| 02. März 1926 | ProtestversammlungÜVor einigen Tagen fand in Lardenbach eine Versammlung der Vertreter der Gemeinden statt, welche an einem angemessenen Personenverkehr auf der (Bahn-) Strecke Mücke - Laubach interessiert sind. Zu der Protestversammlung war Herr Landtagsabgeordneter Fenchel eingeladen. Viele weitere Interessenten hatten sich eingefunden, sodaß die kleingeplante Versammlung zur Massenversammlung wurde. Die Ausführungen aller Redner zeugten von der großen Verstimmung, die in der ganzen Gegend herrscht infolge der stiefmütterlichen Behandlung des Zugverkehrs auf der genannten Strecke. Die Bahn ist 1903 unter namhaften Opfern der anliegenden Gemeinden erbaut worden. Der Zugverkehr entspricht aber lange nicht den jetzigen Bedürfnissen. Herr Abgeordneter Fenchel versprach, sein Möglichstes zu tun, um den bestehenden Mißständen abzuhelfen, trat aber zu weit gehenden Wünschen der Anwesenden entgegen und riet, nur das Allernotwendigste zu verlangen. So kamen Mindestforderungen zustande, die in einer Resolution ihren Ausdruck fanden. Die anwesenden Vertreter der Gemeinden Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain, Stockhausen, Freienseen, Flensungen, Sellnrod, Wohnfeld, Groß-Eichen, Altenhain, Ilsdorf und Bobenhausen führen Protest gegen die ungerechte Behandlung seitens der Reichseisenbahn-Gesellschaft. Der gegenwärtige Zustand zwingt die Anwohner des fraglichen Gebietes, den Weg von Laubach bzw. Mücke zu Fuß zurückzulegen. Dazu kommt, daß die Ärzte ihre Besuche z. T. am Nachmittag ausführen und die Beschaffung der Arzneimittel im Laufe des Nachmittags nicht mehr möglich ist. Es ist zwar morgens gegen 7 Uhr günstige Verbindung nach Gießen und Frankfurt gegeben, jedoch ist bei der Rückkehr nur noch Station Mücke am selben Abend zu erreichen. Die Beseitigung der genannten Mißstände wäre dadurch zu erzielen, daß der Abendzug von Hungen, der jetzt bis Laubach (an 8 Uhr) durchgeführt wird, bis Mücke weitergeführt wird und dort die Passagiere in Richtung Laubach mitnimmt. Auf diese Weise wäre auch die Beschaffung von Arzneimitteln in Laubach oder Grünberg am späten Nachmittag möglich. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Gemeinden seinerzeit beim Bau der Bahn bedeutende Zuschüsse geleistet haben und daß sich der Verkehr wesentlich gehoben hat durch Gründung neuer Unternehmen (Molkereien, Bergwerke, Tuchfabriken, Zigarrenfabriken usw.), sodaß in der Tat eine große Benachteiligung der Bevölkerung im Vergleich zur Vorkriegszeit Tatsache geworden ist. Für die Sonntage wird derselbe Zugverkehr gewünscht wie an Werktagen. Der augenblickliche Sonntags-Zugverkehr bietet fast keine Verbindungsmöglichkeiten. Kein Wunder, daß infolgedessen der rege Sonntagsverkehr der Friedenszeit geschwunden ist. Die vertretenen Gemeinden verlangen, daß aufgrund der seinerzeit von den Gemeinden geleisteten Zuschüsse und der unterdessen erfolgten wirtschaftlichen Entwicklung den schon seit längerer Zeit schwer empfundenen Mißständen abgeholfen wird. (Grünberger Anzeiger) |
| 28. Februar 1926 | VolkstrauertagDer Volkstrauertag wurde in der Provinz Hessen-Nassau und im Staat Hessen in der würdigsten Weise begangen. Fahnen auf Halbmast, Glockengeläute und Posaunenchöre von den Kirchtürmen um die Mittagszeit mahnten eindruckstief zum Gedächtnis der gefallenen Helden. Auch in allen Städten und Gemeinden des Freistaates Hessen haben die Feiern einen würdigen Verlauf genommen. (Grünberger Anzeiger)
