29. Dezember 1956

Straßeneinweihung 1956

Im Saale Diehl in Lardenbach fand (Dezember 1956) in Anwesenheit zahlreicher Gäste eine Feier aus Anlaß der Fertigstellung der Verbindungsstraße Lardenbach/Klein-Eichen und Sellnrod statt.In seiner Ansprache dankte Bürgermeister R. Mölcher allen beteiligten Stellen und besonders der Baufirma mit ihren Arbeitern für die geleistete Arbeit, durch die endlich ein Notstand im Straßennetz der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen beseitigt worden sei.

Die weiteren Redner wiesen auf die Bedeutung guter Straßen und die Notwendigkeit der Bereitstellung weiterer Mittel für den Straßenbau hin, der noch auf Jahre hinaus in den Aufgabenbereichen der verantwortlichen Körperschaften eine vorrangige Bedeutung einnehmen müsse. Ein gemütliches Beisammensein beschloß die Einweihungsfeierlichkeiten.

Übrigens wurde im Winter 1956/57 die Straße von Groß-Eichen nach Sellnrod für die Zeit des "Frostaufgangs" für Fahrzeuge aller Art gesperrt.
Und das noch: Seit dem 1. Juli 1956 ist für den Landkreis Gießen das Kennzeichen ("Unterscheidungszeichen") "GI" gültig.

(fp/ew)

 
16. Dezember 1956

Heimatabend der Landjugend

Die Landjugend der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen und einiger umliegender Ortschaften veranstaltete (Dezemeber 1956) im Saale Diehl einen wohlgelungenen Dorf- und Heimatabend. In Anwesenheit von Geschäftsführer Berk vom Kreisbauernverband rollte ein reiches und unterhaltsames Programm über die Bühne. Die zahlreichen Besucher, unter ihnen auch viele Auswärtige, zollten den Darbietungen der Landjugend die verdiente Anerkennung.

Die Jugendverbände der Landjugend wurden deutschlandweit zu Beginn der 1950er Jahre als Jugendorganisationen des Deutschen Bauernverbandes (Kreisbauernverband) gegründet. Brauchtumspflege, kulturelle Jugendarbeit und die Förderung der dörflichen Gemeinschaft traten als Zielsetzungen der Landjugend-Organisationen rasch neben die Aus- und Weiterbildung in land- und hauswirtschaftlichen Bereichen.

(fp/ew/wiki)

 
26. November 1956

Straßenbauarbeiten

Seit einiger Zeit (November 1956) sind Instandsetzungsarbeiten an der in äußerst schlechtem Zustand befindlichen Strecke Klein-Eichen - Sellnrod im Gange. Eine neue Asphaltdecke beseitigt einen dringenden Notstand im Straßennetz der Kreise Gießen und Alsfeld. Große Teile der neuen Straße sind bereits fertiggestellt. Mit dem Abschluß der Arbeiten ist in Kürze zu rechnen.

Im weiteren Verlauf bietet nun die Ortsdurchfahrt Lardenbach das Bild einer den Erfordernissen des modernen Verkehrs angepassten Straße mit gerader Linienführung und Bürgersteigen. Es wäre zu wünschen, dass die wegen der beschränkten finanziellen Mittel noch nicht begonnenen Straßenbauarbeiten an der Reststrecke baldigst im Interesse aller Verkehrsteilnehmer aufgenommen werden könnten. Vorerst konnte die neue Straße nur bis zur Abzweigung nach Groß-Eichen ausgebaut werden.

(fp/ew)

Fotos

 
28. Oktober 1956

Kommunalwahl

Mit 81 Prozent war die Wahlbeteiligung der Bevölkerung an den Wahlen zum Kreistag Gießen beträchtlich höher als in der Stadt Gießen. Auch hier wurde die SPD die stärkste Partei und sicherte sich mit 25 263 Stimmen drei weitere Sitze zu ihren seitherigen 15 Sitzen. Einen Rückschlag erlitt der GB/BHE, der Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten hat von seither acht Sitzen bei 8812 für diese Partei abgegebenen Stimmen zwei Sitze eingebüßt. Der Zusammenschluß von CDU, FDP, FVP und Landvolk konnte den Einbruch der SPD in die geschlossene Front nicht verhindern. Mit 16 216 Stimmen, die der Gemeinschaftsliste nun 12 Sitze einbringen, ist das erstrebte Ziel keineswegs erreicht worden.

Bei diesen Kommunalwahlen am 28. Oktober 1956, die bei Bürgermeister Eckhardt abgehalten wurden, waren 139 Bürgerinnen und Bürger Wahlberechtigt. Bei einer ungültigen Stimme waren 79 Stimmen als Gültig zu verzeichnen. Davon entfielen auf die SPD 18 Stimmen. Die GB/BHE erhielt 10 Stimmen. Die Wahlgruppe aus CDU, FDP, FVP und Landvolk erhielten 50 Stimmen. Eine Stimme entfiel auf das "Überparteiliche Landvolk".

In Lardenbach waren 314 Wahlberechtigte registriert. Bei ebenfalls einer ungültigen Stimme waren 160 gültig. Davon erhielt die SPD 62 Stimmen. 39 Stimmen gingen an die GB/BHE. CDU/FDP/FVP/Landvolk kamen auf 55 Stimmen. Und vier Stimmen erhielt das "Überparteiliche Landvolk".

Außer den Abgeordneten für den neu zu bildeten Kreistag wurden an diesem Sonntag in den Gemeinden des Kreises Gießen auch die Vertreter für die Gemeindeparlamente gewählt. Auch hier waren in Klein-Eichen 139 Wahlberechtigte zu verzeichnen. Ganze neun Stimmen mussten als ungültig eingestuft werden. Und alle 69 gültigen Stimmen vereinte die Liste "Christliches Landvolk" auf sich. Das bedeutet auch, alle 5 Sitze im Gemeinderat wurden mit Mitgliedern dieser Liste besetzt. Diese waren: Karl Volp, Heinrich Zimmer, Erich Funk, Albert Müller und Wilhelm Eckhardt.

(fp/o.sch.)

 
18. August 1956

Protest gegen Bundesbahn-Planung

Die Bürgermeister der an der Bahnstrecke Mücke-Hungen gelegenen Gemeinden befassten sich am Samstagvormittag (18. August 1956) in Laubach mit den Planungen der Bundesbahn, den Verkehr auf der Strecke Hungen-Mücke oder der Teilstrecke Mücke-Laubach von der Schiene auf die Straße zu verlegen. In einem Schreiben an den Präsidenten der Bundesbahndirektion, das in Kopien auch an den hessischen Wirtschaftsminister Franke, an die Industrie- und Handelskammer, an die Kreisverwaltung und an verschiedene Bundestags- und Landtagsabgeordnete geschickt wurde, erhoben sie Protest gegen diese Planungen und meldeten zugleich ihre Forderungen an, falls man trotz ihrer Bedenken zum Omnibusverkehr übergeht.

Die Bürgermeister verweisen vor allem darauf, dass ein Omnibusverkehr den Reisenden viele Erschwernisse bringen werde. Vor allem würde, bedingt durch die schlechten Straßenverhältnisse und die schwierigen Ortsdurchfahrten, eine Verlängerung der Fahrzeiten und eine Erhöhung der Fahrtkosten eintreten. Weitere Unbequemlichkeiten würden sich dadurch ergeben, dass keine Fahrkarten für größere Entfernungsziele gelöst werden könnten und dass nun immer ein Umsteigen notwendig würde, während seither einige Zugpaare von Laubach bis Friedberg und Alsfeld durchgingen. Vor allem müsse der Berufsverkehr gesichert werden, wobei zu bedenken sei, dass die Betriebe in Laubach allein 400 Pendler beschäftigen, die aus dem an der Strecke Hungen-Laubach liegenden Gebiet kommen.

Für den Fall, dass die Strecke Laubach-Mücke dennoch umgestellt würde, fordern die Bürgermeister, dass ein Teil der Busse auch die etwa zwei Kilometer von der Bahnlinie entfernten Orte Lardenbach und Gonterskirchen anfahren. Bei einer Umstellung der Gesamtstrecke wünschen sie, dass ein Teil der Omnibusse die normale Straßenstrecke Laubach-Ruppertsburg-Villingen benutzt, wobei der Gemeinde Wetterfeld der Anschluß verloren ginge. Deshalb schlagen sie vor, dass ein anderer Teil der Busse direkt von Laubach über Lich nach Gießen fährt, wobei außer Wetterfeld auch die Gemeinden Röthges und Nonnenroth angefahren werden können und die Unbequemlichkeiten des Umsteigens von den Omnibussen in die Bahn vermieden werden.

Durch eine solche Linienführung wäre außerdem gesichert, dass bei Münster und Ober-Bessingen kein Konkurrenz-Unternehmen zur Butzbach-Licher-Eisenbahn entstünde. Auf dieser direkten Strecke sollten nach Ansicht der Bürgermeister täglich mindestens vier Omnibusspaare fahren, und auch die Strecke Schotten-Laubach-Gießen, die gegenwärtig zweimal in der Woche von einem Omnibusunternehmer im Auftrag der Bundesbahn befahren wird, sollte täglich befahren werden, die deshalb so bedeutungsvoll sei, weil in der spitzen Kurve der Ortsdurchfahrt Villingen kaum ein Omnibus mit Anhänger fahren könne.

Die Eingabe wurde von den Bürgermeistern der Gemeinden Laubach, Villingen, Wetterfeld, Gonterskirchen, Freinseen, Stockhausen, Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain, Nonnenroth, Röthges und Ruppertsburg unterzeichnet.

(gaz)

 
17. April 1956

Problem Abwasserbeseitigung

In einem Interview der Gießener Freien Presse im April 1956 äußerte sich Landrat von Schwerin zu einem großen Problem aller Kreisgemeinden und der Kreisverwaltung für die nächsten Jahre. Es geht um die Beseitigung der Abwässer. Die Verschmutzung der Bäche und Flüsse habe ein Ausmaß angenommen, die vom hygienischen wie vom naturkundlichen Standpunkt nicht mehr zu verantworten sei. Wenn man bedenke, dass um die Jahrhundertwende im Kreisgebiet die ersten Wasserleitungen gebaut wurden und im Jahr 1956 immer noch drei Gemeinden, nämlich Stockhausen, Weitershain und Ober-Hörgern, keine zentrale Wasserversorgungsanlage haben, könne man ermessen, wie lange es dauern werde, bis die viel kostspieligere Abwasserbeseitigung überall gelöst sei.

Man habe vor einiger Zeit mit der Gründung eines Abwasserverbandes Lauter-Wetter unter der Beteiligung der Stadt Laubach und den Gemeinden Wetterfeld und Lauter einen Anfang machen wollen, sei jedoch dann bei der Projektierung auf Summen gekommen, die von den Gemeinden selbst nicht aufgebracht werden können. Die einzige Gemeinde im Kreis, die mittlerweile wenigstens die wichtige Frage der mechanischen Klärung gelöst habe, sei die Stadt Lich. Deren Kläranlage wird in den nächsten Wochen eingeweiht.

Zu bedenken sei außerdem, dass viele Gemeinden im Kreis noch nicht einmal über eine Kanalisation verfügen. Von allen 85 Gemeinden im Kreis haben nur 29 Gemeinden eine vollwertige Kanalisation. Ohne Kanalisation sind jetzt unter anderem noch die Gemeinden Beltershain, Freienseen, Klein-Eichen, Lumda, Reinhardshain, Reiskirchen, Stangenrod und Arnsburg. Eine Teilkanalisation besteht unter anderem in den Gemeinden Geilshausen, Gonterskirchen, Harbach, Kesselbach, Lardenbach, Lauter, Queckborn, Weickartshain und Wetterfeld. Interessant ist, dass in Weitershain eine ordnungsgemäße Kanalisation besteht, während sich die Bewohner noch aus Hausbrunnen mit Wasser versorgt.

Ein Plan zur langfristigen Lösung der Abwasserfrage sei, so der Landrat, ausgearbeitet. Dieser sei jedoch bisher auf wenig Gegenliebe bei den Geldhäusern gestoßen. Von Schwerin glaube, dass es möglich sein müsse, dass sich die Gemeinden einer Baugenossenschaft anschließen sollten, um die Mittel für Kläranlagen anzusparen.

(GFP)

 
09. März 1956

Generalversammlung des MGV

Der Männergesangverein "Eintracht" Lardenbach - Klein-Eichen hielt seine Generalversammlung ab (März 1956). Der 2. Vorsitzende, August Sauer, gab einen kurzen Rückblick. Außer an dem Wertungssingen nahm der Verein an einem Treffen der Chorgruppe Nicolai auf dem Schiffenberg teil. Drei Sangesbrüder wurden zu Grabe getragen, darunter der langjährige Vorsitzende Karl Dietrich, der bei der letzten Generalversammlung inmitten seiner Sänger einem Herzschlag erlegen war.

Dem Gesamtvorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Bei der Neuwahl wurde August Sauer einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Karl Biedenkopf. Der seitherige Rechner Ernst Kratz stellte sein Amt wegen Überlastung zur Verfügung. An seine Stelle trat Albert Roth.

Willi Momberger wurde für seine 30jährige Schriftführung eine Urkunde des Hessischen Sängerbundes überreicht. Im laufenden Jahr nimmt der Verein teil am Stiftungsfest des Gesangvereins Oppenrod. Chorleiter Ernst Nicolai gab zum Schluß seiner Freude Ausdruck über den guten und regelmäßigen Besuch der Übungsstunden, besonders durch die Jugendlichen.

(lk/FP)

 
01. November 1955

Fast ein halbes Jahrhundert im Postdienst

Wegen Überschreitung der Altersgrenze legte der hiesige Posthalter, Karl Völsing, am 1. November 1955 sein Amt nieder. Mit ihm geht ein überaus pflichttreuer Beamter in den Ruhestand. Im März 1907 übernahm er als junger Mann die damalige Posthilfsstelle in Lardenbach und führte sie seitdem ununterbrochen.

Durch sein stets zuvorkommendes, hilfsbereites und korrektes Wesen erwarb sich Posthalter Völsing die Achtung seiner vorgesetzten Dienststelle und der Postkundschaft. Von alt und jung wird er der "Postkarl" genannt, ein Zeichen besonderer Wertschätzung. Ihm ist sein einziger, hoffnungsvoller Sohn im Krieg gefallen, so dass die Post jetzt in andere Hände übergeht.

(HZ/z)

Fotos

 
30. August 1955

Volksschule musste ausgebessert werden

Die Instandsetzung der hiesigen Volksschule ist beendet (August 1955). Der Unterricht kann wieder voll aufgenommen werden. Erst 1951 von der Schulgemeinde Lardenbach/Klein-Eichen erbaut, zeigte der dreiklassige Bau schon derart erhebliche Mängel, dass größere Reparaturen während der Sommerferien vorgenommen werden mussten. Die Verankerung übernahm Schmiedemeister Heinrich Dörr II. aus Lardenbach. Die Maurer und Verputzarbeiten führten Otto Böning (Freienseen) und Karl Graulich (Ilsdorf) aus.

(GA/z)

 
01. August 1955

Lehrer zum Ehrenbürger ernannt

Der allseits beliebte und geschätzte Leiter der hiesigen Volksschule, Lehrer Karl Becker, tritt am 1. August 1955 in den Ruhestand, nachdem er fast 47 Jahre, darunter allein hier 36 Jahre, im Dienst der Schule stand. Aus diesem Anlaß fand sich die gesamte Schulgemeinde Lardenbach und Klein-Eichen zusammen, um in einer schönen Feier die einmaligen Verdienste dieses Erziehers zu würdigen.

Die Feier wurde umrahmt von Liedern der Schulkinder und des Männergesangvereins "Eintracht". Bürgermeister Eckhardt (Klein-Eichen) überreichte als Sprecher der ganzen Schulgemeinde ein Geschenk. Dann verlas Bürgermeister Mölcher (Lardenbach) eine Urkunde, in der die Gemeinde Lardenbach Lehrer Becker "in dankbarer Anerkennung seiner 36jährigen vielseitigen hervorragenden Tätigkeit zum Wohle unserer Gemeinde" zum Ehrenbürger ernennt.

Für den Männerchor, den Herr Becker kurz nach dem ersten Weltkrieg neu gründen half, sprach der Vorsitzende, August Sauer, Worte des Dankes, für die Kirchengemeinde tat dies Pfarrer Repp.

Lehrer Becker hat in den vielen Jahren in unermüdlicher Schaffenskraft sich nicht nur die Liebe seiner Schüler, sondern darüber hinaus die Symphatien der gesamten Schulgemeinde erworben. Sein Wirken stand stets unter dem Leitwort "Erziehung ist Beispiel und Liebe". So war denn die Feier nicht eine Feier um des Feierns willen, sondern eine Kundgebung der Herzen.

Lehrer Becker dankte in bewegten Worten für all das Schöne und Liebe, was der Abend gebracht hatte und gab besonders der Hoffnung Ausdruck, dass sein Nachfolger, Lehrer Karl Henß, getragen vom Vertrauen der ganzen Elternschaft, ein neuer langjähriger Freund unserer Kinder werde.

(GA/Z)

Fotos

 
19. Juli 1955

Wertungssingen des Ohm-Lumdatal-Sängerbundes

Zum dritten und letzten Teilwertungssingen des Ohm-Lumdatal-Sängerbundes trafen sich die restlichen der 48 Bundesvereine in Lardenbach (Juli 1955). Wertungsrichter Bruno Stürmer (Frankfurt) gab nach Beendigung der Chorvorträge in seiner fast einstündigen öffentlichen Kritik grundsätzliche Anleitungen zum Chorgesang. Bundeschormeister W. Daupert (Ulrichstein) ließ es an Worten des Dankes nicht fehlen. Nach Abschluß des Wertungssingen auf Bundesebene qualifizierten sich Vereine der Frauenchöre, Gemischte Chöre und Männerchöre zum Ausscheidungssingen und Bundeschorfest.

Auf dem Schulhof traf sich die stattliche Sängerschar zu einer eindrucksvollen Sängerkundgebung. Der 2. Vorsitzende des Bundes, Wißner (Kesselbach), gedachte des im Januar während einer Gesangsstunde plötzlich verstorbenen langjährigen Vorstandsmitglieds des Sängerbundes, Dietrich (Lardenbach).

Bruno Stürmer überbrachte die Grüße des Hessischen Sängerbundes und hob die Vedienste der Sänger Leonhard Wißner (Kesselbach), Wilhelm Dietz (Kesselbach) und August Sauer (Lardenbach) hervor, welche 50 Jahre aktiv dem deutschen Chorwesen die Treue hielten. Er überreichte den Jubilaren die goldene Ehrennadel mit Diplom. Mit dem Deutschen Sängergruß und einem Massenchor dankte die Sängerschaft den Jubilaren.

Der 1. Vorsitzende des Gesangvereins Lardenbach/Klein-Eichen, August Sauer, dankte allen, die zum Gelingen des Tages beigetragen hatten und gedachte in kurzen Worten des 70jährigen Bestehens seines Vereins.
Ein Tänzchen brachte den Abschluß des Sängertreffens.

