"Platt geschwatzt en gesunge", 2000

Der für sein kulturelles Wirken bekannte Klein-Eichener Arbeitskreis zur Rettung der Lebensfreude (K.A.R.L.) präsentierte nach seiner letztjährigen Musical-Gala in der Gallushalle in diesem Jahr einen Mundartabend in besonderer Güte. Unter dem Motto "Platt geschwatzt en gesunge" kam der oberhessische Dialekt bei Vorträgen des bekannten Mundart-Dichters Emil Winter (Heuchelheim) und der in Gonterskirchen beheimateten Musikgruppe "Dreschflegel" so richtig zur Geltung.

Wer früher in einem hessischen Dorf geboren wurde, ist mit "Platt" groß geworden. Erst mit Schulbeginn wurde einem Kind das Hochdeutsch beigebracht. Heute lernen viele Kinder nur Hochdeutsch zu sprechen und erleben den heimischen Dialekt als "eigentümliche" Sprache ihrer Großeltern und anderer Alter. In manchen Kreisen gilt Dialekt sogar als "unfein" und wird ganz bewusst verdrängt. Damit das "Platt" nicht ganz vergessen wird, hat K.A.R.L. am Samstag (8. April 2000) diese Veranstaltung mit heimischen Künstlern zum Thema organisiert.

Bei der auch von zahlreichen auswärtigen Gästen gut besuchten Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus gab es in dem knapp vierstündigen Programmablauf immer wieder Höhepunkte. Nach der Begrüßung durch die Vereinsvertreterin Ulrike Wyche gab sich die unter Leitung von Berthold Lind stehende Gruppe "Dreschflegel" die Ehre und zeigte mit zahlreichen Liedern die unbegrenzte Vielfalt von Sprache und Musik auf.

Schwerpunkte der musikalischen Mundartvorträge von Georg Damster, Volker Hartmann, Paul-Werner Koch und den auf der Gitarre begleitenden Berthold Lind waren neben eigenen Werken Lieder der über die heimische Region hinaus bekannten Gruppe "Fäägmeel". Besungen wurde dabei besonders das Leben auf dem Lande. Im ersten Abschnitt standen u. a. Themen wie "Wasserkron und Gossestoa", "Bulldog und die Madche" und die "Vorzüge des Alters" an.

Mit Spannung erwartet, betrat danach "de Deestemol und Co-Rentner" Emil Winter die Bühne und begeisterte nach einer allgemeinen Einführung über die Dialektsprache mit seinen Beiträgen das Publikum. Er stellte fest, dass Dialekt für jeden Menschen zugleich Heimat, Heimweh und Tradition bedeute. Zusammengefasst nannte er diese Fakten auch "Stallgeruch", durch den heute die Erinnerungen an die Vergangenheit wach werden.

Nach Meinung des Autors solle man "schwätze, wie von Oma ins Ohr geflüstert". Bei seinen Gedichten und Geschichten lagen Erinnerungen, Besinnliches und Nachdenkliches immer in einem sehr engen Rahmen. Nostalgie und Uznamen-Identität von heimischen Dörfern kamen ebenfalls nicht zu kurz. Zur Ergänzung seiner eigenen Werke bereicherte Winter sein Programm mit Beiträgen der bekannten Heimatdichter Lutz Dönges und Georg Hess.

Neben der Abstimmung mit der Gruppe "Dreschflegel" ging der Heuchelheimer besonders auf sein Publikum ein. Die Mundartmusiker heizten bei weiteren Auftritten nochmals richtig ein. Viel Beifall heimsten sie für ihre Welturaufführung von der "Moorhuhnjagd om PC" und dem Lied der "Mauernschesser" ein. Musikalisch wiedergegeben wurde weiterhin "Pritsche, Platz und Quetschehoink" und die heute ganz in Vergessenheit geratene und in der Landwirtschaft kaum noch eingesetzte "Pullpompe".

Mit dem verdienten Beifall des Publikums endete ein Abend, der den heimatverbundenen Besuchern bestimmt nicht nur wegen seines Unterhaltungswertes in Erinnerung bleiben dürfte.

(Karl-Ernst Lind)

 
 
Klein-Eichen
 
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Pitt, Martin und Gitte
 
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Begrüßung durch Ulrike Wyche
 
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"Dreschflegel" aus Gonterskirchen
 
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Emil Winter aus Heuchelheim
 
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Emil Winter und "Dreschflegel"
 
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Karlheinz Hollederer, Reiner Roth und Emil Winter
 
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K.A.R.L.: Werner Zimmer, Gitte Schmidt, Pitt Schmidl, Ulrike Wyche, Barbara Ruckelshausen, Ingrid Blauert und Martin Zimmer
 
 

 

 

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