1919

Im Jahre 1919

Es herrschte Frieden, doch es war längst nicht überall friedlich. Die Siegermächte hatten sich in Paris zu Friedenskonferenzen zusammengefunden, um die Ordnung in Europa neu festzulegen.
Der Weltkrieg war gerade am 11. November 1918 mit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens von Compiègne zwischen Deutschland und Frankreich zu Ende gegangen. Er hat ca. 9 Millionen Tote gefordert.

Im Grünberger Anzeiger bedankte sich am 4. Januar das Fussartillerie-Regiment 27 bei den Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen für die erwiesene Gastfreundschaft während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes in den beiden Dörfern. Über Weihnachten und Neujahr hatten sich die Mannschaften einquartiert. Auf dem Rückzug von der Westfront wollten die Meisten nach Westpreußen und Posen.

An die Landbevölkerung waren Aufrufe ergangen den unzähligen zurückkehrenden Kriegern Arbeit, Nahrung und Wohnung zu geben. "Über allem muß jetzt die Forderung der Erhaltung unserer landwirtschaftlichen Kraft und der inneren Ruhe und Sicherheit stehen."

Die Zahlen der Gemeindeumlagen werden für das Jahr 1918 veröffentlicht. An Gemeindesteuern werden demnach für das Rechnungsjahr 1918 in Klein-Eichen 1800 Mark erhoben. In Lardenbach sind dies z. B. 5500 Mark. Und in Groß-Eichen 10500 Mark.

83 Prozent der Wahlberechtigten beteiligen sich an der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung. Die KPD hat sich der Wahl nicht gestellt, die USPD erreicht lediglich 22 Mandate. Sieger der Wahl sind die Sozialdemokraten mit 165 Mandaten. Frauen sind in Deutschland erstmals wahlberechtigt.
In Klein-Eichen bekommt die Deutsch Nationale Volkspartei mit 50 Stimmen den größten Zuspruch. Es folgt die Deutsche Demokratische Partei mit 23 Stimmen. Gefolgt von der Sozialdemokratischen Mehrheitspartei mit 17 Wähler. In Lardenbach zeigt sich die gleiche Rangfolge.

Der Grünberger Anzeiger kommentiert die Wahl folgendermaßen: "Wenn man jetzt die Listen der Wahlberechtigten mit der Zahl der Nichtstimmenden vergleicht, so muß einen eigentlich die starke Zahl der letzteren verblüffen. Sicher sind es auf dem Lande die bejahrten Frauen, denen es gar nicht in den Sinn will, wozu sie den Stimmzettel abgeben sollen, und die von der Bedeutung der Wahl nichts verstehen. Es gibt aber auch eine Anzahl männlicher Personen, die sich in die neue Zeit nicht finden wollen und so ihren Mißmut durch Fernbleiben von der Wahlurne bekunden."

Der Staatenausschuss beschließt in Weimar die Einführung von Schwarz-Rot-Gold als Nationalfarben.

Nach einer Bekanntmachung des Staatssekretärs des Reichspostamtes treten infolge der Demobilmachung die den Heeres- und Marineangehörigen gewährten Portovergünstigungen für Feldpostsendungen außer Kraft - das Ende der Feldpostbriefe.

"Nach Berliner Meldungen soll auch im laufenden Jahre die Sommerzeit wieder eingeführt werden. Ihr Beginn ist für Montag, den 14. April vormittags 2 Uhr, ihr Ende für Montag, 15. September, vormittags 3 Uhr, in Aussicht genommen. Da sich die Einrichtung im Kriege allgemein bewährt hat, wird man den neuen Entschluß nur begrüßen dürfen."

"Das Ministerium des Inneren hat verfügt, dass die Abhaltung öffentlicher Maskenbälle in diesem Jahre mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit von den Polizeibehörden durchweg nicht zu genehmigen ist. Da auch im Hinblick auf die Kohlennot und die Einschränkung des Lichtverbrauchs eine Beschränkung der Dauer der öffentlichen Tänze überhaupt erforderlich ist, so können Tanzerlaubnisscheine für die Folge nicht länger, als die Feierabendstunde dauert, erteilt werden. Auch Privatvergnügungen haben sich hiernach zu richten, andernfalls kann entsprechende Entziehung des Lichtverbrauchs eintreten." In diesem Jahr gab es im Dorf noch keine elektrische "Lichtverbraucher".

"Als vor einiger Zeit die Soldaten auf ihrem Rückmarsche für ihre Pferde in den Ortschaften Heu aufkauften, wurde ihnen solches für 12 Mark für den Zentner abgelassen. Damals glaubte man, dieser Preis werde nicht mehr übertroffen. Jetzt werden sogar für den Zentner 36 Mark und darüber bezahlt. Eine ähnliche Preissteigerung hat nun auch für die Pferde stattgefunden. Von den Soldaten konnte man ein Paar Pferde für 170 Mark erstehen, jetzt kosten diese bei einer Versteigerung zu Laubach 800 bis 1500 Mark."

"Amtlichen Mitteilungen zufolge nehmen die Geheimschlachtungen derart überhand, dass der Bestand an Schlachtvieh in Kürze aufgebraucht ist. Zur Sicherstellung des Fleischbedarfs für die nicht auf Schleichhandelswegen zu versorgende Bevölkerung sind demzufolge überaus scharfe Einfriffe in die Zucht- und Nutzviehbestände der Provinz Oberhessen unausweichlich."

Im Kreis Schotten wurden für die Zeit vom 1. April 1919 bis 1. April 1922 die Kommandanten der Pflichtfeuerwehr ernannt. In Klein-Eichen ist dies Eduard Zimmer. Zu dessen Stellvertreter ernannt wurde Ludwig Ernst Zimmer (?). In Lardenbach ist Heinrich Schneider Kommandant und Stellvertreter Wilhelm Keller.

Der 1. Mai ist zum ersten mal in Deutschland Feiertag. Aber nur in diesem Jahr, da er an den Abstimmungen scheiterte.

Das hessische Landesernährungsamt bestimmt, dass jegliche Ausfuhr von Pferden aus dem hessischen Staatsgebiet verboten ist. Der Versuch der Ausfuhr ist strafbar. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen werden mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.

Zu der Gemeindewahl gibt es in Klein-Eichen einen gemeinsamen Wahlvorschlag: Wilhelm Felsing, Wilhelm Zimmer 2r, Karl Mölcher, Heinrich Eckhardt, August Zimmer, Ernst Faust, Ernst Zimmer, Eduard Zimmer, Otto Volp, Heinrich Müller, Karl Dörr und Ludwig Krieger.

Die deutsche Delegation unterschreibt am 28. Juni unter Protest den ihr vorgelegten Friedensvertrag von Versailles, welcher formell den Ersten Weltkrieg abschließt. Zugleich wird im Vertragswerk die Satzung des entstehenden Völkerbundes akzeptiert. "Unmittelbar nach Friedensschluss beginnen die Heimbeförderungen der deutschen Kriegsgefangenen. Zur Durchführung dieser gewaltigen Aufgabe wurde das Deutsche Reich in sieben Gruppen aufgeteilt. Der Gruppe Rhein in Bad Homburg fällt der bedeutensde Anteil zu, da die Stadt infolge ihrer zentralen Lage die Heimführung aller auf französischem, belgischem Boden in französischer, belgischer, englischer und amerikanischer Hand befindlichen Gefangenen regeln soll.

"In den letzten Tagen (Juli 1919) konnte man im Seenbachtal Leute aus Frankfurt oder der Umgegend von Frankfurt beobachten, die Seife, Schokolade, Reis und andere schöne Sachen zum Verkauf anboten. Bemerkenswert dabei war, dass sie keine Lebensmittel, sondern nur Geld in Zahlung haben wollten. Direkt auffallend war, dass sie die Waren zum Teil ganz dringend anboten, und wenn die Leute nicht kaufen wollten, sogar unverschämt wurden. Scheinbar haben diese Herren Schleichhändler noch größere Posten und Bestände und befürchten jetzt, wegen der Aufhebung der Sperre ein rasches Sinken der Preise. Die Hamsterpreise für Eier und Butter sind ja schon seit 14 Tagen gefallen, zum größten Verdruß so manches Wucherers."

"Heute (22. Juli) ereigneten sich auf dem Eisensteinbergwerk "Luse" in unserer Nachbarschaft zwei ernste Unfälle. Im Stollen wurde ein Bursche von herunterstürzenden Erdmassen verschüttet. Es gelang, ihn zu befreien; er war anfänglich bewußtlos, erholte sich aber bald. Der andere Unfall traf eienen Bergmann aus Sellnrod an der Kreissäge. Von dieser löste sich ein Stück Holz und flog dem Manne mit solcher Wucht an den Kopf, daß er verletzt in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte."

Mit 262 Ja- zu 75 Nein-Stimmen wird die "Weimarer Verfassung" von der Nationalversammlung verabschiedet. Es ist die erste parlamentarisch-demokratische Verfassung Deutschlands.

Die Hauptkörung (Auswahl der Tiere für die Zucht) der Gemeindebullen, Eber und Ziegenböcke für 1919 soll im Kreis Schotten vorgenommen werden. Am 1. August nachmittags wird dies um 3 Uhr in Klein-Eichen sein und um 3.30 Uhr in Lardenbach.

Erst seit Oktober diesen Jahres fanden in der Klein-Eichener Kirche regelmäßig alle 2 Wochen Predigtgottesdienste mit dem Pfarrer statt. Robert Staubach war der Pfarrer für Groß- und Klein-Eichen.

"Die Zahl der Kriegsopfer unserer Kirchengemeinde (Lardenbach mit Stockhäuser Hof und Solms-Ilsdorf) beträgt einschließlich eines seit September 1914 Vermißten 22. In Gefangenschaft gerieten 7 Gemeindemitglieder. Aus russischer, englischer und französischer Gefangenschaft ist je ein Gefangener zurückgekehrt, vier warten noch in Frankreich auf ihre Heimkehr."

Ein weiters Mal wurde Christian Hoffmann zum Bürgermeister Klein-Eichens gewählt.

(Grünberger Anzeiger)

 
1918-1919

Kriegsende 1918-1919

Vor 100 Jahren, am 11. November 1918 findet die Unterzeichnung des Waffenstillstands statt. Noch am selben Tag schweigen die Waffen. Der blutige (Erster Welt-) Krieg hat über zehn Millionen Menschenleben gekostet, davon zwei Millionen auf deutscher Seite, und unendliches Leid erzeugt. Die militärische Niederlage besiegelt das Ende des Kaiserreiches.

Durch Aufzeichnungen in den Kirchenchroniken von Groß-Eichen und Lardenbach sind einige Momente dieser Zeit aus unseren Dörfern festgehalten worden. Pfarrer Robert Staubach betreute von 1906 bis 1924 das Kirchspiel Groß- und Klein-Eichen. In Lardenbach war August Weinberger von 1888 bis 1926 Pfarrer. Beide haben Ereignisse aus ihrer Pfarrei aufgeschrieben.

So berichtete Pfarrer Staubach vom "Abbruch" des Krieges und dem Rückzug der Truppen. Diese berittenen Truppen zogen öfters durch die Dörfer. Die 80. Division nahm in Groß-Eichen ihr Standquartier. Am 1. Weihnachtstag sorgte die Kapelle des 264. Infanterie-Regiments während des Hauptgottesdienstes für ein schönes Platzkonzert. Am 27. Dezember zogen sie dann weiter.

Der Lardenbacher Pfarrer Weinberger schreibt dagegen von einem "Unglücklichen Kriegsausgang". "Der Krieg nahm für uns , nachdem wir so lange einer Welt von Feinden Trotz geboten, schließlich doch einen unglücklichen Ausgang. Was hauptsächlich begründet ist in dem Eingreifen der Amerikaner, der Uneinigkeit, dem Sittenverfall, Wucher und Mammonsdienst, die in unserem Volk mehr und mehr überhandnehmen."

Weiter zeigt sich Weinberger sehr politisch: "Am 9. November brach dann, was das Schlimmste war, die Revolution aus. Der Kaiser und die anderen deutschen Fürsten entsagten dem Thron. Die Sozialdemokraten, die alles schon lange im Stillen vorbereitet hatten, rissen die Gewalt an sich und richteten Republiken ein." Diese Revoluzer seien von den Bolschewisten aus Russland unterstützt worden "zur Entfachung der Weltrevolution".

Über den Rückmarsch der Truppen schrieb Weinberger: "Der Rückzug des Heeres vollzog sich von November (1918) an im allgemeinen in Ordnung. Wir hatten zur Bewillkommnung Ehrenpforten am Dorfeingang (von Lardenbach) errichtet und hie und da noch Girlanden angebracht. Es zogen gewaltige Truppenmassen mit Geschützen, Wagen und Kolonien durch, was oft stundenlang dauerte. Den Ersten wurde Obst, Kuchen und Brot reichlich dargeboten. Sie (die Truppen) zogen meist über Ulrichstein Richtung Fulda. Mitunter auch von Musik begleitet. Die Pferde sahen oft gar mager und elend aus."

"Anfang Dezember (1918) bekamen wir, wie alle Dörfer der gegend, starke Einquartierungen. Zuerst wechselte die rasch. Das letzte, dass 3. Batallion , behielten wir drei Wochen lang über Weihnachten und Neujahr. Die Mannschaften waren meist aus Westpreußen und Posen. Unsere Leute bemühten sich wohl alle, soweit es ihnen möglich war."

"Die Soldaten hätten nur dem Ernst der Zeit mehr Rechnung tragen müssen. Sie nahmen auf die um Gefallene Trauernden kaum Rücksicht. Sie tanzten mit den Mädchen öfters im Wirtshaus und kamen spät in ihr Quartier. Die Disziplin hatte sich schon sehr gelockert, so dass die Vorgesetzten keinen leichten Stand hatten."

"Weihnachten feierten die Soldaten mit uns. Am Abend des ersten Festtages begrüßte der Pfarrer die heimgekehrten Krieger unseres Kirchspiels zusammen mit hier einquartierten im Gottesdienst, wo der Lichterglanz des Christbaumes und unsere alten schönen Lieder das trübste Christfest, das wir gefeiert, verschönte und erhellte. Am zweiten Feiertag Abend versammelte sich nochmal die Gemeinde sehr zahlreich in der Kirche.

Der eigentliche Friedensvertrag wurde in Versailles am 28. Juni 1919 unterzeichnet. Das Oberkonsitorium der Evangelischen Kirche ordnete einen Gottesdienst am 6. Juli an, in dem diesem Frieden gedacht werden sollte. Am Schluß dieses Gottesdienstes erklang ein viertel Stündiges Trauer- und Bußgeläut. So Pfarrer Staubach.

Im Laufe des Novembers 1919 kehrten unsere in englischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Kameraden nach Groß-Eichen zurück, schreibt Pfarrer Staubach. Zu der Zeit wartete man noch auf die sich in französischer Gefangenschaft befindlichen Soldaten. So auch auf Wilhelm Dörr aus Klein-Eichen. Dessen Bruder mußte noch im April 1918 in Frankreich sein Leben lassen.

Fotos

 
11. November 1918

Ende des 1. Weltkrieges

Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt. Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch ihn ihr Leben. Er begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, der das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni 1914 und die dadurch ausgelöste Julikrise vorausgegangen waren. Er endete am 11. November 1918 mit dem Sieg der Kriegskoalition. Wichtige Kriegsbeteiligte waren Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien einerseits sowie Frankreich, Großbritannien und das Britische Weltreich, Russland, Serbien, Belgien, Italien, Rumänien, Japan und die USA andererseits. 40 Staaten beteiligten sich am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte, insgesamt standen annähernd 70 Millionen Menschen unter Waffen.

Mit großem Nationalstolz zogen die Soldaten in den Krieg. Die Bildtafeln der Kriegsteilnehmer waren weit verbreitet. Durch das gemeinsame Kirchspiel von Groß- und Klein-Eichen waren hier Soldaten beider Dörfer abgebildet. Opfer forderte dieser "Große Krieg", wie ihn die Franzosen nennen, in allen Städten und Dörfern. Auf dem Klein-Eichener Friedhof, auf dem Denkmal, stehen die Namen der vier Soldaten, die ihr Leben in diesem ersten Weltkrieg lassen mussten.

Karl Schütz (+1916) wohnte zuletzt im Hinterdorf im "Horste-Haus" (später Träger und Kraft). Er ist nicht auf der Bildtafel der Kriegsteilnehmer vertrten.

Karl Dörr (+1918) stammte aus "Schmitz-Haus"(Dittrich). Er war der Bruder von Wilhelm Dörr, dem Großvater von Norbert Dittrich. Ebenfalls nicht auf der Bildtafel.

Hermann Zimmer (+1918) stammte aus "Zimmers-Haus" (Purr). Seine Schwester Anna ist die Mutter von Heinrich Frank.

Heinrich Felsing (verm. 1916) lebte im Hinterdorf im "Woarsch-Haus" (Becker/Langstroff). Er war der Großonkel von Inge Lein.

Fotos

 
02. Mai 1916

Gewitter

Am 2. Mai 1916 hat ein schweres Gewitter in Lardenbach, Klein-Eichen, Seenbrücke und Stockhäuser Hof vier Blitzeinschläge verursacht ohne jedoch besonderen Schaden anzurichten. So berichtete der Grünberger Anzeiger in seiner Ausgabe vom 5. Mai. In Lardenbach schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Knöß und zündete. Da sofort Hilfe zur Stelle war, gelang es, dank der Wasserleitung, die sich hier zur Verhütung eines großen Schadenfeuers wieder einmal sehr nützlich erwies, den Brand im Keime zu ersticken. Glücklicherweise fanden sich an der Stelle, wo der Blitzstrahl niederging, nicht viel brennbare Gegenstände, sodaß das Feuer keine Nahrung fand.

In Klein-Eichen schlug der Blitz in einen Apfelbaum. Auf dem Stockhäuser Hof ging ein Blitzstrahl auf einem Acker in der Nähe eines dastehenden Wagens zur Erde und riß eine lange Furche in den Erdboden. Auf der Seenbrücke ging der Blitzstrahl in eine junge Eiche. Die vier Blitzschläge gingen in einem Umkreise von kaum einer halben Stunde nieder.

 
07. März 1916

Jahresbeginn 1916

Im dritten Jahr des 1. Weltkriegs offenbarte sich die Kriegsmüdigkeit der Armeen. Die Knochenmühle von Verdun forderte Menschenopfer ohne Ende, auf beiden Seiten. Jede Angriffsoperation war mit großen Verlusten verbunden. Auch die Zivilbevölkerung wurde immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Die männlichen Arbeitskräfte wurden an der Front als Kanonenfutter eingesetzt. So nahmen Frauen die Arbeitsplätze der Männer ein. Durch den Ausfall von Einfuhren hungerten die Menschen in Deutschland.