(FP)

 
03. Juli 1955

Kirchliche Wahlen 1955

Am Sonntag, dem 3. Juli 1955 fand in der evangelischen Kirche (Groß-Eichen und Klein-Eichen) die Wahl der kirchlichen Körperschaften statt. Zu Kirchenvorstehern gewählt wurden: Fritz Ebell, Erziehungsassistent i.R.; Georg Peter I., Landwirt; Karl Peter II.; Erwin Schmidt, Landwirt; Georg Zimmer, Landwirt und Wilhelm Eckhardt, Bürgermeister von Klein-Eichen.

Zu Kirchengemeindevertretern gewählt wurden: Karl Merz II., Landwirt; Ernst Lang, Landwirt; Eduard Reining, Zimmermann; Heinrich Steuernagel, Bergmann i.R.; Heinrich Rühl III., Bergmann und Karl Volp, Landwirt aus Klein-Eichen.

Die Wahl dieser Kirchenvorsteher und Kirchengemeindevertreter gilt für die nächsten sechs Jahre. Sobals die Prüfung der Wahlakten abgeschlossen ist, werden die Herren in ihr Amt eingeführt.

(GA)

 
07. Juni 1955

Chorgruppe auf großer Fahrt

Seit 1922 bestehen freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Gesangverein "Sängerkranz" Grünberg und ehemaligen ausgewiesenen Bahnbeamten aus Ingelheim a. Rh., die in den Tagen des "Ruhrkampfes" nach Grünberg evakuiert waren. Mehrere von diesen Ingelheimern gehören dem dortigen Männergesangverein an. So kam es, dass der Grünberger Gesangverein und darüber hinaus die gesamte Chorgruppe Ernst Nicolai zur 70-Jahrfeier der "Einigkeit" am Samstag (Juni 1955) für zwei Tage mit einem Sonderzug der Bundesbahn nach Ingelheim fuhr.

An der Fahrt nahmen teil: die Gesangvereine Lardenbach/Klein-Eichen, Grünberg, Lauter, Großen-Buseck, Hausen und das Harmonikaorchester des Dirigenten sowie viele Angehörige der Sänger und Freunde des Gesanges. Bei herrlichem Sonnenschein setzte sich der Zug um 15.45 Uhr ab Mücke in Bewegung. Auf dem Bahnsteig 4 in Gießen erklang zur Freude aller Reisenden ein von 180 Sängern gesungener Chor. Kurz nach 19 Uhr traf der Zug in Ingelheim ein.

Nach kurzer Begrüßung durch den Festvorsitzenden und der Weinkönigin der Rotweinstadt gab es ein musikalisches Ständchen. Beim Kommers im Festzelt wirkten die Chorgruppen der Dirigenten Fischer, Knab und Nicolai mit. Großartige Darbietungen erfreuten die Hörer. Mitunter sangen 320 Sänger und Sängerinnen mit Orchester oder 180 Sänger zur Begleitung von 22 Akkordeonspielern. Gerade die oberhessische Chorgruppe erntete starken Beifall.

Der rührige Verkehrsverein Ingelheim hatte jedem Gast, der darauf Wert legte, ein Zimmer besorgt. Die jungen Sänger freilich feierten durch bis zum Morgen und statteten dem Rhein einen Besuch ab. Am Sonntag früh fand ein Wertungs- und Freundschaftssingen im Zelt und der Turnhalle statt. Ab 16 Uhr folgte ein Konzert der Gastvereine.

Diese Fahrt war ein Erleben! Oberhessischer und rheinischer Humor standen einander in nichts nach. Freundschaft und Kameradschaft wurden bei schönem Sommerwetter und gutem Wein gefördert. Dank gebührt allen Mitfahrern, die durch ihr einwandfreies Benehmen unsere Heimat ehrten. Dank aber auch dem Dirigenten Ernst Nicolai, der in unermüdlicher Schaffenskraft Chöre geschaffen hat, die einen sehr guten Eindruck hinterließen. Auf der Heimfahrt herrschte im Sonderzug weiter beschwingte Fröhlichkeit.

(HZ)

 
8. Mai 1955

Weihe der St.-Anna-Kapelle

Die Wurzeln der Pfarrgemeinde St. Anna liegen in der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte. 1946 kamen viele Sudeten-Deutsche auch nach Weickartshain und die umliegenden Dörfer. Sie waren durchweg Katholiken. Die Heiligen Messen durften dank des Entgegenkommens der Pfarrer in den evangelischen Kirchen gefeiert werden.

1954 bot die Gruben-Gewerkschaft "Luise" ihr Haus im Weickartshainer Ortsteil Seenbrücke, das früher als Verwaltungsgebäude und Magazin diente, zum Verkauf an. Der damalige Seelsorger von Grünberg, Pfarrer Schütz, empfahl der Bischöflichen Behörde in Mainz den Ankauf des Gebäudes. Im Dezember erwarb die Diözese das Gebäude nebst dem dazugehörenden Grundstück für 16.000 Mark.

Die Schwierigkeiten der seelsorgerischen Betreuung in der Diaspora (Gebiet, in dem eine konfessionelle oder nationale Minderheit lebt) waren auch im Vogelsberg alltäglich. Pfarrer Schütz wollte auf der Seenbrücke die sich ergebende Chance nutzen und hier einen religiösen Mittelpunkt schaffen, um den katholischen Gläubigen der umliegenden Orte eine günstigere Möglichkeit zum Besuch des Gottesdienstes zu geben.

Im folgenden Jahr wurde der Lagerraum zu einer schmucken Kapelle umgestaltet - zum großen Teil in Eigenleistung. Eine Empore sowie die Fenster aus einem alten Kloster in Nordhessen wurden eingebaut. Die alten Kirchenbänke aus der ehemaligen Schlosskapelle in Grünberg und der Holzaltar waren die vorläufige Ausstattung.

Nun hatten die etwa 550 Katholiken aus Weickartshain-Seenbrücke, Lardenbach, Klein- und Groß-Eichen, Stockhausen, Freienseen, Altenhain, Wohnfeld, Sellnrod sowie Höckersdorf ihre eigene Kirche. In Anwesenheit zahlreicher geistlicher Herren und einer großen Schar von Gläubigen, die aus Grünberg und den Filialorten nach Seenbrücke gekommen waren, begann am Sonntag (8. Mai 1955) um 10 Uhr die Weihe nach dem feierlichen Ritus. Pfarrer Zimmermann hieß den Domkapitular als den Vertreter des Bischofs willkommen und sprach allen, die das frühere Verwaltungsgebäude zu einem würdigen Gotteshaus umgebaut hatten, seinen aufrichtigen Dank aus.

Gegen 400 Gläubige standen dicht gedrängt in der Kapelle und folgten andächtig den Worten des Festpredigers und der heiligen Handlung. Der Grünberger Kirchenchor unter Leitung von Frau Watzlawick sang die vielstimmige "Deutsche Messe" von Michael Haydn. Zum anschließenden Essen hatte Pfarrer Zimmermann die hochwürdigen Herren sowie die Ehrengäste mit Bürgermeister Trüller von Weickartshain und die Herren des Kirchenstiftungsrates geladen. Dabei sprach u. a. der evangelische Geistliche Pfarrer Repp von Lardenbach der katholischen Gemeinde seine Glückwünsche aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das gute Einvernehmen unter den hiesigen Christen auch weiterhin lebendig bleibe.

(HZ)

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09. März 1955

50 Jahre Laubacher Pferdeversicherungsverein

In einer Versammlung des Laubacher Pferdevericherungsvereins, der 1954 in seinem Jubiläumsjahr 146 Mitglieder mit 214 versicherten Pferden und einer Versicherungssumme von 138.000 Mark umfaßte, gab Heinrich Schmidt einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins.

Bald nach der Gründung des Vereins am 17. November 1904 schlossen sich den Laubacher Mitgliedern auch die Pferdefreunde aus Wetterfeld, Münster, Queckborn, Röthges, Gonterskirchen, Freienseen, Lardenbach, Klein-Eichen, Groß-Eichen und Sellnrod an.

Von den ersten Vorstandsmitgliedern ist heute niemand mehr am Leben. Der derzeitige Vorstand, der in der Jahreshauptversammlung wieder bestätigt wurde, setzt sich aus Direktor Wilhelm Rudolf Högel und dem Rechner Albert Peter zusammen; sie alle amtieren bereits seit 1945.

Aus der Historie begründet, handelt es sich bei dem Pferdeversicherungsverein um einen Verein auf Gegenseitigkeit mit dem Zweck, die Mitglieder gegen Verluste in Pferdebeständen zu versichern.
Jedes Vereinsmitglied zahlt pro Pferd einen Jahresbeitrag in die Vereinskasse ein. Aus diesem "Topf" werden Vereinsmitglieder, deren Pferde während eines Geschäftsjahres versterben oder getötet werden müssen, mit einer Geldsumme entschädigt, die beispielsweise sehr hilfreich beim Neukauf eines Fohlens sein kann.

Ist das Pferd doch ein wichtiger Bestandteil des landwirtschaftlichen Betriebes, konnte eine Versicherung dem Bauersmann bei einem Verlust des Arbeitstieres recht behilflich sein.

(GFP)

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12. Februar 1955

Herzschlag in der Hauptversammlung

Die Hauptversammlung des Männergesangvereins "Eintracht" fand am Samstag einen tragischen Abschluß. Während des Schlußwortes brach plötzlich der langjährige 1. Vorsitzende des Vereins, Betriebsführer i. R. Karl Dietrich, zusammen. Er wurde aus dem Gastzimmer des Tagungslokals in den Saal gebracht und verstarb dort wenige Minuten später.

Dietrich, der im 65. Lebensjahr einen Herzschlag erlitt, ist als hochverdienter Sängerführer in weiten Kreisen bekannt geworden und wird daher nicht nur von seinen Angehörigen und den Vereinsmitgliedern, die Zeuge des erschütternden Ereignisses waren, tief betrauert. Den hiesigen Gesangverein führte er schon Jahrzehnte lang in vorbildlicher Weise über alle Fährnisse der Zeiten hinweg.

(HZ)

 
26. Januar 1955

90. Geburtstag

Gratuliert wird der ältesten Einwohnerin Klein-Eichens, Frau Wilhelmine Felsing, zu ihrem 90. Geburtstag. Diesen kann die Jubilarin in geistiger und körperlicher Frische begehen. Die Hochbetagte nimmt noch regen Anteil an dem Tagesgeschehen, so schreibt es auch die Gießener Freien Presse zu diesem Anlass. Wilhelmine Felsing wurde am 26. Januar 1865 in Kirschgarten geboren. Ihr Mädchenname lautete Triebert. Am 25. Januar 1894 heiratete sie in Groß-Eichen den Klein-Eichener Heinrich Felsing. Die Beiden hatten zwei Kinder. Die älteste Tochter Emilie heiratete auf den Stockhäuser Hof. Der Sohn, ebenfalls mit Namen Heinrich, blieb in Klein-Eichen auf dem elterlichen Hof im Hinterdorf.

Fotos

 
28. November 1954

Hessenwahl 1954

Nach der Landtagswahl vom ersten Adventssonntag (28. November 1954) ist die SPD weiterhin die stärkste Partei in Hessen. Die CDU kam auf den zweiten Platz, gefolgt von FDP und BHE. Damit wird auch der neue hessische Landtag aus vier Parteien bestehen, da die anderen Parteien die 5-Prozent-Klausel des Wahlgesetzes nicht durchbrechen konnten. Die Wahlbeteiligung betrug 82,1 Prozent. Sie liegt wesentlich höher als bei der Landtagswahl 1950 mit 64,9 Prozent, aber niedriger als bei der Bundestagswahl 1953 mit 86,7 Prozent.

Die Wahlen verliefen in Hessen ruhig und ohne Zwischenfälle, obwohl der Wahlkampf in der letzten Wahlwoche sich so zugespitzt hatte und auch manche Unliebsamen Vorfälle. z. B. Zusammenstöße in Wahlversammlungen, stattgefunden hatten.

Auch in den Wahlkreisen Gießen und Alsfeld siegten die Sozialdemokraten. Zum Wahlkreis Alsfeld, dem außer der Stadt und dem Landkreis Alsfeld noch 51 Ortschaften aus dem Landkreis Gießen angehören, gehört auch Klein-Eichen. Ebenfalls sind hier Lardenbach, Freienseen, Weickartshain und Stockhausen zu finden.

Entgegen dem Landesergebnis, gewinnt in Klein-Eichen die FDP deutlich vor der BHE, SPD und CDU. In Lardenbach liegt die SPD vor FDP, BHE und CDU sowie BdD. Die BHE war eine Partei, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertriebenen Deutschen und betrieb eine entsprechende rechtsgerichtete Interessenpolitik. Die BdD, Bund der Deutschen war erst 1952 gegründet worden. Kernprogramm des BdD war eine Neutralisationspolitik, die sich gegen die Wiederbewaffnung und die Westintegration Deutschlands wandte.

 

Klein-Eichen
Landtagswahl

Klein-Eichen
Bundestag
Lardenbach
Landtagswahl
Lardenbach
Bundestag
1954
1953
1954
1953
Wahlberechtigte
136
337
abgegebene Stimmen
101
240
SPD
15
15
82
66
FDP
56
56
68
95
CDU
12
23
18
36
BHE
17
19
50
53
KPD
-
1
1
1
BdD
-
-
17
-
DP
-
-
3
-
 
17. Juli 1954

Schiedsmänner im Amtsgericht

In der Grünberger Heimatzeitung vom 17. Juli 1954 wurden die Schiedsmänner und deren Stellvertreter der Amtsgerichtsbezirke Grünberg und Laubach veröffentlicht. Die Schiedsmänner wurden durch die Gemeindevertretungen gewählt und sind durch die zuständigen Amtsgerichte auf die Erfüllung ihrer Dienstobligenheiten verpflichtet worden. Das gemeindliche Schiedswesen in Deutschland dient der Beilegung weniger bedeutsamer strafrechtlicher und zivilrechtlicher Angelegenheiten.

Schon in der Sitzung des Klein-Eichener Gemeinderates am 29. Januar 1954 wurde Bürgermeister Wilhelm Eckardt zum Schiedsmann gewählt. Sein Stellvertreter wurde Karl Volp. Auch in Lardenbach wurde der Bürgermeister Adolf Felsing gewählt. Hier wurde Hermann Dörr sein Stellvertreter. Beide Dörfer gehörten zum Amtsgerichtsbezirk Laubach.

Das Amtsgericht ist in Deutschland neben dem Landgericht die Eingangsinstanz der ordentlichen Gerichtsbarkeit. Die Amtsgerichte werden vor allem in Verfahren des Zivil- und des Strafrechts tätig. Das Amtsgericht Laubach (bis 1879 Landgericht Laubach) war von 1822 bis 1968 ein hessisches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit mit Sitz in Laubach. Infolge der in den Solmsischen Besitzungen Oberhessens erst 1822 durchgeführten Trennung von Justiz und Verwaltung kam es zur Bildung des Landgerichts Laubach, bestehend aus dem vormaligen Amt Laubach mit den Gemeinden Laubach, Freienseen, Gonterskirchen, Lardenbach, Ruppertsburg, Ilsdorf und Wetterfeld; dem vormaligen Amt Utphe mit den Gemeinden Utphe, Inheiden, Trais-Horloff und Wohnbach, und dem Ort Einartshausen.

Mit dem 1. November 1848 wurden die Orte Inheiden, Utphe, Wohnbach und Traishorloff an den Landgerichtsbezirk Hungen und der Hof Arnsburg mit der sogenannten Bergermühle an den Landgerichtsbezirk Lich abgegeben. Am 1. Juni 1849 trennte man außerdem noch den Ort Einartshausen ab und teilte diesen dem Landgerichtsbezirk Schotten zu. Infolge der Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 15. Oktober 1853 kam es zu einem Gebietstausch mit dem Sprengel des Landgerichts Grünberg, während der Ort Klein-Eichen neu zum Sprengel des Laubacher Landgerichts kam, wurde Ilsdorf abgetrennt. Am 1. Oktober 1879 erfolgte aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes die Umbenennung in Amtsgericht Laubach, die Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen und die Eingliederung des vorher zum Landgericht Hungen zählenden Ortes Röthges. Der Bezirk dieses Amtsgericht bestand nun aus Freienseen, Gonterskirchen, Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, der Laubacher Waldgemarkung, Röthges, Ruppertsburg, Stockhäuserhof und Wetterfeld.

Zum 1. Januar 1882 wurde der Sprengel des Amtsgericht noch um den zuvor zum Amtsgericht Hungen zählenden Ort Villingen und die zuvor zum Amtsgericht Lich gehörigen Orte Ettingshausen und Münster erweitert. Der Ort Altenhain wurde am 15. Mai 1908 vom Bezirk des Amtsgerichts Ulrichstein abgetrennt und dem Bezirk des Amtsgerichts Laubach zugeteilt. Anlässlich der Auflösung des Amtsgerichts Hungen am 1. Juni 1934 konnte noch der Ort Nonnenroth eingegliedert werden.

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts, die Gemeinde Altenhain wurde dem Amtsgericht Alsfeld, die restlichen Gemeinden des Sprengels dem Amtsgericht Gießen zugelegt. Das Gebäude des ehemaligen Amtsgerichtes Laubach befindet sich in der Friedrichstraße und steht unter Denkmalschutz. Es wurde 1907 gebaut und diente bis 2012 als Alten- und Pflegeheim. Seit Frühjahr 2013 wird das Gebäude als Wohnheim für Flüchtlinge genutzt.

(HZ, Wikipedia)

Fotos

 
10. Juli 1954

Freiwillige Feuerwehr

"Heute, am 10. Juli 1954, wurde die im Jahre 1933 gegründete und am Kriegsende 1945 aufgegebene Freiwillige Feuerwehr Klein-Eichen, im Gasthaus zur "Alten Post" (...) wieder neu gegründet."

Mit dieser Einleitung im Protokollbuch beginnt die neue Geschichte der Klein-Eichener Freiwilligen Feuerwehr. Neun Jahre nach Kriegsende, in denen so mancher keine Uniform mehr anziehen wollte, haben 36 Männer aus Klein-Eichen, als eines der letzten Dörfer im Umkreis, ihren Beitritt mit Unterschrift erklärt.

Am selben Abend wurde Otto Biedenkopf zum Ortsbrandmeister gewählt. Gruppen- und Schriftführer wurde Erich Funk. Nach den Wahlen des Vorstandes, beschloss man zugleich die Anschaffung einer Motorspritze.

 
23. März 1954

Wahl des Ortslandwirtes 1954

Im März 1954 wurden auf den Dörfern die Ortsstellen neu besetzt. Nach dem Land- und Forstwirtschaftskammergesetz aus dem Jahr 1953 sind Ortsstellen Untergliederungen der Landwirtschaftskammern. Für jede Gemeinde wurde eine Ortsstelle eingerichtet. Diese bestand aus drei Mitgliedern, die nach näherer Bestimmung der Wahlordnung von den Wahlberechtigten der Gemeinde gewählt wurden. Die Ortsstellen nahmen die örtlichen Aufgaben der Kammern nach näherer Bestimmung der Satzung war. Vorsitzender der Ortstelle (Ortslandwirt) wurde derjenige Betriebsinhaber, der die meisten Stimmen erhalten hatte.

In Klein-Eichen wurde 1954 Karl Biedenkopf zum Ortslandwirt gewählt. Dessen Beisitzer waren Albert Müller und Erich Funk. In Lardenbach wurde Reinhard Keller Ortslandwirt. Beisitzer hier waren Otto Rühl und Wilhelm Keller.

