09. Juli 1925

Freiwillige Versteigerung

Am Montag, den 13. Juli 1925, nachmittags um 2 Uhr werden aus dem Nachlass des Kaspar Zimmer 4. von Klein-Eichen 2 Kühe, 1 Kleiderschrank, 1 Weißzeugschrank, 1 Tisch, sowie verschiedene landwirtschaftliche Geräte durch das Ortsgericht in der Hofreite des Verstorbenen versteigert.

Christian Hoffmann, Bürgermeister und Ortsgerichtsvorsteher von Klein-Eichen gab dies am 9. Juli 1925 bekannt. Die Bedingungen der Versteigerung werden erst am Termin mitgeteilt.

Kaspar Zimmer war am 25. Juni 1925 verstorben. Seine Ehefrau Elisabetha Wilhelmina (geb. Zimmer) starb schon vor 20 Jahren, 1905. Sie hatten keine Kinder. Geheiratet hatten die Beiden im November 1879 in Klein-Eichen.

 
16. Juni 1925

Bürgermeisterwahl

Unsere altbewährten Ortsoberhäupter Heinrich Lein I. (Lardenbach) und Christian Hoffmann (Klein-Eichen) wurden mit erfreulicher Einmütigkeit zum jeweiligen Bürgermeister ihres Dorfes gewählt. Noch am Abend des Wahltages brachte der Männergesangverein jedem von ihnen ein Ständchen. Dieses berichtete der Grünberger Anzeiger im Juni 1925.
Christian Hoffmann hat das Amt des Bürgermeisters in Klein-Eichen schon seit 1911 inne. Bei dieser Wiederwahl ist er schon über 70 Jahre alt.

 
04. Juni 1925

Meldungen

Der Grünberger Anzeiger brachte im Sommer u. a. folgende Meldungen:

Die Aussichten für die Obsternte - Nach den Voraussagen der Landwirte ist in Spätkirschen, Zwetschen, Mirabellen und Reineclauden eine mittlere Ernte zu erwarten. Aprikosen gibt es dagegen wenige, Birnen scheinen sogar ganz auszusetzen. Um so größere Hoffnung setzt man auf die Apfelbäume, wenn hier die Raupen keinen unverhältnismäßig großen Schaden verursachen. Die Raupenplage ist in diesem Jahre infolge des milden Winters besonders stark. Auch läuse und Käfer treten in starkem Maße auf, insbesondere macht sich auch die schädliche Blattlaus bemerkbar. An zahlreichen Apfelbäumen sieht man zurzeit schon die sogenannten "Blutlausschnurrbärte" hängen. Die Landwirte beeilen sich demnach zur Vertilgung dieses Ungeziefers.

Die Zweimarkstücke - Während bisher nur silberne Ein- und Dreimarkstücke im Umlauf waren, ist jetzt die Prägung der silbernen Zweimarkstücke in vollem Gang. Die ersten Stücke sind bereits in Umlauf gekommen. Die Stücke werden schon in den allernächsten Tagen zur Ausgabe gelangen. Die Prägung der Zweimarkstücke ist wesentlich besser als die der Einmarkstücke.

Auserkurssetzung von Reichsbanknoten - Am 5. Juni verlieren alle Reichsbanknoten, die vor dem 11. Oktober 1924 liegendes Datum tragen, die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Nur Reichsbankanstalten tauschen diese Noten noch bis zum 5. Juli ein.

Bei der Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. Juni dieses Jahres wird zum erstenmal wieder seit der Volkszählung 1910 die Frage nach dem Religionsbekenntnis erhoben. Sie ist nicht nur vom Standpunkt der Kirchen- und Religionsgesellschaften, sondern auch vom Standpunkt der Bevölkerungswissenschaft von großem Belang. Denn die Verschiebungen innerhalb der Konfessionen, wie wir sie von Volkszählung zu Volkszählung feststellen können, sind zum kleinsten Teil auf Über- und Austritte zurückzuführen. Vielmehr sind sie das Ergebnis der starken Wanderungsbewegung, die sich jahrein und jahraus innerhalb unseres Volkes vollzieht und unter den Schlagworten "Landflucht", "Zug nach der Stadt", "Zug nach dem Westen" hinreichend bekannt ist. Aus dem Religionsbekenntnis lassen sich deshalb interessante Rückschlüsse auf die Binnenwanderung der Bevölkerung ziehen.

 
16. Mai 1925

Neuer Kommandant

Im Mai 1925 ist Karl Kühn als 1. Kommandant für die Pflichtfeuerwehr der Gemeinde Klein-Eichen ernannt und verpflichtet worden. Als 2. Kommandant ist Karl Volp ebenfalls ernannt und verpflichtet worden.

Schon im Jahr 1856 hat eine Pflichtfeuerwehr im Dorf bestanden. Also bevor 1890 eine neue Landesfeuerlöschordnung für das Großherzogtum Hessen erlassen wurde, deren wichtigster Inhalt die Einrichtung von fest organisierten, gut ausgerüsteten, und durch regelmäßige Übungen ausgebildete Feuerwehren in jeder Gemeinde war.

Die Pflichtfeuerwehr war der Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr. Diese wurde in Klein-Eichen erst 1954 gegründet.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
25. April 1925

Wiegemeister

Wie der Grünberger Anzeiger berichtet, ist Wilhelm Dörr zum Wiegemeister-Stellvertreter der Gemeindeviehwaage zu Klein-Eichen ernannt und verpflichtet worden.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. Februar 1925

Theaterabend

Nach zweijähriger Pause tritt der Männergesangverein Lardenbach/Klein-Eichen wieder mit einem Theaterabend an die Öffentlichkeit. Die von ihm bereits aufgeführten "Heiteren Dorfbilder" und "'s Millersch Liesl von Michelboch" werden bei seinen Gästen noch in guter Erinnerung sein. Getreu seinem Grundsatz, nichts Schlechtes zu bringen, spielt er diesmal das ganz neue Volksstück "Der Oekonomierat" und das herrliche Singspiel "Heimweh". Die Bühnenausstattung ist für ländliche Verhältnisse außergewöhnlich; die Rollen sind gut besetzt (Ernst Lein und August Sauer in den Hauptrollen). Alles in allem verspricht der nächste Sonntagabend (22. Februar 1925) genußreich zu werden.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Dezember 1924

Reichs- und Landtagswahl am 7. Dezember 1924

Während die Wahl im Mai 1924 noch stark von den Auswirkungen der sozialen Folgen der Inflation und der Stabilisierung bestimmt war, fand die Dezemberwahl in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs statt. Die Arbeitslosigkeit, die im Sommer 1924 noch einmal stark gestiegen war, ging im Herbst deutlich zurück. Die Löhne stiegen deutlich an und auch die Arbeitszeit sank teilweise ab.

