Klein-Eichen und Lardenbach, 1971

Die Gemeinden Lardenbach und Klein-Eichen liegen im Osten von Gießen am Fuße des Vogelsbergs. Wegen ihrer schönen Lage und der waldreichen Umgebung sind sie ein beliebtes Ausflugsziel. So beginnt ein Artikel in der Gießener Allgemeine Zeitung vom 4. August 1971. Weiter: Die Gemeinde Lardenbach ist eine besonders alte Siedlung, 776 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt. Lange Zeit gehörte sie zum Machtbereich des Grafen zu Solms-Laubach. 1806 wurde sie hessisch.

Beide Dörfer sind heute zu einer Siedlung zusammengewachsen, die sich weitgehend ihren ländlichen Charakter erhalten konnten. Lardenbach hat heute 420 Einwohner, Klein-Eichen dagegen 196. In der Gemeinde Lardenbach gibt es zwölf Einpendler und um die 80 Auspendler. Die Gemarkung ist 320 Hektar groß, davon entfallen auf Waldgebiet 200 Hektar. In der Nachbargemeinde gibt es keine Einpendler, dagegen rund 50 Auspendler. Hier ist die Gemarkung 225 Hektar groß, davon sind aber nur 8,8 Hektar Wald und 196 landwirtschaftlich benutztes Gebiet.

Der Schwerpunkt der Dorfentwicklung liegt in beiden Dörfern immer noch auf der Landwirtschaft, doch der Trend tendiert zu Nebenerwerbsbetrieben. So gibt es in Lardenbach nur noch einen Vollerwerbsbetrieb im Gegensatz zu 1960, als noch fünf vorhanden waren. Nebenerwerbsbetriebe gibt es noch 42. In Klein-Eichen liegt die Situation ähnlich, hier bestehen noch zwei Voll- und 21 Nebenerwerbsbetriebe.

Industrieansiedlungen haben beide Gemeinde keine und auch in Zukunft werden wohl keine angesiedelt werden. Dagegen wird in den letzten Jahren besonderes Gewicht auf die Neuerschließung von Baugebieten gelegt. 1965 wurde in Lardenbach ein Baugebiet von 13 Bauplätzen erschlossen, wovon heute nur noch drei zur Verfügung stehen. Ein weiteres Baugebiet, "Hinter der Schule", mit 40 bis 50 Bauplätzen ist geplant.

In Klein-Eichen wurden in den Jahren von 1965 bis 1969 zehn Bauplätze erschlossen, von denen bis jetzt neun bebaut sind. Auch hier ist ein neues Baugebiet mit 14 bis 18 Bauplätzen geplant, die teilweise schon erschlossen sind.

In beiden Gemeinden sind die Straßen, bis auf die jeweils anfallenden Neubaugebiete, völlig ausgebaut. Bei den Feldwegen sind wenigstens die Hauptwege größtenteils ausgebaut. Erst 1970 wurden in beiden Dörfern je 1,5 Kilometer Feldwege mit Schwarzdecke versehen. Ein weiterer Ausbau wird angestrebt.

Die Straßenbeleuchtung wurde in beiden Orten 1967 völlig erneuert und bis auf Routinearbeiten auch abgeschlossen. Den Strom liefert das ZOV Friedberg. Für die Wasserversorgung besteht ein Zweckverband Lardenbach - Klein-Eichen, für den 1963 ein neuer Brunnen errichtet wurde, der die eigene Wasserversorgung gewährleistete. Der Abwasserverband Seenbachtal, dem beide Gemeinden vor dem Zusammenschluß angehörten, wurde aufgelöst.

Der ordentliche Haushalt der Gemeinde Lardenbach betrug im Jahre 1970 205 000 DM, dazu kam der außerordentliche Haushalt mit 110 000 DM. Schlüsselzuweisungen hatten eine Höhe von 22 000 DM. Durch die Grundsteuern A und B kamen 10 000 DM und durch die Gewerbesteuer 18 000 DM ein.

