21. November 1949

Laubacher Weihnachtsmarkt

Der Laubacher Verkehrs- und Verschönerungsverein hatte am Freitagabend (18. November 1949) die Laubacher Geschäftsleute und die Bevölkerung zu einer Besprechung des bevorstehenden Laubacher Weihnachtsmarktes eingeladen.

Staatssekretär Brunner gab dazu einen Überblick über die Verkehrsmöglichkeiten zum Weihnachtsmarkt. Die Bundesbahn will für alle drei Tage Sonntags-Rückfahrkarten ausgeben. Außerdem werden die beiden Züge, 15.19 Uhr ab Laubach in Richtung Mücke und 17.14 Uhr ab Laubach, in Richtung Hungen am 11. Dezember ausnahmsweise auch sonntags verkehren.

Ferner sind sechs Omnibusrouten zu äußerst günstigen Preisen vorgesehen. Darunter als sechste Route Lardenbach - Klein-Eichen - Sellnrod - Altenhain - Freienseen - Laubach.

(dm/fp)

 
05. Oktober 1949

Zwei Omnibuslinien nach Grünberg

Die Grünberger Werbegemeinschaft hat zur besseren Verbindung der Nachbarorte, die ohne Bahnverbindung sind, zwei Omnibuslinien eingerichtet. Die eine Linie, die am Montag, Mittwoch und Freitag befahren wird, führt von Rüddingshausen über weitere Dörfer nach Grünberg. Die zweite Linie, die am Dienstag, Donnerstag und Samstag befahren wird, geht von Lardenbach über Sellnrod, Wohnfeld, Altenhain, Freienseen, Seenbrücke, Weickartshain nach Grünberg. Jede Linie wird täglich zweimal befahren. Die Fahrten werden mit dem Omnibus "Eegriewe" eines Grünberger Kraftfahrunternehmens durchgeführt. An den beiden Gallusmarkttagen ist auf beiden Linien ein Pendelverkehr mit demselben Omnibus vorgesehen.

(w/fp)

 
26. November 1949

Feldbereinigung

Der Prozess der Feldbereinigung Klein-Eichen ist in Gange. Im Herbst 1949 wird im Rahmen der Umlegung in der Gemarkung das Masseland neu zugeteilt. Auf Grund der Bekanntmachung vom 17. November 1949 und der durch Kommissionsbeschluß festgelegten und durch Aushang bekanntgemachten Bedingungen werden vom Kulturamt Lauterbach Massegrundstücke neu zugeteilt. Die Zuteilung kann nur im gesamten angenommen oder abgelehnt werden. Einsprüche sind am Mittwoch den 7. Dezember 1949 auf der Bürgermeisterei Klein-Eichen 10 Uhr schriftlich vorzubringen.

 
14. August 1949

Bundestagswahl 1949

Die Bundestagswahl 1949 fand am 14. August 1949 statt. Sie war die erste Bundestagswahl überhaupt und – nach den Wahlen zu den Landtagen und den Kommunalwahlen in den Jahren seit 1946 – die erste komplett freie Wahl auf deutschem Boden seit der Reichstagswahl vom 6. November 1932.

Die Wahl fand nur in der neu gegründeten Bundesrepublik statt, deren Grundgesetz im Auftrag der drei westlichen Besatzungsmächte vom Parlamentarischen Rat in Bonn erarbeitet, von ihnen genehmigt, mit Ausnahme des bayerischen von allen Landtagen in den drei Westzonen angenommen und sodann am 23. Mai 1949 verkündet worden war.

Mit 41 498 Stimmen siegte im Wahlkreis VIII (Gießen-Alsfeld) die Freie Demokratische Partei (FDP) vor der mit 26 905 Stimmen als zweitstärkste Partei in diesem Wahlkreis aus den Wahlen hervorgegangenen Sozialdemokratischen Partei. Die Freie Wählervereinigung erhielt 21 529 Stimmen, während auf die CDU 10 445, auf die KPD insgesamt 4 794 Stimmen entfielen.

