09. Juli 1925

Freiwillige Versteigerung

Am Montag, den 13. Juli 1925, nachmittags um 2 Uhr werden aus dem Nachlass des Kaspar Zimmer 4. von Klein-Eichen 2 Kühe, 1 Kleiderschrank, 1 Weißzeugschrank, 1 Tisch, sowie verschiedene landwirtschaftliche Geräte durch das Ortsgericht in der Hofreite des Verstorbenen versteigert.

Christian Hoffmann, Bürgermeister und Ortsgerichtsvorsteher von Klein-Eichen gab dies am 9. Juli 1925 bekannt. Die Bedingungen der Versteigerung werden erst am Termin mitgeteilt.

Kaspar Zimmer war am 25. Juni 1925 verstorben. Seine Ehefrau Elisabetha Wilhelmina (geb. Zimmer) starb schon vor 20 Jahren, 1905. Sie hatten keine Kinder. Geheiratet hatten die Beiden im November 1879 in Klein-Eichen.

 
16. Juni 1925

Bürgermeisterwahl

Unsere altbewährten Ortsoberhäupter Heinrich Lein I. (Lardenbach) und Christian Hoffmann (Klein-Eichen) wurden mit erfreulicher Einmütigkeit zum jeweiligen Bürgermeister ihres Dorfes gewählt. Noch am Abend des Wahltages brachte der Männergesangverein jedem von ihnen ein Ständchen. Dieses berichtete der Grünberger Anzeiger im Juni 1925.
Christian Hoffmann hat das Amt des Bürgermeisters in Klein-Eichen schon seit 1911 inne. Bei dieser Wiederwahl ist er schon über 70 Jahre alt.

 
04. Juni 1925

Meldungen

Der Grünberger Anzeiger brachte im Sommer u. a. folgende Meldungen:

Die Aussichten für die Obsternte - Nach den Voraussagen der Landwirte ist in Spätkirschen, Zwetschen, Mirabellen und Reineclauden eine mittlere Ernte zu erwarten. Aprikosen gibt es dagegen wenige, Birnen scheinen sogar ganz auszusetzen. Um so größere Hoffnung setzt man auf die Apfelbäume, wenn hier die Raupen keinen unverhältnismäßig großen Schaden verursachen. Die Raupenplage ist in diesem Jahre infolge des milden Winters besonders stark. Auch läuse und Käfer treten in starkem Maße auf, insbesondere macht sich auch die schädliche Blattlaus bemerkbar. An zahlreichen Apfelbäumen sieht man zurzeit schon die sogenannten "Blutlausschnurrbärte" hängen. Die Landwirte beeilen sich demnach zur Vertilgung dieses Ungeziefers.

Die Zweimarkstücke - Während bisher nur silberne Ein- und Dreimarkstücke im Umlauf waren, ist jetzt die Prägung der silbernen Zweimarkstücke in vollem Gang. Die ersten Stücke sind bereits in Umlauf gekommen. Die Stücke werden schon in den allernächsten Tagen zur Ausgabe gelangen. Die Prägung der Zweimarkstücke ist wesentlich besser als die der Einmarkstücke.

Auserkurssetzung von Reichsbanknoten - Am 5. Juni verlieren alle Reichsbanknoten, die vor dem 11. Oktober 1924 liegendes Datum tragen, die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Nur Reichsbankanstalten tauschen diese Noten noch bis zum 5. Juli ein.

Bei der Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. Juni dieses Jahres wird zum erstenmal wieder seit der Volkszählung 1910 die Frage nach dem Religionsbekenntnis erhoben. Sie ist nicht nur vom Standpunkt der Kirchen- und Religionsgesellschaften, sondern auch vom Standpunkt der Bevölkerungswissenschaft von großem Belang. Denn die Verschiebungen innerhalb der Konfessionen, wie wir sie von Volkszählung zu Volkszählung feststellen können, sind zum kleinsten Teil auf Über- und Austritte zurückzuführen. Vielmehr sind sie das Ergebnis der starken Wanderungsbewegung, die sich jahrein und jahraus innerhalb unseres Volkes vollzieht und unter den Schlagworten "Landflucht", "Zug nach der Stadt", "Zug nach dem Westen" hinreichend bekannt ist. Aus dem Religionsbekenntnis lassen sich deshalb interessante Rückschlüsse auf die Binnenwanderung der Bevölkerung ziehen.

