Jagdgenossen Stockhausen/Klein-Eichen, 1991

In der Versammlung der Jagdgenossenschaft Stockhausen und Klein-Eichen am vergangenen Samstag (9. März 1991) im Gasthaus Bingel in Klein-Eichen erörterten die Pächter Helmut und Karin Nickel sowie Karl Jüngst ausführlich auf die Probleme des Jagdwesens. Nickel meinte, die von übergeordneten Stellen vorgeschlagenen Hegemaßnahmen seien nicht immer angebracht. Er bemängelte die seit drei Jahren erfolgten Tollwut-Schutzimpfungen bei Füchsen, die einen erheblichen Eingriff in die Natur mit schwerwiegenden Folgen für den Niederwildbesatz bedeuteten. Der Fuchs-Bandwurm könne für den Menschen zu einer erst zu spät erkennbaren tückischen Krankheit führen.

Die Fallenjagd sei zu Unrecht ins Zwielicht geratenen. Nickel sah sie als notwendige, legitime Jagdausführung an, die zur Hege des Niederwildes unerläßlich sei. In diesem Zusammenhang bedauerte er, dass das Jagdwesen nicht mehr von Praktikern, also Jägern, sondern von Jagdgegnern bestimmt werde. Selbst anerkannte Fachleute fänden kein Gehör mehr. Die Jagdgegner von heute, die jetzt das Rehwild als Schädling Nummer eins ansehen und zugleich das Jagdsystem kritisieren, rufen schon morgen wieder zu dessen Schutz auf. Nickel warnte vor dem Auftreten dieser "ökologisch gefährlichen Kritiker". Und er verurteilte letztlich Bemühungen, das Rebhun unter Naturschutz zu stellen.

Seinen Antrag, dem "Verband der Jagdgenossenschaften im Kreis Gießen" schon in diesem Jahr beizutreten, erläuterte Helmut Nickel zusammen mit Landwirt Otto Reitz. Ihn störe die Ausführung der Interessenvertretung durch den Verband gegenüber dem Jagdpächter. Die Jagdversammlung könne ihre Interessen gegenüber dem Jagdpächter selbst vertreten. Nur ein Miteinander beider Seiten führe zum Erfolg. Für den Beitritt spräche der Erhalt des Reviersystems, das - trotz extrem hoher Bevlkerungsdichte und fast 100prozentigen Verlustes von Naturlandschaften - zum beispielhaften Erhalt des Wildbestandes beitrage. Dem Antrag wurde zugestimmt..

Eröffnet hatte diese Versammlung Jagdvorsteher Karl Bräuning. Unter den Gästen waren Stadtrat Gerhold Knöß, die Ortsvorsteherin Bärbel Siedler (Stockhausen), Ortsvorsteher Manfred Daniel (Klein-Eichen) und den zuständigen Förster Karlheinz Keitzer. Sein besonderer Gruß galt den "Seenbachtal-Jagdhornbläser" unter Leitung von Otto Biedenkopf, die diese Versammlung mit zahlreichen Jagdsignalen umrahmten.

Nach dem Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden und Kassenbericht des Rechners Otto Reitz sowie des Kassenprüfers Otto Bingmann erfolgte die Entlastung des Jagdvorstandes. Über die Verwendung der Jagdpacht war sich die Versammlung einig, so dass diese unter der Regie der Stadt für das Abschieben von Banketten und für die Ausbesserungen des Köppelweges in Klein-Eichen und des Friedhofweges in Stockhausen zur Verfügung gestellt werden.

(Karl-Ernst Lind)

 
 
 

 

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