1939

Eintragungen Adreßbuch 1939

Oberflächlich gesehen, war die Welt in weiten Teilen Europas im Sommer 1939 noch in Ordnung. Es war ungewöhnlich warm. Viele Menschen genossen das schöne Wetter und ignorierten Politik und böse Vorhersagen. Doch es war ein Leben am Rande des Abgrunds.
Im deutschen Straßenverkehr wurden im Mai die ersten Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt. Die US-Fluggesellschaft PanAm startete den regelmäßigen Passagierflugverkehr zwischen den USA und Europa. Und auf der Berliner-Funkausstellung wurde erstmals ein "Einheits-Fernsehempfänger" vorgestellt. Im August gelang der erste Flug eines Düsenflugzeuges. Der Monumentalfilm "Vom Winde verweht" hatte Uraufführung.

Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen. Der zweite Weltkrieg begann. Am 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich aufgrund von Garantien für Polen Deutschland den Krieg.

Aus diesem Jahr stammt das "Adreßbuch Stadtkreis und Landkreis Gießen 1939". Hier finden wir auf Seite 99 auch Eintragungen über Klein-Eichen, dass damals zum Amtsgerichtsbezirk Laubach gehörte. Klein-Eichen wird als Filialdorf (von Groß-Eichen) genannt und hat 176 Einwohner. Die nächstliegende Bahnstation mit Güterabfertigung war in Weickartshain-Seenbrücke (Bahnlinie Mücke-Hungen). Zum telefonieren mussten die Klein-Eichener nach Lardenbach gehen. Die öffentliche Fernsprechstelle befand sich in der Poststelle bei Karl Völzing (Alte Post).

Bürgermeister 1939 war Karl Müller. Und dessen Wohnhaus ist demnach auch die Bürgermeisterei in der Ilsdorfer Str. 21 gewesen. Erster Beigeordneter des Gemeinderates war Karl Volp. Zweiter Beigeordneter Wilhelm Hoffmann. Die Gemeindekasse verwaltete Wilhelm Dörr. Als weitere Gemeindevertreter sind erwähnt: Otto Peter, Karl Kühn, Heinrich Felsing und Otto Volp. Bürgermeister Karl Müller war auch gleichzeitig Vorsteher des Ortsgerichtes. In diesem gab es noch zwei Gerichtsmänner: August Zimmer und Otto Volp. Das Standesamt leidete ebenfalls Karl Müller.

Der Lardenbacher August Kratz war auch in Klein-Eichen Ortsdiener. Feldschütze Eduard Zimmer musste für die Sicherheit auf den landwirtschaftlich genutzten Feldern sorgen. Feuerwehrführer Karl Kühn hatte ebenfalls einige Verantwortung. Die Kirchengeminde Klein-Eichen gehörte zum Dekanat Grünberg. Pfarrer Ernst Dammerau kam aus Groß-Eichen. Die Volksschule Lardenbach/Klein-Eichen stand am "Grenzgraben". Lehrer Karl Becker aus Lardenbach war lange Zeit jedem bekannt. Die Ärzte für Mensch und Tier, Dr. Massing und Dr. Wachtel wohnten in Laubach. Zur Hebamme Katharina Tröller war es bis nach Groß-Eichen nicht so weit.

Die für Klein-Eichen zuständige Gendarmeriestation und das Fortsamt waren auch in Laubach. Förster Grüning kam aus Freienseen. Vorsitzender der Bezugs- und Kreditgenossenschaft Lardenbach/Klein-Eichen war Karl Müller. Die Soldaten- und Kriegerkameradschaft war eine Vereinigung ehemaliger Soldaten und Kriegsteilnehmer. Vorsitzender vor Ort war Wilhelm Dörr.

Hier nun das alphabetische Verzeichnis der Einwohner Klein-Eichens 1939. Aufgeführt wurden damals allerdings nur der Hausvorstand: Biedenkopf, Karl, Groß-Eichener Str. 8. Dörr, Luise, Wwe., Ilsdorfer Str. 17. Dörr, Wilhelm, Gemeindekassenverwalter, Ilsdorfer Str. 17. Eckhardt, Wilhelm, Landwirt, Ilsdorfer Str. 11. Eckhardt, Wilhelm II, Auszügler, Ilsdorfer Str. 11. Faust, Karl I, Schuhmacher und Landwirt, Hinterdorf 5. Faust, Karl II, Wagner und Landwirt, Ilsdorfer Str. 22. Faust, Marie, Wwe., Hinterdorf 5. Felsing, Heinrich II, Landwirt, Hinterdorf 1. Felsing, Karl, Weber, Ilsdorfer Str. 32. Felsing, Wilhelm, Auszügler, Hinterdorf 2. Finkernagel, Elisabetha, Ilsdorfer Str. 22. Funk, Konrad, Landwirt, Ilsdorfer Str. 23. Funk, Wilhelm, Maurer, Hinterdorf 6. Gerbig, Emilie, Stickerin, Groß-Eichener Str. 6. Gerbig, Wilhelm, Landwirt, Ilsdorfer Str. 26. Högy, Wilhelm, Bauer, Ilsdorfer Str. 13. Hoffmann, Wilhelm, Landwirt, Kolonialwarenhandlung, Groß-Eichener Str. 1. Hofmann, Otto, Landwirt, Hinterdorf 4. Horst, Konrad, Landwirt, Ilsdorfer Str. 26. Horst, Luise, Wwe., Groß-Eichener Str. 8. Jost, Friedrich, Landwirt, Ilsdorfer Str. 32. Knöß, Wilhelm, Ilsdorfer Str. 27. Krieger, Ludwig, Landwirt, Gastwirtschaft, Ilsdorfer Str. 20. Kühn, Karl, Landwirt, Groß-Eichener Str. 5. Lein, Anna, Wwe., Ilsdorfer Str. 12. Maurer, Heinrich, Landwirt, Ilsdorfer Str. 12. Merz, Georg, Landwirt, Groß-Eichener Str. 7. Müller, Karl, Bauer und Bürgermeister, Ilsdorfer Str. 21. Müller, Katharine, Wwe., Ilsdorfer Str. 21. Opper, Karl, Landwirt, Ilsdorfer Str. 20. Peppler, Otto, Schreiner, Hinterdorf 6. Peter, Otto, Landwirt, Hinterdorf 2. Philippi, Georg, Landwirt, Ilsdorfer Str. 24. Rahn, Karl, Landwirt, Ilsdorfer Str. 25. Sames, Otto, Landwirt, Ilsdorfer Str. 9. Schütz, Lina, Wwe., Hinterdorf 3. Träger, Emil, Landwirt, Hinterdorf 3. Volp, Karl II, Landwirt, Dreschmaschinenbetreiber, Ilsdorfer Str. 15. Volp, Otto I, Landwirt, Hinterdorf 7. Volp, Otto II, Landwirt, Hinterdorf 7. Zimmer, August, Landwirt, Ilsdorfer Str. 14. Zimmer, Eduard, Auszügler, Groß-Eichener Str. 7. Zimmer, Ernst, Landwirt, Groß-Eichener. Str. 4. Zimmer, Georg, Auszügler, Ilsdorfer Str. 23. Zimmer, Otto, Landwirt, Ilsdorfer Str. 16. Zimmer, Wilhelm II, Auszügler, Ilsdorfer Str. 16. Zimmer, Wilhelm III, Weber, Ilsdorfer Str. 5.

Auszügler: Ein Bauer, der sein Gut an seine Erben übergeben oder an Dritte verkauft hatte und aufgrund seiner Auszugsrechte auf dem Altenteil des Hofes lebte, einem Geschoss des gleichen Hauses oder einem separaten Gebäude. Er wurde dort vom neuen Besitzer, meist Sohn oder Schwiegersohn, mit einer vertraglich vereinbarten Menge an Naturalien (dem Auszug) versorgt.

Wwe.: Witwe ist eine Person, deren Ehepartner verstorben ist.

Bemerkenswert ist, dass es nur drei offizielle Straßen in Klein-Eichen gab. Die Ilsdorfer Straße zog sich von Osten nach Westen durch das Dorf. Die Groß-Eichener Straße von Süden nach Norden. Das Hinterdorf ist wie heute eine Stichstraße im Westen des Ortes. Weiterhin ergibt sich eine Ungereimtheit, weil der Hof Groß-Eichener Str. 2 fehlt. Hier wohnte Familie Döhler. Vormals Mölcher.

 
01. November 1938

Lndkreis Gießen

Bis zum Jahr 1938 gehörten Klein-Eichen und Lardenbach zum Kreis Schotten. Dieser Kreis wurde zum 1. November 1938 aufgelöst. Die Gemeinden des Kreises wurden auf die angrenzenden Landkreise Gießen, Büdingen, Lauterbach und Alsfeld verteilt.

Der Landkreis Gießen erstreckt sich in seinen Hauptorten vom Gießener Becken bis zur nördlichen Wetterau im Süden. Den flächenmäßig größten Anteil nimmt demgegenüber jedoch der Vordere Vogelsberg in der Osthälfte ein, ganz im Osten liegen Teile des Vogelsberges. Nordwestlich des Gießener Beckens reichen überdies Teile des Gladenacher Berglandes in Form des Krofdorf-Königsberger-Forstes mit dem weithin sichtbaren Dünsberg ins Kreisgebiet. Südwestlich reichen Teile des Landkreises in den östlichen Hintertaunus hinein.

Bei der Auflösung des Kreises Schotten am 1. November 1938 kamen die Gemeinden Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld zum Kreis Gießen hinzu. Gleichzeitig schied die Stadt Gießen aus dem Kreis aus und wurde kreisfrei. Am 1. April 1939 schieden auch die Gemeinden Kleinlinden und Wieseck aus dem Landkreis Gießen aus und wurden in die Stadt Gießen eingegliedert.

(wiki)

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04. September 1935

Verabschiedung von Pfarrer König 1935

"Am Mittwochabend (4. September 1935) fand in der Turnhalle Groß-Eichen die Abschiedsfeier für Pfarrer König und seine Familie statt, die am 7. September nach Klein-Linden übersidelten. Vom Schulhaus nach der Turnhalle marschierten in geschlossenem Zug die Schulkinder, der Kirchenvorstand, Kriegerverein, Gesangverein, Turnverein und die "SAR", die Feier wurde von den Schulkindern mit einem Lied eröffnet. Sodann übermittelte Pfarrverwalter Bartholomä dem scheidenden Pfarrer in herzlichen Worten den Dank und die Glück- und Segenswünsche der Gemeinden Groß- und Klein-Eichen."

So beginnt der für die damalige Zeit sehr pathetische Artikel im Grünberger Anzeiger. Und es geht auch so weiter. Um den Zeitgeist in der Nazidiktatur, wie er auch in den Dörfern herrschte, zu zeigen, hier die weitere Meldung:

"Der Zellenleiter und stellvertretende Bürgermeister Ernst Greis dankte Pfarrer König für all die mühevolle Arbeit, die er während seines neunjährigen Wirkens in unserer Gemeinde geleistet hat, sei es als Seelsorger, sei es während der Kampfjahre für die Bewegung oder danach als Amtswalter der "RSB". "Mögen Ihnen in Ihrer neuen Gemeinde dieselben Möglichkeiten gegeben sein wie hier, für Volk und Vaterland zu arbeiten!"

Mit diesen Worten und einem Gruß an den Führer Adolf Hitler schloß der Zellenleiter seine Ausführungen. Im Namen der Kirchengemeinde bekundete der stellvertretende erste Vorsitzende, Altbürgermeister Faust, dem scheidenden Pfarrer Dank, Liebe, Treue und Anhänglichkeit. Zwischendurch sang der Gesangverein einige passende Lieder.

Tiefbewegt sprach Pfarrer König den Rednern seinen und seiner Frau Dank aus für die Glückwünsche. Überhaupt danke er allen Einwphnern von Groß- und Klein-Eichen für die unerwartete Feier. Es wolle ihm nicht in den Sinn, dass dies alles ihm gelten solle und das er seine Gemeinde zum letzten Male so zahlreich versammelt sehen solle. Er schilderte sodann den Verlauf seiner letzten neun Lebensjahre. Von Pfeddersheim nach hier versetzt, traf ich eine mir fremde Gemeinde. Mit bangen Gefühlen trat ich damals meine Amtstätigkeit an. Aber bald trat an seine Stelle vertrauensvolles Zusammenleben. Die Zeit, die ich hier verlebte, wird wohl die schönste meines Lebens bleiben.