Der Wahlausgang ist auf Bundesebene für viele überraschend: CDU und Christlich Soziale Union (CSU) gewinnen mit 31 Prozent knapp vor der SPD mit 29,2 Prozent. Drittstärkste Kraft werden die Liberalen mit 11,9 Prozent der Stimmen. Radikalen Parteien von links und rechts erteilen die Wähler eine klare Absage.

In Klein-Eichen waren 152 Bürgerinnen und Bürger wahlberechtigt. Abgegeben wurden 110 Stimmen. Davon gültig waren 108 Stimmen. In Lardenbach gab es 343 Wahlberechtigte. Bei 281 abgegebenen Stimmen waren 278 Stimmen gültig. Wahlberechtigt war, wer das 21. Lebensjahr erreicht hatte.

Klein-Eichen
Wahlberechtigte
Gültige Stimmen
Lardenbach
Wahlberechtigte
Gültige Stimmen
152
108
343
278
SPD
6
SPD
33
CDU
1
CDU
26
FDP
68
FDP
147
KPD
-
KPD
1
FW
33
FW
71
 
17. Juli 1949

Bischof in Laubach, 1949

Auf seiner Reise durch Oberhessen besuchte im Juli 1949 seine Exzellenz Bischof Dr. Albert Stohr die katholische Gemeinde in Laubach. Zu diesem Besuch hatten sich auch die dem Seelsorgebezirk angeschlossenen katholischen Gemeindemitglieder aus Wetterfeld, Münster, Ruppertsburg, Röthges, Gonterskirchen, Freienseen, Weickartshain, Lardenbach und Klein-Eichen eingefunden.

In der Laubacher Stadtkirche fand ein Festgottesdienst statt, in dessen Mittelpunkt eine Ansprache des Bischofs stand. Die Rede Dr. Stohrs richtete sich in der Hauptsache an die Heimatvertriebenen, die sich in der Diaspora im Bewußtsein der Zusammengehörigkeit im Glauben an die Allgegenwart Gottes zusammenfinden.

Anschließend an den feierlichen Gottesdienst erteilte Bischof Dr. Stohr das Sakrament der Firmung, an dem etwa 1000 Firmlinge teilnahmen. Nach der heiligen Messe fand eine Religionsprüfung durch den Geistlichen und die Lehrkräfte statt, an der sich die Kinder rege beteiligten. Auch Bischof Dr. Stohr richtete einige Fragen an die Prüflinge und äußerte sich sehr befriedigt über das Ergebnis.

(d/Freie Presse)

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26. Januar 1949

Bekanntmachung

über die Offenlegung der Ergebnisse der Bodenschätzung.

Die Ergebnisse der Bodenschätzung für die Gemeinden Albach, Hattenrod, Klein-Eichen, Oppenrod, Steinbach werden in der Zeit vom 1. bis 28. Februar 1949 am Finanzamt Gießen offengelegt. Einzelheiten über die Offenlegung werden durch die zuständige Bürgermeisterei ortsüblich bekanntgegeben. Den Grundstückseigentümern und Nutzungsberechtigten wird empfohlen, die Offenlegung zu beachten.

Der Vorsteher des Finanzamts Gießen

 
20. Juni 1948

Währungsreform 1948

Die Währungsreform von 1948 trat am 20. Juni 1948 in der Trizone, den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands, in Kraft. Ab 21. Juni 1948 war dort die Deutsche Mark („DM“, auch „D-Mark“) alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Die beiden bisher gültigen Zahlungsmittel Reichsmark und die Rentenmark („RM“) wurden zwangsumgetauscht und dabei mehr oder weniger im Nennwert herabgesetzt. Die Währungsreform von 1948 gehört zu den bedeutendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Erst am 18. Juni, einem Freitag, wird über Rundfunk und Aushänge die Bevölkerung der Trizone über die anstehende Währungsreform und den Ablauf informiert. So natürlich auch in Klein-Eichen. Geredet wurde über die Währungsreform natürlich schon lange.

Gerade in der Woche vor dem 20. Juni befand sich der Gymnasiast Karl Volp auf Wandertour am Edersee. Am Samstag kamen er und sein Klassenkamerad, Ludwig Hofmann aus Gonterskirchen, mit dem Zug in Gießen auf dem Bahnhof an. Hier überlegten sich die 17-jährigen was sie denn mit ihren Resten an Reichsmark machen sollten.