Das Ergebnis der Wahl vom Dezember unterschied sich von der im Mai durch die deutlich geringere Bedeutung der radikalen Parteien. Die Flügelparteien wurden stark geschwächt. Davon konnte die DNVP leicht und die SPD deutlich stärker profitieren. Der Stimmenanteil der DNVP stieg von 19,5 % auf 20,5 %. Die SPD wuchs von 20,5 % auf 26 %. Die KPD sank von 12,6 % auf 9 % und die Nationalsozialisten und Völkischen zusammen fielen von 6,5 % auf 3 % ab. Im Bereich der DDP und DVP sowie des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei waren die Veränderungen gering.

Der Landtag des Volksstaates Hessen war das Landesparlament und damit die Legislative des Volksstaates Hessen in der Weimarer Republik. Sein Vorgänger waren die Landstände des Großherzogtums Hessen, sein Nachfolger der Hessische Landtag. Bei den Landtagswahlen im Volksstaat Hessen wird die bisherige Regierungskoalition bestätigt. SPD, Zentrum und DDP erreichen mit 43 von 70 Sitzen zusammen die absolute Mehrheit.

In den Dörfern des Vogelsberges gewann deutlich der Hessische Bauernbund vor der Sozialdemokratischen Partei. Bei der Landtagswahl erhielt der H. Bauernbund 9 Sitze. Der Sitz des Landtags war das Ständehaus am Luisenplatz in Darmstadt.

Klein-Eichen
Reichstag

Klein-Eichen
Landtag
Lardenbach
Reichstag
Lardenbach
Landtag
Sozialdemokratische Partei
5
6
27
27
Deutschnationale Volkspartei
-
-
14
10
Deutsche Zentrumspartei
-
-
-
1
Kommunnisten
-
-
1
-
Deutsche Volkspartei
2
-
6
2
Nationalsoz. Freiheitsbewegung
-
-
1
-
Demokratische Partei
-
-
3
3
Wirtschaftspartei d. d. Mittelst.
1
1
-
-
Hessischer Bauernbund
71
72
119
126
Haeußerbund
1
-
2
-
Freiwirtschftsbund FFF
-
-
-
-
Unabhängige S. P. D.
1
-
-
-
Vereinigte sch. h. Landwirte
-
2
-
4

Fotos

 
04. Mai 1924

Reichstagswahl 1924

Die Reichstagswahl vom Mai 1924 endete mit einem erheblichen Stimmengewinn der extremen Rechten und einer schweren Niederlage der gemäßigten Linken. Die DNVP konnte ihre Stimmenzahl im Vergleich mit der Reichstagswahl von 1920 um 1,4 Millionen erhöhen. Ihr Stimmenanteil stieg von 15,1 % auf 19,5 %. Damit stieg die Partei zur stärksten Kraft unter den bürgerlichen Parteien auf und war nach der SPD die zweitstärkste Partei insgesamt. Die Deutschvölkische Freiheitspartei kam auf 1,9 Millionen Stimmen, was einem Anteil von 6,5 % entsprach. Ein nicht beträchtlicher Teil der Wähler hatte 1920 noch die DNVP gewählt. Insgesamt stimmte ein Viertel der Wähler für die antirepublikanische Rechte.

In Klein-Eichen erhielt die Vereinigte sozialdemokratische Partei (Ulrich) 4 Stimmen. Die Deutsche Volkspartei (Becker) hatte nur eine Stimme. Sieben Stimmen entfielen auf die Deutschnationale Volkspartei (Werner). Der Völkisch-Soziale Block (Dinter) kam auf 3 Stimmen. Der Hessische Wirtschaftsbund (Walther) hatte nur eine Zustimmung. Dagegen wählten den Hessischen Bauernbund (Dorsch) ganze 66 Wähler. Also verzeichnete man 79 gültige Stimmen im Dorf.

Vermutlich war das Klein-Eichener Wahllokal bei Bürgermeister Christian Hoffmann eingerichtet. Jeder Wähler erhielt einen Stimmzettel auf dem alle im Wahlkreis Hessen zugelassenen Wahlvorschläge verzeichnet waren. Diesen Einheits-Stimmzettel erhielt man nun erst im Wahllokal. Und nicht wie früher, wo dieser ins Haus gebracht wurde. Weiterhin erfolgte zu der Wahl der Hinweis, Bleistift und Brille nicht zu vergessen! Der ausgefüllte Stimmzettel sollte dann in den amtlichen Wahlumschlag gesteckt werden, den man ebenfalls im Wahllokal erhielt.

Lardenbach wählte übrigens mit Ilsdorf-Solms zusammen. Auch hier konnte der Hessische Bauernbund die meisten Stimmen sammeln. Ganze 207 gültige Stimmen wurden in den beiden Dörfern abgegeben. Im Januar 1919 wurde der Hessische Bauernbund in Friedberg neu gegründet. Politisch stand er dem Landbund bzw. Reichslandbund und der DNVP nahe. Er verstand sich als Interessenvertretung der ländlichen Bevölkerung und vertrat konservative und antisemitische Positionen.

Fotos

 
03. Mai 1923

Feldgeschworener

Der Grünberger Anzeiger berichtete am 3. Mai 1923 von der Ernennung und Verpflichtung des Landwirtes Heinrich Eckhard zum Feldgeschworenen der Gemeinde Klein-Eichen. Da es schon 90 Jahre früher den Namen Eckhard nur mit der Endung "d" geschrieben im Dorf gegeben hat, kann man davon ausgehen, dass hier nicht die Familie Eckhardt des späteren Bürgermeisters gemeint ist.

Das Amt des Feldgeschworenen ist eines der ältesten Ämter der kommunalen Selbstverwaltung. Das Ehrenamt soll schon im 13. Jahrhundert entstanden sein. Die Obrigkeit erkannte die Notwendigkeit, das vor Ort Ansprechpartner in den Dörfern nötig waren, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten.

Da zu der damaligen Zeit jeder kleinste Acker bzw. Wald sehr wertvoll und wichtig für die Bauern und Gemeinden war, wurden im Laufe der Jahrzehnte häufiger einmal die Grenzen etwas verschoben. Die Grenzen waren in der Regel festgelegt durch z. B. Bäume, Büsche, Hecken oder auch durch Gräben. Mit der Zeit jedoch setzte man zur Kennzeichnung der Grenze die so genannten Grenzsteine.

Besonders in Wald- oder abgelegenen Gebieten traten solche Grenzverschiebungen häufiger auf. Daher begann man in angemessenen Zeiträumen die Gemarkungsgrenze der Gemeinde zu begehen. Es wurden neben Amtspersonen, auch "Feldgeschworene" der betroffenen Gemeinden gewählt, um die Ordnung der Grenze zu überprüfen und sicher zu stellen. Diese Grenzbegehungen als erforderliche Notwendigkeit, waren sehr wichtig, um Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Nachbargemeinden bezüglich des korrekten Grenzverlaufes zu schlichten und zur Einigung zu bringen. Etwaige Grenzverletzungen mussten den zuständigen Ämtern gemeldet werden.

