09. Juli 1925

Freiwillige Versteigerung

Am Montag, den 13. Juli 1925, nachmittags um 2 Uhr werden aus dem Nachlass des Kaspar Zimmer 4. von Klein-Eichen 2 Kühe, 1 Kleiderschrank, 1 Weißzeugschrank, 1 Tisch, sowie verschiedene landwirtschaftliche Geräte durch das Ortsgericht in der Hofreite des Verstorbenen versteigert.

Christian Hoffmann, Bürgermeister und Ortsgerichtsvorsteher von Klein-Eichen gab dies am 9. Juli 1925 bekannt. Die Bedingungen der Versteigerung werden erst am Termin mitgeteilt.

Kaspar Zimmer war am 25. Juni 1925 verstorben. Seine Ehefrau Elisabetha Wilhelmina (geb. Zimmer) starb schon vor 20 Jahren, 1905. Sie hatten keine Kinder. Geheiratet hatten die Beiden im November 1879 in Klein-Eichen.

 
16. Juni 1925

Bürgermeisterwahl

Unsere altbewährten Ortsoberhäupter Heinrich Lein I. (Lardenbach) und Christian Hoffmann (Klein-Eichen) wurden mit erfreulicher Einmütigkeit zum jeweiligen Bürgermeister ihres Dorfes gewählt. Noch am Abend des Wahltages brachte der Männergesangverein jedem von ihnen ein Ständchen. Dieses berichtete der Grünberger Anzeiger im Juni 1925.
Christian Hoffmann hat das Amt des Bürgermeisters in Klein-Eichen schon seit 1911 inne. Bei dieser Wiederwahl ist er schon über 70 Jahre alt.

 
04. Juni 1925

Meldungen

Der Grünberger Anzeiger brachte im Sommer u. a. folgende Meldungen:

Die Aussichten für die Obsternte - Nach den Voraussagen der Landwirte ist in Spätkirschen, Zwetschen, Mirabellen und Reineclauden eine mittlere Ernte zu erwarten. Aprikosen gibt es dagegen wenige, Birnen scheinen sogar ganz auszusetzen. Um so größere Hoffnung setzt man auf die Apfelbäume, wenn hier die Raupen keinen unverhältnismäßig großen Schaden verursachen. Die Raupenplage ist in diesem Jahre infolge des milden Winters besonders stark. Auch läuse und Käfer treten in starkem Maße auf, insbesondere macht sich auch die schädliche Blattlaus bemerkbar. An zahlreichen Apfelbäumen sieht man zurzeit schon die sogenannten "Blutlausschnurrbärte" hängen. Die Landwirte beeilen sich demnach zur Vertilgung dieses Ungeziefers.

Die Zweimarkstücke - Während bisher nur silberne Ein- und Dreimarkstücke im Umlauf waren, ist jetzt die Prägung der silbernen Zweimarkstücke in vollem Gang. Die ersten Stücke sind bereits in Umlauf gekommen. Die Stücke werden schon in den allernächsten Tagen zur Ausgabe gelangen. Die Prägung der Zweimarkstücke ist wesentlich besser als die der Einmarkstücke.

Auserkurssetzung von Reichsbanknoten - Am 5. Juni verlieren alle Reichsbanknoten, die vor dem 11. Oktober 1924 liegendes Datum tragen, die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Nur Reichsbankanstalten tauschen diese Noten noch bis zum 5. Juli ein.

Bei der Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. Juni dieses Jahres wird zum erstenmal wieder seit der Volkszählung 1910 die Frage nach dem Religionsbekenntnis erhoben. Sie ist nicht nur vom Standpunkt der Kirchen- und Religionsgesellschaften, sondern auch vom Standpunkt der Bevölkerungswissenschaft von großem Belang. Denn die Verschiebungen innerhalb der Konfessionen, wie wir sie von Volkszählung zu Volkszählung feststellen können, sind zum kleinsten Teil auf Über- und Austritte zurückzuführen. Vielmehr sind sie das Ergebnis der starken Wanderungsbewegung, die sich jahrein und jahraus innerhalb unseres Volkes vollzieht und unter den Schlagworten "Landflucht", "Zug nach der Stadt", "Zug nach dem Westen" hinreichend bekannt ist. Aus dem Religionsbekenntnis lassen sich deshalb interessante Rückschlüsse auf die Binnenwanderung der Bevölkerung ziehen.