Wie die Zeiten damals so waren, das Geld hatte nicht mehr viel Wert, blühte der Schwarzhandel. Und so ein Bahnhof, wie in Gießen, war ein Zentrum des Schwarzhandels. Also ergriffen die Beiden die Gelegenheit und jeder kaufte sich bei einem Schwarzhändler für jeweils 5 RM eine einzige Zigarette.

Die Ausgabe des „Kopfgeldes“ erfolgte im ersten Schritt ab dem frühen Sonntagmorgen, 20. Juni 1948, in Klein-Eichen beim Bürgermeister Eckhardt. An Einzelstehende bzw. „Haushaltsvorstände“ verteilte der 40 DM je Kopf, in der Regel als 1 Zwanzigmarkschein, 2 Fünfmarkscheine, 3 Zweimarkscheine, 2 Einmarkscheine und 4 Einhalbmarkscheine.

Am 21. Juni 1948, dem Stichtag der Währungsreform, erlosch die Gültigkeit aller alten Zahlungsmittel außer dem Kleingeld bis 1 RM, das zu einem Zehntel seines Nennwertes vorerst noch gültig blieb; gleiches galt für Briefmarken.

Waren am Samstag, dem 19. Juni 1948, noch viele Geschäfte wegen "Umbau", "Ausverkauft" oder "Krankheit" geschlossen, so änderte sich das am Montag sehr schnell. Es füllten sich die Schaufenster (manchmal mit erläuternden Schildern wie: „keine gehorteten Waren“) mit Lebensmitteln, Toilettenartikeln, Schnaps, Schokolade und Zigaretten.

Das war selbst in Klein-Eichen so ähnlich. Hier gab es damals zwei Lebensmittelgeschäfte und einen Haushaltsladen. Lebensmittel gab es bei "Rechnersch" (Oppers/Zabel) und Hoffmanns (Loob). Von Teller, Tassen und Einmachgläser bis zu Kuhketten, Bürsten und Nägel konnte man vieles bei Volpe Marie bekommen.

Insgesamt war die Währungsreform das im positiven Sinne markanteste kollektive Erlebnis in der westdeutschen Nachkriegszeit nach 1945, vor allem weil Ludwig Erhard (Direktor der Verwaltung für Wirtschaft, später Wirtschaftsminister) sie mit der fast völligen Aufhebung der „Bewirtschaftung“ (Rationierung) der Güter des Alltagsbedarfes verband: „Auf einmal gab es alles!“

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28. April 1946

Erste Kreiswahl

Auch die Klein-Eichener konnten erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg frei den Kreistag wählen. Fünf Listen hatten an der Kreiswahl im "Jahr der wiedergewonnen politischen Freiheit", so Landrat Karl Benner damals, teilgenommen: Die SPD, das Christliche Landvolk, die CDU, die KPD und die LPD. Wegen der mit 15 Prozent hoch angesetzten Sperrklausel schafften nur SPD (50,9 Prozent) und Christliches Landvolk (26,8 Prozent) den Einzug in den neuen Kreistag; dem 31 Abgeordnete angehörten.

 
18. April 1946

Bürgermeisterwahl 1946

Nachdem im Januar 1946 in Hessen die ersten freien Wahlen zu den Gemeinderäten stattgefunden hatten, sollte sich auch der Gemeinderat in Klein-Eichen konstituieren. Am 9. Februar 1946 fand die erste Sitzung statt. Diese wurde kommissarisch geleitet von Lardenbachs Bürgermeister Felsing. Wo man sich traf ist nicht bekannt. In dieser ersten Sitzung sind die "Ortsgemeindemänner" bestimmt/gewählt worden. Als Gemeinderäte fungierten Heinrich Maurer, Karl Biedenkopf, Heinrich Zimmer, Karl Faust und Wilhelm Eckardt.

