20. Mai 1926

Warnung vor Zuzug in die Stadt

Oft besteht bei der Landbevölkerung die Auffassung, weibliche Hilfskräfte würden in den Städten leicht Anstellung als Dienstboten oder dergleichen finden. Diese Ansicht ist entschieden irrig. Tatsächlich sind weit mehr Stellensuchende als offene Stellen für solche Mädchen vorhanden. Nicht wenige Familien des städtischen Mittelstandes mußten infolge Geldmangels ihre bisherigen Dienstmädchen entlassen.

Vor einem planlosen Zuzug weiblicher Hilfskräfte in die Stadt muß daher mit dem größten Nachdruck gewarnt werden. Aber auch von einem Zuzug männlicher Hilfskräfte in die Stadt ist nicht weniger abzuraten. Die Arbeitslosigkeit in den meisten Industriezweigen ist derart groß, daß keineswegs mit einem Unterkommen in den Städten zu rechnen ist. Die Geschädigten sind in erster Linie die Zuwandernden selbst, sie müssen ihre Leichtfertigkeit oder Unwissenheit erfahrungsgemäß oft schwer genug büßen!

(Grünberger Anzeiger)

 

Älteste Frau Oberhessens

Am Mittwochnachmittag (19. Mai 1926) wurde die älteste Frau Laubachs und wahrscheinlich auch ganz Oberhessens, die Witwe Elisabeth Rausch geborene Lipp, zur letzten Ruhe gebracht. Die Verstorbene, die am 10. Oktober 1829 zu Ulrichstein geboren wurde, verdankte ihr hohes Alter wohl in erster Linie der sorgsamen Pflege ihrer Töchter.

(Grünberger Anzeiger)

[Für das frühe 20. Jahrhundert, in dem die Lebenserwartung für Frauen in Deutschland im Durchschnitt noch bei unter 60 Jahren lag, war ein Alter von 96 Jahren eine absolute Seltenheit.]

 

 
14. Mai 1926

Hauptversammlung des Kreiszuchtvereins

Der Kreisrinderzuchtverein für die Vogelsberger Rasse hielt kürzlich (14. Mai 1926) in der Wirtschaft Böß (Grünberg) seine Generalversammlung ab. In Abwesenheit des 1. Vorsitzenden, leitete der 2. Vorsitzende, Direktor Trautmann-Grünberg, die Verhandlungen. Die Rechnungsablage erstattete Verwaltungsobersekretär Philipp. Sie wies ein recht günstiges Ergebnis auf. Die Rechnungsprüfer Velten und Weber-Göbelnrod erteilten dem Kassierer Entlastung.

Direktor Trautmann gab hierauf den Tätigkeitsbericht ab. Sehr behindert wurde die Tätigkeit des Vereins durch die Maul- und Klauenseuche. Über das Ergebnis der Körungen 1925 berichtete Richberg von der Landwirtschaftskammer Gießen. Die Zahl der Körungen und Aufnahmen ins Herdbuch hat erfreulicherweise zugenommen.

Nach längerer Aussprache wurde mit großer Mehrheit als Ort der Kreistierschau Grünberg gewählt. Die Landwirtschaftskammer und der Zuchtverein stellen hierzu ungefähr 1500–2000 Mk. zur Verfügung. Der Zuchtverein selbst 300 Mark. Außerdem werden die Stadt Grünberg und die Korporationen Preise stellen.

Zwecks Verhütung der Gefährdung der Reinzucht des Vogelsberger Rindes ist die Versammlung der Ansicht, daß reingezüchtete Tiere auf den Prämiierungen und Schauen anderen Tieren mit kleinen Farbfehlern usw. vorzuziehen sind. Die Zucht ist gefährdet durch die Einführung fremden Blutes, z. B. Westfälischer Bullen, die Farbfehler haben; deshalb beim Einkauf auf gute, alte Zucht achten. Direktor Trautmann dankte der Versammlung für das Vertrauen und versprach den Verein und die Vogelsberger Zucht mit seiner ganzen Kraft zu fördern.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
11. Mai 1926

Land Preise

In Ober-Ohmen wurde ein Stück Kleeland versteigert, wobei infolge allgemeinen Futtermangels recht beträchtliche Preise erzielt wurden. Für 1/4 Morgen wurden 65—70 RM. bezahlt, so daß das ganze Stück annähernd 500 RM. einbrachte.