Die Aufgaben der Ortslandwirte/innen sind heute im Berufsstandsmitwirkungsgesetz dargestellt. Dort heißt es unter anderem:
"Die Landwirtschaftsbehörden werden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben durch Orts- und Kreislandwirte/innen unterstützt. Diese wirken insbesondere in Angelegenheiten der Agrar- und Marktstruktur, der Landschaftspflege und des Grundstückverkehrs durch Beratung, Stellungnahme und Erteilung von Auskünften mit".

Über diesen gesetzlichen Auftrag hinaus werden die Ortslandwirte/innen aufgrund ihrer Ortskenntnis häufig von der Gemeindeverwaltung, aber auch von anderen Behörden und Institutionen in Anspruch genommen. Neben den Tagungen der Agrarverwaltung nehmen die Ortslandwirte/innen häufig auch an Veranstaltungen der Gemeinden und anderer Gremien teil. Der Umfang ihrer Tätigkeiten ist sehr unterschiedlich und wird auch von regionalen Anlässen bestimmt (zum Beispiel Bau von Straßen-, Bahn-, Leitungstrassen, Ausweisung von Schutzgebieten etc.). Die Ortslandwirte/innen fungieren häufig als Mittler zwischen Landwirtschaft und Verwaltungen sowie der Bevölkerung des ländlichen Raums.

Fotos

 
20. Januar 1954

Ende der Flurbereinigung

Schon im Januar des Jahres 1954 erfolgte die öffentliche Bekanntmachung in der Gießener Allgemeinen Zeitung, über die Schlussfeststellung der Umlegung in der Gemarkung Klein-Eichen. Damit erklärte das Kulturamt Alsfeld das Umlegungsverfahren für abgeschlossen. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass die Ausführungen nach dem Umlegungsplan bewirkt ist und dass den Beteiligten keine Ansprüche mehr zustehen. Die am 8. 1. 1934 gebildeten Teilnehmergemeinschaften Klein-Eichens wurden aufgelöst.

Mit der Rechtskraft der Schlußfeststellung gingen die noch bestehenden Forderungen der Teilnehmergemeinschaften und ihrer Restguthaben auf die Gemeinde über, die sich verpflichtete, diese Gelder außerhalb der ordentlichen Haushaltsausgaben für die Erhaltung oder Verbesserung der im Umlegungsverfahren geschaffenen Wege und Gräben zu verwenden.

Im Umlegungsverfahren werden Grundstücke beziehungsweise Grundstücksteile so verändert und getauscht, dass neue Grundstücke entstehen, die nach Lage, Form und Größe für eine bauliche oder sonstige Nutzung zweckmäßig gestaltet sind.

Die Umverteilung soll einen Ausgleich zwischen den Interessen der betroffenen Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümer und der Allgemeinheit schaffen. Der Wert des Grundeigentums von Einzelnen darf durch die Umlegung nicht geringer werden. Alle beteiligten Grundstückseigentümerinnen und Grundstückeigentümer sollen ein dem Verkehrswert und der Lage nach möglichst gleichwertiges Grundstück bekommen.

Diese Neuordnung von land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundstücken, die Flurbereinigung, hat damals der Klein-Eichener Gemarkung ein völlig neues Aussehen gegeben. So konnte z. B. ein Landwirt seinen Acker nun auf einem Feldweg erreichen. Vorher lagen Äcker und Wiesen oftmals direkt aneinander. Um auf sein Grundstück zu gelangen, war es nötig mit dem Gespann über die Felder eines Anderen zu fahren. Dabei musste noch gewartet werden, bis diese abgeerntet waren.

 
10. Januar 1954

Unterhaltungsabend des Männergesangvereins

Bei einem wohlgelungenen Unterhaltungsabend bot der Männergesangverein "Eintracht" Lardenbach-Klein-Eichen am Sonntag seinen Gästen im erweiterten und neu instandgesetzten Diel'schen Saale unter Leitung von Chorleiter Ernst Nicolai gut eingeübte Chöre, Volksmusik, Tänze und Märsche einer Musikschülergruppe des Dirigenten sowie eine Theateraufführung "Die Mühle im Erlengrund". Die Veranstaltung war für den Verein sowohl als auch für den allseits beliebten Chorleiter ein großer Erfolg.

(WM, HZ)

 
06. September 1953

Bundestagswahl 1953

Die Bundestagswahl 1953 fand am 6. September 1953 statt. Bei der Wahl zum 2. Deutschen Bundestag stellte sich die Regierung von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) erstmals der Wiederwahl. Die Unionsparteien erlebten einen großen Triumph: Sie legten zweistellig zu und bildeten die nun deutlich stärkste Fraktion, nachdem sie 1949 nur knapp vor der SPD gelegen hatten. Die absolute Mandatsmehrheit verfehlten sie um einen einzigen Sitz. Für die SPD trat erstmals der Partei- und Fraktionsvorsitzende Erich Ollenhauer an, der beide Ämter von dem im August 1952 verstorbenen Kurt Schumacher übernommen hatte.

Aufgrund der neu eingeführten Fünf-Prozent-Hürde gehören nur noch sieben Parteien dem 2. Deutschen Bundestag an: Stärkste Fraktion wird die CDU/CSU mit 45,2 Prozent der Stimmen. Die SPD erreicht 28,8 Prozent und bleibt damit wie schon 1949 unter der 30 Prozent -Marke. Mit 9,5 Prozent muss auch die FDP leichte Verluste hinnehmen. Die DP verliert ebenfalls und kommt nur noch auf 3,3 Prozent. Aufgrund von Wahlabsprachen kommen trotzdem DP-Abgeordnete auf Listen der CDU ins Parlament. Gleiches gilt für das Zentrum. Die Vertriebenenpartei Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) gewinnt 5,9 Prozent der Stimmen und zieht neu in den Bundestag ein.

Die Wahlbeteiligung lag bei 86,0%. Unter den 487 Abgeordneten befanden sich laut Unterlagen des Berlin Document Center 129 ehemalige Mitglieder der NSDAP.

Entgegen dem Bundesergebnis war im Dorf die FDP Gewinner der Wahl. Im örtlichen Wahllokal, welches bei Bürgermeister Eckhardt im Wohnzimmer eingerichtet war, wurden 119 abgegebene Stimmen gezählt. Zum Vergleich: in Lardenbach wurden 276 Stimmen abgegeben.

Klein-Eichen
Erststimmen
Zweitststimme
Lardenbach
Erststimme
Zweitstimme
SPD
15
14
SPD
66
65
FDP
56
50
FDP
95
93
CDU
23
27
CDU
36
37
KPD
1
1
KPD
1
1
BHE
19
17
BHE
53
55
GVP
5
6
GVP
21
22
DP
-
-
DP
-
-
 
11. Dezember 1951

Feldbereinigung

Der wohl größte Umwandlungsprozess in der Gemarkung Klein-Eichen geht über mehrere Jahre. Zum Ende des Jahres 1951 werden der Tausch von Grundstücken mitgeteilt. Hier heißt es: "Auf Anordnung des Amtsgerichts werden Sie benachrichtigt, daß Ihnen im Feldbereinigungsverfahren an Stelle der nachstehenden in dem für Sie gebildeten Grundbuchblatt Ihnen zugeschriebenen Grundstücke der Gemarkung Klein-Eichen die folgenden Ersatzgrundstücke in Abteilung 1 unter den angegebenen fortlaufenden Nummern zugeschrieben worden sind ..."

 
1951

Traktor

Im Jahre 1951 kam der erste Traktor nach Klein-Eichen. Albert Müller kaufte für seinen landwirtschaftlichen Betrieb einen Allgaier-Schlepper. Diese 1-Zylinder Maschine hatte 12 PS und als Zubehör gab es nur einen Pflug. Weitere Teile wie z.B. die Egge-Vorrichtung wurde vom Dorfschmied Georg Dittrich angefertigt.

 
26. November 1949

Feldbereinigung

Der Prozess der Feldbereinigung Klein-Eichen ist in Gange. Im Herbst 1949 wird im Rahmen der Umlegung in der Gemarkung das Masseland neu zugeteilt. Auf Grund der Bekanntmachung vom 17. November 1949 und der durch Kommissionsbeschluß festgelegten und durch Aushang bekanntgemachten Bedingungen werden vom Kulturamt Lauterbach Massegrundstücke neu zugeteilt. Die Zuteilung kann nur im gesamten angenommen oder abgelehnt werden. Einsprüche sind am Mittwoch den 7. Dezember 1949 auf der Bürgermeisterei Klein-Eichen 10 Uhr schriftlich vorzubringen.

 
28. April 1946

Erste Kreiswahl

Auch die Klein-Eichener konnten erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg frei den Kreistag wählen. Fünf Listen hatten an der Kreiswahl im "Jahr der wiedergewonnen politischen Freiheit", so Landrat Karl Benner damals, teilgenommen: Die SPD, das Christliche Landvolk, die CDU, die KPD und die LPD. Wegen der mit 15 Prozent hoch angesetzten Sperrklausel schafften nur SPD (50,9 Prozent) und Christliches Landvolk (26,8 Prozent) den Einzug in den neuen Kreistag; dem 31 Abgeordnete angehörten.

 
18. April 1946

Bürgermeisterwahl 1946

Nachdem im Januar 1946 in Hessen die ersten freien Wahlen zu den Gemeinderäten stattgefunden hatten, sollte sich auch der Gemeinderat in Klein-Eichen konstituieren. Am 9. Februar 1946 fand die erste Sitzung statt. Diese wurde kommissarisch geleitet von Lardenbachs Bürgermeister Felsing. Wo man sich traf ist nicht bekannt. In dieser ersten Sitzung sind die "Ortsgemeindemänner" bestimmt/gewählt worden. Als Gemeinderäte fungierten Heinrich Maurer, Karl Biedenkopf, Heinrich Zimmer, Karl Faust und Wilhelm Eckardt.

Am 18. März 1946 dann tagte die Gemeindeversammlung "nachmittags um 8 Uhr" wieder mit Bürgermeister Felsing. Heute wurde eine Satzung verabschiedet in der die Stelle des Bürgermeisters als ehrenamtlich genannt wird. Und der Bürgermeister erhält eine Aufwandsentschädigung von maximal 500 RM. Der Gemeinderechner erhält ebenfalls eine Aufwandsentschädigung. Die beträgt 75 Prozent des Betrages den der Bürgermeister erhält. Weiter steht in der Satzung, dass dem Bürgermeister ein Beigeordneter zur Seite steht. Und die Gemeindevertretung setzt sich aus 5 Mitgliedern zusammen. Diese Hauptsatzung soll dann am Tage ihrer ortsüblichen Bekanntmachung in Kraft treten.

Die Mitglieder der Gemeindevertretung haben sich eine Woche später, am 25. März 1946, wieder zusammen gesetzt. Diesmal waren die "Verhandlungsgegenstände" die Bürgermeister- und Beigeordnetenwahl. Allerdings kam die Bürgermeisterwahl nicht zustande. Diese wurde vorläufig zurückgestellt. Als Beigeordneter vorgeschlagen und einstimmig gewählt wurde Wilhelm Hoffmann.

In der nächsten Sitzung, am 11. April 1946, waren zwar alle Gemeinderäte erschienen, aber diesmal ging es nur um die Einstellung eines Feldschützen. Hierzu vorgeschlagen und gewählt wurde Otto Peppler. Für seine Tätigkeit ist ihm ein Gehalt von 80 RM bewilligt worden.

Wieder eine Woche später, am 18. April 1946, kam die Wahl eines Bürgermeisters endlich zu Stande. Der 36 Jahre alte Wilhelm Eckhardt ist an diesem Abend einstimmig zum Bürgermeister von Klein-Eichen gewählt worden. Anwesend waren dazu Beigeordneter Wilhelm Hoffmann sowie die Mitglieder Heinrich Maurer, Karl Biedenkopf, Karl Faust und Heinrich Zimmer.

Fotos

 
17. April 1946

Flüchtlinge und Heimatvertriebene kommen nach Klein-Eichen

Was seit Mitte 1945 als Gerücht die Runde machte, nämlich die Vertreibung von Millionen von Menschen aus den Ostgebieten, wurde im Frühjahr 1946 zur Gewissheit. Mit einem Sonderzug aus Furth im Wald an der deutsch-tschechischen Grenze erreichten rund 1200 Menschen aus dem Sudetenland ihr zukünftiges Zuhause: Mittelhessen. Das schwer kriegszerstörte Gießen war dabei zunächst nur Durchgangsstation. In diesem Jahr 1946 hat alleine Hessen über 397.000 vertriebene Menschen aufgenommen.

Täglich wurden rund 1400 Menschen in die Lager gebracht, gesundheitlich betreut und ihnen innerhalb einer Woche Privatquartiere zugewiesen. Mit dem ersten Flüchtlingstransport am 17. April 1946 kamen 25 Personen nach Klein-Eichen. Und am 10. Mai 1946 kam die zweite Gruppe mit 30 Personen ins Dorf. Mit ihrer wenigen Habe und auf Lastwagen kamen Männer und Frauen, Kinder und Alte. Ihnen wurden Quartiere in den Bauerhäusern zugewiesen. Fast in jedem Haus musste man nun zusammenrücken. Auf engstem Raum waren nun Menschen aufeinander angewiesen mit einer anderen Geschichte, fremden Dialekt und teils auch einer anderen Konfession. Nicht immer blieb es dabei so harmonisch.

Die Aufnahme der neuen Mitbürger stellte die Gemeinde vor große Probleme. Klein-Eichen hatte ca. 150 Einwohner. Innerhalb kürzester Zeit waren es plötzlich um ein Drittel mehr Menschen im Dorf. Sowohl Wohnraum als auch Nahrungsmittel mussten organisiert werden. Brennmaterial wurde benötigt und Arbeitsplätze. Nicht alle Heimatvertriebene blieben am Ort. So mancher zog wieder fort. Sei es nur bis nach Lardenbach oder auch weiter weg. Doch einige Familiennamen sind bis heute längst fester Bestandteil des Gemeinwesens. Und gerade die Jüngeren wissen nicht um die Herkunft und Wurzeln ihrer Mitbewohner.

 
20. Januar 1946

Kommunalwahl

Am 20. und 27. Januar 1946 wählten die hessischen Gemeinden mit höchstens 20000 Einwohnern ihre Ortsparlamente. Mit einer Beteiligung von 84,9 Prozent waren die ersten freien Wahlen nach der Nazi-Zeit ein voller Erfolg. Die SPD erreichte 44,5 Prozent und lag damit deutlich vor der CDU, die auf 31 Prozent kam. Die kommunistische KPD holte 5,7 Prozent, die später als FDP umbenannte LDP 2,7 Prozent.

Oberst Newman, Leiter des Amtes der Militärregierung für Großhessen überzeugte sich persönlich von der Stimmung in der Bevölkerung, die durch 12 Jahre Naziherrschaft schon lange keinen Gebrauch mehr von ihrem Wahlrecht hatte machen können.

Die Beteiligung der Frauen an den Wahlen war fast überall sehr groß. Etwa 60% aller abgegebenen Stimmen wurden von Frauen abgegeben. Dieser Umstand ist umso bemerkenswerter, weil die Frauen gerade in ländlichen Gemeinden bisher keinen allzu großen Anteil am politischen Leben genommen haben.

Das Ergebnis der Wahl in den Gemeinden wurde nach Verteilung der Sitze im Kreis Gießen aufgelistet. Demnach haben die Klein-Eichener 5 Sitze zu vergeben. Davon fielen auf das Christliche Landvolk alle 5 Sitze (bei insgesamt 130 Sitzen). In Lardenbach bekamen die 5 Sitze der "W.aufbau" (Wiederaufbau).

(FP)

 
19. September 1945

Hessen

Der Oberste Befehlshaber der Amerikanischen Streitkräfte in Europa, Dwight D. Eisenhower, erläßt die "Proklamation Nr. 2", in der er die Bildung von Bayern, Würtemberg-Baden und Groß-Hessen bekannt gibt. Dieses Groß-Hessen, das bald nur noch Hessen heißt, setzt sich aus der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau und dem früheren Volksstaat Hessen zusammen. Kurz nach der Proklamation setzen die Amerikaner eine hessische Landesregierung ein.

 
29. März 1945

Die Amis kommen!

Am späten Abend des 24. März 1945 stürmen die Amerikaner aus ihrem Rhein-Brückenkopf bei Remagen und starten eine Großoffensive in Richtung Westerwald, Taunus und das mittlere Hessen. Am Abend des 28. März ist die Stadt Gießen nach zahlreichen kleineren Gefechten in der Hand der Amerikaner.

In einem Bericht der US-Armee heißt es: "Das Tagesziel der 4. Panzerdivision waren am 28. März 1945 die Höhenlagen östlich von Gießen nahe Grünberg. Die Vormarschtruppen setzten sich um 5 Uhr in Marsch, um den Angriff durch den Brückenkopf Hanau nach Norden vor zu tragen. Über Münzenberg und Lich erreichte man um 16 Uhr eine Stellung nordöstlich von Grünberg. Die Angriffstruppen hielten Grünberg als Vorposten für die Nacht.

Für den 29. März hieß der Auftrag den Angriff nach Osten mit Lauterbach als Tagesziel voranzutragen. Ein Teil der Truppen fuhr über Lumda, Atzenhain, Merlau, Kirschgarten, Ruppertenrod Richtung Alsfeld. Ein anderer Vorstoß erfolgte von Grünberg über Weickartshain. Ortsausgang Mücke, beim Sportplatz, war die Brücke am Abend zuvor von der "SS" gesprengt worden.

Der 29. März war Gründonnerstag vor Ostern. Es war ein etwas dunstiger Morgen. Die Bevölkerung war völlig verunsichert. Niemand wußte was auf sie zukommen würde. Schon tagelang verbreiteten sich die Gerüchte und Meldungen aus den Volksempfängern, dass die Amis im Anmarsch seien. Am Vorabend zum Gründonnerstag hörte man im Dorf entfernt aus Richtung Grünberg Schüsse und Explosionen.

Früh am Morgen drangen dann immer lauter werdende Motorengeräusche und das Rasseln der Ketten heran. Auf der Höhe zwischen Lardenbach und Seenbrücke stand die Spitze der vorstoßenden Amerikaner. Längst waren Kriegsgefangene, Franzosen und Belgier, mit weißem Tuch vornweg den amerikanischen Truppen entgegen gelaufen. Diese berichteten, dass keine deutschen Soldaten in den beiden Dörfern seien. Und so fuhren die Amis einfach weiter. Eine nicht endend wollende Kolonne mit militärischen Fahrzeugen, Panzer, Jeeps, Lastkraftwagen, alle schwer bewaffnet, und voll besetzt mit Soldaten, zogen durch die Dörfer weiter Richtung Sellnrod. Längst stand die Dorfbevölkerung an den Straßen und blickte ungläubig auf das Geschehen. Nichts war passiert. Kein einziger Schuß war gefallen. Vielleicht war nun das Aufregendste, dass die Meisten zum ersten Mal einen Farbigen sahen.

Für die Einwohner war der Krieg schneller als erwartet zu Ende gegangen, aber an anderen Orten wurde noch verbissen weitergekämpft, und es sollte noch einige Wochen dauern, bis am 8. Mai endlich die Waffen schwiegen.