Für die Landbevölkerung im Vogelsberg endete jedoch die Petroleumnot. Zum erstenmal seit einem Jahr sind in den Häusern die Petroleumlampen wieder gefüllt. Die Qualität des jetzt im Handel zu bekommenden Steinöls ist besser als das vorherige aus Rumänien. Aber es riecht stärker als das amerikanische Petroleum. Das Karbidlicht ist im Moment nicht mehr gefragt.

Die Großherzogliche Regierung hat die Erweiterung des Schlachtverbotes angeordnet und verfügt, dass um die Versorgung der hessischen Städte mit Fleisch-, Milch- und Vieherzeugnissen zu schützen, der Verkauf und das Schlachten von Milchkühen und jungen Rindern bis zu einem Alter von zwei Jahren verboten ist. Der Ankauf von Jungvieh und Milchkühen zur Schlachtung in Hessen und das außer Landes bringen ist ebenfalls verboten. Das Schlachten von eingeführten Tieren ist erlaubt.

Der Bundesrat hat im März eine Verordnung erlassen, dass bei der Enteignung von Kartoffeln der Höchstpreis für die Tonne um 30 Mark zu kürzen ist. Der Höchstpreis für Kartoffeln beim Verkauf durch den Erzeuger im Großhandel in Hessen hat 96 Mark für die Tonne zu betragen. Der Preis für den Doppelzentner inländischer Frühkartoffeln darf beim Verkauf durch den Erzeuger 20 Mark nicht überschreiten. Als Frühkartoffeln gilt die Ernte, die vor dem 15. August 1916 geliefert wird.

Klein-Eichen hat sein erstes Opfer zu beklagen. Am 24. Februar 1916 kommt Karl Schütz (Hinterdorf) ums Leben. Die weiteren Umstände sind nicht bekannt. Einige Tage vorher erhielt der Musketier Otto Keller aus Lardenbach das Eiserne Kreuz zweiter Klasse für tapferes Verhalten vor dem Feinde in Galizien von Seiner Majestät dem Kaiser persönlich überreicht. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse hatte auch schon sein Bruder Wilhelm erhalten.

(GA)

 
18. November 1915

Die Verbreitung der Karbidlampe im Weltkrieg

Der Grünberger Anzeiger berichtete im Herbst 1915: "In unseren Ortschaften hat jetzt die Karbidlampe eine ungeahnte Verbreitung gefunden. Sie tritt an Stelle der altgewohnten Petroleumlampe. Da das Petroleum nicht in dem Maße geliefert werden kann, wie es das Bedürfnis erheischt, so brennt man Karbid.

Die anfänglichen Karbidlampen waren aus Messing, Nickel und anderem Metall. Da diese Metalle beschlagnahmt worden sind, so werden sie jetzt aus anderen, billigeren Metallen hergestellt. Die Lampen sind aber nicht billiger, sondern teurer geworden. Das macht die Nachfrage. Es hat auch das Karbid eine Teuerung erfahren, die in dieser ernsten Zeit der Verteuerung der Lebensmittel auffällt.

Im vorigen Jahre kostete die Tonne Karbid 25 Mark, jetzt kostet sie über 40 Mark. also eine Verteuerung um fast das Doppelte. Hier ist die Frage wohl nicht unbegründet, ob denn gleich ein Brennstoff, der doch aus der Steinkohle hergestellt wird, eine solche Teuerung erfahren muß. Die starke Nachfrage kann allein eine solche Verteuerung nicht erklären."

Das zweite Kriegsjahr, 1915, verdeutlichte dass der Krieg noch länger andauern würde. Im Prinzip konnte keine Seite in diesem Jahr wesentliche Erfolge erzielen. Die Fronten waren verhärtet. Der Stahlhelm löste im deutschen Heer die Pickelhaube nach und nach ab. Der erste Gasangriff erfolgt bei Ypern durch Abblasen von Chlorgas aus Druckgasflaschen.

Im November schreibt der Grünberger Anzeiger: "Die Karbidlampe, die jetzt fast allgemein an Stelle der Petroleumlampe auf dem Land getreten ist, vermag diese nicht völlig zu ersetzen. Wohl brennt das Karbidlicht heller, blendender als das Petroleumlicht, aber ihm fehlt die Gleichmäßigkeit und die Beständigkeit des letzteren.

Wenn die Karbidlampe angezündet ist, dann leuchtet sie am hellsten. Der Karbidbehälter wird naturgemäß mit der Brenndauer wärmer, ja heiß. Diese Hitze beeinträchtigt aber die Leuchtkraft der Flamme, sie wird röter und matter. Eine Erschütterung der Lampe durch einen Stoß bringt dann ein vorübergehendes Anwachsen der Flamme.

Oft übersieht man die Pflege des Brenners bei der Karbidlampe. Die Flamme darf nie von selbst erlöschen, sondern muß ausgeblasen werden. Andernfalls verrußt der Brenner, und die Lampe leuchtet nicht. Zählt man noch die Behandlung der Karbidlampe hinzu, die tägliche Reinigung erheischt, so versteht man das Urteil, das da leutet: Die Karbidlampe ist ein Notbehelf."

Eine Karbidlampe ist eine Gaslampe, in welcher der Brennstoff in chemisch gebundener Form transportiert und erst kurz vor der Verbrennung in Gas umgewandelt wird. Der Körper der Lampe besteht aus zwei übereinander angeordneten Behältern. Im unteren Behälter der Lampe befindet sich Calciumcarbid, auf das aus dem oberen Behälter Wasser tropft. Das entstehende Ethin-Gas verlässt den unteren Behälter durch eine kurze Rohrleitung, die in einem Brenner endet, der vor einem Hohlspiegel aus Metall fixiert ist. Das entweichende Gas wird am Brenner entzündet. Die grelle Flamme wird vom Spiegel fokussiert und zur Beleuchtung genutzt.

(GA/wiki)

 
13. Oktober 1915

Erster Weltkrieg im Herbst 1915

Das zweite Kriegsjahr zeigte, daß es sich nicht um einen Krieg von wenigen Wochen handeln würde. Keine Seite konnte in diesem Jahr wesentliche Erfolge erringen. Alle waren damit beschäftigt, ihre Infrastruktur auf eine Kriegsproduktion umzustellen. Noch zu Kriegsbeginn war das Haupttransportmittel für Mensch und Material das Pferd. Im Sommer begann der deutsche Angriff auf Rußland, der bis zum Herbst zur Besetzung Russisch-Polens führte. Und im Oktober erfolgte der deutsch-österreichische Angriff auf Serbien. Bis November war das Land besetzt und besiegt.

Nachdem sich schon bald nach Kriegsbeginn herauskristallisierte, dass es mit einem schnellen Sieg nichts werden würde, musste man sich in Deutschland Gedanken machen, wie die Rüstungsindustrie am Laufen gehalten werden konnte. Gerade die sich abzeichnenden Materialschlachten an Ost- und Westfront und die englische Seeblockade offenbarten die Notwendigkeit für das deutsche Militär, neue Rohstoffquellen für sich zu erschließen.

Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hatte daher zwei Verordnungen erlassen, die am Rathaus in Grünberg ausgehängt und im Grünberger Anzeiger abgedruckt wurde. Dabei ging es um die Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. Dies betraf Geschirr und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben, Waschkessel, Türen und Kachelöfen und Kochmaschinen bzw. Herde. Auch Badewannen und Warmwasserbehälter mussten gemeldet werden.

Ebenso meldete der Grünberger Anzeiger am 13. Oktober 1915, dass aus der Gemeinde Klein-Eichen 17 Mann unter den Fahnen stehen. Und das bis zu diesem Zeitpunkt noch alle gesund seien. Nur einer hatte eine Verwundung erlitten.

 
27. Juli 1915

Landwirtschaft und Kohlweißling

Vor 100 Jahren, im Sommer 1915, hat die Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen an die hiesigen Landwirte appelliert, für den langen Winter zu sorgen und Vorräte einzusammeln für die Erhaltung und Vermehrung des Viehstandes. Dies habe gerade im gegenwärtigen Kriegsjahr eine besondere Bedeutung wegen der Fleischversorgung der Bevölkerung. Ein vorsichtiger Landwirt mache bei Beginn der neuen Ernte seine Scheunen nicht leer. Er behalte vielmehr einen Vorrat für die spätere Zeit, da er nicht wisse, was die Witterungverhältnisse bringen. Deshalb sollten die Landwirte ihre alten Heu- und Strohvorräte sorgsam hüten und nicht abstoßen. Das Heu sei eines der wichtigsten Futtermittel im landwirtschaftlichen Betrieb in der Zukunft.

Unterdessen entwickelten die Schüler Lardenbachs und Klein-Eichens auf Anregung ihres Lehrers in der Vertilgung des massenhaft auftretenden Kohlweißlings lobenswerten Eifer. Sie hätten bis jetzt über 15000 Stück gefangen. Als Lohn erhielten sie Hefte mit schönen Erzählungen.

Auf den Feldern oder in den Gärten war der Kohlweißling nicht gerne gesehen. Die Raupen dieses Schmetterlings fressen Kohl u. a. bis auf den Strunk kahl. Daher gab es solche Aktionen bei denen die Schulkinder gegen solche Plagen eingesetzt wurden.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. März 1915

Januar, Februar und März 1915

Seit mehr als einem halben Jahr tobte der Erste Weltkrieg. Krieg ist im Osten und Westen. An Land, in der Luft und auf dem Wasser. Während aus Klein-Eichen bis dahin noch kein Soldat ums Leben kam, sind schon zwei Lardenbacher in diesen ersten Monaten umgekommen.

Im Januar findet die Reichswollwoche statt. Warme Unterwäsche für die deutschen Truppen werden gesammelt. Der deutsche Bundesrat rät zu einem sparsamen Umgang mit Nahrungsmitteln. Im Februar wird vom Bundesrat beschlossen, dass alle deutschen Hafervorräte beschlagnahmt werden sollen.

Zu Beginn des Jahres wird in Grünberg in der Turnhalle ein Lazarett eingerichtet. Die Ausstattung dazu, wie Betten und Wäsche wird gesammelt. Ebenfalls an die "Opferwilligkeit" aller Grünberger Bewohner und der umliegenden Orte wird vom Roten Kreuz appeliert Kartoffeln, Gemüse, Eier, Butter, Milch, Honig, Gelee und Kolonialwaren jeder Art zur Verfügung zu stellen.

Nachdem in Bobenhausen II, Groß-Eichen, Laubach, Sellnrod und Schmitten die Maul- und Klauenseuche erloschen und die vorschriftsmäßig ausgeführte Desinfektion abgenommen worden ist, sind die angeordneten Maßnahmen über Sperrbezirke wieder aufgehoben worden. Der Kreis Schotten gilt damit als frei von Maul- und Klauenseuche. Allerdings bilden die Gemarkungen Groß-Eichen, Klein-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Sellnrod, Schmitten und Freienseen wegen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Weickartshain ein gefährdetes Gebiet.

Anfang Februar wird im Grünberger Anzeiger gemeldet: " Die Bewohner der Dörfer, die noch nicht mit einer elektrischen Lichtzentrale vebunden sind und auch nach Lage der Zeit eine solche in absehbarer Zeit nicht erhalten, sahen sich gezwungen, nach einem Ersatz des mangelnden Petroleums sich umzusehen. Der wird jetzt voll geboten in den "Karbid-Lampen". Diese Acetylen-Tischlampen, wie man sie jetzt überall bekommen kann, ersetzen nicht nur die alt gewordenen Petroleumlampen, sondern übertreffen sie an Leuchtkraft und stellen sich im Gebrauch nicht teurer wie Petroleum."

"Für den Kreis Schotten sind Höchstpreise für Roggenbrot, Schweinefleischware und Kartoffeln festgesetzt worden. Hiernach darf der Preis für den vierpfündigen Laib Brot 70 Pfg. nicht übersteigen. Die Höchstpreise für Schweinefleischware sind: Bauchfleisch 90 Pfg., Bratfleisch 95 Pfg., Kotelettfleisch 1 Mark, Speck 1,20 Mark, Blutwurst 80 Pfg. und geräucherte Leberwurst 1 Mark. Für Speisekartoffeln verschiedenster Sorten darf der Preis für den Doppelzentner bester ausgelesener Kartoffeln bei freier Lieferung 7 Mark nicht übersteigen. Diese Festsetzungen gelten auch für Verkäufe nach Orten außerhalb des Kreises Schotten, ohne Rücksicht darauf, ob diese dem Großherzogtum Hessen angehören oder nicht."

"Die Musterung und Aushebung sämtlicher in den Jahren 1875 bis 1884 geborenen Pflichtigen, welche von einer Ober-Ersatzkommission die entgültige Entscheidung "Landsturm mit Waffe" oder "Landsturm ohne Waffe" erhalten haben und die früheren ungedienten Ersatz-Reservisten, die infolge ihres Alters inzwischen zum Landsturm übergetreten sind, findet im Kreis Schotten am Mittwoch den 17. Februar 1915 vormittags 8 1/2 Uhr im Rathaussaale zu Schotten statt. Das gilt für die Gemeinden Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Höckersdorf, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach und Laubach."

"Landwirtschaftliche Versammlung in Groß-Eichen: Am Montag den 8. März findet in Groß-Eichen eine Versammlung statt, in welcher Ökonomierat Spieß aus Friedberg einen Vortrag über das Thema "Der deutsche Bauersmann und der Weltkrieg" mit anschließender Besprechung halten wird. Zu der Versammlung, die um 8 Uhr abends im Saale des Gastwirtes Ed. Rahn beginnt, sind alle Freunde der Landwirtschaft eingeladen. Die Versammlung wird in erster Linie für die Gemeinden Groß-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach und Klein-Eichen veranstaltet."

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17. Oktober 1914

Maul- und Klauenseuche

Vor 100 Jahren, im Oktober 1914 ist in Klein-Eichen und Lardenbach die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die beiden Dörfer bildeten einen Sperrbezirk. Einige Tage später in diesem Monat, am 17. Oktober, kamen die Dörfer Merlau und Sellnrod hinzu. Diese Viruserkrankung war lange, gerade bei Landwirten gefürchtete, immer wiederkehrende Seuche beim Vieh. Selbst der Viehmarkt des Grünberger Gallusmarktes fand in dieser Zeit des 1. Weltkrieges wegen der Maul- und Klauenseuche nicht statt.

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Rindern und Schweinen und ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Auch andere Paarhufer wie Rhe, Ziegen und Schafe, aber auch Elefanten, Ratten und Igel können sich infizieren. Pferde sind nicht für MKS anfällig. Eine Infektion des Menschen tritt gelegentlich auf.

Die durch eine Infektion mit dem Virus ausgelöste Maul- und Klauenseuche tritt in der Regel lokal auf und das Virus wird in erster Linie durch Kontakt- wie durch Schmierinfektion bei direktem Kontakt mit infizierten Tieren, mit kontaminierten Pferchen oder Viehtransportfahrzeugen übertragen. Allerdings kann das Virus auch durch die Luft verbreitet werden.

Da Menschen nur sehr selten infiziert werden, die Seuche sich aber unter Tieren äußerst schnell ausbreitet, ist MKS vornehmlich eine gravierende Bedrohung für die Landwirtschaft. Wie diese Erkrankung damals ausging ist leider nicht überliefert.

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01. Dezember 1913

Amtliche Viehzählung 1913

Die zweite amtliche Viehzählung im Kreis Schotten fand im Dezember 1913 statt. Im Gegensatz zu vor einem Jahr gab es in Klein-Eichen 7 Stück Rindvieh mehr, nämlich nun 222. Im Nachbarort Lardenbach steigerte sich die Zahl des Rindviehs deutlicher. Um 73 Stück nahm dort der Bestand auf 354 zu. Von der Gesamtzahl des Rindviehs gab es in Klein-Eichen 129 Kühe. Und in Lardenbach waren es 203 Kühe.

Die Anzahl der Schweine war in beiden Dörfern nur etwas geringer als die des Rindviehs. In Klein-Eichen waren dies 213 Schweine. Mit darunter 12 Zuchtsauen. Damit hatte auch die Stückzahl der Schweine um 16 zugenommen. In Lardenbach gab es vor 100 Jahren 332 Schweine. Inbegriffen 32 Zuchtsauen.

Schafe und Ziegen gab es, genau wie vor einem Jahr, keine in Klein-Eichen. In Lardenbach zählte man immerhin 21 Ziegen. Neu gezählt wurden auch die Kaninchen. Gemeint sind wohl auch die Stallhasen. Jedenfalls gab es davon nur 22 Stück in Klein-Eichen und ganze 100 in Lardenbach.

Leider wurden keine Zahlen über den Bestand der Pferde und des Federviehs veröffentlicht. Der größte Viehbestand im Kreis Schotten war damals in Ulfa zu finden. Hier gab es 839 Stück Rindvieh und 1080 Schweine.

Von der Landwirtschaft gab es aus dieser Zeit weiterhin zu berichten, dass der Bund der Landwirte in Oberhessen Vorträge über "Neuere Grundsätze für die Anwendung der künstlichen Düngemittel" in mehreren Orten abhielt. So auch am 8. Dezember 1913, abends um 8 Uhr, im Gasthof des Friedrich Faust in Groß-Eichen. Hierzu waren alle Mitglieder des BdL sowie alle interessierten Landwirte und Gartenfreunde aus den Ortschaften Ilsdorf, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Höckersdorf, Bobenhausen II, Sellenrod, Klein-Eichen, Lardenbach und Stockhausen eingeladen.

Referiert wurde über die Zweckmäßige Ernährung der Kulturpflanzen. Und da ging es um den Kunstdünger der vor etwas mehr als 100 Jahren entwickelt wurde. Es wurde ein Verfahren gefunden, das die massenhafte Herstellung von Ammoniak ermöglichte. Dieses Verfahren bildete die Grundlagen der Produktion von synthetischem Stickstoff-Dünger, dem sogenannten »Kunstdünger«. So ist beispielsweise in Deutschland die agrarische Produktion zwischen 1873 und 1913 um 90 % gestiegen. Diese Zunahme basierte neben der Mechanisierung der Landwirtschaft und wissenschaftlich begründeter Tierzucht insbesondere auf der Verwendung von bergbautechnisch gewonnenen bzw. industriell hergestellten Düngemitteln.