(Grünberger Anzeiger)

 

Schneefall im Mai

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat sich im Vogelsberg starker Schneefall eingestellt. Stellenweise sind Obstbaumäste unter der Schneelast abgebrochen. Die Sonnenstrahlen machten der weißen Herrlichkeit jedoch bald ein Ende, nur im oberen Vogelsberg behauptete der ungebetene Maiengast sich länger.

(Grünberger Anzeiger)

 

Arbeitsmarktlage

Der Arbeitsmarkt im nördlichen Oberhessen, wozu die Städte im Kreise Gießen, Alsfeld, Lauterbach und Schotten gehören, hat im Monat April infolge Belebung der Bautätigkeit und zahlreicher Notstandsarbeiten eine fühlbare Erleichterung erfahren.

Gegenüber 3529 Hauptunterstützungsempfängern und 4522 Zuschlagsempfängern am 1. April waren am 30. April noch 2786 Hauptunterstützungsempfänger und 3731 Zuschlagsempfänger vorhanden.

(Grünberger Anzeiger)

 
04. Mai 1926

Flug von Gießen

Das in Gießen stationierte Flugzeug hat dieser Tage eine Glanzleistung vollbracht, indem es die Strecke Mannheim — Gießen mit Passagieren an Bord in einer reinen Flugzeit von 35 Minuten zurücklegte. Flug und Landung sind völlig glatt verlaufen.

(Grünberger Anzeiger)

[Der historische Flughafen Gießen erlebte in den 1920er und 1930er Jahren eine kurze, aber glanzvolle Phase als bedeutender Knotenpunkt der zivilen Luftfahrt. Gegründet wurde die Anlage im Jahr 1925 nordöstlich der Stadt auf dem Gelände „Am stolzen Morgen“ durch die Luftverkehr AG Oberhessen-Lahngau (OBLAG). Die feierliche Einweihung des Flugfeldes fand am 5. Juli 1925 vor rund 2.000 Zuschauern statt.
Anders als heutige Flughäfen besaß der Gießener Flugplatz in seiner zivilen Phase keine befestigte Start- und Landebahn. Das gesamte Rollfeld bestand aus einer großen, ovalen Grasfläche, die – je nach Windrichtung – aus allen Himmelsrichtungen angeflogen werden konnte.]

Fotos

 
04. Mai 1926

Abschied Pfarrer Weinberger

Herr Pfarrer Weinberger, der seit dem 26. August 1888 in Lardenbach seines Amtes waltete — er ist auf seiner ersten Stelle geblieben —, sah sich durch seine geschwächte Gesundheit genötigt, um Versetzung in den Ruhestand nachzusuchen.

Am Sonntag, den 18. April 1926 hielt er seine Abschiedspredigt in der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche, die auch von der mit Lardenbach eng verbundenen Nachbargemeinde Klein-Eichen gut besucht war und ein sichtbares Bild der Liebe, zu dem jetzt aus seinem Amt scheidenden Seelsorger gab.

Als Text hatte er gewählt 1 Moses 32,11 und Apostelgeschichte 20,21. Durch seine lange, fast 38jährige Wirksamkeit ist er mit seinen Gemeindegliedern eng verwachsen. Die ganze Kirchengemeinde wünscht, daß sein nun neu angetretener Lebensabschnitt ein recht langer und sonniger werde und er die wohlverdiente Ruhe noch lange in unserer Mitte genießen möge.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
29. April 1926

Der Aberglaube auf dem Lande

In den Großstädten hat der Spiritismus, der Okkultismus, der Somnambulismus, die Astrologie usw. viele Tausende von Anhängern. Mangel an Wirklichkeitssinn, Hang zum Mystischen, manchmal auch zur Hysterie, „moderne“ Formen des Aberglaubens sammeln ein gläubiges Heer um die sogenannten geheimen Wissenschaften und ihre Verkünder und Ausleger.

Auf dem Lande rümpft man gerne die Nase über diese Verirrungen großstädtischen Lebens. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß auf dem Lande auch heute im zwanzigsten Jahrhundert noch die primitivsten Formen eines Aberglaubens vorhanden sind. Man erinnere sich, welchen schauerlichen Hokuspokus immer wieder gerissene Zigeunerweiber zum Schaden gutgläubiger Bauersleute ausführen können. Da kommen Schwindeleien vor, die man getrost neben mittelalterliche Hexengeschichten stellen könnte.