 
16. Mai 1925

Neuer Kommandant

Im Mai 1925 ist Karl Kühn als 1. Kommandant für die Pflichtfeuerwehr der Gemeinde Klein-Eichen ernannt und verpflichtet worden. Als 2. Kommandant ist Karl Volp ebenfalls ernannt und verpflichtet worden.

Schon im Jahr 1856 hat eine Pflichtfeuerwehr im Dorf bestanden. Also bevor 1890 eine neue Landesfeuerlöschordnung für das Großherzogtum Hessen erlassen wurde, deren wichtigster Inhalt die Einrichtung von fest organisierten, gut ausgerüsteten, und durch regelmäßige Übungen ausgebildete Feuerwehren in jeder Gemeinde war.

Die Pflichtfeuerwehr war der Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr. Diese wurde in Klein-Eichen erst 1954 gegründet.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
25. April 1925

Wiegemeister

Wie der Grünberger Anzeiger berichtet, ist Wilhelm Dörr zum Wiegemeister-Stellvertreter der Gemeindeviehwaage zu Klein-Eichen ernannt und verpflichtet worden.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. Februar 1925

Theaterabend

Nach zweijähriger Pause tritt der Männergesangverein Lardenbach/Klein-Eichen wieder mit einem Theaterabend an die Öffentlichkeit. Die von ihm bereits aufgeführten "Heiteren Dorfbilder" und "'s Millersch Liesl von Michelboch" werden bei seinen Gästen noch in guter Erinnerung sein. Getreu seinem Grundsatz, nichts Schlechtes zu bringen, spielt er diesmal das ganz neue Volksstück "Der Oekonomierat" und das herrliche Singspiel "Heimweh". Die Bühnenausstattung ist für ländliche Verhältnisse außergewöhnlich; die Rollen sind gut besetzt (Ernst Lein und August Sauer in den Hauptrollen). Alles in allem verspricht der nächste Sonntagabend (22. Februar 1925) genußreich zu werden.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Dezember 1924

Reichs- und Landtagswahl am 7. Dezember 1924

Während die Wahl im Mai 1924 noch stark von den Auswirkungen der sozialen Folgen der Inflation und der Stabilisierung bestimmt war, fand die Dezemberwahl in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs statt. Die Arbeitslosigkeit, die im Sommer 1924 noch einmal stark gestiegen war, ging im Herbst deutlich zurück. Die Löhne stiegen deutlich an und auch die Arbeitszeit sank teilweise ab.

Das Ergebnis der Wahl vom Dezember unterschied sich von der im Mai durch die deutlich geringere Bedeutung der radikalen Parteien. Die Flügelparteien wurden stark geschwächt. Davon konnte die DNVP leicht und die SPD deutlich stärker profitieren. Der Stimmenanteil der DNVP stieg von 19,5 % auf 20,5 %. Die SPD wuchs von 20,5 % auf 26 %. Die KPD sank von 12,6 % auf 9 % und die Nationalsozialisten und Völkischen zusammen fielen von 6,5 % auf 3 % ab. Im Bereich der DDP und DVP sowie des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei waren die Veränderungen gering.

Der Landtag des Volksstaates Hessen war das Landesparlament und damit die Legislative des Volksstaates Hessen in der Weimarer Republik. Sein Vorgänger waren die Landstände des Großherzogtums Hessen, sein Nachfolger der Hessische Landtag. Bei den Landtagswahlen im Volksstaat Hessen wird die bisherige Regierungskoalition bestätigt. SPD, Zentrum und DDP erreichen mit 43 von 70 Sitzen zusammen die absolute Mehrheit.

