1919

Im Jahre 1919

Es herrschte Frieden, doch es war längst nicht überall friedlich. Die Siegermächte hatten sich in Paris zu Friedenskonferenzen zusammengefunden, um die Ordnung in Europa neu festzulegen.
Der Weltkrieg war gerade am 11. November 1918 mit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens von Compiègne zwischen Deutschland und Frankreich zu Ende gegangen. Er hat ca. 9 Millionen Tote gefordert.

Im Grünberger Anzeiger bedankte sich am 4. Januar das Fussartillerie-Regiment 27 bei den Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen für die erwiesene Gastfreundschaft während ihres dreiwöchigen Aufenthaltes in den beiden Dörfern. Über Weihnachten und Neujahr hatten sich die Mannschaften einquartiert. Auf dem Rückzug von der Westfront wollten die Meisten nach Westpreußen und Posen.

An die Landbevölkerung waren Aufrufe ergangen den unzähligen zurückkehrenden Kriegern Arbeit, Nahrung und Wohnung zu geben. "Über allem muß jetzt die Forderung der Erhaltung unserer landwirtschaftlichen Kraft und der inneren Ruhe und Sicherheit stehen."

Die Zahlen der Gemeindeumlagen werden für das Jahr 1918 veröffentlicht. An Gemeindesteuern werden demnach für das Rechnungsjahr 1918 in Klein-Eichen 1800 Mark erhoben. In Lardenbach sind dies z. B. 5500 Mark. Und in Groß-Eichen 10500 Mark.

83 Prozent der Wahlberechtigten beteiligen sich an der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung. Die KPD hat sich der Wahl nicht gestellt, die USPD erreicht lediglich 22 Mandate. Sieger der Wahl sind die Sozialdemokraten mit 165 Mandaten. Frauen sind in Deutschland erstmals wahlberechtigt.
In Klein-Eichen bekommt die Deutsch Nationale Volkspartei mit 50 Stimmen den größten Zuspruch. Es folgt die Deutsche Demokratische Partei mit 23 Stimmen. Gefolgt von der Sozialdemokratischen Mehrheitspartei mit 17 Wähler. In Lardenbach zeigt sich die gleiche Rangfolge.

Der Grünberger Anzeiger kommentiert die Wahl folgendermaßen: "Wenn man jetzt die Listen der Wahlberechtigten mit der Zahl der Nichtstimmenden vergleicht, so muß einen eigentlich die starke Zahl der letzteren verblüffen. Sicher sind es auf dem Lande die bejahrten Frauen, denen es gar nicht in den Sinn will, wozu sie den Stimmzettel abgeben sollen, und die von der Bedeutung der Wahl nichts verstehen. Es gibt aber auch eine Anzahl männlicher Personen, die sich in die neue Zeit nicht finden wollen und so ihren Mißmut durch Fernbleiben von der Wahlurne bekunden."

Der Staatenausschuss beschließt in Weimar die Einführung von Schwarz-Rot-Gold als Nationalfarben.

Nach einer Bekanntmachung des Staatssekretärs des Reichspostamtes treten infolge der Demobilmachung die den Heeres- und Marineangehörigen gewährten Portovergünstigungen für Feldpostsendungen außer Kraft - das Ende der Feldpostbriefe.

"Nach Berliner Meldungen soll auch im laufenden Jahre die Sommerzeit wieder eingeführt werden. Ihr Beginn ist für Montag, den 14. April vormittags 2 Uhr, ihr Ende für Montag, 15. September, vormittags 3 Uhr, in Aussicht genommen. Da sich die Einrichtung im Kriege allgemein bewährt hat, wird man den neuen Entschluß nur begrüßen dürfen."

"Das Ministerium des Inneren hat verfügt, dass die Abhaltung öffentlicher Maskenbälle in diesem Jahre mit Rücksicht auf den Ernst der Zeit von den Polizeibehörden durchweg nicht zu genehmigen ist. Da auch im Hinblick auf die Kohlennot und die Einschränkung des Lichtverbrauchs eine Beschränkung der Dauer der öffentlichen Tänze überhaupt erforderlich ist, so können Tanzerlaubnisscheine für die Folge nicht länger, als die Feierabendstunde dauert, erteilt werden. Auch Privatvergnügungen haben sich hiernach zu richten, andernfalls kann entsprechende Entziehung des Lichtverbrauchs eintreten." In diesem Jahr gab es im Dorf noch keine elektrische "Lichtverbraucher".

"Als vor einiger Zeit die Soldaten auf ihrem Rückmarsche für ihre Pferde in den Ortschaften Heu aufkauften, wurde ihnen solches für 12 Mark für den Zentner abgelassen. Damals glaubte man, dieser Preis werde nicht mehr übertroffen. Jetzt werden sogar für den Zentner 36 Mark und darüber bezahlt. Eine ähnliche Preissteigerung hat nun auch für die Pferde stattgefunden. Von den Soldaten konnte man ein Paar Pferde für 170 Mark erstehen, jetzt kosten diese bei einer Versteigerung zu Laubach 800 bis 1500 Mark."

"Amtlichen Mitteilungen zufolge nehmen die Geheimschlachtungen derart überhand, dass der Bestand an Schlachtvieh in Kürze aufgebraucht ist. Zur Sicherstellung des Fleischbedarfs für die nicht auf Schleichhandelswegen zu versorgende Bevölkerung sind demzufolge überaus scharfe Einfriffe in die Zucht- und Nutzviehbestände der Provinz Oberhessen unausweichlich."

Im Kreis Schotten wurden für die Zeit vom 1. April 1919 bis 1. April 1922 die Kommandanten der Pflichtfeuerwehr ernannt. In Klein-Eichen ist dies Eduard Zimmer. Zu dessen Stellvertreter ernannt wurde Ludwig Ernst Zimmer (?). In Lardenbach ist Heinrich Schneider Kommandant und Stellvertreter Wilhelm Keller.

Der 1. Mai ist zum ersten mal in Deutschland Feiertag. Aber nur in diesem Jahr, da er an den Abstimmungen scheiterte.

Das hessische Landesernährungsamt bestimmt, dass jegliche Ausfuhr von Pferden aus dem hessischen Staatsgebiet verboten ist. Der Versuch der Ausfuhr ist strafbar. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen werden mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft.

Zu der Gemeindewahl gibt es in Klein-Eichen einen gemeinsamen Wahlvorschlag: Wilhelm Felsing, Wilhelm Zimmer 2r, Karl Mölcher, Heinrich Eckhardt, August Zimmer, Ernst Faust, Ernst Zimmer, Eduard Zimmer, Otto Volp, Heinrich Müller, Karl Dörr und Ludwig Krieger.

Die deutsche Delegation unterschreibt am 28. Juni unter Protest den ihr vorgelegten Friedensvertrag von Versailles, welcher formell den Ersten Weltkrieg abschließt. Zugleich wird im Vertragswerk die Satzung des entstehenden Völkerbundes akzeptiert. "Unmittelbar nach Friedensschluss beginnen die Heimbeförderungen der deutschen Kriegsgefangenen. Zur Durchführung dieser gewaltigen Aufgabe wurde das Deutsche Reich in sieben Gruppen aufgeteilt. Der Gruppe Rhein in Bad Homburg fällt der bedeutensde Anteil zu, da die Stadt infolge ihrer zentralen Lage die Heimführung aller auf französischem, belgischem Boden in französischer, belgischer, englischer und amerikanischer Hand befindlichen Gefangenen regeln soll.

