29. Dezember 1956

Straßeneinweihung 1956

Im Saale Diehl in Lardenbach fand (Dezember 1956) in Anwesenheit zahlreicher Gäste eine Feier aus Anlaß der Fertigstellung der Verbindungsstraße Lardenbach/Klein-Eichen und Sellnrod statt.In seiner Ansprache dankte Bürgermeister R. Mölcher allen beteiligten Stellen und besonders der Baufirma mit ihren Arbeitern für die geleistete Arbeit, durch die endlich ein Notstand im Straßennetz der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen beseitigt worden sei.

Die weiteren Redner wiesen auf die Bedeutung guter Straßen und die Notwendigkeit der Bereitstellung weiterer Mittel für den Straßenbau hin, der noch auf Jahre hinaus in den Aufgabenbereichen der verantwortlichen Körperschaften eine vorrangige Bedeutung einnehmen müsse. Ein gemütliches Beisammensein beschloß die Einweihungsfeierlichkeiten.

Übrigens wurde im Winter 1956/57 die Straße von Groß-Eichen nach Sellnrod für die Zeit des "Frostaufgangs" für Fahrzeuge aller Art gesperrt.
Und das noch: Seit dem 1. Juli 1956 ist für den Landkreis Gießen das Kennzeichen ("Unterscheidungszeichen") "GI" gültig.

(fp/ew)

 
16. Dezember 1956

Heimatabend der Landjugend

Die Landjugend der Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen und einiger umliegender Ortschaften veranstaltete (Dezemeber 1956) im Saale Diehl einen wohlgelungenen Dorf- und Heimatabend. In Anwesenheit von Geschäftsführer Berk vom Kreisbauernverband rollte ein reiches und unterhaltsames Programm über die Bühne. Die zahlreichen Besucher, unter ihnen auch viele Auswärtige, zollten den Darbietungen der Landjugend die verdiente Anerkennung.

Die Jugendverbände der Landjugend wurden deutschlandweit zu Beginn der 1950er Jahre als Jugendorganisationen des Deutschen Bauernverbandes (Kreisbauernverband) gegründet. Brauchtumspflege, kulturelle Jugendarbeit und die Förderung der dörflichen Gemeinschaft traten als Zielsetzungen der Landjugend-Organisationen rasch neben die Aus- und Weiterbildung in land- und hauswirtschaftlichen Bereichen.

(fp/ew/wiki)

 
26. November 1956

Straßenbauarbeiten

Seit einiger Zeit (November 1956) sind Instandsetzungsarbeiten an der in äußerst schlechtem Zustand befindlichen Strecke Klein-Eichen - Sellnrod im Gange. Eine neue Asphaltdecke beseitigt einen dringenden Notstand im Straßennetz der Kreise Gießen und Alsfeld. Große Teile der neuen Straße sind bereits fertiggestellt. Mit dem Abschluß der Arbeiten ist in Kürze zu rechnen.

Im weiteren Verlauf bietet nun die Ortsdurchfahrt Lardenbach das Bild einer den Erfordernissen des modernen Verkehrs angepassten Straße mit gerader Linienführung und Bürgersteigen. Es wäre zu wünschen, dass die wegen der beschränkten finanziellen Mittel noch nicht begonnenen Straßenbauarbeiten an der Reststrecke baldigst im Interesse aller Verkehrsteilnehmer aufgenommen werden könnten. Vorerst konnte die neue Straße nur bis zur Abzweigung nach Groß-Eichen ausgebaut werden.

(fp/ew)

Fotos

 
28. Oktober 1956

Kommunalwahl

Mit 81 Prozent war die Wahlbeteiligung der Bevölkerung an den Wahlen zum Kreistag Gießen beträchtlich höher als in der Stadt Gießen. Auch hier wurde die SPD die stärkste Partei und sicherte sich mit 25 263 Stimmen drei weitere Sitze zu ihren seitherigen 15 Sitzen. Einen Rückschlag erlitt der GB/BHE, der Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten hat von seither acht Sitzen bei 8812 für diese Partei abgegebenen Stimmen zwei Sitze eingebüßt. Der Zusammenschluß von CDU, FDP, FVP und Landvolk konnte den Einbruch der SPD in die geschlossene Front nicht verhindern. Mit 16 216 Stimmen, die der Gemeinschaftsliste nun 12 Sitze einbringen, ist das erstrebte Ziel keineswegs erreicht worden.