Hier ging ich die Ehe ein, hier wurden meine drei Kinder geboren. Groß-Eichen wurde mir Heimat und nie werde ich es vergessen. Gerne werde ich die mir angebotene Gastfreundschaft in Anspruch nehmen und ich versichere, dass mir ein jeder Groß- und Klein-Eichener ein lieber Gast in meiner neuen Stelle Klein-Linden sein wird. Sollte ich jemals einem zu nahe getreten sein, so vergebt, ich werde auch nichts nachtragen. Das gilt auch für die Kinder in der Schule. Wir sind nur Menschen und Menschen sind schwach. Seid aber immer bestrebt, es dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler nachzutun, er ist uns allen Vorbild, und seid treu im Glauben an Jesus Christus. Gott der Herr gebe uns hierzu seinen Segen.

Ihr habt einen neuen Pfarrer. Habt Vertrauen zu ihm. Er wird euch den rechten Weg zeigen, damit ihr dereinst vor Gott dem höchsten bestehen könnt. Kameraden der "SAR"! gerne weilte ich unter euch, marschierte mit euch in Schritt in Tritt für Deutschland, für Adolf Hitler. Recht herzlichen Dank. Dank euch, Ihr Lehrer, für die enge Zusammenarbeit an unserer deutschen Jugend. Dank dem Gesangverein für seine schönen Lieder. Auf Wiedersehen!

Alle zusammen sangen dann noch als Scheidelied: "Ade zur guten Nacht".

Die Abkürzungen "SAR" und "RSB" sind z. Zt. noch unbekannt.

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25. Juni 1935

Wettkämpfe der Dörfer

Aus dem Grünberger Anzeiger (Oberhessische Heimatzeitung) vom 27. Juni 1935 sei der Bericht über die Wettkämpfe von Jugendlichen "Im Jahr der Ertüchtigung) zitiert:

"Am Samstag und Sonntag (24. u. 25. Juni 1935) wurden die Wettkämpfe der Jugendlichen aus den Gemeinden Sellnrod, Höckersdorf, Lardenbach, Klein-Eichen und Groß-Eichen in Groß-Eichen ausgetragen. Es stellten sich am Samstag die männlichen und weiblichen Jugendlichen der genannten Orte fast vollzählig zum Kampfe.

Am Tage des Deutschen Jungvolks unterzogen sich 141 Angehörige der geforderten Leistungsprüfung, und zwar 71 Knaben und 70 Mädchen. Sieger wurden insgesamt 73 Wettkämpfer, das sind 51,8 v. Hundert und bei den Mädchen 44,3 v. Hundert. Die höchsten Punktzahlen erreichten Karl Lutz (Sellnrod) mit 258 P. und Marie Lein (Lardenbach) mit 251 P.

Bei den geschlossenen Kampfgruppen des Jungvolks und der Jungmädel wurden folgende Ergebnisse erzielt: 1. Jungenschaft 1 Groß-Eichen 222,9 Punkte; 2. Jungenschaft 2 Groß-Eichen 202 Punkte; 3. Jungenschaft Sellnrod 198,5 Punkte; 4. Jungenschaft Lardenbach 194,5 Punkte; 5. Jungmädelschaft Lardenbach 207,5 Punkte.

Am Tage der Hitlerjugend traten insgesamt 95 Jugendliche an. Hier war die Beteiligung aus den einzelnen Orten noch recht unterschiedlich. Von den 62 Knaben und 33 Mädchen erreichten 14 bzw. 13 die zum Siege erforderliche Punktzahl. Anteilmäßig stellten die Knaben 22,6 Prozent und die Mädchen 39 Prozent der Angetretenen als Sieger.

Die besten Einzelleistungen boten hierbei August Hansel (Groß-Eichen) und H. Greif (Groß-Eichen). Den Kampf der geschlossenen Kameradschaften entschied die Kameradschaft Groß-Eichen für sich vor Sellnrod."

Das Deutsche Jungvolk, kurz auch als Jungvolk bezeichnet, war eine Jugendorganisation der Hitler-Jugend. Hier waren die Jüngeren, bis zum Alter von 14 Jahren organisiert. Die HJ, bzw. BDM umfasste die Älteren bis zu 18 Jahren Ziel der Organisation war es, die Jugend im Sinne des Nationalsozialismus zu indoktrinieren, in Loyalität zu Adolf Hitler zu erziehen und vormilitärisch auszubilden.

 
15. Mai 1935

Jagdbezirke im Kreis Schotten

Am Mittwoch (15. Mai 1935) fand eine Besprechung der Hegeringleiter des Kreises Schotten unter dem Vorsitz des Kreisjägermeisters statt. Diese Besprechung bezog sich auf die Einteilung der Jagdbezirke, die Feststellung der Abschußpläne für die Jagdjahre 1935, 1936 und 1937 und die Erteilung der Jagdscheine.

Das Frühjahrsschießen findet im Hegering Eichelsdorf und Eichelsachsen am 31. Mai, in den übrigen Hegeringen am Samstag, dem 1. Juni, statt. Die Prüfung für die erste Erteilung eines Jagdscheines erfolgt am Freitag, dem 31. Mai, um 14 Uhr, auf dem Forstamt Schotten. Die Einzahlung der Prüfungsgebühr muß vorher erfolgen.

Der Jagdkreis Schotten wird in 7 Hegeringe eingeteilt: 1. Hegering Oberwald: ... 2. Hegering Gedern: ... 3. Hegering Eichelsachsen: ... 4. Hegering Eichelsdorf: ...5. Hegering Laubach: ... 6. Hegering Groß-Eichen: Hegeringleiter: Gräflicher Förster Opper zu Weickartshain. Gemarkungen: Lardenbach, Klein-Eichen, Stockhäuser Hof, Solms-Ilsdorf, Groß-Eichen, Höckersdorf, Sellnrod und Schmitten. 7. Hegering Ulrichstein: ...

(Grünberger Anzeiger)

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03. Januar 1935

Kirchliche Statistik für das Jahr 1934

Im Januar 1935 veröffentlichte der Grünberger Anzeiger eine "Kirchliche Statistik" aus dem Kirchspiel Groß-Eichen/Klein-Eichen. Diese Statistik gibt Auskunft über Zahlen aus dem Jahr 1934. So fängt die Aufzählung mit den Taufen an: In Groß-Eichen wurden 4 Kinder getauft und in Klein-Eichen gar keins. Konfirmiert wurden aus Groß-Eichen 7 Kinder und aus Klein-Eichen 4 Kinder. Vier Paare sind 1934 in Groß-Eichen kirchlich getraut worden. In Klein-Eichen hat sich in diesem Jahr keiner getraut. Beerdigt worden sind kirchlich in Groß-Eichen 9 Gemeindemitglieder und in Klein-Eichen zwei.

Auch über den Gottesdienstbesuch gibt die Zeitung Auskunft. In Klein-Eichen betrug der Gottesdienstbesuch an 27 Sonntagen 733 Männer. Fast genau soviel wie im Jahr zuvor mit 737 Männern. Die Frauen gingen mit 867 fleißiger zur Kirche. Dagegen waren es 1934 nur 760 Frauen. Auch die Kinder wurden mit 351 in der Kirche gezählt. Dazu errechnete man auch den Durchschnittsbesuch mit 29 Männern, 30 Frauen und 13 Kindern.

Dazu gab es eine Bemerkung, dass die Klein-Eichener Gemeindeglieder an den übrigen Sonntagen die Gottesdienste in Groß-Eichen besuchten. Am Abendmahl nahmen in Klein-Eichen teil 91 Männer und 85 Frauen. An Gaben für kirchliche Zwecke und "christliche Liebestätigkeit" gingen im Kirchspiel insgesamt ein: 528,21 RM. Das war auf den Kopf der erwachsenen evangelischen Bevölkerung 0,76 RM.

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10. Juli 1932

Silberhochzeit

Gastwirt Johann Diehl und seine Ehefrau Katharine geb. Keller feiern am 10. Juli das Fest der Silberhochzeit. Am gleichen Tag heiratet die älteste Tochter.

(Grünberger Anzeiger)

 
03. Juli 1932

Bürgermeisterwahl

In der vergangenen Woche (3. Juli 1932) hätte eigentlich in Klein-Eichen die Bürgermeisterwahl sein müssen. Da jedoch nur ein Wahlvorschlag eingereicht wurde, gilt der seitherige Mürgermeister Karl Müller für weitere neun Jahre als gewählt. Auf diese Weise wurde die kleine Gemeinde in dieser Zeit der Wahlkämpfe ein weiterer Wahlkampf erspart.

(Grünberger Anzeiger)

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29. Juni 1932

Unglücksfall in Ilsdorf

Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich am 29. Juni 1932 bei einem Viehtransport in der Gemarkung von Ilsdorf. Ein Rind wurde zum Schlachten nach Laubach gebracht. Zwei Metzgerburschen führten es. Unterwegs wurde es störrisch, weshalb ihm die Augen verbunden wurden.

Beim Weitermarsch wurde das Tier wütend, riß seinen Führer vom Wege fort durch Korn- und Weizenäcker, fiel in einem Graben auf ihn (den Führer) und zerschmetterte ihm das Bein. Er musste das Tier loslassen und nun nahm es Reißaus.

Der Metzgerbursche wurde auf einer Tragbahre nach Stockhäuser Hof und im Auto nach Laubach ins Krankenhaus gebracht. Eine Röntgenaufnahme ergab einen doppelten Beinbruch.

Ein ganzes Aufgebot von Landwirten fing später das wildgewordene Tier ein, das großen Schaden in der Gemarkung angerichtet hatte.

(Grünberger Anzeiger)

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19. Juni 1932

Schotten, Hoherodskopf und Hessen

Die Kreisleitung und die Ortsgruppe Schotten der NSDAP hatten beim Gemeinderat den Antrag gestellt, den Führer der "nationalsozialistischen Freiheitsbewegung", Adolf Hitler, zum Ehrenbürger der Stadt Schotten zu ernennen. Der Antrag gab Anlaß zu einer ausführlichen Diskussion. In geheimer Abstimmung (am 15. Juni 1932) wurde dem Antrag mit 10 gegen 3 Stimmen bei einer Enthaltung stattgegeben. Hitler ist somit Ehrenbürger der Stadt Schotten. Über die Ernennung soll eine Urkunde ausgefertigt werden.

"Nie haben wir so sehr empfunden, dass die Herrlichkeit der Natur sich noch steigern kann, wenn sie zusammenklingt mit einem vom Menschen kommenden großen Ereignis, wie heute (18. Juni 1932) bei dieser Sonnenwendfeier einer wohl mehr als zwanzigtausend Köpfe starken, gleichgestimmten Menschenmenge. Am frühen Morgen schon begannen sich die Anmarschwege zu beleben. Bauern aus allen Vogelsbergdörfern, aus dem Schlitzerland und aus der Wetterau, Bewohner naher und ferner Städte, wie Schotten, Alsfeld, Lauterbach, Nidda, Laubach, Grünberg, Gießen - Frauen und Männer, Knaben und Mädchen - schoben sich hinauf zur Höhe - zu Fuß und zu Rad, in drangvoller Enge überfrachteter Autos, auf Motorrädern, in riesigen Postautobussen und auf Lastwagen.

Über Berg und Tal gezogen kamen die zum Ordnungsdient bestimmten uniformierten SA- und SS-Mannschaften der Standarte 116. Alle beseelt von einem Gedanken: den Führer zu sehen, der dem ganzen Volke den rechten Weg in die Freiheit zu zeigen, verheißen hat. Die Fahrzeuge ballten sich auf den Parkplätzen, wie bei den Clubhäusern, zu immer größer werdenden Massen oder ordneten sich auf engen Waldstraßen, wie in der Abfahrt zur Lauterbacher Hütte zu langen Reihen. Kein Streitwort störte die Auffahrt, den Aufmarsch der Massen. Mit einer Bereitwilligkeit sondergleichen wurden die Anweisungen der braunen Ordner, der spärlich vorhandenen Polizei befolgt. Unaufhörlich hoben sich die Hände zum Heilgruß, mit dem auch Wildfremde sich frohgestimmt begrüßten.