 
1939

Eintragungen Adreßbuch 1939

Oberflächlich gesehen, war die Welt in weiten Teilen Europas im Sommer 1939 noch in Ordnung. Es war ungewöhnlich warm. Viele Menschen genossen das schöne Wetter und ignorierten Politik und böse Vorhersagen. Doch es war ein Leben am Rande des Abgrunds.
Im deutschen Straßenverkehr wurden im Mai die ersten Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt. Die US-Fluggesellschaft PanAm startete den regelmäßigen Passagierflugverkehr zwischen den USA und Europa. Und auf der Berliner-Funkausstellung wurde erstmals ein "Einheits-Fernsehempfänger" vorgestellt. Im August gelang der erste Flug eines Düsenflugzeuges. Der Monumentalfilm "Vom Winde verweht" hatte Uraufführung.

Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen. Der zweite Weltkrieg begann. Am 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich aufgrund von Garantien für Polen Deutschland den Krieg.

Aus diesem Jahr stammt das "Adreßbuch Stadtkreis und Landkreis Gießen 1939". Hier finden wir auf Seite 99 auch Eintragungen über Klein-Eichen, dass damals zum Amtsgerichtsbezirk Laubach gehörte. Klein-Eichen wird als Filialdorf (von Groß-Eichen) genannt und hat 176 Einwohner. Die nächstliegende Bahnstation mit Güterabfertigung war in Weickartshain-Seenbrücke (Bahnlinie Mücke-Hungen). Zum telefonieren mussten die Klein-Eichener nach Lardenbach gehen. Die öffentliche Fernsprechstelle befand sich in der Poststelle bei Karl Völzing (Alte Post).

Bürgermeister 1939 war Karl Müller. Und dessen Wohnhaus ist demnach auch die Bürgermeisterei in der Ilsdorfer Str. 21 gewesen. Erster Beigeordneter des Gemeinderates war Karl Volp. Zweiter Beigeordneter Wilhelm Hoffmann. Die Gemeindekasse verwaltete Wilhelm Dörr. Als weitere Gemeindevertreter sind erwähnt: Otto Peter, Karl Kühn, Heinrich Felsing und Otto Volp. Bürgermeister Karl Müller war auch gleichzeitig Vorsteher des Ortsgerichtes. In diesem gab es noch zwei Gerichtsmänner: August Zimmer und Otto Volp. Das Standesamt leidete ebenfalls Karl Müller.

Der Lardenbacher August Kratz war auch in Klein-Eichen Ortsdiener. Feldschütze Eduard Zimmer musste für die Sicherheit auf den landwirtschaftlich genutzten Feldern sorgen. Feuerwehrführer Karl Kühn hatte ebenfalls einige Verantwortung. Die Kirchengeminde Klein-Eichen gehörte zum Dekanat Grünberg. Pfarrer Ernst Dammerau kam aus Groß-Eichen. Die Volksschule Lardenbach/Klein-Eichen stand am "Grenzgraben". Lehrer Karl Becker aus Lardenbach war lange Zeit jedem bekannt. Die Ärzte für Mensch und Tier, Dr. Massing und Dr. Wachtel wohnten in Laubach. Zur Hebamme Katharina Tröller war es bis nach Groß-Eichen nicht so weit.

Die für Klein-Eichen zuständige Gendarmeriestation und das Fortsamt waren auch in Laubach. Förster Grüning kam aus Freienseen. Vorsitzender der Bezugs- und Kreditgenossenschaft Lardenbach/Klein-Eichen war Karl Müller. Die Soldaten- und Kriegerkameradschaft war eine Vereinigung ehemaliger Soldaten und Kriegsteilnehmer. Vorsitzender vor Ort war Wilhelm Dörr.

Hier nun das alphabetische Verzeichnis der Einwohner Klein-Eichens 1939. Aufgeführt wurden damals allerdings nur der Hausvorstand: Biedenkopf, Karl, Groß-Eichener Str. 8. Dörr, Luise, Wwe., Ilsdorfer Str. 17. Dörr, Wilhelm, Gemeindekassenverwalter, Ilsdorfer Str. 17. Eckhardt, Wilhelm, Landwirt, Ilsdorfer Str. 11. Eckhardt, Wilhelm II, Auszügler, Ilsdorfer Str. 11. Faust, Karl I, Schuhmacher und Landwirt, Hinterdorf 5. Faust, Karl II, Wagner und Landwirt, Ilsdorfer Str. 22. Faust, Marie, Wwe., Hinterdorf 5. Felsing, Heinrich II, Landwirt, Hinterdorf 1. Felsing, Karl, Weber, Ilsdorfer Str. 32. Felsing, Wilhelm, Auszügler, Hinterdorf 2. Finkernagel, Elisabetha, Ilsdorfer Str. 22. Funk, Konrad, Landwirt, Ilsdorfer Str. 23. Funk, Wilhelm, Maurer, Hinterdorf 6. Gerbig, Emilie, Stickerin, Groß-Eichener Str. 6. Gerbig, Wilhelm, Landwirt, Ilsdorfer Str. 26. Högy, Wilhelm, Bauer, Ilsdorfer Str. 13. Hoffmann, Wilhelm, Landwirt, Kolonialwarenhandlung, Groß-Eichener Str. 1. Hofmann, Otto, Landwirt, Hinterdorf 4. Horst, Konrad, Landwirt, Ilsdorfer Str. 26. Horst, Luise, Wwe., Groß-Eichener Str. 8. Jost, Friedrich, Landwirt, Ilsdorfer Str. 32. Knöß, Wilhelm, Ilsdorfer Str. 27. Krieger, Ludwig, Landwirt, Gastwirtschaft, Ilsdorfer Str. 20. Kühn, Karl, Landwirt, Groß-Eichener Str. 5. Lein, Anna, Wwe., Ilsdorfer Str. 12. Maurer, Heinrich, Landwirt, Ilsdorfer Str. 12. Merz, Georg, Landwirt, Groß-Eichener Str. 7. Müller, Karl, Bauer und Bürgermeister, Ilsdorfer Str. 21. Müller, Katharine, Wwe., Ilsdorfer Str. 21. Opper, Karl, Landwirt, Ilsdorfer Str. 20. Peppler, Otto, Schreiner, Hinterdorf 6. Peter, Otto, Landwirt, Hinterdorf 2. Philippi, Georg, Landwirt, Ilsdorfer Str. 24. Rahn, Karl, Landwirt, Ilsdorfer Str. 25. Sames, Otto, Landwirt, Ilsdorfer Str. 9. Schütz, Lina, Wwe., Hinterdorf 3. Träger, Emil, Landwirt, Hinterdorf 3. Volp, Karl II, Landwirt, Dreschmaschinenbetreiber, Ilsdorfer Str. 15. Volp, Otto I, Landwirt, Hinterdorf 7. Volp, Otto II, Landwirt, Hinterdorf 7. Zimmer, August, Landwirt, Ilsdorfer Str. 14. Zimmer, Eduard, Auszügler, Groß-Eichener Str. 7. Zimmer, Ernst, Landwirt, Groß-Eichener. Str. 4. Zimmer, Georg, Auszügler, Ilsdorfer Str. 23. Zimmer, Otto, Landwirt, Ilsdorfer Str. 16. Zimmer, Wilhelm II, Auszügler, Ilsdorfer Str. 16. Zimmer, Wilhelm III, Weber, Ilsdorfer Str. 5.

Auszügler: Ein Bauer, der sein Gut an seine Erben übergeben oder an Dritte verkauft hatte und aufgrund seiner Auszugsrechte auf dem Altenteil des Hofes lebte, einem Geschoss des gleichen Hauses oder einem separaten Gebäude. Er wurde dort vom neuen Besitzer, meist Sohn oder Schwiegersohn, mit einer vertraglich vereinbarten Menge an Naturalien (dem Auszug) versorgt.

Wwe.: Witwe ist eine Person, deren Ehepartner verstorben ist.

Bemerkenswert ist, dass es nur drei offizielle Straßen in Klein-Eichen gab. Die Ilsdorfer Straße zog sich von Osten nach Westen durch das Dorf. Die Groß-Eichener Straße von Süden nach Norden. Das Hinterdorf ist wie heute eine Stichstraße im Westen des Ortes. Weiterhin ergibt sich eine Ungereimtheit, weil der Hof Groß-Eichener Str. 2 fehlt. Hier wohnte Familie Döhler. Vormals Mölcher.

 
04. September 1935

Verabschiedung von Pfarrer König 1935

"Am Mittwochabend (4. September 1935) fand in der Turnhalle Groß-Eichen die Abschiedsfeier für Pfarrer König und seine Familie statt, die am 7. September nach Klein-Linden übersidelten. Vom Schulhaus nach der Turnhalle marschierten in geschlossenem Zug die Schulkinder, der Kirchenvorstand, Kriegerverein, Gesangverein, Turnverein und die "SAR", die Feier wurde von den Schulkindern mit einem Lied eröffnet. Sodann übermittelte Pfarrverwalter Bartholomä dem scheidenden Pfarrer in herzlichen Worten den Dank und die Glück- und Segenswünsche der Gemeinden Groß- und Klein-Eichen."

So beginnt der für die damalige Zeit sehr pathetische Artikel im Grünberger Anzeiger. Und es geht auch so weiter. Um den Zeitgeist in der Nazidiktatur, wie er auch in den Dörfern herrschte, zu zeigen, hier die weitere Meldung:

"Der Zellenleiter und stellvertretende Bürgermeister Ernst Greis dankte Pfarrer König für all die mühevolle Arbeit, die er während seines neunjährigen Wirkens in unserer Gemeinde geleistet hat, sei es als Seelsorger, sei es während der Kampfjahre für die Bewegung oder danach als Amtswalter der "RSB". "Mögen Ihnen in Ihrer neuen Gemeinde dieselben Möglichkeiten gegeben sein wie hier, für Volk und Vaterland zu arbeiten!"

Mit diesen Worten und einem Gruß an den Führer Adolf Hitler schloß der Zellenleiter seine Ausführungen. Im Namen der Kirchengemeinde bekundete der stellvertretende erste Vorsitzende, Altbürgermeister Faust, dem scheidenden Pfarrer Dank, Liebe, Treue und Anhänglichkeit. Zwischendurch sang der Gesangverein einige passende Lieder.

Tiefbewegt sprach Pfarrer König den Rednern seinen und seiner Frau Dank aus für die Glückwünsche. Überhaupt danke er allen Einwphnern von Groß- und Klein-Eichen für die unerwartete Feier. Es wolle ihm nicht in den Sinn, dass dies alles ihm gelten solle und das er seine Gemeinde zum letzten Male so zahlreich versammelt sehen solle. Er schilderte sodann den Verlauf seiner letzten neun Lebensjahre. Von Pfeddersheim nach hier versetzt, traf ich eine mir fremde Gemeinde. Mit bangen Gefühlen trat ich damals meine Amtstätigkeit an. Aber bald trat an seine Stelle vertrauensvolles Zusammenleben. Die Zeit, die ich hier verlebte, wird wohl die schönste meines Lebens bleiben.

Hier ging ich die Ehe ein, hier wurden meine drei Kinder geboren. Groß-Eichen wurde mir Heimat und nie werde ich es vergessen. Gerne werde ich die mir angebotene Gastfreundschaft in Anspruch nehmen und ich versichere, dass mir ein jeder Groß- und Klein-Eichener ein lieber Gast in meiner neuen Stelle Klein-Linden sein wird. Sollte ich jemals einem zu nahe getreten sein, so vergebt, ich werde auch nichts nachtragen. Das gilt auch für die Kinder in der Schule. Wir sind nur Menschen und Menschen sind schwach. Seid aber immer bestrebt, es dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler nachzutun, er ist uns allen Vorbild, und seid treu im Glauben an Jesus Christus. Gott der Herr gebe uns hierzu seinen Segen.

Ihr habt einen neuen Pfarrer. Habt Vertrauen zu ihm. Er wird euch den rechten Weg zeigen, damit ihr dereinst vor Gott dem höchsten bestehen könnt. Kameraden der "SAR"! gerne weilte ich unter euch, marschierte mit euch in Schritt in Tritt für Deutschland, für Adolf Hitler. Recht herzlichen Dank. Dank euch, Ihr Lehrer, für die enge Zusammenarbeit an unserer deutschen Jugend. Dank dem Gesangverein für seine schönen Lieder. Auf Wiedersehen!

Alle zusammen sangen dann noch als Scheidelied: "Ade zur guten Nacht".

Die Abkürzungen "SAR" und "RSB" sind z. Zt. noch unbekannt.

Fotos

 
25. Juni 1935

Wettkämpfe der Dörfer

Aus dem Grünberger Anzeiger (Oberhessische Heimatzeitung) vom 27. Juni 1935 sei der Bericht über die Wettkämpfe von Jugendlichen "Im Jahr der Ertüchtigung) zitiert:

"Am Samstag und Sonntag (24. u. 25. Juni 1935) wurden die Wettkämpfe der Jugendlichen aus den Gemeinden Sellnrod, Höckersdorf, Lardenbach, Klein-Eichen und Groß-Eichen in Groß-Eichen ausgetragen. Es stellten sich am Samstag die männlichen und weiblichen Jugendlichen der genannten Orte fast vollzählig zum Kampfe.

Am Tage des Deutschen Jungvolks unterzogen sich 141 Angehörige der geforderten Leistungsprüfung, und zwar 71 Knaben und 70 Mädchen. Sieger wurden insgesamt 73 Wettkämpfer, das sind 51,8 v. Hundert und bei den Mädchen 44,3 v. Hundert. Die höchsten Punktzahlen erreichten Karl Lutz (Sellnrod) mit 258 P. und Marie Lein (Lardenbach) mit 251 P.

Bei den geschlossenen Kampfgruppen des Jungvolks und der Jungmädel wurden folgende Ergebnisse erzielt: 1. Jungenschaft 1 Groß-Eichen 222,9 Punkte; 2. Jungenschaft 2 Groß-Eichen 202 Punkte; 3. Jungenschaft Sellnrod 198,5 Punkte; 4. Jungenschaft Lardenbach 194,5 Punkte; 5. Jungmädelschaft Lardenbach 207,5 Punkte.

Am Tage der Hitlerjugend traten insgesamt 95 Jugendliche an. Hier war die Beteiligung aus den einzelnen Orten noch recht unterschiedlich. Von den 62 Knaben und 33 Mädchen erreichten 14 bzw. 13 die zum Siege erforderliche Punktzahl. Anteilmäßig stellten die Knaben 22,6 Prozent und die Mädchen 39 Prozent der Angetretenen als Sieger.

Die besten Einzelleistungen boten hierbei August Hansel (Groß-Eichen) und H. Greif (Groß-Eichen). Den Kampf der geschlossenen Kameradschaften entschied die Kameradschaft Groß-Eichen für sich vor Sellnrod."

Das Deutsche Jungvolk, kurz auch als Jungvolk bezeichnet, war eine Jugendorganisation der Hitler-Jugend. Hier waren die Jüngeren, bis zum Alter von 14 Jahren organisiert. Die HJ, bzw. BDM umfasste die Älteren bis zu 18 Jahren Ziel der Organisation war es, die Jugend im Sinne des Nationalsozialismus zu indoktrinieren, in Loyalität zu Adolf Hitler zu erziehen und vormilitärisch auszubilden.

 
15. Mai 1935

Jagdbezirke im Kreis Schotten

Am Mittwoch (15. Mai 1935) fand eine Besprechung der Hegeringleiter des Kreises Schotten unter dem Vorsitz des Kreisjägermeisters statt. Diese Besprechung bezog sich auf die Einteilung der Jagdbezirke, die Feststellung der Abschußpläne für die Jagdjahre 1935, 1936 und 1937 und die Erteilung der Jagdscheine.

Das Frühjahrsschießen findet im Hegering Eichelsdorf und Eichelsachsen am 31. Mai, in den übrigen Hegeringen am Samstag, dem 1. Juni, statt. Die Prüfung für die erste Erteilung eines Jagdscheines erfolgt am Freitag, dem 31. Mai, um 14 Uhr, auf dem Forstamt Schotten. Die Einzahlung der Prüfungsgebühr muß vorher erfolgen.

Der Jagdkreis Schotten wird in 7 Hegeringe eingeteilt: 1. Hegering Oberwald: ... 2. Hegering Gedern: ... 3. Hegering Eichelsachsen: ... 4. Hegering Eichelsdorf: ...5. Hegering Laubach: ... 6. Hegering Groß-Eichen: Hegeringleiter: Gräflicher Förster Opper zu Weickartshain. Gemarkungen: Lardenbach, Klein-Eichen, Stockhäuser Hof, Solms-Ilsdorf, Groß-Eichen, Höckersdorf, Sellnrod und Schmitten. 7. Hegering Ulrichstein: ...

(GA)

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03. Januar 1935

Kirchliche Statistik für das Jahr 1934

Im Januar 1935 veröffentlichte der Grünberger Anzeiger eine "Kirchliche Statistik" aus dem Kirchspiel Groß-Eichen/Klein-Eichen. Diese Statistik gibt Auskunft über Zahlen aus dem Jahr 1934. So fängt die Aufzählung mit den Taufen an: In Groß-Eichen wurden 4 Kinder getauft und in Klein-Eichen gar keins. Konfirmiert wurden aus Groß-Eichen 7 Kinder und aus Klein-Eichen 4 Kinder. Vier Paare sind 1934 in Groß-Eichen kirchlich getraut worden. In Klein-Eichen hat sich in diesem Jahr keiner getraut. Beerdigt worden sind kirchlich in Groß-Eichen 9 Gemeindemitglieder und in Klein-Eichen zwei.

Auch über den Gottesdienstbesuch gibt die Zeitung Auskunft. In Klein-Eichen betrug der Gottesdienstbesuch an 27 Sonntagen 733 Männer. Fast genau soviel wie im Jahr zuvor mit 737 Männern. Die Frauen gingen mit 867 fleißiger zur Kirche. Dagegen waren es 1934 nur 760 Frauen. Auch die Kinder wurden mit 351 in der Kirche gezählt. Dazu errechnete man auch den Durchschnittsbesuch mit 29 Männern, 30 Frauen und 13 Kindern.

Dazu gab es eine Bemerkung, dass die Klein-Eichener Gemeindeglieder an den übrigen Sonntagen die Gottesdienste in Groß-Eichen besuchten. Am Abendmahl nahmen in Klein-Eichen teil 91 Männer und 85 Frauen. An Gaben für kirchliche Zwecke und "christliche Liebestätigkeit" gingen im Kirchspiel insgesamt ein: 528,21 RM. Das war auf den Kopf der erwachsenen evangelischen Bevölkerung 0,76 RM.

Fotos

 
09. Juli 1925

Freiwillige Versteigerung

Am Montag, den 13. Juli 1925, nachmittags um 2 Uhr werden aus dem Nachlass des Kaspar Zimmer 4. von Klein-Eichen 2 Kühe, 1 Kleiderschrank, 1 Weißzeugschrank, 1 Tisch, sowie verschiedene landwirtschaftliche Geräte durch das Ortsgericht in der Hofreite des Verstorbenen versteigert.

Christian Hoffmann, Bürgermeister und Ortsgerichtsvorsteher von Klein-Eichen gab dies am 9. Juli 1925 bekannt. Die Bedingungen der Versteigerung werden erst am Termin mitgeteilt.