Bei diesen Kommunalwahlen am 28. Oktober 1956, die bei Bürgermeister Eckhardt abgehalten wurden, waren 139 Bürgerinnen und Bürger Wahlberechtigt. Bei einer ungültigen Stimme waren 79 Stimmen als Gültig zu verzeichnen. Davon entfielen auf die SPD 18 Stimmen. Die GB/BHE erhielt 10 Stimmen. Die Wahlgruppe aus CDU, FDP, FVP und Landvolk erhielten 50 Stimmen. Eine Stimme entfiel auf das "Überparteiliche Landvolk".

In Lardenbach waren 314 Wahlberechtigte registriert. Bei ebenfalls einer ungültigen Stimme waren 160 gültig. Davon erhielt die SPD 62 Stimmen. 39 Stimmen gingen an die GB/BHE. CDU/FDP/FVP/Landvolk kamen auf 55 Stimmen. Und vier Stimmen erhielt das "Überparteiliche Landvolk".

Außer den Abgeordneten für den neu zu bildeten Kreistag wurden an diesem Sonntag in den Gemeinden des Kreises Gießen auch die Vertreter für die Gemeindeparlamente gewählt. Auch hier waren in Klein-Eichen 139 Wahlberechtigte zu verzeichnen. Ganze neun Stimmen mussten als ungültig eingestuft werden. Und alle 69 gültigen Stimmen vereinte die Liste "Christliches Landvolk" auf sich. Das bedeutet auch, alle 5 Sitze im Gemeinderat wurden mit Mitgliedern dieser Liste besetzt. Diese waren: Karl Volp, Heinrich Zimmer, Erich Funk, Albert Müller und Wilhelm Eckhardt.

(fp/o.sch.)

 
18. August 1956

Protest gegen Bundesbahn-Planung

Die Bürgermeister der an der Bahnstrecke Mücke-Hungen gelegenen Gemeinden befassten sich am Samstagvormittag (18. August 1956) in Laubach mit den Planungen der Bundesbahn, den Verkehr auf der Strecke Hungen-Mücke oder der Teilstrecke Mücke-Laubach von der Schiene auf die Straße zu verlegen. In einem Schreiben an den Präsidenten der Bundesbahndirektion, das in Kopien auch an den hessischen Wirtschaftsminister Franke, an die Industrie- und Handelskammer, an die Kreisverwaltung und an verschiedene Bundestags- und Landtagsabgeordnete geschickt wurde, erhoben sie Protest gegen diese Planungen und meldeten zugleich ihre Forderungen an, falls man trotz ihrer Bedenken zum Omnibusverkehr übergeht.

Die Bürgermeister verweisen vor allem darauf, dass ein Omnibusverkehr den Reisenden viele Erschwernisse bringen werde. Vor allem würde, bedingt durch die schlechten Straßenverhältnisse und die schwierigen Ortsdurchfahrten, eine Verlängerung der Fahrzeiten und eine Erhöhung der Fahrtkosten eintreten. Weitere Unbequemlichkeiten würden sich dadurch ergeben, dass keine Fahrkarten für größere Entfernungsziele gelöst werden könnten und dass nun immer ein Umsteigen notwendig würde, während seither einige Zugpaare von Laubach bis Friedberg und Alsfeld durchgingen. Vor allem müsse der Berufsverkehr gesichert werden, wobei zu bedenken sei, dass die Betriebe in Laubach allein 400 Pendler beschäftigen, die aus dem an der Strecke Hungen-Laubach liegenden Gebiet kommen.

Für den Fall, dass die Strecke Laubach-Mücke dennoch umgestellt würde, fordern die Bürgermeister, dass ein Teil der Busse auch die etwa zwei Kilometer von der Bahnlinie entfernten Orte Lardenbach und Gonterskirchen anfahren. Bei einer Umstellung der Gesamtstrecke wünschen sie, dass ein Teil der Omnibusse die normale Straßenstrecke Laubach-Ruppertsburg-Villingen benutzt, wobei der Gemeinde Wetterfeld der Anschluß verloren ginge. Deshalb schlagen sie vor, dass ein anderer Teil der Busse direkt von Laubach über Lich nach Gießen fährt, wobei außer Wetterfeld auch die Gemeinden Röthges und Nonnenroth angefahren werden können und die Unbequemlichkeiten des Umsteigens von den Omnibussen in die Bahn vermieden werden.