Eine große Hakenkreuzfahne machte das Jägerhaus als Standquartier der Führer kenntlich. Hakenkreuzfahnen flatterten auch am jenseitigen Ende des Gartens um das hochragende Gerüst der Landesvermessung. Sonst Werkzeug sachlicher Planer, trug es heute, mit Tannengrün festlich geschmückt, die Bestimmung, als Rednerkanzel hohe Gedanken zu vermitteln. Stundenlang vor Beginn der Feier lagerten sich hier auf der Heide die Massen. Dunkle Wolken bedeckten zeitweise die Sonne. Ein frischer Bergwind wehte und ließ manche Dame, die aus den wärmeren Niederungen ohne genügende Überkleidung heraufgestiegen war, erschauern. Zwei Musikkapellen konzertierten frühzeitig zur Unterhaltung. Mitten unter der Menge hielt ein Lautsprecherauto, dessen Apparate die Musik, wie später die Reden, vielfach verstärkt, laut und deutlich vernehmbar wiedergaben.

Scharf gehandhabt wurde von standhaften SA- und SS-Leuten die Absperrung des Platzes um die Rednerbühne und der Zugangswege von den Clubhäusern her. Gegen 7 Uhr erschienen innerhalb der "Bannmeile" prominente Führer der NSDAP, darunter Prinz August Wilhelm von Preußen, Hauptmann Göring, Gauleiter Dr. Lenz, der ehemalige Landtagspräsident Werner (Butzbach), der SA-Gruppenführer Major Schneidhuber (Koblenz), der Untergruppenführer für Hessen, Hauer (Darmstadt), Pfarrer a. D. Münchmeyer, Graf Bernhard zu Solms-Laubach. Wenig abseits lagerten Frauen- und Mädchengruppen von Laubach, Alsfeld, Lauterbach, Dauernheim, Salzschlirf und Gießen.

Um 7 Ujr 40 begrüßte Gauleiter Lenz die "Zehntausende", die sich auf einem der höchsten Berger Hessens eingefunden, um zu bekennen, daß ihnen nichts höher stehe, als das einige deutsche Vaterland... Um 8 Uhr 40 marschierten unter den Klängen der Musik die Sturmfahnen ein und bildeten einen schwarzweißroten Zaun um die Tribühne. Langsam senkte sich die Dämmerung der Juninacht hernieder. Der Mond warf ein geisterhaftes Licht über die "Masse Mensch".

Endlich: Fackelträger marschierten auf. Jubelnde Heilrufe von den Clubhäusern her. Die Kraftwagen Hitlers und seiner SS-Bedeckung waren angekommen. Hitler, von seinen Unterführern empfangen, begrüßte zuerst die Kinder, die stundenlang, zuletzt in Decken gewickelt, ausgehalten hatten, um ihm Heilgruß und Blumensträuße darzubieten. Dann nahm er im Jägerhaus den Ehrenbürgerbrief von Schotten entgegen. Ein endloser Jubel-Orkan schwoll auf, als Adolf Hitler um 9 Uhr 45 im Lichte der Fackeln auf der Rednerbühne erschien. Plötzlich tiefste Stille...

Ein unbeschreiblicher Jubel hob an, als Hitler geendet hatte. Wie ein Mann erhob sich die Menge vom Boden, wo sie gelagert hatte, ein einziger kraftvoller Heilruf, der nicht enden wollte, brandete auf, und in das Deutschlandlied, das die Musik anstimmte, während der Holzstoß auf der Heide, weit in die Lande leuchtend, in Flammen aufging, fielen mit hochgereckten Armen die Versammelten brausend ein. SA-Leute und Mädchen drängten zur Rednerbühne und bereiteten ihrem Führer stürmische Kundgebungen. "Die Fahne hoch", das nationalsozialistische Sturmlied, klang auf, während Hitler verschwand, und plötzlich, unvermittelt, begannen die Massen mit dem Abmarsch. Auf den Straßen des Oberwaldes bahnten sich die leuchtenden Schlangen abfahrender Autos den Weg durch heimströmende Fußgänger und Radfahrer. Der Wald schien zauberhaft verwandelt in eine lärmende Großstadt bei Nacht. Aber erst am Sonntagmorgen lag der Berg wieder ganz so ruhig da wie ehedem."

Die Landtagswahl am 19. Juni 1932 verlief in Grünberg und Laubach ruhig und ohne jeden Zwischenfall. Die Plakat- und Flugblätterreklame hielt sich diesmal ganz allgemein in sehr mäßigen Grenzen. Die Wahlen haben eine etwas schwächere Wahlbeteiligung gebracht als 1931. Bemerkenswert ist diesmal wieder der starke Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten in Hessen. Auch die Sozialdemokraten haben diesmal gut abgeschnitten. Das Zentrum hat einen kleinen Verlust an Stimmen zu verzeichnen. Schwer an Stimmen eingebüßt haben die SAP und die kommunistischen Parteien.

(Grünberger Anzeiger)

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14. Mai 1932

Meldungen aus Nachbargemeinden

Die Turngemeinde Laubach unternahm einen Himmelfahrtausflug (5. Mai 1932) mit zirka 30 Teilnehmern unter Vorantritt des Spielmannzugs einen Turngang nach Groß-Eichen. Hier wohnte man dem Schauturnen des Turnvereins Groß-Eichen bei, wobei Turner von Gießen, Grünberg, Groß-Eichen und Laubach, sowie Turnerinnen und Kinder von Groß-Eichen ihre Kunst zeigten. Hin- und Rückweg führten auf dem Lardenbacher Fußweg durch die Zwillingsseife, über Lardenbach und Klein-Eichen, immer durch schöne Wald- und Wiesenwege.

Die jüngste Sitzung des Gemeinderats in Ober-Ohmen (am 2. Mai 1932) stand wieder einmal im Zeichen der allgemeinen Wirtschaftskrise. Es lag eine Erklärung der Gemeindekasse vor, wonach der Rechner nicht mehr in der Lage ist, Lohnanweisungen für die beschäftigten Ausgesteuerten (der von der Arbeitslosen- oder Krankenversicherung ausgesteuert wurde (der keine Zahlungen mehr aus der Versicherung erhält) auszuzahlen, da keinerlei Mittel hierfür vorhanden sind und anderweitig vorgesehene Gelder nicht für diesen Zweck verwendet werden dürfen. Die Gemeinde ist, sozusagen auf diesem Gebiet am Ende ihres Lateins, wenn nicht auf irgend eine Art und Weise Mittel flüssig gemacht werden können. Neue Steuerquellen stehen nicht zur Verfügung. Nach längeren Beratungen wurde als einziger Ausweg der Hilferuf an den Staat angesehen. Die mit Mehrheit beschlossene Herabsetzung des seitherigen Stundenlohnes von 40 Pfg. auf 25 Pfg. bleibt für die Mittelbeschaffung ohne Bedeutung. Nach Abzug der Beiträge zu den Sozialversicherungen verbleibt den Leuten noch ein Wochenlohn von zirka 10 RM, die aber nur infrage kommen, wenn keine Regentage eintreten.

Der Haushaltsvoranschlag des Kreises Schotten für das Rechnungsjahr 1932 schließt mit je 241 578 RM gegen 266 874 RM im Vorjahr in Einnahmen und Ausgaben ab. In der Betriebsrechnung werden davon 188 104 RM gegen 211 477 RM im Vorjahre, in der Vermögensrechnung 52 474 RM gegen 55 397 RM im Vorjahre verzeichnet. Nach der Vermögensübersicht vom 1. April ds. Js. stehen einem Vermögen des Kreises von 107 200,81 RM Schulden in Höhe von 110 080,30 RM gegenüber.

Das Waldschwimmbad der Stadt Grünberg geht seiner Vollendung entgegen. Mit dem Aufbau der Kabinen soll in der Woche nach Pfingsten begonnen werden, sodass anfangs Juni die Umzäunung fertiggestellt sein wird. Die Einweihungsfeier soll bekanntlich am 19. Juni stattfinden. Der Badebetrieb soll jedoch bei günstigem Wetter schon vorher, sobald die Becken gefüllt sind, eröffnet werden.

Am zweiten Pfingstfeiertag (16. Mai 1932) findet ab 4 Uhr nachmittags eine Tanzbelustigung bei Gastwirt Diehl in Lardenbach statt. Ausgeführt wird die Veranstaltung durch den Mandolinen-Klub Weickartshain.

(Grünberger Anzeiger)

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30. April 1932

Sammlung für die Anstalt

In diesen Tagen wurde im Kirchspiel Groß-Eichen eine Sammlung von Eiern für die Niederramstädter Anstalten veranstaltet. Die Sammlung hatte einen reichen Ertrag. In Groß-Eichen wurden 202 und in Klein-Eichen 100 Eier gespendet.

(Im Jahr 1898 gründete der evangelische Pfarrer Christian Wilhelm Anton Stromberger in Nieder-Ramstadt die Anstalt für Epileptische in Hessen, im folgenden Jahr wurden die ersten großen Häuser, getrennt für Frauen und Männer, gebaut. 1909 wurde ein ausgedehntes Mühlengelände erworben und als Landwirtschaftsbetrieb genutzt. Ab 1910 wurden Kinder mit Körperbehinderung aufgenommen und zunächst in einer Baracke, später im Elisabeth-Haus an der Dornwegshöhstraße untergebracht. 1928 wurde ein neues Gebäude als Wohn- und Ausbildungshaus für körperbehinderte junge Männer errichtet, vier Jahre später, im Jahr 1932 wurde das Rettungshaus für Jugendliche im rheinhessischen Jugenheim übernommen und unter dem späteren Namen Franz-Josef-Helferich-Haus zum Wohnheim für Menschen mit Behinderung umfunktioniert. Wiki)

(Grünberger Heimat Zeitung)

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14. April 1932

Kindernot im Vogelsberg

In sämtlichen Volksschulen des Vogelsbergkreises Schotten wurden im verflossenen Schuljahr zum ersten Male schulärztliche Untersuchungen der Kinder vorgenommen, bei denen die Kinder des ersten, vierten und achten Schuljahres dem Schularzt vorgestellt wurden.

Dabei ergab sich, dass von 1443 untersuchten Kindern 650 (47 Prozent) Halsdrüsenschwellung hatten, 944 Kinder (65,4 Prozent) Zahnerkrankungen der verschiedensten Art aufwiesen, 582 Kinder (40,3 Prozent) mit Kropfanlage behaftet waren und 250 Kinder (17,3 Prozent) Haltungsfehler aufwiesen. Besonders beachtenswert ist, dass in den hochgelegenen Ortschaften des Kreises der Kropf fast an jedem zweiten Schüler beobachtet werden kann.

Um diesen Uebelstand entgegenzuwirken, wurde auf ärztliche Anordnung in den Schulsälen Jod in Substanzen aufgestellt. Im Interesse der Kinder wurden geeignete Maßnahmen auf ärztlichen Rat in die Wege geleitet.

(Grünberger Anzeiger)

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07. Februar 1932

Kriegerkameradschaft Hassia

Am Sonntag (7. Februar 1932) fand im Hotel Schützenhof der 1. Bezirkstag des Bezirks Laubach der Kriegerkaneradschaft Hassia unter dem Vorsitz des Bezirksvorstehers Hermann Stotz (Laubach) statt. Die zum Bezirk Laubach gehörenden Kriegervereine, Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Münster, Röthges, Ruppertsburg, Wetterfeld und Villingen hatten ihre Vertreter entsandt. Jahresmeldungen und Versicherungslisten der einzelnen Vereine wurden abgegeben.

Das Bezirkswettschießen, wie es im vorigen Jahre hier in Laubach abgehalten wurde, soll in gleichem Maße aus wirtschaftlichen Gründen in diesem Jahre nicht stattfinden. Es soll lediglich die im vorigen Jahre angeschaffte Wanderplakette (damals geschossen vom Kriegerverein Ruppertsburg) in Verbindung mit dem Verbandsmeisterschaftsschießen ausgeschoßen werden. Die näheren Bestimmungen über letzteres werden den einzelnen Vereinen nach Bekanntwerden zugestellt.

Für das Plaketteschießen hat jeder Verein, der hierzu eine Gruppe von vier Schützen zu stellen hat, eine Abgabe von 2,50 RM zur Deckung der Unkosten zu entrichten. In diesem Jahr soll nach Vorschrift der Verbandsleitung nur mit Kleinkaliber geschossen werden. Die Schießkommission bleibt in der Zusammensetzung des Vorjahres bestehen, neu hinein kommt der Vorsitzende des Kriegervereins Wetterfeld.