Es gibt leider auch heute noch Menschen, die allen Ernstes daran glauben, daß ihnen Vieh verhext, Krankheiten angewunschen, Unglück in der Familie, Hagel und Mißwachs im Felde, Unsegen im Stall durch geheime Kräfte mißgünstiger Menschen zugefügt werden kann, und daß umgekehrt durch solche geheime Kräfte Krankheiten geheilt, Wohlstand und Familienglück begründet werden kann. Namentlich Bauersfrauen und sonstige weibliche Hofinsassen schenken diesen „geheimen Kräften“ leider oft viel mehr Glauben und Zutrauen als dem ehrlichsten Berater, dem besten Freund und dem wohlmeinendsten Helfer.

Es ist nicht auszudenken, wieviel Unglück schon angerichtet worden ist durch skrupellose Scharlatane, die sich diese unglückliche Neigung zu abergläubischen Vorstellungen zunutze gemacht haben.
Jeder wackere Bauer, der mit beiden Füßen im wirklichen Leben steht und sich den Kopf freigehalten hat von diesem dummen abergläubischen Zeug, sollte als Hausvater dafür sorgen, daß in seinem Haus und Hof die ungesunde Luft des dumpfen Aberglaubens nicht eindringen kann.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
11. April 1926

Der Ackerpflug

In Ilsdorf ereignete sich dieser Tage ein seltener Fall. In der Nacht von Samstag auf Sonntag (11. April 1926) war hoch im Geäste eines Süßapfelbaumes ein kompletter Ackerpflug entsproßt. Drei Tage lang wagte sich niemand heran, die seltene Aprilfrucht zu pflücken. Endlich fanden sich zwei beherzte Männer, die dem allgemeinen Aufsehen ein Ende machten und die Frucht zu Boden brachten. Man sollte auf solche Erscheinungen achten, denn wenn die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte auf den Bäumen wachsen, wird es in Zukunft für die Industrie und Arbeiterschaft schlecht bestellt sein.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
08. April 1926

Silberne-Hochzeit

Am 8. April feiern der Oberpostschaffner Georg Alexander und seine Ehefrau Susanne geb. Mölcher das Fest der Silbernen Hochzeit. Im Jahre 1901 haben Georg Alexander aus Nieder-Ohmen und Susanne Mölcher aus Lardenbach geheiratet. Deren Sohn Otto war lange Zeit als Postbote in den Dörfern unterwegs.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
14. März 1926

Protestversammlung - Abbau des Amtsgerichts und der Realschule Laubach

Auf den Ruf des Bürgervereins hatten sich am Sonntag (14. März 1926) Angehörige aller Stände und Parteien zu einer großen Protestversammlung im „Solmser Hof“ vereinigt. In Darmstadt war allen Ernstes erwogen worden, Amtsgericht und Realschule Laubach den Abbaumaßnahmen zu unterwerfen, die der Staat zur Verminderung der Ausgaben im Staatshaushalt vorzunehmen gezwungen ist.

Über die Amtsgerichtsfrage berichtete Herr Oberamtsrichter Zimmermann. Er wies überzeugend nach, dass eine Zusammenlegung des Amtsgerichts mit dem Amtsgericht einer benachbarten Stadt nur eine sehr geringe Kostenersparnis zur Folge haben würde. Anderseits müssten für die bauliche Vergrößerung des erweiterten Amtsgerichts sehr wahrscheinlich bedeutende Mittel aufgebracht werden. Der Abbau des Amtsgerichts Laubach sei also mit Ersparnisnahmen kaum zu begründen.

Hinsichtlich der Realschule argumentierte Direktor Dr. Rainer, dass der aktuelle Schülermangel lediglich eine vorübergehende Folge des Geburtenrückgangs während der Kriegs- und Inflationsjahre sei und bald wieder mit deutlich höheren Zahlen zu rechnen sei. Als konkrete Lösung zur Standortsicherung wurde die Bildung eines neuen Schulbezirks entlang der Bahnlinie vorgeschlagen, was zulasten der kleineren Schule im benachbarten Hungen gehen sollte.

Die Versammlung schloss mit einer einstimmigen Resolution an die hessische Regierung: Da Laubach bereits durch die Aufgabe seines Gymnasiums ein großes Opfer gebracht habe, forderte man aus Gründen der Gerechtigkeit den Erhalt der verbleibenden Institutionen.