Kaspar Zimmer war am 25. Juni 1925 verstorben. Seine Ehefrau Elisabetha Wilhelmina (geb. Zimmer) starb schon vor 20 Jahren, 1905. Sie hatten keine Kinder. Geheiratet hatten die Beiden im November 1879 in Klein-Eichen.

 
16. Juni 1925

Bürgermeisterwahl

Unsere altbewährten Ortsoberhäupter Heinrich Lein I. (Lardenbach) und Christian Hoffmann (Klein-Eichen) wurden mit erfreulicher Einmütigkeit zum jeweiligen Bürgermeister ihres Dorfes gewählt. Noch am Abend des Wahltages brachte der Männergesangverein jedem von ihnen ein Ständchen. Dieses berichtete der Grünberger Anzeiger im Juni 1925.
Christian Hoffmann hat das Amt des Bürgermeisters in Klein-Eichen schon seit 1911 inne. Bei dieser Wiederwahl ist er schon über 70 Jahre alt.

 
04. Juni 1925

Meldungen

Der Grünberger Anzeiger brachte im Sommer u. a. folgende Meldungen:

Die Aussichten für die Obsternte - Nach den Voraussagen der Landwirte ist in Spätkirschen, Zwetschen, Mirabellen und Reineclauden eine mittlere Ernte zu erwarten. Aprikosen gibt es dagegen wenige, Birnen scheinen sogar ganz auszusetzen. Um so größere Hoffnung setzt man auf die Apfelbäume, wenn hier die Raupen keinen unverhältnismäßig großen Schaden verursachen. Die Raupenplage ist in diesem Jahre infolge des milden Winters besonders stark. Auch läuse und Käfer treten in starkem Maße auf, insbesondere macht sich auch die schädliche Blattlaus bemerkbar. An zahlreichen Apfelbäumen sieht man zurzeit schon die sogenannten "Blutlausschnurrbärte" hängen. Die Landwirte beeilen sich demnach zur Vertilgung dieses Ungeziefers.

Die Zweimarkstücke - Während bisher nur silberne Ein- und Dreimarkstücke im Umlauf waren, ist jetzt die Prägung der silbernen Zweimarkstücke in vollem Gang. Die ersten Stücke sind bereits in Umlauf gekommen. Die Stücke werden schon in den allernächsten Tagen zur Ausgabe gelangen. Die Prägung der Zweimarkstücke ist wesentlich besser als die der Einmarkstücke.

Auserkurssetzung von Reichsbanknoten - Am 5. Juni verlieren alle Reichsbanknoten, die vor dem 11. Oktober 1924 liegendes Datum tragen, die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Nur Reichsbankanstalten tauschen diese Noten noch bis zum 5. Juli ein.

Bei der Volks-, Berufs- und Betriebszählung am 16. Juni dieses Jahres wird zum erstenmal wieder seit der Volkszählung 1910 die Frage nach dem Religionsbekenntnis erhoben. Sie ist nicht nur vom Standpunkt der Kirchen- und Religionsgesellschaften, sondern auch vom Standpunkt der Bevölkerungswissenschaft von großem Belang. Denn die Verschiebungen innerhalb der Konfessionen, wie wir sie von Volkszählung zu Volkszählung feststellen können, sind zum kleinsten Teil auf Über- und Austritte zurückzuführen. Vielmehr sind sie das Ergebnis der starken Wanderungsbewegung, die sich jahrein und jahraus innerhalb unseres Volkes vollzieht und unter den Schlagworten "Landflucht", "Zug nach der Stadt", "Zug nach dem Westen" hinreichend bekannt ist. Aus dem Religionsbekenntnis lassen sich deshalb interessante Rückschlüsse auf die Binnenwanderung der Bevölkerung ziehen.

 
16. Mai 1925

Neuer Kommandant

Im Mai 1925 ist Karl Kühn als 1. Kommandant für die Pflichtfeuerwehr der Gemeinde Klein-Eichen ernannt und verpflichtet worden. Als 2. Kommandant ist Karl Volp ebenfalls ernannt und verpflichtet worden.

Schon im Jahr 1856 hat eine Pflichtfeuerwehr im Dorf bestanden. Also bevor 1890 eine neue Landesfeuerlöschordnung für das Großherzogtum Hessen erlassen wurde, deren wichtigster Inhalt die Einrichtung von fest organisierten, gut ausgerüsteten, und durch regelmäßige Übungen ausgebildete Feuerwehren in jeder Gemeinde war.

Die Pflichtfeuerwehr war der Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr. Diese wurde in Klein-Eichen erst 1954 gegründet.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
25. April 1925

Wiegemeister

Wie der Grünberger Anzeiger berichtet, ist Wilhelm Dörr zum Wiegemeister-Stellvertreter der Gemeindeviehwaage zu Klein-Eichen ernannt und verpflichtet worden.

(Grünberger Anzeiger)

 
20. Februar 1925

Theaterabend

Nach zweijähriger Pause tritt der Männergesangverein Lardenbach/Klein-Eichen wieder mit einem Theaterabend an die Öffentlichkeit. Die von ihm bereits aufgeführten "Heiteren Dorfbilder" und "'s Millersch Liesl von Michelboch" werden bei seinen Gästen noch in guter Erinnerung sein. Getreu seinem Grundsatz, nichts Schlechtes zu bringen, spielt er diesmal das ganz neue Volksstück "Der Oekonomierat" und das herrliche Singspiel "Heimweh". Die Bühnenausstattung ist für ländliche Verhältnisse außergewöhnlich; die Rollen sind gut besetzt (Ernst Lein und August Sauer in den Hauptrollen). Alles in allem verspricht der nächste Sonntagabend (22. Februar 1925) genußreich zu werden.

(Grünberger Anzeiger)

 
07. Dezember 1924

Reichs- und Landtagswahl am 7. Dezember 1924

Während die Wahl im Mai 1924 noch stark von den Auswirkungen der sozialen Folgen der Inflation und der Stabilisierung bestimmt war, fand die Dezemberwahl in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs statt. Die Arbeitslosigkeit, die im Sommer 1924 noch einmal stark gestiegen war, ging im Herbst deutlich zurück. Die Löhne stiegen deutlich an und auch die Arbeitszeit sank teilweise ab.

Das Ergebnis der Wahl vom Dezember unterschied sich von der im Mai durch die deutlich geringere Bedeutung der radikalen Parteien. Die Flügelparteien wurden stark geschwächt. Davon konnte die DNVP leicht und die SPD deutlich stärker profitieren. Der Stimmenanteil der DNVP stieg von 19,5 % auf 20,5 %. Die SPD wuchs von 20,5 % auf 26 %. Die KPD sank von 12,6 % auf 9 % und die Nationalsozialisten und Völkischen zusammen fielen von 6,5 % auf 3 % ab. Im Bereich der DDP und DVP sowie des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei waren die Veränderungen gering.

Der Landtag des Volksstaates Hessen war das Landesparlament und damit die Legislative des Volksstaates Hessen in der Weimarer Republik. Sein Vorgänger waren die Landstände des Großherzogtums Hessen, sein Nachfolger der Hessische Landtag. Bei den Landtagswahlen im Volksstaat Hessen wird die bisherige Regierungskoalition bestätigt. SPD, Zentrum und DDP erreichen mit 43 von 70 Sitzen zusammen die absolute Mehrheit.

In den Dörfern des Vogelsberges gewann deutlich der Hessische Bauernbund vor der Sozialdemokratischen Partei. Bei der Landtagswahl erhielt der H. Bauernbund 9 Sitze. Der Sitz des Landtags war das Ständehaus am Luisenplatz in Darmstadt.

Klein-Eichen
Reichstag

Klein-Eichen
Landtag
Lardenbach
Reichstag
Lardenbach
Landtag
Sozialdemokratische Partei
5
6
27
27
Deutschnationale Volkspartei
-
-
14
10
Deutsche Zentrumspartei
-
-
-
1
Kommunnisten
-
-
1
-
Deutsche Volkspartei
2
-
6
2
Nationalsoz. Freiheitsbewegung
-
-
1
-
Demokratische Partei
-
-
3
3
Wirtschaftspartei d. d. Mittelst.
1
1
-
-
Hessischer Bauernbund
71
72
119
126
Haeußerbund
1
-
2
-
Freiwirtschftsbund FFF
-
-
-
-
Unabhängige S. P. D.
1
-
-
-
Vereinigte sch. h. Landwirte
-
2
-
4

Fotos

 
04. Mai 1924

Reichstagswahl 1924

Die Reichstagswahl vom Mai 1924 endete mit einem erheblichen Stimmengewinn der extremen Rechten und einer schweren Niederlage der gemäßigten Linken. Die DNVP konnte ihre Stimmenzahl im Vergleich mit der Reichstagswahl von 1920 um 1,4 Millionen erhöhen. Ihr Stimmenanteil stieg von 15,1 % auf 19,5 %. Damit stieg die Partei zur stärksten Kraft unter den bürgerlichen Parteien auf und war nach der SPD die zweitstärkste Partei insgesamt. Die Deutschvölkische Freiheitspartei kam auf 1,9 Millionen Stimmen, was einem Anteil von 6,5 % entsprach. Ein nicht beträchtlicher Teil der Wähler hatte 1920 noch die DNVP gewählt. Insgesamt stimmte ein Viertel der Wähler für die antirepublikanische Rechte.

In Klein-Eichen erhielt die Vereinigte sozialdemokratische Partei (Ulrich) 4 Stimmen. Die Deutsche Volkspartei (Becker) hatte nur eine Stimme. Sieben Stimmen entfielen auf die Deutschnationale Volkspartei (Werner). Der Völkisch-Soziale Block (Dinter) kam auf 3 Stimmen. Der Hessische Wirtschaftsbund (Walther) hatte nur eine Zustimmung. Dagegen wählten den Hessischen Bauernbund (Dorsch) ganze 66 Wähler. Also verzeichnete man 79 gültige Stimmen im Dorf.

Vermutlich war das Klein-Eichener Wahllokal bei Bürgermeister Christian Hoffmann eingerichtet. Jeder Wähler erhielt einen Stimmzettel auf dem alle im Wahlkreis Hessen zugelassenen Wahlvorschläge verzeichnet waren. Diesen Einheits-Stimmzettel erhielt man nun erst im Wahllokal. Und nicht wie früher, wo dieser ins Haus gebracht wurde. Weiterhin erfolgte zu der Wahl der Hinweis, Bleistift und Brille nicht zu vergessen! Der ausgefüllte Stimmzettel sollte dann in den amtlichen Wahlumschlag gesteckt werden, den man ebenfalls im Wahllokal erhielt.

Lardenbach wählte übrigens mit Ilsdorf-Solms zusammen. Auch hier konnte der Hessische Bauernbund die meisten Stimmen sammeln. Ganze 207 gültige Stimmen wurden in den beiden Dörfern abgegeben. Im Januar 1919 wurde der Hessische Bauernbund in Friedberg neu gegründet. Politisch stand er dem Landbund bzw. Reichslandbund und der DNVP nahe. Er verstand sich als Interessenvertretung der ländlichen Bevölkerung und vertrat konservative und antisemitische Positionen.

Fotos

 
03. Mai 1923

Feldgeschworener

Der Grünberger Anzeiger berichtete am 3. Mai 1923 von der Ernennung und Verpflichtung des Landwirtes Heinrich Eckhard zum Feldgeschworenen der Gemeinde Klein-Eichen. Da es schon 90 Jahre früher den Namen Eckhard nur mit der Endung "d" geschrieben im Dorf gegeben hat, kann man davon ausgehen, dass hier nicht die Familie Eckhardt des späteren Bürgermeisters gemeint ist.

Das Amt des Feldgeschworenen ist eines der ältesten Ämter der kommunalen Selbstverwaltung. Das Ehrenamt soll schon im 13. Jahrhundert entstanden sein. Die Obrigkeit erkannte die Notwendigkeit, das vor Ort Ansprechpartner in den Dörfern nötig waren, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auskannten und die Grenzbeaufsichtigung gewährleisteten.

Da zu der damaligen Zeit jeder kleinste Acker bzw. Wald sehr wertvoll und wichtig für die Bauern und Gemeinden war, wurden im Laufe der Jahrzehnte häufiger einmal die Grenzen etwas verschoben. Die Grenzen waren in der Regel festgelegt durch z. B. Bäume, Büsche, Hecken oder auch durch Gräben. Mit der Zeit jedoch setzte man zur Kennzeichnung der Grenze die so genannten Grenzsteine.

Besonders in Wald- oder abgelegenen Gebieten traten solche Grenzverschiebungen häufiger auf. Daher begann man in angemessenen Zeiträumen die Gemarkungsgrenze der Gemeinde zu begehen. Es wurden neben Amtspersonen, auch "Feldgeschworene" der betroffenen Gemeinden gewählt, um die Ordnung der Grenze zu überprüfen und sicher zu stellen. Diese Grenzbegehungen als erforderliche Notwendigkeit, waren sehr wichtig, um Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Nachbargemeinden bezüglich des korrekten Grenzverlaufes zu schlichten und zur Einigung zu bringen. Etwaige Grenzverletzungen mussten den zuständigen Ämtern gemeldet werden.

Feldgeschworene setzten Grenzsteine höher oder tiefer, wechselten beschädigte Grenzzeichen aus und entfernten Grenzzeichen. Feldgeschworene hatten das Recht Grenzermittlungen, Grundstücksteilungen und -abmarkungen durchzuführen.

(GA)

 
02. Mai 1916

Gewitter

Am 2. Mai 1916 hat ein schweres Gewitter in Lardenbach, Klein-Eichen, Seenbrücke und Stockhäuser Hof vier Blitzeinschläge verursacht ohne jedoch besonderen Schaden anzurichten. So berichtete der Grünberger Anzeiger in seiner Ausgabe vom 5. Mai. In Lardenbach schlug der Blitz in die Scheune des Landwirts Knöß und zündete. Da sofort Hilfe zur Stelle war, gelang es, dank der Wasserleitung, die sich hier zur Verhütung eines großen Schadenfeuers wieder einmal sehr nützlich erwies, den Brand im Keime zu ersticken. Glücklicherweise fanden sich an der Stelle, wo der Blitzstrahl niederging, nicht viel brennbare Gegenstände, sodaß das Feuer keine Nahrung fand.

In Klein-Eichen schlug der Blitz in einen Apfelbaum. Auf dem Stockhäuser Hof ging ein Blitzstrahl auf einem Acker in der Nähe eines dastehenden Wagens zur Erde und riß eine lange Furche in den Erdboden. Auf der Seenbrücke ging der Blitzstrahl in eine junge Eiche. Die vier Blitzschläge gingen in einem Umkreise von kaum einer halben Stunde nieder.

 
07. März 1916

Jahresbeginn 1916

Im dritten Jahr des 1. Weltkriegs offenbarte sich die Kriegsmüdigkeit der Armeen. Die Knochenmühle von Verdun forderte Menschenopfer ohne Ende, auf beiden Seiten. Jede Angriffsoperation war mit großen Verlusten verbunden. Auch die Zivilbevölkerung wurde immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Die männlichen Arbeitskräfte wurden an der Front als Kanonenfutter eingesetzt. So nahmen Frauen die Arbeitsplätze der Männer ein. Durch den Ausfall von Einfuhren hungerten die Menschen in Deutschland.

Für die Landbevölkerung im Vogelsberg endete jedoch die Petroleumnot. Zum erstenmal seit einem Jahr sind in den Häusern die Petroleumlampen wieder gefüllt. Die Qualität des jetzt im Handel zu bekommenden Steinöls ist besser als das vorherige aus Rumänien. Aber es riecht stärker als das amerikanische Petroleum. Das Karbidlicht ist im Moment nicht mehr gefragt.

Die Großherzogliche Regierung hat die Erweiterung des Schlachtverbotes angeordnet und verfügt, dass um die Versorgung der hessischen Städte mit Fleisch-, Milch- und Vieherzeugnissen zu schützen, der Verkauf und das Schlachten von Milchkühen und jungen Rindern bis zu einem Alter von zwei Jahren verboten ist. Der Ankauf von Jungvieh und Milchkühen zur Schlachtung in Hessen und das außer Landes bringen ist ebenfalls verboten. Das Schlachten von eingeführten Tieren ist erlaubt.

Der Bundesrat hat im März eine Verordnung erlassen, dass bei der Enteignung von Kartoffeln der Höchstpreis für die Tonne um 30 Mark zu kürzen ist. Der Höchstpreis für Kartoffeln beim Verkauf durch den Erzeuger im Großhandel in Hessen hat 96 Mark für die Tonne zu betragen. Der Preis für den Doppelzentner inländischer Frühkartoffeln darf beim Verkauf durch den Erzeuger 20 Mark nicht überschreiten. Als Frühkartoffeln gilt die Ernte, die vor dem 15. August 1916 geliefert wird.

Klein-Eichen hat sein erstes Opfer zu beklagen. Am 24. Februar 1916 kommt Karl Schütz (Hinterdorf) ums Leben. Die weiteren Umstände sind nicht bekannt. Einige Tage vorher erhielt der Musketier Otto Keller aus Lardenbach das Eiserne Kreuz zweiter Klasse für tapferes Verhalten vor dem Feinde in Galizien von Seiner Majestät dem Kaiser persönlich überreicht. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse hatte auch schon sein Bruder Wilhelm erhalten.

(GA)

 
18. November 1915

Die Verbreitung der Karbidlampe im Weltkrieg

Der Grünberger Anzeiger berichtete im Herbst 1915: "In unseren Ortschaften hat jetzt die Karbidlampe eine ungeahnte Verbreitung gefunden. Sie tritt an Stelle der altgewohnten Petroleumlampe. Da das Petroleum nicht in dem Maße geliefert werden kann, wie es das Bedürfnis erheischt, so brennt man Karbid.

Die anfänglichen Karbidlampen waren aus Messing, Nickel und anderem Metall. Da diese Metalle beschlagnahmt worden sind, so werden sie jetzt aus anderen, billigeren Metallen hergestellt. Die Lampen sind aber nicht billiger, sondern teurer geworden. Das macht die Nachfrage. Es hat auch das Karbid eine Teuerung erfahren, die in dieser ernsten Zeit der Verteuerung der Lebensmittel auffällt.

Im vorigen Jahre kostete die Tonne Karbid 25 Mark, jetzt kostet sie über 40 Mark. also eine Verteuerung um fast das Doppelte. Hier ist die Frage wohl nicht unbegründet, ob denn gleich ein Brennstoff, der doch aus der Steinkohle hergestellt wird, eine solche Teuerung erfahren muß. Die starke Nachfrage kann allein eine solche Verteuerung nicht erklären."

Das zweite Kriegsjahr, 1915, verdeutlichte dass der Krieg noch länger andauern würde. Im Prinzip konnte keine Seite in diesem Jahr wesentliche Erfolge erzielen. Die Fronten waren verhärtet. Der Stahlhelm löste im deutschen Heer die Pickelhaube nach und nach ab. Der erste Gasangriff erfolgt bei Ypern durch Abblasen von Chlorgas aus Druckgasflaschen.

Im November schreibt der Grünberger Anzeiger: "Die Karbidlampe, die jetzt fast allgemein an Stelle der Petroleumlampe auf dem Land getreten ist, vermag diese nicht völlig zu ersetzen. Wohl brennt das Karbidlicht heller, blendender als das Petroleumlicht, aber ihm fehlt die Gleichmäßigkeit und die Beständigkeit des letzteren.