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| 27. Februar 1926 | SchöffengerichtEin Landwirt aus Stockhausen hatte gegen einen Strafbefehl, den er wegen unberechtigten Befahrens eines bestellten Feldes erhalten, Berufung eingelegt. Die Beweisaufnahme brachte keine Klarheit, weshalb Ortsbesichtigung vorgenommen werden soll. Der Viehschweizer des Oberseener Hofes hatte Anfang Oktober v. Js. auf einer noch nicht abgeernteten Wiese in der Nähe der Löbsack-Mühle Rindvieh geweidet. Dafür bekam er einen Strafbefehl, gegen den rechtzeitig Einspruch erhoben wurde. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, dass der Pächter des Oberseener Hofes das Recht hat, in der Zeit vom 1. Oktober bis 22. Februar jeden Jahres die Wiesen als Weide zu benutzen, ganz gleich, ob das Grummet abgeerntet ist oder nicht. Der Angeklagte wurde frei gesprochen. (27. Februar 1926) [Ein Viehschweizer war historisch ein spezialisierter Landarbeiter, der für die Betreuung von Vieh und die Milchverarbeitung zuständig war – unabhängig davon, ob er tatsächlich aus der Schweiz stammte.] (Grünberger Anzeiger) |
| 18. Februar 1926 | ArbeitsgelegenheitDie Zunahme der Arbeitsgelegenheit zeigt sich in den mittleren und kleineren Orten mehr und mehr, so dass dort die Zahl der Erwerbslosen abnimmt, während in den Großstädten besonders noch viele Kaufleute unbeschäftigt sind. Der Andrang zum kaufmännischen Beruf war zu groß geworden. Dagegen muß auf dem Baumarkt mit neuem Leben gerechnet werde. (Grünberger Anzeiger) |
| 16. Februar 1926 | Vereitelter EinbruchIn einer der letzten Nächte versuchten Diebe in einem Lardenbacher, etwas abseits gelegenen Bauernhaus einzubrechen. Die junge Frau hörte Geräusch und machte Licht. Als plötzlich alles ruhig war, glaubte sie sich getäuscht zu haben. Am nächsten Morgen sah man, dass am Küchenfenster bereits das Blei losgelöst war. (16. Februar 1926)
ViehversicherungSchon seit Jahren plant die Genossenschaft Lardenbach und Klein-Eichen die Gründung einer Viehversicherung auf Gegenseitigkeit. Die Sache ist soweit gediehen, dass in einer demnächst stattfindenden Generalversammlung die letzten Beschlüsse gefasst werden sollen. (Grünberger Anzeiger) |
| 12. April 1926 | BettelunwesenDas Bettelunwesen hat in Lardenbach Formen angenommen, die bald nicht mehr zu überbieten sind. Das hiesige "Gemeindehaus" ist dauernd von mehreren wandernden "Familien" belagert. Ein Bettler reicht dem anderen die Türklinke. Es wäre zu wünschen, dass den Herrschaften kein Geld, sondern nur Nahrungsmittel gereicht würden. Das hilft ab. Der wirklichen Not wollen wir helfen, aber das Geld ist zu rar. (12. Februar 1926)
Grubenbetrieb 1926Sicherem Vernehmen nach ist damit zu rechnen, dass der Grubenbetrieb auf Luse-Ilsdorf bald wieder aufgenommen wird, wenn auch zunächst nicht voll. Die Gruben befinden sich infolge der nassen Witterung zum Teil in recht schlechtem Zustand. (12. Februar 1926) (Grünberger Anzeiger) |
| 07. Februar 1926 | Auf der FluchtIn der vergangenen Nacht (7. Februar 1926) logierte bei Göbel in Lardenbach ein ehemaliger Zögling seines jetzigen Mieters. Nachdem der Besuch gestern abend ohne Erfolg versucht hatte, in der Wirtschaft Nickel, Stockhäuserhof, einen Renner zu verkaufen oder Geld zu pumpen (den Renner wurde er dann auf der Mücke los), ging er morgens vor Tag mit dem Motorrad des Mietsherrn Göbel durch. Da aber die Zündkerze fehlte, mußte der arme Junge das Motorrad bis auf den Stockhäuserhof drücken. Der Einfachheit halber schnitt er den Laufriemen entzwei. In der Fahrradhandlung von Otto Nickel erschwindelte er sich dann unter allerlei Märchen Zündkerze und Riemen und stob ab. Dem Vernehmen nach ist die Reise in Butzbach zu Ende gegangen. Man hat ihn schon.