Über Punkt 3 der Tagesordnung - Anträge zum Verbandstag - entspann sich eine lebhafte Debatte. Allgemein wurde die Höhe der Abgabe an den Verband, die besonders durch den obligatorischen Bezug des "Hessischen Kamerad" bedingt ist, erwähnt.

Der Bezirksrechner erkannte die einwandfreie und billige Geschäftsführung der Kriegerkameradschaft Hassia lobend an. Selten gäbe es einen Verband, der so arbeite. Er machte den Vorschlag, die Verbandszeitung nur monatlich einmal erscheinen zu lassen, um dadurch die Kosten etwas zu ermäßigen. Gegen diesen Vorschlag sprach sich der anwesende Verleger aus, der betonte, dass ihm heute schon bei zweimaligem Erscheinen viele Artikel liegen blieben, die er nicht veröffentlichen könnte.

Es soll versucht werden, die Hassiamitglieder zu bewegen, ihre Versicherungen bei den Vertragsgesellschaften abzuschließen, damit alle Vereine in den Genuß der von den Vertragsgesellschaften gewährten Bonijikationen kommen. Mit Worten des Dankes schloß der Vorsitzende die Tagung.

(Grünberger Anzeiger)

 

Die Kriegerkameradschaft Hassia (Hessen) wurde 1874 in Eichzell gegründet. Sie entwickelte sich zum Landeskriegerverband für das Großherzogtum Hessen und die hessischen Lande. Ihr schlossen sich örtliche Kriegervereine, Gesangs-und Militärmusikervereine an. Der Verband hatte eine eigene Jugendorganisation die Hassia-Jugend. Die Kriegerkameradschaft schloss sich wie andere Landeskriegervereine dem Kyffhäuserbund an, behielt aber eine gewisse Selbständigkeit.

(Ehrenzeichen-Orden.de)

 
04. Februar 1932

Meldungen im Februar

Drei Meldungen/Anzeigen im Grünberger Anzeiger im Februar 1932 die mehr oder weniger auch hier interessierten.

(Grünberger Anzeiger)

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26. Januar 1932

Elektrizitätspreissenkung in Oberhessen

Wie verlautet, werden die Elektrizitätspreise bei den Überlandwerken Oberhessen, die der Provinz Oberhessen gehören und den größten Teil von Oberhessen mit Strom versorgen, auf Beschluß des oberhessischen Provinzialausschusses mit Wirkung vom 1. Januar ab um einen Pfennig je Kilowatt gesenkt.

Der Strompreis wird sich beim Lichtverbrauch von 25 auf 24 Pfg., beim Kleinkraftverbrauch von 15 auf 14 Pfg., beim Heizungsverbrauch von 12 auf 11 Pfg. und bei dem Tarif für Haushalte von 12 auf 11 Pfg. je Kilowatt ermäßigen.

Den Großabnehmern wird künftig die gleiche Kohlenklausel eingeräumt, die die Überlandwerke Oberhessen bei der Preag genießen. Diese Regelung bedeutet für die Großabnehmer ein Zugeständnis, weil sie bisher nur eine Kohlenklausel für steigende Kohlenpreise hatten. Die Strompreissenkung bedeutet für die Überlandwerke Oberhessen eine jährliche Mindereinnahme von rund 100.000 Mark.

(Grünberger Anzeiger)

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25. Januar 1932

Außerordentliche Hauptversammlung der Landbürgermeister

Als Protest gegen die Bemessung ihrer Dientsbezüge und als Protest wegen des Nichtempfanges einer Abordnung bei dem hessischen Minister des Inneren hatten die hessischen Landbürgermeister am 25. Januar 1932 zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen, der zahlreiche Bürgermeister aus Hessen gefolgt waren..

In der außerordentlich regen Aussprache wurde zum Teil recht scharf gegen den hessischen Innenminister Stellung genommen. Es wurde eingehend auf die schwere Notlage der Landbürgermeister hingewiesen, deren Gehälter zum Teil unter dem der Schreiber und Polizeibeamten lägen und heute geradezu katastrophal seien.

Die Entschließung der Hauptversammlung erwartet, dass der Vorstand seine Bemühungen fortsetzt, damit die Härten der Notverordnung und die Art der Ausführung, die die Bürgermeister unter Ortswohnrecht stellt, beseitigt werden. Die Bürgermeister ersuchen den Herrn Minister die Aufsichtsbehörden anzuweisen, bis zum Abschluß der Verhandlungen von der endgültigen Festsetzung der Bezüge abzusehen.

Die Regelung vom 4. Dezember 1931, die vom Minister des Inneren aufgrund der Notverordnung zur Sicherung der Haushalte von Gemeinden, Gemeindeverbänden usw. für die Dienstbezüge der Bürgermeister und Beigeordneten getroffen worden ist, sieht z. B. ein Grundgehalt für Berufsbürgermeister in Landgemeinden mit über 8000 Einwohnern ein Gehalt zwischen 4600 RM und 9000 RM vor.

Die Dienstbezüge der nichtberufsmäßigen Bürgermeister betragen in Gemeinden mit über 8000 Einwohnern zwischen 4600 RM und 7400 RM. In Gemeinden bis 2000 Einwohnern werden Pauschalvergütungen bezahlt. Danach hätte Klein-Eichens Bürgermeister Christian Hoffmann zu der Zeit mit rund 170 Einwohnern im Dorf 400 RM erhalten. Lardenbach hatte etwas mehr als 400 Einwohner und Bürgermeister Lein sollte demnach 900 RM bezogen haben.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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05. Januar 1932

Kirchspiel Groß-Eichen

Im Jahre 1931 wurden im Kirchspiel Groß-Eichen 18 Kinder getauft (darunter 6 in Klein-Eichen). Konfirmiert wurden 15 Kinder, 8 Knaben und 7 Mädchen (darunter 1 Mädchen aus Klein-Eichen). Getraut wurden 11 Paare (darunter 4 zu Klein-Eichen). Kirchlich beerdigt wurden 11 Gemeindeglieder (darunter 2 aus Klein-Eichen).

In Groß-Eichen wurden 69 und in Klein-Eichen 28 Gottesdienste gehalten, die insgesamt von 4859 Männern, 5474 Frauen und 4909 Kindern besucht wurden. An der Christenlehre nahmen in 10 Zusammenkünften 163 Knaben und 191 Mädchen teil. Der Kindergottesdienst wurde von 857 Knaben und 528 Mädchen besucht.

Am heiligen Abendmahl nahmen 487 Männer und 520 Frauen teil. An Gaben christlicher Liebestätigkeit gingen insgesamt ein 942,53 RM., d. i. auf den Kopf der ev. Gemeindeglieder: 1,08 RM.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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15. November 1931

Landtagswahl in Hessen

Der heutige Landtagswahltag ist in der Provinz Oberhessen und deren Hauptstadt Gießen in voller Ruhe und Ordnung verlaufen. Bereits in den Vormittagsstunden herrschte in den meisten Wahllokalen reger Betrieb, so daß gegen Mittag etwa 30 bis 50 Prozent der Wähler abgestimmt hatten.

Im Verlauf des Nachmittags wurde der Andrang der Wähler noch erheblich stärker. Besonders in den späteren Nachmittagsstunden trat in den verschiedenen Wahllokalen Großbetrieb ein. Bereits um 17 Uhr waren teilweise 90 Prozent und darüber der Wähler an der Wahlurne erschienen. Man kann mit Wahlbeteiligung von durchschnittlich 80 bis 90 Prozent rechnen.

Der Werbedienst der Parteien, insbesondere auch der Schlepperdienst mit Kraftwagen, trat im Verlauf des Nachmittags überall stark in Erscheinung.

Wie vorauszusehen war, ist bei den Wahlen die Mehrheit der bisherigen Regierungsparteien (Zentrum ind Sozialdemokraten) in eine starke Minderheit verwandelt worden. Von 70 Sitzen hatten sie bisher 37 inne, während sie in den neuen Landtag nur mit 25 Abgeordneten einziehen.

Der Gewinn der Nationalsozialisten, die bei allen in der letzten Zeit stattgefundenen Wahlen bedeutend an Stimmenzahl gewonnen haben, tritt in den hessischen Wahlen besonders stark in Erscheinung. Sie konnten gegenüber der Reichstagswahl am 14. September 1930 ihre Stimmen mehr als verdoppeln.

(Grünberger Anzeiger)

 
8. November 1931

Sitzung des Kirchenvorstandes

Am 8. November 1931 fand in Groß-Eichen eine Sitzung der Kirchengemeindevertretung des Kirchspiels Groß-Eichen/Klein-Eichen statt. Den 1. Punkt der Tagesordnung bildete der Voranschlag der ev. Kirche Groß-Eichen für das Rechnungsjahr 1932. In Anbetracht der Notzeit wurden die Ausgaben auf das alleräußerste beschränkt.

So betragen z. B. die Gesamtausgaben des 1. Teils rund 800 RM weniger als im Vorjahre. Allerdings brauchen im neuen Rechnungsjahre auch keine größeren Reparaturen vorgenommen zu werden, während im Vorjahr das Kirchendach z. T. erneuert werden mußte.

Der 1. Teil des Voranschlags schließt ab mit 1910,17 RM, wird zu 4/5 bzw. 1/5 von den Kirchspielgemeinden Groß- und Klein-Eichen gedeckt. Der 2. Teil des Voranschlags schließt ab mit 1758, 89 RM in Einnahme und Ausgabe. Der Voranschlag wurde einstimmig genehmigt.

Alsdann trug der Vorsitzende den Bericht des Kirchenvorstandes über den kirchlichen und sittlichen Zustand der Kirchengemeinde aus dem Jahre 1930 vor. Der Kirchenbesuch zeigte gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme, der Abendmahlsbesuch war gleichbleibend.

Als neue Gottesdienste waren Passionsandachten eingeführt worden und ein Reformationsgedenkgottesdienst am 31. Oktober. Kindergottesdienst und Christenlehre waren fleißig besucht worden. Bei der Rubrik "Sonntagsheiligung" wurde das Weiden des Viehes und das Pflücken des Obstes während der Zeit des Gottesdienstes getadelt.

Für die christliche Wohltätigkeit wurden im Jahre 1930 952 RM geopfert, aus den Kopf der ev. Bevölkerung 1,09 RM. Im Anschluß an diesen Bericht wurden noch einige Fragen des kirchlichen und sittlichen Lebens besprochen.

(Grünberger Anzeiger)

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29. Oktober 1931

Meldungen

Vor einigen Tagen (im Oktober 1931) wurden in der Gemeinde Klein-Eichen durch die Schulkinder Lebensmittel für das Laubacher Stift gesammelt. Die Sammlung hatte, wie alljährlich, ein gutes Ergebnis.
Bis 1711 wurde das Armen- und Siechenhauses (Vorgänger des Diakonienzentrum Laubacher Stift) in der Stiftstraße errichtet. Im Jahre 1879 Neueröffnung des Sozialzentrums Johann-Friedrich-Stift (Armenhaus, Krankenhaus und Kinderschule) in der Stiftstraße.

Am 29. Oktober 1931 starb die älteste Einwohnerin Klein-Eichens, Frau Elisabetha Horst, Witwe des Konrad Horst, im beinahe vollendeten 88. Lebensjahr. Elisabetha Horst, geb. Öhler wurde am 25. November 1843 in Ober-Ohmen geboren. Sie heiratete 1883 in Klein-Eichen Konrad Horst. Für Konrad war es die dritte Ehe. Kinder hatten die Beiden keine. Konrads älterer Bruder, Heinrich Horst, ist der Großvater von Johanna, später Biedenkopf.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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14. Oktober 1931

Bürgermeister Tagung

Der Schottener Kreisverband des hessischen Landgemeindetages hielt unter Leitung von Bürgermeister Mengel (Schotten) eine Tagung ab, die sich nach einer Besprechung der neuen Hessischen Gemeindeordnung im wesentlichen mit der derzeitigen Finanzlage der Landgemeinden, den nicht oder verspätet eingehenden Steuern befaßte. Über diese Mißstaände wurde allgemein Klage geführt und die Notwendigkeit von Zwangsversteigerungen der Immobilien erörtert.