In den Dörfern des Vogelsberges gewann deutlich der Hessische Bauernbund vor der Sozialdemokratischen Partei. Bei der Landtagswahl erhielt der H. Bauernbund 9 Sitze. Der Sitz des Landtags war das Ständehaus am Luisenplatz in Darmstadt.

Klein-Eichen
Reichstag

Klein-Eichen
Landtag
Lardenbach
Reichstag
Lardenbach
Landtag
Sozialdemokratische Partei
5
6
27
27
Deutschnationale Volkspartei
-
-
14
10
Deutsche Zentrumspartei
-
-
-
1
Kommunnisten
-
-
1
-
Deutsche Volkspartei
2
-
6
2
Nationalsoz. Freiheitsbewegung
-
-
1
-
Demokratische Partei
-
-
3
3
Wirtschaftspartei d. d. Mittelst.
1
1
-
-
Hessischer Bauernbund
71
72
119
126
Haeußerbund
1
-
2
-
Freiwirtschftsbund FFF
-
-
-
-
Unabhängige S. P. D.
1
-
-
-
Vereinigte sch. h. Landwirte
-
2
-
4

Fotos

 
04. Mai 1924

Reichstagswahl 1924

Die Reichstagswahl vom Mai 1924 endete mit einem erheblichen Stimmengewinn der extremen Rechten und einer schweren Niederlage der gemäßigten Linken. Die DNVP konnte ihre Stimmenzahl im Vergleich mit der Reichstagswahl von 1920 um 1,4 Millionen erhöhen. Ihr Stimmenanteil stieg von 15,1 % auf 19,5 %. Damit stieg die Partei zur stärksten Kraft unter den bürgerlichen Parteien auf und war nach der SPD die zweitstärkste Partei insgesamt. Die Deutschvölkische Freiheitspartei kam auf 1,9 Millionen Stimmen, was einem Anteil von 6,5 % entsprach. Ein nicht beträchtlicher Teil der Wähler hatte 1920 noch die DNVP gewählt. Insgesamt stimmte ein Viertel der Wähler für die antirepublikanische Rechte.

In Klein-Eichen erhielt die Vereinigte sozialdemokratische Partei (Ulrich) 4 Stimmen. Die Deutsche Volkspartei (Becker) hatte nur eine Stimme. Sieben Stimmen entfielen auf die Deutschnationale Volkspartei (Werner). Der Völkisch-Soziale Block (Dinter) kam auf 3 Stimmen. Der Hessische Wirtschaftsbund (Walther) hatte nur eine Zustimmung. Dagegen wählten den Hessischen Bauernbund (Dorsch) ganze 66 Wähler. Also verzeichnete man 79 gültige Stimmen im Dorf.

Vermutlich war das Klein-Eichener Wahllokal bei Bürgermeister Christian Hoffmann eingerichtet. Jeder Wähler erhielt einen Stimmzettel auf dem alle im Wahlkreis Hessen zugelassenen Wahlvorschläge verzeichnet waren. Diesen Einheits-Stimmzettel erhielt man nun erst im Wahllokal. Und nicht wie früher, wo dieser ins Haus gebracht wurde. Weiterhin erfolgte zu der Wahl der Hinweis, Bleistift und Brille nicht zu vergessen! Der ausgefüllte Stimmzettel sollte dann in den amtlichen Wahlumschlag gesteckt werden, den man ebenfalls im Wahllokal erhielt.

Lardenbach wählte übrigens mit Ilsdorf-Solms zusammen. Auch hier konnte der Hessische Bauernbund die meisten Stimmen sammeln. Ganze 207 gültige Stimmen wurden in den beiden Dörfern abgegeben. Im Januar 1919 wurde der Hessische Bauernbund in Friedberg neu gegründet. Politisch stand er dem Landbund bzw. Reichslandbund und der DNVP nahe. Er verstand sich als Interessenvertretung der ländlichen Bevölkerung und vertrat konservative und antisemitische Positionen.