VolksbildungsabendGestern abend (7. Februar 1926) veranstaltete der Männergesangverein im Saal des Gastwirts Diehl in Lardenbach seinen diesjährigen Volksbildungsabend. In urwüchsiger Weise wurden die heiteren Dorfbilder von Vonalt aufgeführt. Einige Chöre (u. a. "Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein!", "Deutsches Reiterlied", "Morgenruf") schmückten die Pausen würdig aus. Der Bruderverein Freienseen war geschlossen erschienen und sang ebenfalls vier Lieder voll Schönheit mit vorzüglichem Stimmenausgleich. Der Besuch war sehr stark. (Grünberger Anzeiger) |
| 06. Februar 1926 | Arbeitslosigkeit im unteren VogelsbergDie Witterungsverhältnisse waren diesen Winter nicht immer die angenehmsten, denn schon im Herbste hatte man einen solchen Frost und Schnee, daß sogar, was sehr selten vorkommt, die Holzhauer einige Zeit nicht fällen konnten. Aber durch diese Pause wird trotzdem das Holzhauen nicht später beendet werden, weil durch die allgemeine Erwerbslosigkeit einmal die seither bestandenen Rotten sich vergrößert haben und dann auch mehr Rotten eingesetzt wurden. Man muß es begrüßen, daß hier durch die Forstämter der zum größten Teil schuldlosen Arbeitslosen gedacht und das allzugroße Elend etwas gelindert wurde. Wie wird nun die Arbeitslosigkeit im Frühjahr werden? Allem Anschein nach nicht ganz zufriedenstellend. Unsere Gegend wird von der Arbeitslosigkeit, die hier in der Industrie herrscht, schwer betroffen. Aber auch die Landwirtschaft leidet schwer darunter, denn Industrie und Landwirtschaft hängen sehr voneinander ab, eine Tatsache, die in besseren Zeiten sehr oft verkannt wurde. Gewöhnlich dachte der Arbeiter, die Erzeugnisse des Landwirts müßten billiger sein, und der Landwirt dachte, der Arbeiter könne billiger schaffen. Aber dieser Gedanke ist falsch, denn beide Berufe sind sehr abhängig voneinander und müssten deshalb Hand in Hand gehen. Es klingt sonderbar, ist aber zutreffend: Sobald die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sehr billig sind, kann sie der Arbeiter am schlechtesten kaufen, und umgekehrt mangelt dann dem Landwirt das Geld zum Ankauf von Industrieerzeugnissen. Deshalb, Arbeiter und Bauern, seid gegenseitig nicht gehässig und bekämpft Euch nicht, sondern geht Hand in Hand!