Feldgeschworene setzten Grenzsteine höher oder tiefer, wechselten beschädigte Grenzzeichen aus und entfernten Grenzzeichen. Feldgeschworene hatten das Recht Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen.

(Grünberger Anzeiger)

 
21. April 1921

Fußballverein

Wie vielerorts hat sich auch hier, in Lardenbach und Klein-Eichen, ein Fußballverein gebildet. Es ist erfreulich, dass der Sport auch auf dem Lande immer mehr Freunde gewinnt.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. April 1921

Einbrecher unterwegs

In der Nacht zum 20. April 1921 suchte eine Einbrecherbande die Dörfer Lardenbach und Klein-Eichen heim und stahl Nahrungsmittel im Werte von 1600 Mark. In große Aufregung gerieten dadurch die firiedlichen Dörfer.Eingebrochen wurde bei Landwirt Groß und Wurst, Fleisch und Mehl gestohlen. In Klein-Eichen wurde in drei Häusern eingebrochen.

Durch auffälliges Benehmen machte sich dann gestern morgen in Mücke ein junger Radfahrer verdächtig, der mit einem Rucksack in Richtung Grünberg weiterfuhr. Die hiesige Polizei stellte ihn, am Fernsprecher benachrichtigt, an der Alsfelder Brücke. Er sprang jedoch vom Rad und entfloh, Rad und Rucksack zurücklassend, trotzdem ihm zwei Schreckschüsse nachgejagd wurden, den steilen Abhang nach Eschersbach hinab und von dort über den Lahnheimer Weg in den Wald. Der Rucksack enthielt drei Speckseiten.

In voriger Woche stahlen zwei Diebe vor Groß-Eichen Wäsche, die zum Trocknen vor dem Dorfe lag. Sie wurden von Bauern verfolgt und am Bahnhof Weickartshain gestellt. Dort nahm man ihnen die noch nasse Wäsche ab und benachrichtigte die Grünberger Gendarmerie, die die beiden (Offenbacher) Spitzbuben dann in Empfang nahm. Sie sitzen jetzt hier (in Grünberg) in Untersuchungshaft.

(Grünberger Anzeiger)

 
18. April 1921

Aus dem Vogelsberge

Eine alte Einrichtung unserer Gegend, die man in den tiefer gelegenen Kreisen unserer Provinz schon lange nicht mehr kennt, scheint auch durch den Geist der neuen Zeit, welcher gleiches Recht für alle fordert, ins Wanken geraten zu sein. Es ist das Erstgeburtsrecht, nach welchem bei der Vermögensverteilung der älteste Sohn Haus, Hof, Vieh, Ackergeräte und Land des Vaters bekommt, die jüngeren Kinder dagegen mit einer Geldsumme abgefertigt werden.

Es ist nicht zu verwundern, dass die Durchbrechung eines so alten Rechts, besser Unrecht, auf Widerstand stößt, und so hört man, dass in manchen Orten unseres Vogelsberges Kinder, die zugunsten ihres älteren Bruders von den eigenen Eltern übervorteilt werden sollten, nur mit Hilfe des Gerichts ihr Anteil auf Haus, Vieh und Gut erlangen konnten.

Rechtdenkende Eltern werden es gewiß nicht soweit kommen lassen, denn sie werden es nicht übers Herz bringen, einem Kinde den Löwenanteil zukommen zu lassen, während sie ihre übrigen Kinder mit dem jetzt fast wertlosen Papiergeld abspeisen.

(Grünberger Anzeiger)

 
15. April 1921

Schnee

Vom hohen Vogelsberg bis herunter auf die Mücke liegt Schnee. Unaufhaltsam fallen die Flocken vom graubedeckten Himmel und - die Landwirte setzen Kartoffeln. In Wohnfeld, Sellnrod, Groß-Eichen und Ilsdorf konnte man während des heftigen Schneegestöbers diese Arbeit verrichten sehen; eine ganz eigentümliche Erscheinung.
"Setz mich im April, ich guck doch, wann ich will."

(Grünberger Anzeiger)

 
08. April 1921

Einklassige Schule

In Lardenbach steht die größte einklassige Schule, für Lardenbach und Klein-Eichen, des Kreises Schotten. Schon im Jahre 1914 sollte ein Neubau mit zwei Sälen und zwei Lehrerwohnungen errichtet werden. Der Voranschlag stellte sich auf 40 000 Mark. Der Krieg hat den Plan über den Haufen geworfen. Jetzt hat der Schulvorstand die Schulbehörde um Errichtung der 2. Klasse gebeten. Beide Klassen sollen in einem Saale unterrichtet werden.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
06. April 1921

Flachsanbau

Gegenwärtig findet die Flachslieferung von unseren Landwirten statt. Die Bestände werden in den Dörfern zusammengefahren und zur Bahn befördert. Die Flachslieferanten kommen dieses Jahr auf ihre Rechnung, da der Preis um das Doppelte gegen das Vorjahr gestiegen ist, nämlich von 35 auf 70 Mark für den Zentner. Es ist dies ein guter Ansporn zur Hebung des Flachsanbaues, bei dem doch auch nebenbei das Leinöl gewonnen wird.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. April 1921

Elektrizitätsversorgung

Heute (1. April 1921) fand im Pfannstiel'schen Saale zu Ulrichstein eine Versammlung von Vertretern und Interessenten von 12 Orten unter Vorsitz von Geh. Regierungsrat Boeckmann statt, die den Ausbau der Überlandanlage betraf, stark besucht war und an der auch Provinzialdirektor Dr. Usinger und Direktor v. Stadler-Friedberg teilnahmen.

Das Ergebnis der Versammlung ist: die Orte Ulrichstein, Ober- und Unter-Seibertenrod, Köddingen, Rebgeshain, Kölzenhain, Feldkrücken, Bobenhausen 2, Wohnfeld, Altenhain, Freienseen, Lardenbach, Klein-Eichen, Solms Ilsdorf, Gonterskirchen werden im Anschluß an Laubach noch im Jahre 1921 angeschlossen, sodaß etwa Anfang November des Jahres Strom da ist.

Zunächst kommen neue vom Ministerium genehmigte Vertragsentwürfe an die Bürgermeisereien, die rasch vom Gemeinderat zu genehmigen sind. Dann werden ihnen Vordrucke zur Anschlußerklärung der Hausbesitzer geschickt. Die Anschlußkosten der einzelnen Gemeinden wurden mitgeteilt und sind hoch: sie sind berechnet nach der Länge der Leitung vom Nachbarort, werden aber zur Vermeidung sich ergebender Härten schließlich auf die Gemeinden nach Maßgabe ihrer Bevölkerungszahl ausgeschlagen.