Durch eine solche Linienführung wäre außerdem gesichert, dass bei Münster und Ober-Bessingen kein Konkurrenz-Unternehmen zur Butzbach-Licher-Eisenbahn entstünde. Auf dieser direkten Strecke sollten nach Ansicht der Bürgermeister täglich mindestens vier Omnibusspaare fahren, und auch die Strecke Schotten-Laubach-Gießen, die gegenwärtig zweimal in der Woche von einem Omnibusunternehmer im Auftrag der Bundesbahn befahren wird, sollte täglich befahren werden, die deshalb so bedeutungsvoll sei, weil in der spitzen Kurve der Ortsdurchfahrt Villingen kaum ein Omnibus mit Anhänger fahren könne.

Die Eingabe wurde von den Bürgermeistern der Gemeinden Laubach, Villingen, Wetterfeld, Gonterskirchen, Freinseen, Stockhausen, Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain, Nonnenroth, Röthges und Ruppertsburg unterzeichnet.

(gaz)

 
17. April 1956

Problem Abwasserbeseitigung

In einem Interview der Gießener Freien Presse im April 1956 äußerte sich Landrat von Schwerin zu einem großen Problem aller Kreisgemeinden und der Kreisverwaltung für die nächsten Jahre. Es geht um die Beseitigung der Abwässer. Die Verschmutzung der Bäche und Flüsse habe ein Ausmaß angenommen, die vom hygienischen wie vom naturkundlichen Standpunkt nicht mehr zu verantworten sei. Wenn man bedenke, dass um die Jahrhundertwende im Kreisgebiet die ersten Wasserleitungen gebaut wurden und im Jahr 1956 immer noch drei Gemeinden, nämlich Stockhausen, Weitershain und Ober-Hörgern, keine zentrale Wasserversorgungsanlage haben, könne man ermessen, wie lange es dauern werde, bis die viel kostspieligere Abwasserbeseitigung überall gelöst sei.

Man habe vor einiger Zeit mit der Gründung eines Abwasserverbandes Lauter-Wetter unter der Beteiligung der Stadt Laubach und den Gemeinden Wetterfeld und Lauter einen Anfang machen wollen, sei jedoch dann bei der Projektierung auf Summen gekommen, die von den Gemeinden selbst nicht aufgebracht werden können. Die einzige Gemeinde im Kreis, die mittlerweile wenigstens die wichtige Frage der mechanischen Klärung gelöst habe, sei die Stadt Lich. Deren Kläranlage wird in den nächsten Wochen eingeweiht.

Zu bedenken sei außerdem, dass viele Gemeinden im Kreis noch nicht einmal über eine Kanalisation verfügen. Von allen 85 Gemeinden im Kreis haben nur 29 Gemeinden eine vollwertige Kanalisation. Ohne Kanalisation sind jetzt unter anderem noch die Gemeinden Beltershain, Freienseen, Klein-Eichen, Lumda, Reinhardshain, Reiskirchen, Stangenrod und Arnsburg. Eine Teilkanalisation besteht unter anderem in den Gemeinden Geilshausen, Gonterskirchen, Harbach, Kesselbach, Lardenbach, Lauter, Queckborn, Weickartshain und Wetterfeld. Interessant ist, dass in Weitershain eine ordnungsgemäße Kanalisation besteht, während sich die Bewohner noch aus Hausbrunnen mit Wasser versorgt.

Ein Plan zur langfristigen Lösung der Abwasserfrage sei, so der Landrat, ausgearbeitet. Dieser sei jedoch bisher auf wenig Gegenliebe bei den Geldhäusern gestoßen. Von Schwerin glaube, dass es möglich sein müsse, dass sich die Gemeinden einer Baugenossenschaft anschließen sollten, um die Mittel für Kläranlagen anzusparen.

(GFP)

 
25. März 1956

Waldbrand

Das durch Presse und Ortsschelle ausreichend bekannte Verbot, daß nach dem 1. März keine Hecken und Rasenflächen abgebrannt werden dürfen, muß einen Landwirt aus Klein-Eichen besonders gereizt haben, dennoch ein Feuerchen zu entzünden. Der schöne Sonntag (25. März 1956) begünstigte dieses Vorhaben. Die Rasenfläche brannte gut und auf einmal auch eine angrenzende dreijährige Fichtenschonung. Dank dem Eingreifen einiger zufällig vorbeikommender Männer konnte größeres Unheil vermieden werden. Etwa 60 kahlgebrannte Bäumchen dienen nun als Warnung.