Fotos

 
03. Mai 1923

Feldgeschworener

Der Grünberger Anzeiger berichtete am 3. Mai 1923 von der Ernennung und Verpflichtung des Landwirtes Heinrich Eckhard zum Feldgeschworenen der Gemeinde Klein-Eichen. Da es schon 90 Jahre früher den Namen Eckhard nur mit der Endung "d" geschrieben im Dorf gegeben hat, kann man davon ausgehen, dass hier nicht die Familie Eckhardt des späteren Bürgermeisters gemeint ist.

Das Amt des Feldgeschworenen ist eines der ältesten Ämter der kommunalen Selbstverwaltung. Das Ehrenamt soll schon im 13. Jahrhundert entstanden sein. Die Obrigkeit erkannte die Notwendigkeit, das vor Ort Ansprechpartner in den Dörfern nötig waren, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten.

Da zu der damaligen Zeit jeder kleinste Acker bzw. Wald sehr wertvoll und wichtig für die Bauern und Gemeinden war, wurden im Laufe der Jahrzehnte häufiger einmal die Grenzen etwas verschoben. Die Grenzen waren in der Regel festgelegt durch z. B. Bäume, Büsche, Hecken oder auch durch Gräben. Mit der Zeit jedoch setzte man zur Kennzeichnung der Grenze die so genannten Grenzsteine.

Besonders in Wald- oder abgelegenen Gebieten traten solche Grenzverschiebungen häufiger auf. Daher begann man in angemessenen Zeiträumen die Gemarkungsgrenze der Gemeinde zu begehen. Es wurden neben Amtspersonen, auch "Feldgeschworene" der betroffenen Gemeinden gewählt, um die Ordnung der Grenze zu überprüfen und sicher zu stellen. Diese Grenzbegehungen als erforderliche Notwendigkeit, waren sehr wichtig, um Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Nachbargemeinden bezüglich des korrekten Grenzverlaufes zu schlichten und zur Einigung zu bringen. Etwaige Grenzverletzungen mussten den zuständigen Ämtern gemeldet werden.

Feldgeschworene setzten Grenzsteine höher oder tiefer, wechselten beschädigte Grenzzeichen aus und entfernten Grenzzeichen. Feldgeschworene hatten das Recht Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen.

(GA)

 
25. August 1920

Trockenheit III

Der Bachlauf des "Streitbach" ist bei Sellnrod schon monatelang völlig ausgetrocknet. Dadurch ist der Müller des Dorfes, der Mahl- und Schlagmühle besitzt, in eine schlimme Lage geraten. Seit Pfingsten des Jahres stehen seine Mühlräder still. Um nicht die alte Kundschaft zu verlieren, fährt er die Frucht zu anderen Mühlen und läßt sie dort mahlen.

Die Preise bei den Grummetgrasversteigerungen übertreffen sogar die Heugraspreise. Wiesen, die in den Friedensjahren 10 Mark gekostet, kommen auf 200 bis 240 Mark, größere Stücke auf 300 bis 400 Mark. Das Ungeheuerliche dieser Preise wird erst erklärlich, wenn man den schlechten Zustand des Grummetgrases in Rechnung zieht.

(Grünberger Anzeiger)

 
18. August 1920

Trockenheit II

Nachdem man allgemein eine Beendigung der Trockheit erwartet und das Getreide über Kopf und Hals einfuhr, zeigt sich nun, dass man sich in dieser Erwartung getäuscht hat. Eine Änderung der seit dem Frühjahr herrschenden Wetterlage ist nicht eingetreten, dagegen eine weitere Verschärfung der Trockenheit.

