Pfarrer Abschied 1978

Die Tage, an denen Martin und Ellen Breidert noch vor ihrer Gemeinde predigen werden, sind gezählt. Am 2. April (1978), genau vier Jahre nach ihrer Ankunft, werden sie aufhören, sich um die Menschen, den Kirchenchor, den Konfirmanden-Unterricht und die elf kirchlichen Gebäude in den drei ihnen anvertrauten Pfarreien zu kümmern. An ihrer neuen Wirkungsstätte sind weder sie selbst, noch irgendein Bürger aus ganz Mücke je gewesen: Abetifi ist ein Ort an der flächenmäßig größten Fluß-Aufstauung der Welt, dem Volta-Stausee im westafrikanischen Staat Ghana.

Ganz soweit ist es aber noch nicht. Zunächst fährt das evangelische Theologen-Ehepaar mit den Kindern nach Basel, wo ein mehrmonatiges Vorbereitungsprogramm anlaufen soll. Nach einem einmonatigen Sprachstudien-Aufenthalt in England geht die Reise dann im August in das schwarzafrikanische Laien-Fortbildungszentrum.

"Warum tun Sie das?", wurden der gebürtige Südhesse und seine dänische Frau in der letzten Zeit schon oft gefragt. Die Antwort lautete: "Unsere Lehrjahre sind noch nicht zu Ende." Die kommenden Erfahrungen sollen den eigenen Glauben und Lebensstil bereichern, erläutert der in Marburg zum Doktor der Theologie promovierte Pfarrer. "Außerdem wollen wir ein Stück christliche Solidarität beweisen - zeigen, dass uns die Not in den Entwicklungsländern nicht gleichgültig läßt."

Die Einwohner von Sellnrod, Groß- und Klein-Eichen, Freienseen und Altenhain sehen den Weggang der Familie Breidert gar nicht gern. "Da ist schon manche Träne geflossen", meint die ordinierte Pfarrerin bedauernd. Auch dem Ehepaar fällt der Abschied nicht leicht. "Wir haben uns hier völlig eingelebt. Die Menschen waren sehr hilfsbereit." Doch es hilft nichts, der Abschiedsgottesdienst ist am 2. April.

Familie Breidert wird mindestens zwei, höchstens sechs Jahre in Afrika bleiben. Auf die drei verwaisten Gemeinden wartet inzwischen eine ungewisse Zukunft; es gibt nicht genügend Pfarrer, die gern aufs Land ziehen.

Für die Filiale Klein-Eichen hat Pfarrer Breidert einiges bewirkt. Maßgeblich hat er die umfassende Renovierung der Klein-Eichener Fachwerkkirche auf den Weg gebracht. Und der heute noch in Lardenbach abgehaltene Himmerlfahrtsgottesdienst hatte seinen Anfang durch Pfarrer Breidert im Klein-Eichener Steinbruch. Der Gottesdienst wanderte ab nach Lardenbach. Aber seit dieser Zeit in den 1970er Jahren, feierten dann die Klein-Eichener weiter in ihrem Steinbruch - bis heute!

 
 
Martin Breidert
Pfarrer Martin Breidert
 
 

 

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