Ein Kilometer Fernleitung kostet 50 000 Mark. Nebenleitung 30 000 Mark. Die Provinz muß größten Wert legen auf kurze, gerade Leitungen, wegen der Sturm- und Raureifgefahr im Gebirge. Die Gemeinde hat die Aufgabe, die kostenfreie Bereitstellung der Standorte für die Masten schnell zu bestätigen. Die Fern-Ortsleitungen, Hausanschlüsse, Transformatorenstationen, Zähler werden von der Provinz gebaut und bleiben in deren Eigentum und Unterhaltung; ausgenommen bei zwei Gemeinden, die ihr Ortsnetz selbst bauen wollen.

Die Kosten tragen zu dreiviertel die Gemeinden. Zu den Zins- und Tilgungsbeträgen für Schulden, die die Gemeinden zur Kostenaufbringung machen müssen, gibt die Provinz 2,5 %, also etwa die Hälfte, Beihilfe. Dachständer bieten dem Hause Blitzschutz. Die Hausinstallationen sind Sache der Privaten; sie dürfen nur an Installateure vergeben werden, die eine Zulassungsbescheinigung der Provinz haben.

Nach den allgemeinen Stromlieferungsbedingungen sind Gehöfte, Mühlen usw., die mehr als 100 Meter vom geschlossenen Ortsbereich entfernt liegen, nicht anschlußberechtigt. Den Gesuchen soll möglichst entsprochen werden, wenn Gesuchsteller eventl. mit Beihilfe der Gemeinde die gesamten Anschlußkosten übernimmt. Es empfiehlt sich, solche Gesuche alsbald bei der Direktion der Überlandanlage in Friedberg zu stellen.

Die Strompreise sind von heute ab wiederum erhöht worden auf 3,20 Mark für die Kilowattstunde für Licht. Diejenigen für Kraftzwecke sind gestaffelt von 1,45 - 1,60 Mark für eine Kilowattstunde; für Heiz- und Kochzwecke 0,90 Mark; für Betriebe, die nur am Tage, wenn kein Licht gebrannt wird, Strom brauchen, wird der Preis ermäßigt. Die Straßenbeleuchtung der Gemeinden wird nach Sondertarif mit 70 Pfg. berechnet. Eine halbnächtige Straßenlampe (bis halb zwölf Uhr) kostet im Jahre 53 Mark.

(Grünberger Anzeiger)

 
09. März 1921

Elektrisches Licht

Am 9. März 1921 wurde veröffentlicht, dass in nächster Zeit die Orte Freienseen, Lardenbach, Klein-Eichen, Stockhausen, sowie die beiden Ilsdorf und Ruppertenrod durch Anschluß an die Überlandzentrale mit elektrischem Licht versehen werden. Sellnrod hat den Anschluß abgelehnt, da der Gemeinderat glaubt, dass die Gemeinde nicht in der Lage ist, die hohen Kosten zu tragen. Die Gemeinde Groß-Eichen dagegen schafft sich eine eigene Licht-Anlage unter Benutzung der Wasserkraft der Wadenhäuser Mühle.

Die Eisensteinwäsche der Grube Luse bei genannter Mühle wird jedoch an die Überlandzentrale angeschlossen, ebenso wird vom Transformatorenhaus der Gemeinde Lardenbach die Grube bei Lardenbach mit elektrischem Strom der Überlandzentrale versehen.

In Nieder-Ohmen ist die elektrische Licht- und Kraftanlage in Tätigkeit gesetzt und von jedermann begrüßt worden. Bei den Hausanlagen wurden große Ersparnisse gemacht durch Verwertung der alten Petroleum-Hänge- und Zuglampen, die in elektrische umgewandelt wurden.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. März 1921

Wasserleitungsbau

Aus dem Vogelsberg wird berichtet, dass von den 54 Gemeinden des Kreises Schotten nur noch 3 ohne Wasserleitung sind: Ober-Seibertenrod, Unter-Seibertenrod und Wingertshausen. Die drei genannten Dörfer begannen kurz vor dem Kriege den Bau von Wasserleitungen; die Quellfassungen sind bereits fertig. An eine Fertigstellung der begonnenen Arbeiten ist kaum zu denken, da jedes Dorf fast eine Million Mark für Baukosten aufzubringen hätte, was für die kleinen Orte eine Unmöglichkeit ist.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. Februar 1921

Polizeidiener Keller gestorben

Am letzten Freitag (25. Februar 1921) brachten wir die sterbliche Hülle unseres alten Polizeidieners Keller auf dem Lardenbacher Friedhof zu Grabe. Er stand im 79 Lebensjahre und hat 40 Jahre sein Amt in Treue versehen. Als Feldzugsteilnehmer von 1866 und 1870-71 gab ihm der Kriegerverein Lardenbach das Ehrengeleite. Über 40 Jahre war der Verstorbene Austräger des "Grünberger Anzeigers".

(Grünberger Anzeiger)

 
22. Februar 1921

Elektrizitätsversorgung

Der Provinzialtag der Provinz Oberhessen hat in seiner außerordentlichen Tagung vom 19. Januar dieses Jahres dem ihn vom Provinzialausschuss unterbreiteten Projekt über den Ausbau der elektrischen Überlandanlage einmütig zugestimmt und die hierfür erforderlichen Mittel bewilligt. Damit rückt die Erfülling eines dringenden Wunsches großer Gebietsteile der Provinz näher, bald elektrisches Licht und Kraft zu erhalten.

Das Projekt sieht den Anschluß alller derjenigen Gemeinden vor, die sich bis jetzt zum Anschluß unter den von der Provinz ausgearbeiteten Bedingungen bereit erklärt haben. Es handelt sich dabei nicht nur um die Gemeinden in den noch ganz unversorgten Kreisen Alsfeld und Lauterbach, sondern auch um den Rest des Ausbaues in den Kreisen Büdingen, Schotten und Gießen. Im Kreise Friedberg ist nur noch eine Gemeinde im Rückstand, die jetzt auch berücksichtigt werden soll.

Die für den Ausbau vorgesehene Fernleitungen werden eine Länge von 495 Kilometern erreichen. Die Gesamtlänge der neu zu bauenden Leitungen wird also die Länge der in Betrieb befindlichen noch um fast 50 Kilometer übersteigen. Die Kosten, die für den Ausbau entstehen werden und das damit verbundene Risiko sind allerdings so erheblich, dass die Gemeinden daran beteiligt werden müssten. Es ist hierfür bereits ein Maßstab gefunden worden, mit dem sich die Gemeinden einverstanden erklären konnten.

Die Gesamtkosten des Ausbaues werden sich auf 64 Millionen Mark belaufen, von denen die Provinz 25,5 Millionen übernimmt, während die Gemeinden den Rest aufzubringen haben. Nicht einberechnet sind hierbei diejenigen Kosten, die durch den Ausbau von Wasserkräften entstehen werden, und die von der Provinz allein zu tragen sind.