Hat seither die Sommerfrucht unter der Trockenheit zu leiden, so ist es jetzt der Wuchs des Grummetgrases. Nur die schweren Grundwiesen haben einigermaßen Grasbestand, die Bergwiesen, Tristen, trockenen Talwiesen können kaum zur Weide dienen. Von der Weide macht man wegen des Futtermangels im vorderen Vogelsberg ausgiebig Gebrauch.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. August 1920

Missionsfest in Lardenbach

Ein Teilnehmer am Missionsfest des letzten Sonntags (8. August 1920) berichtet: "Ein schönes Missionsfest war es, das wir am vergangenen Sonntag zusammen mit den Nachbargemeinden Freienseen, Sellnrod, Groß- und Klein-Eichen bei prächtigem Wetter feierten. Unter den Klängen unseres jungen Posaunenchors zogen wir nach dem Festplatz im nahen Wald, der mit seinen hohen, alten Buchen die zahlreich herbeigeströmten Festgäste wie ein gewaltiger Dom aufnahm.

Mit dem Lied "Geh aus mein Herz und suche Freud" wurde die Feier eingeleitet. Darauf hielt Herr Dekan Röschen aus Freienseen die Begrüßungsansprache anknüpfend an Petri Fischzug. Nachdem sodann der Kirchengesangverein Groß-Eichen das Lied "Mit dem Herrn fang alles an" gesungen hatte, ergriff Herr Missionar Walther aus Beuern, der schon im Vormittagsgottesdienst hier gepredigt hatte, als Hauptredner das Wort.

In seiner bekannten volkstümlichen und eindrucksvollen Weise verstand er es unter Zugrundelegung von Jesu Gespräch mit der Samariterin seinen Zuhörern die Gebundenheit und Not der Heiden vor die Augen zu stellen. Besonders schilderte er die unwürdige Stellung der heidnischen Frau bei den Negern Afrikas und wies auf den "Durchbrecher aller Banden" hin, der allein Licht auch in dieses Dunkel bringen könne.

Darauf folgte das Lied des Lardenbacher gemischten Chors "Großer Gott wir loben Dich" und ein von den Freienseener Schüler schön vorgetragenes geistliches Lied "Seele, die von Schmerz umnachtet, traue fest auf deinen Gott". Danach betonte Herr Pfarrer Diehl aus Sellnrod in längerer, ernster Rede die Notwendigkeit der Mission an unserem eigenen schwer darniederliegenden Volke. Die Mahnung, in der er seine Ansprache ausklingen ließ "Gebt unserem Gott die Ehre" klang auch durch die sich anschließenden beiden Liedern des Lardenbacher Gesangvereins hindurch.

Zum Schlusse dankte Herr Pfarrer Weinberger allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen, und sprach die Hoffnung aus, dass es bei den Teilnehmern, jung und alt, reichen Segen hinterlassen möge. Zuletzt sang man noch gemeinsam "Schönster Herr Jesu", auch diesmal begleitet von unserem Posaunenchor, der sich überhaupt um die Verschönerung des Ganzen sehr verdient gemacht hat. Die Sammlung für die Mission an diesem Tage ergab den ansehnlichen Betrag von 414 Mark.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
28. Juli 1920

Außerordentliche Generalversammlung

Die Landwirtschaftliche Bezugs- und Kreditgenossenschaft eGmbH hielt eine außerordentliche Generalversammlung (Juli 1950) ab, mit der die Feier des 30jährigen Bestehens verbunden war. Der Vorstand erstattete zunächst einen Bericht über die bisherige Entwicklung der Genossenschaft, die sich auf die Gemeinden Lardenbach, Klein-Eichen, Freienseen und Ilsdorf erstreckte und über 200 Mitglieder zählt.

Verbandsdirektor Dr. Rohr überbrachte die Glückwünsche des Ländlichen Genossenschaftsverbandes Frankfurt a. M. und hielt einen Vortrag über die Bedeutung der landwirtschaftlichen Genossenschaften. Dr. Rohr dankte den Gründern und Verwaltungsmitgliedern und überreichte dem langjährigen, verdienstvollen Rechner Christian Schmidt die Verbands-Ehrenurkunde.