"In den letzten Tagen (Juli 1919) konnte man im Seenbachtal Leute aus Frankfurt oder der Umgegend von Frankfurt beobachten, die Seife, Schokolade, Reis und andere schöne Sachen zum Verkauf anboten. Bemerkenswert dabei war, dass sie keine Lebensmittel, sondern nur Geld in Zahlung haben wollten. Direkt auffallend war, dass sie die Waren zum Teil ganz dringend anboten, und wenn die Leute nicht kaufen wollten, sogar unverschämt wurden. Scheinbar haben diese Herren Schleichhändler noch größere Posten und Bestände und befürchten jetzt, wegen der Aufhebung der Sperre ein rasches Sinken der Preise. Die Hamsterpreise für Eier und Butter sind ja schon seit 14 Tagen gefallen, zum größten Verdruß so manches Wucherers."

"Heute (22. Juli) ereigneten sich auf dem Eisensteinbergwerk "Luse" in unserer Nachbarschaft zwei ernste Unfälle. Im Stollen wurde ein Bursche von herunterstürzenden Erdmassen verschüttet. Es gelang, ihn zu befreien; er war anfänglich bewußtlos, erholte sich aber bald. Der andere Unfall traf eienen Bergmann aus Sellnrod an der Kreissäge. Von dieser löste sich ein Stück Holz und flog dem Manne mit solcher Wucht an den Kopf, daß er verletzt in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte."

Mit 262 Ja- zu 75 Nein-Stimmen wird die "Weimarer Verfassung" von der Nationalversammlung verabschiedet. Es ist die erste parlamentarisch-demokratische Verfassung Deutschlands.

Die Hauptkörung (Auswahl der Tiere für die Zucht) der Gemeindebullen, Eber und Ziegenböcke für 1919 soll im Kreis Schotten vorgenommen werden. Am 1. August nachmittags wird dies um 3 Uhr in Klein-Eichen sein und um 3.30 Uhr in Lardenbach.

Erst seit Oktober diesen Jahres fanden in der Klein-Eichener Kirche regelmäßig alle 2 Wochen Predigtgottesdienste mit dem Pfarrer statt. Robert Staubach war der Pfarrer für Groß- und Klein-Eichen.

"Die Zahl der Kriegsopfer unserer Kirchengemeinde (Lardenbach mit Stockhäuser Hof und Solms-Ilsdorf) beträgt einschließlich eines seit September 1914 Vermißten 22. In Gefangenschaft gerieten 7 Gemeindemitglieder. Aus russischer, englischer und französischer Gefangenschaft ist je ein Gefangener zurückgekehrt, vier warten noch in Frankreich auf ihre Heimkehr."

Ein weiters Mal wurde Christian Hoffmann zum Bürgermeister Klein-Eichens gewählt.

(Grünberger Anzeiger)

 
1918-1919

Kriegsende 1918-1919

Vor 100 Jahren, am 11. November 1918 findet die Unterzeichnung des Waffenstillstands statt. Noch am selben Tag schweigen die Waffen. Der blutige (Erster Welt-) Krieg hat über zehn Millionen Menschenleben gekostet, davon zwei Millionen auf deutscher Seite, und unendliches Leid erzeugt. Die militärische Niederlage besiegelt das Ende des Kaiserreiches.

Durch Aufzeichnungen in den Kirchenchroniken von Groß-Eichen und Lardenbach sind einige Momente dieser Zeit aus unseren Dörfern festgehalten worden. Pfarrer Robert Staubach betreute von 1906 bis 1924 das Kirchspiel Groß- und Klein-Eichen. In Lardenbach war August Weinberger von 1888 bis 1926 Pfarrer. Beide haben Ereignisse aus ihrer Pfarrei aufgeschrieben.

So berichtete Pfarrer Staubach vom "Abbruch" des Krieges und dem Rückzug der Truppen. Diese berittenen Truppen zogen öfters durch die Dörfer. Die 80. Division nahm in Groß-Eichen ihr Standquartier. Am 1. Weihnachtstag sorgte die Kapelle des 264. Infanterie-Regiments während des Hauptgottesdienstes für ein schönes Platzkonzert. Am 27. Dezember zogen sie dann weiter.

Der Lardenbacher Pfarrer Weinberger schreibt dagegen von einem "Unglücklichen Kriegsausgang". "Der Krieg nahm für uns , nachdem wir so lange einer Welt von Feinden Trotz geboten, schließlich doch einen unglücklichen Ausgang. Was hauptsächlich begründet ist in dem Eingreifen der Amerikaner, der Uneinigkeit, dem Sittenverfall, Wucher und Mammonsdienst, die in unserem Volk mehr und mehr überhandnehmen."

Weiter zeigt sich Weinberger sehr politisch: "Am 9. November brach dann, was das Schlimmste war, die Revolution aus. Der Kaiser und die anderen deutschen Fürsten entsagten dem Thron. Die Sozialdemokraten, die alles schon lange im Stillen vorbereitet hatten, rissen die Gewalt an sich und richteten Republiken ein." Diese Revoluzer seien von den Bolschewisten aus Russland unterstützt worden "zur Entfachung der Weltrevolution".

Über den Rückmarsch der Truppen schrieb Weinberger: "Der Rückzug des Heeres vollzog sich von November (1918) an im allgemeinen in Ordnung. Wir hatten zur Bewillkommnung Ehrenpforten am Dorfeingang (von Lardenbach) errichtet und hie und da noch Girlanden angebracht. Es zogen gewaltige Truppenmassen mit Geschützen, Wagen und Kolonien durch, was oft stundenlang dauerte. Den Ersten wurde Obst, Kuchen und Brot reichlich dargeboten. Sie (die Truppen) zogen meist über Ulrichstein Richtung Fulda. Mitunter auch von Musik begleitet. Die Pferde sahen oft gar mager und elend aus."

"Anfang Dezember (1918) bekamen wir, wie alle Dörfer der gegend, starke Einquartierungen. Zuerst wechselte die rasch. Das letzte, dass 3. Batallion , behielten wir drei Wochen lang über Weihnachten und Neujahr. Die Mannschaften waren meist aus Westpreußen und Posen. Unsere Leute bemühten sich wohl alle, soweit es ihnen möglich war."

"Die Soldaten hätten nur dem Ernst der Zeit mehr Rechnung tragen müssen. Sie nahmen auf die um Gefallene Trauernden kaum Rücksicht. Sie tanzten mit den Mädchen öfters im Wirtshaus und kamen spät in ihr Quartier. Die Disziplin hatte sich schon sehr gelockert, so dass die Vorgesetzten keinen leichten Stand hatten."

"Weihnachten feierten die Soldaten mit uns. Am Abend des ersten Festtages begrüßte der Pfarrer die heimgekehrten Krieger unseres Kirchspiels zusammen mit hier einquartierten im Gottesdienst, wo der Lichterglanz des Christbaumes und unsere alten schönen Lieder das trübste Christfest, das wir gefeiert, verschönte und erhellte. Am zweiten Feiertag Abend versammelte sich nochmal die Gemeinde sehr zahlreich in der Kirche.

Der eigentliche Friedensvertrag wurde in Versailles am 28. Juni 1919 unterzeichnet. Das Oberkonsitorium der Evangelischen Kirche ordnete einen Gottesdienst am 6. Juli an, in dem diesem Frieden gedacht werden sollte. Am Schluß dieses Gottesdienstes erklang ein viertel Stündiges Trauer- und Bußgeläut. So Pfarrer Staubach.