Die Bauarbeiten werden alsbald in Angriff genommen und dadurch beschleunigt werden, dass der Bau gleichzeitig an mehreren Stellen einsetzt. In erster Linie und zwar sofort werden die als Hauptleitungen vorgesehenen Leitungen in Angriff genommen werden. Es sind dies diejenigen, die von Ober-Seemen über Volkhartshain - Hartmannshain - Grebenhain - Herbstein - Rixfeld - Lauterbach - Unter-Sorg - Alsfeld nach Lauterbach, sowie von Laubach über Freienseen - Ilsdorf - Ruppertenrod - Groß-Felda gleichfalls nach Unter-Sorg führen und die untereinander durch eine Hauptleitung verbunden werden, die von Freienseen über Ulrichstein - Rebgeshain nach Rixfeld führt.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. Februar 1921

Firmen-Register

In unser Handelsregister A wurden heute eingetragen unter:

Nr. 64. Die Firma Wilhelm Rienow, Lardenbach,
Inhaber Wilhelm Eienow, Geschäftszweig: Dampfmolkerei
Nr. 71. Die Firma Heinrich Seim in Lardenbach
Inhaber Heinrich Seim, Geschäftszweig: Holz- und Baumaterialienhandlung.

Hessisches Amtsgericht Laubach

(Grünberger Anzeiger)

 
06. Februar 1921

Die heiteren Dorfbilder

Am Sonntag, 6. Februar 1921, werden im Diehlschen Saale die gesamte "Heiteren Dorfbilder aus dem oberhessischen Volksleben" von W. Vonalt aus Worms aufgeführt. Es ist erfreulich, dass der Gesangverein es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese echte Volkspoesie auf die Bühne zu bringen. Bühnenausstattung und Rollenbesetzung versprechen einen vollen Erfolg.

(Grünberger Anzeiger)

 
02. Februar 1921

Preisabschlag bei Oel

Endlich mal ein Preisabschlag auch in unseren Gebirgsdörfern (im Vogelsberg), der sich sehen lassen darf. Das Oel ist von 30 Mark das Liter auf 16 Mark gefallen, ja man bietet das Liter bereits mit 15,50 Mark an. Wer weiß, welche Rolle das Rüböl im Haushalt spielt, der kann auch erwägen, dass der starke Abschlag des Rüböls nicht bedeutungslos ist. Wie gering doe Oelvorräte in den einzelnen Haushaltungen waren, zeigt der starke Einkauf des Oeles beim Bekanntwerden des Preissturzes. Manche Schlagmüller hatten in aller Kürze ihre Vorräte verkauft.

(Grünberger Anzeiger)

 
05. Januar 1921

Aus dem Vogelsberg

Die Wassernot in den kleinen Bachläufen und Mühlgräben ist nun behoben. Die Niederschläge, die über die Feiertage erfolgten, haben die Flußbettchen wieder gefüllt. Nun donnern die Wasser wieder über die kleinen Mühlräder, nachdem sie wie in Sellnrod über ein halbes Jahr gerastet und Mahl- und Schlagmühlen in Notstand gebracht.

Trotz der reichen Niederschläge ist aber die Durchfeuchtung des Erdreichs noch nicht vollständig. In den Wassergräben, die in den Feldwiesen gestochen werden, rinnt noch kein Wasser. Nach der halbjährigen Trockenheit saugt die Erde das Wasser wie ein Schwamm auf.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. Dezember 1920

Trockenheit

Der gänzliche Wassermangel in unserem Bachlauf, der die einzige Mühle des Dorfes Sellnrod schon seit Monaten still stehen ließ, wächst sich zu einem wirklichen Notstand aus. Da auf den Nachbarmühlen, zu denen die Frucht gebracht wird, das Wasser gleichfalls immer knapper wird, so geraten unsere Einwohner in die Lage, kein Mehl zum Brotbacken mehr erhalten zu können. Hoffentlich bringt der Dezember, der heute mit leichten Niederschlägen beginnt, Abhilfe.

(Grünberger Anzeiger)

 
02. November 1920

Gründung Genossenschaft

Das Hessische Amtsgericht Laubach veröffentlichte mit Datum vom 24. Oktober 1920 im Grünberger Anzeiger am 2. November 1920: "In unser Genossenschaftsregister wurde heute eingetragen: 1. das Statut vom 29. April 1920 der "Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht" mit dem Sitze zu Lardenbach. Gegenstand des Unternehmens ist gemeinschaftlicher Einkauf von Verbrauchsstoffen und Gegenständen des landwirtschaftlichen Betriebes, sowie gemeinschaftlicher Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

2. der Vorstand besteht aus: 1. Karl Müller, Landwirt zu Klein-Eichen, 2. Christian Schmidt, Landwirt zu Lardenbach und 3. Karl Keil, Landwirt zu Lardenbach. Die Haftsumme für den erworbenen Geschäftsanteil beträgt 200 Mark.

Dem voraus gegangen war am 29. April 1920 die Gründung der "Landwirtschaftliche Bezugs- und Kreditgenossenschaft" durch damals 65 Personen.

Die landwirtschaftliche Produktion war immer schon durch bäuerliche Familienbetriebe geprägt. Um trotz der vergleichsweise kleinen Betriebsgrößen wettbewerbsfähig zu bleiben, haben sich die Landwirte in Deutschland frühzeitig in Genossenschaften zusammengeschlossen. Zu den Pionieren des ländlichen Genossenschaftswesens zählen Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Wilhelm Haas, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten ländlichen Genossenschaften gründeten. Dabei ging es nicht nur darum, im Wettbewerb mit großen Farmbetrieben im Ausland zu bestehen. Die Bündelung beim Einkauf und Absatz der Landwirte über die Genossenschaften zielte vor allem auch darauf ab, der Düngemittelindustrie auf Augenhöhe begegnen zu können und neue Absatzmärkte für die erzeugten Produkte zu erschließen.

(Grünberger Anzeiger, bwgv)

Fotos

 
28. Oktober 1920

Die Postverhältnisse auf dem Lande

Aus landwirtschaftlichen Kreisen werden seit längerer Zeit Klagen darüber geführt, dass die postalischen Verhältnisse auf dem Lande in seiner Beziehung den heutigen Verkehrsbedürfnissen und den berechtigten Interessen der landwirtschaftlichen Betriebe Rechnung tragen. Eine zweite Postbestellung, die vor dem Kriege fast jeder Ort hatte, gibt es nicht mehr. Vor allem sieht man in der vielfach Sonntags nicht stattfindenden Postbestellung einen Übelstand, dem abgeholfen werden müßte.