Wenn die Karbidlampe angezündet ist, dann leuchtet sie am hellsten. Der Karbidbehälter wird naturgemäß mit der Brenndauer wärmer, ja heiß. Diese Hitze beeinträchtigt aber die Leuchtkraft der Flamme, sie wird röter und matter. Eine Erschütterung der Lampe durch einen Stoß bringt dann ein vorübergehendes Anwachsen der Flamme.

Oft übersieht man die Pflege des Brenners bei der Karbidlampe. Die Flamme darf nie von selbst erlöschen, sondern muß ausgeblasen werden. Andernfalls verrußt der Brenner, und die Lampe leuchtet nicht. Zählt man noch die Behandlung der Karbidlampe hinzu, die tägliche Reinigung erheischt, so versteht man das Urteil, das da leutet: Die Karbidlampe ist ein Notbehelf."

Eine Karbidlampe ist eine Gaslampe, in welcher der Brennstoff in chemisch gebundener Form transportiert und erst kurz vor der Verbrennung in Gas umgewandelt wird. Der Körper der Lampe besteht aus zwei übereinander angeordneten Behältern. Im unteren Behälter der Lampe befindet sich Calciumcarbid, auf das aus dem oberen Behälter Wasser tropft. Das entstehende Ethin-Gas verlässt den unteren Behälter durch eine kurze Rohrleitung, die in einem Brenner endet, der vor einem Hohlspiegel aus Metall fixiert ist. Das entweichende Gas wird am Brenner entzündet. Die grelle Flamme wird vom Spiegel fokussiert und zur Beleuchtung genutzt.

(GA/wiki)

 
13. Oktober 1915

Erster Weltkrieg im Herbst 1915

Das zweite Kriegsjahr zeigte, daß es sich nicht um einen Krieg von wenigen Wochen handeln würde. Keine Seite konnte in diesem Jahr wesentliche Erfolge erringen. Alle waren damit beschäftigt, ihre Infrastruktur auf eine Kriegsproduktion umzustellen. Noch zu Kriegsbeginn war das Haupttransportmittel für Mensch und Material das Pferd. Im Sommer begann der deutsche Angriff auf Rußland, der bis zum Herbst zur Besetzung Russisch-Polens führte. Und im Oktober erfolgte der deutsch-österreichische Angriff auf Serbien. Bis November war das Land besetzt und besiegt.

Nachdem sich schon bald nach Kriegsbeginn herauskristallisierte, dass es mit einem schnellen Sieg nichts werden würde, musste man sich in Deutschland Gedanken machen, wie die Rüstungsindustrie am Laufen gehalten werden konnte. Gerade die sich abzeichnenden Materialschlachten an Ost- und Westfront und die englische Seeblockade offenbarten die Notwendigkeit für das deutsche Militär, neue Rohstoffquellen für sich zu erschließen.

Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hatte daher zwei Verordnungen erlassen, die am Rathaus in Grünberg ausgehängt und im Grünberger Anzeiger abgedruckt wurde. Dabei ging es um die Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. Dies betraf Geschirr und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben, Waschkessel, Türen und Kachelöfen und Kochmaschinen bzw. Herde. Auch Badewannen und Warmwasserbehälter mussten gemeldet werden.

Ebenso meldete der Grünberger Anzeiger am 13. Oktober 1915, dass aus der Gemeinde Klein-Eichen 17 Mann unter den Fahnen stehen. Und das bis zu diesem Zeitpunkt noch alle gesund seien. Nur einer hatte eine Verwundung erlitten.

 
27. Juli 1915

Landwirtschaft und Kohlweißling

Vor 100 Jahren, im Sommer 1915, hat die Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen an die hiesigen Landwirte appelliert, für den langen Winter zu sorgen und Vorräte einzusammeln für die Erhaltung und Vermehrung des Viehstandes. Dies habe gerade im gegenwärtigen Kriegsjahr eine besondere Bedeutung wegen der Fleischversorgung der Bevölkerung. Ein vorsichtiger Landwirt mache bei Beginn der neuen Ernte seine Scheunen nicht leer. Er behalte vielmehr einen Vorrat für die spätere Zeit, da er nicht wisse, was die Witterungverhältnisse bringen. Deshalb sollten die Landwirte ihre alten Heu- und Strohvorräte sorgsam hüten und nicht abstoßen. Das Heu sei eines der wichtigsten Futtermittel im landwirtschaftlichen Betrieb in der Zukunft.

Unterdessen entwickelten die Schüler Lardenbachs und Klein-Eichens auf Anregung ihres Lehrers in der Vertilgung des massenhaft auftretenden Kohlweißlings lobenswerten Eifer. Sie hätten bis jetzt über 15000 Stück gefangen. Als Lohn erhielten sie Hefte mit schönen Erzählungen.

Auf den Feldern oder in den Gärten war der Kohlweißling nicht gerne gesehen. Die Raupen dieses Schmetterlings fressen Kohl u. a. bis auf den Strunk kahl. Daher gab es solche Aktionen bei denen die Schulkinder gegen solche Plagen eingesetzt wurden.

(Grünberger Anzeiger)

 
08. März 1915

Januar, Februar und März 1915

Seit mehr als einem halben Jahr tobte der Erste Weltkrieg. Krieg ist im Osten und Westen. An Land, in der Luft und auf dem Wasser. Während aus Klein-Eichen bis dahin noch kein Soldat ums Leben kam, sind schon zwei Lardenbacher in diesen ersten Monaten umgekommen.

Im Januar findet die Reichswollwoche statt. Warme Unterwäsche für die deutschen Truppen werden gesammelt. Der deutsche Bundesrat rät zu einem sparsamen Umgang mit Nahrungsmitteln. Im Februar wird vom Bundesrat beschlossen, dass alle deutschen Hafervorräte beschlagnahmt werden sollen.

Zu Beginn des Jahres wird in Grünberg in der Turnhalle ein Lazarett eingerichtet. Die Ausstattung dazu, wie Betten und Wäsche wird gesammelt. Ebenfalls an die "Opferwilligkeit" aller Grünberger Bewohner und der umliegenden Orte wird vom Roten Kreuz appeliert Kartoffeln, Gemüse, Eier, Butter, Milch, Honig, Gelee und Kolonialwaren jeder Art zur Verfügung zu stellen.

Nachdem in Bobenhausen II, Groß-Eichen, Laubach, Sellnrod und Schmitten die Maul- und Klauenseuche erloschen und die vorschriftsmäßig ausgeführte Desinfektion abgenommen worden ist, sind die angeordneten Maßnahmen über Sperrbezirke wieder aufgehoben worden. Der Kreis Schotten gilt damit als frei von Maul- und Klauenseuche. Allerdings bilden die Gemarkungen Groß-Eichen, Klein-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach, Solms-Ilsdorf, Sellnrod, Schmitten und Freienseen wegen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Weickartshain ein gefährdetes Gebiet.

Anfang Februar wird im Grünberger Anzeiger gemeldet: " Die Bewohner der Dörfer, die noch nicht mit einer elektrischen Lichtzentrale vebunden sind und auch nach Lage der Zeit eine solche in absehbarer Zeit nicht erhalten, sahen sich gezwungen, nach einem Ersatz des mangelnden Petroleums sich umzusehen. Der wird jetzt voll geboten in den "Karbid-Lampen". Diese Acetylen-Tischlampen, wie man sie jetzt überall bekommen kann, ersetzen nicht nur die alt gewordenen Petroleumlampen, sondern übertreffen sie an Leuchtkraft und stellen sich im Gebrauch nicht teurer wie Petroleum."

"Für den Kreis Schotten sind Höchstpreise für Roggenbrot, Schweinefleischware und Kartoffeln festgesetzt worden. Hiernach darf der Preis für den vierpfündigen Laib Brot 70 Pfg. nicht übersteigen. Die Höchstpreise für Schweinefleischware sind: Bauchfleisch 90 Pfg., Bratfleisch 95 Pfg., Kotelettfleisch 1 Mark, Speck 1,20 Mark, Blutwurst 80 Pfg. und geräucherte Leberwurst 1 Mark. Für Speisekartoffeln verschiedenster Sorten darf der Preis für den Doppelzentner bester ausgelesener Kartoffeln bei freier Lieferung 7 Mark nicht übersteigen. Diese Festsetzungen gelten auch für Verkäufe nach Orten außerhalb des Kreises Schotten, ohne Rücksicht darauf, ob diese dem Großherzogtum Hessen angehören oder nicht."

"Die Musterung und Aushebung sämtlicher in den Jahren 1875 bis 1884 geborenen Pflichtigen, welche von einer Ober-Ersatzkommission die entgültige Entscheidung "Landsturm mit Waffe" oder "Landsturm ohne Waffe" erhalten haben und die früheren ungedienten Ersatz-Reservisten, die infolge ihres Alters inzwischen zum Landsturm übergetreten sind, findet im Kreis Schotten am Mittwoch den 17. Februar 1915 vormittags 8 1/2 Uhr im Rathaussaale zu Schotten statt. Das gilt für die Gemeinden Freienseen, Gonterskirchen, Groß-Eichen, Höckersdorf, Solms-Ilsdorf, Klein-Eichen, Lardenbach und Laubach."

"Landwirtschaftliche Versammlung in Groß-Eichen: Am Montag den 8. März findet in Groß-Eichen eine Versammlung statt, in welcher Ökonomierat Spieß aus Friedberg einen Vortrag über das Thema "Der deutsche Bauersmann und der Weltkrieg" mit anschließender Besprechung halten wird. Zu der Versammlung, die um 8 Uhr abends im Saale des Gastwirtes Ed. Rahn beginnt, sind alle Freunde der Landwirtschaft eingeladen. Die Versammlung wird in erster Linie für die Gemeinden Groß-Eichen, Höckersdorf, Lardenbach und Klein-Eichen veranstaltet."

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17. Oktober 1914

Maul- und Klauenseuche

Vor 100 Jahren, im Oktober 1914 ist in Klein-Eichen und Lardenbach die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die beiden Dörfer bildeten einen Sperrbezirk. Einige Tage später in diesem Monat, am 17. Oktober, kamen die Dörfer Merlau und Sellnrod hinzu. Diese Viruserkrankung war lange, gerade bei Landwirten gefürchtete, immer wiederkehrende Seuche beim Vieh. Selbst der Viehmarkt des Grünberger Gallusmarktes fand in dieser Zeit des 1. Weltkrieges wegen der Maul- und Klauenseuche nicht statt.

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Rindern und Schweinen und ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Auch andere Paarhufer wie Rhe, Ziegen und Schafe, aber auch Elefanten, Ratten und Igel können sich infizieren. Pferde sind nicht für MKS anfällig. Eine Infektion des Menschen tritt gelegentlich auf.

Die durch eine Infektion mit dem Virus ausgelöste Maul- und Klauenseuche tritt in der Regel lokal auf und das Virus wird in erster Linie durch Kontakt- wie durch Schmierinfektion bei direktem Kontakt mit infizierten Tieren, mit kontaminierten Pferchen oder Viehtransportfahrzeugen übertragen. Allerdings kann das Virus auch durch die Luft verbreitet werden.

Da Menschen nur sehr selten infiziert werden, die Seuche sich aber unter Tieren äußerst schnell ausbreitet, ist MKS vornehmlich eine gravierende Bedrohung für die Landwirtschaft. Wie diese Erkrankung damals ausging ist leider nicht überliefert.

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01. Dezember 1913

Amtliche Viehzählung 1913

Die zweite amtliche Viehzählung im Kreis Schotten fand im Dezember 1913 statt. Im Gegensatz zu vor einem Jahr gab es in Klein-Eichen 7 Stück Rindvieh mehr, nämlich nun 222. Im Nachbarort Lardenbach steigerte sich die Zahl des Rindviehs deutlicher. Um 73 Stück nahm dort der Bestand auf 354 zu. Von der Gesamtzahl des Rindviehs gab es in Klein-Eichen 129 Kühe. Und in Lardenbach waren es 203 Kühe.

Die Anzahl der Schweine war in beiden Dörfern nur etwas geringer als die des Rindviehs. In Klein-Eichen waren dies 213 Schweine. Mit darunter 12 Zuchtsauen. Damit hatte auch die Stückzahl der Schweine um 16 zugenommen. In Lardenbach gab es vor 100 Jahren 332 Schweine. Inbegriffen 32 Zuchtsauen.

Schafe und Ziegen gab es, genau wie vor einem Jahr, keine in Klein-Eichen. In Lardenbach zählte man immerhin 21 Ziegen. Neu gezählt wurden auch die Kaninchen. Gemeint sind wohl auch die Stallhasen. Jedenfalls gab es davon nur 22 Stück in Klein-Eichen und ganze 100 in Lardenbach.

Leider wurden keine Zahlen über den Bestand der Pferde und des Federviehs veröffentlicht. Der größte Viehbestand im Kreis Schotten war damals in Ulfa zu finden. Hier gab es 839 Stück Rindvieh und 1080 Schweine.

Von der Landwirtschaft gab es aus dieser Zeit weiterhin zu berichten, dass der Bund der Landwirte in Oberhessen Vorträge über "Neuere Grundsätze für die Anwendung der künstlichen Düngemittel" in mehreren Orten abhielt. So auch am 8. Dezember 1913, abends um 8 Uhr, im Gasthof des Friedrich Faust in Groß-Eichen. Hierzu waren alle Mitglieder des BdL sowie alle interessierten Landwirte und Gartenfreunde aus den Ortschaften Ilsdorf, Ruppertenrod, Ober-Ohmen, Höckersdorf, Bobenhausen II, Sellenrod, Klein-Eichen, Lardenbach und Stockhausen eingeladen.

Referiert wurde über die Zweckmäßige Ernährung der Kulturpflanzen. Und da ging es um den Kunstdünger der vor etwas mehr als 100 Jahren entwickelt wurde. Es wurde ein Verfahren gefunden, das die massenhafte Herstellung von Ammoniak ermöglichte. Dieses Verfahren bildete die Grundlagen der Produktion von synthetischem Stickstoff-Dünger, dem sogenannten »Kunstdünger«. So ist beispielsweise in Deutschland die agrarische Produktion zwischen 1873 und 1913 um 90 % gestiegen. Diese Zunahme basierte neben der Mechanisierung der Landwirtschaft und wissenschaftlich begründeter Tierzucht insbesondere auf der Verwendung von bergbautechnisch gewonnenen bzw. industriell hergestellten Düngemitteln.

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02. Dezember 1912

Viehzählung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Deutschland nach wie vor ein agrarisch geprägter Staat. Die Zahl der Bauern machte zirka 60 Prozent der Bevölkerung aus. Mehr als die Hälfte wirtschaftete auf einem Parzellenbetrieb, der nicht größer als zwei Hektar war. Dem folgten die Klein- und Mittelbauern, deren Betriebe eine Größe zwischen zwei und 20 Hektar hatten. Zu den Großgrundbesitzern zählten lediglich fünf Prozent aller Höfe. Geografisch wies die landwirtschaftliche Produktionsweise, die als Folge einer generationenübergreifende Erbteilung entstanden war, zwischen Nord und Süd sowie West und Ost große Unterschiede auf. In Hessen wurde die Realteilung praktiziert. Jedes männliche Kind erbte, was zu einer Zersplitterung der Anbauflächen führte. Die Felder wurden immer kleiner und unwirtschaftlicher. Viele Höfe konnten sich gerade noch selbst versorgen. Mancher Bauer hat sich noch andere Arbeit gesucht, meist als Handwerker.

Innerhalb des Dorfes unterschied man die kleine soziale Klasse der Gäulsbauern, die sich Pferde als Zugtiere leisten konnten, von der größeren der Kuhbauern mit weniger Landbesitz und von den Ziegenbauern, die keine Zugtiere hatten. Vor 100 Jahren gab es in Klein-Eichen allerdings keine einzige Ziege. Auch keine Schafe waren zum Ende des Jahres 1912 im Dorf zu finden. Dies belegt eine Viehzählung die am 2. Dezember dieses Jahres im gesamten Kreis Schotten erfolgte. In Lardenbach dagegen waren 21 Ziegen, aber auch keine Schafe vorhanden.

Seit 1874 gehörte Klein-Eichen zum Kreis Schotten. Dieser bestand dann bis 1938. Vor 100 Jahren zählte man etwa 180 Einwohner im Dorf die in 32 Wohnhäuser lebten. Das größere Lardenbach hatte damals ungefähr doppelt so viele Bewohner. Die Landwirtschaft war die Haupterwerbstätigkeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Ackerpflug noch von Pferd oder Kuh gezogen, die Saat aus dem Sätuch gesät, die Disteln von Hand gestochen, das Getreide mit der Sense gemäht, die Garben von Frauen eingebunden, die Körner mit dem Dreschflegel ausgedroschen, die Frucht zur Mühle gefahren, das Mehl zu Brot von Hand geknetet, der Backofen angeheizt, usw......
Viele fleißige Hände wurden gebraucht, um die Ernährung zu sichern. Die Viehhaltung forderte einen großen Anteil der Arbeitszeit, vor allem die Stallpflege und die Aufzucht der Jungtiere. Heu und Grummet, Futterrüben und ein Teil der Getreide- und Kartoffelernte lieferten das notwendige Futter.

Im Gegensatz zu der Einwohnerzahl, hatte Klein-Eichen jedoch mehr Pferde, nämlich 16, als das unmittelbare Nachbardorf mit 11 Pferden. Auch bei der Anzahl des Rindviehs war das Verhältnis von 215 (Klein-Eichen) zu 281 (Lardenbach) nicht so weit auseinander. Das Hausschwein fand sich diesseits des Grenzgrabens 197 mal. Auf der anderen Seite zählte man 259 Stück im Dezember vor 100 Jahren. Bis zum Stichtag geschlachtet wurden im Klein-Eichen 67 Schweine. Mit 120 Schweine-Schlachtungen war der Bedarf in Lardenbach fast doppelt so hoch. Hier spiegelt sich wohl die Einwohnerzahl.

Wichtig für die Grundversorgung war auch das Federvieh. Es gibt nur die eine Zahl 590 Stück. Hier sind bestimmt nicht nur Hühner enthalten, sondern auch Gänse und vielleicht auch Enten und Truthähne. Die Anzahl des Federviehs in Lardenbach betrug 861 Stück. Gezählt wurden damals auch die Bienenstöcke. Und das ergab 6 Stück in Klein-Eichen zu 10 Stück in Lardenbach.

Solche Viehzählungen wurden in Deutschland erstmals 1873 durchgeführt. Seit 1912 sind dann jährliche amtliche Ermittlungen des Viehbestandes eingeführt worden. Der Pferde- und Geflügelbestand wird jährlich, der Rindvieh- und Schafbestand wird halbjährlich ermittelt, für Schweine finden vierteljährliche oder monatliche Zwischenzählungen statt.

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27. Juli 1912

Zeitungs-Meldung

Was so alles in der Zeitung stand! Im Grünberger Anzeiger vom 27. Juli 1912 war diese kleine Meldung zu finden. Leider ist nicht bekannt, wem dieses Missgeschick passierte.