Im Laufe des Novembers 1919 kehrten unsere in englischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Kameraden nach Groß-Eichen zurück, schreibt Pfarrer Staubach. Zu der Zeit wartete man noch auf die sich in französischer Gefangenschaft befindlichen Soldaten. So auch auf Wilhelm Dörr aus Klein-Eichen. Dessen Bruder mußte noch im April 1918 in Frankreich sein Leben lassen.

Fotos

 
11. November 1918

Ende des 1. Weltkrieges

Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Ozeanen geführt. Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch ihn ihr Leben. Er begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, der das Attentat von Sarajevo vom 28. Juni 1914 und die dadurch ausgelöste Julikrise vorausgegangen waren. Er endete am 11. November 1918 mit dem Sieg der Kriegskoalition. Wichtige Kriegsbeteiligte waren Deutschland, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich und Bulgarien einerseits sowie Frankreich, Großbritannien und das Britische Weltreich, Russland, Serbien, Belgien, Italien, Rumänien, Japan und die USA andererseits. 40 Staaten beteiligten sich am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte, insgesamt standen annähernd 70 Millionen Menschen unter Waffen.

Mit großem Nationalstolz zogen die Soldaten in den Krieg. Die Bildtafeln der Kriegsteilnehmer waren weit verbreitet. Durch das gemeinsame Kirchspiel von Groß- und Klein-Eichen waren hier Soldaten beider Dörfer abgebildet. Opfer forderte dieser "Große Krieg", wie ihn die Franzosen nennen, in allen Städten und Dörfern. Auf dem Klein-Eichener Friedhof, auf dem Denkmal, stehen die Namen der vier Soldaten, die ihr Leben in diesem ersten Weltkrieg lassen mussten.

Karl Schütz (+1916) wohnte zuletzt im Hinterdorf im "Horste-Haus" (später Träger und Kraft). Er ist nicht auf der Bildtafel der Kriegsteilnehmer vertrten.

Karl Dörr (+1918) stammte aus "Schmitz-Haus"(Dittrich). Er war der Bruder von Wilhelm Dörr, dem Großvater von Norbert Dittrich. Ebenfalls nicht auf der Bildtafel.

Hermann Zimmer (+1918) stammte aus "Zimmers-Haus" (Purr). Seine Schwester Anna ist die Mutter von Heinrich Frank.

Heinrich Felsing (verm. 1916) lebte im Hinterdorf im "Woarsch-Haus" (Becker/Langstroff). Er war der Großonkel von Inge Lein.

Fotos

 
02. Mai 1916

Gewitter

Am 2. Mai 1916 hat ein schweres Gewitter in Lardenbach, Klein-Eichen, Seenbrücke und Stockhäuser Hof vier Blitzeinschläge verursacht ohne jedoch besonderen Schaden anzurichten. So berichtete der Grünberger Anzeiger in seiner Ausgabe vom 5. Mai. In Lardenbach schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Knöß und zündete. Da sofort Hilfe zur Stelle war, gelang es, dank der Wasserleitung, die sich hier zur Verhütung eines großen Schadenfeuers wieder einmal sehr nützlich erwies, den Brand im Keime zu ersticken. Glücklicherweise fanden sich an der Stelle, wo der Blitzstrahl niederging, nicht viel brennbare Gegenstände, sodaß das Feuer keine Nahrung fand.

In Klein-Eichen schlug der Blitz in einen Apfelbaum. Auf dem Stockhäuser Hof ging ein Blitzstrahl auf einem Acker in der Nähe eines dastehenden Wagens zur Erde und riß eine lange Furche in den Erdboden. Auf der Seenbrücke ging der Blitzstrahl in eine junge Eiche. Die vier Blitzschläge gingen in einem Umkreise von kaum einer halben Stunde nieder.

 
07. März 1916

Jahresbeginn 1916

Im dritten Jahr des 1. Weltkriegs offenbarte sich die Kriegsmüdigkeit der Armeen. Die Knochenmühle von Verdun forderte Menschenopfer ohne Ende, auf beiden Seiten. Jede Angriffsoperation war mit großen Verlusten verbunden. Auch die Zivilbevölkerung wurde immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Die männlichen Arbeitskräfte wurden an der Front als Kanonenfutter eingesetzt. So nahmen Frauen die Arbeitsplätze der Männer ein. Durch den Ausfall von Einfuhren hungerten die Menschen in Deutschland.

Für die Landbevölkerung im Vogelsberg endete jedoch die Petroleumnot. Zum erstenmal seit einem Jahr sind in den Häusern die Petroleumlampen wieder gefüllt. Die Qualität des jetzt im Handel zu bekommenden Steinöls ist besser als das vorherige aus Rumänien. Aber es riecht stärker als das amerikanische Petroleum. Das Karbidlicht ist im Moment nicht mehr gefragt.

Die Großherzogliche Regierung hat die Erweiterung des Schlachtverbotes angeordnet und verfügt, dass um die Versorgung der hessischen Städte mit Fleisch-, Milch- und Vieherzeugnissen zu schützen, der Verkauf und das Schlachten von Milchkühen und jungen Rindern bis zu einem Alter von zwei Jahren verboten ist. Der Ankauf von Jungvieh und Milchkühen zur Schlachtung in Hessen und das außer Landes bringen ist ebenfalls verboten. Das Schlachten von eingeführten Tieren ist erlaubt.

Der Bundesrat hat im März eine Verordnung erlassen, dass bei der Enteignung von Kartoffeln der Höchstpreis für die Tonne um 30 Mark zu kürzen ist. Der Höchstpreis für Kartoffeln beim Verkauf durch den Erzeuger im Großhandel in Hessen hat 96 Mark für die Tonne zu betragen. Der Preis für den Doppelzentner inländischer Frühkartoffeln darf beim Verkauf durch den Erzeuger 20 Mark nicht überschreiten. Als Frühkartoffeln gilt die Ernte, die vor dem 15. August 1916 geliefert wird.

Klein-Eichen hat sein erstes Opfer zu beklagen. Am 24. Februar 1916 kommt Karl Schütz (Hinterdorf) ums Leben. Die weiteren Umstände sind nicht bekannt. Einige Tage vorher erhielt der Musketier Otto Keller aus Lardenbach das Eiserne Kreuz zweiter Klasse für tapferes Verhalten vor dem Feinde in Galizien von Seiner Majestät dem Kaiser persönlich überreicht. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse hatte auch schon sein Bruder Wilhelm erhalten.

(GA)

 
18. November 1915

Die Verbreitung der Karbidlampe im Weltkrieg

Der Grünberger Anzeiger berichtete im Herbst 1915: "In unseren Ortschaften hat jetzt die Karbidlampe eine ungeahnte Verbreitung gefunden. Sie tritt an Stelle der altgewohnten Petroleumlampe. Da das Petroleum nicht in dem Maße geliefert werden kann, wie es das Bedürfnis erheischt, so brennt man Karbid.

Die anfänglichen Karbidlampen waren aus Messing, Nickel und anderem Metall. Da diese Metalle beschlagnahmt worden sind, so werden sie jetzt aus anderen, billigeren Metallen hergestellt. Die Lampen sind aber nicht billiger, sondern teurer geworden. Das macht die Nachfrage. Es hat auch das Karbid eine Teuerung erfahren, die in dieser ernsten Zeit der Verteuerung der Lebensmittel auffällt.

Im vorigen Jahre kostete die Tonne Karbid 25 Mark, jetzt kostet sie über 40 Mark. also eine Verteuerung um fast das Doppelte. Hier ist die Frage wohl nicht unbegründet, ob denn gleich ein Brennstoff, der doch aus der Steinkohle hergestellt wird, eine solche Teuerung erfahren muß. Die starke Nachfrage kann allein eine solche Verteuerung nicht erklären."