Der Telephonverkehr läßt auch sehr zu wünschen übrig; abgesehen von den hohen Telephongebühren, die vielfach zur Kündigung des Telephonanschlusses notgedrungen führen, ist der Fernsprechverkehr bei vielen Postanstalten in den Mittagsstunden geschlossen. Während der Dienstzeit der Agenturen ist der Landwirt bei den landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Felde beschäftigt; in der arbeitsfreien Mittagsstunden ist für ihn der Fernsprechverkehr unmöglich gemacht.

Es liegt ein dringendes Bedürfnis vor, dass überall dort, wo Sonntags keine Postbestellung besteht, wenigstens wieder eine einmalige Zustellung erfolgt, dass der Fernsprechverkehr eine derartige Regelung findet, die es den Landwirten ermöglicht, auch in den Mittagsstunden zu telephonieren, denn der Landwirt kann nicht während der Hauptarbeitszeit stundenlang am Telephon sitzen und auf Anschluß warten, zumal bei der heutigen verkürzten Arbeitszeit der Betriebsleiter an der Arbeitstelle stets zugegen sein muß. Es wäre sehr zu hoffen, dass die hier angeführten Mißstände alsbald abgestellt würden.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Oktober 1920

Polizeidiener verpflichtet

August Kratz zu Lardenbach ist am 7. Oktober 1920 für die Gemeinde Lardenbach mit Stockhäuser-Hof und für die Gemeinde Klein-Eichen als Polizeidiener bestellt und verpflichtet worden.
Polizeidiener waren Angestellte der Gemeinde. Die Aufgaben waren vielfältig. Sie mussten Bodengänge für die Verwaltung erledigen oder Nachrichten für die Einwohner mit der Schelle bekannt geben. Dem Polizeidiener obliegt die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung. Dazu gehörte auch die Überwachung der Polizeistunde in den Gasthäusern. Auch die Kontrolle der Straßenreinigung durch die Anwohner gehörten zu seinen Aufgaben.

(Grünberger Anzeiger/wiki)

Fotos

 
02. Oktober 1920

Elektrizitätsversorgung

Der erweiterte Provinzialausschuß hat beschlossen, nunmehr an die Versorgung der Gemeinden im oberen Vogelsberg mit elektrischer Energie heranzutreten. Er glaubt auch Mittel und Wege gefunden zu haben, die es den Gemeinden ohne allzu große Aufwendungen ermöglichen, sich an das bestehende Provinznetz anzuschließen und damit der Vorteile teilhaft zu werden, die eine einheitliche Versorgung der ganzen Provinz mit Elektrizität gegenüber der Einzelversorgung hat, die der Gemeinde ein allzugroßes Risiko auferlegt.

Die Provinzialverwaltung will nunmehr die Bevölkerung von ihren Absichten unterrichten und die Ansichten der maßgebenden Gemeindeorgane zu ihren Vorschlägen hören. Zu diesem Zweck wird am Freitag den 8. Oktober vormittags 10 1/2 Uhr in Ulrichstein in der Gastwirtschaft zum Darmstädter Hof von Ferdinand Pfannstiel eine öffentliche Versammlung stattfinden.

(Grünberger Anzeiger)

 
19. September 1920

Kirmes

In der Grünberger Heimat Zeitung findet sich die Anzeige: Am Sonntag den 19. und Montag den 20. September 1920 findet bei Gastwirt Diehl in Lardenbach Kirchweihfest statt. Für gute Spesen und Getränke ist bestens gesorgt. Es ladet freundlich ein "Die Jugend".

(Grünberger Anzeiger)

 
11. September 1920

Elektrisches Licht

Auch Groß-Eichen erhält jetzt elektrisches Licht. Als Kraftquelle dient der Wasserfall der Wadenhäuser Mühle. Man hofft, dass auf Weihnachten in jedem Hause bereits eine elektrische Lampe brennen kann.

(Grünberger Anzeiger)

 
25. August 1920

Trockenheit III

Der Bachlauf des "Streitbach" ist bei Sellnrod schon monatelang völlig ausgetrocknet. Dadurch ist der Müller des Dorfes, der Mahl- und Schlagmühle besitzt, in eine schlimme Lage geraten. Seit Pfingsten des Jahres stehen seine Mühlräder still. Um nicht die alte Kundschaft zu verlieren, fährt er die Frucht zu anderen Mühlen und läßt sie dort mahlen.

Die Preise bei den Grummetgrasversteigerungen übertreffen sogar die Heugraspreise. Wiesen, die in den Friedensjahren 10 Mark gekostet, kommen auf 200 bis 240 Mark, größere Stücke auf 300 bis 400 Mark. Das Ungeheuerliche dieser Preise wird erst erklärlich, wenn man den schlechten Zustand des Grummetgrases in Rechnung zieht.

(Grünberger Anzeiger)

 
18. August 1920

Trockenheit II

Nachdem man allgemein eine Beendigung der Trockheit erwartet und das Getreide über Kopf und Hals einfuhr, zeigt sich nun, dass man sich in dieser Erwartung getäuscht hat. Eine Änderung der seit dem Frühjahr herrschenden Wetterlage ist nicht eingetreten, dagegen eine weitere Verschärfung der Trockenheit.

Hat seither die Sommerfrucht unter der Trockenheit zu leiden, so ist es jetzt der Wuchs des Grummetgrases. Nur die schweren Grundwiesen haben einigermaßen Grasbestand, die Bergwiesen, Tristen, trockenen Talwiesen können kaum zur Weide dienen. Von der Weide macht man wegen des Futtermangels im vorderen Vogelsberg ausgiebig Gebrauch.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. August 1920

Missionsfest in Lardenbach

Ein Teilnehmer am Missionsfest des letzten Sonntags (8. August 1920) berichtet: "Ein schönes Missionsfest war es, das wir am vergangenen Sonntag zusammen mit den Nachbargemeinden Freienseen, Sellnrod, Groß- und Klein-Eichen bei prächtigem Wetter feierten. Unter den Klängen unseres jungen Posaunenchors zogen wir nach dem Festplatz im nahen Wald, der mit seinen hohen, alten Buchen die zahlreich herbeigeströmten Festgäste wie ein gewaltiger Dom aufnahm.

Mit dem Lied "Geh aus mein Herz und suche Freud" wurde die Feier eingeleitet. Darauf hielt Herr Dekan Röschen aus Freienseen die Begrüßungsansprache anknüpfend an Petri Fischzug. Nachdem sodann der Kirchengesangverein Groß-Eichen das Lied "Mit dem Herrn fang alles an" gesungen hatte, ergriff Herr Missionar Walther aus Beuern, der schon im Vormittagsgottesdienst hier gepredigt hatte, als Hauptredner das Wort.

In seiner bekannten volkstümlichen und eindrucksvollen Weise verstand er es unter Zugrundelegung von Jesu Gespräch mit der Samariterin seinen Zuhörern die Gebundenheit und Not der Heiden vor die Augen zu stellen. Besonders schilderte er die unwürdige Stellung der heidnischen Frau bei den Negern Afrikas und wies auf den "Durchbrecher aller Banden" hin, der allein Licht auch in dieses Dunkel bringen könne.