Kreisstellenleiter Hartmann sprach über die Pflichten der Verwaltungsmitglieder sowie der Genossen. Außenvertreter Wacker übermittelte die Glückwünsche der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft und referierte über das genossenschaftliche Warengeschäft.

(Giessener Freie Presse)

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01. Juli 1920

Trockenheit I

Die schon monatelang anhaltende Trockenheit hat den Seenbach ausgetrocknet, ihr Bett ist jetzt (1. Juli 1920) ohne Wasser. Das Eisensteinbergwerk (Stockhausen) kann die Eisensteine infolgedessen nicht hier waschen und führt sie der Wäsche bei Ilsdorf zu. Auch bei Sellnrod trocknet der Bachlauf (Streitbach) aus. Die kleinen Ölmühlen stehen still. Das ist umso unangenehmer, als jetzt die neue Wintersamenernte heimgefahren worden ist. Auch der Fischbestand verschwindet.

Kein Grünfutter wächst nach; der zweite Kleeschnitt verkümmert. An den Straßenrainen und -Rändern ist das Gras längst verbrannt. Hafer und Gerste sind meist nur halbarmlang; die Rispen und Aehren stecken noch im Halm. Die Kartoffeln sind in ihrer Entwicklung gehemmt. Der Ackerboden ist steinhart.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
24. Juni 1920

Meldungen

Vom unteren Vogelsberg: Der Flachsbau, der vor dem Kriege nur noch vereinzelt getrieben wurde, hat durch den Wandel der Zeit einen neuen Antrieb bekommen. Es gibt wohl nur wenig Landwirte, die keinen Flachs ziehen. Einmal ist der Lein ein sehr begehrtes und hoch im Preise stehendes Erzeugnis, dann aber auch wird für den Flachs als Gegenleistung ungebleichtes Tuch geliefert. Die bleue Flachsblüte, die alte Wunderblume segensreicher Hausindustrie, feiert wieder ihre Auferstehung.

Aus dem vorderen Vogelsberg: Eine auffallende Erscheinung in diesem Sommer ist der fast gänzliche Mangel an Schmetterlingen. Keiner der Farbengeschmückten Tagfalter ergötzt das Auge auf Wiesen und im Felde. Selbst die sonst allerhäufigsten - wie Fuchs, Pfauenauge, Schwalbenschwanz u. a. - sind verschwunden. Auch der Todfeind unserer Gemüsekulturen, der Kohlweißling, ist bis jetzt selten.

Aus dem Vogelsberg: Zu Beginn der Heuernte, die in diesem Jahr überall im Gebirge reichlich ausfällt, zahlte man 25 Mark für den Zentner. Zwischenhändler, Makler und andere Zeitgenossen haben nunmehr den Preis durch gegenseitiges Überbieten auf 50 Mark gesteigert.

Oberhessen: Die Schweinemärkte haben wieder angezogen. Zwar ist der Handel ruihg, da mit einem weiteren Ausbreiten der Maul- und Klauenseuche auch auf die oberhessischen Bezirke gerechnet wird. Die Preise für Ferkel bewegen sich zwischen 150 bis 500 Mark.

Aus dem Ohmtal: Die letzten Regenfälle sind nicht über allen Gemarkungen gleich stark niedergegangen. Gießen z. B. hat mehr Regen erhalten als das mittlere Ohmtal. Hier vermochten die Landwirte noch nicht die Hackpflanzen zu setzen. Den Kartoffeln und der Sommerfrucht ist allerdings auch der wenige Regen förderlich gewesen, reicht aber dessen ungeachtet nicht aus. Der harte Boden ist nur ganz leicht angefeuchtet worden. Wassermangel tritt in den Mühlgräben auf, weil der Wasserspiegel der Ohm nur noch zentimeterhoch an einzelnen Stellen ist.