Am 18. März 1946 dann tagte die Gemeindeversammlung "nachmittags um 8 Uhr" wieder mit Bürgermeister Felsing. Heute wurde eine Satzung verabschiedet in der die Stelle des Bürgermeisters als ehrenamtlich genannt wird. Und der Bürgermeister erhält eine Aufwandsentschädigung von maximal 500 RM. Der Gemeinderechner erhält ebenfalls eine Aufwandsentschädigung. Die beträgt 75 Prozent des Betrages den der Bürgermeister erhält. Weiter steht in der Satzung, dass dem Bürgermeister ein Beigeordneter zur Seite steht. Und die Gemeindevertretung setzt sich aus 5 Mitgliedern zusammen. Diese Hauptsatzung soll dann am Tage ihrer ortsüblichen Bekanntmachung in Kraft treten.

Die Mitglieder der Gemeindevertretung haben sich eine Woche später, am 25. März 1946, wieder zusammen gesetzt. Diesmal waren die "Verhandlungsgegenstände" die Bürgermeister- und Beigeordnetenwahl. Allerdings kam die Bürgermeisterwahl nicht zustande. Diese wurde vorläufig zurückgestellt. Als Beigeordneter vorgeschlagen und einstimmig gewählt wurde Wilhelm Hoffmann.

In der nächsten Sitzung, am 11. April 1946, waren zwar alle Gemeinderäte erschienen, aber diesmal ging es nur um die Einstellung eines Feldschützen. Hierzu vorgeschlagen und gewählt wurde Otto Peppler. Für seine Tätigkeit ist ihm ein Gehalt von 80 RM bewilligt worden.

Wieder eine Woche später, am 18. April 1946, kam die Wahl eines Bürgermeisters endlich zu Stande. Der 36 Jahre alte Wilhelm Eckhardt ist an diesem Abend einstimmig zum Bürgermeister von Klein-Eichen gewählt worden. Anwesend waren dazu Beigeordneter Wilhelm Hoffmann sowie die Mitglieder Heinrich Maurer, Karl Biedenkopf, Karl Faust und Heinrich Zimmer.

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17. April 1946

Flüchtlinge und Heimatvertriebene kommen nach Klein-Eichen

Was seit Mitte 1945 als Gerücht die Runde machte, nämlich die Vertreibung von Millionen von Menschen aus den Ostgebieten, wurde im Frühjahr 1946 zur Gewissheit. Mit einem Sonderzug aus Furth im Wald an der deutsch-tschechischen Grenze erreichten rund 1200 Menschen aus dem Sudetenland ihr zukünftiges Zuhause: Mittelhessen. Das schwer kriegszerstörte Gießen war dabei zunächst nur Durchgangsstation. In diesem Jahr 1946 hat alleine Hessen über 397.000 vertriebene Menschen aufgenommen.

Täglich wurden rund 1400 Menschen in die Lager gebracht, gesundheitlich betreut und ihnen innerhalb einer Woche Privatquartiere zugewiesen. Mit dem ersten Flüchtlingstransport am 17. April 1946 kamen 25 Personen nach Klein-Eichen. Und am 10. Mai 1946 kam die zweite Gruppe mit 30 Personen ins Dorf. Mit ihrer wenigen Habe und auf Lastwagen kamen Männer und Frauen, Kinder und Alte. Ihnen wurden Quartiere in den Bauerhäusern zugewiesen. Fast in jedem Haus musste man nun zusammenrücken. Auf engstem Raum waren nun Menschen aufeinander angewiesen mit einer anderen Geschichte, fremden Dialekt und teils auch einer anderen Konfession. Nicht immer blieb es dabei so harmonisch.

Die Aufnahme der neuen Mitbürger stellte die Gemeinde vor große Probleme. Klein-Eichen hatte ca. 150 Einwohner. Innerhalb kürzester Zeit waren es plötzlich um ein Drittel mehr Menschen im Dorf. Sowohl Wohnraum als auch Nahrungsmittel mussten organisiert werden. Brennmaterial wurde benötigt und Arbeitsplätze. Nicht alle Heimatvertriebene blieben am Ort. So mancher zog wieder fort. Sei es nur bis nach Lardenbach oder auch weiter weg. Doch einige Familiennamen sind bis heute längst fester Bestandteil des Gemeinwesens. Und gerade die Jüngeren wissen nicht um die Herkunft und Wurzeln ihrer Mitbewohner.