Darauf folgte das Lied des Lardenbacher gemischten Chors "Großer Gott wir loben Dich" und ein von den Freienseener Schüler schön vorgetragenes geistliches Lied "Seele, die von Schmerz umnachtet, traue fest auf deinen Gott". Danach betonte Herr Pfarrer Diehl aus Sellnrod in längerer, ernster Rede die Notwendigkeit der Mission an unserem eigenen schwer darniederliegenden Volke. Die Mahnung, in der er seine Ansprache ausklingen ließ "Gebt unserem Gott die Ehre" klang auch durch die sich anschließenden beiden Liedern des Lardenbacher Gesangvereins hindurch.

Zum Schlusse dankte Herr Pfarrer Weinberger allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen, und sprach die Hoffnung aus, dass es bei den Teilnehmern, jung und alt, reichen Segen hinterlassen möge. Zuletzt sang man noch gemeinsam "Schönster Herr Jesu", auch diesmal begleitet von unserem Posaunenchor, der sich überhaupt um die Verschönerung des Ganzen sehr verdient gemacht hat. Die Sammlung für die Mission an diesem Tage ergab den ansehnlichen Betrag von 414 Mark.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
28. Juli 1920

Außerordentliche Generalversammlung

Die Landwirtschaftliche Bezugs- und Kreditgenossenschaft eGmbH hielt eine außerordentliche Generalversammlung (Juli 1950) ab, mit der die Feier des 30jährigen Bestehens verbunden war. Der Vorstand erstattete zunächst einen Bericht über die bisherige Entwicklung der Genossenschaft, die sich auf die Gemeinden Lardenbach, Klein-Eichen, Freienseen und Ilsdorf erstreckte und über 200 Mitglieder zählt.

Verbandsdirektor Dr. Rohr überbrachte die Glückwünsche des Ländlichen Genossenschaftsverbandes Frankfurt a. M. und hielt einen Vortrag über die Bedeutung der landwirtschaftlichen Genossenschaften. Dr. Rohr dankte den Gründern und Verwaltungsmitgliedern und überreichte dem langjährigen, verdienstvollen Rechner Christian Schmidt die Verbands-Ehrenurkunde.

Kreisstellenleiter Hartmann sprach über die Pflichten der Verwaltungsmitglieder sowie der Genossen. Außenvertreter Wacker übermittelte die Glückwünsche der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft und referierte über das genossenschaftliche Warengeschäft.

(Giessener Freie Presse)

Fotos

 
01. Juli 1920

Trockenheit I

Die schon monatelang anhaltende Trockenheit hat den Seenbach ausgetrocknet, ihr Bett ist jetzt (1. Juli 1920) ohne Wasser. Das Eisensteinbergwerk (Stockhausen) kann die Eisensteine infolgedessen nicht hier waschen und führt sie der Wäsche bei Ilsdorf zu. Auch bei Sellnrod trocknet der Bachlauf (Streitbach) aus. Die kleinen Ölmühlen stehen still. Das ist umso unangenehmer, als jetzt die neue Wintersamenernte heimgefahren worden ist. Auch der Fischbestand verschwindet.

Kein Grünfutter wächst nach; der zweite Kleeschnitt verkümmert. An den Straßenrainen und -Rändern ist das Gras längst verbrannt. Hafer und Gerste sind meist nur halbarmlang; die Rispen und Aehren stecken noch im Halm. Die Kartoffeln sind in ihrer Entwicklung gehemmt. Der Ackerboden ist steinhart.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
24. Juni 1920

Meldungen

Vom unteren Vogelsberg: Der Flachsbau, der vor dem Kriege nur noch vereinzelt getrieben wurde, hat durch den Wandel der Zeit einen neuen Antrieb bekommen. Es gibt wohl nur wenig Landwirte, die keinen Flachs ziehen. Einmal ist der Lein ein sehr begehrtes und hoch im Preise stehendes Erzeugnis, dann aber auch wird für den Flachs als Gegenleistung ungebleichtes Tuch geliefert. Die bleue Flachsblüte, die alte Wunderblume segensreicher Hausindustrie, feiert wieder ihre Auferstehung.

Aus dem vorderen Vogelsberg: Eine auffallende Erscheinung in diesem Sommer ist der fast gänzliche Mangel an Schmetterlingen. Keiner der Farbengeschmückten Tagfalter ergötzt das Auge auf Wiesen und im Felde. Selbst die sonst allerhäufigsten - wie Fuchs, Pfauenauge, Schwalbenschwanz u. a. - sind verschwunden. Auch der Todfeind unserer Gemüsekulturen, der Kohlweißling, ist bis jetzt selten.

Aus dem Vogelsberg: Zu Beginn der Heuernte, die in diesem Jahr überall im Gebirge reichlich ausfällt, zahlte man 25 Mark für den Zentner. Zwischenhändler, Makler und andere Zeitgenossen haben nunmehr den Preis durch gegenseitiges Überbieten auf 50 Mark gesteigert.

Oberhessen: Die Schweinemärkte haben wieder angezogen. Zwar ist der Handel ruihg, da mit einem weiteren Ausbreiten der Maul- und Klauenseuche auch auf die oberhessischen Bezirke gerechnet wird. Die Preise für Ferkel bewegen sich zwischen 150 bis 500 Mark.

Aus dem Ohmtal: Die letzten Regenfälle sind nicht über allen Gemarkungen gleich stark niedergegangen. Gießen z. B. hat mehr Regen erhalten als das mittlere Ohmtal. Hier vermochten die Landwirte noch nicht die Hackpflanzen zu setzen. Den Kartoffeln und der Sommerfrucht ist allerdings auch der wenige Regen förderlich gewesen, reicht aber dessen ungeachtet nicht aus. Der harte Boden ist nur ganz leicht angefeuchtet worden. Wassermangel tritt in den Mühlgräben auf, weil der Wasserspiegel der Ohm nur noch zentimeterhoch an einzelnen Stellen ist.

(Grünberger Anzeiger)

 
06. Juni 1920

Reichstagswahl

Die Reichstagswahl vom 6. Juni 1920 war die zweite Wahl während der Weimarer Republik und die erste zu einem regulären Deutschen Reichstag. Dabei verlor die Weimarer Koalition ihre Mehrheit. Die SPD musste sehr schwere Verluste hinnehmen, die vor allem durch die im Vergleich zum Vorjahr stark verbesserte landesweite Organisation der konkurrierenden USPD zu erklären waren. Die linksliberale DDP verlor sogar mehr als die Hälfte ihres prozentualen Ergebnisses.

Die großen innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten, denen sich die Regierung der Weimarer Koalition gegenübersah, hatten ihre Stellung im Volke nicht stärken können. Radikale Kräfte von rechts und links versäumten keine Gelegenheit, die Regierungsparteien für die Notstände der ersten Nachkriegszeit verantwortlich zu machen und die demokratische Staatsform zu diskreditieren.