Die Schließung konnte zunächst abgewendet werden. Das Amtsgericht Laubach blieb über die 1920er Jahre hinaus bestehen und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 sogar als eigenständiges Gericht wiedereröffnet. Die endgültige Auflösung erfolgte erst am 1. Juli 1968, woraufhin die Zuständigkeit auf das Amtsgericht Gießen überging.

Die Realschule: Auch hier war der Widerstand erfolgreich. Die Schule überstand die Sparmaßnahmen der Weimarer Republik. Nach 1945 wurde sie auf Initiative örtlicher Persönlichkeiten als „Realgymnasium Laubach“ weitergeführt und entwickelte sich später zur heutigen Paul-Gerhardt-Schule sowie zum Laubach-Kolleg weiter.

Die genannten „Abbaumaßnahmen“ waren Teil einer allgemeinen Sparpolitik im Volksstaat Hessen, die durch die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs und die Hyperinflation von 1923 notwendig geworden war.

[Infolge der Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 15. Oktober 1853 wurde Klein-Eichen dem Sprengel des Landgerichts Laubach zugewiesen.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Laubach“.

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts und Klein-Eichen wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugelegt.]

(Grünberger Anzeiger, Wikipedia)

Fotos

 
02. März 1926

Protestversammlung

ÜVor einigen Tagen fand in Lardenbach eine Versammlung der Vertreter der Gemeinden statt, welche an einem angemessenen Personenverkehr auf der (Bahn-) Strecke Mücke - Laubach interessiert sind.

Zu der Protestversammlung war Herr Landtagsabgeordneter Fenchel eingeladen. Viele weitere Interessenten hatten sich eingefunden, sodaß die kleingeplante Versammlung zur Massenversammlung wurde.

Die Ausführungen aller Redner zeugten von der großen Verstimmung, die in der ganzen Gegend herrscht infolge der stiefmütterlichen Behandlung des Zugverkehrs auf der genannten Strecke.

Die Bahn ist 1903 unter namhaften Opfern der anliegenden Gemeinden erbaut worden. Der Zugverkehr entspricht aber lange nicht den jetzigen Bedürfnissen. Herr Abgeordneter Fenchel versprach, sein Möglichstes zu tun, um den bestehenden Mißständen abzuhelfen, trat aber zu weit gehenden Wünschen der Anwesenden entgegen und riet, nur das Allernotwendigste zu verlangen. So kamen Mindestforderungen zustande, die in einer Resolution ihren Ausdruck fanden.

Die anwesenden Vertreter der Gemeinden Lardenbach, Klein-Eichen, Weickartshain, Stockhausen, Freienseen, Flensungen, Sellnrod, Wohnfeld, Groß-Eichen, Altenhain, Ilsdorf und Bobenhausen führen Protest gegen die ungerechte Behandlung seitens der Reichseisenbahn-Gesellschaft.

Der gegenwärtige Zustand zwingt die Anwohner des fraglichen Gebietes, den Weg von Laubach bzw. Mücke zu Fuß zurückzulegen. Dazu kommt, daß die Ärzte ihre Besuche z. T. am Nachmittag ausführen und die Beschaffung der Arzneimittel im Laufe des Nachmittags nicht mehr möglich ist.

Es ist zwar morgens gegen 7 Uhr günstige Verbindung nach Gießen und Frankfurt gegeben, jedoch ist bei der Rückkehr nur noch Station Mücke am selben Abend zu erreichen. Die Beseitigung der genannten Mißstände wäre dadurch zu erzielen, daß der Abendzug von Hungen, der jetzt bis Laubach (an 8 Uhr) durchgeführt wird, bis Mücke weitergeführt wird und dort die Passagiere in Richtung Laubach mitnimmt. Auf diese Weise wäre auch die Beschaffung von Arzneimitteln in Laubach oder Grünberg am späten Nachmittag möglich.

Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Gemeinden seinerzeit beim Bau der Bahn bedeutende Zuschüsse geleistet haben und daß sich der Verkehr wesentlich gehoben hat durch Gründung neuer Unternehmen (Molkereien, Bergwerke, Tuchfabriken, Zigarrenfabriken usw.), sodaß in der Tat eine große Benachteiligung der Bevölkerung im Vergleich zur Vorkriegszeit Tatsache geworden ist.

Für die Sonntage wird derselbe Zugverkehr gewünscht wie an Werktagen. Der augenblickliche Sonntags-Zugverkehr bietet fast keine Verbindungsmöglichkeiten. Kein Wunder, daß infolgedessen der rege Sonntagsverkehr der Friedenszeit geschwunden ist.