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02. Dezember 1912

Viehzählung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland nach wie vor ein agrarisch geprägter Staat. Die Zahl der Bauern machte zirka 60 Prozent der Bevölkerung aus. Mehr als die Hälfte wirtschaftete auf einem Parzellenbetrieb, der nicht größer als zwei Hektar war. Dem folgten die Klein- und Mittelbauern, deren Betriebe eine Größe zwischen zwei und 20 Hektar hatten. Zu den Großgrundbesitzern zählten lediglich fünf Prozent aller Höfe. Geografisch wies die landwirtschaftliche Produktionsweise, die als Folge einer generationenübergreifende Erbteilung entstanden war, zwischen Nord und Süd sowie West und Ost große Unterschiede auf. In Hessen wurde die Realteilung praktiziert. Jedes männliche Kind erbte, was zu einer Zersplitterung der Anbauflächen führte. Die Felder wurden immer kleiner und unwirtschaftlicher. Viele Höfe konnten sich gerade noch selbst versorgen. Mancher Bauer hat sich noch andere Arbeit gesucht, meist als Handwerker.

Innerhalb des Dorfes unterschied man die kleine soziale Klasse der Gäulsbauern, die sich Pferde als Zugtiere leisten konnten, von der größeren der Kuhbauern mit weniger Landbesitz und von den Ziegenbauern, die keine Zugtiere hatten. Vor 100 Jahren gab es in Klein-Eichen allerdings keine einzige Ziege. Auch keine Schafe waren zum Ende des Jahres 1912 im Dorf zu finden. Dies belegt eine Viehzählung die am 2. Dezember dieses Jahres im gesamten Kreis Schotten erfolgte. In Lardenbach dagegen waren 21 Ziegen, aber auch keine Schafe vorhanden.

Seit 1874 gehörte Klein-Eichen zum Kreis Schotten. Dieser bestand dann bis 1938. Vor 100 Jahren zählte man etwa 180 Einwohner im Dorf die in 32 Wohnhäuser lebten. Das größere Lardenbach hatte damals ungefähr doppelt so viele Bewohner. Die Landwirtschaft war die Haupterwerbstätigkeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ackerpflug noch von Pferd oder Kuh gezogen, die Saat aus dem Sätuch gesät, die Disteln von Hand gestochen, das Getreide mit der Sense gemäht, die Garben von Frauen eingebunden, die Körner mit dem Dreschflegel ausgedroschen, die Frucht zur Mühle gefahren, das Mehl zu Brot von Hand geknetet, der Backofen angeheizt, usw......
Viele fleißige Hände wurden gebraucht, um die Ernährung zu sichern. Die Viehhaltung forderte einen großen Anteil der Arbeitszeit, vor allem die Stallpflege und die Aufzucht der Jungtiere. Heu und Grummet, Futterrüben und ein Teil der Getreide- und Kartoffelernte lieferten das notwendige Futter.

Im Gegensatz zu der Einwohnerzahl, hatte Klein-Eichen jedoch mehr Pferde, nämlich 16, als das unmittelbare Nachbardorf mit 11 Pferden. Auch bei der Anzahl des Rindviehs war das Verhältnis von 215 (Klein-Eichen) zu 281 (Lardenbach) nicht so weit auseinander. Das Hausschwein fand sich diesseits des Grenzgrabens 197 mal. Auf der anderen Seite zählte man 259 Stück im Dezember vor 100 Jahren. Bis zum Stichtag geschlachtet wurden im Klein-Eichen 67 Schweine. Mit 120 Schweine-Schlachtungen war der Bedarf in Lardenbach fast doppelt so hoch. Hier spiegelt sich wohl die Einwohnerzahl.

Wichtig für die Grundversorgung war auch das Federvieh. Es gibt nur die eine Zahl 590 Stück. Hier sind bestimmt nicht nur Hühner enthalten, sondern auch Gänse und vielleicht auch Enten und Truthähne. Die Anzahl des Federviehs in Lardenbach betrug 861 Stück. Gezählt wurden damals auch die Bienenstöcke. Und das ergab 6 Stück in Klein-Eichen zu 10 Stück in Lardenbach.

Solche Viehzählungen wurden in Deutschland erstmals 1873 durchgeführt. Seit 1912 sind dann jährliche amtliche Ermittlungen des Viehbestandes eingeführt worden. Der Pferde- und Geflügelbestand wird jährlich, der Rindvieh- und Schafbestand wird halbjährlich ermittelt, für Schweine finden vierteljährliche oder monatliche Zwischenzählungen statt.

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27. Juli 1912

Zeitungs-Meldung

Was so alles in der Zeitung stand! Im Grünberger Anzeiger vom 27. Juli 1912 war diese kleine Meldung zu finden. Leider ist nicht bekannt, wem dieses Missgeschick passierte.

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12. April 1912

Anzeige im Grünberger Anzeiger

Am 14. April 1912 erschien im Grünberger Anzeiger diese Anzeige. Darin bietet Wilhelm Högy eine Kuh zum Verkauf an. Der Landwirt Wilhelm Högy stammt aus Ruppertsburg und hat 1902 in Klein-Eichen Maria Lein geheiratet. Die beiden hatten 10 Kinder. Einer ihrer Söhne war Otto Högy, der Vater von Gisela Roth.

(Grünberger Anzeiger)

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15. März 1912

Geländeabtretungen

Am Freitag, 15. März 1912, fand in der Diehl'schen Gastwirtschaft in Lardenbach zwischen dem hiesigen Ortsvorstand und der obersten Bergbaubehörde eine Sitzung statt, bei der auch der Großh. Kreisrat von Schotten und die Forstbehörde anwesend waren. Es handelte sich um Geländeabtretungen an die Bergwerksgesellschaft "Luse-Ilsdorf" (in der Gemarkung Lardenbach).

Es fand nach langer Beratung eine Einigung dahin statt, dass die Besitzer ihre Grundstücke an die Gesellschaft für den Preis von 60 Pfg. pro Qudaratmeter verkauften. Vorher waren nur 40 Pfg. dafür vorgesehen. Nach Abbau des Feldes wird daselbe von der Bergbaugesellschaft wieder zu Ackerboden hergestellt.

Die Gemeinde kann das Gelände wieder kaufen den Quadratmeter zu 40 Pfg. Durch diese Einigung ist doch das Enteignungsverfahren erspart geblieben.

(Grünberger Anzeiger)

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24. Februar 1912

Grubenunfall

Viele Jahre lang war die Landschaft im vorderen Vogelsberg, von Freienseen bis Nieder-Ohmen, geprägt durch große Eisenerztagebaue. Bis in die späten 1960er Jahre war neben Land- und Forstwirtschaft der Bergbau eine der wichtigsten Erwerbsquellen der Bevölkerung. Durch die Entwicklung einer Infrastruktur und der daraus resultierenden kommerziellen Ausbeute der oberhessischen Erzvorkommen, wurde die Not der Landbevölkerung deutlich gelindert. Die Arbeit in der Erzförderung und Aufbereitung stellte eine beachtliche Erwerbsquelle dar. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts waren bis zu 600 Bergleute in den Gruben tätig.

In der Klein-Eichener Gemarkung gab es direkt keine Grube zur Förderung des Eisenerzes. Aber gleich in der Nachbarschaft, wie bei Lardenbach und Stockhausen, wurde im Tagebau aus der Grube Maximus und der Grube Hoffnung Erz gefördert. Erwachsene und Jugendliche arbeiteten dort für einen Durchschnittslohn von 1,60 Mark bis 3,30 Mark pro Schicht. Viele Arbeiter aus den Vogelsbergdörfern mussten bis in das Seenbachtal laufen um hier ihr Auskommen zu finden. Wenn auch für die Grubenarbeiter aus Klein-Eichen der Weg nicht so weit war, so war die Arbeit wohl schwer und auch gefährlich. Wie der "Grünberger Anzeiger" vor hundert Jahren berichtete:

Unglücksfall auf der Eisensteingrube, 1912

Auf der Eisensteingrube bei Stockhausen hat sich ein erschütternder Unglücksfall ereignet, der leider das Leben eines Bergmannes gefordert hat. Es ist dies der Bergmann Georg Gerbig von Klein-Eichen, der früher längere Zeit in Westfalen gearbeitet und erst seit einigen Jahren sich in Klein-Eichen seßhaft gemacht hat, um näher bei seinen Verwandten zu wohnen.

Gerbig war ein fleißiger, strebsamer und geachteter Mann, der sich durch sein freundliches Wesen gar bald die Zuneigung der hiesigen Einwohnerschaft und seiner Mitarbeiter gewann und der auch keine Mühe scheute, die Seinigen, eine Frau mit 4 Kindern, gut und redlich durchzubringen. Er arbeitete, wenn es galt, Tag und Nacht.

Wegen seiner strengen Gewissenhaftigkeit in seinen Arbeiten war ihm schon seit einiger Zeit die Besorgung des Benzinmotors, der in einem Wasserschacht steht und das Wasser herauszupumpen hatte, ganz allein anvertraut worden. Gestern abend (23. Februar 1912) verließ er fröhlich und gesund die Seinigen, die Nachtschicht anzutreten, und heute Morgen 8 Uhr brachte man ihn auf einem Wagen tot als Opfer seines Berufes.

Er wollte, wie seither, das durch den anhaltenden Regen noch vermehrte Wasser mit seinem Motor aus dem Schacht herausschaffen. Er verließ seine Mitarbeiter mit dem Auftrag, wenn er nach einer Stunde noch nicht zurück sei, so solle man nach ihm sehen. Als er aber darauf ungewöhnlich lang ausblieb, so ging man nach ihm, fand aber nichts von ihm. Nach einigem Suchen fand man ihn im Wasser des Schachtes tot vor. Anscheinend ist er beim Absteigen abgeglitten und dann im Wasser ertrunken.

Sehr bedauert wird die trauernde Witwe mit ihren vier noch ganz unmündigen Kindern, die einen solchen braven Mann verlieren mußte. Möge aber nun hier in diesem traurigen Falle die christliche Nächstenliebe und Barmherzigkeit den so schweren und ungeheuren Verlust zu mildern suchen.

(Grünberger Anzeiger

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19. Februar 1912

Veranstaltungen in der Gastwirtschaft

Am gestrigen Sonntag (18. Februar 1912) hielt der Verbandsredner der Kriegerkameradschaft Hassia, Herr Lehrer Keil von Klein-Linden, den beiden Kriegervereinen Lardenbach und Klein-Eichen in der Diehlschen Gastwirtschaft einen recht interessanten Vortrag über das Thema: "Wissenswertes über Marokko, Neu-Kamerun und Tripolis".

Mit großer Aufmerksamkeit folgte die zahlreiche Zuhörerschaft den Ausführungen des Redners, die durch Karten und Bilder noch veranschaulicht wurden. Reicher Beifall wurde ihm am Schlusse gezollt.

Am Montag (19. Februar 1912) fand, wiederum in der Diehlschen Wirtschaft, eine gemeinschaftliche Sitzung der Ortsvorstände von Lardenbach, Klein-Eichen und Freienseen statt, der auch der Großh. Kreisrat von Schotten und ein Vertreter der Großh. Kulturinspektion Gießen beiwohnte. Es handelte sich um die Abgabe von Wasser aus der Wasserleitungsgruppe Lardenbach - Klein-Eichen an die Gemeinde Freienseen.

Schürfungen nach Quellen in der Gemeinde Freienseen waren bisher ohne Ergebnis. Wenn auch kleinere Quellen vorhanden sind, so reicht doch die Wassermenge nicht aus. Da die Quelle der hiesigen Leitung täglich über 200 Kubikmeter liefert, wovon die beiden Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen nur 50 Kubikmeter täglich benötigen, so kann die Gemeinde Freienseen ihren Bedarf an Wasser von hiesiger Gruppe erhalten.

Der Ortsvorstand von Freienseen erbat sich 4 Wochen Bedenkzeit aus. Sodann fand noch eine Besichtigung des Geländes statt, welches durch den neuen Bergwerksbetrieb vor dem Dorfe veräußert werden soll. Die Bergwerkgesellschaft will den Leuten nur 40 Pfg. pro Quadratmeter vergüten, was natürlich den Einwohnern in anbetracht des guten Bodens und der nahen Lage am Orte viel zu wenig erscheint.

Es wäre sehr zu wünschen, wenn die Besitzer aus genannten Gründen etwas mehr bekämen, damit sich die ganze Angelegenheit auch ohne das Enteignungsverfahren regeln würde.

(Grünberger Anzeiger)

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08. Februar 1912

Jagdverpachtung

Der seitherige Inhaber der Gemeinde-Feld- und Waldjagd hat dieselbe (im Februar 1912) an Herrn Generalagenten Bernhardt von Frankfurt-Sachsenhausen zu dem bestehenden Pachtpreis von 235 RM gegen eine einmalige Abfindungssumme abgetreten. Das Jagdgebiet des neuen Pächters umfasst nun die Gemarkungen: Solms-Ilsdorf, Flensunger- und Stockhäuser-Hof, Klein-Eichen und Lardenbach.

(Grünberger Anzeiger)

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12. Januar 1912

Reichstagswahl

Die Reichstagswahl 1912 war die Wahl zum 13. Deutschen Reichstag. Sie fand am 12. Januar 1912 statt. Die Stichwahl war am 25. Januar. Es war die letzte Wahl des Reichstags vor dem Ersten Weltkrieg und die letzte im Deutschen Kaiserreich überhaupt.

Auch in den Vogelsbergdörfern wurde damals gewählt. Klein-Eichen gehörte zum Kreis Schotten. Und gehörte demnach auch zu diesem Wahlkreis. Das Wahllokal befand sich wohl beim Bürgermeister. Der war 1912 Christian Hoffmann (heute Haus Loob). Bei 32 Wohnhäusern die es damals im Dorf gab, kann man auch von 32 Familien ausgehen. Wahlberechtigt waren etwas mehr Einwohner. Das Wahlrecht war nämlich allein der männlichen Bevölkerung des Deutschen Kaiserreiches ab einem Mindestalter von 25 Jahren vorbehalten. Ebenfalls nicht wählen durften Militärpersonen, Leute mit eingeschränkter Dispositionsfähigkeit (Behinderte), Leute, die im Jahr vor der Wahl Armenunterstützung erhalten hatten, und schließlich solche, denen die Ehrenrechte aberkannt waren. Durch diese Regelungen waren kaum mehr als zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung wahlberechtigt. Immerhin gab es aber kein Dreiklassenwahlrecht wie im Staat Preußen.

Die Wahlbeteiligung im ganzen Reich lag bei rund 85% und damit etwa so hoch wie bei der Reichstagswahl 1907. Eindeutiger Wahlsieger war die SPD. Sie erhielt etwa 4.250.000 Stimmen (34,8%) und damit so viele wie noch nie zuvor eine Partei bei Reichstagswahlen. Trotz der Verzerrungen durch das Mehrheitswahlrecht und die Benachteiligung durch die seit 1871 unveränderte Wahlkreiseinteilung stellte sie auch zum ersten Mal mit 110 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Nur die Nationalliberale Partei hatte bei den ersten Reichstagswahlen mehr Wahlkreise gewonnen. Zweitstärkste Fraktion wurde das Zentrum mit 91 Abgeordneten, obwohl es weniger als halb so viele Stimmen wie die SPD bekommen hatte. Konservative und Nationalliberale, die die Regierung von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg unterstützt hatten, verloren deutlich an Stimmen und Mandaten.

Der Reichstag war von 1871 bis 1918 das Parlament des Deutschen Kaiserreichs. Der Reichstag verkörperte neben dem Kaiser die Einheit des Reiches. Gemeinsam mit dem Bundesrat übte er die Reichsgesetzgebung aus und besaß die Mitentscheidungsgewalt über das Haushaltsgesetz. Allerdings hatte sich der Reichskanzler dem Reichstag gegenüber nicht zu verantworten. Im Jahr 1871 bestand der Reichstag aus 382, ab dem Jahr 1874 aus 397 Abgeordneten, die in allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl gewählt wurden. Gewählt wurde in Einmannwahlkreisen mit absolutem Mehrheitswahlrecht.

Die Wahlen in zu den neun hessischen Wahlkreisen gehörenden Kreisen Gießen-Grünberg-Nidda hatte eine Stichwahl zwischen Dr. Werner und Beckmann (Soz.) zur Folge. Die gewann der Nationalsozialist Ferdinand Werner.

Klein-Eichen wählte im Kreis Schotten. In der Hauptwahl erhielt Beckmann keine Stimmen. Für Erfelenz stimmten zwei und Werner gewann hier mit 36 Stimmen. In der Stichwahl bekam Werner alle 41 Stimmen. Beckmann keine.

Lardenbach gab Friedrich Bindewald (Sohn von Theodor Bindewald) 62 Stimmen und Friedrich Heck (Nationalliberale Partei) 7 Stimmen. (Warum sich die Kandidaten unterscheiden, ist z. Zt. nicht bekannt. Obwohl Lardenbach auch zum Kreis Schotten gehörte, wählte man wohl im Wahlkreis Laubach, wie auch z. B. Freienseen.)

(Grünberger Heimat Zeitung)

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1911

Wasserleitungsbau

Damals, als Deutschland noch ein Kaiserreich war und noch niemand an den Ersten Weltkrieg dachte, war der Vogelsberg eine karge Region, viele zog es fort, etwa ins Ruhrgebiet, um in den dortigen Zechen Arbeit zu finden. Wer reiste, der nahm die Bahn und deren Streckennetz war damals auch noch dichter im Vogelsberg. Ein übliches Transportmittel war das Fahrrad, wer sich eines leisten konnte, oder man ging auf Schusters Rappen.

Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verbreitete sich der Bau von Wasserleitungen immer mehr auch auf dem Land. Für uns alle ist es selbstverständlich, fließendes Wasser gibt es in jedem Haus und kommt aus dem Wasserhahn.

Aber früher war dies eine technische Neuheit und bis dahin noch nicht selbstverständlich. Vor nun 100 Jahren ist die Wasserleitung in Klein-Eichen und Lardenbach gebaut worden. Das lebenswichtige Wasser holte man bis dahin vom Brunnen vorm Haus. Mit der Hand pumpte man das Nass einige Meter hoch und schleppte volle Eimer in die Küche oder in den Stall zum Vieh.