Eine weitere wichtige Frage war die Zahlung der Tariflöhne an die Notstandsarbeiter, wozu die Gemeinden des Vogelsbergs keinesfalls in der Lage seien. Hierüber soll in einer weiteren Tagung, zu der auch das Arbeitsamt Gießen herangezogen werden soll, beraten werden. Die lückenlose Durchführung einer tätigen Winterhilfe wurde von Kreisdirektor Dr. Jann den versammelten Bürgermeistern dringend an das Herz gelegt.

(Grünberger Anzeiger)

 
12. September 1931

Kartoffelernte

Die an verschiedenen Kartoffelsorten auftretende Fäule infolge des nassen Wetters ist die Veranlassung, daß stellenweise schon mit der Kartoffelernte begonnen worden ist. Die Fäule macht sich in erster Linie an den gelben Sorten bemerkbar.

(Grünberger Anzeiger)

 
30. August 1931

Konfirmanden

Am vergangenen Sonntag fand in Groß-Eichen der Eröffnungsgottesdienst für den Konfirmandenunterricht statt. Die Zahl der Konfirmanden ist diesmal recht klein. Im ganzen wurden 8 Kinder, 7 Knaben und 1 Mädchen, in den Unterricht aufgenommen, darunter 2 Knaben aus Klein-Eichen.

(Grünberger Anzeiger)

 
05. Juli 1931

Volksmissionsfest

Unter zahlreicher Beteiligung, auch aus der nahen Umgebung, wurde heute (5. Juli 1931) wiederum hier (in Lardenbach) ein Volksmissionsfest gefeiert. Einer der gewonnen Redner war der Sohn, Pfarrer Wilhelm Weinberger, unseres vorigen, langjährigen Seelsorgers August Weinberger, und da auch der jetzige Ortspfarrer, Heinrich Beyer, aus der Gegend (Freienseen) stammt, ergab sich bei dem kirchlichen Sinn der Bevölkerung und den traurigen Zeitverhältnissen ungesucht als Thema der ganzen Feier: "Glaube und Heimat - Unglaube und Heimatlosigkeit".

Herr Pfarrer Weinberger kam bereits gestern abend mit seinem Bläserchor im Lastauto von Friedberg und wurde mit seinen Begleitern, die einen Tag lang unsere lieben Gäste waren, in der Heimat aufs herzlichste empfangen. Heute vormaittag pries er von der väterlichen Kanzel aus den Segen heimatlichen Friedens in gottesfreudiger Gemeinde im Gegensatz zu den großen Gefahren wachsender Gottlosigkeit für unser Volk, um dann zu echt christlicher Erziehung der Jugend zu ermahnen.

Am Nachmittag um 2 Uhr strömten Hunderte von Festgenossen auf dem schönen Kirchplatz zusammen. Herr Missionar Walther, der seit 11 Jahren als Volksredner hier hoch geschätzt ist, hielt die erste Ansprache im Anschluß an die Abschiedsreden Jesu, wobei er viel Wertvolles aus seiner seelsorgerischen Erfahrung mitteilte. Herr Pfarrer Weinberger verlas den Anfang vom Brief an die Epheser und zeigte, dass ein Paulus auch fern der Heimat in Ketten und Banden den Glauben nicht verlor, sondern sich an seinen heidnischen Kerkermeistern als Zeuge Christi bewährte, der loben und danken konnte.

Der Posaunenchor, der auch außerhalb der Gottesdienste uns durch mancherlei Darbietungen (vor den Häusern) erbaute, begleitete am Vormittag und am Nachmittag den Gesang der Gemeinde. Herr Lehrer Becker ließ die erste Schulklasse einige Lieder vortragen. Der Ortspfarrer Beyer dankte Rednern und Chören und hob dann hervor, dass die Gottlosigkeit in ihrem heutigen Ausmaß unerklärlich ist ohne das furchtbare Elend heimatloser Massen. Man kann ihr nur durch eine großzügige christliche Liebe wirksam begegnen, die, weit über den Rahmen der bisherigen kirchlichen und staatlichen Fürsorge hinausgreifend, sich im öffentlichen Leben der christlichen Völker durchsetzt und den vielen Enterbten die Möglichkeit gibt, wieder Heimat und Arbeit zu finden.

Die Kollegte ergab trotz oder wegen der schweren Zeit 74 RM., die nach Abzug einer Dankesgabe an den Posaunenchor der Volksmission zuflossen. Es war uns auch eine große Freude, zahlreiche Gäste bewirten zu dürfen. Am Abend fuhren die Bläser nach herzlichem Abschied im blumengeschmückten Auto davon.

(Grünberger Anzeiger)

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17. Mai 1931

Gruppen- und Preisschießen in Laubach

Zum erstenmal seit seinem Bestehen hielt der Bezirk Laubach der Kriegerkameradschaft Hassia am 17. Mai 1931 in Laubach auf den neuen Ständen des Schützenvereins ein Gruppen- und Preisschießen ab. Von den dem Bezirk angeschlossenen Vereinen beteiligten sich an dem Schießen 7 Vereine, 3 Vereine beteiligten sich nicht. Letzteres wurde seitens der Anwesenden sehr bedauert, zumal es sich doch hier um die erste Veranstaltung dieser Art handelte.

Pünktlich um 1 Uhr traten die 7 Vereine mit je 4 Schützen zum Gruppenschießen an. Die Reihenfolge wurde verlost. Um halb drei Uhr war das Gruppenschießen beendigt. Ihm folgte mit Wehrmanns- und Kleinkaliberbüchsen ein allgemeines Preisschießen, welches bis zum Abend dauerte.

Die Preisverteilung zeigte folgendes Ergebnis: Beim Gruppenschießen errang der Kriegerverein Ruppertsburg mit 209 Ringen die Bezirkswanderplakette. Die Ehrenscheibe auf 100 Meter (Wehrmann) ging auch nach Ruppertsburg, die Ehrenscheibe auf 60 Meter (Kleinkaliber) ging nach Laubach.

Für das Preisschießen mit Wehrmann- und Kleinkaliberbüchsen konnten folgende Preise verteilt werden: 1. Preis mit 34 Ringen Förster Becker, Friedrichshütte. 2. mit 34 Otto Keil, Lardenbach. 3. mit 34 Heinrich Pauli, Villingen. 4. ... . 9. mit 33 Karl Volp, Klein-Eichen. 10. ... . 11. mit 32 Wilhelm Dörr, Klein-Eichen. 12. ... . 13. mit 32 Karl Schwanke, Lardenbach. 14. ... . 15. mit 32 Hermann Dörr, Lardenbach. 16. ... . 18. ...

(Grünberger Anzeiger)

 
02. Mai 1931

Gegensätze

Die Grünberger Heimatzeitung bringt zwei Anzeigen zur Beachtung:

Die S. A. Grünberg lädt ein zu einer Volksversammlung der N.S.D.A.P.
Am Sonntag den 19. April 1931, spricht Graf B. Solms-Laubach um 8.30 Uhr in Grünberg im "Rappen" über: "Hitler und sein Werk".

Auf der Oberen Ziegelhütte bei Grünberg soll am Sonntag den 3. Mai 1931 ab 3.30 Uhr bei freiem Eintritt Jazzmusik geboten werden. Bei Regebwetter findet nichts statt.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
30. April 1931

Tanzveranstaltung

Am Sonntag den 3. Mai 1931 findet ein Tanz bei Gastwirt Diehl in Lardenbach statt.
Zu zahlreichem Besuche lädt ein: Der Wirt

(Grünberger Anzeiger)

 
16. April 1931

Fußballer-Spielvereinigung

Zu einer Spielvereinigung haben sich die nicht dem Westdeutschen Spielerverband angeschlossenen Fußball-Clubs von Groß-Eichen, Ruppertenrod, Gonterskirchen, Freienseen und Lardenbach (Klein-Eichen) zusammengeschlossen. Der zweite Osterfeiertag (6. April 1931) brachte dem V.f.R. 1930 Groß-Eichen eine Niederlage von 5:0. Der Sieger, Sportverein Lardenbach/Klein-Eichen, hatte unter Außerachtlassung der getroffenen Bestimmungen fünf Sportskollegen aus Weickartshain eingestellt - ein Umstand, mit dem sich die Spielleitung und die Vorstände der Vereinigung demnächst befassen müssen.

Zu diesem Sportbericht erscheint am 16. April 1931: Richtig ist, dass bei dem Wettspiel am 2. Osterfeiertag drei, nicht fünf, Spieler aus Weickartshain in der ersten Mannschaft von Lardenbach/Klein-Eichen mitspielten. Anlass zu einer Beanstandung ist jedoch u. E. keineswegs vorhanden, da sich jene drei Spieler schon einige Wochen vorher dem Spiel- und Sportverein Lardenbach/Klein-Eichen angeschlossen hatten.

Wenn dem V.f.R. Groß-Eichen der 2. Osterfeiertag eine 0:5-Niederlage brachte, so sollte das, vom sportlichen Standpunkt aus, kein Grund zur Aufregung sein, hat sich doch der Sportverein Lardenbach/Klein-Eichen unlängst auf eigenem Platze eine noch viel höhere Niederlage gefallen lassen müssen. Es ist zu wünschen und zu hoffen, dass die Eintracht der beiden Vereine durch die kleine Meinungsverschiedenheit nicht gestört wird.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. April 1931

Konfirmation

Am 2. Osterfeiertag fand die Konfirmation der diesjährigen Konfirmanden in Groß-Eichen statt. Es waren 8 Knaben und 7 Mädchen, darunter 1 Mädchen aus Klein-Eichen. Am 3. Ostertag wurde der übliche Konfirmandenausflug unternommen. Nach Besichtigung des Gießener Flughafens, wo dem Start eines Sportflugzeuges beigewohnt wurde, ging es zum Schiffenberg und anschließend nach Watzenborn-Gießen, von wo aus die Heimreise angetreten wurde.
Leider konnte 1 Konfirmand sich nicht am Ausflug beteiligen, da er kurz vor Ostern beim Holen der Fichtenbäumchen zur Ausschmückung für die Konfirmation die linke Hand im Gelenk gebrochen hatte.

(Grünberger Anzeiger)

 
19. März 1931

Winterhilfe

In diesen Tagen (im März 1931) wurde auch hier für die "Winterhilfe 1931" gesammelt. Das Ergebnis war 24,95 RM in Groß-Eichen und 10,50 RM in Klein-Eichen.

Das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes (kurz Winterhilfswerk oder WHW) war in der Zeit des Nationalsozialismus eine Stiftung öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin, die Sach- und Geldspenden sammelte und damit bedürftige „Volksgenossen“ entweder unmittelbar oder über Nebenorganisationen der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ (NSV) unterstützte.

Durch das Winterhilfswerk konnte das NS-Regime die materielle Not von Teilen der Bevölkerung lindern und zur inneren Stabilisierung beitragen. Zugleich zielte die Spendensammlung auf das Zusammengehörigkeitsgefühl der „Volksgemeinschaft“ ab. Und der Staatshaushalt wurde von Sozialausgaben entlastet.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Februar 1931

Generalversammlung des Sportvereins

Am vergangenen Samstag (7. Februar 1931) hielt der "Spiel- und Sportverein" Lardenbach/Klein-Eichen seine Generalversammlung im Vereinslokal Diehl ab. Der 1. Vorsitzende begrüßte alle erschienen Mitglieder und erstattete dann einen Jahresbericht.

Bei der darauf folgenden Neuwahl des Vorstandes wurde Herr Wilhelm Bär wieder zum 1. Vorsitzenden gewählt. Schriftführer wurde Herr Willi Momberger. Spielführer wurde wieder Herr Ernst Bener, und zum Rechner und Kassierer wurde Herr Rudolf Müller gewählt.

Dem Vereinsrechner wurde Entlastung erteilt. Ein kurzer Rückblick auf das vergangene Spieljahr zeigte, dass der Verein 14 Spiele ausgetragen hatte. Davon wurden 8 Spiele gewonnen, fünf verloren, eins blieb unentschieden.

Die Mitgliederzahl beträgt z. Zeit 33, Man stellte fest, dass in der letzten Zeit auch ältere Herrn dem Verein beigetreten sind. Unter Punkt Verschiedenes wurde der Monatsbeitrag von 30 auf 20 Pfennig herabgesetzt, um so jedem besser zu ermöglichen, dem Verein beizutreten. Nach beendigter Tagesordnung schlossen sich noch ein paar fröhliche Stunden des Beisammenseins an.