Das zweite Kriegsjahr, 1915, verdeutlichte dass der Krieg noch länger andauern würde. Im Prinzip konnte keine Seite in diesem Jahr wesentliche Erfolge erzielen. Die Fronten waren verhärtet. Der Stahlhelm löste im deutschen Heer die Pickelhaube nach und nach ab. Der erste Gasangriff erfolgt bei Ypern durch Abblasen von Chlorgas aus Druckgasflaschen.

Im November schreibt der Grünberger Anzeiger: "Die Karbidlampe, die jetzt fast allgemein an Stelle der Petroleumlampe auf dem Land getreten ist, vermag diese nicht völlig zu ersetzen. Wohl brennt das Karbidlicht heller, blendender als das Petroleumlicht, aber ihm fehlt die Gleichmäßigkeit und die Beständigkeit des letzteren.

Wenn die Karbidlampe angezündet ist, dann leuchtet sie am hellsten. Der Karbidbehälter wird naturgemäß mit der Brenndauer wärmer, ja heiß. Diese Hitze beeinträchtigt aber die Leuchtkraft der Flamme, sie wird röter und matter. Eine Erschütterung der Lampe durch einen Stoß bringt dann ein vorübergehendes Anwachsen der Flamme.

Oft übersieht man die Pflege des Brenners bei der Karbidlampe. Die Flamme darf nie von selbst erlöschen, sondern muß ausgeblasen werden. Andernfalls verrußt der Brenner, und die Lampe leuchtet nicht. Zählt man noch die Behandlung der Karbidlampe hinzu, die tägliche Reinigung erheischt, so versteht man das Urteil, das da leutet: Die Karbidlampe ist ein Notbehelf."

Eine Karbidlampe ist eine Gaslampe, in welcher der Brennstoff in chemisch gebundener Form transportiert und erst kurz vor der Verbrennung in Gas umgewandelt wird. Der Körper der Lampe besteht aus zwei übereinander angeordneten Behältern. Im unteren Behälter der Lampe befindet sich Calciumcarbid, auf das aus dem oberen Behälter Wasser tropft. Das entstehende Ethin-Gas verlässt den unteren Behälter durch eine kurze Rohrleitung, die in einem Brenner endet, der vor einem Hohlspiegel aus Metall fixiert ist. Das entweichende Gas wird am Brenner entzündet. Die grelle Flamme wird vom Spiegel fokussiert und zur Beleuchtung genutzt.

(GA/wiki)

 
13. Oktober 1915

Erster Weltkrieg im Herbst 1915

Das zweite Kriegsjahr zeigte, daß es sich nicht um einen Krieg von wenigen Wochen handeln würde. Keine Seite konnte in diesem Jahr wesentliche Erfolge erringen. Alle waren damit beschäftigt, ihre Infrastruktur auf eine Kriegsproduktion umzustellen. Noch zu Kriegsbeginn war das Haupttransportmittel für Mensch und Material das Pferd. Im Sommer begann der deutsche Angriff auf Rußland, der bis zum Herbst zur Besetzung Russisch-Polens führte. Und im Oktober erfolgte der deutsch-österreichische Angriff auf Serbien. Bis November war das Land besetzt und besiegt.

Nachdem sich schon bald nach Kriegsbeginn herauskristallisierte, dass es mit einem schnellen Sieg nichts werden würde, musste man sich in Deutschland Gedanken machen, wie die Rüstungsindustrie am Laufen gehalten werden konnte. Gerade die sich abzeichnenden Materialschlachten an Ost- und Westfront und die englische Seeblockade offenbarten die Notwendigkeit für das deutsche Militär, neue Rohstoffquellen für sich zu erschließen.

Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hatte daher zwei Verordnungen erlassen, die am Rathaus in Grünberg ausgehängt und im Grünberger Anzeiger abgedruckt wurde. Dabei ging es um die Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. Dies betraf Geschirr und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben, Waschkessel, Türen und Kachelöfen und Kochmaschinen bzw. Herde. Auch Badewannen und Warmwasserbehälter mussten gemeldet werden.

Ebenso meldete der Grünberger Anzeiger am 13. Oktober 1915, dass aus der Gemeinde Klein-Eichen 17 Mann unter den Fahnen stehen. Und das bis zu diesem Zeitpunkt noch alle gesund seien. Nur einer hatte eine Verwundung erlitten.

 
27. Juli 1915

Landwirtschaft und Kohlweißling

Vor 100 Jahren, im Sommer 1915, hat die Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen an die hiesigen Landwirte appelliert, für den langen Winter zu sorgen und Vorräte einzusammeln für die Erhaltung und Vermehrung des Viehstandes. Dies habe gerade im gegenwärtigen Kriegsjahr eine besondere Bedeutung wegen der Fleischversorgung der Bevölkerung. Ein vorsichtiger Landwirt mache bei Beginn der neuen Ernte seine Scheunen nicht leer. Er behalte vielmehr einen Vorrat für die spätere Zeit, da er nicht wisse, was die Witterungverhältnisse bringen. Deshalb sollten die Landwirte ihre alten Heu- und Strohvorräte sorgsam hüten und nicht abstoßen. Das Heu sei eines der wichtigsten Futtermittel im landwirtschaftlichen Betrieb in der Zukunft.

Unterdessen entwickelten die Schüler Lardenbachs und Klein-Eichens auf Anregung ihres Lehrers in der Vertilgung des massenhaft auftretenden Kohlweißlings lobenswerten Eifer. Sie hätten bis jetzt über 15000 Stück gefangen. Als Lohn erhielten sie Hefte mit schönen Erzählungen.

Auf den Feldern oder in den Gärten war der Kohlweißling nicht gerne gesehen. Die Raupen dieses Schmetterlings fressen Kohl u. a. bis auf den Strunk kahl. Daher gab es solche Aktionen bei denen die Schulkinder gegen solche Plagen eingesetzt wurden.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. März 1915

Januar, Februar und März 1915

Seit mehr als einem halben Jahr tobte der Erste Weltkrieg. Krieg ist im Osten und Westen. An Land, in der Luft und auf dem Wasser. Während aus Klein-Eichen bis dahin noch kein Soldat ums Leben kam, sind schon zwei Lardenbacher in diesen ersten Monaten umgekommen.

Im Januar findet die Reichswollwoche statt. Warme Unterwäsche für die deutschen Truppen werden gesammelt. Der deutsche Bundesrat rät zu einem sparsamen Umgang mit Nahrungsmitteln. Im Februar wird vom Bundesrat beschlossen, dass alle deutschen Hafervorräte beschlagnahmt werden sollen.

Zu Beginn des Jahres wird in Grünberg in der Turnhalle ein Lazarett eingerichtet. Die Ausstattung dazu, wie Betten und Wäsche wird gesammelt. Ebenfalls an die "Opferwilligkeit" aller Grünberger Bewohner und der umliegenden Orte wird vom Roten Kreuz appeliert Kartoffeln, Gemüse, Eier, Butter, Milch, Honig, Gelee und Kolonialwaren jeder Art zur Verfügung zu stellen.

Nachdem in Bobenhausen II, Groß-Eichen, Laubach, Sellnrod und Schmitten die Maul- und Klauenseuche erloschen und die vorschriftsmäßig ausgeführte Desinfektion abgenommen worden ist, sind die angeordneten Maßnahmen über Sperrbezirke wieder aufgehoben worden. Der Kreis Schotten gilt damit als frei von Maul- und Klauenseuche. Allerdings bilden die Gemarkungen Groß-Eichen, Klein-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Sellnrod, Schmitten und Freienseen wegen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Weickartshain ein gefährdetes Gebiet.