Nachdem sich der Gemeinderat von Klein-Eichen über die Ausführungen von Wasserleitungen informiert hatte, beschloss dieser am 10. Dezember 1906, dass eine solche "Wasserleitungs-Anlage" für das Dorf gebaut werden sollte. Dabei war der Gemeinderat aber so schlau, dass nämlich die Kosten für vorhergehende Messungen und Untersuchungen, wenn diese denn ohne Erfolg wären, nur zur Hälfte von der Gemeinde zu tragen seien. Die andere Hälfte müsse dann von denjenigen Ortsbürgern bezahlt werden, die eine solche Anlage gewünscht und beantragt hatten.

Daraufhin ist wohl erstmal nicht viel passiert. Denn ein Jahr später, am 15. November 1907, stellt der Gemeinderat fest, dass die Anlage einer "Quellenwasserleitung" nicht ruhen sollte. Sondern auf Antrag der Mehrheit der Bürger sollten weitere Schürfungsarbeiten vorgenommen werden. Diese müssten nach den Bedingungen des Gemeinderatbeschlusses vom Dezember 1906 in der Gemarkung Sellnrod, etwa 2 Kilometer von "hier" entfernt vorgenommen werden.

Wieder ging einige Zeit ins Land. Nun arbeiteten aber die beiden Gemeinden Klein-Eichen und Lardenbach gemeinsam an diesem Thema. Am 16. März 1910 trafen sich Vertreter der beiden Dörfer in Sellnrod mit dem Polizeidiener Heinrich Funk VIII. Die drei Partein schlossen einen Vertrag. Darin ging es um das Vorkaufsrecht für das Gelände auf dem Grundstück Flur XIII N 74 auf dem sich die Quelle "Im See" befindet. Falls hier eine ausreichende Wassermenge gefördert werden könnte, würde die gesamte Quelle nebst dem erforderlichen Gelände für die Quellfassung und Leitungen zu einem Preis von zwölfhundert Mark an die Gemeinden verkauft werden.

Ferner verpflichtete sich Heinrich Funk VIII den Zugang zu den Wasserleitungsanlagen jedem "Gast" zu gestatten und "die Vornahme von Düngungen in der Umgebung der Quellenfassung mit natürlichen oder anderen von der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen für schädlich erklärten Dünger, sowie die Vornahme sonstiger Handlungen die sich auf die Quelle oder die Anlagen ungünstig einwirken könnten, zu unterlassen".

Die Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen verpflichteten sich andererseits, für den Fall, dass eine hinreichende Wassermenge nicht "geschürft" wird eine "Schürfungsentschädigung" von 50 Mark im Jahr zu bezahlen. Dies aber nur für die Dauer von drei Jahren. Das Gelände würde dann wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt.

Und so kam es auch. Die Wassermenge der Quelle im "See" oder am "Seeberg" reichte nicht aus. Auch ein weiterer Versuch Wasser aus einer Quelle "in den Seifen" in der Gemarkung Sellnrod zu erwerben, scheiterte an zu hohen Preisforderungen eben dieser Gemeinde. Im Jahre 1910 kaufte schließlich die Großherzogliche Kulturinspektion Gießen im Auftrag der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen das Quellengebiet bei Wohnfeld für den Preis von etwas über 3000 Mark. Diese Quellen befinden sich zwischen der Hahn- und der Schneidmühle. Die Hauptquelle, der sogenannte "Fritzeborn" gibt nach den erfolgten Messungen alleine schon 80 Kubikmeter Wasser am Tag. Geplant war, mehrere Quellen zusammen zu fassen. Und es wurde die Möglichkeit erwogen, an andere Dörfer Wasser abzugeben. Im Dezember 1910 waren die Planungen in Gießen abgeschlossen worden.

In vielen Dörfern des Vogelsberg wurden in diesen Jahren Wasserleitungen gebaut. So veranstaltete man im Januar 1911 bereits in Weickartshain zur Einweihung der Wasserleitung eine "Tanzbelustigung" in der Wirtschaft Hock. Ebenfalls in Groß-Eichen rechnete man damit, in diesem Jahr den Bau der Wasserleitung vollenden zu können.

Im Sommer des Jahres 1911 waren auch die Arbeiten an der Wasserleitung für Klein-Eichen und Lardenbach in vollem Gange. Die ausführende Firma hieß Paul Nießen und kam aus Höhr im Rheinland. Die Rohrleitungen vom Brunnen bei Wohnfeld (unter Sellnrod verlaufend) und in den Dörfern war schon verlegt. Nun beschäftigte man sich mit den Hausanschlussleitungen. Da dieser Sommer sehr trocken war, ging alles gut vorran. Der Bau des Hochbehälters auf dem Galgenberg wurde bis zum August des Jahres abgeschlossen.

Die Quellfassung wurde von dem Unternehmen Peter Schepp aus Burkhardsfelden ausgeführt. Ursprünglich hoffte man schon in vier Meter tiefe auf den benötigten Kiesboden zu stoßen. Aber letztendlich musste man bis sieben Meter in die Tiefe graben. Vier Brunen wurden bis zum erreichen des Kiesbodens angelegt. Hier ergab sich dann aber auch eine erhöhte Fördermenge: anstatt 100 Kubikmeter pro Tag, ergaben sich 250 Kubikmeter Wasser pro Tag. Lardenbach und Klein-Eichen benötigten damals jedoch nur 45 Kubikmeter Wasser am Tag. Diese hohe Wassermenge beruhigte auch die beiden Müller in der Nachbarschaft. Hatten die doch Bedenken es bliebe nichts mehr für ihre Mühlen übrig.

Probleme machte dagenen zu dieser Zeit die neue Wasseranlage in Weickartshain. Alle Brunnen waren ausgetrocknet. Und so wurde ein Anschluss an die Leitung Klein-Eichen/Lardenbach gelegt. Im September 1911 wurde die Vollendung der Arbeiten zum Bau der Wasserleitung in Lardenbach und Klein-Eichen gemeldet. Vor Ort war man sehr erfreut, dass in diesem so trockenen Jahr, genügend und gutes Wasser vorhanden war.

Im Februar 1912 trafen sich die Ortsvorstände von Lardenbach, Klein-Eichen und Freienseen in der Gastwirtschaft Diehl. Anwesend waren auch der Großherzogliche Kreisrat von Schotten und ein Vertreter der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen. Man beriet die Abgabe von Wasser aus der Wasserleitungsgruppe Lardenbach/Klein-Eichen an die Gemeinde Freienseen. Das Nachbardorf hatte zwar einige kleinere Quellen, aber die geförderte Wassermenge reichte nicht aus. Ob es nun damals zu diesem Anschluss kam, muss der Verfasser des Textes noch in Erfahrung bringen.

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20. Dezember 1911

Wasserleitung Bahnhof

MSeit einigen Tagen (20. Dezember 1911) ist nun endlich die Eisenbahnstation Weickartshain-Seenbrücke, der es den ganzen Sommer hindurch an Trinkwasser mangelte, an die Wasserleitungsgruppe Lardenbach/Klein-Eichen angeschlossen worden, nachdem die Bahnbehörde die fraglichen 1000 Mark zu den Anlagekosten bewilligt hatte. Es hat viele Verhandlungen und Schreibereien gekostet, bis es dahin gekommen ist.

(Grünberger Anzeiger)

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21. November 1911

Elektrizitätswerk Wölfersheim

Es dürfte interessieren, etwas über den Weitergang der großen Kulturanlage Elektrizitätswerk Wölfersheim zu hören. Die Gebäudearbeiten sind bereits vergeben, ebenso die Maschinen. Das Ausschreiben für die Leitungen liegt im Druck vor, es umfasst 52 Folioseiten. Die Angebote für die Leitungen (das sind: Haupttransformatorenstation in Wölfersheim und Uebergabestation bei Friedberg, Transformatorenstationen in den Landstätten und Landgemeinden, Fernleitungen, Ortsnetze samt Hausanschlüssen, Elektrizitätsmesser) sind bis zum 2. Dezember d. J., vormittags 11 Uhr, bei der Großh. Provinzialdirektion Oberhessen in Gießen einzureichen.

Die Leitung ist in der Hauptsache im Laufe der Jahre 1912 und 1913 auszuführen und darf alleräußersten Falles bis 1914 hinausgeschoben werden. Mit den Arbeiten an den Leitungsanlagen und mit dem Bau der Transformatorengebäude wird in den ersten frostfreien Tagen des Frühjahrs 1912 begonnen. Zuerst wird das Kabel nach Friedberg angelegt, da der Bahnhof in Friedberg schon im Sommer 1912 mit Strom versorgt werden muß.

Die Stromerzeugung während des Sommers erfolgt provisorisch mit den auf der Grube vorhandenen Dampfmaschinen und dem vorhandenen Drehstromgenerator. Die Arbeiten an den Fernleitungs- und Transormatorenanlagen sollen in etwa sieben Bezirken gleichzeitig in Angriff genommen werden, um eine rasche Fertigstellung der Anlage herbeizuführen. Die Hauptleitungen sollen bis zum Herbst 1912 fertiggestellt sein.

 

Die ursprüngliche Absicht, zur Stromerzeugung an der Nidder bei Lißberg ein Stauwasserkraftwerk mit einer zusätzlichen Dampfkraftanlage zu errichten, wurde fallen gelassen. Der hessische Staat entschloss sich, auf der staatlichen Braunkohlegrube in Wölfersheim anstelle der defizitären Braunkohlepresssteinfabrik ein Kraftwerk zu errichten, das den Strombedarf der gesamten Provinz Oberhessen decken sollte. Am 12. Dezember 1912 war das Kraftwerk mit allen für die Aufnahme der Stromlieferung erforderlichen Einrichtungen fertig gestellt. Es sollte noch 10 Jahre dauern, bis der Strom im Seenbachtal ankam.

(Grünberger Anzeiger/"Die frühe Elektrotechnik in Grünberg" W. Hofheinz)

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19. Oktober 1911

Eifersucht

Der Grünberger Anzeiger berichtete am 10. Oktober 1911 von einem Ereignis was vier Tage vorher, am 6. Oktober, in Klein-Eichen passiert war. Darüber befand sich das Dorf in großer Aufregung. Der Arbeiter Bepler drang mit einem Dolch auf seine Frau ein und wollte sie erstechen, da sie angeblich intime Beziehungen zu einem anderen Arbeiter habe. Mit Mühe gelang es, den Mann zu bändigen und auf die Bürgermeisterei in Gewahrsam zu bringen, wo ihn vier Männer bewachten.

Da die Angelegenheit nun 110 Jahre her ist, kann man vielleicht die Frage stellen, ob es sich bei dem Namen "Bepler" nicht doch um "Peppler" handelt. Jedenfalls kommt "Bepler" in keinem Verzeichnis vor. Otto Peppler wurde 1881 in Flensungen geboren und heiratete 1902 Anna Hofmann in Klein-Eichen. Die Bürgermeisterei befand sich seit Mai 1911 im Hause Hoffmann. Christian Hoffmann war zu Beginn des Jahres zum Bürgermeister gewählt worden.

(Grünberger Anzeiger)

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05. Oktober 1911

Vom Erzbergbau

Der Grünberger Anzeiger berichtete vom Erzbergbau in der Region: Auf dem Bergwerk bei der Station Weickartshain wurde gestern (3. Oktober 1911) am Nachmittag einem jungen Bergmann aus Flensungen, als er einige Wagen an die Maschine koppeln wollte, von dieser ein Finger der rechten Hand glatt abgedrückt. Nach Anlegung eines Notverbandes mußte der Verunglückte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Dicht vorm Dorfe Lardenbach wird soeben ein neuer Bergbaubetrieb eröffnet. Von der Straße nsch Weickartshain aus wird auf der linken Seite ein Stollen eingetrieben. Die Erze werden später auf einer Drahtseilbahn, an welcher soeben eifrig gebaut wird, nach der Eisensteinwäsche (Luse) zwischen Ilsdorf und Groß-Eichen gebracht, dort gereinigt und dann wieder per Seilbahn nach Station Stockhausen gefahren und hier verladen.

(Grünberger Anzeiger)

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10. September 1911

Wasserleitungsarbeiten (Fortsetzung)

Die Wasserleitungsarbeiten in Klein-Eichen und Lardenbach sind ganz beendigt (10. September 1911) bis auf die Verbindung der Leitung mit der Quellkammer, was in den nächsten Tagen vorgenommen wird. Allerseits ist man sehr erfreut und befriedigt, dass man gutes und bei dieser anhaltenden Dürre auch reichlich Wasser hat.

Besonders die angeschlossenen Bewohner auf (Eisenbahn-) Station Weickartshain sind nun einer großen Sorge enthoben. Wie man hört, will sich auch die naheliegende Gemeinde Stockhausen, sowie der Stockhäuser Hof anschließen lassen.

Trotzdem auf der Station Weickartshain selbst schon seit über 8 Wochen die traurigen Zustände herrschen, indem der Bahnbrunnen ganz trocken steht, hat sich bis jetzt die Bahnbehörde noch nicht entschließen können, für ihre Station Anschluß an die Wasserleitung zu nehmen.

Sehr zu bedauern ist die Familie des dortigen Stationsbeamten, welche auf sehr umständliche Weise ihren Wasserbedarf von Station Stockhausen entnehmen muß. Man sollte sich höheren Orts doch einmal an die Stelle dieses Beamten versetzt denken. Wäre nicht einer der Bahnreisenden einmal so gütig, bei höchster Instanz anzufragen, ob solche Zustände von ihr gebilligt würden und warum es so lange dauern muß, einen tief empfundenen Mißstand endlich abzuhelfen?

(Grünberger Anzeiger)

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9. September 1911

Schweres Gewitter

Als gestern Abend (9. September 1911) ein Gewitter über das Seenbachtal zog, schlug der Blitz in das Wohnhaus des Bergmanns Karl Kauß ein, ohne glücklicherweise zu zünden. Der Blitzstrahl nahm seinen Weg an einer hohen Fichte herunter, die dicht am Wohnhause steht, folgte dann einem, dem Hause zuragenden dürren Aste, durchschlug die Lehmwand und verschwand dann in der Erde.

Der am Tische sitzende Eigentümer des Hauses wurde betäubt aus diesem herausgetragen, hat aber sonst keinen Schaden genommen. Bei dem vorletzten Gewitter schlug der Blitz in Lardenbach in einen in dem Hofe des Landwirts K. stehenden huhen Weidenbaum und zersplitterte diesen.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. August 1911

Wasser für den Bahnhof - Fortsetzung

Der Anschluß der Anwohner auf Station Weickartshain an die Wasserleitung Lardenbach/Klein-Eichen ist, bis auf die Unterführung der Bahnstrecke, wozu die Genehmigung noch aussteht, fast ganz vollendet. Es sind dort alle Hausbesitzer angeschlossen worden; nur hat bis jetzt (23. August 1911) die Eisenbahnbehörde für ihre Station noch keinen Anschluß begehrt.

Wie man hört, will dieser Behörde der ihr angesetzte Betrag von 1000 Mark zu hoch sein. Sie will nur 750 Mark dazu hergeben, obgleich früher verlautete, der erstgenannte Betrag wäre bewilligt worden; sonst würde ja die Weiterführung der Leitung von Lardenbach aus nach Weickartshain nicht so rasch vor sich gegangen sein, wie dies geschehen ist.

Zu bedauern ist wirklich, dass wegen der deringen Summe von 250 Mark diese günstige Gelegenheit, für die Station Weickartshain für immer gutes Wasser zu erlangen, verloren gegangen ist. Gerade diese Station ist so wasserbedürftig, - besonders bei dieser anhaltenden Trockenheit - wie wohl keine zweite mehr auf der ganzen Strecke. Steht doch schon wochenlang der Brunnen dorten, der auch sonst gerade kein gutes Wasser gibt, appetitlich ist es auch nicht wegen der Nähe der Abortanlage, trocken, und mußte man das nötige Wasser in Kübeln von Station Stockhausen herbeischaffen.

Da wohl durch Gemeinderatsbeschluß der etwaige Anschluß der Station Weickartshain sich noch schwieriger gestalten kann und vielleicht überhaupt nicht zustande kommt, so wird der dort wohnende Beamte wegen dieser Mißstände sehr bedauert.

(Grünberger Anzeiger)

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29. Juli 1911

Trockenheit am Bahnhof

Trostlose Zustände herrschen zur Zeit auf dem Bahnhof Weickartshain. Seit Eintritt der heißen Witterung sind nämlich fast alle Brunnen der dortigen Anwohner, auch derjenigen der Eisenbahn, ganz ausgetrocknet. Man sucht sich damit zu helfen, dass man in Kübeln Wasser von auswärts, besonders von der Haltestelle Stockhausen, herbeischafft. Diesem Mißstand könnte doch so leicht abgeholfen werden, wenn die Station Wickartshain mit ihren Anwohnern an die Wasserleitung Lardenbach Anschluss bekäme, da dort doch gutes Wasser im Überschuss vorhanden ist.

Dies war ja auch bisher vorgesehen, doch war die Genehmigung der Eisenbahnbehörde betr. ihres vorgesehenen Zuschusses zu den Baukosten bis heute noch nicht eingetroffen. Sehr erfreulich ist nun zu hören, dass die Anwohner von Station Weickartshain gestern Abend (28. Juli 1911) nunmehr vertraglich beschlossen haben, ohne die Einwilligung der Eisenbahn abzuwarten, das Trinkwasser von dem Wasserwerk Lardenbach/Klein-Eichen zu nehmen.

Mit dem diesbezüglichen Weiterbau von Lardenbach nach der Station Weickartshain wird nächsten Montag (31. Juli 1911) begonnen werden. Die Wasserleitungsarbeiten dahier (Lardenbach und Klein-Eichen) sind fast beendigt und die Hausanschlüsse alle fertiggestellt. Ebenso geht der Hochbehälter auf dem Galgenberg, sehr schön gelegen, morgen (Sonntag, 30. Juli 1911?) seiner Vollendung entgegen.

Die Quellfassung, die bisher etwas Schwierigkeiten machte, hofft man in allernächster Zeit beendigen zu können. Der Wasserreichtum der Quelle (bei Wohnfeld), über 250 Kubikmeter pro Tag, bei dieser trockenen Zeit ist uns eine sichere Bürgschaft, dass die Wasserleitung für die Zukunft nicht versagen wird, was man jetzt von verschiedenen anderen Leitungen hören muß.
Heute morgen (29. Juli 1911) ist nunmehr auch die Genehmigung eines Zuschusses von 1000 Mark seitens der Bahnbehörde eingetroffen.