(Grünberger Anzeiger)

 
06. Juni 1920

Reichstagswahl

Die Reichstagswahl vom 6. Juni 1920 war die zweite Wahl während der Weimarer Republik und die erste zu einem regulären Deutschen Reichstag. Dabei verlor die Weimarer Koalition ihre Mehrheit. Die SPD musste sehr schwere Verluste hinnehmen, die vor allem durch die im Vergleich zum Vorjahr stark verbesserte landesweite Organisation der konkurrierenden USPD zu erklären waren. Die linksliberale DDP verlor sogar mehr als die Hälfte ihres prozentualen Ergebnisses.

Die großen innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten, denen sich die Regierung der Weimarer Koalition gegenübersah, hatten ihre Stellung im Volke nicht stärken können. Radikale Kräfte von rechts und links versäumten keine Gelegenheit, die Regierungsparteien für die Notstände der ersten Nachkriegszeit verantwortlich zu machen und die demokratische Staatsform zu diskreditieren.

Die Folge war ein großer Stimmenzuwachs der Parteien rechts und links von der Regierung. Die DNVP, noch mit dem Hessischen Bauernverband vereinigt, errang 11 595 Stimmen im Kreisgebiet und wurde dort stärkste Partei. Auch in Klein-Eichen erreichte die DNVP deutlich die meisten Stimmen. Ebenso in Lardenbach.

Der außerordentliche hohe Anteil dieser Partei deutet hier darauf hin, dass die DNVP in den landwirtschaftlich orientierten Orten zu einem Sammelbecken früher deutsch-völkischer Kräfte aus der Bauernschaft geworden war. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Hinweis auf die politisch indifferente Haltung des größeren Teils der Bevölkerung im Kreis, sondern zeigt auch ihre Anfälligkeit für radikalere Strömungen und intensive Propaganda.

Obwohl Klein-Eichen zu dieser Zeit noch zum Kreis Schotten gehört, wird der Ort bei dieser Wahlanalyse schon dem Kreis Gießen zugerechnet. Erwin Knauß veröffentlichte, in Zusammenarbeit mit dem Institut für wissenschaftliche Politik der Philipps-Universität Marburg, diese Publikation 1961.

(wiki/knauß)

 

Klein-Eichen
1920

Klein-Eichen
1919
Lardenbach
1920
Lardenbach
1919
Kommunistische Partei
-
-
-
-
Unabh. Sozialdem. Partei
5
-
1
1
Mehrheitssozialdem. Partei
-
17
69
51
Demokratische Partei
-
23
3
57
Zentrum
-
-
-
-
Deutsche Volkspartei
3
-
16
-
Deutschnatl. Volksp. und Hessischer Bauernbund
81
50
118
104

 
08. Mai 1920

Goldene Hochzeit

Am 8. Mai 1920 feierten der Gemeinderechner von Klein-Eichen, Wilhelm Hofmann und seine Ehefrau Anna Elisabetha das Fest der Goldenen Hochzeit. Am 8. Mai 1870 haben Wilhelm Hofmann und Anna Elisabetha Oppermann aus Sellnrod in Klein-Eichen geheiratet. Ihre älteste Tochter, Elisa, ist die Großmutter von Günther Zimmer. Und die dritte Tochter, Elisabetha, ist die Großmutter von Ilse Darga.

(hz)

Fotos

 
17. April 1920

Beamtentum im Kreis Schotten

In Berfolgung des Beschlusses der Generalversammlung des hess. Kommunal-Beamten-Verbandes und auf Einladung der Ortsgruppe Schotten hatten sich am Samstag den 17. April 1920 im Hotel zur Post dahier Vertreter der Gemeindebeamten und Bediensteten des Kreises Schotten eingefunden, um über die Organisation im Kreise zu beraten. Es wurde beschlossen, den Kreis in 4 Ortsgruppen (Schotten, Gedern, Laubach und Ulrichstein) einzuteilen, denen die umliegenden kleineren Orte angegliedert werden.