 
16. Mai 1925

Neuer Kommandant

Im Mai 1925 ist Karl Kühn als 1. Kommandant für die Pflichtfeuerwehr der Gemeinde Klein-Eichen ernannt und verpflichtet worden. Als 2. Kommandant ist Karl Volp ebenfalls ernannt und verpflichtet worden.

Schon im Jahr 1856 hat eine Pflichtfeuerwehr im Dorf bestanden. Also bevor 1890 eine neue Landesfeuerlöschordnung für das Großherzogtum Hessen erlassen wurde, deren wichtigster Inhalt die Einrichtung von fest organisierten, gut ausgerüsteten, und durch regelmäßige Übungen ausgebildete Feuerwehren in jeder Gemeinde war.

Die Pflichtfeuerwehr war der Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr. Diese wurde in Klein-Eichen erst 1954 gegründet.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
25. April 1925

Wiegemeister

Wie der Grünberger Anzeiger berichtet, ist Wilhelm Dörr zum Wiegemeister-Stellvertreter der Gemeindeviehwaage zu Klein-Eichen ernannt und verpflichtet worden.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. Februar 1925

Theaterabend

Nach zweijähriger Pause tritt der Männergesangverein Lardenbach/Klein-Eichen wieder mit einem Theaterabend an die Öffentlichkeit. Die von ihm bereits aufgeführten "Heiteren Dorfbilder" und "'s Millersch Liesl von Michelboch" werden bei seinen Gästen noch in guter Erinnerung sein. Getreu seinem Grundsatz, nichts Schlechtes zu bringen, spielt er diesmal das ganz neue Volksstück "Der Oekonomierat" und das herrliche Singspiel "Heimweh". Die Bühnenausstattung ist für ländliche Verhältnisse außergewöhnlich; die Rollen sind gut besetzt (Ernst Lein und August Sauer in den Hauptrollen). Alles in allem verspricht der nächste Sonntagabend (22. Februar 1925) genußreich zu werden.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Dezember 1924

Reichs- und Landtagswahl am 7. Dezember 1924

Während die Wahl im Mai 1924 noch stark von den Auswirkungen der sozialen Folgen der Inflation und der Stabilisierung bestimmt war, fand die Dezemberwahl in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs statt. Die Arbeitslosigkeit, die im Sommer 1924 noch einmal stark gestiegen war, ging im Herbst deutlich zurück. Die Löhne stiegen deutlich an und auch die Arbeitszeit sank teilweise ab.

Das Ergebnis der Wahl vom Dezember unterschied sich von der im Mai durch die deutlich geringere Bedeutung der radikalen Parteien. Die Flügelparteien wurden stark geschwächt. Davon konnte die DNVP leicht und die SPD deutlich stärker profitieren. Der Stimmenanteil der DNVP stieg von 19,5 % auf 20,5 %. Die SPD wuchs von 20,5 % auf 26 %. Die KPD sank von 12,6 % auf 9 % und die Nationalsozialisten und Völkischen zusammen fielen von 6,5 % auf 3 % ab. Im Bereich der DDP und DVP sowie des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei waren die Veränderungen gering.

Der Landtag des Volksstaates Hessen war das Landesparlament und damit die Legislative des Volksstaates Hessen in der Weimarer Republik. Sein Vorgänger waren die Landstände des Großherzogtums Hessen, sein Nachfolger der Hessische Landtag. Bei den Landtagswahlen im Volksstaat Hessen wird die bisherige Regierungskoalition bestätigt. SPD, Zentrum und DDP erreichen mit 43 von 70 Sitzen zusammen die absolute Mehrheit.

In den Dörfern des Vogelsberges gewann deutlich der Hessische Bauernbund vor der Sozialdemokratischen Partei. Bei der Landtagswahl erhielt der H. Bauernbund 9 Sitze. Der Sitz des Landtags war das Ständehaus am Luisenplatz in Darmstadt.