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Februar 1931

Eisensteingrube zu

Wegen Absatzmangels wurde die Eisensteingrube der Bergwerksgesellschaft "Luise" bei Weickartshain völlig stillgelegt. Sämtliche Arbeiter aus den umliegenden Dörfern wurden entlassen. Für den an Arbeitsgelegenheiten ohnehin nicht besonders günstigen Vogelsberk-Bezirk bedeutet diese Stillegung eine weitere empfindliche Belastung.

(Grünberger Anzeiger)

 
26. Januar 1931

Wahlgelage

In Oberhessen war es bisher vielfach dörflicher Brauch, dass nach einer Bürger- oder Beigeordnetenwahl auf dem Lande ein großes Wahlgelage auf Kosten des Gewählten veranstaltet wurde, bei dem gar mancher erfolgreiche Kandidat sehr tief in den Beutel greifen musste.

Um diesem dörflichen Brauch, der nachgerade zu einem Unfug geworden ist, in der jetzigen Notzeit entgegenzuwirken, hat das Kreisamt Schotten eine Verfügung erlassen (26. Januar 1931 veröffentlicht), in der alle Nachfeiern bei Bürgermeister- und Beigeordnetenwahlen auf Kosten des Gewählten untersagt werden.

Wer dieser Anordnung zuwiderhandelt, hat, soweit die gesetzlichen Möglichkeiten dazu gegeben sind, mit der Ungültigkeitserklärung der Wahl zu rechnen. Eine erfreuliche Maßnahme, die hoffentlich die beabsichtigte Wirkung haben wird.

(Grünberger Anzeiger)

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06. Januar 1931

Kirchliche Statistik für 1930

Im Kirchspiel Groß-Eichen (mit Klein-Eichen) wurden im Jahre 1930 10 Kinder getauft. Konfirmiert wurden 11 Kinder, 5 Knaben und 6 Mädchen. Getraut wurden 4 Paare und kirchlich beerdigt 12 Personen. Die Gottesdienste wurden von 4833 männlichen Personen, 5884 weiblichen Personen und 4102 Kindern besucht. Am heiligen Abendmahl nahmen teil: 475 männliche und 508 weibliche Personen. Der Kirchengottesdienst wurde von 675 Knaben und 539 Mädchen in 20 Zusammenkünften besucht. An der Christenlehre nahmen teil 177 Burschen und 178 Mädchen in 9 Christenlehrstunden. An Gaben christlicher Liebestätigkeit gingen insgesamt ein: 949,20 RM. Das ist auf den Kopf der evangelischen Bevölkerung = 1,10 RM.

(Grünberger Anzeiger)

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05. Januar 1931

Regenwetter

Durch das anhaltende Regenwetter in den letzten Tagen stieg das Wasser der Seenbach so sehr an, dass man ernstlich befürchten musste, es entstehe beim Weiterregnen ganz beträchtlicher Schaden.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. Januar 1931

Mittelstandskundgebung

Gewerbe und Handel, sowie die Beamtenorganisationen des Kreises Schotten nahmen in einer stark besuchten Versammlung Stellung zu den geplanten Abbaumaßnahmen der hessischen Regierung hinsichtlich der Kreise und legten gegen eine etwaige Aufhebung des Kreises Schotten nachdrücklichste Verwahrung ein.

Bemerkenswert war in der Versammlung besonders, dass der bekannte demokratische Landtagsabgeordnete Reiber (Darmstadt) sich gleichfalls entschieden für die Erhaltung des Kreises Schotten einsetzte, obwohl hier und da eine gewisse Regulierung innerhalb der Kreisabgrenzung möglich sei. Er verlangte aber, dass an den bestehenden Kreisen nicht gerührt werde und gab der Ansicht Ausdruck, dass auch der hessische Landtag wohl die gleiche Auffassung geltend machen werde.

(Grünberger Anzeiger)

 
21.Dezember 1930

Kreis Schotten

Der Gemeinderat von Schotten beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung (27. November 1930) unter dem Vorsitz von Bürgermeister Mengel auch mit der Aufteilung des Kreises Schotten, die nach Zeitungsnotizen der letzten Tage geplant zu sein scheint. Da der Abbau des Kreisamtes für die Stadt eine große Schädigung bedeutet, so erhob der Gemeinderat einstimmig Protest gegen eine etwaige Aufteilung.

Klein-Eichen zählte seit 1874 zum Kreis Schotten. Dagegen ist Lardenbach schon von Beginn an im Jahre 1852 Gemeinde des Kreises Schotten. Genauso wie etwa Freienseen oder Sellnrod.

Über die vielerörterte Frage der Auflösung von hessischen Kreisen machte Innenminister Leuschner vor einer Abordnung des Kreisausschusses des Kreises Oppenheim Ausführungen (3. Dezember 1930). Der Minister führte aus, dass sich die Regierung vom Landtage ein Ermächtigungsgesetz geben lassen werde, um auf Grund dessen Sparmaßnahmen durchführen zu können. Es werden drei hessische Kreise aufgelöst: in Oberhessen der Kreis Schotten, in Starkenburg der Kreis Bensheim und in Rheinhessen der Kreis Oppenheim.
Für die Auflösung der drei Kreise sind finanzielle und andere Gesichtspunkte maßgebend. Der Minister erklärte, dass er trotz aller Proteste bereit sei, diese Auflösungen durchzuführen. Es verlautete, dass diese Erklärungen des Ministers erfolgt sind, nachdem er von den Fraktionen die Zusage erhalten hatte, dass sie für das Ermächtigungsgesetz stimmen werden.
Damit scheint das Schicksal der Kreise Schotten, Oppenheim und Bensheim besiegelt zu sein, wenn nicht in letzter Stunde der Landtag sich gegen das Gesetz ausspricht.

Veranlasst durch den Plan des hessischen Innenministers, den Kreis Schotten aufzulösen, fand gestern abend (5. Dezember 1930) hier (in Schotten) eine überaus stark besuchte Protestversammlung statt, an welcher sich die hiesige Einwohnerschaft und zahlreiche Bewohner des Kreises Schotten so stark beteiligten, dass die große Turnhalle bis zum letzten Platz gefüllt war.
Bürgermeister Mengel sprach über die ungeheuren Gefahren für die Stadt und den Kreis Schotten, wenn der Kreis wirklich aufgelöst werde. Anschließend traten in der Diskussion Kreisdirektor Jann, Lehrer Link und Zeitungsverleger Dr. Dambmann von Schotten sowie Ulrichsteins Bürgermeister Appel vorbehaltlos für die Aufrechterhaltung des Kreises ein.
Die Versammlung nahm einstimmig eine Entschließung an, in der unter anderem der restlose Untergang Schottens in der Auflösung gesehen wird. Es wird an die Abgeordneten des Landtages appeliert, niemals die Hand zu einem solchen folgenschweren Schritt zu reichen. Weiter heißt es: "In letzter Stunde ein letzter verzweifelter Notschrei: Erhaltet dem Vogelsberg den Kreis Schotten!"

Der Gemeinderat Schottens nahm in seiner gestrigen (12. Dezember 1930) Sitzung erneut Stellung gegen die geplante Auflösung des Kreises. Eine große Erregung hat sich der Gemüter in Stadt und Kreis über dieses drohende Unglück bemächtigt. Aus vielen Zuschriften, die die Stadt erhielt, spricht das Treuegelöbnis der Kreisbevölkerung zu der Kreisstadt, mit der sie schon fast ein Jahrhundert (gegründet am 12. Mai 1852) verbunden ist. Der Gemeinderat beschloß einstimmig, dem hessischen Staat zu den Verwaltungsunkosten des hiesigen Kreisamtes einen angemessenen Beitrag zu leisten, damit das Amt der Stadt und dem Kreis erhalten bleibt.

Unterdessen hatte die "Deutsche Volkspartei" einen Antrag formuliert, dass die Absichten der Regierung, die Aufhebung von lokalen Ämtern, insbesondere von Kreisämtern, mit Hilfe eines Ermächtigungsgesetzes durchzuführen in der Bevölkerung berechtigte Unruhen hervorgerufen hat. Es wird daher beantragt, der Landtag wolle beschließen, eine Änderung von Kreisgrenzen könne nur durch ein vom Landtag zu verabschiedendes Gesetz erfolgen.

Am 21. Dezember 1930 wurde dem Kreisblatt von einem dem hessischen Innenminister nahestehenden Abgeordneten telefonisch mitgeteilt, dass in Hessen keine Kreise aufgelöst werden sollen. Eine offizielle Erklärung der hessischen Regierung hierüber werde wohl in Bälde veröffentlicht werden. Im Rahmen der Verwaltungsreform werden jedoch eine Reihe von Maßnahmen erfolgen. Ob in Schotten noch irgend ein Abbau erfolgt oder ob frühere Ämter wieder nach Schotten verlegt werden, steht zur Zeit noch nicht fest.

(Grünberger Anzeiger)

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24. November 1930

Erzabbau

Zum Zwecke der Vergrößerung der Erzwäsche wird im Seenbach bei Weickartshain eine große Stauschleuse errichtet.

(Grünberger Anzeiger)

 
06. November 1930

Bürgermeister-Tagung

Die Bürgermeister des Kreises Schotten hielten unter dem Vorsitz von Kreisdirektor Dr. Jann in Schotten eine Versammlung ab. Über die Bedeutung, Wert und Vorteile der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft hielt Regierungsrat Freiherr von Low ein ausführliches Referat. Veterinärrat Dr. Metz sprach über Notschlachtungen.

(Grünberger Anzeiger)

 
11. Oktober 1930

Ehrenfeldschütze

Der Klein-Eichener Ortsvorstand beschließt in seiner Sitzung an Stelle des verstorbenen Feldschützen Karl Volp zwei Ehrenschützen zu ernennen. Es wurden die beiden Gemeinderatsmitglieder Otto Volp (Hirzehannese) und Eduard Zimmer (Enesche) ernannt und verpflichtet. Die Dienstzeit ist vorläufig auf zwei Jahre festgesetzt worden.

(Grünberger Anzeiger)

 
27. September 1930

Opfer eines Unglücksfalles

Am vergangenen Samstag (27. September 1930) starb in der Chirurg. Klinik zu Gießen der Landwirt und Forstwart Karl Volp aus Klein-Eichen im 64. Lebensjahr. Der Verstorbene ist das Opfer eines Unglücksfalles, den er vor 4 Wochen im Stalle erlitt. Ein Bulle drückte ihn an die Wand, sodaß die eine Hand gequetscht und die ganze Haut von ihr abgerissen wurde. Trotz Überführung in die Klinik nach Gießen scheint eine Blutvergiftung eingetreten zu sein, der er nun erlag. Anfang des Jahres hatte der Verstorbene auch lange auf dem Krankenlager gelegen infolge eines Beinbruches, den er sich beim Holzfahren zugezogen hatte. (Karl Volp war mit Katharina geb. Felsing verheiratet. Er war der Großvater von Elly, Karl, Erwin, Ernst und Gerhard)

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
22. September 1930

Kirmes in Lardenbach

Am Sonntag den 21. September und Montag den 22. September fand die Lardenbacher Kirmes statt. In die Gastwirtschaft Diehl hatten eingeladen "Die Jugend" und "Der Wirt".

(Grünberger Anzeiger)

 
14. September 1930

Reichstagswahl

Der "Grünberger Anzeiger" schreibt zur Reichstagswahl: Die große Schlacht ist geschlagen. Das Ergebnis läßt sich dahin zusammenfassen: die Wahlbeteiligung ist stark gestiegen; von den nahezu 43 Millionen Stimmberechtigten haben dieses Mal 35 Millionen gewählt. Es haben also etwas über 80 Prozent abgestimmt. Da auf je 60 000 Stimmen ein Abgeordneter entfällt, ist die Zahl der Reichstagsabgeordneten von 491 auf 573 gestiegen. Das hervorstechende politische Merkmal des Wahlergebnisses ist die starke Radikalisierung der Wählerschaft.

Nationalsozialisten und Kommunisten gehen als Sieger aus dem Kampfe hervor. Ganz außerordentlich ist die Zunahme der nationalsozialistischen Stimmen. Rund 800 000 waren es bei der Wahl im Jahre 1928, diesmal sind 6,5 Millionen Stimmen daraus geworden - sie haben sich also mehr als verachtfacht! Dementsprechend ist die Zahl der nationalsozialistischen Mandate von 12 auf 107 gestiegen.