(Grünberger Anzeiger)

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21. Juli 1911

Kreisackerbau- und Obstausstellung zu Schotten

Am 21. des Monats (Juli 1911) fand auf Veranlassung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen eine Besprechung über die Abhaltung einer Kreisackerbau- und Obstausstellung für den Kreis Schotten in der "Traube" zu Schotten statt.
Die Ausstellung soll in der Zeit vom 14. bis 15. Oktober in der Turnhalle zu Schotten unter der Voraussetzung abgehalten werden, dass nicht durch den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche im Ausstellungsgebiete ein Hinterniss eintritt.

Ausstellungsberechtigt sind alle beitragspflichtigen Landwirte und Mitglieder des Oberhess. Obstbauvereins aus folgenden Orten: Obstbaubezirk 1: Eichelsachsen, Eichelsdorf, Einhartshausen, Glashütten, Gonterskirchen, Laubach, Ober-Lais, Ober-Schmitten, Rainrod, Ruppertsburg, Steinberg, Stornfels, Ulfa, Wetterfeld, Wingershausen.

Obstbaubezirk 2: Betzenrod, Bobenhausen 2, Burkhards, Eschenrod, Hof-Zwiefalten, Freienseen, Gedern, Groß-Eichen, Höckersdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Mittel-Seemen, Nieder-Seemen, Ober-Seemen, Schmitten, Schotten, Sellnrod, Solms-Ilsdorf, Unter-Seibertenrod, Wohnfeld.

Obstbaubezirk 3: Altenhain, Breungeshain, Busenborn, Feldkrücken, Götzen, Hartmannshain, Helpershain, Kaulstoß, Köddingen, Kölzenhain, Meiches, Michelbach, Ober-Seibertenrod, Rebgeshain, Rüdingshain, Sichenhausen, Stumpertenrod, Ulrichstein, Volkartshain.

Für die Veranstaltung wurde folgendes Programm zu Grunde gelegt: Mittwoch und Donnerstag vor der Ausstellung: Einlieferung der Ausstellungsgegenstände. Freitag: Einrichtung der Ausstellung; Samstag Vormittag: Prämierung, nachmittags 3 Uhr: Eröffnung der Ausstellung, Rundgänge unter fachkundiger Führung, solange die Ausstellung geöffnet ist. Sonntag nachmittags 4 Uhr: Berichterstattung über die Ausstellung und Auszahlung der zuerkannten Preise; Montag vormittags von 8-11 Uhr: Abholung der Ausstellungsgegenstände.

Mit der Ausstellung soll ein Saatgutmarkt der Hessischen Saatbaustellen durch die Landwirtschaftskammer veranlasst werden. Die Prämierungsmittel für die Ackerbauausstellung betragen ca. 500 Mark und diejenigen für die Obstausstellung ca. 900 Mark. Außerdem ist zu erwarten, dass dieselben durch Stiftung von Ehrenpreisen noch verstärkt werden.

Die Anmeldebogen für die Ausstellung und die Ausstellungsbestimmungen sind in den einzelnen Orten durch die Vertrauensmänner der Landwirtschaftskammer erhältlich. Den Landwirten ist zu empfehlen, sich dieselben sofort geben zu lassen, damit sie bei der Einerntung ihrer Feldfrüchte auf die für die Ausstellung gestellten Forderungen Rücksicht nehmen können. Hoffentlich wird das Unternehmen durch reiche Beschickung und starken Besuch so gefördert, dass die Ausstellungsleitung mit Befriedigung auf dasselbe zurückblicken kann.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
13. Juli 1911

Meldungen aus den Pfarreien

Aus der Pfarrei Groß-Eichen wird am 13. Juli 1911 gemeldet, dass schon am 17. April 1911 dem Landwirt Otto Hofmann zu Klein-Eichen und seiner Frau Elisabetha, geb. Rahn aus Bobenhausen, ihr Sohn Emil, geb. am 5. März 1911, getauft wurde. Emils jüngere Schwester, Erna, wird zwei Jahre später geboren und ist die Mutter von Elke Rühl.

Dem Landwirt Ernst Zimmer zu Klein-Eichen und seiner Frau Anna, geb. Tröller aus Weickartshain, wird am 11. Juni 1911 ihr Sohn Heinrich, geb. 18. Mai 1911, getauft. Heinrich wird Minna Philippi heiraten. Mit ihr hat er zwei Töchter: Christel und Doris.

In Klein-Eichen getraut wurden am 17. April 1911 der Bergmann Heinrich Graf zu Villingen und Luise Rahn, Tochter des verstorbenen Landwirts Christian Rahn und dessen Ehefrau Anna Maria, geb. Rausch aus Groß-Eichen. Luises jüngerer Bruder Karl wird aus zwei Ehen mal 16 Kinder zeugen.

In der Pfarrei Lardenbach wurde am 7. April 1911 dem Landwirt Wilhelm Mölcher 1r sein Sohn Wilhelm, geb. am 3. April 1911, getauft. Am 5. Juni 1911 getauft wurde dem Landwirt Heinrich Keller 7r seine Tochter Johanna, geb. am 13. Mai 1911. Dem Landwirt Otto Groß sein Sohn Ernst, geb. am 27. Mai 1911, wurde am 18. Juni 1911 getauft. Und am 25. Mai oder Juni 1911 wurde dem Fuhrmann Konrad Paul sein Sohn Karl, geb. am 21. Mai 1911 getauft.

Am 20. April 1911 in Lardenbach getraut wurde Bergmann Wilhelm Bernhard Schneidt zu Flensungen und Elise Knöß, Tochter des Fortswarts Heinrich Knöß zu Lardenbach. Am 18. Mai 1911 heirateten der Lehrer Karl Göbel in Hausen bei Butzbach und Auguste Lein, Tochter des Landwirts August Lein aus Lardenbach.

Beerdigt wurde am 10. April 1911 in Lardenbach Wilhelm Mölcher, Söhnchen des Landwirts Wilhelm Mölcher 1r. Er starb nur 5 Tage alt am 8. April 1911.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. Juli 1911

Wasserleitungsbau

Unser Wasserleitungsbau, ausgeführt von der Firma Paul Rießen aus Höhr i. Rhld., hat bisher (1. Juli 1911), begünstigt vom trockenen Wetter, recht gute Fortschritte gemacht. Das Rohrnetz in Klein-Eichen und Lardenbach, sowie die Leitung bis zum Hochbehälter, der auf dem Gipfel des Galgenberges zu liegen kommt, und zur Quelle bei Wohnfeld ist fertiggestellt. Soeben ist man hier mit Anlegung der Hausleitungen beschäftigt.

Mit dem Aufbau des Hochbehälters wird in diesen Tagen begonnen werden. Man konnte nicht eher damit anfangen, bis der Rohrstrang durch Sellnrod gelegt war, und man dadurch das zum Bau nötige Wasser von der Quelle zur Baustelle führen konnte. Die Quellfassung, ausgeführt von dem Unternehmer Peter Schepp aus Burkhardsfelden, wurde bisher durch den sumpfigen Schlammboden sehr erschwert; man kam auch in der vorgesehenen Tiefe von 4 Metern noch nicht auf den erwünschten Kiesboden, der durch eine spätere Schürfung erst in einer Tiefe von 7 Metern festgestellt werden konnte.

Da eine Ausschachtung auf eine solche Tiefe aber sehr schwierig war und auch sehr kostspielig werden mußte, so wurden auf Anregung Großherzoglicher Kulturinspektion Gießen vier Brunnen bis zur Tiefe des Kiesbodens geschlagen, in denen sich das Wasser sammeln kann. Von hier aus wird es dann in die Quellkammer geleitet. Man hofft, in den nächsten Tagen den vierten und letzten Brunnen fertigstellen zu können, sodaß dann der Aufbau der Quellkammer in Angriff genommen werden kann.

Nach Erreichung des Kiesbodens hat sich die frühere Wassermenge von zirka 100 Kubikmeter pro Tag jetzt auf 250 Kubikmeter erhöht, sodaß zur Beruhigung der Müller noch ein großer Abfluß bleibt und auch noch anderweitig Wasser abgegeben werden kann. Die beiden genannten Orte benötigen nur etwa 45 Kubikmeter pro Tag. Die Anschließung der Station Weickartshain und des Eisensteinbergwerks daselbst steht ja in Aussicht, doch lässt die Genehmigung der Eisenbahnbehörde betr. ihres Anteils an der Bausumme noch immer auf sich warten.

Sehr bedauerlich wäre es, wenn die Eisenbahn wegen einer geringen Differenz an den Baukosten das ganze Projekt scheitern ließe, da es doch erwiesen ist, dass das Trinkwasser auf der Station Weickartshain sehr mangelhaft ist. Man hat auch außerdem in trockenen Sommern und bei Regenzeiten das Trinkwasser in Kübeln von Station Stockhausen schon herholen müssen. Wie dieses bei großer Hitze dann war, läßt sich leicht denken.

Auch wird sich jeder Mitreisende scheuen, auf genannter Station seinen Durts zu löschen, wenn er sieht, dass bei der Brunnenanlage in nächster Nähe auch die Abortanlage sich befindet. Hoffentlich erfüllt sich der Wunsch aller Anwohner auf der Station Weickartshain, auch Anschluß zu erhalten, recht bald, sonst müsste der Unternehmer die Arbeiter entlassen, und damit wäre die Ausführung in weite Ferne gerückt.

(Grünberger Anzeiger)

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13. Juni 1911

Feldgeschworener

Der Grünberger Anzeiger veröffentlichte am 4. Juli 1911, dass der Klein-Eichener Gemeinderat in seiner Sitzung am 13. Juni 1911 August Zimmer zu Klein-Eichen zum Feldgeschworenen für die Gemarkung Klein-Eichen ernannt und verpflichtet hat.
August Zimmer wurde 1878 in Klein-Eichen geboren. Den landwirtschaftlichen Hof in der Sellnröder Straße bewirtschaftete er mit seiner Ehefrau Elisabetha, geb. Felsing. Die beiden hatten zwei Kinder: Hermann und Anna. Der Sohn starb 1918 in Frankreich. Die Tochter heiratete 1925 Heinrich Frank aus Ehringshausen.

Feldgeschworene werden gebraucht, um den richtigen und unveränderten Standpunkt eines Grenzsteins bestimmen zu können. Zu den Aufgaben der Feldgeschworenen gehörten stets Flurgänge zur Überprüfung der Grenzsteine.

(Grünberger Anzeiger)

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07. Mai 1911

Blumentag

In schöner und würdiger Weise verlief der gestrige (7. Mai 1911) Blumentag. Das Ortskomitee, an der Spitze Herr Lehrer Schmidt, hatte die Sache in schöner Weise arrangiert. Am Tage gingen 10 Mädchen, in Weiß gekleidet und mit blumengeschmückten Körbchen versehen, in Lardenbach, Klein-Eichen und Stockhäuser Hof umher und boten ihre Blümchen, Ansichtspostkarten und Blumenzeitungen den Leuten an. In kurzer Zeit hatten die Mädchen alles ausverkauft. Am Abend fand dann noch im Diehl'schen Saale ein stark besuchter bunter Abend statt.

Die hiesigen Schulmädchen hatten mittags noch rasch Sträuschen aus lebenden Gänseblümchen hergestellt, damit man doch noch etwas zum Verkaufe anbieten konnte; auch diese Sträußchen gingen gut ab. Herr Lehrer Schmidt hielt einen Vortrag, der die Anwesenden über Zweck und Ziel der Säuglingsfürsorge aufklären sollte. Er schloß mit einem Hoch auf die Protektorin der ganzen Sache, auf unsere erhabene Landesfürstin, die Großherzogin.

Gesänge der Schüler wechselten dann noch mit denen des gemischten Chores. Auch wurde das der Blumenzeitung beigelegte Liedchen recht schön vorgetragen. Die Jugend huldigte noch längerer Zeit dem Tanzvergnügen.

(Grünberger Anzeiger)

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06. Mai 1911

Neuer Bürgermeister

Nach den Wahlen im Januar ist der Großh. Bürgermeister Christian Hoffmann zu Klein-Eichen verpflichtet und in seinen Dienst eingewiesen worden.
Die erste Gemeinderatssitzung mit Christian Hoffmann als Bürgermeister fand am 22. April statt.

(Grünberger Anzeiger)

 
10. März 1911

Reichstagsersatzwahl 1911

Von 1867 bis 1912 war das Wahlrecht allein der männlichen Bevölkerung des Norddeutschen Bundes bzw. des Deutschen Kaiserreiches ab einem Mindestalter von 25 Jahren vorbehalten. Ebenfalls nicht wählen durften Militärpersonen, Leute mit eingeschränkter Dispositionsfähigkeit (Behinderte), Leute, die im Jahr vor der Wahl Armenunterstützung erhalten hatten, und schließlich solche, denen die Ehrenrechte aberkannt waren.

Ersatzwahlen sind nur für den Rest der Wahlzeit eines Mitgliedes oder stellvertretenden Mitgliedes vorzunehmen. Die Reichstagsersatzwahl am 10. März 1911 im Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda hatte folgendes Ergebnis: Oberlehrer Dr. Werner 8184, Kontrollör Beckmann 7733, Pfarrer Korell 5060 und Professor Gisevius 2569 Stimmen.

Es war also zwischen Dr. Werner und Kontrollör Beckmann eine Stichwahl (eine Woche später) erforderlich. Diese Nachwahl gewann Dr. Werner (Deutschsoziale Partei, DSP, auch: Deutschsoziale Antisemitische Partei) und er zog für den Wahlkreis Gießen in den Reichstag ein.

Auch in Klein-Eichen konnte Ferdinand Werner in der Hauptwahl 24 Stimmen für sich verbuchen. Gisevius erhielt 6 Stimmen. Eine Stimme ging an Korell. Keine Stimme erhielt Beckmann. In der Stichwahl konnte Dr. Werner 40 Stimmen verbuchen, Beckmann dagegen keine. Der Wahlkampf für Gisevius und Korell vor einigen Tagen im Dorf hatte diesen beiden Bewerbern also nichts gebracht.

(Grünberger Anzeiger/wiki)

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06. März 1911

Wahlkampf zur Reichstagswahl

Am Samstag (4. März 1911) hielt ein Vertreter der fortschrittlichen Volkspartei in der Krieger'schen Wirtschaft in Klein-Eichen einen Vortrag, worin er unter anderem besonders das Verhalten des Bundes der Landwirte in der Frage der letzten Steuerreform kennzeichnete und zum Schlusse mit warmen Worten seinen Kandidaten, Herrn Pfarrer Korell, zur Wahl am 10. März empfahl.

Gestern Abend (6. März 1911) nun fand in derselben Wirtschaft auch eine nationalliberale Wahlversammlung statt. Zuerst sprach Herr Riedel über die Aufgaben der nationalliberalen Partei in zukünftigen Reichstag. Danach stellte sich Herr Prof. Dr. Gisevius aus Gießen als Kandidat vor und sprach noch kurz über den Schutzzoll, der für Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung so wichtig sei.

Die Redner an beiden Abenden sprachen sehr ruhig und sachlich und nicht verletzend gegenüber anderen Parteien. Es fehlte ihnen deshalb nicht an Beifall. Leider waren die Versammlungen nur mäßig besucht.

(Die Fortschrittliche Volkspartei (FVP) war eine linksliberale und bürgerlich-demokratische Partei im Deutschen Kaiserreich.

Die Nationalliberale Partei (NLP) war eine liberale Partei während des Norddeutschen Bunds und Deutschen Kaiserreich.)

(Grünberger Anzeiger/wiki)

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03. März 1911

Elektrizitätswerk Oberhessen

In seiner gestrigen (03. März 1911) Sitzung hat der Provinzialausschuß eine von der Provinzialdirektion ausgearbeitete Vorlage genehmigt, nach der die Provinz aus einem vom Staat in Wölfersheim zu erbauenden Kraftwerk elektrische Energie beziehen wird und damit ungefähr die Hälfte der Provinz Oberhessen mit Licht und Kraft versehen kann. Über die Vorlage wird der Provinzialtag in seiner für den 27. März in Aussicht genommenen Sitzung zu befinden haben.

In nördlicher Richtung.reicht das Versorgungsgebiet bis Lich, Grünberg und Laubach einschließlich, in westlicher und südlicher Richtung sind seine Grenzen die Landesgrenzen, in östlicher Richtung ist es begrenzt durch den Kamm des hohen Vogelsbergs.

Mit Ausführung des Projekts wird für den Fall seiner Genehmigung durch die berufenen Faktoren alsbald nach dem 1. April d. J. begonnen werden. Die auf Errichtung eines Provinzial-Elejtrizitätswerks gesetzten Hoffnungen werden hiernach demnächst aller Voraussetzung nach in Erfüllung gehen.

(1913 ließ die großherzoglich hessische Regierung in Wölfersheim das erste Kraftwerk im Großherzogtum Hessen-Darmstadt errichten. Dieses Kraftwerk mit der für spätere Verhältnisse bescheidenen Leistung von nur 2,6 Megawatt war die Keimzelle des Überlandwerks Oberhessen, der heutigen OVAG. Zur Versorgung des Kraftwerkes wurden in Wölfersheim und Umgebung mehrere untertägige Gruben aufgeschlossen.)

(Grünberger Anzeiger/wiki)

 
27. Februar 1911

Familienabend

DAm 27. Februar 1911 hielt der hiesige Kirchengesangverein einen Familienabend im Dieh'schen Saale ab, wobei Herr Pfarrer Jung von Ober-Ohmen einen Lichtbildervortrag aus dem Gebiete der inneren Mission hielt. Herr Lehrer Schmidt von der Volksschule Lardenbach/Klein-Eichen hatte die Verlesung der für die einzelnen Bilder entsprechenden Texte übernommen.

Die Pausen wurden durch passende Chöre des Kirchengesangvereins und durch zweistimmige Lieder der Schüler ausgefüllt. Am Schlusse dankte Herr Lehrer Schmidt im Namen des Vereins und der ganzen Gemeinde dem Vortragenden für seine gehabte Mühe.

Letzterer erstattete dann seinerseits wieder seinen Dank Herrn Schmidt für den schönen Vortrag der die Bilder begleitende Worte, dem Verein und den Schülern für die schönen, die Feier sehr verherrlichenden Gesänge und den Zuhörern für den zahlreichen Besuch. Der Saal war nämlich bis zum letzten Platz gefüllt.