Die vertretenen Gemeinden verlangen, daß aufgrund der seinerzeit von den Gemeinden geleisteten Zuschüsse und der unterdessen erfolgten wirtschaftlichen Entwicklung den schon seit längerer Zeit schwer empfundenen Mißständen abgeholfen wird.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
28. Februar 1926

Volkstrauertag

Der Volkstrauertag wurde in der Provinz Hessen-Nassau und im Staat Hessen in der würdigsten Weise begangen. Fahnen auf Halbmast, Glockengeläute und Posaunenchöre von den Kirchtürmen um die Mittagszeit mahnten eindruckstief zum Gedächtnis der gefallenen Helden. Auch in allen Städten und Gemeinden des Freistaates Hessen haben die Feiern einen würdigen Verlauf genommen.

(Grünberger Anzeiger)

 

 
27. Februar 1926

Schöffengericht

Ein Landwirt aus Stockhausen hatte gegen einen Strafbefehl, den er wegen unberechtigten Befahrens eines bestellten Feldes erhalten, Berufung eingelegt. Die Beweisaufnahme brachte keine Klarheit, weshalb Ortsbesichtigung vorgenommen werden soll.

Der Viehschweizer des Oberseener Hofes hatte Anfang Oktober v. Js. auf einer noch nicht abgeernteten Wiese in der Nähe der Löbsack-Mühle Rindvieh geweidet. Dafür bekam er einen Strafbefehl, gegen den rechtzeitig Einspruch erhoben wurde. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, dass der Pächter des Oberseener Hofes das Recht hat, in der Zeit vom 1. Oktober bis 22. Februar jeden Jahres die Wiesen als Weide zu benutzen, ganz gleich, ob das Grummet abgeerntet ist oder nicht. Der Angeklagte wurde frei gesprochen. (27. Februar 1926)

[Ein Viehschweizer war historisch ein spezialisierter Landarbeiter, der für die Betreuung von Vieh und die Milchverarbeitung zuständig war – unabhängig davon, ob er tatsächlich aus der Schweiz stammte.]

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
18. Februar 1926

Arbeitsgelegenheit

Die Zunahme der Arbeitsgelegenheit zeigt sich in den mittleren und kleineren Orten mehr und mehr, so dass dort die Zahl der Erwerbslosen abnimmt, während in den Großstädten besonders noch viele Kaufleute unbeschäftigt sind. Der Andrang zum kaufmännischen Beruf war zu groß geworden. Dagegen muß auf dem Baumarkt mit neuem Leben gerechnet werde.

(Grünberger Anzeiger)

 
16. Februar 1926

Vereitelter Einbruch

In einer der letzten Nächte versuchten Diebe in einem Lardenbacher, etwas abseits gelegenen Bauernhaus einzubrechen. Die junge Frau hörte Geräusch und machte Licht. Als plötzlich alles ruhig war, glaubte sie sich getäuscht zu haben. Am nächsten Morgen sah man, dass am Küchenfenster bereits das Blei losgelöst war. (16. Februar 1926)

 

Viehversicherung

Schon seit Jahren plant die Genossenschaft Lardenbach und Klein-Eichen die Gründung einer Viehversicherung auf Gegenseitigkeit. Die Sache ist soweit gediehen, dass in einer demnächst stattfindenden Generalversammlung die letzten Beschlüsse gefasst werden sollen.

(Grünberger Anzeiger)

 
12. April 1926

Bettelunwesen

Das Bettelunwesen hat in Lardenbach Formen angenommen, die bald nicht mehr zu überbieten sind. Das hiesige "Gemeindehaus" ist dauernd von mehreren wandernden "Familien" belagert. Ein Bettler reicht dem anderen die Türklinke. Es wäre zu wünschen, dass den Herrschaften kein Geld, sondern nur Nahrungsmittel gereicht würden. Das hilft ab. Der wirklichen Not wollen wir helfen, aber das Geld ist zu rar. (12. Februar 1926)
[Gemeindehaus: Seentalstraße Ecke Hölzchesweg: dass „Hossehäussi“, das „Hirtenhaus“]

 

Grubenbetrieb 1926

Sicherem Vernehmen nach ist damit zu rechnen, dass der Grubenbetrieb auf Luse-Ilsdorf bald wieder aufgenommen wird, wenn auch zunächst nicht voll. Die Gruben befinden sich infolge der nassen Witterung zum Teil in recht schlechtem Zustand. (12. Februar 1926)

