Petroleumnot 1916

Eine wahre Wohltat ist für unsere Landbevölkerung die Beseitigung der Petroleumnot. Zum erstenmal seit einem Jahre sind in den Häußern der Heimarbeiter und Landwirte die Petroleumgefäße wieder gefüllt. Dabei ist der Preis bedeutend gesunken, sodaß er sich dem früher gewohnten Preise nähert.

Die Qualität des sich jetzt im Handel befindlichen Steinöls ist auch besser, als diejenige des vorjährigen, rumänischen. Nur ist der Geruch des brennenden Oeles etwas stärker, als des amerikanischen, ein Umstand, den man aber gern in Kauf nimmt.

Merkwürdig ist die Tatsache des Vorzuges, den man allgemein doch dem Petroleumlicht vor dem Karbidlicht gibt. Wenn Petroleum erhältlich, da erlischt das Karbidlicht. Durch die ungemeine Preissteigerung des Karbids stellt sich dieses auch teurer als Petroleum. (19. Januar 1916)

 

Die Jugend 1916

In einer Gemeinde unseres Kreises (Schotten), in der sich die Jugend wie überall durch ihr Benehmen auszeichnet, das im schroffsten Gegensatz zum Ernst und zu der Größe der Zeit steht, hatte sich die Jugend den Spaß gemacht, nach ihrer Gewohnheit in der Neujahrsnacht einen Haufen Scheiter umzustoßen. Da der oder die Täter nicht festgestellt werden konnten, wurde den betreffenden Bengeln auf der Bürgermeisterei eröffnet, daß alle in dem Falle bestraft würden, wenn sie nicht die Täter namhaft machten. (19. Januar 1916)

 

Schlachtverbot 1916

Die Großherzogliche Regierung hat die Erweiterung des Schlachtverbotes angeordnet und folgendes verfügt: Um die künftige Versorgung der hessischen Städte mit Fleisch-, Milch- und Vieherzeugnissen zu schützen und zu vermeiden, daß Jungvieh und Milchkühe zur Schlachtung in Hessen angekauft und außer Landes gebracht werden, ist der Verkauf und das Schlachten von Milchkühen und jungen Rindern bis zu zwei Jahren verboten.

Ausnahmen sind nur im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses von den Kreisämtern zuzulassen. Das Schlachten von eingeführten Tieren ist erlaubt. Die Ausführung von Großvieh, Kälbern und Schweinen ist nur mit besonderen Erlaubnisscheinen durch die Kreisämter zuzulassen. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. (27. Januar 1916)

 

Salat und Wachstum 1916

Ein sehr schätzenswerter Wintersalat um diese Zeit bildet der Feldsalat, den man hier gewöhnlich "Nüsserchen" nennt. So reichlich wie in diesem Winter war der Feldsalat im letzten Jahrzehnt nicht gediehen.

Dem voreiligen Wachstum der Vegetation im Januar setzt jetzt der Februar gleich einen Dämpfer auf in Gestalt von Schnee und Eis. Das Wachstum wollte sich zu früh hervorwagen. Besser der Februar wintert als der März. Schon standen die Haselsträucher im Schmuck der Märzlämmchen. Damit geht der für die Binen so wichtige Blütenstaub unbenutzt vorbei. (2. Februar 1916)

 

Ersatzwahlen 1916

In fast allen Städten und Landgemeinden des Großherzogtums Hessen hätten nach den gesetzlichen Vorschriften im Jahre 1916 Ersatzwahlen stattzufinden. Da sich aber die größte Zahl der Wahlberechtigten im Felde befinden, sollen die Wahlen durch ein besonderes Gesetz bis zur Beendigung des Krieges verschoben werden, wie dies bereits bezüglich der hessischen Landtagswahlen geschehen ist. Die gesetzlich am 1. Januar 1917 erlöschenden Mandate der Stadtverordneten- und Gemeinderatsmitglieder sollen bis zur rechtsgültigen Ersatzwahl verlängert werden. (3. Februar 1916)

(Grünberger Anzeiger)

 

 
 
Lardenbach
Erzbergbau, 1. März 1916
 

 

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