Man blieb nach dem Vortrag noch einige Zeit in gemütlicher Weise beisammen, und noch manches Chorlied durchbrauste den Saal. Man hat die Absicht, öfters solche Familienabende zu veranstalten.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. Januar 1911

Bürgermeisterwahl

Am 25. Januar 1911 fand in Klein-Eichen die Bürgermeisterwahl statt, bei welcher der seitherige Bürgermeister Müller mit 3 Stimmen Minderheit seinem Gegenkandidaten Christian Hoffmann unterlag. Ersterer erhielt 15 und letzterer 18 Stimmen. Die Zahl der Stimmberechtigten war 41 (nur Männer durften wählen). Möge die Wirksamkeit des Neugewählten für unsere Gemeinde eine segensreiche sein. (Bürgermeister der Landgemeinden wurden unmittelbar von den wahlberechtigten Gemeindebürgern gewählt.)

(Grünberger Anzeiger)

 
13. Januar 1911

Vortrag über Obstbau

Am Freitag, 13. Januar 1911, hielt am Abend in der Kriegerschen Wirtschaft in Klein-Eichen Herr Obstbaulehrer Koch von Alsfeld einen lehrreichen, ziemlich gut besuchten Vortrag aus dem Gebiet des Obstbaues. Der Redner betonte unter anderem sehr, dass es neben den allgemeinen, gewöhnlichen Arbeiten an den jungen Bäumchen doch ganz besonderes auf die gute Behandlung und Düngung des Bodens vor und nach der Einpflanzung des jungen Stämmchens ankomme, um einen guten Baum und eine gute, befriedigende Ernte an Früchten zu erhalten.

Auch empfahl er sehr, wenn trotz aller dieser Arbeiten der Erfolg ausbleibe, den Baum mit einer anderen, passenden Sorte umzupfropfen. Nach Schluß des Vortrags fand eine Verlosung von 4 Äpfel- und 3 Blutnutzstämmchen unter die Mitglieder des Obstbauvereins statt. Einige Zuhörer traten auch der hiesigen Ortsgruppe des genannten Vereins bei. Trotz des ziemlich hohen Schnee's dahier fand heute Morgen doch eine Besichtigung einiger neuer Baumanlagen statt.

(Grünberger Anzeiger)

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1910

Ortslageplan

Bei der Suche nach Informationen über Klein-Eichen aus vergangenen Tagen fand sich im Grünberger Rathaus dieser alte Plan über die Ortslage des Dorfes. Die Zeichnung wurde etwa um das Jahr 1910 erstellt, um die neue Wasserversorgung für Klein-Eichen und Lardenbach zu planen. Bekanntlich wurde 1911 der Hochbehälter auf dem Galgenberg erbaut, und seit dieser Zeit fließt das Wasser von dem Brunnen bei Wohnfeld bis auf den Galgenberg und dann ins Leitungsnetz der zwei Dörfer.

In der Karte ist nun die Verzweigung der Wasserleitungen entlang des Straßenverlaufes zu sehen. Interessanter ist allerdings nachzuverfolgen welche Gebäude zu erkennen sind. Dabei sind die Wohnhäuser in roter Farbe und die Wirtschaftsgebäude in brauner Farbe dargestellt. Wenn man genau guckt, erkennt man die 32 Wohnhäuser die damals im Dorf standen. An der "Whet" steht schon das Feuerwehrgerätehaus, und an der Kreuzung im "Hinterdorf", das Bauwerk an der Straße wo heute die Kastanie bei Gerbigs Haus steht, ist das Leiterhaus der Feuerwehr zu sehen.

Auffallend sind auch die kleinen Parzellen der Gärten, Wiesen und Äcker rund ums Dorf. Die Feldwege und die Aufteilung der Flurstücke wie wir sie heute haben, entstanden erst mit der Feldbereinigung um das Jahr 1950.
Im Jahre 1910 hatte Klein-Eichen 174 Einwohner. In Lardenbach wohnten mit 356 mehr als doppelt soviele Einwohner. Beide Dörfer gehörten damals dem Kreis Schotten an.

Fotos

 
1910

Das Jahr 1910

Der Grünberger Anzeiger erinnert am 4. Januar 1910 daran, dass vor vierzig Jahren die oberhessischen Bahnlinien eröffnet wurden. Die Linie nach Fulda wurde zuerst nur bis Grünberg, die Linie nach Gelnhausen zuerst nur bis Hungen eröffnet. Beide Linien sind für den Aufschwung der Provinz Oberhessen und besonders der Stadt Gießen von höchster Bedeutung geworden. Im Laufe der letzten 15 Jahre wurden zwischen beiden Linien drei Verbindungsstrecken erbaut, zuerst die Linie Mücke-Laubach-Hungen, dann die Vogelsbergbahn Lauterbach-Grebenhain-Gedern-Stockheim und im abgelaufenen Jahre die Strecke Lich-Grünberg.

Schon seit einiger Zeit war das Gruppenwasserleitungsprojekt der Orte Groß-Eichen, Sellnrod, Lardenbach, Klein-Eichen und Weickartshain, durch den energischen Widerstand der beiden erstgenannten Orte gegen eine solche Gruppenversorgung veranlaßt, als gescheitert zu betrachten. Groß-Eichen und Sellnrod wollen nun eine gemeinsame Leitung erbauen, wozu die Quellschürfungs- und fassungsarbeiten schon ausgeschrieben sind.
Aber auch für die drei anderen Orte hat die Gr. Kulturinspektion Gießen den Plan für eine Gruppenversorgung ausgearbeitet und gestern (19. Januar 1910) in einer gemeinschaftlichen Sitzung mit den Ortsvorständen Lardenbachs und Klein-Eichens denselben vorgetragen. Man war mit der Ausarbeitung dieses Planes einverstanden. Wenn nun auch die Gemeinde Weickartshain in der demnächst stattfindenden Sitzung mit der Kulturinspektion ihre Einwilligung gibt, was allgemein erwartet wird, so wird wohl bald der Wunsch vieler nach einer Wasserleitung seiner Verwirklichung entgegengehen. Die zu dieser Gruppe vorgesehenen Quellen liegen in der Nähe einer Mühle zwischen Wohnfeld und Schmitten.

Zu Ehren des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers haben die Kriegervereine Lardenbach und Klein-Eichen eine größere Festlichkeit in der Form eines gemeinschaftlichen Familienabends auf Sonntag, den 30. ds. Mts., abends 7 Uhr beginnend, in dem Saal der Diehl'schen Gastwirtschaft geplant. Es werden verschiedene Prologe, Deklamationen, Festspiele und Liedvorträge durch die hiesigen Schüler unter Leitung des Lehrers Schmidt zur Aufführung gebracht. Auch wird unser Herr Pfarrer Weinberger einen interessanten Vortrag über Lardenbachs früheste Vergangenheit und Entwicklung bis heute halten.

Am letzten Freitag Abend (28. Januar 1910) wurde in der Diehl'schen Gastwirtschaft die Fischerei der Seenbach in hiesiger Gemarkung auf weitere 12 Jahre verpachtet. Es wurde gegen früher ein sehr hoher Preis erzielt. Das eine Stück, von der Grenze Freienseen bis zur Seenbrücke, erhielt ein Konsortium von hier für 18 Mark und bei dem anderen Stück, von der Grenze Stockhausen bis zu vorgenannter Brücke, blieb der frühere Pächter, Herr Betriebsführer Zeiler von Stockhausen, mit 39 Mark Höchstbietender. Zusammen wurde also ein Preis von 57 Mark erziehlt, gegen 15 Mark früherer Pacht. Zu bedauern ist nur, daß der früher gute Fischbestand durch trübe Abwässer zurückgegangen ist.

Die beiden Kriegervereine Lardenbach und Klein-Eichen feierten gestern Abend (30. Januar 1910) im Diehl'schen Saale den Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers. Es war eine Feier, wie sie wohl noch niemlas in unserer Gemeinde gesehen worden ist. Der hiesige Lehrer, Herr Schmidt, hatte ein Programm entworfen, das einen jeden Teilnehmer voll und ganz befriedigte. Einige Schüler und Schülerinnen leiteten die Feierlichkeit durch Vortragen von Prologen ein.
Nachdem dann der vierstimmige Chor: "Dem Kaiser tönt mein Lied" verklungen war, trugen sechs kleinere Knaben, mit Fähnchen und Schärpen in den deutschen Landesfarben geschmückt, einen längeren Dialog sehr schön und wirksam vor. Herr Lehrer Schmidt hielt dann eine von patriotischem Geiste durchwehte und von Herzen kommende Ansprache, in welcher er in beredten Worten einen kurzen Rückblick auf den Lebensgang unseres erhabenen Kaisers warf und zum Schluß die Glückwünsche in den Worten zum Ausdruck brachte, Treue, Liebe und Anhänglichkeit seines Volkes möge unserm Kaiser der schönste Dank für sein so rastloses Streben und Mühen in der Friedensarbeit sein und bleiben.
Das darauf durch die Schüler aufgeführte Festspiel: "Schmückung der Kaiserbüste", war ergreifend und das daran sich anschließende lebende Bild, in welchem besonders der Wintersmann durch seine trefflich gelungene Gestalt auffiel, entzückte alle Zuschauer.
Herr Pfarrer Weinberger hielt sodann einen längeren, beifällig aufgenommenen Vortrag über Lardenbachs erste Anfänge und Vergangenheit, soweit diese sich aus den vorhandenen Urkunden nachweisen ließen. Hierin schilderte er auch besonders die Zustände aus der Zeit des 30jährigen Krieges. Sein Hoch galt dem engeren Vaterland. Den Schluß bildete das in allen Stücken vorzüglich gelungene Festspiel der Kinder, worin die Germania ihre Bundesstaaten empfing. Großartig und erhebend war dieser Vortrag und als Glanzleistung der Kinder anzusehen. Besonders schön dargestellt war die Germania durch die Tochter des Herrn Pfarrer Weinberger.
Die Zwischenpausen füllten treffliche vaterländische Gesänge der Schüler aus. Zum Schlusse wurden die Kinder zum Lohn für ihre große Mühe mit Brezeln bedacht und dem Leiter des Ganzen, Herrn Lehrer Schmidt, der wärmste Dank dargebracht. Der Wunsch, solche Familienabende noch öfters zu feiern, wurde allenthalben geäußert.

Im Walde, unweit Stockhausen, wurde Anfang Februar, wie die Zeitung berichtete, ein alter Mann, namens Dörr aus Flensungen, erfroren aufgefunden.

Die Musterung und Losziehung der Militärpflichtigen für das Jahr 1910 findet statt: Zu Lich in der Turnhalle ... Zu Grünberg im Hotel "Zum Hirsch" ... Zu Homberg a. d. Ohm im Rathaussaal ... Zu Alsfeld in dem Weinhaussaal ... Zu Laubach im Gasthaus von Otto Desch am Mittwoch den 6. April vormittags 9 Uhr Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Altenhain, Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg, Schmitten, Sellnrod und Wetterfeld.

Am zweiten Osterfeiertage (28. März 1910) gibt es eine Tanzbelustigung bei Konrad Diehl in Lardenbach.

Die Frühjahrs-Kontrollversammlungen finden statt: ... Zu Freienseen am Alluh am 25. April nachmittags 2 Uhr für die Gemeinden: Altenhain, Schmitten, Sellnrod, Freienseen, Groß-Eichen mit der Krummetsmühle, Klein-Eichen, Ilsdorf (Solms), Lardenbach und Wohnfeld. - Es haben ohne weiteren Befehl zu erscheinen: 1. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve und der Landwehr. 2. Die Mannschaften der Reserve und Landwehr. 3. Die ... entlassenen Mannschaften. 4. Die Ersatzreservisten. - Jeder Kontrollpflictige hat zu dem Appell zu erscheinen. Die Militärpässe sind mitzubringen. Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen, Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Sämtliche Mannschaften stehen während des ganzen Kontrolltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz. Demgemäß werden auch Unpünktlichkeit und Versäumnisse der Kontrollversammlung bestraft.

Bedauernswert ist die Familie Högy aus Klein-Eichen, deren dreijähriges Kind am Montag (25. April 1910) in einem unbewachten Augenblick in ein Gefäß mit kochendem Wasser fiel, und an den schrecklichen Verbrühungen verstorben ist. (Der kleine Junge Otto war das vierte Kind von Wilhelm Högy und dessen Frau Maria, geb. Lein. Er war damit ein älterer Bruder von "Högys Otto".)

Im Mai gibt der Grünberger Anzeiger bekannt, dass die diesjährige Revision der Maße und Gewichte von der zweiten Hälfte des August ds. Js. ab stattfindet. Und zwar für die Orte: Altenhain, Bobenhausen, Feldkrücken, Freienseen, Groß-Eichen, Helpershain, Höckersdorf, Klein-Eichen, Köddingen, Kölzenhain, Lardenbach, Meiches, Ober-Seibertenrod, Rebgeshain, Schmitten, Sellnrod, Solms-Ilsdorf, Stumpertenrod, Ulrichstein, Unter-Seibertenrod und Waldgemarkung Laubach. Die näheren Bestimmungen über das Eichverfahren sind bei den betreffenden Bürgermeisereien zu ersehen.

Bei der heute Mittag (29. Juli 1910) in Lardenbach stattgefundenen Gemeinderatswahl wurden die seitherigen Mitglieder Konrad Ruppel und Heinrich Buß wieder- und Heinrich Keller VII. neugewählt. Die Beteiligung an der Wahl war ziemlich gering, da von 78 Wahlberechtigten (nur Männer) nur 35 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Die Kandidatenliste war dagegen umso reichhaltiger, es standen nicht weniger als 18 darauf.

Bei der gestern mittag (3. August 1910) in Klein-Eichen stattgefundenen Gemeinderatswahl wurden die seitherigen Mitglieder: Landwirt Wilhelm Zimmer (Schusters-Haus), Landwirt Heinrich Eckhardt (Kühns-Haus) und Spezereihändler Karl Mölcher (Döhlers-Haus) mit Majorität wiedergewählt. Wegen des guten Wetters, das sehr viele aufs Feld trieb, war die Wahlbeteiligung ziemlich gering.

Am Sonntag den 7. August hält der Krieger-Verein Lardenbach ein Preisscheibenschießen ab. Und am Sonntag den 14. August hält der Kriegerverein Klein-Eichen ebenfalls ein Scheibenschießen (auf der Bachwiese) ab. Und am Sonntag den 21. August folgt wieder ein Preisscheibenschießen des Krieger-Verein Lardenbach.

Gestern (21. August 1910) und am 7. August hielt der hiesige Kriegerverein sein diesjähriges Preisschießen ab. Das gute Wetter an beiden Tagen lockte viele herbei, sodaß die Beteiligung eine gute war. Am ersten Tage gab es Geldpreise, während gestern als Preise nützliche Gegenstände verteilt wurden. Erste Preise erhielten Heinrich Horst IV. von Klein-Eichen und Forstwart Knöß von Lardenbach. Ehrenscheiben fielen an Heinrich Mölcher XI. von Lardenbach und Christian Hof(f)mann von Klein-Eichen.

Der Grünberger Anzeiger gibt bekannt, dass Einquartierungen in vielen Vogelsbergern Dörfern bevorstehen. So auch in Klein-Eichen vom 2. bis 6. September (2 Off.,33 Mann,20 Pferde), am 10. und 11. September (3 Off., 99 Mann, 1 Pferd), am 13. September (240 Mann, 120 Pferde) und am 14. u. 15. September (3 Off., 133 Mann, 1 Pferd).

Am Mittwoch und gestern (30. September 1910) fanden die Apfelversteigerungen an den Kreisstraßen Kreuz-Wetterfeld-Laubach-Freienseen-Flensungen statt. Es wurden trotz der großen Menge des Obstes sehr hohe Preise erziehlt. Die Obsthändler und Apfelweinproduzenten haben die Preise sehr in die Höhe getrieben. Die Qualität des Obstes war fast durchweg eine sehr gute.

Die Zeitung veröffentlichte am 6. Oktober 1910 folgende Erklärung: "Die von mir am 21. September lfd. Js. in der Wirtschaft von Diehl in Lardenbach gegen Christian Siegfried in Laubach und seine Familienangehörigen getanenen unüberlegten Beleidigungen nehme ich hiermit mit dem Ausdruck des Bedauerns als unwahr zurück. Lardenbach, am 4. Oktober 1910 Konrad Sauer

Am 3. November 1910 fand eine gemeinsame Sitzung der Ortsvorstände von Lardenbach und Klein-Eichen statt, der auch Vertreter der Gr. Kulturinspektion Gießen beiwohnten. Gegenstand der Beratung war die Wasserversorgung der genannten Orte. Der geplante Bau einer gemeinschaftlichen Wasserleitung hatte sich durch das Scheitern der von der Kulturinspektion vorgesehenen Gruppenwasserversorgung bis dahin sehr in die Länge gezogen.
Die aufgeschürfte Quelle im "Seeberg" ergab dazu auch nur einige 30 Kubikmeter Wasser, was für die beiden Gemeinden nicht reichte. Man beschloß nun heute, mit der Gemeinde Sellnrod in Verbindung zu treten, um die in ihrer Gemarkung liegende Quelle "in den Seifen" käuflich zu erwerben. Da diese Quelle nach früheren Messungen einige 20 Kubikmeter Wasser liefert, so können diese beiden Quellen den Wasserbedarf obiger Orte decken. Wenn dieser vorgesehene Plan gelingt, so kann im nächsten Frühjahr schon mit dem Bau der lang ersehnten Wasserleitung begonnen werden.

Bekanntmachung. Die Auszahlung und Beischreibung der Zinsen von Einlagekapitalien bei der hiesigen Bezirkssparkasse geschieht: ... Montag, den 12. Dezember für die Orte Klein-Eichen, Merlau und Nieder-Ohmen; nachmittags von 2-4 Uhr für Grünberg. ...

Am 8. Dezember veröffentlicht der Grünberger Anzeiger die Volkszählungsergebnisse. Demnach hat die Gemeinde Klein-Eichen die Anzahl von 34 Haushaltungen. Die Einwohnerzahl beträgt 170, davon sind 170 evangelisch. (1905: 149.)
In Lardenbach beträgt die Zahl der Haushaltungen 67. Die Einwohnerzahl beträgt 319, davon sind 300 evangelisch, 1 katholisch und 18 israelitisch. (1905: 337.)
Berichtigt werden später die Zahlen von Lardenbach insofern, dass hierorts keine Juden ansässig sind, dagegen sind unter den 319 Einwohnern 19 christliche Dissidenten.