 
20. Januar 1946

Kommunalwahl

Am 20. und 27. Januar 1946 wählten die hessischen Gemeinden mit höchstens 20000 Einwohnern ihre Ortsparlamente. Mit einer Beteiligung von 84,9 Prozent waren die ersten freien Wahlen nach der Nazi-Zeit ein voller Erfolg. Die SPD erreichte 44,5 Prozent und lag damit deutlich vor der CDU, die auf 31 Prozent kam. Die kommunistische KPD holte 5,7 Prozent, die später als FDP umbenannte LDP 2,7 Prozent.

Oberst Newman, Leiter des Amtes der Militärregierung für Großhessen überzeugte sich persönlich von der Stimmung in der Bevölkerung, die durch 12 Jahre Naziherrschaft schon lange keinen Gebrauch mehr von ihrem Wahlrecht hatte machen können.

Die Beteiligung der Frauen an den Wahlen war fast überall sehr groß. Etwa 60% aller abgegebenen Stimmen wurden von Frauen abgegeben. Dieser Umstand ist umso bemerkenswerter, weil die Frauen gerade in ländlichen Gemeinden bisher keinen allzu großen Anteil am politischen Leben genommen haben.

Das Ergebnis der Wahl in den Gemeinden wurde nach Verteilung der Sitze im Kreis Gießen aufgelistet. Demnach haben die Klein-Eichener 5 Sitze zu vergeben. Davon fielen auf das Christliche Landvolk alle 5 Sitze (bei insgesamt 130 Sitzen). In Lardenbach bekamen die 5 Sitze der "W.aufbau" (Wiederaufbau).

(FP)

 
19. September 1945

Hessen

Der Oberste Befehlshaber der Amerikanischen Streitkräfte in Europa, Dwight D. Eisenhower, erläßt die "Proklamation Nr. 2", in der er die Bildung von Bayern, Würtemberg-Baden und Groß-Hessen bekannt gibt. Dieses Groß-Hessen, das bald nur noch Hessen heißt, setzt sich aus der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau und dem früheren Volksstaat Hessen zusammen. Kurz nach der Proklamation setzen die Amerikaner eine hessische Landesregierung ein.

 
29. März 1945

Die Amis kommen!

Am späten Abend des 24. März 1945 stürmen die Amerikaner aus ihrem Rhein-Brückenkopf bei Remagen und starten eine Großoffensive in Richtung Westerwald, Taunus und das mittlere Hessen. Am Abend des 28. März ist die Stadt Gießen nach zahlreichen kleineren Gefechten in der Hand der Amerikaner.

In einem Bericht der US-Armee heißt es: "Das Tagesziel der 4. Panzerdivision waren am 28. März 1945 die Höhenlagen östlich von Gießen nahe Grünberg. Die Vormarschtruppen setzten sich um 5 Uhr in Marsch, um den Angriff durch den Brückenkopf Hanau nach Norden vor zu tragen. Über Münzenberg und Lich erreichte man um 16 Uhr eine Stellung nordöstlich von Grünberg. Die Angriffstruppen hielten Grünberg als Vorposten für die Nacht.

Für den 29. März hieß der Auftrag den Angriff nach Osten mit Lauterbach als Tagesziel voranzutragen. Ein Teil der Truppen fuhr über Lumda, Atzenhain, Merlau, Kirschgarten, Ruppertenrod Richtung Alsfeld. Ein anderer Vorstoß erfolgte von Grünberg über Weickartshain. Ortsausgang Mücke, beim Sportplatz, war die Brücke am Abend zuvor von der "SS" gesprengt worden.

Der 29. März war Gründonnerstag vor Ostern. Es war ein etwas dunstiger Morgen. Die Bevölkerung war völlig verunsichert. Niemand wußte was auf sie zukommen würde. Schon tagelang verbreiteten sich die Gerüchte und Meldungen aus den Volksempfängern, dass die Amis im Anmarsch seien. Am Vorabend zum Gründonnerstag hörte man im Dorf entfernt aus Richtung Grünberg Schüsse und Explosionen.