Anfang Februar wird im Grünberger Anzeiger gemeldet: " Die Bewohner der Dörfer, die noch nicht mit einer elektrischen Lichtzentrale vebunden sind und auch nach Lage der Zeit eine solche in absehbarer Zeit nicht erhalten, sahen sich gezwungen, nach einem Ersatz des mangelnden Petroleums sich umzusehen. Der wird jetzt voll geboten in den "Karbid-Lampen". Diese Acetylen-Tischlampen, wie man sie jetzt überall bekommen kann, ersetzen nicht nur die alt gewordenen Petroleumlampen, sondern übertreffen sie an Leuchtkraft und stellen sich im Gebrauch nicht teurer wie Petroleum."

"Für den Kreis Schotten sind Höchstpreise für Roggenbrot, Schweinefleischware und Kartoffeln festgesetzt worden. Hiernach darf der Preis für den vierpfündigen Laib Brot 70 Pfg. nicht übersteigen. Die Höchstpreise für Schweinefleischware sind: Bauchfleisch 90 Pfg., Bratfleisch 95 Pfg., Kotelettfleisch 1 Mark, Speck 1,20 Mark, Blutwurst 80 Pfg. und geräucherte Leberwurst 1 Mark. Für Speisekartoffeln verschiedenster Sorten darf der Preis für den Doppelzentner bester ausgelesener Kartoffeln bei freier Lieferung 7 Mark nicht übersteigen. Diese Festsetzungen gelten auch für Verkäufe nach Orten außerhalb des Kreises Schotten, ohne Rücksicht darauf, ob diese dem Großherzogtum Hessen angehören oder nicht."

"Die Musterung und Aushebung sämtlicher in den Jahren 1875 bis 1884 geborenen Pflichtigen, welche von einer Ober-Ersatzkommission die entgültige Entscheidung "Landsturm mit Waffe" oder "Landsturm ohne Waffe" erhalten haben und die früheren ungedienten Ersatz-Reservisten, die infolge ihres Alters inzwischen zum Landsturm übergetreten sind, findet im Kreis Schotten am Mittwoch den 17. Februar 1915 vormittags 8 1/2 Uhr im Rathaussaale zu Schotten statt. Das gilt für die Gemeinden Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Höckersdorf, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach und Laubach."

"Landwirtschaftliche Versammlung in Groß-Eichen: Am Montag den 8. März findet in Groß-Eichen eine Versammlung statt, in welcher Ökonomierat Spieß aus Friedberg einen Vortrag über das Thema "Der deutsche Bauersmann und der Weltkrieg" mit anschließender Besprechung halten wird. Zu der Versammlung, die um 8 Uhr abends im Saale des Gastwirtes Ed. Rahn beginnt, sind alle Freunde der Landwirtschaft eingeladen. Die Versammlung wird in erster Linie für die Gemeinden Groß-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach und Klein-Eichen veranstaltet."

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17. Oktober 1914

Maul- und Klauenseuche

Vor 100 Jahren, im Oktober 1914 ist in Klein-Eichen und Lardenbach die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die beiden Dörfer bildeten einen Sperrbezirk. Einige Tage später in diesem Monat, am 17. Oktober, kamen die Dörfer Merlau und Sellnrod hinzu. Diese Viruserkrankung war lange, gerade bei Landwirten gefürchtete, immer wiederkehrende Seuche beim Vieh. Selbst der Viehmarkt des Grünberger Gallusmarktes fand in dieser Zeit des 1. Weltkrieges wegen der Maul- und Klauenseuche nicht statt.

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Rindern und Schweinen und ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Auch andere Paarhufer wie Rhe, Ziegen und Schafe, aber auch Elefanten, Ratten und Igel können sich infizieren. Pferde sind nicht für MKS anfällig. Eine Infektion des Menschen tritt gelegentlich auf.

Die durch eine Infektion mit dem Virus ausgelöste Maul- und Klauenseuche tritt in der Regel lokal auf und das Virus wird in erster Linie durch Kontakt- wie durch Schmierinfektion bei direktem Kontakt mit infizierten Tieren, mit kontaminierten Pferchen oder Viehtransportfahrzeugen übertragen. Allerdings kann das Virus auch durch die Luft verbreitet werden.

Da Menschen nur sehr selten infiziert werden, die Seuche sich aber unter Tieren äußerst schnell ausbreitet, ist MKS vornehmlich eine gravierende Bedrohung für die Landwirtschaft. Wie diese Erkrankung damals ausging ist leider nicht überliefert.

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01. Dezember 1913

Amtliche Viehzählung 1913

Die zweite amtliche Viehzählung im Kreis Schotten fand im Dezember 1913 statt. Im Gegensatz zu vor einem Jahr gab es in Klein-Eichen 7 Stück Rindvieh mehr, nämlich nun 222. Im Nachbarort Lardenbach steigerte sich die Zahl des Rindviehs deutlicher. Um 73 Stück nahm dort der Bestand auf 354 zu. Von der Gesamtzahl des Rindviehs gab es in Klein-Eichen 129 Kühe. Und in Lardenbach waren es 203 Kühe.

Die Anzahl der Schweine war in beiden Dörfern nur etwas geringer als die des Rindviehs. In Klein-Eichen waren dies 213 Schweine. Mit darunter 12 Zuchtsauen. Damit hatte auch die Stückzahl der Schweine um 16 zugenommen. In Lardenbach gab es vor 100 Jahren 332 Schweine. Inbegriffen 32 Zuchtsauen.

Schafe und Ziegen gab es, genau wie vor einem Jahr, keine in Klein-Eichen. In Lardenbach zählte man immerhin 21 Ziegen. Neu gezählt wurden auch die Kaninchen. Gemeint sind wohl auch die Stallhasen. Jedenfalls gab es davon nur 22 Stück in Klein-Eichen und ganze 100 in Lardenbach.

Leider wurden keine Zahlen über den Bestand der Pferde und des Federviehs veröffentlicht. Der größte Viehbestand im Kreis Schotten war damals in Ulfa zu finden. Hier gab es 839 Stück Rindvieh und 1080 Schweine.

Von der Landwirtschaft gab es aus dieser Zeit weiterhin zu berichten, dass der Bund der Landwirte in Oberhessen Vorträge über "Neuere Grundsätze für die Anwendung der künstlichen Düngemittel" in mehreren Orten abhielt. So auch am 8. Dezember 1913, abends um 8 Uhr, im Gasthof des Friedrich Faust in Groß-Eichen. Hierzu waren alle Mitglieder des BdL sowie alle interessierten Landwirte und Gartenfreunde aus den Ortschaften Ilsdorf, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Höckersdorf, Bobenhausen II, Sellenrod, Klein-Eichen, Lardenbach und Stockhausen eingeladen.

Referiert wurde über die Zweckmäßige Ernährung der Kulturpflanzen. Und da ging es um den Kunstdünger der vor etwas mehr als 100 Jahren entwickelt wurde. Es wurde ein Verfahren gefunden, das die massenhafte Herstellung von Ammoniak ermöglichte. Dieses Verfahren bildete die Grundlagen der Produktion von synthetischem Stickstoff-Dünger, dem sogenannten »Kunstdünger«. So ist beispielsweise in Deutschland die agrarische Produktion zwischen 1873 und 1913 um 90 % gestiegen. Diese Zunahme basierte neben der Mechanisierung der Landwirtschaft und wissenschaftlich begründeter Tierzucht insbesondere auf der Verwendung von bergbautechnisch gewonnenen bzw. industriell hergestellten Düngemitteln.

