will demnächst seine Kanalisation fertigstellen, und auch Stockhausen und Klein-Eichen werden um die Erbauung eines Abwasserrohrnetzes nicht herumkommen. Die denkwürdige Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus Stockhausen wurde ausgelöst durch das Vorhaben der Gemeinde Weickartshain, ihre Abwasseranlage zu vollenden.

(hz)

 
19. Januar 1960

Neuer Kreislandwirt

Nach der Wahl des Kreisbauernverbandsvorsitzenden Albert Brückel (Lang-Göns) zum Kreislandwirt gratulierte Landrat von Schwerin dem neuen Kreislandwirt. Dieser rief in seiner Dankansprache zur Einigkeit auf und versprach, sich voll und ganz für die Belange der Landwirtschaft im Kreisgebiet einzusetzen. Als erster aus der Versammlung gratulierte Bürgermeister Jochim (Stockhausen) dem glücklicheren Gegenkandidaten.

Der neue Kreislandwirt, ein geborener Lang-Gönser, ist 66 Jahre alt. Er nahm an beiden Weltkriegen als Offizier, am zweiten zuletzt als Hauptmann teil. In Fachkreisen ist er als erfolgreicher Landwirt, Viehzüchter und Kartoffelsaatgutanbauer bekannt. Seit fünf Jahren ist er Vorsitzender des Kreisbauernverbandes.

Kreislandwirt Brückel bezeichnete es als sein vornehmstes Ziel, alle landwirtschaftlichen Betriebsgrößen und -systeme des Landkreises gleichmäßig zu vertreten. Als besonders förderungswürdig bezeichnete er die boden- und klimamäßig benachteiligte Grünlandwirtschaft, dass im Kreisgebiet stark vertretene Kleinbauerntum, die fachliche Ausbildung der Jugend in den Landwirtschaftsschulen Gießen und Grünberg und die rührige Landjugendorganisation.

(hz)

 

 

back top next