Früh am Morgen drangen dann immer lauter werdende Motorengeräusche und das Rasseln der Ketten heran. Auf der Höhe zwischen Lardenbach und Seenbrücke stand die Spitze der vorstoßenden Amerikaner. Längst waren Kriegsgefangene, Franzosen und Belgier, mit weißem Tuch vornweg den amerikanischen Truppen entgegen gelaufen. Diese berichteten, dass keine deutschen Soldaten in den beiden Dörfern seien. Und so fuhren die Amis einfach weiter. Eine nicht endend wollende Kolonne mit militärischen Fahrzeugen, Panzer, Jeeps, Lastkraftwagen, alle schwer bewaffnet, und voll besetzt mit Soldaten, zogen durch die Dörfer weiter Richtung Sellnrod. Längst stand die Dorfbevölkerung an den Straßen und blickte ungläubig auf das Geschehen. Nichts war passiert. Kein einziger Schuß war gefallen. Vielleicht war nun das Aufregendste, dass die Meisten zum ersten Mal einen Farbigen sahen.

Für die Einwohner war der Krieg schneller als erwartet zu Ende gegangen, aber an anderen Orten wurde noch verbissen weitergekämpft, und es sollte noch einige Wochen dauern, bis am 8. Mai endlich die Waffen schwiegen.

 
16. Juli 1940

Pfarrer Ernst Damerau

Pfarrer Damerau wurde im Mai 1935 von Treisa nach Oberhessen versetzt. Hier war er Pfarrer zu Groß- und Klein-Eichen im Dekanat Grünberg. Ernst Damerau starb 1940 in Frankreich. Er wurde 34 Jahre alt.

Fotos

 
01. April 1940

Sommerzeit

Ab 1. April tritt in Deutschland die Sommerzeit in Kraft, von diesem Tag ab wird die übliche Stundenzählung um eine Stunde mehr in den helleren Tag hineinverlegt. Am 1. April um 2 Uhr vormittags werden nach einer Verordnung des Ministerrates für die Reichsverteidugung die öffentlichen Uhren im Gebiet des Großdeutschen Reiches um eine Stunde, d. h. von 2 auf 3 Uhr, vorgestellt. Die Sommerzeit dauert bis zum 6. Oktober, 3 Uhr vormittags, zu welchem Zeitpunkt die öffentlichen Uhren wieder um eine Stunde, also von 3 auf 2 Uhr, zurückgestellt werden.

(HZ/GA)

 
10. Februar 1940

Kältester Winter seit über 100 Jahren

Der Winter 1939-40 war ein sehr strenger Herr. Man muß in der Geschichte der Meteorologie mehr als 100 Jahre zurückblättern, bis man im Jahre 1829-30 auf einen Winter stößt. der dem diesjährigen gleichkommt bzw. ihn noch übertrifft. In diesem Jahre erlebten wir in Frankfurt a. M. nicht weniger als 52 aufeinanderfolgende Frosttage (d. h. Tage, an denen die Temperatur bis auf null Grad sank); davon waren 44 Eistage (d. h. Tage, an denen die Temperatur während des ganzen Tages unter null Grad blieb). Der Januar hatte allein 30 Eistage und stellte damit einen neuen Rekord auf.

Über die Ursache der Kälte und den Schaden, der evtl. an Pflanzen und Tieren angerichtet wurde, hielt Prof. Dr. F. Linke einen Vortrag, wobei er der Meinung ist, dass sich die kalte sibirische Luft in diesem Jahre besonders reichlich nach Europa verlagerte und es in seiner ganzen Ausdehnung mit Schnee und Kälte umgab. Warum und weshalb sich die kalte Luft aus dem Osten in diesem Jahre nun so heftig im Westen einstellte, bleibt aber vorläufig noch ein Geheimnis.