(Grünberger Heimat Zeitung)

Fotos

 
15. März 1956

Schwesternstation Merlau

Am Donnerstag, 15. März 1956, versammelten sich im Dorfgemeinschaftshaus in Stockhausen etwa 150 Frauen von Merlau, Mücke, Flensungen, Ilsdorf und Lardenbach zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Schwesternstation Merlau. Der Abend war gleichzeitig als Schlußfeier der winterlichen Zusammenkünfte der evangelischen Frauen dieser Orte gedacht. Allein von Merlau begaben sich 50 Frauen in Begleitung von Pfarrer Kalbhenn und Schwester Else in einem Omnibus nach Stockhausen.

Frau Pfarrer Petri aus Bobenhausen hielt die Festansprache und forderte alle Frauen zu hilfsbereiter Begegnung im christlichen Sinne auf. Junge Frauen und Mädchen ernteten reichen Beifall für die Aufführung eine Laienspiels. Frühlingslieder und Kanons, gesungen von Ilsdorfer Mädchen, erfreuten die Festteilnehmer. Gäste waren auch aus Lardenbach und Weickartshain mit Pfarrer Repp erschienen. Eine Kaffeetafel beschloß das frohe Beisammensein.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 

 
14. März 1956

Bodenverband Vogelsberg

Der Bodenverband Vogelsberg, der vor fünf Jahren mit der Aufgabe gegründet wurde, die Weidewirtschaft im hohen Vogelsberg durch Erforschung der klimatischen und geologischen Verhältnisse und durch umfangreiche praktische Maßnahmen zu fördern, hielt am Mittwoch (14. März 1956) in Schotten seine diesjährige Hauptversammlung ab. [...]

(Grünberger Heimat Zeitung)

 

 
09. März 1956

Generalversammlung der "Eintracht"

Der Männergesangverein "Eintracht" Lardenbach/Klein-Eichen hielt seine Generalversammlung ab. der 2. Vorsitzende, August Sauer, gab einen kurzen Rückblick. Außer an dem Wertungssingen nahm der Verein an einem Treffen der Chorgruppe Nicolai auf dem Schiffenberg teil. Drei Sangesbrüder wurden zu Grabe getragen, darunter der langjährige Vorsitzende Karl Dietrich, der bei der letzten Generalversammlung inmitten seiner Sänger einem Herzschlag erlegen war.

Dem Gesamtvorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Bei der Neuwahl wurde August Sauer einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. 2. Vorsitzender wurde Karl Biedenkopf. Der seitherige Rechner Ernst Kratz stellte sein Amt wegen Überlastung zur Verfügung. An seine Stelle trat Albert Roth. Willi Momberger wurde für seine 30jährige Schriftführung eine Urkunde des Hessischen Sängerbundes überreicht.

Im laufenden Jahr nimmt der Verein teil am Wertungssingen in Bobenhausen II sowie am Stiftungsfest des Gesangvereins Oppenrod. Chorleiter Ernst Nicolai gab zum Schluß seiner Freude Ausdruck über den guten und regelmäßigen Besuch der Übungsstunden, besonders durch die Jugendlichen.

(Gießener Freie Presse)

 

 
08. März 1956

Bekanntmachung Viehseuchenanordnung

Der Hessische Minister des Inneren hat am 14. Februar 1956 eine Viehseuchenanordnung zum Schutze gegen die Einschleppung der Milbenseuche der Biene getroffen. Nach dieser Anordnung ist es verboten, Bienen oder Bienenvölker aus anderen deutschen Ländern nach Hessen einzuführen, es sei denn, der Nachweis kann erbracht werden, daß sie frei von Milbenseuche sind und daß auch der Herkunftskreis in den letzten zwei Jahren frei von Milbenseuche war. [...]

Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde)

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06. März 1956

Kulturarbeit

Die überaus rege kulturelle Arbeit des von Lehrer Sommer geleiteten Kulturrings fand in den letzten Wochen ihren Niederschlag in einer Reihe bedeutsamer Vorträge. So hielt im Dorfgemeinschaftshaus Dr. Keller aus Lardenbach einen Lichtbildervortrag über "Tierleben und Tierschicksale in unseren Wäldern". Graphische Darstellungen und farbige Lichtbilder illustrierten die fesselnden Darstellung.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 