Klein-Eichen
Reichstag

Klein-Eichen
Landtag
Lardenbach
Reichstag
Lardenbach
Landtag
Sozialdemokratische Partei
5
6
27
27
Deutschnationale Volkspartei
-
-
14
10
Deutsche Zentrumspartei
-
-
-
1
Kommunnisten
-
-
1
-
Deutsche Volkspartei
2
-
6
2
Nationalsoz. Freiheitsbewegung
-
-
1
-
Demokratische Partei
-
-
3
3
Wirtschaftspartei d. d. Mittelst.
1
1
-
-
Hessischer Bauernbund
71
72
119
126
Haeußerbund
1
-
2
-
Freiwirtschftsbund FFF
-
-
-
-
Unabhängige S. P. D.
1
-
-
-
Vereinigte sch. h. Landwirte
-
2
-
4

Fotos

 
04. Mai 1924

Reichstagswahl 1924

Die Reichstagswahl vom Mai 1924 endete mit einem erheblichen Stimmengewinn der extremen Rechten und einer schweren Niederlage der gemäßigten Linken. Die DNVP konnte ihre Stimmenzahl im Vergleich mit der Reichstagswahl von 1920 um 1,4 Millionen erhöhen. Ihr Stimmenanteil stieg von 15,1 % auf 19,5 %. Damit stieg die Partei zur stärksten Kraft unter den bürgerlichen Parteien auf und war nach der SPD die zweitstärkste Partei insgesamt. Die Deutschvölkische Freiheitspartei kam auf 1,9 Millionen Stimmen, was einem Anteil von 6,5 % entsprach. Ein nicht beträchtlicher Teil der Wähler hatte 1920 noch die DNVP gewählt. Insgesamt stimmte ein Viertel der Wähler für die antirepublikanische Rechte.

In Klein-Eichen erhielt die Vereinigte sozialdemokratische Partei (Ulrich) 4 Stimmen. Die Deutsche Volkspartei (Becker) hatte nur eine Stimme. Sieben Stimmen entfielen auf die Deutschnationale Volkspartei (Werner). Der Völkisch-Soziale Block (Dinter) kam auf 3 Stimmen. Der Hessische Wirtschaftsbund (Walther) hatte nur eine Zustimmung. Dagegen wählten den Hessischen Bauernbund (Dorsch) ganze 66 Wähler. Also verzeichnete man 79 gültige Stimmen im Dorf.

Vermutlich war das Klein-Eichener Wahllokal bei Bürgermeister Christian Hoffmann eingerichtet. Jeder Wähler erhielt einen Stimmzettel auf dem alle im Wahlkreis Hessen zugelassenen Wahlvorschläge verzeichnet waren. Diesen Einheits-Stimmzettel erhielt man nun erst im Wahllokal. Und nicht wie früher, wo dieser ins Haus gebracht wurde. Weiterhin erfolgte zu der Wahl der Hinweis, Bleistift und Brille nicht zu vergessen! Der ausgefüllte Stimmzettel sollte dann in den amtlichen Wahlumschlag gesteckt werden, den man ebenfalls im Wahllokal erhielt.

Lardenbach wählte übrigens mit Ilsdorf-Solms zusammen. Auch hier konnte der Hessische Bauernbund die meisten Stimmen sammeln. Ganze 207 gültige Stimmen wurden in den beiden Dörfern abgegeben. Im Januar 1919 wurde der Hessische Bauernbund in Friedberg neu gegründet. Politisch stand er dem Landbund bzw. Reichslandbund und der DNVP nahe. Er verstand sich als Interessenvertretung der ländlichen Bevölkerung und vertrat konservative und antisemitische Positionen.

Fotos

 
03. Mai 1923

Feldgeschworener

Der Grünberger Anzeiger berichtete am 3. Mai 1923 von der Ernennung und Verpflichtung des Landwirtes Heinrich Eckhard zum Feldgeschworenen der Gemeinde Klein-Eichen. Da es schon 90 Jahre früher den Namen Eckhard nur mit der Endung "d" geschrieben im Dorf gegeben hat, kann man davon ausgehen, dass hier nicht die Familie Eckhardt des späteren Bürgermeisters gemeint ist.