Die Ortsgruppen zusammen bilden den Kreisverband. Es wurde bis zur vollständigen Durchführung der Organisation ein vorläufiger Kreisvorstand gewählt, dem angehören: Ratsschreiber Wiesner, Schotten, als 1. Vorsitzender, Stadtrechner Glock, Schotten, als 2. Vorsitzender, Polizeidiener Faatz, Schotten als Schriftführer, Stadtrechner Schmidt, Laubach, als Rechner, ferner 6 Beisitzer und zwar; für den Bezirk Gedern: Heinrich Koch, Gedern, Kaspar Ripper, Ober-Seemen, für den Bezirk Laubach: Polizeidiener Lind, Gonterskirchen, Polizeidiener Böcher, Ruppertsburg, für den Bezirk Ulrichstein: Gemeinderechner Repp, Ulrichstein, Polizeidiener Engel, Kölzenhain.

Der verband erstrebt die gemeinsame Förderung der beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Gemeindebeamten und Bediensteten, insbesondere Regelung der Besoldungs- und Anstellungsverhältnisse und wird dieselben mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vertreten. Der Verband erstrebt Gleichstellung der Gemeindebeamten mit den Reichs- und Staatsbeamten nach dem gesetz, das am 1. April in Kraft getreten ist, wonach den vollbeschäftigten Beamten 5000 Mark Teuerungszulage und 500 Mark für jedes Kind zu gewähren ist.

(hz)

 
28. Februar 1920

Anzeige

Im Grünberger Anzeiger wird eine Anzeige von Wilhelm Zimmer aus Klein-Eichen veröffentlicht. Er will einen sprungfähigen Simmentaler Bullen (Gelbscheck) verkaufen. Wilhelm Zimmer ist der Großvater von Johann und Günther Zimmer.

(ga)

 
06. Februar 1920

Jagdverpachtung

Am Freitag, den 6. Februar nachmittags 1 1/2 Uhr soll die Jagd der Gemeinde Klein-Eichen auf weitere 6 Jahre unter den im Termin bekanntgegebenen Bedingungen in der Wirtschaft Krieger verpachtet werden.

Klein-Eichen, den 29. Januar 1920.

Hessische Bürgermeisterei - Hoffmann -

Die Pacht der Jagd ging an einen Herren Eduard Langlotz.

(ga)

 
04. Februar 1920

Ergebnis der Volkszählung 1919

Das Kreisamt in Schotten veröffentlicht u. a. am 4. Februar 1920 folgendes Ergebnis der Volkszählung vom 8. Oktober 1919: Altenhain 303 Einwohner, Bobenhausen II 537 Einwohner, Freienseen 689 Einwohner, Gonterskirchen 541 Einwohner, Groß-Eichen 715 Einwohner, Klein-Eichen 183 Einwohner, Lardenbach 394 Einwohner, Laubach 1877 Einwohner, Ober-Seibertenrod 277 Einwohner, Ruppertsburg 687 Einwohner, Schotten 1883 Einwohner, Sellnrod 625 Einwohner, Solms-Ilsdorf 82 Einwohner, Ulrichstein 826 Einwohner, Unter-Seibertenrod 327 Einwohner, Wetterfeld 490 Einwohner. Der gesamte Kreis Schotten hat 27 359 Einwohner (1910: 27 744).

Grünberg hat damals rund 2 200 Einwohner. Und Gießen hat 1919 33 400 Einwohner. Frankfurt zählt 433 000.

(ga)

 
18. Januar 1920

Tanzbelustigung

Am Sonntag fand bei Gastwirt Diehl in Lardenbach eine große Tanzbelustigung statt. Dazu eingeladen hatte die örtliche Jugend.

(ga)

 

 

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