Überschwemmungen

Die durch den plötzlichen Wetterumschlag in der vergangenen Woche eingetretene Schneeschmelze ließ die Wasserläufe im Seental wieder zu reißenden Bächen werden. Die Eisdecke brach schnell zusammen, und an verschiedenen Stellen traten die Ils und der Seenbach über die Ufer. Der Regen am Wochenende tat sein übriges, um die Wiesengründe zu großen Seen zu verwandeln, aus denen das Strauch- und Baumwerk wie kleine Inseln herausragt. Diese Erscheinung wird einige Tage anhalten, bis die ebenfalls stark über die Ufern getretene Ohm für die Wassermassen wieder aufnahmefähig ist.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 

 
01. März 1956

Vortrag zur Landwirtschaft

Über hundert interessierte Landwirte und die Schüler und Schülerinnen der Landwirtschaftsschule und der landwirtschaftlichen Berufsschule hatten sich am Donnerstag (1. März 1956) auf Einladung der Landwirtschaftsschule und des Wirtschaftsberatungsdienstes Grünberg zu einer Vortragstagung in den Apollo-Lichtspielen eingefunden.

Nach grundsätzlicher Erläuterung der Systeme der Freien Marktwirtschaft und der Marktordnung nahm der Referent von der Landwirtschaftskammer Frankfurt auch zum "Grünen Bericht" der Bundesregierung Stellung. Er betonte, der Bericht habe eindeutig gezeigt, daß die größere Prosperität der landwirtschaftlichen Großbetriebe gegenüber den kleineren und mittleren Bauernhöfen allein in einer produktiveren Nutzung der menschlichen Arbeitskräfte begründet ist.

Es seien deshalb erhebliche Mittel für Zinsverbilligungen und Zuschüsse für die Anschaffung von Gemeinschaftsmaschinen, für die Aufstockung und Aussiedlung landwirtschaftlicher Betriebe, für den Bau von Wirtschaftswegen und für die verschiedensten Betriebsumstellungen vorgesehen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 

 
25. Februar 1956

Kleinste Höfe - größte Sorgen

Der erste „Grüne Bericht" der Bundesregierung über die Lage der Landwirtschaft enthält noch keine genauen Unterlagen über die Kleinbetriebe, weil bei seiner Abfassung nur auf die Abschlüsse der buchführenden Betriebe zurückgegriffen werden konnte. Hessen ist neben Rheinland-Pfalz das Bundesland mit dem größten Anteil kleinster und kleiner Agrarbetriebe. 71,7 Prozent aller hessischen Höfe sind Kleinbetriebe gegenüber einem Bundesdurchschnitt von nur 60,4 Prozent.

Der Grüne Bericht hebt klar hervor, daß sich mit abnehmender Betriebsgröße im Allgemeinen die Lage des Einzelbetriebes verschlechtert. Da der Bericht darüber hinaus deutlich macht, daß nur Zuckerrübenbaubetriebe, die größer sind als 10 ha, und nur Hackfruchtbaubetriebe, die größer sind als 50 ha, im allgemeinen Wirtschaftserträge erzielen, die einen Vergleich mit der übrigen Wirtschaft aushalten. Für Hessen wird an Hand der Betriebsstruktur eines deutlich: Hier sind die Höfe am kleinsten und dementsprechend die Sorgen der Bauern am größten.

Während zum Beispiel bei den verhältnismäßig gut gestellten Hackfrucht-Betrieben ein 10 ha großer Hof im Nordwesten der Bundesrepublik im letzten Agrarjahr noch einen Überschuß von 480 DM erwirtschaftete, ergibt sich für den gleichen Betrieb in Hessen und in Süddeutschland ein Fehlbetrag von 1590 DM.

Das Hilfsprogramm der Bundesregierung zielt weniger auf allgemeine Maßnahmen ab, zu denen die geplante Düngemittel- und Treibstoff-Verbilligung zu zählen sind, denn diese allgemeinen Hilfsaktionen vergrößern den Gewinn der ohnehin rentablen Agrarbetriebe, während die Mehrzahl der Betriebe also die kleinen Höfe damit dem Ziel der Rentabilität nicht wirksam nähergebracht werden kann. Es ist vielmehr das erste Anliegen der Regierungshilfe, mit „gezielten Maßnahmen" die Lage der Landwirtschaft zu verbessern, also vor allem Kleinstbetriebe aufzustocken, die Fluren zu bereinigen, bei der Sanierung der Viehbestände zu helfen, die Rationalisierung und Mechanisierung voranzutreiben, das Wege- und Wassernetz auszubauen und für eine bessere Stromversorgung auf dem Lande zu sorgen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

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23. Februar 1956

Landwirtschaft soll geholfen werden

In einer Ortslandwirteversammlung des Kreises Gießen berichtete der Kreislandwirt am Dienstag (21. Februar 1956) über die Aussprache der hessischen Landwirte mit dem Hessischen Landwirtschaftsminister. Im Bericht des Kreislandwirts zeichneten sich weitreichende Planungen zur Landwirtschaftshilfe ab.