(Grünberger Anzeiger)

 

 
07. Februar 1926

Auf der Flucht

In der vergangenen Nacht (7. Februar 1926) logierte bei Göbel in Lardenbach ein ehemaliger Zögling seines jetzigen Mieters. Nachdem der Besuch gestern abend ohne Erfolg versucht hatte, in der Wirtschaft Nickel, Stockhäuserhof, einen Renner zu verkaufen oder Geld zu pumpen (den Renner wurde er dann auf der Mücke los), ging er morgens vor Tag mit dem Motorrad des Mietsherrn Göbel durch.

Da aber die Zündkerze fehlte, mußte der arme Junge das Motorrad bis auf den Stockhäuserhof drücken. Der Einfachheit halber schnitt er den Laufriemen entzwei. In der Fahrradhandlung von Otto Nickel erschwindelte er sich dann unter allerlei Märchen Zündkerze und Riemen und stob ab. Dem Vernehmen nach ist die Reise in Butzbach zu Ende gegangen. Man hat ihn schon.

 

Volksbildungsabend

Gestern abend (7. Februar 1926) veranstaltete der Männergesangverein im Saal des Gastwirts Diehl in Lardenbach seinen diesjährigen Volksbildungsabend. In urwüchsiger Weise wurden die heiteren Dorfbilder von Vonalt aufgeführt. Einige Chöre (u. a. "Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein!", "Deutsches Reiterlied", "Morgenruf") schmückten die Pausen würdig aus. Der Bruderverein Freienseen war geschlossen erschienen und sang ebenfalls vier Lieder voll Schönheit mit vorzüglichem Stimmenausgleich. Der Besuch war sehr stark.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
06. Februar 1926

Arbeitslosigkeit im unteren Vogelsberg

Die Witterungsverhältnisse waren diesen Winter nicht immer die angenehmsten, denn schon im Herbste hatte man einen solchen Frost und Schnee, daß sogar, was sehr selten vorkommt, die Holzhauer einige Zeit nicht fällen konnten. Aber durch diese Pause wird trotzdem das Holzhauen nicht später beendet werden, weil durch die allgemeine Erwerbslosigkeit einmal die seither bestandenen Rotten sich vergrößert haben und dann auch mehr Rotten eingesetzt wurden. Man muß es begrüßen, daß hier durch die Forstämter der zum größten Teil schuldlosen Arbeitslosen gedacht und das allzugroße Elend etwas gelindert wurde.

Wie wird nun die Arbeitslosigkeit im Frühjahr werden? Allem Anschein nach nicht ganz zufriedenstellend. Unsere Gegend wird von der Arbeitslosigkeit, die hier in der Industrie herrscht, schwer betroffen. Aber auch die Landwirtschaft leidet schwer darunter, denn Industrie und Landwirtschaft hängen sehr voneinander ab, eine Tatsache, die in besseren Zeiten sehr oft verkannt wurde. Gewöhnlich dachte der Arbeiter, die Erzeugnisse des Landwirts müßten billiger sein, und der Landwirt dachte, der Arbeiter könne billiger schaffen.

Aber dieser Gedanke ist falsch, denn beide Berufe sind sehr abhängig voneinander und müssten deshalb Hand in Hand gehen. Es klingt sonderbar, ist aber zutreffend: Sobald die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sehr billig sind, kann sie der Arbeiter am schlechtesten kaufen, und umgekehrt mangelt dann dem Landwirt das Geld zum Ankauf von Industrieerzeugnissen. Deshalb, Arbeiter und Bauern, seid gegenseitig nicht gehässig und bekämpft Euch nicht, sondern geht Hand in Hand!

 

Anschaffung einer Motorspritze

Der Kreis Gießen hat als erster hessischer Kreis eine Motorfeuerspritze angeschafft, die der Überlandlöschhilfe dienen soll. Die Motospritze wird in Gießen stationiert. Auch ein Automobiltransportwagen zur Beförderung der Bedienungsmannschaften wird angeschafft werden.