Anschaffung einer MotorspritzeDer Kreis Gießen hat als erster hessischer Kreis eine Motorfeuerspritze angeschafft, die der Überlandlöschhilfe dienen soll. Die Motospritze wird in Gießen stationiert. Auch ein Automobiltransportwagen zur Beförderung der Bedienungsmannschaften wird angeschafft werden. (Grünberger Anzeiger) |
| 01. Februar 1926 | NebenbahnenVom Standpunkte der Anwohner der Nebenbahnen war es zu begrüßen, daß die Strecke Grünberg-Lich unlängst sich nach langen Mühen den gewünschten Abendzug erkämpft hat. Aber um so bedauerlicher erscheint es uns an der Strecke Mücke-Laubach-Hungen, daß die Reichsbahnverwaltung so schlecht für unsere Verkehrsbedürfnisse sorgt und sich auch wohl garnicht mit der Absicht zur Abhilfe trägt. Es sind wiederum die Orte Freienseen, Lardenbach-Weickartshain und Stockhausen, die an jener Bahnstrecke die allerschlechtesten Reisemöglichkeiten besitzen. Es ist doch ein unhaltbarer Zustand, daß werktags um 5.06 der letzte Zug Mücke in der Richtung Hungen verläßt. Kommt man aber von Hungen, so hat man hier gar schon um 3.04 Uhr die letzte Anschlußmöglichkeit. Wir glauben, im Rahmen des Möglichen zu bleiben, wenn wir wünschen, daß der Zug, der Hungen abends 7.22 Uhr verläßt, über sein Ziel Laubach hinaus bis Mücke durchgeführt wird, von wo aus er nach 9 Uhr wieder nach Laubach zurückfahren könnte. Dadurch wären Anschlüsse an die Abendzüge hergestellt. Hoffentlich hat die Bahnverwaltung ein Einsehen! (Grünberger Anzeiger) |
| 30. Januar 1926 | Budget "Volksschule"Wie aus den letzten Landtagsverhandlungen zu sersehen war, wird das Budget des hessischen Staates durch das Kapitel "Volksschule" sehr stark belastet. Nach dem alten Schulgesetz für Hessen bezog jeder definitiv aufgestellte Lehrer den Grund- oder Stellengehalt von 900 Mk. aus der Gemeindekasse. Nur die Dienstzulage wurde vom Staat entrichtet. Außerdem hatte die Gemeinde die Vergütung für den Handarbeits- und Fortbildungsschulunterricht aufzubringen. Ferner wurde die Dienstwohnung für den Lehrer unentgeltlich gestellt. Nach dem neuen Volksschulgesetz gingen alle diese Lasten auf den Staat über. (Grünberger Anzeiger) |
| 09. Januar 1926 | Eisenerzmarkt und BauernprotestDie Lage des Eisenerzmarktes im Lahn- und Dillgebiet in Oberhessen hat sich im Dezember weiterhin verschlechtert. Die noch in Betrieb befindlichen Gruben können nur noch mit äußerster Anstrengung ihren Betrieb aufrecht erhalten. Wenn auch die flüssigen Mittel für die Zahlung von Löhnen und Gehälter bisher noch gereicht haben, so können doch die fälligen Steuern und sozialen Lasten bereits nicht mehr fristgerecht aufgebracht werden. Man befürchtet, daß durch etwa zu erwartende Zwangsbetreibungen auch noch die letzten Gruben zum Erliegen kommen werden. Über 1000 Kleinbauern und Kleingewerbetreibende des Vogelsberges waren am 6. Januar in Schotten versammelt, um Protest zu erheben gegen die untragbaren Steuern. Es wurde scharfe Kritik geübt an der Steuerveranlagung des Vogelsberger Notgebietes, sowie am Steuerdruck des Reichs und des Volkstaates Hessen. Ist die Regierung nicht gewillt, einschneidende Sparmaßnahmen zu ergreifen und uns die geforderte Erleichterung zu verschaffen, so wird sie dafür verantwortlich zu machen sein, wenn der Bestand unseres Hessenlandes für die Zukunft gefährdet ist. (Grünberger Anzeiger) |
| 02. Januar 1926 | Aus Stadt und Land 1926Das hessische Gesamtministerium hat bestimmt: Jede Maskerade und jedes karnevalistisches Treiben, wie beispielsweise auch das Werfen von Konfetti und Luftschlangen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten, ist verboten. In der Zeit von Aschermittwoch ab sind alle karnevalistischen Veranstaltungen, wie Maskenbälle, Kostüm- und Trachtenfeste, Kappenabende usw. auch für geschlossene Gesellschaften verboten. Wer den Vorschriften zuwiderhandelt, oder sich an einer verbotenen Veranstaltung beteiligt oder eine Veranstaltung in seinen Räumen duldet, wird mit Gefängnis bis zu 3 Monaten und mit Geldstrafe bis zu 10 000 RM. oder mit einer dieser bestraft. (Grünberger Anzeiger) |