Die Folge war ein großer Stimmenzuwachs der Parteien rechts und links von der Regierung. Die DNVP, noch mit dem Hessischen Bauernverband vereinigt, errang 11 595 Stimmen im Kreisgebiet und wurde dort stärkste Partei. Auch in Klein-Eichen erreichte die DNVP deutlich die meisten Stimmen. Ebenso in Lardenbach.

Der außerordentliche hohe Anteil dieser Partei deutet hier darauf hin, dass die DNVP in den landwirtschaftlich orientierten Orten zu einem Sammelbecken früher deutsch-völkischer Kräfte aus der Bauernschaft geworden war. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Hinweis auf die politisch indifferente Haltung des größeren Teils der Bevölkerung im Kreis, sondern zeigt auch ihre Anfälligkeit für radikalere Strömungen und intensive Propaganda.

Obwohl Klein-Eichen zu dieser Zeit noch zum Kreis Schotten gehört, wird der Ort bei dieser Wahlanalyse schon dem Kreis Gießen zugerechnet. Erwin Knauß veröffentlichte, in Zusammenarbeit mit dem Institut für wissenschaftliche Politik der Philipps-Universität Marburg, diese Publikation 1961.

(wiki/knauß)

 

Klein-Eichen
1920

Klein-Eichen
1919
Lardenbach
1920
Lardenbach
1919
Kommunistische Partei
-
-
-
-
Unabh. Sozialdem. Partei
5
-
1
1
Mehrheitssozialdem. Partei
-
17
69
51
Demokratische Partei
-
23
3
57
Zentrum
-
-
-
-
Deutsche Volkspartei
3
-
16
-
Deutschnatl. Volksp. und Hessischer Bauernbund
81
50
118
104

 
08. Mai 1920

Goldene Hochzeit

Am 8. Mai 1920 feierten der Gemeinderechner von Klein-Eichen, Wilhelm Hofmann und seine Ehefrau Anna Elisabetha das Fest der Goldenen Hochzeit. Am 8. Mai 1870 haben Wilhelm Hofmann und Anna Elisabetha Oppermann aus Sellnrod in Klein-Eichen geheiratet. Ihre älteste Tochter, Elisa, ist die Großmutter von Günther Zimmer. Und die dritte Tochter, Elisabetha, ist die Großmutter von Ilse Darga.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
17. April 1920

Beamtentum im Kreis Schotten

In Berfolgung des Beschlusses der Generalversammlung des hess. Kommunal-Beamten-Verbandes und auf Einladung der Ortsgruppe Schotten hatten sich am Samstag den 17. April 1920 im Hotel zur Post dahier Vertreter der Gemeindebeamten und Bediensteten des Kreises Schotten eingefunden, um über die Organisation im Kreise zu beraten. Es wurde beschlossen, den Kreis in 4 Ortsgruppen (Schotten, Gedern, Laubach und Ulrichstein) einzuteilen, denen die umliegenden kleineren Orte angegliedert werden.

Die Ortsgruppen zusammen bilden den Kreisverband. Es wurde bis zur vollständigen Durchführung der Organisation ein vorläufiger Kreisvorstand gewählt, dem angehören: Ratsschreiber Wiesner, Schotten, als 1. Vorsitzender, Stadtrechner Glock, Schotten, als 2. Vorsitzender, Polizeidiener Faatz, Schotten als Schriftführer, Stadtrechner Schmidt, Laubach, als Rechner, ferner 6 Beisitzer und zwar; für den Bezirk Gedern: Heinrich Koch, Gedern, Kaspar Ripper, Ober-Seemen, für den Bezirk Laubach: Polizeidiener Lind, Gonterskirchen, Polizeidiener Böcher, Ruppertsburg, für den Bezirk Ulrichstein: Gemeinderechner Repp, Ulrichstein, Polizeidiener Engel, Kölzenhain.

Der verband erstrebt die gemeinsame Förderung der beruflichen und wirtschaftlichen Interessen der Gemeindebeamten und Bediensteten, insbesondere Regelung der Besoldungs- und Anstellungsverhältnisse und wird dieselben mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vertreten. Der Verband erstrebt Gleichstellung der Gemeindebeamten mit den Reichs- und Staatsbeamten nach dem gesetz, das am 1. April in Kraft getreten ist, wonach den vollbeschäftigten Beamten 5000 Mark Teuerungszulage und 500 Mark für jedes Kind zu gewähren ist.

(Grünberger Anzeiger)

 
28. Februar 1920

Anzeige

Im Grünberger Anzeiger wird eine Anzeige von Wilhelm Zimmer aus Klein-Eichen veröffentlicht. Er will einen sprungfähigen Simmentaler Bullen (Gelbscheck) verkaufen. Wilhelm Zimmer ist der Großvater von Johann und Günther Zimmer.

(Grünberger Anzeiger)

 
06. Februar 1920

Jagdverpachtung

Am Freitag, den 6. Februar nachmittags 1 1/2 Uhr soll die Jagd der Gemeinde Klein-Eichen auf weitere 6 Jahre unter den im Termin bekanntgegebenen Bedingungen in der Wirtschaft Krieger verpachtet werden.

Klein-Eichen, den 29. Januar 1920.

Hessische Bürgermeisterei - Hoffmann -

Die Pacht der Jagd ging an einen Herren Eduard Langlotz.

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Februar 1920

Ergebnis der Volkszählung 1919

Das Kreisamt in Schotten veröffentlicht u. a. am 4. Februar 1920 folgendes Ergebnis der Volkszählung vom 8. Oktober 1919: Altenhain 303 Einwohner, Bobenhausen II 537 Einwohner, Freienseen 689 Einwohner, Gonterskirchen 541 Einwohner, Groß-Eichen 715 Einwohner, Klein-Eichen 183 Einwohner, Lardenbach 394 Einwohner, Laubach 1877 Einwohner, Ober-Seibertenrod 277 Einwohner, Ruppertsburg 687 Einwohner, Schotten 1883 Einwohner, Sellnrod 625 Einwohner, Solms-Ilsdorf 82 Einwohner, Ulrichstein 826 Einwohner, Unter-Seibertenrod 327 Einwohner, Wetterfeld 490 Einwohner. Der gesamte Kreis Schotten hat 27 359 Einwohner (1910: 27 744).

Grünberg hat damals rund 2 200 Einwohner. Und Gießen hat 1919 33 400 Einwohner. Frankfurt zählt 433 000.

(Grünberger Anzeiger)

 
18. Januar 1920

Tanzbelustigung

Am Sonntag fand bei Gastwirt Diehl in Lardenbach eine große Tanzbelustigung statt. Dazu eingeladen hatte die örtliche Jugend.

(Grünberger Anzeiger)

 

 

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