(Grünberger Anzeiger)

 
01. Februar 1926

Nebenbahnen

Vom Standpunkte der Anwohner der Nebenbahnen war es zu begrüßen, daß die Strecke Grünberg-Lich unlängst sich nach langen Mühen den gewünschten Abendzug erkämpft hat. Aber um so bedauerlicher erscheint es uns an der Strecke Mücke-Laubach-Hungen, daß die Reichsbahnverwaltung so schlecht für unsere Verkehrsbedürfnisse sorgt und sich auch wohl garnicht mit der Absicht zur Abhilfe trägt.

Es sind wiederum die Orte Freienseen, Lardenbach-Weickartshain und Stockhausen, die an jener Bahnstrecke die allerschlechtesten Reisemöglichkeiten besitzen. Es ist doch ein unhaltbarer Zustand, daß werktags um 5.06 der letzte Zug Mücke in der Richtung Hungen verläßt. Kommt man aber von Hungen, so hat man hier gar schon um 3.04 Uhr die letzte Anschlußmöglichkeit.

Wir glauben, im Rahmen des Möglichen zu bleiben, wenn wir wünschen, daß der Zug, der Hungen abends 7.22 Uhr verläßt, über sein Ziel Laubach hinaus bis Mücke durchgeführt wird, von wo aus er nach 9 Uhr wieder nach Laubach zurückfahren könnte. Dadurch wären Anschlüsse an die Abendzüge hergestellt. Hoffentlich hat die Bahnverwaltung ein Einsehen!

(Grünberger Anzeiger)

 
30. Januar 1926

Budget "Volksschule"

Wie aus den letzten Landtagsverhandlungen zu sersehen war, wird das Budget des hessischen Staates durch das Kapitel "Volksschule" sehr stark belastet. Nach dem alten Schulgesetz für Hessen bezog jeder definitiv aufgestellte Lehrer den Grund- oder Stellengehalt von 900 Mk. aus der Gemeindekasse. Nur die Dienstzulage wurde vom Staat entrichtet. Außerdem hatte die Gemeinde die Vergütung für den Handarbeits- und Fortbildungsschulunterricht aufzubringen. Ferner wurde die Dienstwohnung für den Lehrer unentgeltlich gestellt. Nach dem neuen Volksschulgesetz gingen alle diese Lasten auf den Staat über.

(Grünberger Anzeiger)

Fotos

 
09. Januar 1926

Eisenerzmarkt und Bauernprotest

Die Lage des Eisenerzmarktes im Lahn- und Dillgebiet in Oberhessen hat sich im Dezember weiterhin verschlechtert. Die noch in Betrieb befindlichen Gruben können nur noch mit äußerster Anstrengung ihren Betrieb aufrecht erhalten. Wenn auch die flüssigen Mittel für die Zahlung von Löhnen und Gehälter bisher noch gereicht haben, so können doch die fälligen Steuern und sozialen Lasten bereits nicht mehr fristgerecht aufgebracht werden. Man befürchtet, daß durch etwa zu erwartende Zwangsbetreibungen auch noch die letzten Gruben zum Erliegen kommen werden.

Über 1000 Kleinbauern und Kleingewerbetreibende des Vogelsberges waren am 6. Januar in Schotten versammelt, um Protest zu erheben gegen die untragbaren Steuern. Es wurde scharfe Kritik geübt an der Steuerveranlagung des Vogelsberger Notgebietes, sowie am Steuerdruck des Reichs und des Volkstaates Hessen. Ist die Regierung nicht gewillt, einschneidende Sparmaßnahmen zu ergreifen und uns die geforderte Erleichterung zu verschaffen, so wird sie dafür verantwortlich zu machen sein, wenn der Bestand unseres Hessenlandes für die Zukunft gefährdet ist.

(Grünberger Anzeiger)

 
02. Januar 1926

Aus Stadt und Land 1926

Das hessische Gesamtministerium hat bestimmt: Jede Maskerade und jedes karnevalistisches Treiben, wie beispielsweise auch das Werfen von Konfetti und Luftschlangen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten, ist verboten. In der Zeit von Aschermittwoch ab sind alle karnevalistischen Veranstaltungen, wie Maskenbälle, Kostüm- und Trachtenfeste, Kappenabende usw. auch für geschlossene Gesellschaften verboten. Wer den Vorschriften zuwiderhandelt, oder sich an einer verbotenen Veranstaltung beteiligt oder eine Veranstaltung in seinen Räumen duldet, wird mit Gefängnis bis zu 3 Monaten und mit Geldstrafe bis zu 10 000 RM. oder mit einer dieser bestraft.

(Grünberger Anzeiger)

 

 

 

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