Im wesentlichen erstrebe man die Erhöhung des Milchpreises, den Wegfall der Umsatzsteuer für landwirtschaftliche Erzeugnisse, der Zuckersteuer und des Zolls für Dieselkraftstoffe, ferner die Altersversorgung für die Landwirtschaft [...], die Verbilligung der Düngemittel, Herabsetzung der Strompreise, Zuschüsse für die Elektrifizierung der Betriebe und für wasserwirtschaftliche Verbesserungen, ferner Zuschüsse zur Zinsverbilligung und Förderung der Aussiedlung.

Die Besitzer von rund 5000 auslaufenden Höfen sollen durch Zusicherung einer Leibrente zum Abgeben der Höfe gewonnen werden. Der genossenschaftliche Maschinenankauf und -einsatz soll gefördert werden Die Tbc-Sanierung der Rinder werde in Hessen noch einige Jahre in Anspruch nehmen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
11. Februar 1956

Neuer Jagdbezirk

Vor einigen Tagen bildete die untere Jagdbehörde (Landratsamt Alsfeld) in Ilsdorf einen neuen Jagdbezirk. Die bejagbaren Grundstücke der Gemeinde Ilsdorf zählten bisher mit einigen Ausnahmen zu dem im Kreis Gießen gelegenen Jagdbezirk Klein-Eichen. Dieser stellte eine gewisse waidmännische Unnatürlichkeit dar; die bejagbare Fläche erreichte nicht den im Jagdgesetz vorgeschriebenen Umfang.

Der neue Jagdbezirk mit dem Mittelpunkt Ilsdorf wird im Westen und Norden von der Straße Mücke - Laubach bzw. der Bundesstraße 49 eingeschlossen, während er im Osten und Süden sich an die benachbarten Jagdbezirke Groß-Eichen und Flensungen anlehnt.

Nicht zum neuen Bezirk gehören die nördlich der Bundesstraße 49 gelegenen Grundstücke, ein Teil der Klein-Eichener Gemarkung, der östlich der Straße Mücke - Laubach befindliche Gemarkungsteil von Flensungen mit dem Flensunger Hof und der Siedlung sowie der Stockhäuser Hof mit den dazugehörigen Grundstücken.

Nach Ablauf der zur Zeit laufenden Offenlegungsfrist werden sich die Jagdgenossen des neuen Bezirks zusammenfinden, um über die Vergabe der Jagd zu beschließen. Sie werden sich dabei entscheiden müssen, ob die Jagd den bisherigen Pächtern des Gebiets, die schon über dreißig Jahre in einem Pachtverhältnis zu dem alten Jagdbezirk stehen, freihändig überlassen, oder ob sie sie neu ausschreiben wollen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

Fotos

 
07. Februar 1956

Laubacher Standesamtnachrichten

In den Standesamtnachrichten von Laubach wird unter Geburten genannt: am 26, Januar 1956 Peter Felsing, erstes Kind von Kellner Karl Felsing und Marie Lina, geb. Becker, Klein-Eichen, Ilsdorfer Straße 12. [Die Familie wanderte 1958 mit weiteren Kindern nach Canada aus.]

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
04. Februar 1956

Deutscher Wald

Hessen ist mit seinen 40% Waldbedeckung das waldreichste Land der Bundesrepublik. OLFstmstr. Weißgerber traf diese Feststellung in einer internen Besprechung in Alsfeld, betonte jedoch, daß die bereits angemeldeten Ansprüche der neuen Wehrmacht der Forstverwaltung "erheblichen Kummer" bereiten. "Ich darf Einzelheiten nicht preisgeben, es wird jedoch schrecklich für den deutschen Wald werden," erklärte der Oberlandforstmeister am 4. Februar 1956 u. a. in der Grünberger Heimat Zeitung.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
04. Februar 1956

Gedanken zur Landesplanung

Jedermann weiß, daß durch Krieg und Nachkriegsfolgen die Menschen alles andere als sinnvoll über Stadt und Land verteilt wurden. Diesem Mißstand versucht man auf mannigfache Art abzuhelfen. Für manche Heimatvertriebenen ist dabei die radikalste Lösung die angenehmste: Er erhält Arbeit und Wohnung in irgendeinem Industriezentrum. Diese Entwicklung wird aber andererseits bekanntlich von den Abgabegemeinden beklagt.