(HZ/GA)

 
06. Februar 1940

Winter in Hessen

Der Reichsstatthalter in Hessen - Landesregierung - hat folgende Anordnung getroffen: Die Verkehrslage erfordert umgehende Beseitigung der Schneemassen innerhalb der Ortslagen. Wo die Mittel der Gemeinden zur Beseitigung der Schneemassen nicht ausreichen, werden hiermit die Gemeindeverwaltungen ermächtigt, die Gemeindeangehörigen, und zwar Männer und Frauen über 16 Jahre, die tatsächlich für die Arbeiten geeignet sind, zu Hand- und Spanndiensten heranzuziehen. Die engere Begrenzung des Personenkreises bleibt den Gemeindevorständen überlassen.

Ich erwarte, dass von der Ermächtigung soweit Gebrauch gemacht wird, dass die Schneemassen baldmöglichst beseitigt sind. Es ist in erster Linie dafür zu sorgen, dass die reibungslose Durchfahrt für die Fahrzeuge auf den Hauptverkehrsstraßen gesichert wird. Das Interesse des Fußgängers muss demgegenüber notfalls zurücktreten.

(HZ/GA)

 
23. Januar 1940

Winter in Europa

Die starke Kältewelle, die augenblicklich über ganz Europa lagert, hat überall einen bisher ungekannten Tiefstand der Temperaturen hervorgerufen. Bei dem nun schon seit Wochen andauernden Kälteeinbruch muss es sich wohl um eine elementare Naturerscheinung handeln. Es ist wahrhaftig ein sibirischer Winter über Europa hereingebrochen. Bis weit in den Süden unseres Erdteils erstreckt sich das Einflussgebiet der Kältewelle, und überall sind mit dem strengen Frost schwere Verkehrsbehinderungen, Schneeverwehungen, Stockungen der Lebensmittelzufuhr und alle anderen Dinge, die eine derartige Wetterkatastrophe mit sich bringt, zu verzeichnen.

Aber wie so viele andere Aufgaben wird das deutsche Volk auch den Kampf gegen den harten Winter erfolgreich meistern. Freilich wird das Einzelinteresse hinter dem Wohl der Allgemeinheit manchmal zurückstehen müssen. Die Notwendigkeiten der Kriegswirtschaft und der Heeresversorgung stehen an erster Stelle. Deshalb werden wir gern Geduld und Einsicht üben, wenn einmal vom einzelnen ein kleines Opfer verlangt wird.

(HZ/GA)

   
19. Januar 1940

Kalter Winter

In Gießen wird an diesem Tag mit -26,9°C die kälteste Temperatur in diesem Winter gemessen.

 

 
04. Januar 1940

Ordnung der Viehwirtschaft

Im Verkündungsblatt des Reichsnährstandes ist soeben die Sammelanordnung der Hauptvereinigung der Deutschen Viehwirtschaft für das Jahr 1940 erschienen. Sie lehnt sich eng in ihren Grundsätzen an die für das Jahr 1939 geltende Sammelanordnung an, jedoch sind selbstverständlich sämtliche kriegswirtschaftlichen Maßnahmen eingebaut worden.

Was die Preise angeht, so bleiben bei Schweinen die augenblicklich geltenden Grundpreise in Kraft. Ebenso bleibt es entsprechend dem Vorjahr bei dem saisonmäßigen Preisabschlag von 0,50 RM je 50 Kilogramm Lebendgewicht vom 1. Januar bis zum 24. Mai 1940 und bei dem saisonmäßigen Preiszuschlag von 3 bzw. 2 RM je 50 Kilogramm Lebendgewicht in der Zeit vom 15. Juli bis 5. Oktober 1940.

Die Rinderpreise bleiben grundsätzlich aufrechterhalten. Hinzu treten auch hier wie im Vorjahr Zu- und Abschläge auf einzelnen Märkten, die aus saisonmäßigen Gründen festgelegt sind. Neu jedoch ist die Gewährung eines Rüchterungszuschlages für Rinder, wie er für Schweine schon seit geraumer Zeit Geltung hat. Voraussetzung für die Gewährung des Rüchterungszuschlages bei Rindern jedoch ist, dass die Tiere nach bestimmter Transportdauer girekt aus dem Wagen verwogen werden. An den Kälberpreisen ändert sich gleichfalls nichts.

(HZ/GA)

 

 

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