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02. Dezember 1912

Viehzählung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland nach wie vor ein agrarisch geprägter Staat. Die Zahl der Bauern machte zirka 60 Prozent der Bevölkerung aus. Mehr als die Hälfte wirtschaftete auf einem Parzellenbetrieb, der nicht größer als zwei Hektar war. Dem folgten die Klein- und Mittelbauern, deren Betriebe eine Größe zwischen zwei und 20 Hektar hatten. Zu den Großgrundbesitzern zählten lediglich fünf Prozent aller Höfe. Geografisch wies die landwirtschaftliche Produktionsweise, die als Folge einer generationenübergreifende Erbteilung entstanden war, zwischen Nord und Süd sowie West und Ost große Unterschiede auf. In Hessen wurde die Realteilung praktiziert. Jedes männliche Kind erbte, was zu einer Zersplitterung der Anbauflächen führte. Die Felder wurden immer kleiner und unwirtschaftlicher. Viele Höfe konnten sich gerade noch selbst versorgen. Mancher Bauer hat sich noch andere Arbeit gesucht, meist als Handwerker.

Innerhalb des Dorfes unterschied man die kleine soziale Klasse der Gäulsbauern, die sich Pferde als Zugtiere leisten konnten, von der größeren der Kuhbauern mit weniger Landbesitz und von den Ziegenbauern, die keine Zugtiere hatten. Vor 100 Jahren gab es in Klein-Eichen allerdings keine einzige Ziege. Auch keine Schafe waren zum Ende des Jahres 1912 im Dorf zu finden. Dies belegt eine Viehzählung die am 2. Dezember dieses Jahres im gesamten Kreis Schotten erfolgte. In Lardenbach dagegen waren 21 Ziegen, aber auch keine Schafe vorhanden.

Seit 1874 gehörte Klein-Eichen zum Kreis Schotten. Dieser bestand dann bis 1938. Vor 100 Jahren zählte man etwa 180 Einwohner im Dorf die in 32 Wohnhäuser lebten. Das größere Lardenbach hatte damals ungefähr doppelt so viele Bewohner. Die Landwirtschaft war die Haupterwerbstätigkeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ackerpflug noch von Pferd oder Kuh gezogen, die Saat aus dem Sätuch gesät, die Disteln von Hand gestochen, das Getreide mit der Sense gemäht, die Garben von Frauen eingebunden, die Körner mit dem Dreschflegel ausgedroschen, die Frucht zur Mühle gefahren, das Mehl zu Brot von Hand geknetet, der Backofen angeheizt, usw......
Viele fleißige Hände wurden gebraucht, um die Ernährung zu sichern. Die Viehhaltung forderte einen großen Anteil der Arbeitszeit, vor allem die Stallpflege und die Aufzucht der Jungtiere. Heu und Grummet, Futterrüben und ein Teil der Getreide- und Kartoffelernte lieferten das notwendige Futter.

Im Gegensatz zu der Einwohnerzahl, hatte Klein-Eichen jedoch mehr Pferde, nämlich 16, als das unmittelbare Nachbardorf mit 11 Pferden. Auch bei der Anzahl des Rindviehs war das Verhältnis von 215 (Klein-Eichen) zu 281 (Lardenbach) nicht so weit auseinander. Das Hausschwein fand sich diesseits des Grenzgrabens 197 mal. Auf der anderen Seite zählte man 259 Stück im Dezember vor 100 Jahren. Bis zum Stichtag geschlachtet wurden im Klein-Eichen 67 Schweine. Mit 120 Schweine-Schlachtungen war der Bedarf in Lardenbach fast doppelt so hoch. Hier spiegelt sich wohl die Einwohnerzahl.

Wichtig für die Grundversorgung war auch das Federvieh. Es gibt nur die eine Zahl 590 Stück. Hier sind bestimmt nicht nur Hühner enthalten, sondern auch Gänse und vielleicht auch Enten und Truthähne. Die Anzahl des Federviehs in Lardenbach betrug 861 Stück. Gezählt wurden damals auch die Bienenstöcke. Und das ergab 6 Stück in Klein-Eichen zu 10 Stück in Lardenbach.

Solche Viehzählungen wurden in Deutschland erstmals 1873 durchgeführt. Seit 1912 sind dann jährliche amtliche Ermittlungen des Viehbestandes eingeführt worden. Der Pferde- und Geflügelbestand wird jährlich, der Rindvieh- und Schafbestand wird halbjährlich ermittelt, für Schweine finden vierteljährliche oder monatliche Zwischenzählungen statt.

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27. Juli 1912

Zeitungs-Meldung

Was so alles in der Zeitung stand! Im Grünberger Anzeiger vom 27. Juli 1912 war diese kleine Meldung zu finden. Leider ist nicht bekannt, wem dieses Missgeschick passierte.

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24. Februar 1912

Grubenunfall

Viele Jahre lang war die Landschaft im vorderen Vogelsberg, von Freienseen bis Nieder-Ohmen, geprägt durch große Eisenerztagebaue. Bis in die späten 1960er Jahre war neben Land- und Forstwirtschaft der Bergbau eine der wichtigsten Erwerbsquellen der Bevölkerung. Durch die Entwicklung einer Infrastruktur und der daraus resultierenden kommerziellen Ausbeute der oberhessischen Erzvorkommen, wurde die Not der Landbevölkerung deutlich gelindert. Die Arbeit in der Erzförderung und Aufbereitung stellte eine beachtliche Erwerbsquelle dar. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts waren bis zu 600 Bergleute in den Gruben tätig.

In der Klein-Eichener Gemarkung gab es direkt keine Grube zur Förderung des Eisenerzes. Aber gleich in der Nachbarschaft, wie bei Lardenbach und Stockhausen, wurde im Tagebau aus der Grube Maximus und der Grube Hoffnung Erz gefördert. Erwachsene und Jugendliche arbeiteten dort für einen Durchschnittslohn von 1,60 Mark bis 3,30 Mark pro Schicht. Viele Arbeiter aus den Vogelsbergdörfern mussten bis in das Seenbachtal laufen um hier ihr Auskommen zu finden. Wenn auch für die Grubenarbeiter aus Klein-Eichen der Weg nicht so weit war, so war die Arbeit wohl schwer und auch gefährlich. Wie der "Grünberger Anzeiger" vor hundert Jahren berichtete:

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12. Januar 1912

Reichstagswahl

Die Reichstagswahl 1912 war die Wahl zum 13. Deutschen Reichstag. Sie fand am 12. Januar 1912 statt. Die Stichwahl war am 25. Januar. Es war die letzte Wahl des Reichstags vor dem Ersten Weltkrieg und die letzte im Deutschen Kaiserreich überhaupt.

Auch in den Vogelsbergdörfern wurde damals gewählt. Klein-Eichen gehörte zum Kreis Schotten. Und gehörte demnach auch zu diesem Wahlkreis. Das Wahllokal befand sich wohl beim Bürgermeister. Der war 1912 Christian Hoffmann (heute Haus Loob). Bei 32 Wohnhäusern die es damals im Dorf gab, kann man auch von 32 Familien ausgehen. Wahlberechtigt waren etwas mehr Einwohner. Das Wahlrecht war nämlich allein der männlichen Bevölkerung des Deutschen Kaiserreiches ab einem Mindestalter von 25 Jahren vorbehalten. Ebenfalls nicht wählen durften Militärpersonen, Leute mit eingeschränkter Dispositionsfähigkeit (Behinderte), Leute, die im Jahr vor der Wahl Armenunterstützung erhalten hatten, und schließlich solche, denen die Ehrenrechte aberkannt waren. Durch diese Regelungen waren kaum mehr als zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung wahlberechtigt. Immerhin gab es aber kein Dreiklassenwahlrecht wie im Staat Preußen.