Sehr mit Freuden wird es in Lardenbach begrüßt, dass der vor fast 2 Jahren eingegangene Kirchengesangverein auf Veranlassung des Herrn Pfarrer Weinberger wieder neu ins Leben getreten ist. Schon vor vielen Jahren wurde hier ein Kirchenchor gegründet, der aber später wegen Mangel an einem Dirigenten wieder eingehen mußte. Als Herr Lehrer Schmidt die hiesige Schulstelle antrat, lebte der Verein wieder frisch auf, da man in genanntem Herrn einen tüchtigen Dirigenten fand.
Leider wurde aber nach kaum 2 Jahren wegen eingetretener Zwistigkeiten unter verschiedenen Mitgliedern das Singen wieder eingestellt, nachdem der Verein unter sicherer Leitung schon recht Tüchtiges leistete. Allgemein gewünscht wird nun, dass die Wirksamkeit des Chores nun eine längere sein möchte, wie vorher, zum Zwecke der Pflege des schönen Gesanges und der Verschönerung unserer kirchlichen und patriotischen Feste.
Am 2. Weihnachtsabend werden die hiesigen Schüler in unserer Kirche wieder wie früher ein Weihnachtsfestspiel aufführen, worin Deklamationen der Kinder mit Gesängen wechseln. Auch wird der Kirchenchor diesmal mitwirken.

Endlich ist nun unser Wasserleitungsprojekt soweit gediehen, dass seine Ausführung in allernächster Zeit in Angriff genommen wird. Wie ja bekannt ist, so reichte das Wasser der aufgeschürften Quelle im "Seeberg" nicht aus, und man beabsichtigte Anfangs noch eine Quelle "in den Seifen", in der Gemarkung Sellnrod gelegen käuflich zu erwerben, da aber die Preisvorderung dieser Gemeinde sehr hoch war, so kaufte Gr. Kulturinspektion Gießen im Auftrag der Gemeinde Lardenbach und Klein-Eichen ein Quellgebiet bei Wohnfeld für den Preis von etwas über 3000 Mark.
Die Hauptquelle daselbst, der sogenannte "Fritzeborn" gibt nach den schon seit längerer Zeit erfolgten Messungen allein etliche 80 Kubikmeter Wasser. Im ganzen Gebiet sollen aber die Quellen zusammengefaßt werden und da obige Gemeinden nur etliche 40 Kubikmeter Wasser pro Tag gebrauchen, so können sie später an andere Orte noch Wasser abgeben.
Auch der Bahnhof Weickartshain mit seinen Anwohnern wird an unsere Leitung angeschlossen. In diesen Tagen ist der Leitungsplan von Gr. Kulturinspektion fertiggestellt worden, sodaß im nächsten Frühjahr bei günstiger Witterung die Arbeiten beginnen können. Wie von zuständiger Seite versichert wird, kann die Leitung schon Ende Juli nächsten Jahres fertiggestellt sein.

Am zweiten Weihnachtsfeiertage gibt es Tanzbelustigung bei Konrad Diehl in Lardenbach.

(Grünberger Anzeiger)

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15. November 1907

Gemeinderatssitzungen 1907

Aus dem Gemeinderats-Protokollbuch Klein-Eichens geht hervor, dass im Jahre 1907 nur zwei Sitzungen abgehalten wurden. Die erste fand am 13. April statt. Hierbei wurde zwischen dem Gemeinderat von Klein-Eichen und Karl Funk von Lardenbach folgender Vertrag abgeschlossen: "Der Gemeinderat überlässt dem Karl Funk von Lardenbach das Grundstück Flur IV Nr 218 (1400 qm) Wüstung Galgenberg auf sechs Jahre unentgeltlich unter der Bedingung, dass Funk das Grundstück in Culturmäßigenstand, nämlich als Ackerland, herstellen muß. Nach diesen sechs Jahren soll und will Funk das Grundstück noch weitere sechs Jahre, vom 31. September 1912 bis zum 31. September 1918 in Benutzung haben (Anm. es gibt nur den 30. September). Funk verspricht aber, jährlich die Pachtsumme von von fünf Mark an die Gemeindekasse zu zahlen. Diese ist auf Weihnachten jeden Jahres fällig - erstmals auf Weihnachten 1913."

Ebenfalls in dieser Sitzung am 13. April 1907 (das war ein Samstag) hat man sich über die Versicherung des Mobiliars der Gemeinde gegen Feuerschäden unterhalten. Dazu heißt es im Protokoll: "Nachdem der Gemeinderat in gesetzlicher Anzahl erschienen ist, wurde demselben die Großherzogliche Kreisamt-Verfügung über Versicherungen in Vorlage gebracht. Nach Kenntnisnahme erklärt der Gemeinderat: Wir beantragen die Versicherung des Gemeindeinventars, auch der Feuerlöschgeräte an der Brandstätte - mit Ausnahme der Feuerspritze - und möchten auch das gesamte Spritzenhausinventar von der Versicherung ausgeschlossen lassen. Denn das Spritzenhaus ist außerhalb des Ortes bei dem Gemeindeteich erbaut. Wo kaum anzunehmen ist, dass dasselbe abbrennen könnte.

Die zweite Sitzung im Jahre 1907 fand dann am Freitag, dem 15. November statt. Zu Punkt 1 der Tagesordnung wurde damals beschlossen, von der Vertilgung der Feldmäuse in einem gemeinschaftlichen Vorgehen abzusehen, weil jeder Ortsbürger und Landwirt dies bereits schon erledigt. Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurde beschlossen zur Festsetzung des ortsüblichen Tagelohns eines gewöhnlichen Tagearbeiters keine Änderungen vorzunehmen. Zu Punkt 3 äußerte sich der Gemeinderat zur Quellenwasserleitungsanlage. Hierzu sollen die Arbeiten nicht ruhen. Auf Antrag einer Mehrheit der Bürger sollen weitere Schürfungsarbeiten in der Gemarkung Sellnrod vorgenommen werden. Dabei sollen die Bedingungen des Gemeinderatbeschlusses vom 10. Dezember 1906 berücksichtigt werden. Im letzten Tagesordnungspunkt beschloss man das gemeinschaftliche Gelände die Steinwiese dem Christian Hoffmann als Bauplatz abzutreten. Der Preis dafür soll später festgelegt werden.

Unter jedem Protokoll heißt es dann: Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben. Bürgermeister zu dieser Zeit war Wilhelm Heinrich Müller (Großvater von Albert Müller und Urgroßvater von Walter Müller). Als Beigeordnete des Gemeinderates haben fünfmal Zimmer unterschrieben. Desweiteren finden sich die Namen Hofmann, Felsing, Eckhardt, Mölcher und Krieger unter den Protokollen.

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10. Mai 1902

Meldungen

Nach der vom Großherzoglichen Ministerium des Inneren für das Etatsjahr 1902/03 genehmigten Übersicht der Umlagen der Kommunalbedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Schotten, werden erhoben in: Freienseen 4600 Mk (Mark), Gonterskirchen 4000 Mk, Groß-Eichen 7000 Mk, Solms-Ilsdorf 780 Mk, Klein-Eichen 1200 Mk, Lardenbach 1800 Mk, Laubach 24 000 Mk, Ruppertsburg 6000 Mk, Schotten 27 500 Mk, Ulrichstein 5799 Mk und Wetterfeld 2200 Mk.
(Umlagen = Zahlungen der Gemeinden an den Landkreis).

Am Mittwoch den 14. Mai, Vormittags 10 Uhr, findet die Vormusterung des Pferdebestandes statt. Zu Lardenbach am Ausgang nach Sellnrod aus den Gemeinden Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Groß-Eichen, Klein-Eichen, Sellnrod, Schmitten und Freienseen.

Seit dem Himmelfahrtstag (8. Mai 1902) sind die Höhen des Oberwaldes stellenweise mit Schnee bedeckt; auch nach tiefer gelegenen Orten erstreckt sich die Schneedecke. Haben die neulichen kalten Tage den Blüthen keinen Schaden zugefügt, so dass Kirschen und Birnen meist gut angesetzt haben, so hat die letzte Nacht, in der das Thermometer einige Grad unter Null aufwies, an den aufblühenden Apfelbaumblüten, die heute mit Reif stark bedeckt waren, einen größeren Schaden verursacht.

Seit 1897 hat der Landw. Verein für die Provinz Oberhessen die Zuchtbestrebungen in die Hand genommen und verfolgt in consequenter Weise das Ziel, leistungsfähigere Thiere von guter Gesundheit und sicherer Vererbungsfähigkeit zu züchten. Zu diesem Zwecke sind Herdbücher eingerichtet worden, in welche die Thiere, welche dem Zuchtziel entsprechen, eingetragen werden. Es wurden Zuchthöfe und Bullenstationen errichtet, es wurden bessere Zuchthiere beschafft, die auf den Thierschauen prämierten Thiere wurden auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft usw. Um aber gesunde Thiere zu züchten, ist vor allem eine gesunde, naturgemäße Haltungsweise der Thiere nothwendig. Der Landw. Provinzialverein hat zu diesem Zwecke 4 Jungviehweiden und 1 Fohlenweide eingerichtet, auf welchen in diesem Jahre ca. 220 Rinder und 55 bis 60 Fohlen aufgetrieben werden können. Thiere von guter Abstammung werden erst durch den Weidebetrieb zu wertvollen Zuchtthieren. Es ist daher nur wünschenswert, dass recht viele Landwirthe Gebrauch von den Weiden machen.

(Grünberger Anzeiger)

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12. April 1902

Frühjahrs-Controlversammlungen

Die Frühjahrs-Controlversammlungen zu Laubach finden am 29. April 1902 Nachm. 3 Uhr auf der Straße nach Wetterfeld statt. Das gilt für die Bewohner von Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen mit der Grummertsmühle, Wadenhäusermühle und Ziegelei, Ilsdorf (Solms), Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld. Hier für: Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr 1. Aufgebots. Reservisten und Wehrleute 1. Aufgebots, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen und sämtliche Ersatz-Reservisten.

(Grünberger Anzeiger)

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07. März 1902

Holzversteigerung

Im Grünberger Anzeiger sind die Bekanntmachungen zu Holzversteigerungen aus vielen Dörfern immer wieder aufgeführt:

"Freitag den 7. März d. J. (1902), Nachmittags von 1 Uhr an, soll in dem Gemeindewald Klein-Eichen folgendes Holz versteigert werden: 45 Stück Kiefern und Fichten Stämme von 14-16 cm Durchmesser, bis 15 m Länge, 14,52 fm, 7 Raummeter Kiefern Prügel.

Nach Beendigung der Gemeinde-Holzversteigerung kommt aus dem Privatwald Eckhards Erben folgendes Holz zur Versteigerung: 18 Festmeter Fichten Stämme und Stangen, 12 Raummeter Fichten Stöcke, 6 Raummeter Kiefern Stöcke.

Großh. Bürgermeisterei Klein-Eichen. Müller."

Schon im Februar fand in Lardenbach die erste Holzversteigerung statt. Hier waren die Mengen wesentlich größer:

"Montag den 3. Februar d. J. (1902) soll im hiesigen Gemeindewald in den Distrikten Backtrögen, Hessenhain, Haidstruth und Pfortwald folgendes Holz versteigert werden: 752 Stück Fichten Derbstangen, 70,41 Festmeter, 25 Stück Fichten Reisstangen, 0,84 Festmeter, 105 Stück Fichten Stämme von 13 bis 29 cm Durchmesser, 3,4 bis 25 m Länge, = 43,41 Festmeter, 239 Stück Eichen Stämme von 13 bis 42 cm Durchmesser, 2 bis 17 m Länge, = 109,43 Festmeter, 2 Stück Buchen Stämme von 43 bis 53 cm Durchmesser, 3,8 bis 7 m Länge, = 1,86 Festmeter.

Der Anfang ist Vormittags 9 Uhr im Distrikt Backtrog beim Pflanzgarten.

Großh. Bürgermeisterei Lardenbach. Lein."

Eine weitere Versteigerung fand im März statt:

"Montag den 3. März l. J. (1902) soll im hiesigen Gemeindewald folgendes Holz versteigert werden: 117 Stück Fichten Stämme von 13-36 cm Durchmesser, 2,6-26 m Länge = 76,84 Fm, 7 Stück Fichten Derbstangen = 0,92 Fm, 1 Stück Kiefern =0,66 Fm; Buchen; Rm 23,1 Scheit, 10 Knüppel, 22 Stammreisig, 22,3 Astreisig, 4 Stöcke, Eichen: Rm 43,7 Knüppel, 27,5 Reiserknüppel, 7 Reisig, 2,8 Stöcke, Fichten: Rm 17,4 Knüppel, 33 Reisig.

Das zur Versteigerung kommende Fichten-Stammholz führt die Nummer von 519 aufwärts. Die Zusammenkunft ist Mittags 12 Uhr vor dem Pfortwald am Altenhainer Weg.

Großh. Bürgermeisterei Lardenbach. Lein.

(Grünberger Anzeiger)

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19. Februar 1902

Telephonische Verbindung

Die telephonische Verbindung, die sich bis jetzt auf die einzige Linie Laubach - Freienseen erstreckt, wird demnächst von Laubach aus eine bedeutende Erweiterung erfahren. Zunächst sind Ausführungen der Fernsprechstellen nach Hungen nach Süd, nach Mücke nach Nordost geplant.

Größere Kosten dürften dabei nicht entstehen, da nach beiden Richtungen bereits Theilstrecken telephonisch verbunden sind. Da damit auch weitere Anschlüsse sich ergeben, dürfte diese Neueinrichtung namentlich von hiesigen Geschäftsleuten mit Freude begrüßt werden; es wird sich daraus weiter ergeben, daß diese Einführung der telephonischen Verbindung in einzelne Häuser in absehbarer Zeit zur Ausführung kommt.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. Februar 1902

Eisenbahnbau

Am letzten Donnerstag (8. Februar 1902) erfolgte auf der im Bau befindlichen Eisenbahnstrecke nach der Freienseener Seite zu der Tunneldurchbruch, nachdem vor etwa zwei Monaten der Tunnel von der Waldseite aus in Angriff genommen worden war.

Infolge der günstigen Winterwitterung, die es sehr selten zur Unterbrechung kommen läßt, sind überall die Erdarbeiten gut vorangeschritten; es wird an vier Stellen von etwa 280 Arbeitern fortwährend gearbeitet.

Wenn der Unterbau, dessen Fertigstellung in diesem Jahr geplant war, eine Verzögerung erleidet, so trägt die Geländeerwerbung, die an einigen Plätzen infolge Renitenz der Eigentümer auf Schwierigkeiten gestoßen ist, die Schuld daran. Infolge des letzteren Umstandes muß beispielsweise die in der Nähe der Kantine begonnene Arbeit wieder aufgeschoben werden.

(Grünberger Anzeiger)

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08. Januar 1902

Schweineverkauf

Von Landwirt Heinrich Keller in Lardenbach wurde ein Schwein verkauft, welches das respectable Lebendgewicht von 608 Pfund aufwies.

(Grünberger Anzeiger)

 
21. November 1901

Vom Bahnbau im Seenbachtal

Infolge der Arbeitseinstellung ruht der Bahnbau bei Freienseen augenblicklich vollständig. Am "Kaff" schreitet derselbe nur langsam fort, da die Errichtung eines ca. 8 Meter hohen Dammes, sowie die Ausdehnung des den Tunnel einleitenden Einschnitts einige Schwierigkeiten bereiten. Am nächsten Montag (2. September 1901) wird unter Zuziehung meist italienischer Arbeiter der Bau am Ringelsberg in Angriff genommen. Zur leichteren Unterbringung und Verköstigung derselben wird daher eben an der Straße nach Schotten eine Arbeiterkantine errichtet. 18 Meter lang und 10 Meter breit, zerfällt sie in Schlaf- und Speiseraum, Küche, Renaurationszimmer und Privatzimmer für den Besitzer.

Das jetzt (25. September 1901) günstige Herbstwetter ermöglicht ein rasches Fortschreiten der Eisenbahnarbeiten. Auf beiden Seiten des projektierten Tunnels am "Kaff" sind etwa 100 Arbeiter (Italiener) mit Erdräumungsarbeiten und Sprengungen beschäftigt. Nach der nach Freienseen zu gelegenen Seite ist man ziemlich bis zur Tunnelsohle gekommen, während dies auf der Jenseite noch längerer Zeit bedarf. Das Material wird durch zwei Lokomotiven fortgeschafft und zur Erbauung von Dämmen verwandt. Interessant ist der Aufbau eines Dammes in nahe gelegener Waldwiese; derselbe erreicht die wohl als selten zu bezeichnende Höhe von 13 Meter. Das rege Treiben auf dem Arbeitsplatze lockt täglich Zuschauer herbei, die mit Interesse den Arbeiten zusehen.

Der Kriegerverein Freienseen hatte in der Hofmann'schen Wirtschaft dahier (27. Oktober 1901) eine Abendunterhaltung veranstaltet und während derselben wurde einigen am Bahnbau Laubach - Mücke beschäftigten Italienern, die sich eingedrängt hatten, das Local verwiesen. Einer der sich der Ausweisung Widersetzenden zog einen Revolver und brachte dem Sohn des Wirthes einen Schuß in ein Bein bei. Die nächste Folge der Unthat war, dass der Attentäter eine Tracht Prügel bezog, die ihm sobald nicht aus dem Gedächtnis entschwinden dürfte.

Auf Veranlassung des Gr. Kreisamtes Schotten wurde durch den dort stationierten Gendarmeriewachtmeister am gestrigen (21. November 1901) ein bei dem Bahnbau beschäftigter Italiener verhaftet und in die Untersuchungshaft abgeführt. Derselbe soll Äußerungen gethan haben, in denen er S. Maj. den deutschen Kaiser bedroht; auch wird er beschuldigt, bei seinen Arbeitskollegen anarchistische aufreizende Redensarten geführt zu haben.

(Grünberger Anzeiger)

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23. Oktober 1901

Gemeinderatsergänzungswahlen

Der Grünberger Anzeiger berichtet am 23. Oktober 1901:

Die diesjährigen Gemeinderatsergänzungswahlen in einigen Dörfern des Kreises Schotten hatten folgende Ergebnisse: Es wurden gewählt in: 1. Freienseen: Hermann Eduard Jost, Christian Batz, Ferdinand Immelt. 2. Gonterskirchen: Georg Damer, Wilhelm Lind, Georg Konrad Graf. 3. Groß-Eichen: Peter Rahn, Johannes Rock, Christian Eimer. 4. Solms-Ilsdorf:: Konrad Rahn, Philipp Bast, Johannes Stühler. 5. Klein-Eichen: Karl Mölcher, Heinrich Eckhardt, Wilhelm Zimmer II. 6. Lardenbach: Konrad Ruppel, Heinrich Buß, Karl Knöß. 7. Laubach: Rudolf Ritter, Friedrich Helmich, Heinrich Christian Jochem, Konrad Jochem, Hermann Kratz. 8. Ruppertsburg: Friedrich Wagner, Karl Schlörb, Konrad Marx. 9. Wetterfeld: Johannes Kühn, Daniel Hofmann, Heinrich Keller.