Das Amt des Feldgeschworenen ist eines der ältesten Ämter der kommunalen Selbstverwaltung. Das Ehrenamt soll schon im 13. Jahrhundert entstanden sein. Die Obrigkeit erkannte die Notwendigkeit, das vor Ort Ansprechpartner in den Dörfern nötig waren, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten.

Da zu der damaligen Zeit jeder kleinste Acker bzw. Wald sehr wertvoll und wichtig für die Bauern und Gemeinden war, wurden im Laufe der Jahrzehnte häufiger einmal die Grenzen etwas verschoben. Die Grenzen waren in der Regel festgelegt durch z. B. Bäume, Büsche, Hecken oder auch durch Gräben. Mit der Zeit jedoch setzte man zur Kennzeichnung der Grenze die so genannten Grenzsteine.

Besonders in Wald- oder abgelegenen Gebieten traten solche Grenzverschiebungen häufiger auf. Daher begann man in angemessenen Zeiträumen die Gemarkungsgrenze der Gemeinde zu begehen. Es wurden neben Amtspersonen, auch "Feldgeschworene" der betroffenen Gemeinden gewählt, um die Ordnung der Grenze zu überprüfen und sicher zu stellen. Diese Grenzbegehungen als erforderliche Notwendigkeit, waren sehr wichtig, um Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Nachbargemeinden bezüglich des korrekten Grenzverlaufes zu schlichten und zur Einigung zu bringen. Etwaige Grenzverletzungen mussten den zuständigen Ämtern gemeldet werden.

Feldgeschworene setzten Grenzsteine höher oder tiefer, wechselten beschädigte Grenzzeichen aus und entfernten Grenzzeichen. Feldgeschworene hatten das Recht Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen.

(GA)

 
28. Februar 1920

Anzeige

Im Grünberger Anzeiger wird eine Anzeige von Wilhelm Zimmer aus Klein-Eichen veröffentlicht. Er will einen sprungfähigen Simmentaler Bullen (Gelbscheck) verkaufen. Wilhelm Zimmer ist der Großvater von Johann und Günther Zimmer.

(ga)

 
06. Februar 1920

Jagdverpachtung

Am Freitag, den 6. Februar nachmittags 1 1/2 Uhr soll die Jagd der Gemeinde Klein-Eichen auf weitere 6 Jahre unter den im Termin bekanntgegebenen Bedingungen in der Wirtschaft Krieger verpachtet werden.

Klein-Eichen, den 29. Januar 1920.

Hessische Bürgermeisterei - Hoffmann -

Die Pacht der Jagd ging an einen Herren Eduard Langlotz.

(ga)

 
04. Februar 1920

Ergebnis der Volkszählung 1919

Das Kreisamt in Schotten veröffentlicht u. a. am 4. Februar 1920 folgendes Ergebnis der Volkszählung vom 8. Oktober 1919: Altenhain 303 Einwohner, Bobenhausen II 537 Einwohner, Freienseen 689 Einwohner, Gonterskirchen 541 Einwohner, Groß-Eichen 715 Einwohner, Klein-Eichen 183 Einwohner, Lardenbach 394 Einwohner, Laubach 1877 Einwohner, Ober-Seibertenrod 277 Einwohner, Ruppertsburg 687 Einwohner, Schotten 1883 Einwohner, Sellnrod 625 Einwohner, Solms-Ilsdorf 82 Einwohner, Ulrichstein 826 Einwohner, Unter-Seibertenrod 327 Einwohner, Wetterfeld 490 Einwohner. Der gesamte Kreis Schotten hat 27 359 Einwohner (1910: 27 744).

Grünberg hat damals rund 2 200 Einwohner. Und Gießen hat 1919 33 400 Einwohner. Frankfurt zählt 433 000.

(ga)

 
18. Januar 1920

Tanzbelustigung

Am Sonntag fand bei Gastwirt Diehl in Lardenbach eine große Tanzbelustigung statt. Dazu eingeladen hatte die örtliche Jugend.

(ga)

 

 

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