Die Wahlbeteiligung im ganzen Reich lag bei rund 85% und damit etwa so hoch wie bei der Reichstagswahl 1907. Eindeutiger Wahlsieger war die SPD. Sie erhielt etwa 4.250.000 Stimmen (34,8%) und damit so viele wie noch nie zuvor eine Partei bei Reichstagswahlen. Trotz der Verzerrungen durch das Mehrheitswahlrecht und die Benachteiligung durch die seit 1871 unveränderte Wahlkreiseinteilung stellte sie auch zum ersten Mal mit 110 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Nur die Nationalliberale Partei hatte bei den ersten Reichstagswahlen mehr Wahlkreise gewonnen. Zweitstärkste Fraktion wurde das Zentrum mit 91 Abgeordneten, obwohl es weniger als halb so viele Stimmen wie die SPD bekommen hatte. Konservative und Nationalliberale, die die Regierung von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg unterstützt hatten, verloren deutlich an Stimmen und Mandaten.

Der Reichstag war von 1871 bis 1918 das Parlament des Deutschen Kaiserreichs. Der Reichstag verkörperte neben dem Kaiser die Einheit des Reiches. Gemeinsam mit dem Bundesrat übte er die Reichsgesetzgebung aus und besaß die Mitentscheidungsgewalt über das Haushaltsgesetz. Allerdings hatte sich der Reichskanzler dem Reichstag gegenüber nicht zu verantworten. Im Jahr 1871 bestand der Reichstag aus 382, ab dem Jahr 1874 aus 397 Abgeordneten, die in allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl gewählt wurden. Gewählt wurde in Einmannwahlkreisen mit absolutem Mehrheitswahlrecht.

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1911

Wasserleitungsbau

Damals, als Deutschland noch ein Kaiserreich war und noch niemand an den Ersten Weltkrieg dachte, war der Vogelsberg eine karge Region, viele zog es fort, etwa ins Ruhrgebiet, um in den dortigen Zechen Arbeit zu finden. Wer reiste, der nahm die Bahn und deren Streckennetz war damals auch noch dichter im Vogelsberg. Ein übliches Transportmittel war das Fahrrad, wer sich eines leisten konnte, oder man ging auf Schusters Rappen.

Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verbreitete sich der Bau von Wasserleitungen immer mehr auch auf dem Land. Für uns alle ist es selbstverständlich, fließendes Wasser gibt es in jedem Haus und kommt aus dem Wasserhahn.

Aber früher war dies eine technische Neuheit und bis dahin noch nicht selbstverständlich. Vor nun 100 Jahren ist die Wasserleitung in Klein-Eichen und Lardenbach gebaut worden. Das lebenswichtige Wasser holte man bis dahin vom Brunnen vorm Haus. Mit der Hand pumpte man das Nass einige Meter hoch und schleppte volle Eimer in die Küche oder in den Stall zum Vieh.

Nachdem sich der Gemeinderat von Klein-Eichen über die Ausführungen von Wasserleitungen informiert hatte, beschloss dieser am 10. Dezember 1906, dass eine solche "Wasserleitungs-Anlage" für das Dorf gebaut werden sollte. Dabei war der Gemeinderat aber so schlau, dass nämlich die Kosten für vorhergehende Messungen und Untersuchungen, wenn diese denn ohne Erfolg wären, nur zur Hälfte von der Gemeinde zu tragen seien. Die andere Hälfte müsse dann von denjenigen Ortsbürgern bezahlt werden, die eine solche Anlage gewünscht und beantragt hatten.

Daraufhin ist wohl erstmal nicht viel passiert. Denn ein Jahr später, am 15. November 1907, stellt der Gemeinderat fest, dass die Anlage einer "Quellenwasserleitung" nicht ruhen sollte. Sondern auf Antrag der Mehrheit der Bürger sollten weitere Schürfungsarbeiten vorgenommen werden. Diese müssten nach den Bedingungen des Gemeinderatbeschlusses vom Dezember 1906 in der Gemarkung Sellnrod, etwa 2 Kilometer von "hier" entfernt vorgenommen werden.

Wieder ging einige Zeit ins Land. Nun arbeiteten aber die beiden Gemeinden Klein-Eichen und Lardenbach gemeinsam an diesem Thema. Am 16. März 1910 trafen sich Vertreter der beiden Dörfer in Sellnrod mit dem Polizeidiener Heinrich Funk VIII. Die drei Partein schlossen einen Vertrag. Darin ging es um das Vorkaufsrecht für das Gelände auf dem Grundstück Flur XIII N 74 auf dem sich die Quelle "Im See" befindet. Falls hier eine ausreichende Wassermenge gefördert werden könnte, würde die gesamte Quelle nebst dem erforderlichen Gelände für die Quellfassung und Leitungen zu einem Preis von zwölfhundert Mark an die Gemeinden verkauft werden.

Ferner verpflichtete sich Heinrich Funk VIII den Zugang zu den Wasserleitungsanlagen jedem "Gast" zu gestatten und "die Vornahme von Düngungen in der Umgebung der Quellenfassung mit natürlichen oder anderen von der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen für schädlich erklärten Dünger, sowie die Vornahme sonstiger Handlungen die sich auf die Quelle oder die Anlagen ungünstig einwirken könnten, zu unterlassen".

Die Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen verpflichteten sich andererseits, für den Fall, dass eine hinreichende Wassermenge nicht "geschürft" wird eine "Schürfungsentschädigung" von 50 Mark im Jahr zu bezahlen. Dies aber nur für die Dauer von drei Jahren. Das Gelände würde dann wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt.

Und so kam es auch. Die Wassermenge der Quelle im "See" oder am "Seeberg" reichte nicht aus. Auch ein weiterer Versuch Wasser aus einer Quelle "in den Seifen" in der Gemarkung Sellnrod zu erwerben, scheiterte an zu hohen Preisforderungen eben dieser Gemeinde. Im Jahre 1910 kaufte schließlich die Großherzogliche Kulturinspektion Gießen im Auftrag der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen das Quellengebiet bei Wohnfeld für den Preis von etwas über 3000 Mark. Diese Quellen befinden sich zwischen der Hahn- und der Schneidmühle. Die Hauptquelle, der sogenannte "Fritzeborn" gibt nach den erfolgten Messungen alleine schon 80 Kubikmeter Wasser am Tag. Geplant war, mehrere Quellen zusammen zu fassen. Und es wurde die Möglichkeit erwogen, an andere Dörfer Wasser abzugeben. Im Dezember 1910 waren die Planungen in Gießen abgeschlossen worden.

In vielen Dörfern des Vogelsberg wurden in diesen Jahren Wasserleitungen gebaut. So veranstaltete man im Januar 1911 bereits in Weickartshain zur Einweihung der Wasserleitung eine "Tanzbelustigung" in der Wirtschaft Hock. Ebenfalls in Groß-Eichen rechnete man damit, in diesem Jahr den Bau der Wasserleitung vollenden zu können.

Im Sommer des Jahres 1911 waren auch die Arbeiten an der Wasserleitung für Klein-Eichen und Lardenbach in vollem Gange. Die ausführende Firma hieß Paul Nießen und kam aus Höhr im Rheinland. Die Rohrleitungen vom Brunnen bei Wohnfeld (unter Sellnrod verlaufend) und in den Dörfern war schon verlegt. Nun beschäftigte man sich mit den Hausanschlussleitungen. Da dieser Sommer sehr trocken war, ging alles gut vorran. Der Bau des Hochbehälters auf dem Galgenberg wurde bis zum August des Jahres abgeschlossen.