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24. Februar 1912

Grubenunfall

Viele Jahre lang war die Landschaft im vorderen Vogelsberg, von Freienseen bis Nieder-Ohmen, geprägt durch große Eisenerztagebaue. Bis in die späten 1960er Jahre war neben Land- und Forstwirtschaft der Bergbau eine der wichtigsten Erwerbsquellen der Bevölkerung. Durch die Entwicklung einer Infrastruktur und der daraus resultierenden kommerziellen Ausbeute der oberhessischen Erzvorkommen, wurde die Not der Landbevölkerung deutlich gelindert. Die Arbeit in der Erzförderung und Aufbereitung stellte eine beachtliche Erwerbsquelle dar. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts waren bis zu 600 Bergleute in den Gruben tätig.

In der Klein-Eichener Gemarkung gab es direkt keine Grube zur Förderung des Eisenerzes. Aber gleich in der Nachbarschaft, wie bei Lardenbach und Stockhausen, wurde im Tagebau aus der Grube Maximus und der Grube Hoffnung Erz gefördert. Erwachsene und Jugendliche arbeiteten dort für einen Durchschnittslohn von 1,60 Mark bis 3,30 Mark pro Schicht. Viele Arbeiter aus den Vogelsbergdörfern mussten bis in das Seenbachtal laufen um hier ihr Auskommen zu finden. Wenn auch für die Grubenarbeiter aus Klein-Eichen der Weg nicht so weit war, so war die Arbeit wohl schwer und auch gefährlich. Wie der "Grünberger Anzeiger" vor hundert Jahren berichtete:

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12. Januar 1912

Reichstagswahl

Die Reichstagswahl 1912 war die Wahl zum 13. Deutschen Reichstag. Sie fand am 12. Januar 1912 statt. Die Stichwahl war am 25. Januar. Es war die letzte Wahl des Reichstags vor dem Ersten Weltkrieg und die letzte im Deutschen Kaiserreich überhaupt.

Auch in den Vogelsbergdörfern wurde damals gewählt. Klein-Eichen gehörte zum Kreis Schotten. Und gehörte demnach auch zu diesem Wahlkreis. Das Wahllokal befand sich wohl beim Bürgermeister. Der war 1912 Christian Hoffmann (heute Haus Loob). Bei 32 Wohnhäusern die es damals im Dorf gab, kann man auch von 32 Familien ausgehen. Wahlberechtigt waren etwas mehr Einwohner. Das Wahlrecht war nämlich allein der männlichen Bevölkerung des Deutschen Kaiserreiches ab einem Mindestalter von 25 Jahren vorbehalten. Ebenfalls nicht wählen durften Militärpersonen, Leute mit eingeschränkter Dispositionsfähigkeit (Behinderte), Leute, die im Jahr vor der Wahl Armenunterstützung erhalten hatten, und schließlich solche, denen die Ehrenrechte aberkannt waren. Durch diese Regelungen waren kaum mehr als zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung wahlberechtigt. Immerhin gab es aber kein Dreiklassenwahlrecht wie im Staat Preußen.

Die Wahlbeteiligung im ganzen Reich lag bei rund 85% und damit etwa so hoch wie bei der Reichstagswahl 1907. Eindeutiger Wahlsieger war die SPD. Sie erhielt etwa 4.250.000 Stimmen (34,8%) und damit so viele wie noch nie zuvor eine Partei bei Reichstagswahlen. Trotz der Verzerrungen durch das Mehrheitswahlrecht und die Benachteiligung durch die seit 1871 unveränderte Wahlkreiseinteilung stellte sie auch zum ersten Mal mit 110 Abgeordneten die stärkste Fraktion. Nur die Nationalliberale Partei hatte bei den ersten Reichstagswahlen mehr Wahlkreise gewonnen. Zweitstärkste Fraktion wurde das Zentrum mit 91 Abgeordneten, obwohl es weniger als halb so viele Stimmen wie die SPD bekommen hatte. Konservative und Nationalliberale, die die Regierung von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg unterstützt hatten, verloren deutlich an Stimmen und Mandaten.

Der Reichstag war von 1871 bis 1918 das Parlament des Deutschen Kaiserreichs. Der Reichstag verkörperte neben dem Kaiser die Einheit des Reiches. Gemeinsam mit dem Bundesrat übte er die Reichsgesetzgebung aus und besaß die Mitentscheidungsgewalt über das Haushaltsgesetz. Allerdings hatte sich der Reichskanzler dem Reichstag gegenüber nicht zu verantworten. Im Jahr 1871 bestand der Reichstag aus 382, ab dem Jahr 1874 aus 397 Abgeordneten, die in allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl gewählt wurden. Gewählt wurde in Einmannwahlkreisen mit absolutem Mehrheitswahlrecht.

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1911

Wasserleitungsbau

Damals, als Deutschland noch ein Kaiserreich war und noch niemand an den Ersten Weltkrieg dachte, war der Vogelsberg eine karge Region, viele zog es fort, etwa ins Ruhrgebiet, um in den dortigen Zechen Arbeit zu finden. Wer reiste, der nahm die Bahn und deren Streckennetz war damals auch noch dichter im Vogelsberg. Ein übliches Transportmittel war das Fahrrad, wer sich eines leisten konnte, oder man ging auf Schusters Rappen.

Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verbreitete sich der Bau von Wasserleitungen immer mehr auch auf dem Land. Für uns alle ist es selbstverständlich, fließendes Wasser gibt es in jedem Haus und kommt aus dem Wasserhahn.

Aber früher war dies eine technische Neuheit und bis dahin noch nicht selbstverständlich. Vor nun 100 Jahren ist die Wasserleitung in Klein-Eichen und Lardenbach gebaut worden. Das lebenswichtige Wasser holte man bis dahin vom Brunnen vorm Haus. Mit der Hand pumpte man das Nass einige Meter hoch und schleppte volle Eimer in die Küche oder in den Stall zum Vieh.

Nachdem sich der Gemeinderat von Klein-Eichen über die Ausführungen von Wasserleitungen informiert hatte, beschloss dieser am 10. Dezember 1906, dass eine solche "Wasserleitungs-Anlage" für das Dorf gebaut werden sollte. Dabei war der Gemeinderat aber so schlau, dass nämlich die Kosten für vorhergehende Messungen und Untersuchungen, wenn diese denn ohne Erfolg wären, nur zur Hälfte von der Gemeinde zu tragen seien. Die andere Hälfte müsse dann von denjenigen Ortsbürgern bezahlt werden, die eine solche Anlage gewünscht und beantragt hatten.

Daraufhin ist wohl erstmal nicht viel passiert. Denn ein Jahr später, am 15. November 1907, stellt der Gemeinderat fest, dass die Anlage einer "Quellenwasserleitung" nicht ruhen sollte. Sondern auf Antrag der Mehrheit der Bürger sollten weitere Schürfungsarbeiten vorgenommen werden. Diese müssten nach den Bedingungen des Gemeinderatbeschlusses vom Dezember 1906 in der Gemarkung Sellnrod, etwa 2 Kilometer von "hier" entfernt vorgenommen werden.

Wieder ging einige Zeit ins Land. Nun arbeiteten aber die beiden Gemeinden Klein-Eichen und Lardenbach gemeinsam an diesem Thema. Am 16. März 1910 trafen sich Vertreter der beiden Dörfer in Sellnrod mit dem Polizeidiener Heinrich Funk VIII. Die drei Partein schlossen einen Vertrag. Darin ging es um das Vorkaufsrecht für das Gelände auf dem Grundstück Flur XIII N 74 auf dem sich die Quelle "Im See" befindet. Falls hier eine ausreichende Wassermenge gefördert werden könnte, würde die gesamte Quelle nebst dem erforderlichen Gelände für die Quellfassung und Leitungen zu einem Preis von zwölfhundert Mark an die Gemeinden verkauft werden.

Ferner verpflichtete sich Heinrich Funk VIII den Zugang zu den Wasserleitungsanlagen jedem "Gast" zu gestatten und "die Vornahme von Düngungen in der Umgebung der Quellenfassung mit natürlichen oder anderen von der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen für schädlich erklärten Dünger, sowie die Vornahme sonstiger Handlungen die sich auf die Quelle oder die Anlagen ungünstig einwirken könnten, zu unterlassen".

Die Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen verpflichteten sich andererseits, für den Fall, dass eine hinreichende Wassermenge nicht "geschürft" wird eine "Schürfungsentschädigung" von 50 Mark im Jahr zu bezahlen. Dies aber nur für die Dauer von drei Jahren. Das Gelände würde dann wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt.

Und so kam es auch. Die Wassermenge der Quelle im "See" oder am "Seeberg" reichte nicht aus. Auch ein weiterer Versuch Wasser aus einer Quelle "in den Seifen" in der Gemarkung Sellnrod zu erwerben, scheiterte an zu hohen Preisforderungen eben dieser Gemeinde. Im Jahre 1910 kaufte schließlich die Großherzogliche Kulturinspektion Gießen im Auftrag der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen das Quellengebiet bei Wohnfeld für den Preis von etwas über 3000 Mark. Diese Quellen befinden sich zwischen der Hahn- und der Schneidmühle. Die Hauptquelle, der sogenannte "Fritzeborn" gibt nach den erfolgten Messungen alleine schon 80 Kubikmeter Wasser am Tag. Geplant war, mehrere Quellen zusammen zu fassen. Und es wurde die Möglichkeit erwogen, an andere Dörfer Wasser abzugeben. Im Dezember 1910 waren die Planungen in Gießen abgeschlossen worden.

In vielen Dörfern des Vogelsberg wurden in diesen Jahren Wasserleitungen gebaut. So veranstaltete man im Januar 1911 bereits in Weickartshain zur Einweihung der Wasserleitung eine "Tanzbelustigung" in der Wirtschaft Hock. Ebenfalls in Groß-Eichen rechnete man damit, in diesem Jahr den Bau der Wasserleitung vollenden zu können.

Im Sommer des Jahres 1911 waren auch die Arbeiten an der Wasserleitung für Klein-Eichen und Lardenbach in vollem Gange. Die ausführende Firma hieß Paul Nießen und kam aus Höhr im Rheinland. Die Rohrleitungen vom Brunnen bei Wohnfeld (unter Sellnrod verlaufend) und in den Dörfern war schon verlegt. Nun beschäftigte man sich mit den Hausanschlussleitungen. Da dieser Sommer sehr trocken war, ging alles gut vorran. Der Bau des Hochbehälters auf dem Galgenberg wurde bis zum August des Jahres abgeschlossen.

Die Quellfassung wurde von dem Unternehmen Peter Schepp aus Burkhardsfelden ausgeführt. Ursprünglich hoffte man schon in vier Meter tiefe auf den benötigten Kiesboden zu stoßen. Aber letztendlich musste man bis sieben Meter in die Tiefe graben. Vier Brunen wurden bis zum erreichen des Kiesbodens angelegt. Hier ergab sich dann aber auch eine erhöhte Fördermenge: anstatt 100 Kubikmeter pro Tag, ergaben sich 250 Kubikmeter Wasser pro Tag. Lardenbach und Klein-Eichen benötigten damals jedoch nur 45 Kubikmeter Wasser am Tag. Diese hohe Wassermenge beruhigte auch die beiden Müller in der Nachbarschaft. Hatten die doch Bedenken es bliebe nichts mehr für ihre Mühlen übrig.

Probleme machte dagenen zu dieser Zeit die neue Wasseranlage in Weickartshain. Alle Brunnen waren ausgetrocknet. Und so wurde ein Anschluss an die Leitung Klein-Eichen/Lardenbach gelegt. Im September 1911 wurde die Vollendung der Arbeiten zum Bau der Wasserleitung in Lardenbach und Klein-Eichen gemeldet. Vor Ort war man sehr erfreut, dass in diesem so trockenen Jahr, genügend und gutes Wasser vorhanden war.

Im Februar 1912 trafen sich die Ortsvorstände von Lardenbach, Klein-Eichen und Freienseen in der Gastwirtschaft Diehl. Anwesend waren auch der Großherzogliche Kreisrat von Schotten und ein Vertreter der Großherzoglichen Kulturinspektion Gießen. Man beriet die Abgabe von Wasser aus der Wasserleitungsgruppe Lardenbach/Klein-Eichen an die Gemeinde Freienseen. Das Nachbardorf hatte zwar einige kleinere Quellen, aber die geförderte Wassermenge reichte nicht aus. Ob es nun damals zu diesem Anschluss kam, muss der Verfasser des Textes noch in Erfahrung bringen.

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1910

Ortslageplan

Bei der Suche nach Informationen über Klein-Eichen aus vergangenen Tagen fand sich im Grünberger Rathaus dieser alte Plan über die Ortslage des Dorfes. Die Zeichnung wurde etwa um das Jahr 1910 erstellt, um die neue Wasserversorgung für Klein-Eichen und Lardenbach zu planen. Bekanntlich wurde 1911 der Hochbehälter auf dem Galgenberg erbaut, und seit dieser Zeit fließt das Wasser von dem Brunnen bei Wohnfeld bis auf den Galgenberg und dann ins Leitungsnetz der zwei Dörfer.

In der Karte ist nun die Verzweigung der Wasserleitungen entlang des Straßenverlaufes zu sehen. Interessanter ist allerdings nachzuverfolgen welche Gebäude zu erkennen sind. Dabei sind die Wohnhäuser in roter Farbe und die Wirtschaftsgebäude in brauner Farbe dargestellt. Wenn man genau guckt, erkennt man die 32 Wohnhäuser die damals im Dorf standen. An der "Whet" steht schon das Feuerwehrgerätehaus, und an der Kreuzung im "Hinterdorf", das Bauwerk an der Straße wo heute die Kastanie bei Gerbigs Haus steht, ist das Leiterhaus der Feuerwehr zu sehen.

Auffallend sind auch die kleinen Parzellen der Gärten, Wiesen und Äcker rund ums Dorf. Die Feldwege und die Aufteilung der Flurstücke wie wir sie heute haben, entstanden erst mit der Feldbereinigung um das Jahr 1950.
Im Jahre 1910 hatte Klein-Eichen 174 Einwohner. In Lardenbach wohnten mit 356 mehr als doppelt soviele Einwohner. Beide Dörfer gehörten damals dem Kreis Schotten an.

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November 1824

Klein-Eichen 1824/25

Zur Zeit der Jahre 1824/25 war das Großherzogtum Hessen ein Mitgliedstaat des Deutschen Bundes (1815-1866). Die Provinz Oberhessen des Großherzogtums und späteren Volksstaates Hessen umfasste zwischen 1815 und 1938 das Gebiet um die Städte Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen, Grünberg, Herbstein, Lauterbach, Nidda, Ulrichstein und Schotten.

Der Landratsbezirk Grünberg war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen mit Sitz in Grünberg. Er bestand von 1821 bis 1832. 1821 wurden die Ämter im Großherzogtum aufgelöst und Kreise sowie Landratsbezirke gebildet. Der Landratsbezirk Grünberg bestand aus dem ehemaligen Amt Grünberg und den Gerichten Oberohmen, Londorf und Winnerod.

Gleichzeitig mit den Landratsbezirken wurden Landgerichte als Gericht erster Instanz gebildet, die zum ersten mal unabhängig von der Verwaltung waren. Für den Landratsbezirk Grünberg wurde das Landgericht Grünberg gebildet, dessen Amtsbereich war deckungsgleich mit dem des Landratsbezirks.

Der Landratsbezirk Grünberg bestand aus der Stadt Grünberg, und den Dörfern Niederohmen, Atzenhain, Bernsfeld, Wirberg mit Saasen, Reinhardshain, Wettsaßen, Groß- und Klein-Lumda, Merlau, Queckborn, Winnerod, Londorf, Odenhausen, Klimbach, Weitershain, Kesselbach, Geilshausen, Rüdingshausen, Allertshausen, Oberohmen, Zeilbach, Ruppertenrod, Großeneichen, Kleineichen, Beltershain, Stangenrod, Lehnheim, Flensungen, Ilsdorf, Haarbach, Lindenstruth, Kirschgarten, Lauter, Bollnbach, Veitsberg, Gebelnrod, Weickartshain, Stockhausen und Unterseibertenrod.

Lardenbach gehörte zu dieser Zeit der Herrschaft des Grafen von Solms-Laubach. Die aus den Ämtern Laubach und Utphe bestand. Diese enthielten eine Stadt, ein Marktflecken und 9 Dörfer. Das Dorf Lardenbach wird 1824 als lutherisches Pfarrdorf unweit Freienseen beschrieben. Mit 290 Einwohner, deren Hauptnahrung in Ackerbau, Viehzucht und Weberei besteht. Das Ackerland des Ortes enthält 671 und das Wiesland 273 Morgen.

Die Beschreibung der Oberhessischen Dörfer beruht auf einem Werk von Johann Andreas Demian. Seines Zeichen ein Geograph, Statistiker und militärischer Schriftsteller, geboren zu Preßburg 1770. Er hat im Jahr 1825 die "Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthum Hessen" veröffentlicht.

Als ein Dorf auf dem Vogelsberg beschreibt Demian Kleineichen. Der Ort bestehe aus 30 Häusern und habe 160 lutherische Einwohner. Deren vorzüglichste Nahrungszweige seien Ackerbau, Viehzucht sowie Spinnerei und Leinweberei. Das Dorf hat 343 Morgen Acker und 103 Morgen Wiesen.

Ein Morgen (Mg) war ein bis etwa 1900 in Deutschland verwendetes Flächenmaß von 2500 bis 3500 Quadratmetern. Das Maß wurde durch jene Fläche bestimmt, die mit einem einscharigen Pferde- oder Ochsenpflug an einem Vormittag pflügbar ist. Das Flächenausmaß des Morgen war regional sehr verschieden, lag aber meist bei einem fünftel bis halben Hektar (2000 bis 5000 m²).

Auf den Ackerflächen Kleineichens wurden jährlich 130 Fuder Korn,18 Fuder Waizen, 53 Fuder Gerste, 16 Fuder Hafer, 40 Fuder Erbsen, 16 Fuder Linsen und 7 Fuder Wicken gewonnen. Abgeleitet ist das Fuder von der "Fuhre" (Ladung), die ein ein- oder zweispänniger Wagen (auch Leiterwagen bei Korn, Heu und Holz) laden konnte. Dabei war z. B. 1 Fuder Holz allgemein im 19. Jahrh. etwa 1,39 cbm.

Auf den Feldern des Dorfes angebaut wurden etwa Flachs auf 30 Morgen, Klee auf 20 Morgen und Kartoffeln auf 30 Morgen Land. Im Dorf sind zu der Zeit der Erhebung 1824 nur 4 Pferde vorhanden. Dazu kamen 120 Stück Rindvieh, 260 Schafe und 115 Schweine.

Ein Professionist, ist jemand, der im Gegensatz zum Amateur oder Dilettanten eine Tätigkeit beruflich oder zum Erwerb des eigenen Lebensunterhalts als Erwerbstätigkeit ausübt. So bezeichnete Demian die Handwerker im Ort. Ganze 15 verdingten sich als Leinweber. Schumacher gab es 3 in Kleineichen. Desweiteren kamen je ein Schneider, Wagner und Dreher dazu. Aber ganze 4 wurden als Brantweinbrenner bezeichnet. Schultheiß (Bürgermeister) Kleineichens war schon seit 1806 Johann Caspar Zimmer.

Die teilweise für heutige Verhältnisse falsche Schreibweise von manchen Begriffen ist der damaligen Zeit zuzurechnen.

