20 Jahre Großgemeinde Grünberg, 1991

Verbunden mit dem Jahreswechsel 1990/91 ist das Zustandekommen der Großgemeinde Grünberg vor nunmehr zwanzig Jahren. Eine offizielle Geburtstagsfeier fand aus diesem Anlass nicht statt. Die Neigung zur Schaffung größerer Gebietskörperschaften war landesweit vorgegeben. Es lag damals im Trent, dass sich kleinere Gemeinden größeren anschlossen, steuerschwache Gemeinden waren willig mit finanzstarken zusammen zu gehen. Höhere Schlüsselzuweisungen war für manchen damaligen Gemeinderat entscheidend, sein Votum für den Zusammenschluß abzugeben.

Grünbergs Bürgermeister Karl Anschütz und sein Mitstreiter Karl Keil waren unermüdlich unterwegs, noch vor Jahresende 1970 die Grenzänderungsverträge unter Dach und Fach zu bekommen. Das Jahresende 1970 war Stichtag für die erhöhten Schlüsselzuweisungen. Für viele Gemeindevertreter ergab sich daraus ein Gewissenskonflikt. Einerseits waren die finanziellen Anreize gegeben, die für den Zusammenschluß sprachen, andererseits mußte man sich den Vorwurf gefallen lassen die Gemeinde zu verkaufen.

Mit Datum vom 2. November 1970 wurde eine Informationsschrift des damaligen Bürgermeisters an die für einen Zusammenschluß in Frage kommenden Gemeinden verschickt. Bis zum Jahresabschluß blieb kein großer Spielraum für Überlegungen und öffentliche Diskussionen. Es galt, zu handeln. Zwischen dem 22.11.1970 und dem 28.12.1970 entschied man sich in 11 der heute 13 Ortsteile für den Zusammenschluß.

Es begann mit Weickartshain am 22.11., Klein-Eichen und Göbelnrod am 25.11., Queckborn am 26.11., Stockhausen und Beltershain am 27.11., Weitershain und Stangenrod am 7.12., Lumda am 9.12., Harbach am 22.12. und Lardenbach am 28.12.. Reinhardshain war sich seiner Steuerkraft bewußt und ließ sich Bedenkzeit einräumen. Auch Lehnheim, welches erst kurz vorher aus dem damaligen Kreis Alsfeld kam, erbat sich zunächst etwas Bedenkzeit. Letztlich wurden auch jene "Nachzügler" (Lehnheim 22.10.1971 und Reinhardshain 22.12.1971) noch angenommen, ohne dass sie mit den angedrohten finanziellen Einbußen konfrontiert wurden.

Im Wortlaut des allgemeinen Textes unterschieden sich die einzelnen Grenzänderungsverträge kaum. Erhebliche Unterschiede, treten hervor bei der Betrachtung der Wünsche der damals selbständigen Gemeinden.

Die Verwaltungsgestaltung Grünbergs umfasste viele Themen. Unter anderem sind dies: Die Jagdbezirke bleiben als selbständige Gebilde in den Anschlußgemeinden bestehen. Ortsgerichte behalten ihren Sitz am Orte. An dem Bestand der Vereine ändert sich nichts. Die Selbständigkeit der Feuerwehren bleibt gewahrt, ihre Vervollständigung ist Sache der Großgemeinde. Die Verkehrsverbindungen zu den einzelnen Gemeinden können im Bedarfsfall noch wesentlich verbessert werden. Ortsbeiräte als Wahrer der Interessen der Gemeinden werden bestellt. Sie sind vor allen wichtigen Entscheidungen zu hören. Die ausscheidenden Bürgermeister können, soweit ein Interesse vorliegt, ohne weiteres eine Beschäftigung erhalten, ebenso die Rechner. Die Gebührensätze in den einzelnen Ortsteilen bleiben vorerst bestehen. Zweckverbände können jederzeit auch zwischen Großgemeinden geschlossen werden. Bei Abwasserverbänden können solche Fälle auftreten.

(Grünberger Heimat Zeitung)

 
 
Klein-Eichen
Klein-Eichen und Lardenbach im Januar 1991
 
 

 

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