Die Sozialdemokratie dagegen hat rund 600 000 Stimmen und 10 Sitze verloren. Statt 153 hat sie jetzt nur noch 143 Mandate. Damit ist sie zwar immer noch die stärkste Fraktion des Reichstags, ihr Verlust ist aber trotzdem nicht gering zu beachten. Der nationalsozialistische Aufstieg geht über alle Erwartungen hinaus; nun zieht sie als zweitstärkste Fraktion in den Reichstag ein. Dahinter erst mit weitem Abstand die Kommunisten mit 76 Mandaten.

Die Wahlergebnisse der regionalen Kreise und Dörfer liegen nicht vor.

(Grünberger Anzeiger)

 
21. August 1930

Preisschießen

Der Klein-Eichener Schützenverein hat das für Sonntag den 10. August 1930 geplant gewesene Preisschießen vertagt. Dies findet nunmehr am Sonntag den 17. August 1930 statt. Das Ergebnis ist nicht überliefert.

Der Lardenbacher Kriegerverein hält derweil am Sonntag den 24. und am Sonntag den 31. August sein diesjähriges Preisschießen ab. Wie es in der Anzeige heißt, kommen sehr schöne Preise zur Verteilung. Es ladet ein der Vorstand.

(Grünberger Anzeiger)

 
29. Juli 1930

Ernte in Gefahr

Die Ernte ist im Vogelsberg in Gefahr, obwohl im Mai ein sehr schöner Fruchtstand zu den besten Hoffnungen berechtigte. Die Trockenheit des Juni verminderte das Wachstum und dann trat eine Regenzeit, verbunden mit Stürmen ein, sodaß sich die Getreidefelder lagerten. Der Fruchtschnitt ist dadurch außerordentlich erschwert, Maschinen können fast nicht verwandt werden.

Das Getreide beginnt infolge der täglichen Regengüsse auf dem Halm und auf dem Haufen auszuwachsen. Die Garben sind meist ziemlich leicht, da die Körner sich schlecht entwickelt haben. Wenn der Regen noch länger anhalten sollte, so ist mit einer katastrophalen Mißernte wie vor einigen Jahren zu rechnen. Es erschallt deshalb wieder allenthalben der Ruf: Weg vom Ackerbau, hin zur Grünlandwirtschaft!

(Grünberger Anzeiger)

 
15. Juli 1930

Volksmissionsfest

Am Dienstag hielt Herr Missionar Walther aus Beuern hier (in Lardenbach) ein sehr gut besuchtes Volksmissionsfest ab. Im Hauptgottesdienst sprach er in seiner bekannten, packenden Art über Mark. 9, 24. "Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!" Für die Nachfeier, die um 3 Uhr nachmittags auf dem Kirchplatz stattfand, war als zweiter Redner Herr Lehrer Ratz aus Oberhörgern gewonnen, der uns das Gleichnis von der königlichen Hochzeit Math. 22, 1-44 mit Ernst und Nachdruck ans Herz legte.

Posaunenchor und gemischter Chor von Sellnrod beteiligten sich an der Feier. Auch unsere erste Schulklasse trug unter Leitung von Herrn Lehrer Becker einige Lieder vor. Die Kollekte ergab vormittags 15 RM und nachmittags 45 RM, zusammen 60 RM. Allen Mitwirkenden sei auf diesem Wege herzlich gedankt.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. Juli 1930

Befreiungsfeier

Der hessische Minister für Kultus und Bildungswesen hat angeordnet, dass aus Anlass der am 30. Juni erfolgenden vollständigen Räumung des besetzten Gebietes in sämtlichen öffentlichen Schulen Hessens der Unterricht am 1. Juli ausfällt und an seiner Stelle eine der historischen Bedeutung des Tages entsprechende Schulfeier zu veranstalten ist.

Auf Anordnung des Landeskirchenamtes läuten an diesem Tag mittags von 12 Uhr bis 12 Uhr 10 in ganz Hessen (auch im unbesetzten Gebiet) die Kirchenglocken.

(Grünberger Anzeiger)

 
22. Juni 1930

Gemeinschaftsfest

Im Grünberger Anzeiger wurde "Zum christlichen Gemeinschaftsfest" eingeladen. Im Freien in Klein-Eichen am Sonntagnachmittag ab "2.30 Uhr" soll dieses stattfinden. Ein Posaunen- und Gesangchor, sowie mehrere Redner wirken mit. Wer die Einladung ausgesprochen hat, ist nicht überliefert.

(Grünberger Anzeiger)

 
29. April 1930

Bau eines Schulhauses

Gestern (29. April 1930) abend versammelten sich im hiesigen Schulsaal der Schulvorstand und die Gemeinderäte von Lardenbach und Klein-Eichen, um zur Schulhausfrage Stellung zu nehmen. Der alte Plan, in der ehemaligen Rienowschen Molkerei einen Notraum für die 2. Klasse zu errichten, wurde einstimmig fallen gelassen. Hierauf griff man den Plan von 1914 auf, ließ aber auch ihn fallen, da der Bau eines doppelten Schulhauses wohl das Ideal wäre, aber wegen der anderen großen Aufgabe (Lardenbach steht eben mitten in der Feldbereinigung) jetzt nicht durchführbar ist.

Man fasste hierauf einstimmig den Beschluß, einen Schulsaal mit einer Lehrerwohnung neu zu errichten derart, dass man jederzeit einen zweiten Saal mit Wohnung anbauen kann. Der Vorsitzende des Schulvorstandes dankte darauf mit herzlichen Worten für diesen einmütigen Beschluß, der sicher ein schönes Zeugnis von starker Zukunftshoffnung und wirklicher Schulfreundlichkeit ist. - Interessant ist, dass der Beschluß, ein Schulhaus zu bauen, ohne den üblichen behördlichen Druck ganz aus freien Stücken gefasst wurde.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
21. April 1930

Tanz

Zu dem am 2. Osterfeiertag stattfindenden Tanz hat freundlichst die Jugend nach Lardenbach geladen. Es freut sich der Wirt.

(Grünberger Anzeiger)

 
21. April 1930

Konfirmation

Am 2. Ostertag wurden in der Kirche zu Groß-Eichen 11 Kinder konfirmiert, 5 Knaben und 6 Mädchen, darunter 2 Knaben und 1 Mädchen aus Klein-Eichen.

(Grünberger Anzeiger)

 
16. März 1930

Volksliederabend des Gesangvereins

Der Gesangverein "Eintracht" Lardenbach/Klein-Eichen hatte die Ortswohnerschaft zu einem Volksliederabend auf Sonntag (16. März 1930) eingeladen. Es war dies die erste Veranstaltung des Vereins solcher Art, in der nur dem Lied Rechnung getragen wurde, in der man sich fern hielt von dem gerade in der Landbevölkerung so stark anziehenden Theaterspielen, und mit Recht warteten die deshalb Dirigent und Sängerschaft voller Interesse auf den Besuch dieses Abends. Es war für sie eine angenehme Überraschung, als Punkt acht Uhr die erste Begrüßung, der Sängergruß, einer, den weiten Saal bis auf den letzten Platz füllenden Zuhöhrerschar entgegensingen konnte.

Herr Dietrich, 1. Vorsitzender, fand im Anschluß daran markante Worte über Zweck und Ziel der Veranstaltung und übergab nach dem Chor: "Mein Lied" das Wort an den Dirigenten des Vereins, Herrn Lehrer Sommer, zu einem Vortrag über "Das deutsche Volkslied". In seiner Einleitung wies der Vortragende auf den Hauptzweck des Volksliederabends hin: Zum Singen besonders im Familien- und Freundschaftskreise Anregung zu geben, um das Leben, das durch die schlechte Wirtschaftslage und die innere Uneinigkeit unseres Volkes uns Menschen als drückende Last erscheint, wieder freudiger zu gestalten.

Keine der verschiedensten Liedgattungen ist imstande, für dieses Singen besser zu werben, als gerade das Volkslied, denn es ist ja ein Kind des Volkes, kann also auch von ihm am besten verstanden werden. Und voller Interesse folgten nun die Zuhöhrer den weiteren Ausführungen über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Volksliedes, über seine äußere Form, seine einfache schlichte Sprache, seine gefälligen, ansprechenden Weisen und den Inhalt.

Liebe, Heimat und Gott, mit diesen höchsten Gütern, ohne die ein Volk nicht lebensfähig ist, beschäftigt sich das Volkslied, und mit Recht darf gesagt werden, dass es deshalb zum sittlichen Wiederaufbau ein gut Teil beiträgt. Einige Proben deutscher Volksliedkunst und eine nochmalige Mahnung, ja das Singen, und besonders diesen Liedschatz, zum Segen fürs ganze Volk nicht zu vernachlässigen, beschlossen den Vortrag, für den dem Vortagenden reicher Beifall gespendet wurde.

Und nun erklangen die herrlichen Volksweisen, in Abwechslung vom Verein, der Gemeinde, den Schulkindern und einzelnen Vereinsmitgliedern gesungen. Zwischendurch trugen Schüler der Unterklasse, bald einzelne, bald ein Sprechchor, Gedichte ernsten und heiteren Inhaltes vor. Der Verein sang die Lieder: "Die schöne Schäferin" - "Horch, was kommt von draußen rein" - "Heimweh" - "Ich habe den Frühling gesehen" - "Am Holderstrauch" - "Drauß ist alles so prächtig" - "Wiegenlied" - "Der Spielmann" - "Es blies ein Jäger wohl in sein Horn" - "O, wie herbe ist das Scheiden" und "Gretchen".

Sie werden vom Dirigenten aufs feinfühligste herausgearbeitet und vom Verein mit seinem guten und geschulten Stimmenmaterial recht ansprechend zu Gehör gebracht. Das Publikum dankte durch starken Beifall, und es wurden Wünsche laut, man möchte solche Stunden innerer Erhebung, Erbauung und Befreiung von den Alltagsfragen des öfteren erleben dürfen.

(Grünberger Anzeiger/GA)

 
16. Februar 1930

Versammlungen

Am Samstagabend (15. Februar 1930) fand in Ilsdorf die erste Versammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei statt, bei der die Wirtschaft Otto Stühler bis zum letzten Platz besetzt war. In fast dreistündiger Rede fesselte Herr Bretz die Zuhörer mit dem Thema: "Volk in Not, wer rettet es?"

Am Sonntagnachmittag (16. Februar 1930) sprach Herr Bretz in Lardenbach zum gleichen Thema. Auch diese Versammlung, die in der Gastwirtschaft Diehl stattfand, war gut besucht.

Am Sonntagabend war die Wirtschaft von Otto Nickel in Stockhausen, die bis zum letzten Platze besetzt war, Schauplatz einer Nationalsozialistischen Versammlung. Auch hier sprach Herr Bretz. Der Abend wurde durch Anfragen aus dem Publikum und ihre Beantwortung durch den Redner belebt.

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war eine in der Weimare Republik gegründete politische Partei, deren Programm und Ideologie (der Nationalsozialismus) von radikalem Antisemitismus und Nationalismus sowie der Ablehnung von Demokratie und Marxismus bestimmt war. Sie war als straffe Führerpartei organisiert. Ihr Parteivorsitzender war ab 1921 der spätere Reichskanzler Adolf Hitler, unter dem sie Deutschland in der Diktatur des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 als einzige zugelassene Partei beherrschte.

Zwischen 1925 und 1930 stieg die Mitgliederzahl der Partei von 27.000 auf 130.000. Die NSDAP nutzte die Weltwirtschaftskrise und die damit einhergehende Massenverelendung, welche ihr antikapitalistisches, antiliberales und vor allem antisemitisches Programm gegen das „internationale Finanzjudentum“ in der Bevölkerung stützte.

Die NSDAP setzte zentral auf den Straßenterror der SA und andere Themen wie die Außenpolitik, woraufhin ihre Stimmenanteile bei den Landtagswahlen 1929 und 1930 auf über 10 Prozent anstiegen. Besonders Jugendliche und junge Männer traten in die Hitlerjugend und die SA ein. Die nationalsozialistischen Politiker gingen von dem Versuch ab, vor allem die Arbeiterschaft für sich zu gewinnen. Die NSDAP erhielt aber immer mehr Unterstützung von Bauern (die Agrarpreise waren ab 1928 zusehends verfallen), Handwerkern und Einzelhändlern (Angst vor der Konkurrenz durch „jüdisch geführte“ Kaufhauskonzerne) sowie aus den Reihen der Studenten- und Beamtenschaft.