Das Haushaltsvolumen des ordentlichen Haushalts von Klein-Eichen umfaßt 46 000 DM, das des außerordentlichen Haushalts 112 000 DM. Am 31.12.1970 hatte das Dorf etwa 65 000 DM Schulden. Die Schlüsselzuweisungen betrugen 146 000 DM und die Kreis- und Schulumlage etwa 7500 DM. Durch die Grundsteuern A und B hatte die Gemeinde Einkünfte in Höhe von 5500 DM und durch die Gewerbesteuer 300 DM.

Das Kulturleben wird von beiden Gemeinden gemeinsam getragen. Es gibt einen großen Männergesangverein und einen Sportverein, die im Augenblick noch rege sind, doch läßt das Interesse der Jugend an Vereinen rapide nach. Beide Gemeinden haben eine Freiwillige Feuerwehr, Lardenbach war 1970 hessischer Landesmeister.

Im Augenblick haben die Kinder der Gemeinden noch keine Gelegenheit, einen Kindergarten zu besuchen. Es ist aber von der Stadt Grünberg geplant, im Stadtteil Seenbrücke einen gemeinsamen Kindergarten mit dem Namen "Seenbachtal" zu errichten. Die Kinder des ersten bis vierten Schuljahres gehen in die Grundschule Lardenbach - Klein-Eichen, später steht ihnen die Mittelpunktschule in Grünberg zur Verfügung.

Von 1955 bis 1970 war Reinhard Mölcher Bürgermeister von Lardenbach. Klein-Eichen hatte seinen Bürgermeister Erich Funk zehn Jahre lang, von 1960 bis 1970. Mit Wirkung vom 1. Januar 1971 wurden beide Gemeinden Stadtteile von Grünberg. Zusammen mit neun anderen Gemeinden gliederten sie sich der Stadt Grünberg an.

(Gießener Allgemeine Zeitung)

 
 
Klein-Eichen Lardenbach

Als eine Gemeinde kann man die beiden Orte Klein-Eichen und Lardenbach im östlichen Kreisgebiet in der Nähe Grünbergs bezeichnen. Als natürliche Grenze kann man hier die Lardenbach (Grenzgraben) anführen, die auf dem Bild diagonal von rechts nach links verläuft. Der obere Teil im Bild zeigt die Gemeinde Klein-Eichen, wo das Gelände nach Norden hin bis auf etwas mehr als 300 Meter ansteigt. Die Straße, die vom linken Bildrand in den Ort hineinführt, kommt von Ilsdorf und verläuft durch den Ortskern in Richtung Sellnrod aus der Gemarkung wieder heraus. Nach Groß-Eichen geht die Straße, die am Friedhof vorbei ins Feld führt. Etwa parallel zu dieser Straße geht etwas weiter rechts ein Weg zum neuen Wochenendgebiet von Klein-Eichen. Am Ortseingang von Sellnrod her kommend, kann man an der rechten Seite den Brandweiher mit dem danebenstehenden Feuerwehrhaus erkennen. Dahinter steht das "Stromhäuschen" und Gefrierhaus.
Eine Brücke verbindet die Gemeinde Klein-Eichen mit Lardenbach, dessen Kern an der Straße, die von Sellnrod nach Weickartshain/Seenbrücke führt. Kurz vor der Einmündung auf die Hauptstraße liegt an der rechten Seite der Friedhof mit der dazugehörigen Leichenhalle. Das Gemeindehaus mit Feuerwehrhaus befindet sich links an der Kreuzung in der Ortsmitte, wo eine Straße nach Süden in Richtung Sportplatz verläuft. An diesem Weg kann man von Süden gesehen die Schule mit Schulhof erkennen. Die evangelische Kirche liegt auf der Verlängerung der Straße, die von Klein-Eichen nach Lardenbach geht. Ein neues Baugebiet erstreckt sich an der linken unteren Ecke .

(Foto: Flugdienst Reichelsheim, W. Philipps/Gießener Allgemeine Zeitung))

 
 

 

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