In anderen Fällen muß das verdienende Familienoberhaupt täglich enorme Pendelwege vom Wohnsitz zur Arbeit zurücklegen. Mancher wanderte, um diesen Weg zu kürzen, vom ersten Einweisungsort ohne Bahnstation zum Dorf mit Bahnstation und vielleicht schon ein zweites Mal von der längeren zur kürzeren Bahnfahrt. Volkswirtschaftlich gesehen sind alle Pendlerfahrten störender und kostenerhöhender Aufwand.

Im Endzustand kommen nur Orte in der Nahzone von etwa 12 km als Wohnsitze für Pendler in Frage, soweit man Bahnbenutzung (und An- und Abmarsch zu Fuß) annimmt. Für Omnibus- und Motorradfahrer ist der Radius entsprechend größer. Omnibuslinien mit Bedienung der Zwischenorte kommt aber für unsere Gegend nur hier und da in Frage.

Aus alledem geht hervor, daß Grünberg keineswegs als idealer Wohnort für in Gießen Beschäftigte anzusprechen ist. Orte jenseits von Mücke werden auf Dauer gesehen als Wohnort für Gießen-Pendler völlig ausscheiden. Diejenigen, die sich früh morgens, womöglich mit dem Fahrrad oder zu Fuß, zur Bahnstation begeben müssen, opfern damit schon einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeitskraft und fast ihre gesamte Freizeit. Wo soll da die Freude an der Arbeit bleiben?

Der Wegzug aus den zu den Industriezentren ungünstig gelegenen Gemeinden ist nicht aufzuhalten, solange nicht Industrie zu den Wohnorten hingebracht wird. Es ist erfreulich, daß die unhaltbare Überbelegung der abseits liegenden Landgemeinden wieder abnimmt. Zweifellos ist es unmöglich, Industrie ins letzte Vogelsbergdorf zu bringen. Diese Gemeinden werden also insgesamt wieder auf den Bevölkerungsstand von 1939 zurückgehen.

Andere Orte aber bieten sich als Industriestandorte geradezu an. Sie können dadurch sowohl selbst Anreize auf Abwanderer ausüben, bieten aber auch den umliegenden Orten Möglichkeiten. Da sind in erster Linie die alten oberhessischen Kleinstädte von Alsfeld und Lauterbach über Grünberg und Laubach bis Herbstein. Sie alle bieten mehr oder minder günstige Bedingungen für Fertigungsbetriebe aller Art.

Sie haben auch durchweg ein gutes Hinterland, also naheliegende Dörfer, die als Wohnorte von Einpendlern in Frage kommen. Nur bei Laubach, Gedern und Herbstein reicht dieses Hinterland infolge ausgedehnter Wälder nicht ganz aus. Leider aber sind die Möglichkeiten in den Kleinstädten noch nicht restlos genutzt. Es müssen also neue Arbeitsplätze in den Orten zwischen Saasen und Bad Salzschlirf geschaffen werden, will man eine Abwanderung großen Stils verhindern.

(Grünberger Heimat Zeitung)

Fotos

 
28. Januar 1956

Stadtverordnetensitzung Grünberg

Im Januar 1926 nahm die Stadt eine zweckgebundene Anleihe für das Wasserwerk in Höhe von 11 800 Dollar auf. Der Bürgermeister teilt mit, daß der Restbetrag, der noch mit 2010,40 Dollar = 14 687 DM zu Buche stand, in diesen Tagen abgelöst werden konnte.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 

 
25. Januar 1956

Kulturarbeit in Münster

In der letzten Woche sprach in der Vortragsreihe des Kulturringes Münster, Dr. Hugo Keller (Lardenbach) über "Tierleben und Tierschicksale in unseren Wäldern". Der Vortrag wurde in Form einer Erzählung dargeboten, begleitet von ausgezeichneten Farblichtbildern. Die Ausführungen fanden viel Beifall und lösten eine lebhafte Diskussion aus.

(Gießener Freie Presse)

 
24. Januar 1956

Dekanat Grünberg

Am 24. Januar tagte die Synode des Dekanats Grünberg vollzählig in Weitershain. Die Wahle für die Synode ergab folgendes Ergebnis: u. a. gewählt wurden Pfarrer Kalbhenn (Merlau), Pfarrer Weinandt (Groß-Eichen), Bürgermeister Trüller (Weickartshain) und Lehrer i. R. Becker (Lardenbach). Die 64 Synodalen waren zum Mittagessen Gäste der Gemeinde Weitershain.