Die Quellfassung wurde von dem Unternehmen Peter Schepp aus Burkhardsfelden ausgeführt. Ursprünglich hoffte man schon in vier Meter tiefe auf den benötigten Kiesboden zu stoßen. Aber letztendlich musste man bis sieben Meter in die Tiefe graben. Vier Brunen wurden bis zum erreichen des Kiesbodens angelegt. Hier ergab sich dann aber auch eine erhöhte Fördermenge: anstatt 100 Kubikmeter pro Tag, ergaben sich 250 Kubikmeter Wasser pro Tag. Lardenbach und Klein-Eichen benötigten damals jedoch nur 45 Kubikmeter Wasser am Tag. Diese hohe Wassermenge beruhigte auch die beiden Müller in der Nachbarschaft. Hatten die doch Bedenken es bliebe nichts mehr für ihre Mühlen übrig.

Probleme machte dagenen zu dieser Zeit die neue Wasseranlage in Weickartshain. Alle Brunnen waren ausgetrocknet. Und so wurde ein Anschluss an die Leitung Klein-Eichen/Lardenbach gelegt. Im September 1911 wurde die Vollendung der Arbeiten zum Bau der Wasserleitung in Lardenbach und Klein-Eichen gemeldet. Vor Ort war man sehr erfreut, dass in diesem so trockenen Jahr, genügend und gutes Wasser vorhanden war.

Im Februar 1912 trafen sich die Ortsvorstände von Lardenbach, Klein-Eichen und Freienseen in der Gastwirtschaft Diehl. Anwesend waren auch der Großherzogliche Kreisrat von Schotten und ein Vertreter der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen. Man beriet die Abgabe von Wasser aus der Wasserleitungsgruppe Lardenbach/Klein-Eichen an die Gemeinde Freienseen. Das Nachbardorf hatte zwar einige kleinere Quellen, aber die geförderte Wassermenge reichte nicht aus. Ob es nun damals zu diesem Anschluss kam, muss der Verfasser des Textes noch in Erfahrung bringen.

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1910

Ortslageplan

Bei der Suche nach Informationen über Klein-Eichen aus vergangenen Tagen fand sich im Grünberger Rathaus dieser alte Plan über die Ortslage des Dorfes. Die Zeichnung wurde etwa um das Jahr 1910 erstellt, um die neue Wasserversorgung für Klein-Eichen und Lardenbach zu planen. Bekanntlich wurde 1911 der Hochbehälter auf dem Galgenberg erbaut, und seit dieser Zeit fließt das Wasser von dem Brunnen bei Wohnfeld bis auf den Galgenberg und dann ins Leitungsnetz der zwei Dörfer.

In der Karte ist nun die Verzweigung der Wasserleitungen entlang des Straßenverlaufes zu sehen. Interessanter ist allerdings nachzuverfolgen welche Gebäude zu erkennen sind. Dabei sind die Wohnhäuser in roter Farbe und die Wirtschaftsgebäude in brauner Farbe dargestellt. Wenn man genau guckt, erkennt man die 32 Wohnhäuser die damals im Dorf standen. An der "Whet" steht schon das Feuerwehrgerätehaus, und an der Kreuzung im "Hinterdorf", das Bauwerk an der Straße wo heute die Kastanie bei Gerbigs Haus steht, ist das Leiterhaus der Feuerwehr zu sehen.

Auffallend sind auch die kleinen Parzellen der Gärten, Wiesen und Äcker rund ums Dorf. Die Feldwege und die Aufteilung der Flurstücke wie wir sie heute haben, entstanden erst mit der Feldbereinigung um das Jahr 1950.
Im Jahre 1910 hatte Klein-Eichen 174 Einwohner. In Lardenbach wohnten mit 356 mehr als doppelt soviele Einwohner. Beide Dörfer gehörten damals dem Kreis Schotten an.

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15. November 1907

Gemeinderatssitzungen 1907

Aus dem Gemeinderats-Protokollbuch Klein-Eichens geht hervor, dass im Jahre 1907 nur zwei Sitzungen abgehalten wurden. Die erste fand am 13. April statt. Hierbei wurde zwischen dem Gemeinderat von Klein-Eichen und Karl Funk von Lardenbach folgender Vertrag abgeschlossen: "Der Gemeinderat überlässt dem Karl Funk von Lardenbach das Grundstück Flur IV Nr 218 (1400 qm) Wüstung Galgenberg auf sechs Jahre unentgeltlich unter der Bedingung, dass Funk das Grundstück in Culturmäßigenstand, nämlich als Ackerland, herstellen muß. Nach diesen sechs Jahren soll und will Funk das Grundstück noch weitere sechs Jahre, vom 31. September 1912 bis zum 31. September 1918 in Benutzung haben (Anm. es gibt nur den 30. September). Funk verspricht aber, jährlich die Pachtsumme von von fünf Mark an die Gemeindekasse zu zahlen. Diese ist auf Weihnachten jeden Jahres fällig - erstmals auf Weihnachten 1913."

Ebenfalls in dieser Sitzung am 13. April 1907 (das war ein Samstag) hat man sich über die Versicherung des Mobiliars der Gemeinde gegen Feuerschäden unterhalten. Dazu heißt es im Protokoll: "Nachdem der Gemeinderat in gesetzlicher Anzahl erschienen ist, wurde demselben die Großherzogliche Kreisamt-Verfügung über Versicherungen in Vorlage gebracht. Nach Kenntnisnahme erklärt der Gemeinderat: Wir beantragen die Versicherung des Gemeindeinventars, auch der Feuerlöschgeräte an der Brandstätte - mit Ausnahme der Feuerspritze - und möchten auch das gesamte Spritzenhausinventar von der Versicherung ausgeschlossen lassen. Denn das Spritzenhaus ist außerhalb des Ortes bei dem Gemeindeteich erbaut. Wo kaum anzunehmen ist, dass dasselbe abbrennen könnte.

Die zweite Sitzung im Jahre 1907 fand dann am Freitag, dem 15. November statt. Zu Punkt 1 der Tagesordnung wurde damals beschlossen, von der Vertilgung der Feldmäuse in einem gemeinschaftlichen Vorgehen abzusehen, weil jeder Ortsbürger und Landwirt dies bereits schon erledigt. Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurde beschlossen zur Festsetzung des ortsüblichen Tagelohns eines gewöhnlichen Tagearbeiters keine Änderungen vorzunehmen. Zu Punkt 3 äußerte sich der Gemeinderat zur Quellenwasserleitungsanlage. Hierzu sollen die Arbeiten nicht ruhen. Auf Antrag einer Mehrheit der Bürger sollen weitere Schürfungsarbeiten in der Gemarkung Sellnrod vorgenommen werden. Dabei sollen die Bedingungen des Gemeinderatbeschlusses vom 10. Dezember 1906 berücksichtigt werden. Im letzten Tagesordnungspunkt beschloss man das gemeinschaftliche Gelände die Steinwiese dem Christian Hoffmann als Bauplatz abzutreten. Der Preis dafür soll später festgelegt werden.

Unter jedem Protokoll heißt es dann: Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben. Bürgermeister zu dieser Zeit war Wilhelm Heinrich Müller (Großvater von Albert Müller und Urgroßvater von Walter Müller). Als Beigeordnete des Gemeinderates haben fünfmal Zimmer unterschrieben. Desweiteren finden sich die Namen Hofmann, Felsing, Eckhardt, Mölcher und Krieger unter den Protokollen.

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