Karl Mölcher wurde 1862 in Lardenbach geboren und heiratete in Klein-Eichen 1886 Lina Zimmer aus Klein-Eichen. Familie Mölcher lebte in "Döhlers-Haus". Heinrich Eckhardt wurde 1870 in Klein-Eichen geboren, heiratete dort 1895 Elisabetha Zimmer aus Klein-Eichen. Familie Eckhardt lebte in "Kühns-Haus". Wilhelm Zimmer II wurde 1865 in Lardenbach geboren (weil Mutter geb. Lind) und heiratete in Klein-Eichen 1896 Elisa Hofmann aus Klein-Eichen. Familie Zimmer lebte in "Schusters-Haus".

Konrad Ruppel geb. 1846 heiratete 1879 Karoline Hofmann. Heinrich Buß geb. 1856 heiratete 1884 Anna Katharina Günther. Karl Knöß geb. 1856 heiratete 1878 Susanne Mölcher.

Im Gemeinderat 1901 waren in Klein-Eichen vertreten: Bürgermeister Müller, weiter: Zimmer, Faust, Zimmer, Felsing, Eckhardt, Zimmer, Mölcher und Hoffmann.

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21. September 1901

Verfassungseid

Zur Ableistung des Verfassungseides hat das Großherzogliche Kreisamt Schotten den Termin anberaumt auf Montag den 30. September des laufenden Jahres, Vormittags 11 Uhr, in dem Rathause zu Laubach für die Gemeinden: Freienseen, Groß-Eichen, Gonterskirchen, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld, zu dem diejenigen Großh. Hessischen Staatsangehörigen, welche im Laufe der verflossenen letzten 12 Monate a) Ortsbürger geworden sind, b) sich durch Verheiratung oder Begründung eines selbstständigen Gewerbes in ihrer Gemeinde ansässig gemacht haben, c) in den Großh. Hess. Staatsverband aufgenommen wurden, zu laden sind, in dem obengenannten Termine behufs Ableistung des Verfassungseides zu erscheinen.

Jeder Ortsbürger, der das 25. Lebensjahr vollendet hatte und alle neuangenommenen Ortsbürger hatten dem Standesherren, später dem Großherzog zu huldigen, d.h. sie mussten den Treueeid leisten. Die Huldigungstermine wurden vierteljährlich vom Kreisamt anberaumt.

(Grünberger Anzeiger/Villinger Hefte)

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07. August 1901

Gemeindesteuern

Das Hessische Gesetz, die Gemeindeumlagen bestreffend, wurde im Grossherzogl. hess. Regierungsblatt vom 30. März 1901 veröffentlicht. Darin heißt es, dass die Gemeinden im Bedarfsfalle direkte Steuern (Gemeindeumlagen) vom Grundbesitz, vom Gewerbebetrieb, von der Kapitalrente und vom Einkommen der Steuerpflichtigen erheben.

Die Gemeindesteuern in den Gemeinden der Kreise Schotten und Alsfeld für die Jahre 1901 und 1902 haben von den aufgeführten Orten aufzubringen: Freienseen 4390 Mark, Gonterskirchen 4000 Mark, Groß-Eichen 6900 Mark, Solms-Ilsdorf 760 Mark, Klein-Eichen 1200 Mark, Lardenbach 1600 Mark, Laubach 26 280 Mark, Ruppertsburg 6000 Mark, Wetterfeld 3300 Mark, Atzenhain 4340 Mark, Bernsfeld 3500 Mark, Ermenrod 3800 Mark, Flensungen 3700 Mark, Ilsdorf 1800 Mark, Kirschgarten 900 Mark, Lehnheim 2900 Mark, Merlau 5474 Mark, Nieder-Ohmen 10820 Mark, Ober-Ohmen 7000 Mark, Ruppertenrod 4100 Mark und Wettsaasen 2600 Mark.

(Grünberger Anzeiger)

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08. Juni 1901

Preisschießen

Der Kriegerverein Klein-Eichen hatte für den Sonntag den 2. und Sonntag den 9. Juni 1901 zum Prisschießen eingeladen.
Acht Tage später teilte der Kriegerverein Klein-Eichen mit, dass das Preisschießen auf Sonntag den 23. Juni verschoben wird.

(Grünberger Anzeiger)

 
23. April 1901

Arbeitsvergebung

Die bei Erbauung eines Spritzenhauses in Klein-Eichen vorkommenden Arbeiten, als:

1 - Maurerarbeit, veranschlagt zu 141,80 Mark
2 - Zimmerarbeit, veranschlagt zu 157,24 Mark
3 - Dachdeckerarbeit, veranschlagt zu 106,10 Mark
4 - Schreinerarbeit, veranschlagt zu 43,69 Mark
5 - Schlosserarbeit, veranschlagt zu 38,50 Mark

sollen Montag den 23. April 1901, Nachmittags 4 Uhr, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen öffentlich versteigert werden.

Klein-Eichen, den 11. April 1901.
Großherzogliche Bürgermeisterei Klein-Eichen.
Müller (Wilhelm Heinrich, *1861-+1933)

(Grünberger Anzeiger)

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20. April 1901

Holzversteigerung

Anzeigen zu Holzversteigerungen in Klein-Eichen und Lardenbach. Siehe Bilder.

(Grünberger Anzeiger)

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15. Februar 1901

Vom Vogelsberg

Es schneit jetzt schon 3 Tage fast ohne Unterbrechung. Alle Wege sind verschneit und die Verbindungen zwischen den einzelnen Dörfern hört fast auf. Tief im Schnee waten die Holzmacher auf wenig begangenen Pfaden ihrer Arbeitsstelle zu. In bedauernswerther Lage sieht man Zigeuner tief im Schnee daher wandern; das ganze Personal muß die Wagen, vor denen die elendsten Pferde gespannt sind, schieben helfen.

Am Ausgang der Dörfer sitzen ganze Familien, 10 bis 15 Köpfe stark, um ein Feuer, hungernd, frierend, sodaß es unglaublich scheint, wie kleine Kinder von 5 bis 6 Wochen am Morgen noch am Leben sind. Ein trauriges Bild ist es, das doch, zum Lob der Bevölkerung sei es gesagt, die harte Stimmung, welche gegen das fahrende Volk Platz gegriffen, zum Mitleid umgewandelt - und die bäuerliche Bevölkerung thut an den Verstoßenen ihre Schuldigkeit.

(Grünberger Anzeiger)

 
06. Februar 1901

Öffentliche Aufforderung

Nachdem folgende Personen durch Ausschlußurteil vom 18. Dezember 1900 für todt erklärt worden sind, und nachdem ihre dem unterzeichneten Gerichte bekannte Erben Anträge auf Ertheilung von Erbscheinen gestellt haben, werden alle Personen, welche Erbanspruch an die benannten Personen machen zu können glauben, aufgefordert, diese, soweit es nicht geschehen ist, binnen 6 Wochen bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden, andernfalls die beantragten Erbscheine ohne Berücksichtigung ihrer Erbrechte ausgestellt werden.

Für todt erklärt worden sind u. a.: Heinrich Mölcher VII., geboren am 16. Oktober 1839 zu Lardenbach, Elisabethe Hof(f)mann, geboren am 22. Mai 1824 zu Klein-Eichen, ...
(Die genannten Personen sind vor mehreren Jahren nach Amerika ausgewandert. Elisabethe Hoffmann ist die jüngere Schwester von Konrad Hoffmann, der 1850 in Klein-Eichen Anne Margarethe Fuchs aus Wohnfeld heiratete. Deren Sohn, Christian Hoffmann, war ab 1911 Bürgermeister von Klein-Eichen.)

Laubach, den 6. Februar 1901, Großherzogliches Hessisches Amtsgericht

 
1900

Das Jahr 1900

Im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) war der deutsche Nationalstaat eine bundesstaatlich (oder auch gliedstaatlich) organisierte konstitutionelle Monarchie.

Nach langjähriger Beratung in zwei Juristenkommissionen und öffentlichen Debatten trat das BGB zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches am 1. Januar 1900 durch Art. 1 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuche in Kraft. Es war die erste privatrechtliche systematische Zusammenfassung der Rechtssätze eines Rechtsgebiets, die für das gesamte Reichsgebiet Gültigkeit besaß. Das BGB gilt nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland als Bundesrecht fort.

Der Grünberger Anzeiger meldet am 20. Januar: Das Bürgerliche Gesetzbuch läßt auch Frauen als Trauzeugen zu. Nun können wenigstens auch diejenigen, die keine Hoffnung mehr hegen, selbst unter die Haube zu kommen, den Gang aufs Standesamt antreten.

Der Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen gibt bekannt: Nachdem den Gemeinden und Zuchtvereinen, welche die Simmenthaler Zuchtrichtung verfolgen, Gelegenheit gegeben worden ist, durch den Import Simmenthaler Orginalbullen ihren Bedarf an besserem Zuchtmaterial mit Unterstützung des Provinzialvereins zu decken, wird hiermit auch den Gemeinden, welche die Vogelsberger Zuchtrichtung verfolgen, eine gleiche Vergünstigung geboten.

Das Großherz. Kreisgesundheitsamt Schotten veröffentlicht im Schottener Kreisblatt bezüglich der Gesunds- und Sterblichkeitsverhältnisse unseres Kreises für das verflossene Jahr 1899 statistische Zusammenstellungen, von denen folgende von Interesse sind. Der Gesundheitszustand war im Vergleich zu dem früherer Jahre ein besonders Günstiger. Gefährliche Epidemien wie Plattern, Ruhr usw. traten überhaupt nicht auf. Am ungünstigsten waren die Monate Januar, April, September bis Dezember. Im Januar erkrankten in Laubach und benachbarten Dörfern viele Personen an Influenza. Desweiteren gab es Wasserblattern und später im Jahr Masern, Scharlach und Diphterie.
Die Sterblichkeitsziffer belief sich auf 436 Personen, 7 Personen weniger als im Vorjahr. Von den verstorbenen Personen hatten 142, also nahezu ein drittel, vorher keinen Arzt. 203 hatten das 60. Lebensjahr überschritten, 81 starben an Altersschwäche, 6 verunglückten, 10 endeten durch Selbstmord, worunter 8 durch Erhängen. Die wenigste Sterblichkeitsziffer hatten die Sommermonate Juni - August.

Bei einer im benachbarten Walde zu Lardenbach im Februar abgehaltenen Holzversteigerung kam es zu einer kleinen Keilerei. Unglücklicherweise traf dabei ein hiesiger Bürger einen Steigerer aus Freienseen mit seinem Stockgriffe ins eine Auge. Was half es den Thäter, dass er den mit ihm sonst Befreundeten, dem es gar nicht gegolten hatte, um Verzeihung bat und Schadloshaltung versprach? Der unglücklich Gestroffene mußte nach der Klinik in Gießen verbracht werden, denn mit der Sehkraft des einen Auges ist es vorbei und es steht in Frage, ob das andere nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

Am Dienstag den 20. März d. J. Nachmittags 2 Uhr werden aus dem hiesigen Gemeindewald in Klein-Eichen, Distrikt Küppel, versteigert: 42 Stück Fichten- und Kiefern-Stämme von 18-34 cm Durchmesser, 7-13 Meter Länge = 15,64 Festmeter. Dazu 7 Raummeter Fichten Knüppel und 8 Raummeter Fichten Stöcke.
Großh. Bürgermeisterei Klein-Eichen, Müller.(Bürgermeister)

Im Grünberger Anzeiger erfolgte im März die öffentliche Aufforderung: Folgende verschollene Personen werden aufgefordert, sich bis spätestens in dem Augebotstermin, der auf Dienstag, 16. Oktober 1900 Vormittags 8 Uhr anberaumt wird, zu melden, widrigenfalls sie für tot erklärt werden, nämlich: Elisabethe Hof(f)mann von Klein-Eichen, geb. 22. Mai 1824 (Lardenbacher Str. 1, Haus "Gerbigs-Miele"), vor etwa 54 Jahren nach Amerika ausgewandert - Antragsteller: Pfleger Heinrich Lein von Klein-Eichen. Heinrich Mölcher VII. von Lardenbach, geb. 16. Oktober 1833, im Jahre 1852 nach Amerika ausgewandert - Antragsteller: Pfleger Ferdinand Mölcher von Lardenbach.
Zugleich werden alle, welche Auskunft über Leben oder Tod der Verschollenen zu erteilen vermögen, aufgefordert, spätestens im obengenannten Aufgebotstermin dem unterzeichneten Gericht Anzeige zu machen.
Großherzogliches Amtsgericht Laubach

Am 24. März 1900 bringt der Grünberger Anzeiger die Meldung: Zur Bestreitung der Gemeindebedürfnisse haben folgende Gemeinden des Kreises Schotten folgende Beträge aufzubringen. Die in Klammern beigefügten Zahlen bedeuten den Ausschlag auf eine Mark Steuerkapital. Laubach 26000 Mark (26,151), Freienseen 4040 (11,135), Gonterskirchen 4000 (33,147), Groß-Eichen 6910 (32,354), Solms-Ilsdorf 700 (36,026), Klein-Eichen 1410 (28,012), Lardenbach 1350 (19,130), Ruppertsburg 6000 (21,665), Wetterfeld 3500 (20,985).

Bei der Faselschau (Fasel - zur Weiterzucht bestimmtes junges Haustier) zu Grünberg am 5. April ds. Js. wurden die Fasel folgender Eigenthümer von der Körkommission angekört (Körung ist die Auswahl von geeigneten Tieren für die Zucht): 1) ...; 2) ...; 3) ...; 4) ..; 5) Heinrich Lein, Klein-Eichen: Fasel Simmenthaler Reinzucht, 14 Monate alt, Hellsalb (gut,gut); 6) Heinrich Lein, Klein-Eichen: Fasel Simmenthaler Reinzucht, 14 Monate alt, Hellsalb (ziemlich gut, gut); 7) Heinrich Lein, Klein-Eichen: Fasel Simmenthaler Reinzucht, 17 Monate alt, Falbscheck (gut, gut).
(Heinrich Lein ist der Ur-, Ur-Großvater von Axel Roth.)

Die Körkommission des ersten Körbezirks (Vogelsberger Vieh) wird nachfolgende Körtermine abhalten: Am 21. Mai d. J. in Bobenhausen Vormittags 11 Uhr, in Klein-Eichen Nachmittags 3 Uhr, in Lardenbach Nachmittags 5 Uhr. Anmeldungen zur Körung sind an den Vorsitzenden dieser Kommission, oder dem Geschäftsführer in Laubach, zu richten.

Bei der am 16. Mai zu Schotten stattgefundenen Bezirksthierschau des 1. und 3. Körbezirks erhielten nachverzeichnete Viehbesitzer Preiszuerkennungen für: Vogelsberger Rasse: Große Sammlungen: Zuchtverein Lauter und Zuchtverein Klein-Eichen - Lardenbach; Kühe mit ein und zwei Kälbern: Karl Keil, Lardenbach; Kleine Sammlung: Heinrich Lein, Klein-Eichen; Familien: Heinrich Lein, Klein-Eichen.

Das Gesetz, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau tritt am 3. Juni im Deutschen Reich in Kraft.

Dem Vernehmen nach (Juli 1900) wird im nächsten Sommer ein Theil der Mannschaften des Eisenbahnbataillons in Berlin eine Strecke im Sennthale an der Eisenbahn Laubach-Mücke erbauen. Die Verhandlungen mit der Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt sind mit demselben zum Abschluss gekommen.

An den Sonntagen, den 5. und 12. August, findet ein Preisschießen des Krieger-Vereins Klein-Eichen statt. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebenst der Vorstand ein.

Am Sonntag den 23. und Montag den 24. September findet das Kirchweihfest zu Lardenbach statt. Zu dessen Besuch freundlich einladet Johannes Mölcher.

Der in dieser Woche zu Ende gehende Monat September stand unter den Zeichen der Hitze und Trockenheit. Für die Grummeternte war dieses Wetter vortrefflich, noch selten ist sie in gleicher Weise, fast ohne großen Arbeitsaufwand, unter Dach gebracht worden. Auch für die begonnene Kartoffelernte ist das Wetter sehr geeignet, doch erfordert der allzutrockene, spröde gewordene Ackerboden größeren Kraftaufwand, so dass ein leichter Regen wünschenswert erscheint. Dem Obste, insbesondere den Zwetschen sind die heißen Tage besonders zu gute gekommen, der Zuckergehalt ist bedeutend größer als sonst.
Auf die Bäume selbst, besonders auf den Wald, hat die große Trockenheit schädlich gewirkt, schon haben sich die Südhänge gelb gefärbt und das Aussehen gleicht demjenigen von Mitte Oktober. Die Bearbeitung des Bodens läßt ebenfalls das Eintreten eines guten Regens wünschen.

Das Befahren des Stockhäuser Wegs und Bodenwegs in der Gemarkung Lardenbach ist bis zum 1. April nächsten Jahres bei Strafe verboten. Lardenbach, den 20. Oktober 1900, Großh. Bürgermeisterei Lardenbach, Lein (Bürgermeister).

Im Deutschen Reich leben nach dem Ergebnis der durchgeführten Volkszählung zum Stichtag 1. Dezember 56.345.014 Einwohner. In Klein-Eichen sind es zu dieser Zeit etwa 150 Einwohner.

Ein in hiesiger Gegend unbekannter Vogel in der Größe eines Sperlings, mit rothem Schnabel, die Langfedern der Flügel roth und gelb gestreift und gelb getupft, wurde vor etwa 14 Tagen hier in Klein-Eichen aufgefangen und wird in Verwahrung gehalten. Am rechten Bein desselben befindet sich ein Ring. Wem mag der Vogel entflohen sein?

Ein schlechtes Ende nahm für einen jungen Soldaten aus Klein-Eichen, der in Gießen seine Militärpflicht genügt, der zu Ende gehende Weihnachtsurlaub. Kurz vor seiner Rückreise war derselbe damit beschäftigt, sich zum Zwecke des Helmputzens ein Stückchen Holz zuzuspitzen und hieb sich mit dem hierzu benutzten Beil ein Stück des Daumens der linken Hand ab.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 

 

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