(GA/wiki)

 
25. Januar 1930

Hauptjahresversammlung des MGV

Der hiesige Männergesangverein "Eintracht" hielt dieser Tage (Januar 1930) bei Mitglied Joh. Diehl seine Hauptjahresversammlung ab. Herr Dietrich, 1. Vorsitzender, begrüßte herzlichst die Versammlung und warf einen Rückblick auf das vergangene Vereinsjahr. Im Anschluß daran sand er beherzigenswerte Worte, in denen er über die liebevolle und treue Arbeit am deutschen Männerchor sprach. Besonders hob er hervor, es sei Pflicht eines jeden Mitgliedes, vor allem der aktiven Sänger, nach Kräften dabei mitzuhelfen.

Nach Verlesung des Protokolls durch Herrn Momberger, prüften die Herren Bürgermeister der beiden Dörfer (Müller und Lein) die Kassenverhältnisse. Dem Rechner, Herrn Otto Buß, wurde nach Worten der Anerkennung für die gewissenhafte Buchführung und Arbeit Entlastung zuteil. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden an die Stellen zweier ausscheidender Mitglieder, die Herren Heinrich Frank und Hermann Dörr neugewählt.

Unter Punkt "Verschiedenes" fiel unter anderem die Antwort des Vereins auf verschiedene Einladungen auswärtiger Vereine zum Besuch ihrer Festlichkeiten im lfd. Jahr. Nur die Einladung von Freienseen fand Berücksichtigung. Weiter wurde Stellung genommen zu zwei von Lehrer Sommer gestellten Anträgen, in denen das Leidenskapitel vieler Vereine behandelt wurde - das unentschuldigte Fehlen in den Übungsstunden, mit anderen Worten: das laue Interesse mancher aktiven Kräfte am Vereinsleben, sowie das Austreten von aktiven Mitgliedern in den inaktiven Stand.

Eine äußerst lebhafte Aussprache setzte ein, man einigte sich schließlich dahin, die beiden Anträge anzunehemen: Hiernach wird mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen mit Ausschluß aus dem aktiven Stand geahndet, ferner kann stimmlich und musikalisch begabten jüngeren Ortseinwohnern nur die aktive Mitgliedschaft gewährt werden. Die Beschlüsse sollen, wenn nötig, auch wirklich in die Tat umgesetzt werden, ohne Rücksicht auf ein quantitatives Plus oder Minus inbezug auf die Mitgliederzahl. Ganze Arbeit erfordert den ganzen Mann, dies sei das Motto fürs neue Jahr.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. Januar 1930

Straßenzustand

Über den schlechten Zustand der Nebenstraßen, der früheren Kreisstraßen, wird seitens der Autofahrenden Landärzte, Geschäftsreisenden und Gewerbetreibenden lebhafte Klage geführt. Sie fordern von der Provinzialverwaltung, dass auch die Verbindungsstraßen zwischen den abgelegenen Orten einigermaßen in Ordnung gehalten werden müßten.

Vielfach wird auf diesen Straßen noch scharfkantiger Schotter gebracht, der die Autoreifen schwer mitnimmt, besonders wenn der Landarzt zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Rücksicht auf Schotter und Löcher in raschem Tempo zu den Kranken eilen muß.

(Grünberger Anzeiger)

 
17. Januar 1930

Kreis Schotten 1930

Der Kreis wurde am 12. Mai 1852 gegründet. In ihn gingen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichtsbezirke Laubach und Schotten und Teile des Landgerichtsbezirks Ulrichstein ein. Klein-Eichen und Lardenbach zählen seit dieser Zeit zum Kreis Schotten.

In einer Sitzung des Kreistages im Januar 1930 wehrte sich das Gremium einmütig gegen eine etwaig geplante Aufhebung des Kreises Schotten. Aus allen Teilen des Kreises und den vier Bezirken Gedern, Ulrichstein, Schotten und Laubach nahmen Kreistagsvertreter zu dieser für den Kreis so wichtigen Lebensfrage in eingehenden Ausführungen das Wort.

Der Kreis hat an sich schon schwierigere Verkehrsverhältnisse. Durch eine etwaige Aufteilung mache man es der Landbevölkerung erst recht schwer und teuer, an die Sitze der Ämter zu gelangen. Schotten ist die einzige Kreisstadt der Provinz, die in der Mitte ihres Kreises liegt und von allen ihren Kreisgemeinden gleich weit zu erreichen ist.

Man verspreche stets, dem Vogelsberg und seiner armen Bevölkerung helfen zu wollen, habe aber seither stets Ämter abgebaut und trage sich u. a. mit weiteren Abbaumaßnahmen. Dadurch werde die Not der Bevölkerung nur größer, die Landflucht werde begünstigt. Wenn man an den Abbau der wenigen höheren Schulen in unserer abgelegenen Gegend denke, so nehme man mit diesem Abbau auch der Bevölkerung und den hier ansässigen Beamten die Möglichkeit zur Ausbildung ihrer Kinder. Die Beamtenstellen im Vogelsberg würden dann nur noch als Strafstellen angesehen.

Der Vogelsbergkreis Schotten bilde nach seinem hundertjährigen Bestehen ein einheitliches Ganze, die Bevölkerung sei derart miteinander Verwachsen und eng verbunden, dass man gegen eine Trennung des Kreises sich ganz entschieden wehre. Der Kreistag als die für die ganze Kreisbevölkerung zuständige gesetzliche Vertretung wünsche unbedingt Erhaltung des Kreises. Eine entsprechende Entschließung an die hessische Staatsregierung wurde einmütig angenommen, auch wurde eine Kommission bestimmt, die die nötigen Unterlagen beschaffen und bei der Regierung persönlich vorsprechen soll, um die Belange des Kreises zu vertreten.

"Los von Schotten" heißt die Losung verschiedener Gemeinden einige Tage später trotz aller Proteste der Kreisstadt Schotten. So wollen Helpershain, Köddingen, Meiches u. a. unbedingt zum Kreise Lauterbach, da sie dorthin bessere Verbindungen haben. Das Städtchen Laubach und die Orte des Seemenbachtales haben bessere Verbindung nach Gießen als nach Schotten. Gedern und das Niddertal gelangen schneller nach Büdingen.

Am 17. Januar 1930 wurde die vom Kreistag im Hinblick auf die Gerüchte über die Aufhebung des Kreises Schotten gewählte Kommission, bestehend aus Abgeordneten des Kreisbezirks Schotten, Laubach und Ulrichstein, vom hessischen Minister des Inneren, Leuschner empfangen.

Die Kommission stellte dem Minister in eindringlichen Darlegungen die Notlage vor Augen, in die nicht nur die Kreisstadt Schotten, sondern der ganze Vogelsbergkreis Schotten kommen würde, wenn er jetzt, nachdem man im Laufe der letzten Jahre schon eine ganze Reihe von Ämtern im Kreise Schotten aufgehoben hat, völlig zur Auflösung käme. Dadurch würde die Bedrängnis der Kreisbevölkerung nur noch weiter verschärft.

Von dem Minister wurde der Kommission eine genaue und wohlwollende Prüfung ihrer Darlegungen zugesagt. Ferner erklärte der Minister, dass natürlich die Abbaumaßnahmen nicht nur einen Kreis und eine Stadt, sondern alle Teile der Bevölkerung treffen sollten. Man hofft hier, dass die hessische Regierung sich davon überzeugen wird, dass der Kreis Schotten auch fernerhin bestehen bleibt.

(Grünberger Anzeiger/GA)

Fotos

 
02. Januar 1930

Kirchliche Statistik, veröffentlicht 1930

Im Jahre 1929 wurden im Kirchspiel Groß-Eichen 14 Kinder getauft, 7 Knaben und 7 Mädchen, darunter 2 Knaben aus Klein-Eichen. Konfirmiert wurden 17 Kinder, 8 Knaben und 9 Mädchen, darunter 1 Knabe aus Klein-Eichen. Sieben Paare wurden kirchlich getraut, davon 2 Paare aus Klein-Eichen. Beerdigt wurden 9 Personen, davon 3 in Klein-Eichen.

Der Gottesdienst wurde in Groß-Eichen von 8439 Erwachsenen und 3507 Kindern besucht und in Klein-Eichen von 1317 Erwachsenen und 230 Kindern. Der durchschnittliche Gottesdienstbesuch betrug also in Groß-Eichen 133 Erwachsene und 55 Kinder bei einer Seelenzahl von 700 Evangelischen und in Klein-Eichen 54 Erwachsene und 9 Kinder bei einer Seelenzahl von 167 Evangelischen.

Am Abendmahl nahmen in Groß-Eichen 788 Personen teil und in Klein-Eichen 184 Personen. Die Christenlehre wurde von 463 Jugendlichen und der Kindergottesdienst von 1154 Kindern fleißig besucht.

An freiwilligen Spenden gingen im Kirchspiel insgesamt 876,99 RM ein; das ist auf den Kopf der evangelischen Gemeindeglieder: 1,01 RM..

Die kirchliche Statistik für Lardenbach vom Jahr 1929 bietet ein recht erfreuliches Bild. Das Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung durch den Pfarrer in allen Fällen begehrt und gewährt werden, ist ja in Landgemeinden noch die Regel. Wenn aber die Zahl der Trauungen von 3 im Jahr 1928 auf 5 im Jahr 1929 gestiegen ist und die Zahl der Taufen von 3 auf 9, so darf das wohl angesichts der dunklen Zukunft als Zeichen von Lebensmut und Gottvertrauen gelten.

Bei einer Bevölkerungsziffer von nur 453 landeskirchlichen Evangelischen haben solche kleinen Änderungen immerhin etwas zu bedeuten. Gott gebe, dass dieser praktische Christenglaube bleibt und wächst. Das die Kinder der Oberklasse aus Lardenbach regelmäßig zum Hauptgottesdienst kommen, gilt noch allgemein als selbstverständlich. Daneben ist die Beteiligung am Kindergottesdienst ein wenig gestiegen. Die Katechismuslehre konnte nach Beendigung der Vakanz vom 14. April bis 15. September regelmäßig gehalten werden.

So erklärt es sich sehr einfach, dass die Beteiligung mehr als doppelt so zahlreich war als im Vorjahr. Es wurden an der Hand von Katechismus und Bibel wichtige Zeitfragen behandelt. die teilweise reges Interesse hervorriefen. Die große Zahl von auswärtigen Festen mancherlei Art hat den Besuch dieser Gottesdienste zeitweise stark beeinträchtigt. Es wurde daher versucht, sie vor dem Hauptgottesdienst abzuhalten, was auch die Beteiligung hob, aber doch mitunter als störender Eingriff in die Hausordnung empfunden wurde.

Wenn man auch in anbetracht der Zeitverhältnisse nicht unzufrieden zu sein braucht, so muß doch anderseits gesagt werden, dass die Jugendfrage selbst für solche Gemeinden wie die unsrige immer schwerer wird, weil sie sich dem Zeitgeist auf die Dauer nicht entziehen können.

Am Hauptgottesdienst beteiligten sich im Wochendurchschnitt in Lardenbach 1928 49 Männer und 49 Frauen, 1929 55 Männer und 53 Frauen. Das Heilige Abendmahl begehrten 1928 öffentlich 273 Männer und 264 Frauen, privatim 4 Männer und 10 Frauen. 1929 waren es öffentlich 287 Männer und 301 Frauen, privatim 5 Männer und 10 Frauen. Mit anderen Worten: Es gingen in beiden Jahren einige je einmal, andere je zweimal zum Tisch des Herren.

Die Liebesgaben stiegen von 642 auf 781 RM, betragen also auf den Kopf der Bevölkerung rund 1,70 RM.

Am 14. Februar sahen wir den Film "Glaube und Heimat", am 3. Dezember in der elektrisch geheizten Kirche einen Film aus der Heidenmission in Indien. Am 19. Februar besuchte Herr Dekan Widmann aus Gedern den Religionsunterricht und war mit dem Ergebnis zufrieden.

(Grünberger Anzeiger/GA)

 

 

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