Das Referat löste eine lebhafte Aussprache aus. Lehrer Becker (Lardenbach) regte an, außer den Ständeabendmahlsfeiern (Jugend, Verheiratete, alte Leute) Abendmahl für die Gesamtgemeinde zu halten. Man riet dazu, an der alten Ordnung festzuhalten, sonst könnte die Abendsmahlssitte ganz verloren gehen [...]

(Grünberger Heimat Zeitung)

Fotos

 
24. Januar 1956

Petri Pech

Der Pächter (G. Ruppel, Klein-Eichen) der Fischjagd will eine neue Fischsorte in den Teich ("See") setzen. Am Samstag (21. Januar 1956) versuchte er, durch Kalkstreuen die Raubfische hochzudrücken und zu fangen. Dabei rutschte er aus und fiel ins Wasser.

(Grünberger Heimat Zeitung)

Fotos

 
21. Januar 1956

Glühende Kohle

Gestern Abend (20. Januar 1956) ereignete sich in einem Lardenbacher Haushalt ein eigenartiger Unfall. Ein zweijähriges Mädchen saß vor dem Ofen, als der siebenjährige Bruder die Ofentüre öffnete. Eine glühende Kohle fiel dabei auf das Schwesterchen und brannte sich hinter dem einen Ohr fest. Das bedauernswerte, laut schreiende Kind wurde zwar sofort von der Kohle befreit, mußte aber doch mit einer Verbrennung sofort zum Arzt gebracht werden.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
19. Januar 1956

Lardenbacher Jagdpächter

In einer von Bürgermeister Mölcher anberaumten Versammlung der Jagdgenossenschaft wurde die Jagd in Lardenbach auf weitere 9 Jahre einstimmig dem seitherigen Pächter, Obersteiger Emil Pinstock, zugesprochen. Damit sind alle Spekulationen um das schöne und gepflegte Jagdrevier beendet. Herr Pinstock hat sich in den vergangenen Jahren besonders durch seine erfolgreichen Bemühungen, der Wildschweinplage Herr zu werden, das Vertrauen aller Jagsgenossen erworben. Dieses Vertrauen zeigte sich u. a. dadurch, daß Angebote mit Phantasiepreisen unberücksichtigt blieben.

(z./Grünberger Heimat Zeitung)

Fotos

 
14. Januar 1956

Oberhessische Kreisbauernverbände

In einer Sitzung der Vorsitzenden der fünf oberhessischen Kreisbauernverbände Gießen, Friedberg, Lauterbach, Alsfeld und Büdingen, die kürzlich in der Sportschule stattfand, wurde eine Entschließung gefasst. Die Führung des Deutschen Bauernverbandes muß die Versicherung erhalten, daß die von ihr angeordneten Kampfmaßnahmen durchgeführt werden. Als Sofortmaßnahmen werden folgende Punkte herausgestellt: Wegfall der Umsatzsteuer für alle vom Erzeuger selbst verkauften landwirtschaftlichen Produkte. Hebung des Erzeugerpreises für alle Milch um 5 Pf. je Liter. Wegfall der Zuckersteuer zu Gunsten [...] des Rübenanbaues. Übernahme der noch außenstehenden Vermögensabgabeerträge der Landwirtschaft [...] auf die überfüllten Staatskassen.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
08. Januar 1956

Wintervergnügen des Gesangvereins

Der Männergesangverein "Eintracht" Lardenbach/Klein-Eichen veranstaltete am letzten Sonntag (8. Januar 1956) sein diesjähriges Wintervergnügen. Einige Chorvorträge und die flotten Weisen des Schülerorchesters unter Leitung des Dirigenten Ernst Nicolai führten zu immer neuen Beifallsstürmen. Höhepunkt und zugleich Abschluß des musikalischen Teiles war das bekannte Rheinländerpotpouri.

Im zweiten Teil des Abends gelangten zwei Volksstücke zur Aufführung: "Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht trennen" und "Der taube Michel". Reicher Beifall lohnte die Darbietungen der von Willi Berg und W. Albrecht geleiteten Laienspielschar. Anschließend spielte die Kapelle Nikolai zum Tanz. (z)

(Grünberger Heimat Zeitung)

 

 

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