1871 wurde Hessen Teil des Deutschen Reichs, 1918 machte die Revolution aus dem Großherzogtum eine Republik, den Volksstaat Hessen. Am 1. April 1937 wurden die hessischen Provinzen endgültig abgeschafft.

Bis 1874 gehörte Klein-Eichen zum ehemaligen Kreis Grünberg und dann, bis 1938, zu dem ebenfalls nicht mehr bestehenden Kreis Schotten. Der Landratsbezirk Grünberg ging 1932 im Kreis Grünberg auf.

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1746

Alte Landkarten der Region

Das Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen hat im alten Reich eine Vielzahl von Territorien umfasst, die erst im 19. Jahrhundert zu größeren politischen Einheiten zusammengefügt worden sind.
Von der bunten Vielfalt, die Karten Landkarten um 1750 zeigen, blieben nach dem Wiener Kongress 1814/1815 vier Staaten des Deutschen Bundes übrig: das Kurfürstentum Hessen mit Kassel als Hauptstadt, das Großherzogtum Hessen, ehemals Hessen-Darmstadt, das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt. Kurhessen, Nassau und Frankfurt wurden nach dem deutschen Krieg von 1866 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau vereinigt. 1945 wurde aus dieser Provinz und dem ehemaligen Großherzogtum das 1919 zum Volksstaat Hessen geworden war, das Land Großhessen, seit 1949 das Bundesland Hessen, gebildet.

Auf mittelalterlichen Karten ist Hessen nur durch die Lage seiner Städte - meist sind es Fulda, Marburg, Kassel und Frankfurt- und seiner Flüsse - Main, Fulda, Werra, Weser, Lahn - zu identifizieren.

"Hessen" war im Sprachgebrauch noch bis in das 17. Jahrhundert auf Nieder- und Oberhessen, ungefähr die heutigen Regierungsbezirke Kassel und Gießen, beschränkt. Erst die sich im 17. Jahrhundert zusehends durchsetzende Bezeichnung "Hessen-Darmstadt" hat zu der Ausdehnung des Namens in seinem heutigen Umfang geführt.

Geographische Kenntnisse bedeuten Macht, weil sie mit strategischen, politischen und wirtschaftlichen Vorteilen und Zielen verbunden werden. In deutschen Ländern werden seit dem 16. Jahrhundert Karten in nennenswertem Umfang verwendet. Sind Landkarten veraltet, behalten sie ihren Wert als Quelle historischer Erkenntnis.

Die Ausschnitte aus verschiedenen Karten zeigen die heimische Region.

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1674

Namen und Familien

Als zweiter Teil des Artikels von Gerhard Steinl in der Zeitschrift "Hessische Familienkunde" hier nun der Bericht über die Namen und Familien von Klein-Eichen zum Ende des 17. Jahrhunderts:

Das älteste Kirchenbuch von Groß-Eichen wurde im Jahr 1672 von Pfarrer Georg Pauli angefangen zu schreiben. Auf den letzten Seiten des Kirchenbuches hat Pfarrer Pauli ein Verzeichnis aller 1674 in Groß- und Klein-Eichen lebenden Personen angelegt, das wertvolle Einzelheiten zum Personenstand und der Anzahl der Haushaltungen dieser beiden Dörfer enthält. Für Groß-Eichen führt er neben seiner eigenen Familie und der des Schuldieners - aus seiner Sicht wohl die beiden wichtigsten Familien im Ort - 58 Familien (59 ergänzt) an, für Klein-Eichen 16 Familien.

Zunächst trägt der Pfarrer Einzelheiten über sich und seine Familie ein: "Johann Georg Pauli ist anno 1672 auff den sonntag oculli zu Grosen Eichen zum Pfarrer ordinirt und auffgeführet worden durch Herrn Joh. Caspar Finken Inspectoris zu Lauterbach und Herrn Koppen Pfarrer zu Engelrodt, Herrn Pfarrern zu Obernohmen Philipps Friedrich Völkkern, dabey wahr auch im nahmen meiner Gnädigen Herrschaft Herr Ambtmann Fischer. Herr Conrad Waldschmitt Pfarrer zu Rodheim und Jacob Lotz Pfarrer zu Münster.

Im Catalogus Incolarum, dem Verzeichnis der Leute mit ihren Kindern zu Groß- und Klein-Eichen folgen die 59 Familien aus Groß-Eichen. Dann die 16 aus Klein-Eichen. Hier nur die jeweiligen Familienvorstände nach Ordnungsnummern:
1) Johannes Zimmer, 2) Henrich Zimmers Wittwe Eulalia, 3) Johannes Trieberth, 4) Johannes Keil, 5) Heinrich Herle, 6) Hans Petri, 7) Johannes Schauermann, 8) Urban Völtzings Wittwe, 9) Conradt Völtzing, 10) Hans Rau Wittwe, 11) Martin Rau, 12) Veronica Johannes Dörrs Wittib, 13) Elisabetha Johann Möllers Wittib, 14) Bast Faust, 15) Johannes Eckhardt, 16) Johannes Faust. Die Ausdrücke Wittwe und Wittib sind veraltet und bedeuten Witwe.

Von den 16 Familien liegen z. Zt. von 4 nähere Informationen vor:
Johannes Keil ist 1611/12 geboren. Er ist Kirchensenior und hat 13 Kinder, 5 Söhne und 8 Töchter, gezeugt, von denen 4 Söhne und 3 Töchter 1674 schon verstorben sind. Zu diesem Zeitpunkt hat er 39 Enkel und 7 Urenkel. Seine Frau ist Eulalia, geboren 1628, gestorben am 08.03.1699 in Klein-Eichen. Im Jahr 1679 steuert Johannes Keil "3 Thaler zur hiesigen Orgel", sein Sohn Johannes Caspar 1/2 Thaler. Nicht eben wenig, geben doch die anderen Kirchenmitglieder im Durchschnitt nur 1/2 Thaler. Er spendet 1607 für einen neuen Kelch den hohen Betrag von 6 Thalern und 30 Albus, der die Albus-Spenden der anderen Dorfbewohner weit übertrifft. Die erheblichen Geldzuwendungen werden verständlich, wenn man erfährt, dass Johannes Keil und sein Sohn Johann Caspar 1694 allein im Solms-Laubachischen Gebiet 5 Morgen 3 Viertel und 24 Ruten Land unter dem Pflug haben.

Der Familienname Peter erscheint schon in einem Einwohnerverzeichnis des Gerichtes Ober-Ohmen von 1572/1589. In Klein-Eichen wird "Peter Henns Ww." erwähnt. Hans Peter von Klein-Eichen hat mit seiner Frau Anna, geboren 1620, zwischen 1648 und 1660 vier Töchter. Er selbst stirbt am 03.03. 1683 in Klein-Eichen. Zur neuen Orgel trägt er mit 1/2 Thaler bei.

Im bereits genannten Einwohnerverzeichnis des Gerichtes Ober-Ohmen wird in Klein-Eichen 1589 der Name Enders Herle erwähnt. Der Sohn Henrich von Hans Herle ist im Christmonat 1622 in Klein-Eichen geboren. Der Scabinus (Gerichtsschöffe) hat mit seiner Frau Elisabeth (geb. 1623/24 im Wintermonat) insgesamt 7 Kinder, von denen vor 1672 schon 2 Söhne und 1 Tochter verstorben sind. Henrichs Herlens Witwe steuert 1679 zur Orgel 1/2 Thaler, 1697 zum neuen Kelch 10 Albus und 1698 für die neu gegossene Glocke 11 Albus zu.

Der Familienname Triebert wird im Einwohnerverzeichnis von Ober-Ohmen schon 1572/89 - allerdings nur in Groß-Eichen - mit Niclaus Tribhardt, Cuntz Triebhardt und Michel Driebert erwähnt. Johannes Trebarth aus Klein-Eichen lebt 1625 nicht mehr. Seine Witwe Eulalia (geboren an Pfingsten 1601) stirbt am 06.05.1675 in Klein-Eichen. Sie lebt im Haushalt ihres Sohnes Johannes. Er ist am Abend vor Michael 1642 geboren und heiratet Eva (geboren 1648, gestorben am 22.05. 1732 in Klein-Eichen). Er stirbt am 20.04. 1686 ebenfalls in Klein-Eichen. Noch 1694 hatten die Trieberts von Klein-Eichen im Solms-Laubachischen Gebiet von Oberseen "3 Viertel und 70 Ruten gutes Land" zum Bearbeiten liegen.

Soweit der Rückblick in die Namens- und Familiengeschichte von Klein-Eichen. Vielleicht ergeben sich mit der Zeit noch weitere Erkentnisse, nicht nur der Familiengeschichte, aus früheren Tagen.

 
05. November 1625

"Klein-Eycher hatten etwas auf dem Kerbholz"

In der Zeitschrift "Hessische Familienkunde" veröffentlichte der Familienforscher Gerhard Steinl aus Hungen im Dezember 2003 diesen Bericht über die Kerbhölzer der Klein-Eichener. Fündig geworden war Herr Steinl im Gräflich Solms-Laubach'schen Archiv und in den Kirchenbüchern von Groß-Eichen. Hier nun ein Auszug aus dem Bericht:

Schlimm mussten es die Klein-Eichener in früheren Jahren getrieben haben, wenn sie "etwas auf dem Kerbholz hatten". War "ihr Kerbholz voll", standen sie "bei jemanden auf dem Kerbholz", hatten sie "etwas oder viel auf dem Kerbholz" oder gar "jemand auf dem Kerbholz"?

Heute würde das heißen: das Maß ihrer Schuld war voll, oder: waren sie jemandem etwas schuldig. Und weiter würde man sagen: hatten sie große Schulden, ein Verbrechen begangen, etwas ausgefressen oder Schuld zu tragen oder gar jemanden auf dem Gewissen?

Diese Begriffe haben im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel erfahren. Sie werden heute im übertragenen Sinne verwandt. Bevor nun auf die Altvorderen der Klein-Eichener eingegangen wird, stellt sich die Frage, was hatte es auf sich mit dem Kerbholz, als jedermann diesen Gegenstand noch kannte und alle damit zusammenhängenden Begriffe und Sprichwörter auch auf dieses bezog?

Das Kerbholz ist die älteste Form eines urkundlichen Verzeichnisses mit Rechtscharakter, um Schulden oder Leistungen durch Einschnitte (Einkerbungen) darauf festzuhalten und zu verrechnen. Meistens bestand das Kerbholz aus zwei Teilen. Ein Holzstab wurde an zwei Seiten flach abgeschnitzt und dann längs gespalten. Der größere Teil mit dem Griff hieß "der Stock", der kürzere abgespaltene Teil "der Einsatz". Auf dem "Stock" trug man in der Regel Ordnungsnummern, Jahreszahlen und den Namen des Schuldners ein. Ein Loch im Kopf des "Stockes" ermöglichte das Auffädeln der Kerbhölzer. Dadurch gingen einzelne Hölzer nicht verloren, und man konnte sie nachbestimmten verwaltungstechnischen Gesichtspunkten zusammenfassen.

Wollte man nun eine Schuld oder eine Leistung auf dem Kerbholz eintragen, so fügte man die beiden Teile passgenau aneinander und schnitt, ritzte, sägte oder feilte Kerben ein, die durch ihre Form einen allen Beteiligten bekannten und festgelegten Wert hatten, wobei "die jahre des holzes (Jahresringe) die sicherheit voll machten". Den Stock erhielt dann der Gläubiger, den Einsatz der Schuldner. Wollte man abrechnen, so legte man beide Teile zusammen und überprüfte die Einkerbungen. War die Schuld getilgt, so wurde "abgekerbt", indem man die Kerben durch Abschnitzen beseitigte. Das Kerbholz konnte dann noch mehrere Male verwendet werden.

Die Klein-Eichener waren Untertanen der Freiherren von Riedesel. Als sogenannte "Ausmärker" (Besitz in der Gemarkung, aber außerhalb wohnen) hatten sie Besitz oder Pachtland auf gräflich Solms-Laubachschem Territorium. Ständig gab es Schwirigkeiten beim Verrichten der Dienste oder beim Bezahlen der Abgaben. Am 5. November 1625 werden die säumigen Ausmärker aufgefordert, ihren Pflichten nachzukommen.

"Demnach eine Zeit von den Klein Eychern die dienst von den güthern, so sie uff Solms Laubachscher Jurisdiction liegen haben, nit gebührend verrichtet worden, Alß sollen Caspar Keyll 1 1/2 Kerben, Hanß Peter 2 Kerben, Hanß Herlen 4 1/2 Kerben, Emanuel 1 3/4 Kerben und Hennrich Peter 2 Kerben, 1/2 Kerben Johannes Trebarth vor jede 10 turnosen (Groschen) gleich wie sie die selbige den Larttenbächern biß her verlohnet, in unßerer gnedigen Herrschafft Rentherey Jährlichs entrichten."

Hier haben wir einen anschaulichen Beleg dafür vorliegen, dass man eine Dienstleistung durch eine Geldleistung abgelten ließ. Es ist eindeutig festgelegt, dass für 1 Kerbe - sie steht für eine bestimmte Dienstleistung - der Gegenwert von 10 Turnosen zu entrichten war. Leider wird dabei nicht definiert, für welchen Arbeitszeitraum eine Kerbe stand und zu welcher Bearbeitungsfläche die aufgewandte Arbeitszeit in Beziehung zu setzen war.

Bis zum Auffinden eines Beede-, Steuerstocks- oder Schatzungsregisters aus dem Jahre 1625 in Solms-Laubachischen Rechnungsbeständen muß leider die Wertigkeit zwischen einem Kerbstockeinschnitt und der zu erbringenden Diensleistung ein Geheimnis bleiben. Die Abgeltung einer Kerbe mit 10 Turnosen gibt lediglich die Umrechnung für eine noch zu erforschende Dienstleistung an. Ergebnisse dürften in Besteuerungsunterlagen der solmsischen Anreinerorte zu Klein-Eichen, nämlich Lardenbach, Freienseen oder Solms-Ilsdorf zu suchen sein.

Schuld hatten die Klein-Eichener damals 1625 nun wirklich nicht auf sich geladen. Man hatte ihnen lediglich ihre Schulden auf das Kerbholz geschnitten und ihnen diese mit Sicherheit nach Bezahlung in der "Rentherey" auch wieder auf ihrem "Einsatz" sauber "abgekerbt". Heute kommt als Weiterentwicklung des Kerbholzes der elektronisch erstellte Steuerbescheid ins Haus.

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26. November 1614

Gericht Oberohmen endgültig zu den Riedesel

Die Riedesel besaßen ihren Teil von 5/6 an dem Gericht zu Oberohmen, die sie einst von den Weisen von Fauerbach erworben hatten, nicht unumstritten. Auf der einen Seite hatten die Grafen zu Solms gegen alle Gerichtsherren, also die Riedesel zu Eisenbach (mit 5/6) und die von Dörnberg und Schenk von Schweinsberg (mit 1/6), ein Verfahren beim Hofgericht in Marburg eingeleitet, um ihnen diesen Besitz ganz abzustreiten. Die Grafen von Solms waren Rechtsnachfolger der früheren Besitzer des Gerichts Oberohmen, der Weisen von Fauerbach und der Königsteiner. Es soll unregelmäßigkeiten beim Veräußern des Gerichts gegeben haben.

Aber die Gerichtsherren waren auch untereinander uneins. Wie es in solchen Ganerbschaften (Erbengemeinschaft) immer der Fall ist, versuchte jeder seine Rechte zu erweitern und die Rechte des Teilhabers zu beschränken. In verschiedenen Dingen gingen die Riedesel gegen die Schenks von Schweinsberg und die gegen die von Dörnberg. Das Streiten ging so lange, bis eine Partei auf den Gedanken kam die Gemeinschaft aufzulösen.

So kam man vom 16. bis 20. Oktober 1612 in Oberohmen zusammen. Die Riedesel waren alle zur Stelle (Volprecht IV., Georg V., Johann XI., Volprecht VI., außer Georg VIII.). Ludwig von Dörnberg und Johann Hermann Schenk zu Schweinsberg waren unter anderen anwesend. Als Gegenstand der Gemeinschaft wurde folgendes festgestellt: alle Obrigkeit in bürgerlichen und peinlichen Sachen, Erbforderungen, Hohe und Niedere Jagd, Fischerei, Gehölz, Forst- und Mastgeld, Lehnschaft in einigen Lehnsgütern, der halbe Weinschank (die andere Hälfte hatte Hessen), herkömmliche Zinsen, Frondienste u. a.

Als Wert des jährlichen Einkommens aus dem Steuerteil wurde festgestellt: 85 fl. Zinsen, 50 fl. Zehnten und Vogthafer, 50 fl. Jagd und Fischerei, 25 fl. Holzgeld und Masthafer, 60 fl. Lehnsgeld, 25 Viertel Hochzeitshafer (= 50 fl.), 20 fl. Fahrten und Brieftragen, 250 Hochzeitshühner, dazu der alte Burgsitz der von Dörnberg und der von Schweinsberg in Oberohmen. Nach langen Verhandlungen einigte man sich auf einen Kaufpreis von 8800 fl., der auf Pfingsten 1613 bezahlt werden sollte.

Ludwig von Dörnberg reiste selbst nach Aschaffenburg, um die Zustimmung des Kurfürsten einzuholen. Aber es ging nicht so einfach, wie es sich die Vertragsschließenden gedacht hatten. Die Belehnung der Schenk von Schweinsberg und der von Dörnberg hatte nie auf 1/6 gelautet, sondern immer nur auf "das Gericht" Oberohmen. So enstand nun die Frage, wie die Riedesel zu ihren 5/6 gekommen seien, ob sie je belehnt waren oder sie sich der Lehnspflicht entzogen hätten. Zugleich wurde in der Mainzer Kanzlei die Anregung gegeben, ob nicht die Riedesel statt des 1/6, das sie erwarben, das Ganze Gericht als Lehen erwerben wollten. Nach einigem Abwägen, ergaben sich auch Vorteile für die Riedesel.

Erzbischof Johann Schweickard von Mainz belehnte also am 26. November 1614 die Riedesel zu Eisenbach mit dem verkauften Sechstel und den übrigen Teilen, also mit dem Haus und dem ganzen Gericht Oberohmen, den Dorfschaften Oberohmen, Großeichen, Ruppertenrod, Unterseibertenrod, Zeilbach und Kleineichen, dem Wald Hahrholz, Eicherholz, Steinbügel, Wolfsbusch, Hageküppel, Oberbuchholz, Zeilwald und dem neuen Wäldchen, mehreren Fischwassern, aller Obrigkeit in bürgerlichen und peinlichen Sachen, Zinsen, Renten, Zehnten, Frondiensten, Erbhuldigungen, Hoher und Niederer Jagd, Fischereien, Gehölz, Forst- und Mastgeld, Lehngütern und Weinschank.

Am 24. April 1615 wurde die Kaufsumme bezahlt. Ein Jahr später erteilte Landgraf Ludwig V. seine landesherrliche Zustimmung, nachdem die hermannsteinschen Schenken von Schweinsberg schon am 8. September 1614 ihre Zustimmung gegeben hatten. Die Riedesel hatten dafür große Opfer gebracht. Aber sie waren nun im unbestrittenen Besitz des Gerichtes Oberohmen. Die ständigen Streitigkeiten waren zu Ende.

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